
P. Franciszek Miśka SDB
Seliger P. Franciszek Miśka SDB
* 05.12.1898 in Tannendorf (bei Pless, Oberschlesien)
† 30.05.1942 im KZ Dachau
KZ Dachau ab ...
Seliggesprochen am 06.06.2026
Gedenktag: 23.05.
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Inhaltsübersicht
Kurzbiografie von P. Reinhard Gesing SDB
Franciszek Miśka wurde 1898 in Swierczyniec (Oberschlesien) geboren. Nach dem Theologiestudium und der Priesterweihe 1927 in Turin kehrte er nach Polen zurück.1941 zwangen die deutschen Besatzungsbehörden ihn, Amtsbrüder im deutschen Gefängnis für Priester in Ląd zu betreuen. Nach brutaler Folter wurde Franciszek Miśka am 30. Oktober 1941 nach Dachau verschleppt. Dort war er Zwangsarbeiter und unmenschlichen Lebensbedingungen ausgesetzt. Er starb am 30. Mai 1942, in der Krankenstation, Revier, des Konzentrationslagers Dachau.
Biografie von P. Reinhard Gesing und Klemens Hogen-Ostlender
Am 12. Juni 2026 wurde im Karmel Heilig Blut in Dachau zum ersten Mal das Gedenken des neuen seligen Märtyrers von Dachau, des Salesianermärtyrers P. Franciszek Miśka, begangen. Wenige Tage zuvor war er zusammen mit acht anderen Salesianermärtyrern, die in Auschwitz starben, in Krakau seliggesprochen. Der Salesianerpater Reinhard Gesing, von dem auch der ursprüngliche Artikel über P. Franciszek Miśka stammte, ging in seiner Predigt auf das Leben des Mannes ein, der sich durch seine unerschütterliche priesterliche Identität und seine Solidarität mit den anderen bedrängten polnischen Priestern auszeichnete. Auf der Grundlage der Predigt entstand dieser erweiterte Artikel.
Franciszek Miśka wurde am 5. Dezember 1898 im oberschlesischen Tannendorf bei Pless in Oberschlesien (heute Świerczyniec bei Pszczyna) als fünftes Kind von Jan Miśka und seiner Ehefrau Zofia, geb. Pilorz, geboren. Im Alter von drei Tagen empfing er die Taufe in der Kirche St. Bartholomäus in Berun (Bieruń Stary). Sein Vater ernährte die elfköpfige Familie mit der Arbeit auf einem 15 Hektar großen Bauernhof. Polen existierte damals als Staat nicht, weil es seit 1795 unter Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt war. Die Familie pflegte trotzdem die polnische Tradition, indem sie polnische Bücher und Zeitschriften verteilte, polnische Lieder sang und einen Verein für eine öffentliche Leihbibliothek mit polnischen Büchern leitete.
Nach dem Abschluss des Gymnasiums der Salesianer in Auschwitz trat Franciszek in das Noviziat der Salesianer in Pleszów ein und legte am 24. Juli 1917 seine Gelübde ab. Er studierte Philosophie in Krakau und absolvierte anschließend ein pädagogisches Praktikum in den Einrichtungen der Salesianer in Oświęcim (Auschwitz) und Przemyśl. Für sein Theologiestudium wurde er nach Turin geschickt, wo er am 10. Juli 1927 auch die Priesterweihe empfing. P. Franciszek kehrte anschließend nach Polen zurück und wirkte von 1929 an zunächst in Przemyśl als Oberrat und Religionslehrer in einem Kinderheim der Salesianer. Die nächste Station seines Dienstes war Wilna, wo er als Katechet an einer salesianischen Berufsschule tätig war. 1931 wurde Pater Miśka die Leitung der salesianischen Niederlassung in Jaciążek bei Maków Mazowiecki übertragen, deren Direktor er fünf Jahre lang blieb. Tadeusz Malawski, der dort sein Schüler war, bezeugte später von ihm: „Er war ein herzlicher, väterlicher Mann. Seine Schüler und deren geistige und intellektuelle Entwicklung lagen ihm am Herzen. Er hielt ansprechende Vorträge und Predigten. Man erkannte in diesem Mann den Glauben und die Demut. Er war sehr fleißig.“
1936 wurde P. Franciszek Miśka zum Pfarrer der Pfarrei St. Marien und St. Nikolaus in Ląd an der Warta, einem Ort nordwestlich von Łódź, und einige Jahre später auch zum Direktor des dortigen „Kleinen Seminars“ mit gut 200 Schülern ernannt. In dieser Aufgabe war er zusätzlich zuständig für die Ausbildung und Begleitung der so genannten Mariensöhne, der männlichen Jugendlichen, die einen geistlichen Beruf anstrebten. Aus dieser Zeit berichte ein Zeuge, Zenon Henryk Śmigielski, über ihn: „Er genoss Autorität und große Wertschätzung für seine Güte und seinen vorbildlichen priesterlichen Dienst. Mit seinem Verhalten und seinen Lehren steigerte er die Frömmigkeit der Gemeindemitglieder, besuchte regelmäßig Kranke in ihren Häusern und organisierte konkrete Hilfe für die Armen. Alle sagten über P. Franciszek, dass er bereit war, mit den Bedürftigen auch ‚sein letztes Hemd zu teilen‘.“ Schon in Lad zeigte sich, dass Franciszek Miśka die Liebe Jesu Christi nicht nur predigte, sondern sie in seinem seelsorglichen Tun trotz widriger Umstände konkret erfahrbar zu machen suchte. Zudem kümmerte er sich um das Gebäude des ehemaligen Zisterzienserklosters und die ehemalige Klosterkirche und engagierte sich auch durch seinen pastoralen Dienst in den anderen Pfarreien des Dekanats.
Die Aussagen der Schüler bestätigen das große Engagement von Direktor P. Miśka bei der Entwicklung des salesianischen Werks und seine tiefe Spiritualität. Wir zitieren hier einen Zeugen, der von ihm sagte: „Er genoss Autorität und große Wertschätzung für seine Güte und seinen vorbildlichen priesterlichen Dienst. Mit seinem Verhalten und seinen Lehren steigerte er die Frömmigkeit der Gemeindemitglieder, besuchte regelmäßig Kranke in ihren Häusern und organisierte konkrete Hilfe für die Armen. Alle sagten über Don Franciszek, dass er bereit war, mit den Bedürftigen auch ‚sein letztes Hemd zu teilen‘.“
Nach dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 war P. Franciszek Miśka während der Kämpfe einige Wochen lang als Militärkaplan für die in der Umgebung von Ląd stationierten Truppen tätig. Nach der Kapitulation des Regiments und der gesamten polnischen Armee kehrte er aber bald in die Stadt zurück, um dort weiterhin als Pfarrer zu arbeiten. Am 6. Januar 1941 kam eine sehr einschneidende Zäsur in das Leben der Gemeinschaft von Ląd und vor allem auch in sein persönliches Leben. Spätestens seit diesem Tag rückte er ins Licht der Aufmerksamkeit der Besatzer seiner polnischen Heimat: Die Nationalsozialisten bestimmten nämlich, dass die Salesianerniederlassung Ląd als eine Art Übergangsgefängnis für den polnischen Klerus der Diözesen Włocławek (Leslau), Gniezno-Poznań und anderer Diözesen, aber auch einiger Ordensgemeinschaften werden sollte. Als ehemaliges Zisterzienserkloster schienen die Gebäude dafür sehr geeignet. P. Franciszek wurde dazu bestimmt, so etwas wie der „Kommandant“ dieses „Priestergefängnisses“ zu sein. Zu den Häftlingen gehörten einige, die später im KZ Dachau den Märtyrertod erleiden sollten wie der selige Weihbischof von Włocławek Michal Kozal.
Als solcher hatte er intern für die Disziplin und mit den salesianischen Mitbrüdern für den Lebensunterhalt aller zu sorgen. Man legte ihm diese ungewollte Aufgabe wohl deswegen auf, weil er sehr gut Deutsch sprach. Es folgte für ihn eine überaus kritische Zeit voller Druck und Repressalien, denn er wurde für alles verantwortlich gemacht, was in dem von ihm zu beaufsichtigenden Haftanstalt nicht nach den Wünschen der Besatzer lief. Die Zeugen, die später von dieser Zeit berichteten, beschreiben P. Franciszek trotz aller Demütigungen und Ungerechtigkeiten als einen sehr umsichtigen und klugen Direktor. Der spätere Erzbischof Kazimierz Majdański, der als Diakon des Priesterseminars von Włocławek in Ląd inhaftiert war, erinnerte sich beispielsweise später an P. Miśka wie folgt: „Sein Verhalten hier in Ląd kann, so wie ich es in Erinnerung habe, als Inbegriff der salesianischen Spiritualität bezeichnet werden: eine normale, nicht nach außen getragene Frömmigkeit, die sich in der Hingabe an die ihm anvertraute Aufgabe und in der Treue manifestierte, die, wie wir später sahen, bis zu seinem heldenhaften Tod anhielt. Er wurde von uns allen sehr geliebt und geschätzt.“
Insgesamt wurden 152 Priester und Seminaristen in Ląd inhaftiert, bevor sie weiter transportiert wurden. Auch die Mitglieder der Salesianergemeinschaft galten als Gefangene im eigenen Kloster. Nie betrachtete P. Franciszek sich selbst als Kommandant. Er sah die Häftlinge als seine Schützlinge an, die er für die Zeit ihres Aufenthaltes, so gut es möglich war, vor den Repressalien der Deutschen zu schützen suchte. Allen ihm Anvertrauten begegnete er mit Geduld und Verständnis. Er wollte, dass ihre Würde, ihr Alter und ihre Gesundheit bestmöglich respektiert werden. Einem jeden sprach er ein Wort der Ermutigung zu und machte in der Situation größter Unsicherheit immer wieder Hoffnung aus dem Glauben. Trotz eines offiziellen Verbots ermöglichte er es zudem, dass die Priester täglich die Messe feiern konnten. Innerhalb der Schicksalsgemeinschaft gab es auch ein regelmäßiges religiöses Leben und die Seminaristen konnten weiter durch Vorlesungen unterrichtet werden. P. Miśka selbst übte nach den verbliebenen Möglichkeiten seinen priesterlichen Dienst in Ląd weiterhin aus.
Mit viel Mut und großer Entschiedenheit setzte er seine deutschen Sprachkenntnisse ein, um die Inhaftierten vor den schlimmsten Gewaltausbrüchen des Wachpersonals zu schützen. Das machte ihn selbst zu einer Art „Blitzableiter“ für die ihm anvertrauten Mitbrüder. In einigen Fällen ließ er es zu, dass Seminaristen sich der Haft entzogen, obwohl er es hätte verhindern können. Und obwohl es auch ihm selbst möglich gewesen wäre, entschied er sich, nicht zu fliehen und unterzutauchen, sondern erwies sich als der Gute Hirte seiner ihm anvertrauten Herde, der er bis zum Letzten treu blieb. Zweimal wurde er, vermutlich wegen irgendwelcher Vorkommnisse, nach Inowrocław (Hohensalza) verschleppt und dort schlimmsten Torturen ausgesetzt. Einmal erhielt er dabei sogar 100 Stockhiebe. Im KZ Dachau nannten die Gefangenen diese Strafe „Die 25“, es waren dort Doppelschläge von 2 Männern gleichzeitig erteilt, aber nur einfach gezählt. Sie endete manchmal tödlich. Wurde sie auf 50 Hiebe verdoppelt, wurden diese an zwei aufeinanderfolgenden Tagen „verabreicht“. Ohne Zweifel kann man sagen, dass P. Miśka auf diese Weise als eine Art Sündenbock stellvertretend für alle anderen gefangenen Geistlichen in Ląd bestraft wurde. Er ertrug es wie der leidende Gottesknecht für seine Schützlinge. P. Franciszek zeigte dabei keinen Hass gegen die Verfolger.
Als Seelsorger gefragt, scheute er sich auch nicht, auch das Kind eines SS-Soldaten zu taufen, wusste er doch, dass die Botschaft von der Liebe und Barmherzigkeit des dreifaltigen Gottes allen Menschen gilt und Jesus Christus der Retter aller Menschen ist. Letztlich führte wohl die Flucht eines Seminaristen dazu, dass das so genannte Priestergefängnis von Ląd im Oktober 1941 aufgelöst und die Insassen in verschiedene Konzentrationslager verschleppt wurden.
Franciszek Miśka selbst kam zunächst in das Durchgangslager in Konstantynów bei Łódź und wurde am 30. Oktober 1941 ins KZ Dachau verschleppt, wo er die Häftlingsnummer 28037 erhielt. Auch dort wurde er von vielen Mitgefangenen als jemand erlebt, der anderen seine Solidarität erwies, zum Beispiel wenn er mit ihnen sein karges Essen teilte. Mit Geduld und Gleichmut ertrug er die täglichen Qualen und erwies sich auch im KZ als ein vorbildlicher Christ und Ordensmann. In der Positio des Seligsprechungsverfahrens heißt es von ihm: „Bis zum Schluss bewahrte er seine Gelassenheit. Selbst als er im Sterben lag, tröstete er die anderen.“ Doch seine äußerst geschwächte Gesundheit vermochte den Torturen angesichts der mangelnden Ernährung, der mörderischen Zwangsarbeit, der mangelnden Hygiene und der fehlenden Gesundheitsversorgung nicht lange standhalten.
P. Franciszek Miśka gehörte wie andere Häftlinge des Priesterblocks zu jenen, die den Mitgefangenen im gesamten Lagerbereich in sehr schweren Kesseln im Laufschritt die Suppe zu bringen hatten. Bei dieser Aufgabe stürzte er so schwer, dass er sich eine Hand brach. Im Lagerkrankenbau wurde er nur provisorisch versorgt. Bereits nach drei Tagen musste an die Arbeit zurückzukehren, was ihn endgültig schwächte. Wie ein Zeuge seiner letzten Lebensmomente, der Salesianer P. Józef Padurek, berichtete, erfüllte er trotz großer Erschöpfung diesen Befehl der „Henker“ und betrachtete ihn für sich als Gottes Willen. Jahre später schrieb der Mitgefangene Rektor Dr. Franciszek Korszyński aus der Diözese Wloclawek, der dort 1946 Weihbischof wurde, in seinem Buch „Jasne promienie z Dachau” (Helle Strahlen aus Dachau), wie P. Franciszek Miśka mit seiner Haltung die Herzen aller gewann.
Am Pfingstsonntag des Jahres 1942, dem 24. Mai, erklärte P. Miśka während eines Gesprächs mit den salesianischen Mitbrüdern, die zusammen mit ihm im KZ inhaftiert waren, dass er nicht mehr lange auf dieser Erde bleiben würde, da die Bedingungen im Block äußerst schlecht seien. Insbesondere der Blockälteste und Stubenälteste hatten es auf ihn abgesehen und schikanierten ihn unaufhörlich. Tatsächlich starb er schon kurz darauf, am 30. Mai 1942, dem Dreifaltigkeitssonntag. In den letzten Tagen seines Lebens konnte er keine Lagerkost mehr zu sich nehmen. Bei vollem Bewusstsein gab er betend und bis zuletzt andere tröstend seine Seele dem Schöpfer zurück. Sein Leichnam wurde im Krematorium des Konzentrationslagers verbrannt, die Urne nach der Befreiung des Lagers im Ehrenhain I des Friedhofs Perlacher Forst in München bestattet. Ein Zeuge, der junge Seminarist Antoni Kazimierz Łassa, brachte in seiner Aussage über P. Miśka zum Ausdruck, dass all sein Tun einem tief verwurzelten Glauben entsprang: „Ich kann sagen, dass aus seinem tiefen Glauben seine heroische Liebe erwuchs, seine glühende Frömmigkeit und sein authentischer Geist des Martyriums.“
Franciszek Miśka wurde eines der vielen Opfer der Zeit der sogenannten „Privilegien” – ein Ausdruck, der er Bösartigkeit des NS-Regimes seine Existenz verdankt. Diese „Privilegien“ sollten den im KZ gefangenen Geistlichen angeblich eine besser Behandlung bringen. Auch in dieser Zeit wurden sie aber besonders drangsaliert. Kardinal Adolf Bertram, der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz, hatte gegen die brutale Behandlung von Geistlichen durch ihre nationalsozialistischen Peiniger protestiert. Nach Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl führten die Nationalsozialisten die angeblichen „Privilegien“ ein, um den kirchlichen Behörden fälschlich mitteilen zu können, dass die Priester im Lager nicht arbeiteten, sondern nur das Essen verteilen müssten. Zusätzlich wurden sie aber zu schwerer Arbeit wie Schneeräumen und anderen körperlich stark fordernden Tätigkeiten eingesetzt und mussten obendrein strafexerzieren. Ab September 1941 waren die polnischen Geistlichen und die Deutschen ab Frühling 1942 außerdem auf der Plantage zu schwerer körperlicher Arbeit eingesetzt, ohne die sonst üblichen Zugaben an Nahrung, die „Brotzeit“ genannt wurden. Im Jahr 1942 war die Zahl der Toden unter den Geistlichen sehr hoch.
Die Essensverteilung bestand aus dem dreimal täglichen Tragen von sehr schweren großen Kesseln aus doppelwandigem Metall von der Lagerküche zu den einzelnen Blocks, ein weiter Weg. Morgens erhielten die Häftlinge sogenannten „Kaffee“, mittags Suppe und abends das Abendessen. Ein Priesterhäftling, der Dachau überlebte, schilderte das später so: „Auf ein Pfeifsignal hin mussten wir uns so schnell wie möglich zu zweit in einer Reihe aufstellen. Dann marschierte diese lange Reihe in Zweiergruppen zur Küche, um die Kessel mit Suppe und Kartoffeln zu holen. Es war nicht leicht, in unseren Holzschlappen über den rutschigen Boden dieser Küche zu gehen. Außerdem war es sehr gefährlich, da man zwischen Reihen von mit Stöcken bewaffneten SS-Männern hindurchgehen musste. Wenn einer von uns ausrutschte und hinfiel, löste er eine Lachsalve der unmenschlichen SS-Männer aus und wurde geschlagen. Der Kessel mit der Suppe war so schwer, dass nicht jedes Paar von geistlichen Häftlingen ihn tragen konnte. Der Kessel mit den Kartoffeln war zwar leichter, aber auch er bereitete den geschwächten und ausgemergelten Häftlingen große Schwierigkeiten. Mit aller Kraft und klopfendem Herzen verließ man die Küche, aber bis zum zugewiesenen Block war es noch weit. Wenn man die Zahl 30 auf den Kessel geschrieben sah, sank einem das Herz vor Schreck bei dem Gedanken, dass die Kräfte nicht bis zu diesem am weitesten entfernten Block reichen könnten.“
Das Tragen der Kessel war für ältere, kranke und körperlich schwache Priester eine große Qual. Der letzte Block 30 war etwa 400 Meter von der Küche entfernt. Auf dem steinigen Weg stürzten die Priester mit den schweren Kesseln oft, besonders bei Glatteis, und verbrannten sich dabei an dem heißen Essen. Dann wurden sie von den Blockaufsehern zusätzlich geschlagen und misshandelt. Das verschüttete Essen wurde dem Block des unglücklichen Geistlichen abgezogen, er und seine Kameraden blieben hungrig. Einer derjenigen, für die dieses „Privileg“ des Tragens von Essenskesseln zur Todesursache wurde, war Pater Franciszek Miśka.
Nicht nur Franciszek Miśka war während des Zweiten Weltkriegs ein Vorbild polnischen Widerstands gegen die Nationalsozialisten. Seine Familienangehörigen versteckten auf ihrem Bauernhof Menschen, die von der Gestapo verfolgt wurden, und aus dem Vernichtungslager Auschwitz geflohene Häftlinge. In Polen wurde ein Seligsprechungsverfahren für 122 polnische Märtyrer eröffnet, die zwischen 1939 und 1945 Opfer der deutschen Gewalt geworden waren. P. Miśka war einer dieser Männer. Das Verfahren von neun polnischen Salesianern wurde später aus der Gruppe der 122 ausgegliedert und getrennt weitergeführt.
Papst Leo XIV. unterschrieb am 24. Oktober 2025 die Erlaubnis zur Verkündung des Dekrets der Anerkennung des Martyriums der neun polnischen Salesianer, unter ihnen P. Franciszek Miśka. Ihre Seligsprechung wurde am 06.06.2026 in Krakau gefeiert. Informationen darüber unter Link.
Zitate
Leider wurden von P. Miska keine wörtlichen Zitate oder Texte aus seiner Feder überliefert. Es gibt aber eine Reihe aussagekräftiger Zitate über ihn:
„Er war ein herzlicher, väterlicher Mann.
Seine Schüler und deren geistige und intellektuelle Entwicklung lagen ihm am Herzen. Er hielt ansprechende Vorträge und Predigten. Man erkannte in diesem Mann den Glauben und die Demut. Er war sehr fleißig.“ (Tadeusz Malawski)
„Er genoss Autorität und große Wertschätzung für seine Güte und seinen vorbildlichen priesterlichen Dienst. Mit seinem Verhalten und seinen Lehren steigerte er die Frömmigkeit der Gemeindemitglieder, besuchte regelmäßig Kranke in ihren Häusern
und organisierte konkrete Hilfe für die Armen. Alle sagten über P. Franciszek, dass er bereit war, mit den Bedürftigen auch ‚sein letztes Hemd zu teilen‘.“ (Zenon Henryk Śmigielski)
„Ich kann sagen, dass aus seinem tiefen Glauben seine heroische Liebe erwuchs, seine glühende Frömmigkeit und sein authentischer Geist des Martyriums.“ (Antoni Kazimierz Łassa)
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