Biograpie Jozef Zaplata

Wieder steht unseren Lesern eine neue und etwas ausführlichere Biografie über einen der unbekannten polnischen Seligen zur Verfügung.

Autor: Klemens Hogen-Ostlender

Jozef Zaplata wurde am 5. März 1904 in Jerka bei Kościan geboren. 1909 zog seine Familie nach Wronowo um. Jozef besuchte die Volksschule in Turew, die er 1918 beendete. Am 14. April 1927 ging er nach seinem Militärdienst ins Klosterder Kongregation der Brüder des Allerheiligsten Herzens Jesu  in Puszczykowo. Am 8. September 1928 legte er in Alter von 24 Jahren die Zeitlichen Gelübde ab und am 10. März 1938 die ewnigen Gelübde. In den 30ger Jahren verrichtete er dort des Dienst des Küsters. Er war auch Vorsteher in der Elisabethkirche in Lwów (Lemberg), das heute in der Ukraine liegt.Später arbeitete Bruder Jozef als Pförtner im Ordinariat beim Primas von Polen, Kardinal August Hlond in Poznan (Posen).

Nach Kriegsausbruch
1939 entließ der Primas das ganze Kurienpersonal. Nur Bruder Józef blieb im
Erzbischofshaus, wo er am 3.Oktober 1939 von Gestapomännern festgenommen und in
der Posener Zitadelle inhaftiert wurde. Von dort aus wurde in das Gefängnis
nach Kazimierz Biskupi gebracht. Im August 1940 wurde Jozef Zaplata ins
Konzentrationslager in Mauthausen in Österreich und dann ins KZ in Gusen
verschleppt. Am 8. Dezember 1940 schickte man ihn ins Konzentrationslager in
Dachau. Dort wurde ihm die Nummer 22099 zugeteilt.

Als im Februar 1945
eine Typhusepidemie ausbrach, meldete er sich freiwillig in die isolierte
Krankenbaracke, um Kranke und Sterbende zu pflegen. Schließlich starb er am 19. Februar 1945
an Typhus und Entbehrung.Der ebenfalls in Dachau eingekerkerte
Priester Marian Balcerek erinnerte sich nach dem Krieg: „Bevor er aber gegangen
ist, verabschiedete er sich von den Mithäftlingen und Kollegen und enthüllte
dabei schüchtern die Intention, die er schon längere Zeit in seinem Herzen trug,
derer er sich aber nicht würdig fühlte: ‚Ich gehe um mein Leben zu opfern,
damit der sehr geliebte Kardinal August Hlond, Primas von Polen, ins Vaterland
nach dem Krieg zurückkehren könnte, denn dort wird man ihn sehr brauchen’“. Ein
anderer Mithäftling unterstrich: „Von diesem Bruder sagte man: „Die Liebe zu
Gott und zu den Mitmenschen konnte man bei ihm in jedem Moment seines
alltäglichen Lebens spüren“. Und ein weiterer Gefangener stellte fest: „Wer
diese Typhusbaracke betreten und sich dort angesteckt hat, ist als Märtyrer der
Liebe zu Gott und seinen Nächsten in den Himmel eingegangen“.

Jozef
Zaplata wurfe am 13. Juni1999 in Warschau von Papst Johannes Paul II. mit 107
anderen polnischen Märtyrern des Zweiten Weltkriegs seliggesprochen.

Der Orden der Kleinen Brüder vom Heiligsten Herzen Jesu würdigt den
Seligen auf seiner polnischen Internetpräsenz unter anderem mit diesen Worten:
„Der
seligen Bruder Jozef besaß einen
religiösen ein Eifer, der viel von sich selbst und von anderen forderte. Er zeichnete
sich durch seinen Ernst und sein tiefes Verständnis seiner religiösen Berufung
aus. Sicherlich wurde die religiöse Berufung von Bruder Jozef von seiner
engsten Familie gefördert. Er hielt sich treu an der Regel und den religiösen
Gelübden, erfüllte seine Pflichten sehr gewissenhaft und war Vorbild für seine
Mitbrüder. Bruder Jozef widmete sich voll und ganz dem Dienst für Primas
Kardinal August Hlond. Als der Krieg ausbrach, wachte er freiwillig bis zum Tag
seiner Festnahme über den Primas von Polen. Im Konzentrationslager Dachau
bewältigte er alle Schwierigkeiten, 
Widrigkeiten und Krankheiten mit einem fröhlichen Gesicht. Er opferte
sich gerne für andere. Und war im Lager ein frommer Mann, der Gott und seiner
Heimat treu blieb. Sein Verhalten wurde von seinen Mitgefangenen geschätzt. Er
schwankte nicht im Glauben, verzweifelte nicht und verfluchte sein Schicksal
nicht. Er war von einer großen Ruhe, Ausgeglichenheit und Güte,verfüllte jede
Handlung gewissenhaft zur größeren Herrlichkeit Gottes und zur Errettung der
Seelen.“

Im Generalhaus des Ordens wurde
ein Gedenkraum eingerichtet, der dem seligen Bruder Jozef Zaplata gewidmet ist.
Er enthält  wertvolle Erinnerungsstücke
wie seine Geburtsurkunde, ein Schulzeugnis, Fotos von seiner Einkleidung, und
vom Aufenthalt im Kloster, ein Gebetbuch und Originalbriefe aus dem
Konzentrationslager.  Ein Gebet um die
Fürsprache des Seligen hat diesen Wortlaut: „ Allmächtiger
Gott, Du hast Deinen Diener, den seligen Märtyrer Jozef, mit dem Geist des
Opfers und der vollkommenen Treue zur religiösen Berufung bis zum Tode
ausgestattet Höre mein Gebet und hilf mir durch seine Fürsprache, die
gewünschte Gnade zu empfangen … Durch Christus, unseren Herrn. Amen

https://pl.wikipedia.org/wiki/Józef_Zapłata
http://www.zbsj.pl/Blogoslawiony-br.-Jozef-Zaplata.html
http://www.santiebeati.it/dettaglio/93068
https://zbsj.pl/o-zgromadzeniu/blogoslawiony-br-jozef-zaplata/

Biografie Richard Henkes

Pater Richard Henkes SAC
*26.05.1900 in Ruppach/Westerwald
verhaftet am 08.04.1943 wegen einer Predigt
ab 10.07.1943 KZ Dachau
meldete sich freiwillig zur Pflege typhuskranker Häftlinge Ende 1944
+22.02.1945
am 22.12.2018 gab der Vatikan die Anerkennung als Märtyrer bekannt
Gedenktag 22.02.

Kurzbiografie
(Übernahme mit freundlicher Genehmigung von https://pater-richardhenkes.
de/portrait.php)
Der im Jahre 1900 in Ruppach-Goldhausen/Ww. geborene Pallottinerpater Richard Henkes
strebte schon als Schüler im Studienheim Schönstatt (1912-1919) nach Wahrheit und
Freiheit. Im Jahr 1925 wurde er zum Priester geweiht und ab 1926 ein begeisternder Lehrer;
seit 1931 wirkte er in Katscher, Frankenstein und in Branitz im östlichen Teil des damaligen
Deutschen Reiches. Nach einer Predigt am 7.3.1937 in Ruppach gegen die Nazis wurde er
bei der Gestapo angezeigt und eine Untersuchung eingeleitet. Sie endete mit einer
Verwarnung. Ebenfalls 1937 wurde er wegen einer Äußerung gegen Adolf Hitler in
Katscher/Oberschlesien angezeigt. Der drohenden Verurteilung vor einem Sondergericht in
Breslau entging er wegen der Amnestie beim Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich.
Am 8. April 1943 wurde er wegen einer Predigt in Branitz/Oberschlesien verhaftet, in
Ratibor gefangen gehalten und am 10. Juli 1943 ins KZ Dachau eingeliefert. Dort ließ er
sich Ende November/Anfang Dezember 1944 freiwillig in der Zugangsbaracke 17 zur
Pflege und Seelsorge Typhuskranker einschließen, steckte sich dabei an und starb am 22.
Februar 1945 im KZ Dachau. Die Dachauer KZ-Priester und der Richard-Henkes-Kreis
haben sich seit 1982 für seine Seligsprechung eingesetzt.

Ausführliche Biografie
(teilweise Übernahme mit freundlicher Genehmigung von https://pater-richardhenkes.
de/chronik.php)
Kindheit und Ausbildung
Richard Henkes wurde am 26. Mai 1900 in dem Dorf Ruppach nahe bei Montabaur
geboren. Die Familie hatte acht Kinder, die früh im Haushalt und im Feld mitarbeiten
mussten. Sein Vater arbeitete als Steinmetz. Richard besuchte die Volksschule in Ruppach
sieben Jahre lang. Kirchlich gehörte Ruppach damals zur Pfarrei Meudt. Pallottinerpatres
aus dem nahegelegenen Limburg hielten sonntags die hl. Messe in Ruppach. Unter den
Patres waren auch Missionare aus Kamerun, die gerne aus der Mission erzählten. Richard
wollte auch gern Missionar werden. So trat er 1912 in das neu erbaute Studienheim der
Pallottiner in Vallendar ein. Pater Kentenich, der spätere Begründer der
Schönstattbewegung, wurde zur gleichen Zeit dort als Spiritual berufen. Richard Henkes trat
auch der Marianischen Kongregation bei. Bevor er 1918 zum Kriegsdienst nach Griesheim
und Darmstadt einberufen wurde, legte er am Gymnasium in Montabaur das einjährige
Examen ab.
Ende 1918 konnte er nach Vallendar zurückkehren, machte 1919 das Abitur und trat danach
bei den Pallottinern in Limburg ein. 1921 legte er die erste Profeß ab und wurde 1925 in
Limburg zum Priester geweiht. Während seiner Studienzeit durchlitt er innerliche Kämpfe
und Zweifel, doch es siegte sein Vertrauen auf seine Berufung durch Gott.

Wirken als Ordenspriester bis zur Verhaftung
Nach Abschluss des Studiums 1926 wurde er Lehrer im Studienheim Schönstatt. Knapp ein
Jahr nach Beginn der Lehrtätigkeit stellten sich bei P. Henkes Zeichen der Erschöpfung ein.
Schließlich wird eine schwere Lungentuberkulose diagnostiziert.
P. Henkes lässt in seinen Briefen erkennen, dass ihm der Aufenthalt in den Sanatorien nicht
leicht fiel. Zu den Erschwernissen gehörte auch die Überlegung seines Provinzials, ihn
eventuell in die Mission nach Südafrika zu schicken, weil dort ein günstiges Klima für
Lungenkranke sei. Der behandelnde Arzt riet jedoch von einer solchen Versetzung ab. Im
April 1928 wurde er mit vielen neuen Lebenserfahrungen in die Pallottinerschule in Drüpt
bei Alpen am Niederrhein als Lehrer versetzt und im September 1929 wieder nach
Schönstatt.
1931 wurde er nach Katscher in Oberschlesien versetzt (heute Kietrz in der polnischen
Woiwodschaft Oppeln).
Dort war eine Zubringerschule mit den drei unteren Klassen für die Schule in Frankenstein
(Ząbkowice Śląskie). Während die Pallottiner in Katscher ein erstes Schönstattkapellchen
bauten, errichteten die Nationalsozialisten in Deutschland ihr „tausendjähriges Reich“. So
wurde neben seinem Lehrerberuf für P. Richard Henkes die religiöse Auseinandersetzung
mit dem Nationalsozialismus seine zweite große Berufung. Dieser vertrat eine unchristliche
Weltanschauung, bekämpfte die christlichen Kirchen, tötete behinderte Menschen und
verfolgte vor allen Dingen in zunehmendem Maß die Juden und versuchte schließlich, sie in
seinem ganzen Herrschaftsbereich brutal auszurotten. In dieser Zeit vertrat P. Henkes mutig
und öffentlich die Werte des Christentums in der Schule, in zahlreichen Exerzitienkursen für
die Jugend und in seinen Predigten auf vielen Kanzeln Schlesiens, Oberschlesiens und des
Sudetengebietes. Bereits 1937 wurde er nach einer Predigt in seiner Heimat Ruppach bei der
Gestapo angezeigt; wegen einer angeblichen Verunglimpfung des Führers in Katscher
wurde 1937/38 gegen ihn ein Prozess am Sondergericht in Breslau durchgeführt, welcher
aufgrund des Amnestiegesetzes nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich
ohne Urteil eingestellt wurde.
Immer enger wurde seine Zusammenarbeit mit Prälat Nathan in Branitz (Bránice).
(Joseph Martin Nathan gründete die Branitzer Heil- und Pflegeanstalten, eine psychiatrische
Klinik in der zeitweise bis zu 2000 Patienten untergebracht waren. P. Nathan versuchte viele
Patienten vor der Ermordung durch das Euthanasieprogramm der Nazis zu bewahren, indem
er sie nach Hause entließ. https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Martin_Nathan
https://de.wikipedia.org/wiki/Branitzer_Heil-_und_Pflegeanstalten)
Seit 1935 hielten Pallottiner aus Katscher jedes Jahr Exerzitien für die Naturstände in
Branitz St. Josef; P. Henkes war dort für die jungen Frauen zuständig. Bekannt wurde P.
Henkes auch durch seine Fastenpredigten, die damals sehr beliebt und in Oberschlesien gut
besucht waren. 1937 wurde P. Henkes in die größere Schule nach Frankenstein versetzt. Die
Oberen nahmen den gefährdeten Mitbruder 1938 ganz aus dem Schuldienst. Danach
arbeitete er als Jugendseelsorger, Exerzitienmeister – vor allen Dingen in Branitz, wo er
1940/41 seinen Wohnsitz hatte – und als bekannter Prediger in Oberschlesien. Durch diese
Tätigkeiten und seine offene Sprache wurde er den staatlichen Machthabern immer mehr ein
Dorn im Auge. Mehrfach wurde er von der Gestapo vorgeladen und verwarnt. Als P. Henkes
gemustert wurde und trotz seiner früheren TB kv (= kriegsdienstverwendungsfähig)
geschrieben wurde, übertrug ihm Prälat Nathan die Seelsorge in dem nahegelegenen
Strandorf (Strahovice, heute Tschechien), so dass er nicht zum Militär eingezogen wurde.
Dessen tschechischer Pfarrer war von den Nazis in das sogenannte Protektorat Böhmen und
Mähren ausgewiesen worden.
P. Henkes entfaltete in Strandorf neben den üblichen Tätigkeiten eines Pfarrers wie taufen,
zur Beichte und Erstkommunion führen und beerdigen, ein reiches pastorales Programm.
So besuchte er anlässlich der Colenda alle Häuser und Familien seiner Pfarrei, führte die
Kinder mit viel Geschick in die Feier der hl. Messe ein, schrieb wie einst als Sodale in
Schönstatt den Soldaten bei der Wehrmacht Briefe, um ihre Verbindung mit der
Heimatgemeinde aufrecht zu erhalten, er kümmerte sich um Urlauber, er schrieb zu den
Festtagen den jungen Frauen, die auswärts arbeitsverpflichtet worden waren, meist
Postkarten, er beeinflusste die Mütter, ihre Töchter einen Beruf lernen zu lassen, er machte
Ministrantenarbeit, er förderte das Spielen von Instrumenten, hielt den heranwachsenden
Jugendlichen, aber auch den Erwachsenen Vorträge in der von ihm eingerichteten
Schönstattkapelle, er machte Beileidsbesuche bei den Familien, wo der Mann oder ein Sohn
im Krieg gefallen war.
In den zwei Jahren seiner Tätigkeit in Strandorf wuchs ein so enges Band zwischen Pfarrer
und Gemeinde, dass diese nach seiner Verhaftung ihren Pfarrer laufend mit
Lebensmittelpaketen im KZ Dachau versorgte, wobei seine Haushälterin und Wirtschafterin
Paula Miketta wohl eine koordinierende Rolle wahrnahm.

Haft und Tod
„Man braucht heute keine intelligenten Menschen mehr, sondern den Herdenmenschen, den
Hammel. Am liebsten hätte man für ihn eine Uniform. Im dritten Jahrhundert haben die
Leute für ihren christlichen Glauben gekämpft, haben alles hergegeben, haben ihre Existenz
aufs Spiel gesetzt, ihre Kinder, ihre Familie, sogar ihr Leben. So wird das auch wieder
werden. Wir haben heute bei der Erziehung unserer Kinder in den Schulen nichts mehr zu
sagen. Wir haben draußen nichts mehr zu sagen, und wir haben bald auch hier nichts mehr
zu sagen. Wenn ich in meiner Heimat am Rhein hinausziehe, sieht man Kirchen, die nach
römischen Legionsführern benannt sind. Die Männer waren so treu, dass man die Kirche
nach ihrem Namen benannte. Ich möchte heute den katholischen Offizier sehen, der so treu
ist, dass man auf seinen Namen eine Kirche bauen könnte.“ predigte Pater Henkes am
12.März 1943 in Branitz.
Deshalb wurde er am 8. April 1943 schließlich von der Gestapo in Ratibor/Oberschlesien
verhaftet und einige Wochen in Einzelhaft gehalten.
Dann wurde er wegen Missbrauchs der Kanzel in das KZ Dachau gebracht, wo er am 10.
Juli 1943 eintraf. Seine Häftlingsnummer war 49642. Dort musste er wie alle anderen unter
menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, zunächst auf der Plantage der SS.
Später arbeitete er im Postkommando, wahrscheinlich auch im Transportkommando und
schließlich ab dem zweiten Halbjahr 1944 als Kantinenwirt auf der Zugangsbaracke 17.
Dabei blieb er im Glauben stark, teilte seine Lebensmittelpakete mit vielen anderen und
ermutigte seine Mitgefangenen. Im KZ lernte er den späteren Prager Erzbischof und
Kardinal Beran kennen und schätzen. Trotz seiner geringen Sprachbegabung setzte er bei
ihm seine tschechischen Sprachstudien fort, weil er nach dem Krieg als Seelsorger im Osten
bleiben wollte. Begonnen hatte er damit schon in der Strandorfer Zeit bei einem
tschechischen Frisör in Chuchelna. Als das Ende des Krieges absehbar wurde, brach im KZ
Dachau die zweite große Typhusepidemie aus. Noch ehe am 11. Februar 1945 Freiwillige
unter den deutschen Priestern für die Pflege gesucht wurden, hatte sich P. Richard Henkes
im Wissen um die eigene tödliche Bedrohung bei den Typhuskranken von Block 17
einschließen lassen. Dieser war bis dahin seine Arbeitsstelle, während er weiterhin auf dem
Priesterblock 26 seine Unterkunft hatte. Nach wenigen Wochen der Seelsorge und der
Pflege infizierte er sich und innerhalb von fünf Tagen raffte ihn der Tod am 22. Februar
1945 dahin. Richard Henkes war seinem Meister Jesus Christus gefolgt, der gesagt hat: Es
gibt keine größere Liebe als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde (vgl. Joh
15,13). Es konnte erreicht werden, dass sein Leichnam einzeln verbrannt und die Asche
geborgen wurde. Sie wurde nach dem Ende des Krieges am 7. Juni 1945 unter großer
Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Pallottinerfriedhof in Limburg beigesetzt. 1990
wurde sie feierlich in die Bischofsgruft des Limburger Pallottinerfriedhofs übertragen.

Seligsprechungsverfahren
Bereits 1947 befürwortete das Generalkapitel der Pallotiner in Rom
Seligsprechungsprozesse für die polnischen und deutschen Märtyrer der Naziperiode, zu
denen auch P. Henkes namentlich gezählt wurde. Doch dieser erste Impuls versandete
völlig, weil die Seligsprechung Vinzenz Pallottis und dreizehn Jahre später seine
Heiligsprechung bald alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Ein neuer starker Impuls, P. Henkes
selig zu sprechen, kam aus den Reihen der ehemaligen Priester-Häftlinge von Dachau nach
ihrer Begegnung im Jahr 1980 mit Papst Johannes Paul II. in Fulda. Im Jahr 1985 richtete
diese Priestergruppe ein Gesuch an den Limburger Bischof, einen Seligsprechungsprozess
für P. Henkes einzuleiten. Doch die Pallottiner konnten sich noch nicht entscheiden, da sie
fünf Tote durch die Gewalt der Nazis zu beklagen hatten. Doch einige bildeten zusammen
mit Freunden und Verwandten den Richard-Henkes–Freundeskreis. Den Durchbruch bei den
Pallottinern brachten zwei Initiativen aus Tschechien. Die erste war die Teilnahme des
Bischofs von Plzen, František Radkovský, an der Gedenkfeier zum fünfzigsten Todestag
von P. Richard Henkes in der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Pallottiner in
Vallendar im Jahr 1995. Seine klare Aussage: P. Henkes sollte selig gesprochen werden. Am
17.1.2001 schrieb er im Namen der Tschechischen Bischofskonferenz einen Brief an den
Provinzial der Limburger Pallottinerprovinz, in dem diese eine Seligsprechung von P.
Richard Henkes befürwortete und ihre Unterstützung dafür versprach. Die
Provinzversammlung 2001 nahm mit großer Mehrheit einen entsprechenden Antrag der
Hochschule an.
Am 06.04.2001 beauftragte Bischof Dr. Franz Kamphaus Rechtsdirektor Dr. Schüller und
Herrn Joachim Rotberg mit der Voruntersuchung. Zum Postulator ernannte man am
03.12.2001 P. Dr. Manfred Probst SAC. Am 25.05. 2003 wurde das Bischöfliche
Erhebungsverfahren mit Bischof Dr. Franz Kamphaus in Anwesenheit von Bischof F.
Lobkowicz von Ostrava-Opava und Prälat Dr. W. Grocholl (Visitator Branitz) und sehr
vielen Gläubigen, auch aus Strahovice, eröffnet.
Schließlich fand am 23.01.2007 ein Pontifikalamt mit Bischof Dr. Franz Kamphaus zum
Abschluss des Bischöfl. Erhebungsverfahrens mit Versiegelung der Aktenkiste statt.
Am 22.12.2018 vermeldete der Vatikan die Anerkennung von Pater Richard Henkes als
Märtyrer. Die Seligsprechung wird in Limburg, vermutlich in der 2. Jahreshälfte 2019
stattfinden.

Weblinks
https://pater-richard-henkes.de/
https://bistum-augsburg.de/Heilige-des-Tages/Heilige/RICHARD-HENKES
https://glaube-hat-zukunft.de/pater-richard-henkes/biographie-p-henkes/
https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Henkes
https://de-de.facebook.com/PaterRichardHenkes/

Literatur
Manfred Probst SAC: „Der Herrgott hat das letzte Wort“. Das Leben des Pallottinerpaters
Richard Henkes (1900-1945) und sein Sterben im KZ Dachau, St. Ottilien 2003
Reitor, Georg: Glaubenszeuge im KZ. Pater Richard Henkes, Martyrer der Nächstenliebe,
Leutesdorf 1988, 49 S.
Alexander Holzbach SAC: P. Richard Henkes SAC. Ein Lebensbild, Friedberg b. Augsburg
2005, 63 S.
Wilhelm Schützeichel SAC (Hrsg.): Zeugen für Christus. Pallottiner-Opfer unter der Nazi-
Diktatur: ka + das zeichen 107 (2000)
Helmut Moll (Hg.)Zeugen für Christus Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts
ISBN: 3-506-73778-4 Bd.2 (2.durchges.Auflage 2000) Seiten 829-831

Kirche und Nationalsozialismus

Kirche
und NS

Ein
Artikel von Klemens Hogen-Ostlender

„Man
ist entweder Christ oder Deutscher. Beides kann man nicht sein.“

Dieses Zitat Adolf Hitlers hat der Danziger
Senatspräsident Hermann Rauschning überliefert. Es macht deutlich: Der
Nationalsozialismus stand dem Christentum unversöhnlich feindlich gegenüber. Es
sollte verschwinden. Das war das erklärte Ziel der NS-Ideologie. Auf welche
Weise  das bewerkstelligt werden sollte,
darüber waren sich die führenden Köpfe der NSDAP freilich nicht immer einig.
Klar war nur: Im Gebiet des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937  und in den schon besetzten oder noch  zu erobernden Ostgebieten sollte das
unterschiedlich schnell und auf ganz unterschiedliche Weise geschehen ­– hüben
erst nach dem Krieg gebremster Gewalt, drüben schneller und rücksichtslos
brutal. Unterschiedlich war aber auch das Vorgehen der christlichen Kirchen mit
der Frage, wie sie auf den Umsturz, der sich in Deutschland ereignet hatte,
reagieren und wie SIE mit den neuen Machthabern umgehen sollten.

In seiner Regierungserklärung vom 21. März
1933 in der Potsdamer Garnisonkirche versuchte Adolf Hitler, ihnen Sand in die
Augen zu streuen: „Die nationale
Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren der
Erhaltung unseres Volkstums. Sie wird die zwischen ihnen und den Ländern
abgeschlossenen Verträge respektieren; ihre Rechte sollen nicht angetastet
werden“,
behauptete der Reichskanzler. Er versprach, er werde den Kirchen „den ihnen zukommenden Einfluss einräumen und
sicherstellen“
und sehe „im
Christentum die unerschütterlichen Fundamente des sittlichen und moralischen
Lebens unseres Volkes.“
 Der letzte Satz wurde in der
Parteizeitung „Völkischer Beobachter“ und in den meisten anderen deutschen
Zeitungen allerdings nicht veröffentlicht.

Adolf
Hitlers Traum vom „gelobten Land“

Schon vor der Machtübernahme hatten sich die katholischen Bischöfe
vom Nationalsozialismus distanziert und allen Katholiken verboten, sich in der
NSDAP zu engagieren. Gruppierungen der NSDAP durften in kirchlichen Prozessionen nicht mitmarschieren.
Sämtliche Diözesen im Deutschen
Reich erklärten 1932  die Zugehörigkeit
zur NSDAP für unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Nachdem sich Adolf
Hitler aber mehrmals kirchenfreundlich geäußert hatte,  zogen die Bischöfe ihre
Unvereinbarkeitsbeschlüsse zurück, behielten aber ihre kritische Position bei: „Wir müssen nach wie vor Irrtum nennen, was
Irrtum ist, Unrecht, was Unrecht ist.“[

Einer Mitgliedschaft von Geistlichen in der NSDAP standen sie weiter
ablehnend gegenüber.

Adolf
Hitler hatte für das Christentum, das er abseits der Öffentlichkeit als „organisierte Lüge“ bezeichnete, nur
Verachtung übrig und sagte dessen „Zusammenbruch“
voraus. Von der Zeit danach träumte er als „gelobtes
Land“
. Erst wenn das „Kirchenproblem
geklärt“
sei, werde „die deutsche
Nation ganz gesichert sein“.
Am 29. April 1937 sagte er vor Kreisleitern
der NSDAP auf der NS-„Ordensburg“ Vogelsang in der Eifel: „Wir werden es niemals dulden, dass 
im völkischen Staat sich irgendetwas über die Autorität dieses
völkischen Staates stellt. Es mag dies sein, was es sein will – auch keine
Kirche“.
Das ist innerhalb seiner Ideologie nur logisch. Schon in seinem
Buch „Mein Kampf“ steht dieser rational abstruse Satz: „So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln:
Indem ich mich des Juden erwehre kämpfe ich für das Werk des Herrn“.

Der Diktator hatte anfangs noch
widerwillige Bewunderung für die „stählerne
Willenskraft“
der katholischen Kirche und ihre Organisation, die er in
„Mein Kampf“ als „vorbildliches
Lehrbeispiel“
bezeichnete, empfunden. Im Laufe der Jahre steigerte sich der
Hass bis zum 1941 geäußerten Vorwurf, das Christentum sei „der schwerste Schlag, der die Menschheit getroffen hat“. Sein
Gesinnungswandel könnte damit zusammenhängen, dass er seine frühe Vorstellung,
Religion strikt von Politik trennen zu können, als Illusion aufgeben musste.
Seine Lebensaufgabe sah Hitler zuletzt in der Vernichtung der Kirchen nach dem
Krieg. Bis dahin jedoch sollte abgewartet werden. Beim Oberpräsidium Koblenz
ging deshalb im Dezember 1942 mit der Dienstpost eine „geheime Reichssache“ mit
folgendem Inhalt ein: „Ich verbiete jeden
Übergriff gegenüber der Katholischen Kirche […] Ich behalte mir persönlich die
Abrechnung mit der Kirche  nach
Kriegsende vor.  Unterzeichnet Adolf
Hitler“.

In der 
Kirchenpolitik des Dritten Reichs kämpfte eine ganze Reihe Beteiligter
um Macht und Einfluss. 1935 wurde ein Reichskirchenministerium eingerichtet,
dessen Kompetenzen aber unter der Einmischung anderer Ressorts und
Parteidienststellen  litten. Der Minister
für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, die Sicherheitspolizei, der
Reichsjugendführer, das Außenministerium und 
das Finanzministerium gehörten dazu. Sie kümmerten sich um die
theologischen Fakultäten der Hochschulen, um Polizeiangelegenheiten mit
kirchlichem Bezug, kirchliche Jugendverbände, Seelsorge bei der Wehrmacht und
weitere Bereiche. Beim Kirchenminister, dem Protestanten Hans Kerrl, überwog
nach Meinung des Reichsfinanzministers „der gute Wille den Verstand“. Kerrls
kirchenpolitische Linie vertrat die Auffassung strenger Trennung von Kirche und
Staat. Das war vor allem Alfred Rosenberg und Martin Bormann ein Dorn im Auge.
Als Hans  Kerrl 1941 starb, wurde kein
neuer Minister ernannt, sondern das Ressort vom Staatssekretär weitergeführt.

Der NS-Ideologe Alfred Rosenberg, einer der
wenigen führenden
Nationalsozialisten, die aus der Kirche austraten,  forderte in
seinem 1930 erschienenem Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ eine
neue „Religion des Blutes“, die das Christentum ersetzen sollte: „Der Mythus des römischen Stellvertreters Gottes muss hierzu ebenso
überwunden werden wie der Mythus des ,heiligen Buchstabens´ im Protestantismus.
Im Mythus von Volksseele und Ehre liegt der neue bindende, gestaltende
Mittelpunkt. Ihm zu dienen ist Pflicht unseres
Geschlechts.“ Das hinderte Rosenberg nicht daran, Martin
Luther
zu verehren. In ihm sah er das „wahre“
Christentum verkörpert, das durch die römisch-katholische Kirche und die Jesuiten verfälscht und „verjudet“ worden sei. Der Parteiideologe wehrte sich entschieden
gegen den Vorwurf, er wolle den heidnischen Wotanskult wieder einführen. Sein
Buch erreichte zwar eine Millionenauflage, aber seine Veröffentlichung kam
Adolf Hitler sehr ungelegen.  Bereits
Ende der zwanziger Jahre war Weisung an alle Propagandastellen der NSDAP ergangen,
in der Öffentlichkeit den Antisemitismus zurückzuschrauben und
stattdessen die Agrar- und Außenpolitik der Partei in den Vordergrund zu stellen.
Rosenbergs radikal antisemitisches und von der Kirche als antichristlich
kritisiertes Buch bot nun Christen neue Angriffsflächen gegen die NSDAP. Die
Partei erklärte es deshalb notgedrungen zur „inoffiziellen Privatarbeit“.

Perverser
„Katechismus“

Bei
allem Hass auf das Christentum und aller Verachtung vor allem für die
katholische Kirche, nahm sich einer der fanatischsten Nationalsozialisten,
Heinrich Himmler, dennoch einen katholischen Orden, die Jesuiten, zum Vorbild
für seinen eigenen „Schwarzen Orden“. In der Gesellschaft Jesu sah er das
verwirklicht, was er zum Kern seiner verschworenen Gemeinschaft machen wollte:
Die SS war keiner weltlichen Jurisdiktion unterworfen, hatte abgesehen von  der letzten Phase ihrer Existenz strenge
Aufnahmebestimmungen und wurde zusammengehalten durch das Gelübde absoluten,
blinden Gehorsams gegenüber dem „Führer“. Auch die Spitzengliederung des Jesuitenordens
nahm Himmler als Vorbild für die zentrale Befehlsstruktur der SS.

Ein
eigener „Katechismus“ sollte den SS-Mann noch fester in den perversen Kult
einbinden und mit seinen Fragen und Antworten „Im Glauben festigen“. Ein
Beispiel: „Warum glauben wir an
Deutschland und den Führer?“
Antwort: „Weil wir an einen Herrgott glauben, glauben wir an Deutschland,
das er in seiner Welt geschaffen hat, und an 
den Führer Adolf Hitler, den er uns geschickt hat.“

Für
die Zeit nach dem „Endsieg“ plante Himmler die Eliminierung aller
christlichen Wurzeln und den Ausbau einer neuen, „völkischen“
Pseudoreligion, wie sie auch der Staatssekretär im Reichsjustizministerium,
Curt Ferdinand Rothenberger, 
verinnerlicht hatte: „Priester
sind wir, denn wir pflegen die Gerechtigkeit und verkünden die Kenntnis des
Guten und Gerechten“.
 

Auf
der Wewelsburg bei Paderborn wurden KZ-Häftlinge für die Errichtung des
sakralen Zentrums des SS-Kultes geschunden. Die Ergebnisse der ersten Bauphase
sind noch heute sichtbar: Ein Festsaal für die Gruppenführer und eine monumentale
Gruft für Totenfeiern. Der SS befahl Himmler, Hochzeiten und Taufen nach
eigenem Ritus zu feiern. Der „Reichsführer“ ließ allen Ernstes nach dem
„Heiligen Gral“, einem Kelch mit dem am Kreuz vergossenen Blut Christi,
suchen. Nach Tibet schickte er „Forscher“, die dort nach Spuren des
„Urariers“ suchen sollten. In der SS wurde tatsächlich verwirklicht, wozu
den Nationalsozialisten für das deutsche Volk insgesamt nur erste Schritte
gelangen: Die christlichen Feste so umzugestalten, dass sie den  Vorstellungen von vermeintlichem  „germanischem Erbe“ entsprachen. Weihnachten
wurde durch ein
„Julfest“ ersetzt. Der 
NS-„Jahresfestkalender“ mit „Tag
der Machtergreifung
“ 1. Mai, Sommersonnenwende,
ReichsparteitagReichserntedankfest und Wintersonnenwende
sollten die christlichen Feiertage und deren Brauchtum vollständig ersetzen.
Für die größeren Feiern war ein 
„arteigenes Brauchtum“ in Vorbereitung, was unter anderem  durch Forschungseinrichtungen wie das SS-Ahnenerbe  verwirklicht werden sollte. Es sollte
vor allem „wissenschaftliche“ Belege für die Überlegenheit der so genannten
„arischen Rasse“ finden. Zum Julfest verschenkte Himmler so genannte Julleuchter.  

Ab
1935 erschienen  Dienstanweisungen der
Parteistellen, Schulungsunterlagen der Hitler-Jugend,
des NS-Lehrerbundes und der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ mit anschaulichem Bildmaterial für
öffentlich ausgerichtete Weihnachtsfeiern als Grundlage für eine Umerziehung
des Volkes. Für Familien wurden Weihnachtsbücher mit Vorschlägen zur privaten
Festgestaltung herausgegeben. Der Christbaum sollte in „Jultanne“ umbenannt werden,
Frau Holle Nikolaus und
 Christkind als Gabenüberbringer ablösen,  Christliche Symbolik wie Kreuz und
Weihnachtsstern durch das Hakenkreuz oder Sonnenrad ersetzt werden.  Adolf Hitler sollte gewissermaßen anstelle
von  Jesus
Christus
zum Messias
und Welterlöser
stilisiert werden.
In der Vorkriegszeit beeinflusste das Propagandaministerium über das Winterhilfswerk des Deutschen
Volkes
 das Weihnachtsfest. Es
wurde vor der Bevölkerung als „Fest des ganzen Volkes über Klassen, Stände und
Konfessionen hinweg“ inszeniert. Während
des Zweiten
Weltkrieges
 vereinnahmte die
nationalsozialistische Führung das Weihnachtsfest als Kriegspropaganda.
Der Versand von Feldpostpäckchen, die
Produktion und Ausstrahlung von so genannten Weihnachtsringsendungen im Rundfunk sowie die Ausrichtung von
Weihnachten als Fest der Helden- und Totenverehrung gehörten zum festen
Bestandteil in diesen Jahren.

Mordaktion

Nur
im kleinen Kreis, so zum Beispiel beim Abendessen am 4. Juli 1942 in
seinem  Hauptquartier „Wolfsschanze“,
sprach Adolf Hitler Klartext: Er könne sich vorstellen, dass ein Mann wie der
selig gesprochene Münsteraner  Bischof von Galen wisse, dass nach
Beendigung des Krieges mit ihm auf Heller und Pfennig abgerechnet werde. Wenn
es von Galen nicht gelinge, sich vorher in das Collegium Germanicum nach Rom
berufen zu lassen, könne er auch versichert sein, dass ihm bei dieser
Abrechnung kein Tüpfelchen vergessen werde. Hitler hasste Clemens August Kardinal von Galen, nicht nur, weil der Bischof von
Münster das Euthanasieprogramm gestoppt hatte. Der Diktator sah in ihm auch den
Urheber zahlreicher „parteifeindlicher“ Hirtenbriefe, Kanzel-Ankündigungen und
Rundschreiben der deutschen Katholischen Bischöfe. In der Nacht zum 26. Januar
1942 hatte der „Führer“ in seinem Hauptquartier bereits eine harte Linie gegen
katholische und protestantische Kirche angekündigt: „Ich schrecke vor dem Kampf nicht zurück, den ich, wenn es darauf
ankommt, führen werde, und ich werde sofort handeln, falls die Prüfung ergibt,
dass es geschehen kann“.
Dr. Henry Picker, ein glühender
Nationalsozialist,  hat diese und viele
andere Äußerungen mitgeschrieben.

Von
Galen, der Bischof von Münster, hatte sich mit einer couragierten Aktion Hitler
zum Feind gemacht, der im Herbst 1939 die massenhafte Tötung „unheilbarer
Kranker“ als „unwertes Leben“ befohlen hatte. Allmählich breiteten sich trotz
strenger Geheimhaltung Gerüchte darüber aus. Menschen, die in der Nähe der
Tötungsanstalten wohnten, sahen immer wieder Busse mit neuen Insassen kommen.
Nie aber verließ jemand die Kliniken, deren Krematoriums-Schornsteine
allerdings unaufhörlich rauchten und den Geruch verbrannten Fleischs
verbreiteten. Eins der Opfer der Mordaktion war ein 14jähriger Junge mit
Down-Syndrom aus der Nähe von Traunstein in Bayern. Eines Tages wurde er „zur
Therapie“ daheim abgeholt und in eine Anstalt gebracht. Kurz darauf erhielt
seine Familie die Nachricht, dass er „verstorben“ sei. 55 Jahre später
berichtete der Vetter des Jungen, Kardinal Joseph Ratzinger, bei einer
Konferenz im Vatikan über dieses Ereignis ­­– einen Fall von vielen, die sich
schließlich in Deutschland herumsprachen.

Vergeltungsmaßnahmen
des Regimes

Protestbriefe
gegen die Vergasungen erreichten die Parteikanzlei und das Justizministerium –
einige auch von eingefleischten Nationalsozialisten. Am 7. Juli 1941 ließen die
Bischöfe der Fuldaer Bischofskonferenz von den Kanzeln herab einen Hirtenbrief
verlesen, in dem betont wurde, es sei Unrecht, zu töten, außer in einem Krieg,
der der Selbstverteidigung dient. Einen direkten  Hinweis auf die Euthanasieaktion gab es darin
allerdings nicht. Die gemeinsame Aktion hatte den Vorteil, dass die
Nationalsozialisten nicht einen einzelnen Bischof als „Sündenbock“ betrafen
konnten, andererseits aber davor zurückschreckten, einen ganzen Episkopat zu
bestrafen. Adolf Hitler stellte jedenfalls resigniert fest, dass es
aussichtslos sei, gegen die Botschaft vorzugehen. Er ordnete an, „dass nicht
gegen den Hirtenbrief polemisiert werden soll, dass die Presse vielmehr die
Verbundenheit mit der Ostfront herausstellen möge und durch ehrliche, reale
Berichterstattung entgegenwirken soll“. Trotzdem hatte die Zurückhaltung
Gründe. Nicht alle Geistlichen kamen so glimpflich davon wie der Bischof von
Münster. Der Kaplan August Franzen aus Königswinter bei Bonn z.B. musste wegen
einer Predigt am 2. November 1941 ein Ordnungsgeld von 500 Reichsmark zahlen.
Er hatte  gesagt, dass Geistliche bereits
als eingezogene Soldaten  ihr Leben für
das Vaterland geopfert hätten – und hinzugefügt, dass ihnen der Dank des
Vaterlandes gewiss sei. Im Raum Düsseldorf wurden drei Priester im selben Monat
in „Schutzhaft“ genommen, weil sie die 
„Hetzpredigten“ von Galens weiterverbreitet hatten. Die selig
gesprochenen Lübecker Kapläne Johannes
Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller
wurden mit dem evangelischen Pastor Karl Friedrich
Stellbrink
1943 wegen „Heimtücke, Feindbegünstigung und Zersetzung der
Wehrkraft“ zum Tode verurteilt und hingerichtet. Der Dominikanerpater Odilo
Braun, der Vorsitzende der regimekritischen Superioren-Konferenz mehrere
katholischer Orden, kam wegen „Verdacht des versuchten Hochverrats und
Organisierung des Widerstandes gegen Klösterbeschlagnahme“  für vier Monate in Haft.

Am
3. August prangerte der nach dem Krieg zum Kardinal erhobene von Galen in
seiner Sonntagspredigt im Dom St. Alberti in mutigen Worten ganz konkret an,
dass es eine organisierte Tötungsaktion gab. Die britischen Bombenangriffe auf
Münster und andere deutsche Städte bezeichnete er als Gottes Strafe für die
Verletzung des Gebots „Du sollst nicht töten“. Um eine möglichst weite
Verbreitung zu erreichen, hatte der Bischof selbst  für die Vervielfältigung seiner Predigttexte
gesorgt. Bald kursierten darüber hinaus außerdem unzählige handschriftliche
Kopien. Sie gelangten auch in die Hände der Alliierten, die sie wiederum als
Flugblätter über Deutschland abwarfen.

Von Galen war ein
Konservativer, er hatte auch vor der Gefahr des Bolschewismus für Deutschland
gewarnt. Er galt deshalb anfangs vielen als Sympathisant des Regimes.  Schon vor der erwähnten Predigt hatte er aber
die Unterdrückung der religiösen Orden in der Stadt durch die Gestapo von der
Kanzel herab kritisiert. Der Bischof 
hatte im Juli sogar Adolf Hitler in einem Telegramm aufgefordert, das
Volk vor der Geheimpolizei zu schützen. Funktionäre der NSDAP drangen daraufhin
bei Martin Bormann darauf, den Bischof hinrichten zu lassen. Der „Reichsleiter“
antwortete, sicherlich wäre die Todesstrafe angebracht. Mit Rücksicht auf die Kriegsumstände
werde aber „der Führer diese Maßnahme
kaum anordnen“.

Von Galens Protest
hatte Erfolg. Am 24. August befahl Adolf Hitler das Ende der Euthanasie-Morde,
statt dessen wurden die Insassen der Heime durch gezielt zu kleine
Nahrungsrationen zum Hungertod bestimmt. Auch andere Kirchenvertreter, deren
Aktionen weniger bekannt wurden, protestierten gegen die Tötungen. Der Bischof der Diözese
Rottenburg, Joannes Baptista Sprol
l, bezog öffentlich Stellung gegen das
Terror-Regime und wurde seiner Diözese verwiesen. Sein  Generalvikar, Max Kottmann, überreichte
in Berlin ein Protestschreiben Sprolls gegen die Mordaktion. Er durfte im Amt
bleiben und den Bischof vertreten – offenbar, weil die Nationalsozialisten
während des Krieges das Aufsehen vermeiden wollten, das die Einsetzung eines
neuen Bischofs bedeutet hätte. 

Der Bischof von
Berlin, Konrad Graf von Preysing,  wandte sich in einem Hirtenbrief
im  Dezember 1942 gegen die NS-Ideologie
und die Rassenpolitik, er gründete außerdem ein
kirchliches Hilfswerk für  Juden und
christliche „Nichtarier“ zur Vermittlung von Auswanderungsmöglichkeiten, zur
Versorgung mit Lebensmitteln und zur Beschaffung von Wohnraum. Preysing selbst
wurde nicht verfolgt. Der selig gesprochene Dompropst  von Berlin, Bernhard Lichtenberg, der das Hilfswerk leitete, wurde aber
verhaftet und misshandelt, nachdem er bei der Gestapo schriftlich gegen das
KZ-System protestiert hatte. Nach einem weiteren Protest  gegen die Ermordung unheilbarer Kranker und
Behinderter wurde er zum zweiten Mal verhaftet und wegen
„Kanzelmissbrauchs“ zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Danach sollte er ins
KZ Dachau eingeliefert werden, starb jedoch, im Gefängnis  schwer erkrankt, auf dem Transport dorthin. 

Der Kapitularvikar
von Paderborn,  Augustinus Philipp
Baumann, erhob ebenfalls schriftlich Einspruch
„gegen das systematische Massenmorden“
. Der Bischof von Limburg, Antonius
Hilfrich, protestierte beim 
Reichsjustizministerium brieflich gegen die nahe gelegene Tötungsanstalt  Hadamar. Auch Erzbischof Conrad Gröber aus Freiburg
wurde in Berlin gegen die Mordaktion vorstellig. Von protestantischer Seite
schalteten sich Paul Gerhard Braune, Leiter der Hoffnungstaler Anstalten in Lobethal,
Theophil Wurm,  Landesbischof der Evangelischen Landeskirche
in Württemberg sowie Friedrich von Bodelschwingh, Leiter der von
Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, ein.

Der katholische Bischof von St. Pölten, Michael Memelauer, brandmarkte in
seiner Predigt in der Silvesterandacht des Jahres 1941 in seiner Kathedrale,
dass in der gut 100 Kilometer entfernten Tötungsanstalt  Schloss Hartheim die Morde in der Gaskammer
auch nach der offiziellen Ende der „Euthanasie“ weitergingen. In Hartheim
wurden bis ins Jahr 1944 hinein KZ-Häftlinge, darunter auch Priester aus dem KZ
Dachau, umgebracht.  Memelauer
bekräftigte in seiner Predigt, dass „jede
gewalttätige Beseitigung eines Menschenlebens ein Eingriff in die heiligen
Gottesrechte und eine Verletzung der natürlichen Menschenrechte“
sei. Das
gelte auch für die Vernichtung des so genannten unwerten und unproduktiven
Lebens: „Vor unserem Herrgott gibt es
kein unwertes Leben“.
Der Bischof unterstrich: „Auch der Unglückliche, dessen Sinne verwirrt sind, auch das Kind, das
als Krüppel auf die Welt kommt, auch der Kranke und Sieche und vom Alter
Gebrochene hat ein Recht auf das Leben, solange ein allweiser Gott ihm das
Leben erhält“.
Die Missachtung dieses Gesetzes müsse die Strafe Gottes
herausfordern.

Vergeltung

Der Protest unter anderem des Bischofs von
Münster hatte Erfolg. Ein Ereignis aus dem Jahr danach zeigte aber auch, dass
solche öffentliche Kritik gefährlich und schädlich sein konnte. Die gebürtige
Jüdin Edith Stein, die 1998
heiliggesprochen wurde,  war nach ihrer
Konversion unter dem Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce OCD (Teresia Benedicta vom Kreuz) in den
Karmel in Köln eingetreten. Weil Konversion zum Christentum die
Nationalsozialisten nicht davon abbrachte, die Betreffenden als Juden zu
verfolgen, schickte der Orden sie zu ihrer eigenen Sicherheit mit ihrer Schwester Rosa 1939 ins
Kloster im niederländischen Echt. Als während der deutschen Besatzung
der Niederlande dort die Deportation von Juden begann,
veröffentlichte der katholische Erzbischof von Utrecht, Johannes
de Jong
, am 26. Juli 1942 einen Hirtenbrief gegen das Vorgehen der Deutschen. Als
Reaktion darauf wurden 244 zum Katholizismus konvertierte ehemalige Juden,
darunter auch Edith und Rosa Stein, am 2. August 1942 von der Gestapo verhaftet
und zunächst in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Von dort kamen  die beiden Schwestern Stein mit der Reichsbahn in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und wurden dort  am 9. August 1942 in der Gaskammer ermordet.

Für  Reinhard Heydrich, den Leiter des
Reichssicherheitshauptamts, war  die
nationalsozialistische Wahrnehmung der 
Aktivitäten der katholischen Seelsorger bestimmt vom Bild des
politischen Geistlichen, der neben Juden, Kommunisten und Freimaurern als
wichtigster Staats- und Volksfeind angesehen wurde. Unbestritten war immer: Das
Christentum war ein Hauptfeind der Nazi-Ideologie, dem nur eine „Schonfrist“
bis nach dem „Endsieg“ gewährt werden sollte. Dann hätte sich das System stark
genug dafür gefühlt, die christliche Religion genauso wie die jüdische
auszulöschen. Im Osten des geplanten Großgermanischen Reiches hätte das auch
die Auslöschung des Lebens von dutzenden Millionen Christen bedeutet.

Reichsleiter Martin Bormann, Chef der
Parteikanzlei, erläuterte am 6. Juni 1934 in einem Geheimerlass an alle
Gauleiter der NSDAP das Verhältnis der Partei zum Christentum. Er ließ an
Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:
„Nationalsozialistische und christliche Auffassungen sind unvereinbar. […]
Unser nationalsozialistisches Weltbild steht weit höher als die Auffassungen
des Christentums, die in ihren wesentlichen Punkten vom Judentum übernommen
worden sind. Auch aus diesem Grunde bedürfen wir des Christentums
nicht. […] Wenn also unsere Jugend künftig einmal von diesem Christentum,
dessen Lehren weit unter den unseren stehen, nichts mehr erfährt, wird das
Christentum von selbst verschwinden. […] Aus der Unvereinbarkeit
nationalsozialistischer und christlicher Auffassungen folgt, dass eine Stärkung
bestehender und jede Förderung entstehender christlicher Konfessionen von uns
abzulehnen ist. Ein Unterschied zwischen den verschiedenen christlichen
Konfessionen ist hier nicht zu machen. […] 
Alle Einflüsse, die die durch den Führer mit Hilfe der NSDAP ausgeübte
Volksführung beeinträchtigen oder gar schädigen konnten, müssen ausgeschaltet
werden. Immer mehr muss das Volk den Kirchen und ihren Organen, den Pfarrern,
entwunden werden. Selbstverständlich werden und müssen die Kirchen, von ihrem
Standpunkt betrachtet, sich gegen diese Machteinbuße wehren. Niemals aber darf
den Kirchen wieder ein Einfluss auf die Volksführung eingeräumt werden. Dieser
muss restlos und endgültig gebrochen werden. 
[…] Erst, wenn dieses geschehen ist, hat die Staatsführung den vollen
Einfluss auf die einzelnen Volksgenossen. Erst dann sind Volk und Reich für
alle Zukunft in ihrem Bestande gesichert.“

Der Plan zur Errichtung einer evangelischen
Reichskirche unter Zusammenschluss der verschiedenen evangelischen Kirchen sei
endgültig aufgegeben worden, „weil die
evangelische Kirche uns genauso feindlich gegenübersteht wie die katholische
Kirche“.
Jede Stärkung der Protestanten würde sich „lediglich gegen uns auswirken“. 

 Am 20.
Oktober 1939 richtete Reinhard Heydrich einen Bericht über die gegenwärtige
politische Haltung der Kirchen und Sekten an den Reichsminister und Chef der
Reichskanzlei, Hans Heinrich Lammers. Nicht ohne Stolz bilanzierte der Chef der
Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes die erfolgreiche Zurückdrängung
der christlichen Kirchen zwischen 1934 und 1939: Die kirchlichen Vereine seien
weitgehend zerstört, die Konfessionsschulen beseitigt, der Religionsunterricht
zum Teil aus den Schulen verbannt, kirchliche Morgenfeiern im Rundfunk
unterbunden, Abgaben erhöht und Staatszuschüsse reduziert worden. Außerdem sei
der Prozentsatz der Theologiestudenten unter den Abiturienten von seit 1937 von
3,85 Prozent auf zwei Prozent zurückgegangen.

Das „Problem Christentum“ lieber aussitzen
als anpacken wollte auch Adolf Hitler mehrfach. Zumindest hat er sich im
kleinen Kreis so geäußert. Am 13. Dezember 1941 wünschte er sich beispielsweise,
das Christentum müsse vom Volkskörper „abfaulen
wie ein brandiges Glied. So weit müsste es kommen, dass auf der Kanzel nur
lauter Deppen stehen und vor ihnen nur alte Weiblein sitzen“.
  Am 27. Februar 1942 mutmaßte er, dass diese
Taktik allerdings einen langen Atem erfordern könnte. Bis zum „Zusammenbruch dieser Sache“ könne es „100 oder 200 Jahre noch dauern“. Ihm
tue es „leid, dass  ich wie Moses das gelobte Land nur aus der
Ferne sehen kann“.
Andererseits teilte Reichsinnenminister Lammers dem
Gauleiter des Reichsgaus Württemberg-Hohenzollern, SS-Obergruppenführer Wilhelm
Murr, im Juli 1940 mit,  „dass der Führer wiederholt zum Ausdruck
gebracht hat, dass während des Krieges alle nicht unbedingt notwendigen  Maßnahmen vermieden werden sollen, die das
Verhältnis des Staates und der Partei zur Kirche verschlechtern könnten“
.  Für die Zeit nach Kriegsende behielt sich
Hitler aber „persönlich die Abrechnungen
mit den Kirchen […] vor“.

Unvereinbarkeit

Ein Erlass von Robert
Ley, dem Führer der „Deutschen Arbeitsfront“, hatte schon am 28. April 1943 die
doppelte Mitgliedschaft in dieser Organisation und in den katholischen
Arbeiter- und Gesellenvereinen verboten. Das war ein tödlicher Stoß für solche
Vereine, weil schon bald niemand in Deutschland noch eine Anstellung fand, der
der Arbeitsfront nicht angehörte. Proteste mehrere katholischer Bischöfe,
darunter von Galens, blieben wirkungslos. Die Ausschaltung missliebiger
innerparteilicher Konkurrenz auf Adolf Hitlers Befehl am  30. Juni 1934 
durch Massenmorde (die Rache-Aktion gegen den  so genannten Röhm-Putsch) nutzte die NSDAP
dazu, „nebenbei“ auch verschiedene 
prominente Katholiken zu ermorden. Zu ihnen gehörten Dr. Erich Klausener, den Leiter der
„Katholischen Aktion“ in Berlin, und Adalbert Probst, den Leiter der „Deutschen
Jugendkraft“ (DJK). In Missachtung der damals noch gültigen katholischen
Lehre wurden ihre Leichname verbrannt. Die Asche schickte man den
Familienangehörigen zu.

Auch der schon
monatelang gefangene katholische Journalist Fritz Gerlich wurde von München ins KZ Dachau gebracht und
ermordet. Er hatte mit seiner Zeitung „ der gerade Weg“ mutig versucht die
Machtergreifung Hitlers zu verhindern. Ein Seligsprechungsverfahren wurde für
ihn eröffnet.

Mit
brennender Sorge

Der Erzbischof von München und Freising,
Kardinal von Faulhaber
, war Verfasser der Enzyklika „Mit brennender Sorge“,
mit deren Veröffentlichung am 21. März 1937, dem Palmsonntag, jenes
Jahres,  Papst Pius XI. unter Mitwirkung seines Staatssekretärs Eugenio Pacelli, des späteres Papstes Pius XII, den
Nationalsozialismus scharf angriff. Das in deutscher Sprache verfasste Lehrschreiben
begann so: „Mit brennender Sorge und
steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der
Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treu bleibenden
Bekenner und Bekennerinnen.“
In Deutschland sei ein Vernichtungskampf
gegen die Kirche im Gange. Der Papst warnte davor, mit Begriffen wie Volk,
Rasse und Staat einen Götzenkult zu betreiben und verurteilte er die „Irrlehre von einem nationalen Gott“.
Pius XI. betonte: „Gott hat in souveräner
Fassung Seine Gebote gegeben. Sie gelten unabhängig von Zeit und Raum, von Land
und Rasse. So wie Gottes Sonne über allem leuchtet, was Menschenantlitz trägt,
so kennt auch Sein Gesetz keine Vorrechte und Ausnahmen. Regierende und
Regierte, Gekrönte und Ungekrönte, Hoch und Niedrig, Reich und Arm stehen
gleichermaßen unter Seinem Wort“.
In 
der Einleitung der Enzyklika hieß es weiter, wenn der von der Kirche
durch Unterzeichnung des Konkordats vom 20. Juli 1933  „in
lauterer Absicht in die deutsche Erde gesenkte Friedensbaum nicht die Früchte
gezeitigt hat, die Wir ersehnten“
, werde „niemand in der weiten Welt, der Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu
hören, heute noch sagen können, die Schuld liege auf Seiten der Kirche und
ihres Oberhauptes“.
Das Verhalten des Nationalsozialismus in den Jahren
seit der Unterzeichnung enthülle „Machenschaften,
die von Anfang an kein anderes Ziel kannten als den Vernichtungskampf“.

Wenn aber „ohne unsere Schuld der Friede
nicht sein soll, dann wird die Kirche Gottes ihre Rechte und Freiheiten
verteidigen im Namen des Allmächtigen“,
 
so einer der letzten Sätze des päpstlichen Lehrschreibens.

In den Augen der
Nationalsozialisten war die Enzyklika ein „hochverräterischer
Angriff“,
dessen Verlesung von den Kanzeln sie gerne verhindert hätten nach
dem die Gestapo am 20. März 1937, einen Tag vor der Veröffentlichung, von ihr
erfahren hatte. Joseph Goebbels, Reichsminister für Propaganda und „Volksaufklärung“,  riet zum „tot
stellen und ignorieren“
der seiner Meinung nach gegen Deutschland
gerichteten Provokation und Kampfansage. Statt spektakulärer Verhaftungen
plädierte er für Bestrafungsaktionen im Nachhinein. Am Palmsonntag, dem 21.
März, wurde das Schreiben in fast allen 11500 katholischen Pfarreien des
Deutschen Reiches verlesen  und außerdem
unter der Hand in hoher Auflage verteilt.

Reinhard Heydrich
beauftragte die Gestapo, die Verlesung zu überwachen und alle außerhalb der
Kirchen greifbaren Exemplare zu beschlagnahmen. Wenige Wochen später wurden
sämtliche Druckereien, die die Enzyklika unter großer Geheimhaltung gedruckt
hatten, ausnahmslos enteignet. Das Regime nahm seine Kampagne gegen die Kirche
sowie die Schauprozesse gegen Ordensleute demonstrativ wieder auf. Auch gegen
die zweite totalitäre Macht in Europa, Stalins Sowjetunion,  veröffentlichte der Papst übrigens in jenem
Jahr ein Lehrschreiben. Bereits am 19. März erschien die Enzyklika „Divini
Redemptoris“, in der die Kirche Materialismus und Marxismus verurteilte.

Einige  führende Vertreter der NSDAP, allen voran
Hitler und Himmler, waren im Gegensatz zu ihrem Hass auf das Christentum vom
Islam  fasziniert und haben  ihre Sympathie auch wiederholt bekundet. Der
deutsch-iranisch-stämmige Historiker David Motadel hat dieses Phänomen
beleuchtet, das der nationalsozialistischen Rasseideologie zu widersprechen
scheint.  Wenn Adolf  Hitler während der Kriegsjahre die
katholische Kirche kritisierte, verglich er sie oft mit dem Islam als
gewissermaßen „positivem Gegenbeispiel“. Während er den Katholizismus immer
wieder als schwache, verweichlichte Religion verurteilte, lobte er den Islam
oft als starke, aggressive Kriegerreligion. Am 13. Dezember 1941 gab er beim
Mittagessen in der „Wolfsschanze“ zu Protokoll: „Der Mohammedanismus könnte mich noch für den Himmel begeistern“ und
verunglimpfte das Christentum als „Verhöhnung
alles Göttlichen“.
Im Gegensatz zu früheren herablassenden Äußerungen über
Völker wie Inder und Araber gab es schon kurz vor dem Krieg keine
Diskriminierung mehr gegen Türken, Iraner und Araber, nachdem die Regierungen
in Teheran, Ankara und Kairo interveniert hatten, weil sie sichergehen wollten,
dass die deutschen Rassegesetze nicht gegen 
Bürger ihrer Länder angewendet würden. Als deutsche Truppen dann in
muslimisch besiedelten Gebieten in Nordafrika und Zentralasien auf dem
Vormarsch waren, kam der Versuch hinzu, Muslime als Kämpfer für deutsche
Hilfstruppen zu gewinnen.  Nachgiebigkeit
gegenüber dem Islam war für die Nationalsozialisten also vor allem
realpolitisches Mittel zum Zweck.

Zurück
zum Christentum, Zu Beginn des „Dritten Reichs“ hatte es auch Kirchenvertreter
gegeben, die Hitlers Absichten und sein brutales Vorgehen bei deren
Durchsetzung (ohne den Vorteil des heutigen Rückblicks auf die Entwicklung der
Ereignisse) nicht durchschauten. Erich Klausener etwa verstand es, die
Diaspora-Katholiken der deutschen Reichshauptstadt in Großkundgebungen
zusammenzuführen. Bei einer solchen Gelegenheit hielt er es für möglich, die
Herrschaft der neuen Regierung durch eine „Revolution
der inneren, geistigen Erneuerung“
in eine positive Richtung zu lenken. Dem
Jesuitenpater Friedrich Muckermann wird heute eine Äußerung von 1923 zum
Vorwurf gemacht: „Wenn einer käme, der es
verstände, das Nationale und das Soziale in eine neue Einheit zu binden, darauf
dann das Programm der Zukunft zu bauen, ein solcher Mann könnte Wunder wirken
in Deutschland.“
Als Muckermann durchschaute, wohin die Reise gehen sollte,
entwickelte er sich schon bald nach der „Machtergreifung“ zum
leidenschaftlichen Kämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er tat, was für ihn
die Pflicht eines deutschen Patrioten war, wurde von Nationalsozialisten aber
als „Vaterlandsverräter“ angesehen.
Schon 1931 machte er sich Gedanken über die Überwindung des
Nationalsozialismus. Dessen Ideologie wurde für ihn zu einem System der Lüge im
Dienste Luzifers. In der Zeitschrift 
„Der Gral“  deutete Muckermann
1934 aus dem niederländischen Exil die 
politischen Auseinandersetzungen der damaligen Zeit als Schlacht
zwischen Christus und dem Fürsten der Hölle. Trotzdem wird dem 1946 gestorbenen
Pater heute  vorgeworfen, nicht früh
genug vor der NS-Herrschaft gewarnt zu haben.

Auch
manche Ordensleute konnten Sympathien für die neuen Machthaber nicht verhehlen.
Der ehemalige  Benediktinerabt Alban
Schachleiter beispielsweise wurde vom Münchener Kardinal Michael von Faulhaber suspendiert und mit  Ausschluss vom öffentlichen Empfang der
Kommunion belegt.

Etliche
Katholiken erhoben ihre Stimme zum Protest oder wirkten beim organisierten
Widerstand verschiedenster politischer Richtungen mit. Am 19. Juni 1943
brandmarkten die katholischen deutschen Bischöfe in ihrem Hirtenbrief die
Ermordung von „Menschen fremder Rassen
und Abstammung“
und traten „für die
schuldlosen Menschen“
ein. Auch eine
ganze Reihe von Klöstern und Ordensleuten war an aktiven Widerstandsbewegungen
beteiligt, etwa das Dominikanerkloster Heilig Kreuz in Köln, in dem  sich die verbotene katholische
Studentenbewegung „Unitas“ regelmäßig traf.

Deutsche Christen

 Zur Zerreißprobe wurde der NS-Staat für die
Deutsche Evangelische Kirche (DEK). Die 1931 in Thüringen gegründeten
„Deutschen Christen“ (DC) hatten als Logo, wie man es heute nennen würde,
Kreuz, in das ein Hakenkreuz integriert war. Sie übernahmen 1933 die Leitung
einiger Landeskirchen der DEK. 1934 gründete sich als Gegenpol die „Bekennende Kirche“ (BK). Sie konnte
sich zunächst auf fast ein Drittel, später noch auf knapp ein Fünftel der rund
19000 protestantischen Geistlichen stützen. Ihre Gottesdienste und
Gemeindeveranstaltungen wurden observiert, die Pfarrer waren vielfältigen
Schikanen wie Haussuchungen, Zwangsversetzungen und Zwangspensionierungen
ausgesetzt. Einige landeten dafür im KZ wie z.B. Pastor Wilms, der ins KZ Dachau
gebracht wurde.

Der
in Pferdsfeld, heute Bad Sobernheim, geborene evangelische Pfarrer Paul Robert Schneider etwa  gehörte der Bekennenden Kirche an. Als
Pfarrer in Hochelheim protestierte  er ab
Herbst 1933 gegen die „Deutschen Christen“, 
das Glockenläuten für politische Zwecke, die Eingliederung der
Evangelischen Jugend in die Hitlerjugend und die Lehren  Alfred Rosenbergs. Zum Eklat kam es, als
Schneider Zeitungsartikel von Joseph Goebbels und Ernst Röhm öffentlich scharf
kritisierte, die die kirchliche Lehre über sexuelles Verhalten als
„verschrobenes Moralin“  verhöhnten. Er
wurde schließlich von seinem Pfarramt beurlaubt und auf den Hunsrück
zwangsversetzt.

Schon
bald geriet er dort im Juni 1934 erneut in Konflikt mit den Nationalsozialisten.
Während der kirchlichen Trauerfeier für einen 18-Jährigen, der Mitglied der
Hitlerjugend gewesen war, verwahrte Schneider sich energisch dagegen, dass der
NS-Kreisleiter zweimal das Wort ergriff und dem Verstorbenen wünschte, er möge
in den „himmlischen Sturm Horst Wessels“ einziehen. Am folgenden Tag wurde
Schneider für eine Woche in „Schutzhaft“ genommen.

Sein
Eintreten für eine bekenntnis- und bibelgemäße Unterweisung der Kinder in
Kirche und Schule führte Anfang 1937 zu einer weiteren Konfrontation. Er
erreichte, dass das Presbyterium seiner Gemeinde in Womrath bei Simmern zwei
Volksschullehrer, die den Religionsunterricht für ihre politisch-ideologische
Agitation missbrauchten, vom Abendmahl ausschloss.

Schneider
wurde daraufhin am 31. Mai 1937 erneut verhaftet, in das Gestapo-Gefängnis  Koblenz gebracht, aus der Haft entlassen und
aus dem Rheinland ausgewiesen. Da er den Ausweisungsbefehl missachtete, wurde
er am 3. Oktober 1937 wieder verhaftet und in das Konzentrationslager
Buchenwald deportiert.

An
„Führers Geburtstag“, am 20. April 1938, weigerte er sich dort,  beim Fahnenappell die Mütze vor der
Hakenkreuzflagge, die ein Verbrechersymbol sei, anzunehmen. Nach der Bestrafung
auf dem Prügelbock wurde über ein Jahr lang im Arrestgebäude, dem
„Bunker“,  in strenger Einzelhaft von
einem  sadistischen Aufseher schwer
misshandelt. Trotzdem zog Schneider sich immer wieder an den Gitterstäben hoch,
um den auf dem Appellplatz versammelten Häftlingen das Evangelium zu
verkündigen und Folter und Mord anzuprangern, bis er unter den brutalen
Stockschlägen des Aufsehers verstummen musste. 

Da
Schneider es strikt ablehnte, nach einer eventuellen Entlassung  über seine Erlebnisse im Konzentrationslager
Stillschweigen zu bewahren, wurde er am 18. Juli 1939 auf der
Krankenstation  durch eine Spritze mit
einer Überdosis des Herzmittels Strophanthin ermordet.

Seine
Witwe Margarete erreichte ausnahmsweise, dass der Leichnam ihres Mannes nach
Dickenschied im Hunsrück überführt und auf dem dortigen Friedhof beigesetzt
werden konnte. Die Trauerfeier fand unter sehr großer Anteilnahme der
Bevölkerung und von Amtskollegen aus der Bekennenden Kirche statt. Es sollen
etwa 200 Pfarrer, größtenteils im Talar, anwesend gewesen sein. Die Beerdigung
geriet zu einer eindrucksvollen Demonstration der Bekennenden Kirche. Ein
Gestapo-Beamter äußerte: „So werden
Könige begraben“.

Etwa 900
Pfarrer der Bekennenden Kirche und Mitglieder ihrer Gemeinden kamen für kürzere
oder längere Zeit in Haft. Bei
den Deutschen Christen kam es nach der Gründung der BK zu heftigen
Flügelkämpfen. Als Nachfolgeorganisation entstand die „Reichsbewegung Deutscher
Christen“, die sich1938 in „Lutherdeutsche“ …umbenannte. Die Bekennende Kirche
beanspruchte, die einzige rechtmäßige evangelische Kirche in Deutschland zu
sein und schuf sich mit einem „Notrecht“ eigene Leitungsstrukturen. Mitglieder
der BK wurden vom NS-Staat nicht nur drangsaliert, sondern auch in
Konzentrationslager gesperrt. 1949 gab die neu gegründete Evangelische Kirche
in Deutschland (EKD) ein Märtyrerbuch heraus, in dem die Namen von 17
ermordeten BK-Mitgliedern, die zum Teil in KZs getötet wurden, enthalten waren.
Unter ihnen war auch  Dietrich Bonhoeffer. Erst 1979 aber
sammelte Werner Oehme, ein Pfarrer in der DDR, die Namen von 14 im Märtyrerbuch
nicht verzeichneten BK-Mitgliedern, die als Kriegsdienstverweigerer,
Widerständler des 20. Juli 1944, „Wehrkraftzersetzer“ und Juden ermordet
wurden, darunter Helmut James Graf von Moltke.

Klostersturm

Zwangsmaßnahmen
gegen das Christentum in Deutschland konzentrierten sich bald auf den  Bereich der Orden. Damit hatte Adolf Hitler
persönliche Erfahrungen. Als Acht- und Neunjähriger hatte er neben der Schule
das Sängerknaben-Institut des Benediktinerstifts Lambach besucht. Der Glanz der
Architektur, die kostbaren Priestergewänder, das alles erhielt in den Augen des
Knaben einen mystischen Glanz. Sein Ideal war es damals, selbst einmal Abt zu
werden. Aber aus Faszination wurde Verachtung. Anfang 1934 stellte ein Geheimbefehl des Sicherheitsdienstes der SS klar: „Die Orden sind der militante Arm der
katholischen Kirche. Sie müssen daher von ihren Einflussgebieten
zurückgedrängt, eingeengt und schließlich vernichtet werden.“
Die
katholischen Orden galten den Nationalsozialisten als „gefährlichste Kampftruppe des nach der politischen Weltmacht
strebenden römischen Papsttums“.
Hinter den Klostermauern vermutete man
Schätze und obskure Geheimbündelei.

Die
weltweite Verbreitung und internationale Zusammenarbeit vieler Kommunitäten
galt als gefährlich. Wer ein eheloses Leben hinter Klostermauern führte,
stellte sich außerhalb der „Volksgemeinschaft“. Das ganze Leben von
Ordensleuten war für die Nationalsozialisten eine Provokation. Die Orden galten
als „undeutsch“, weil sich ihre Angehörigen nicht fortpflanzten, keine Kinder
bekamen und damit die „arische Rasse“ nicht förderten. Mönche und Nonnen waren
in den Augen der Nationalsozialisten „biologische
Blindgänger“,
weil sie so ganz anders lebten.

1940
begannen systematische  Beschlagnahmen
von Klostergebäuden und auch Enteignungen klösterlichen Vermögens. Die
Maßnahmen wurden mit „kriegsbedingter Notwendigkeit“ begründet.
Beschlagnahmte Häuser wurden als Lazarette, Krankenhäuser, Parteihäuser und
schließlich auch als nationalsozialistische Eliteschulen genutzt. Letzteres
geschah auch mit dem Benediktinerstift Lambach, in dem 1941 eine „Napola“
untergebracht wurde, eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt, die ihre
Zöglinge zu „Nationalsozialisten, tüchtig
an Leib und Seele für den Dienst an Volk und Staat“
machen sollte. Die
Schüler sollten die kommende Führungsschicht Deutschlands bilden und, wie es in
dem dokumentarischen deutschen Spielfilm „Napola“ von 2004 heißt, einst „Gauleiter für Washington, Moskau, London
und Kapstadt“
sein. Eine besondere Rolle spielten im Unterricht die
Leibesübungen, die zum Hauptfach avancierten.

 Beschlagnahmungen  von Klöstern gingen meist so vor sich, dass
SS vor der Tür stand und den Mönchen oder Ordensschwestern eine Frist zwischen
lediglich einer halben und drei Stunden zugestand, um ihr komplettes Gebäude zu
räumen. Gleichzeitig nutzten die Behörden die Gelegenheit, auch die Pflegeheime
oder Kindergärten zu schließen, die in diesen Räumen beherbergt waren.

Komplett
enteignet wurden mehr als 300 Klöster und ähnlichen Einrichtungen in
Deutschland. Hinzu kamen Tausende, die vorübergehend beschlagnahmt wurden,
sowie weitere Einrichtungen in den besetzten Gebieten in den Niederlanden, in
Österreich, im Sudetengau und in  Polen.
Dort richtete die SS Übergangslager für die Umsiedlungsaktion „Heim ins Reich“
ein, in deren Rahmen mehr als eine halbe Million Deutschstämmige aus Polen,
Rumänien und dem Baltikum untergebracht werden mussten.

Januar
1941 setzte eine zweite Welle des Klostersturms ein, diesmal angeordnet von
Martin Bormann. Er schrieb am 13. Januar 
an alle Gauleiter der NSDAP: „Es
hat sich heraus gestellt, dass die Bevölkerung keinerlei Unwillen zeigt, wenn
Klöster einer allgemein geeignet erscheinenden Verwendung zugeführt werden
[…] Von diesen Möglichkeiten soll weitgehender Gebrauch gemacht werden.“

Bormann
versuchte mit seinem Rundschreiben auf einen Prozess Einfluss zu nehmen, der
längst begonnen hatte. In Wirklichkeit gab es in mehreren Orten durchaus
lautstarken Protesten der Anwohner gegen die Klosteraufhebungen. Im
westfälischen Olpe beispielsweise versammelte sich an mehreren Tagen
nacheinander eine aufgebrachte Menschenmenge vor dem örtlichen Pallottinerkloster,
die nach einem Gestapo-Bericht „mit Knüppeln und Stöcken bewaffnet“ war,  die Beamten der Geheimpolizei beschimpfte und
sogar mit Steinen bewarf. Die Gestapo reagierte schließlich mit der Verhaftung
von zwei Arbeitern, die sie als Anführer ausgemacht hatte.

Ohne
den Vorwand  kriegsbedingter Zwänge  fiel auch der letzte Schein von Legalität.
Ein für die Ordensleute besonders schmerzliches Beispiel traf das
Benediktiner-Klosters in Bonn-Endenich. Nach der Enteignung hielten
Nationalsozialisten in der Kapelle Propaganda-Vorträge und zwangen die
Ordensfrauen, zuzuhören. Kurz darauf wurden die Nonnen vertrieben und es wurden
dort Juden interniert, die später deportiert und in Vernichtungslagern ermordet
wurden.

Vor
allem gegen katholische Häuser richteten sich die Maßnahmen des Klostersturms.
Die Bonner Historikerin Annette Mertens erklärt da so: „Das liegt zum einen daran, dass es das Ordenswesen auf evangelischer
Seite nicht so gibt und auch daran, dass die katholische Kirche im Zentrum
dieser Verfolgungspolitik stand und ganz gezielt vor allem katholische
Einrichtungen beschlagnahmt und enteignet wurden.“

Im
Laufe der zunehmenden Übergriffe schrieben Bischöfe mehr als 100 Beschwerden
und Protestbriefe, doch die zeigten keine öffentliche Wirkung und verschwanden
meist in der Schublade, so Annette Mertens: „Der
erste, der sich öffentlich in einem Hirtenbrief geäußert hat, war der Würzburger Bischof Ehrenfried. Und der
nächste war Bischof Berning von
Osnabrück
, der auf einer großen Männerwallfahrt in seiner Predigt offen
Stellung bezog. Das sind mutige Aktionen, mitten in einer Diktatur, mitten im
Krieg, das dürfen wir nicht gering schätzen“
.

Die
Predigten des Bischofs von Münster  hätten ganz entscheidend dazu beigetragen,
dass auch die Zwangsmaßnahmen gegen Klöster eingestellt wurden.

Adolf
Hitler hatte Bormann und Himmler schon mehrfach ermahnt, während des Krieges in
den kirchenpolitischen Angelegenheiten Ruhe zu bewahren. Solange der Krieg
nicht gewonnen war, wollte er „Beunruhigungen“ der Bevölkerung vermeiden. Die
Abrechnung mit der Kirche behielt er sich persönlich für die Zeit nach dem
„Endsieg“ vor.

Dennoch
veranlassten Bormann und Himmler immer wieder Maßnahmen gegen die Kirche.

Das
änderte sich allerdings im Sommer 1941. Am 30. Juli gab der „Führer“ in seinem
so genannten „Stopp-Erlass“ den ausdrücklichen Befehl, die Beschlagnahmen
einzustellen. Bis auf wenige Ausnahmen wurde der Befehl diesmal auch befolgt.
Allerdings sorgte Martin Bormann dafür, dass der Erlass sehr eng und
buchstabengetreu ausgelegt wurde. Er verbot zwar die Beschlagnahme von
Klöstern, aber nicht ihre Enteignung, die formale Einziehung ihres Vermögens
zugunsten des Staates. Daher fanden noch bis 1942 solche Vermögenseinziehungen
statt. Die Grundstücke und das bewegliche Vermögen der Klöster, die zuvor von
der Gestapo beschlagnahmt worden waren, gingen dauerhaft in das Eigentum des
Staates über, der auch im Grundbuch als Eigentümer eingetragen wurde.

Viele
Orden konnten nach dem Krieg in ihre Gebäude zurückkehren. Etliche Klöster
haben die Vertreibung aber auch nicht überstanden und lösten sich auf.

Seine
eigene Methode, Sand ins Getriebe der kirchenfeindlichen Aktivitäten zu
streuen, fand der Oberregierungsrat
Alois Becker
, der seit 1939 Referent „für Landeskultur, Wasserwirtschaft
und Melioration“ sowie für „Geistige Angelegenheiten der Rheinprovinz“ war. Er
trat 1937 zwar in die NSDAP ein, aber, wie er sagte, aus taktischen Gründen und
zur Tarnung seiner Absichten. Er unterhielt Kontakte zu Katholiken im
politischen Widerstand und stand auch in Verbindung zu Carl Goerdeler.
Nachdem  Becker 1942 aus dem
Kriegseinsatz ins Zivilleben zurückkehrte, tat es alles, um Anträge von
Kommunen auf Überlassung von Klöstern zu verzögern. Das gelang ihm vor allen in
Fällen, in denen es mehrere Interessenten für eine Immobilie gab. Auch durch
Tricks schaffte er es, Klöstern ihr Eigentum zu sichern, so sprach er der HJ
ein Objekt im  Gau Köln-Aachen zu, da
abzusehen war, dass das Reichsinnenministerium das ablehnen werde. Weder die
Hitlerjugend noch die Stadt Köln, die ebenfalls einen Antrag gestellt hatte,
bekamen schließlich den Zuschlag. Alois Becker wurde schließlich bei der
Gestapo wegen seines Verhaltens angezeigt, aber durch die Aussage eines
Vorgesetzten vor der Verhaftung bewahrt.

Als
er 1944 schließlich die direkte Anweisung aus 
dem Ministerium bekam, unverzüglich mit der Verwertung der Klöster zu
beginnen, ließ er sich ein ärztliches Gutachten ausstellen, das es ihm
ermöglichte, einen Erholungsurlaub anzutreten. Bis zum Kriegsende kehrte er
nicht auf seinen Posten zurück. Dass es ihm gelang, in vielen Fällen wenigstens
das Vermögen beschlagnahmter Häuser vor der Verwertung zu schützen,
erleichterte nach dem Krieg die Rückerstattung.

Durch die Gründung
eines Gremiums mit dem Namen „Ausschuss für Ordensangelegenheiten“ versuchten
die Klöster im August 1941, nach dem Stopp-Erlass Hitlers, mögliche
Gegenmaßnahmen gegen die Übergriffe zu koordinieren. Zu den Initiatoren des
Ausschusses gehörten die Dominikanerpatres
Odilo Braun und Laurentius Siemer
, die Jesuitenpatres
Augustin Rösch und Lothar König
sowie ein Laie, der Justiziar der Diözese
Würzburg, Georg Angermaier, der auch
verschiedene Ordensgemeinschaften juristisch vertrat. Der Ausschuss wollte  vor allem 
den Informationsaustausch der deutschen Bischöfe untereinander zu
verbessern, um gemeinsame Aktionen ermöglichen. Die Bischöfe von Fulda, Johann Baptist Dietz, von Passau, Simon Konrad
Landersdorfer, von Freiburg, Conrad Gröber, und von Berlin, Konrad von Preysing

schlossen sich dem Ausschuss an, der auch von der Bischofskonferenz offiziell
anerkannt wurde. Der Ausschuss entfaltete eine umfangreiche  kirchenpolitische Aktivität, die weit über
das eigentliche Problem des Klostersturms hinausging.

Einer der größten
Erfolge der Ausschussmitglieder war der so genannte Dekalog-Hirtenbrief, den
die Bischöfe 1943 unterzeichneten. Auf der Grundlage der zehn Gebote bezogen
sie darin in deutlichen Worten Stellung

gegen die
nationalsozialistischen Verbrechen. Für die Klöster auf dem Gebiet des
Deutschen Reiches, wie es bis zum Ende des Westfeldzugs 1940 bestand, in
Deutschland kam der Einsatz des Ordensausschusses zwar zu spät. 

Die Beschlagnahmen
waren bereits vor seiner Gründung eingestellt worden. Auch die Einziehungen
klösterlichen  Vermögens konnten sie
nicht verhindern. Die Klöster im Elsass, das nach dem Waffenstillstand von
Deutschland annektiert wurde, wurden dagegen tatsächlich durch den
Ordensausschuss gerettet.

Robert Wagner,
Gauleiter des Reichsgaus Baden-Elsass, und der SD planten im Juli 1943 eine
umfassende Aktion gegen 23 elsässische Klöster. Es gelang ihnen aber nicht, die
Vorbereitungen der Aktion  geheim zu
halten. Augustin Rösch erfuhr einige
Tage vorher von den Plänen

und veranlasste
zusammen mit seinem Ordensbruder Lothar König den Freiburger Erzbischof Gröber,
Telegramme an die wichtigsten NS-Führer und Polizeidienststellen zu schicken,
um bereits im Vorfeld gegen den Angriff auf die Klöster zu protestieren. Aus
Angst vor den Reaktionen der Öffentlichkeit verwarfen die Nationalsozialisten
ihre Pläne.

Beispiel Barmherzige Schwestern

Was katholische Orden
und ihre Einrichtungen  in vielen anderen
Teilen Deutschlands zu erdulden hatten, wird exemplarisch deutlich aus der
Dissertation von Alexa  Becker über die
Tätigkeit der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von
Paul an den klinischen Einrichtungen der Universität München. König Ludwig I.
hatte die Schwestern 1832  zur Arbeit in
der Krankenpflege nach Bayern geholt. 
Die Zusammenarbeit mit staatlichen und kommunalen Stellen war lange
unkompliziert. Große Probleme gab es ab 1933 nicht nur durch den Klostersturm,
sondern schon früher wegen der NS-Gesetze zur Krankenpflege und eine
Pflege-Ausbildung mit ideologischen Lehrinhalten.

Die Konflikte waren
sowohl professionell als auch persönlich. Vor allem die Schwestern, die in den
Operationssälen der chirurgischen und 
gynäkologischen Abteilungen in Kliniken Dienst taten mussten eine
Antwort auf die Frage finden, wie sie die Beihilfe zu eugenischen Maßnahmen und
Sterilisationen verweigern konnten, ohne die gesamte Kongregation und den
Erhalt der christlichen Krankenpflege zu gefährden.

Auch von höchster
kirchlicher Seite wurde um eine Antwort gerungen, die moralisch vertretbar war
und nicht die gesamte Tätigkeit unmöglich machte.  Ein Vorteil für die Schwestern war es dabei,
dass die staatlichen Stellen im Krieg nicht auf sie verzichten konnten, weil
allenthalben Pflegekräfte fehlten.

Die katholische
Kirche bemühte sich zunächst vergeblich, das 
Gesetz  zu beeinflussen. In der
Chirurgischen Klinik in München sterilisierten Ärzte von Januar 1934 bis Juni
1937 insgesamt 1050 männliche Personen. 37 von ihnen waren Häftlinge des Konzentrationslagers
Dachau. In der Universitätsfrauenklinik wurden von 1934 bis1944 1318
Patientinnen sterilisiert.  Kardinal Michael von Faulhaber stärkte
als geistliches Oberhaupt der Kongregation den Schwestern in ihrer Haltung
gegen die Sterilisationen maßgeblich den Rücken. Das Gesetz und seine
Verordnungen konnte er zwar nicht verhindern, doch er bemühte sich zumindest um
eine kirchenkonforme Auslegung der Bestimmungen in der Alltagspraxis.

Superior Johannes
Baptist Pfaffenbüchler fragte bei ihm an, ob sich eine Schwester vor jeder
Operation ein „dictamen über die Erlaubtheit“ derselben bilden müsse.

Am 28. Juli 1934
teilte der Superior den Barmherzigen Schwestern, dass sie bei
Sterilisationseingriffen aus eugenischen Gründen nicht assistieren dürften. Sie
durften aber die Instrumente für den Eingriff herrichten und danach aufräumen.

Die Reichsregierung
erklärte in einem Schreiben an Kardinal Faulhaber daraufhin, sie könne eine
Aufforderung zum Ungehorsam gegen das Reichsgesetz nicht hinnehmen.

Der Kardinal
antwortete postwendend, dass Sterilisation ebenso wie Abtreibung und
Empfängnisverhütung gegen das göttliche Gesetz seien. Als die Tötung so
genannten „unwerten Lebens“ bekannt wurde, 
ermahnte Faulhaber die Schwestern, dass es  durch das göttliche Gesetz strengstens
verboten sei, bei der Tötung von Menschenleben in jeglichen Fällen mitzuwirken.

Er protestierte beim
Reichsinnenminister schriftlich gegen „Drohungen
wie diese, man werde den Schwestern die Krankenpflege in dem einen oder anderen
Haus abnehmen“.
Als zwischen Ende 1943 und April 1945 bei mindestens 220
Fremdarbeiterinnen im Krankenhaus Hutthurm Abtreibungen durchgeführt wurden,
weigerten sich die Schwestern, dabei mitzuwirken. Sie mussten sich übelste
Beschimpfungen gefallen lassen.  Die Lage
beruhigte sich erst wieder, als der Klinik eine Stellungnahme des Passauer und
des Münchener Ordinariats zugeleitet wurde, dass die Bischofskonferenz gegen
solche Eingriffe Einspruch erhoben hatte. Der Staatssekretär im
Reichsministerium  für Kirchenfragen,  Hermann Muhs, 
teilte Kardinal Faulhaber
bemerkenswerter Weise mit, dass kein Arzt 
zu einer Abtreibung gezwungen worden sei. Deshalb dürfe auch auf
Schwestern in der Krankenpflege kein Druck ausgeübt werden, sich an
Abtreibungen zu beteiligen. Im gesamten von ihr gesichteten Archivmaterial fand
Alexa Becker keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Kongregation der Barmherzigen
Schwestern an Maßnahmen der Euthanasie in Bayern aktiv teilnahm.

Der Klostersturm traf
die Barmherzigen Schwestern 1936/37 in Bayern zunächst durch die Verdrängung
aus dem Erziehungsbereich. Die Schülerheime der Salesianer beziehungsweise
der  Benediktiner in Amberg und

Eichstätt, in denen
die Schwestern die Hauswirtschaft geführt hatten, wurden geschlossen.

Einrichtungen der
Kinder- und Jugendpflege  wie das
Walderholungsheim Stullendorf, das Wanderheim in Bogen und die Marienanstalt in
Indersdorf wurden von der „Nationalsozialistischen
Volkswohlfahrt“ (NSV) übernommen.

Auch das Mutterhaus
der Barmherzigen Schwestern in München musste sich gegen Angriffe zur Wehr
setzen. Die Stadt wollte die Kongregation aus dem Mutterhaus in München
verdrängen, weil die benachbarte Klinik erweitert werden müsse und das
Grundstück der Kongregation dafür gebraucht werde. Als die Schwestern Einspruch
erhoben, verzichtete die Stadt aber  auf
eine Enteignung, weil sonst die Gesundheitsversorgung in der Stadt gefährdet
gewesen wäre. Alle zuständigen Behörden in Bayern wurden im Juli 1937 vom
Ministerium angewiesen, Verdrängungsversuche von Ordensschwestern und
Kongregationen aus den

Krankenhäusern zu
stoppen, weil es zu wenige „nationalsozialistisch
geschulte Schwestern“
gebe.

Die Barmherzigen
Schwestern blieben schließlich bis zum Umzug in das neu errichteten
Mutterhauses in Berg am Laim im Jahre 2007 im Münchener Gebäude. Fast alle
Räume des Noviziatsgebäudes in Berg am Laim wurden aber im September 1941
beschlagnahmt und bis März 1943 als „Heimanlage für Juden“ benutzt, die aus
ihren Wohnungen vertriebenen worden waren und schließlich in Sammellager oder
Konzentrationslager deportiert wurden.

Für weitere
Einquartierungen  mussten die Schwestern
auch noch selbst die Kosten tragen, und zwar insgesamt 5040 Reichsmark für die
Unterbringung von Kriegsgefangenen und Flakhelfern. Das Luftgaukommando gab den
Versuch auf,  das Postulatsgebäude in der
Münchener Blumenstraße zu konfiszieren, als die Kongregation Eigenbedarfs wegen
der Verwendung als ordenseigene Krankenpflegeschule machte.

Die Stadt Adelholzen  beschlagnahmte aber das dortige
kongregationseigenen Kurhaus  bei
Kriegsbeginn für einige Monate als Lazarett. Die Schwestern mussten die dort
eingelieferten Soldaten pflegen und verloren die wichtige Einnahmequelle aus
dem Kurbetrieb. Später wurde das Haus als Übergangsheim für Rumäniendeutsche,
und die Aktion „Kinderlandverschickung“ verwendet. Das Erholungsheim der Schwestern
in Unterhaching blieb von der Beschlagnahme verschont.  Die Stadt akzeptierte, dass die Schwestern
zur Erholung vom anstrengenden Krankendienst selbst brauchten.   Die Tutzinger Schwestern zwang man von heute
auf morgen, ihr Kloster zu verlassen. Sie wurden auf andere Niederlassungen
verteilt.  Den Repressionen begegnete die
Generaloberin, Schwester M. Desideria, mit Ermahnungen wie diesen  zur Unterlassungen politischer Bemerkungen; „Nicht oft genug kann ich Euch sagen:
Schwestern, Schweigen! Ich bitte Euch inständig, schweigt doch! Wie vielen
Gefahren für sich

selber und für den Orden setzt sich so eine geschwätzige,
geistlose Schwester aus. Seid vorsichtig in Euren Reden! Wandelt in heiliger
Furcht. Wir leben im Verkehr mit

der Welt in ständiger Gefahr, glaubt es mir!“

Alexa Becker widmet
sich auch dem Thema  Widerstand der
Schwestern gegen den Nationalsozialismus.

Die Kongregation
könne ein Beispiel sein für die zahlreichen oft nicht namentlich bekannten
Menschen die sich gegen den Nationalsozialismus auflehnten, indem sie durch
humanes Handeln dem inhumanen  Regime
etwas entgegensetzten. Beispiel sei für Fürsorge für die Juden in Berg am Laim
trotz der Nürnberger Rassegesetze. 
Nachdem sich die Kongregation der Einrichtung eines Internierungslagers
im dortigen Noviziatsgebäude beugen musste, sagten die Schwestern zu, den Juden
Frühstück zuzubereiten. Weitere Mahlzeiten sollten von umliegenden Gasthäusern
kommen. Die Schwestern taten das, obwohl jeder Umgang mit den Juden laut
Parteiverfügung strengstens untersagt und auch die Weitergabe von Nahrungsmitteln
strikt verboten war. Nicht nur morgens, sondern auch mittags und abends wurden
die internierten schließlich aus der Klosterküche verpflegt. Außerdem durften
sie das Telefon der Kongregation nutzen. Eine der im Noviziatsgebäude
untergebrachten Jüdinnen, Else Behrend-Rosenfeld, schilderte das  Verhältnis zu den Barmherzigen Schwestern mit
diesen Worten:

„Ich sah, mit welcher schlichten und selbstverständlichen
Hingabe sie ihre Arbeit machten. Ich fühlte ihre Sympathie für uns, ihr
Mitfühlen bei allem, was wir erduldeten, und ihre Hilfsbereitschaft […] Noch
niemals zuvor habe ich so stark den Wunsch verspürt, mich vor Menschen in
Ehrfurcht zu neigen,  wie vor den
Klosterschwestern“.

 Für einige Tage in Haft kam der Abt der Benediktinerabtei
Münsterschwarzach, Burkhard Utz
, der sich weigerte, bei der Beschlagnahme
des Klosters und der Ausweisung der Mönche mit der Gestapo zusammenzuarbeiten.
Er wolle nicht „zum Henker seiner eigenen
Familie werden“
, gab er schriftlich zu Protokoll. Ein großes
Polizeiaufgebot beschlagnahmte, ausgerüstet mit Stahlhelm und Bajonett, die
Abtei schließlich gewaltsam. Die Patres wurden in das Franziskanerkloster
Kreuzberg gebracht.

Widerstand

 

Widerstand aus kirchlichen Kreisen hat zur
Zeit des Nationalsozialismus viele Formen gehabt – vom gesetzeswidrigen
Verhalten der Barmherzigen Schwestern 
bis zur Aufopferung des eigenen Lebens als Zeugnis für den Glauben.Gegen
das NS-System kämpfte zum Beispieleinevon bekennenden Katholiken
dominiertewenig bekannte Fluchthelfergruppe aktiv, die sich „Junger Bundschuh“ nannte.  Sie
versteckte abgeschossene alliierte Kampfpiloten, flüchtige Kriegsgefangene und
Fremdarbeiter und versuchte, sie  ins
unbesetzte  Frankreich,
nach  Belgien und in die Schweiz zu schleusen. Diese Gruppe
ist auch an den Schwerpunktorten ihres Wirkens fast vollkommen vergessen, weil
Fluchthilfe auch im Nachkriegsdeutschland zunächst oft nicht als Widerstand,
sondern als Landesverrat betrachtet wurde.

Der Katholischen Jungmännerverband
Deutschlands, dem  1926 4400 Vereine mit
400000 Mitgliedern angehörten, sammelte 1931 15000 Teilnehmer bei seiner
Reichstagung in Trier. Er nahm immer wieder Stellung gegen den
Nationalsozialismus und warnte vor der Reichstagswahl von 1933: „Was sich seit Mitte März vorigen Jahres
ereignet hat, ist ein nationales Verderben […] Wir erfahren es: Bolschewismus kann auch werden unter nationalen
Vorzeichen. […] Deutschland darf nicht den Extremen ausgeliefert werden;
weder rechts noch links.“

Die Zeitungen, die diesen Wahlaufruf
veröffentlichten, wurden daraufhin verboten.

140 Gestapo-Beamte besetzten das Düsseldorfer
Jugendhaus, die Zentrale des Verbandes. Den Mitarbeitern wurde verkündet,
dass  sie 
fristlos entlassen seien. 1939 löste das Reichsicherheitshauptamt schließlich
den Verband einschließlich aller Unter- und Nebengliederungen auf und zog sein
gesamtes Vermögen ein.

Auch einige Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ und
Angehörige ihres  studentischen
Freundeskreises um die Weiße Rose war in starkem Maße christlich motiviert.

So wuchsen zum Beispiel von
der später als „Ulmer Abiturienten“
bezeichneten Gruppe, die zum
Sympathisantenkreis der Weißen Rose gehörte, Hans und Susanne Hirzel in einem
evangelischen Pfarrhaus auf- Ihr Vater gehörte der Bekennenden Kirche an. Franz J. Müller, Heinrich Guter,
Heinz Brenner und Walter
Hetzel
 waren katholisch und
gingen in einen freiwilligen Religionsunterricht, nachdem der reguläre in
Schulräumen 1941 verboten worden war. Der Unterricht  wurde erteilt von Adolf Eisele,
einem Pater des Missionsordens der Weißen Väter,
der antinationalsozialistisch eingestellt war. Eisele unterrichtete unter
anderem mit Texten von Thomas von Aquin und diskutierte mit den Jugendlichen kritische Texte
wie die gegen die NS-Euthanasie gerichteten Predigten Clemens August
von Galen
s und sein
Protestschreiben an die Reichskanzlei. 

Alexander
Schmorell
gehörte der russisch-orthodoxen Kirche an.  Sie verehrt ihn heute als Neumärtyrer, und
die russisch-orthodoxe Kirche im Ausland hat in 2012 heiliggesprochen. Die wie
Schmorell hingerichteten Geschwister Hans
und Sophie Scholl
wurden christlich und mit Idealen wie Freiheit,
Gerechtigkeit und Selbstständigkeit erzogen und waren deshalb empört über die
Deportation und Behandlung sowohl von Juden als auch von Regimegegnern.
Außerdem waren sie durch die Frömmigkeit ihrer Mutter geprägt, Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi
Graf
hatten 1942 bei ihrem Fronteinsatz von Massenermordungen in Polen
erfahren und das Elend im Warschauer Ghetto beobachtet, was sie nach ihrer Rückkehr nach
Deutschland zusätzlich zum Widerstand bewegte.

Die Mitglieder der
weißen Rose Willi Graf und Kurt Huber wurden in Anerkennung ihren Glaubenszeugnisses als Märtyrer der
Erzdiözese München und Freising anerkannt und in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

 

Unbeugsam bis in den Tod war auch der Pallotinerpater  Franz  Dionysius Reinisch. Er wurde am 1. Februar 1903 im österreichischen
Feldkirch geboren.  Bei seiner Taufe
einen Tag später weihten ihn seine Eltern der Gottesmutter.  Am 29. Juni 1928 wurde er im Innsbrucker Dom zum Priester geweiht. Noch im selben Jahr trat er am
3. November in das Pallottiner-Kloster Untermerzbach bei Bamberg ein. 1933 wurde er nach  Schönstatt versetzt und mit der Missionsarbeit und Männerseelsorge
beauftragt.  Er unternahm  viele Reisen durch ganz Deutschland.
Bald  wurde die Gestapo auf ihn aufmerksam, weil er offen die
Unvereinbarkeit des christlichen Glaubens mit der NS-Ideologie verkündete.

Am 12. September 1940  erhielt er
Predigt- und Redeverbot. Seinem Gewissen treu besuchte er trotz des
Redeverbots Gruppen und stärkte sie im Glauben. Franz Reinisch war überzeugt,
dass Hitler die Personifizierung des Antichrists sei und verweigerte den Eid auf den
„Führer“ nachdem er am Osterdienstag 1942 
den Gestellungsbefehl als Sanitäter zum Eintritt in die Wehrmacht erhielt. Nach
eingehender Gewissenserforschung fiel die Entscheidung, den Fahneneid nicht zu
leisten.

Ihm war klar, dass sie einem Todesurteil gleichkam. Sein Seelenführer, Pater Joseph Kentenich, sagte. „Wenn
es Gottes Wille ist, sterben Sie als Opferlamm“.
Bei einem letzten Besuch
teilte Franz Reinisch seinen Eltern seinen 
Entschluss mit. Beim Beten des Kreuzwegs fragte er seine Mutter an der
13. Station (Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter
gelegt): „Kannst Du auch eine
Schmerzensmutter sein, die ihr Kreuz trägt und nicht zusammenbricht?“
Die
Mutter unterstützte ihn und wünschte ihm, er möge stark bleiben.

Franz Reinisch wurde verhaftet und kam vors Kriegsgericht. Nach einem
Aufenthalt im Gefängnis Berlin-Tegel wurde er ins Zuchthaus
Brandenburg eingeliefert.

Dort schrieb er das Marienlied „Du bist das große Zeichen“, gleichsam
als sein Sterbelied. Als es ihm am 20. August 1942  um 20 Uhr das Todesurteil verlesen wurde,
kommentierte er es mit dem Ausspruch „Der
Verurteilte ist kein Revolutionär, das heißt Staats- und Volksfeind, der mit
Faust und Gewalt kämpft. Er ist ein katholischer Priester, der die Waffen des
Geistes und des Glaubens gebraucht. Und er weiß, wofür er kämpft.“

Franz Reinisch betete die ganze Nacht und schrieb noch einen
Abschiedsbrief an seine Eltern und Geschwister. Eines der letzten Grußworte aus
der Gefängniszelle war: „Lieben und
Leiden in Freuden. F. Reinisch“.
 

Nach Mitternacht beichtete er  noch
einmal, kommunizierte und gab alle Dinge ab, die er noch bei sich hatte (das
Tüchlein, in das die Eucharistie gehüllt war, das Sterbekreuz, den Rosenkranz, einige Bücher und den
Abschiedsbrief). Man nahm ihm Schuhe und Strümpfe ab, fesselte seine Hände auf
dem Rücken und führte ihn in zum Hinrichtungsraum. Um 5.03 Uhr am 21. August
wurde Franz Reinisch enthauptet. Kardinalstaatssekretär Luigi Maglione schrieb am 18. August 1943 an den Generaloberen der Pallottiner:
„Sie haben […] das Beispiel jenes Mitbruders beschrieben, der mit dem Fallbeil
hingerichtet wurde. 
Der
Heilige Vater
 ist im
Zweifel, ob er Euch wegen des Verlustes eines Mitgliedes von solch hochherziger
Haltung beklagen, oder ob er Euch zur Glorie, die jener erworben, seinen Glückwunsch
aussprechen soll.“

Die katholische Kirche hat Pater Franz Reinisch als Glaubenszeugen in
das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Am 28. Mai 2013 wurde in Trier der Prozess zur Seligsprechung eröffnet.

Das sind die ersten beiden Strophen von Franz
Reinischs Lied „Du ist das große Zeichen“:

„Du
bist das große Zeichen,
voll Licht im Sonnenglanz,
umflutet und durchglutet
von Gottes Liebe ganz.
Ich möcht’ als Liebesflamme,
Maria, Jungfrau rein,
im kleinen Heiligtume
von dir entzündet sein.

Du stehst als Leidensrose
beim Kreuz ganz groß und still,
und sprichst dein Ja zum Opfer,
weil’s Gott so haben will.
Auch heute ruft Gott wieder
nach einer Heldenschar.
Drum bringe mich, o Mutter,
als Liebesopfer dar!“

Dass die  Zukunft der Kirche im nationalsozialistischen
Machtbereich düster ausgesehen hätte, zeigt die Verfolgung im Reichsgau
Wartheland, dem ehemals polnischen Gebiet mit der Hauptstadt Posen, das das
Deutsche Reich im Gegensatz zum Generalgouvernement förmlich annektiert hatte.

Dort wurden bis 1941
nicht weniger als 94 Prozent der Kapellen der Diözese Posen-Gnesen geschlossen,
elf Prozent des Klerus ermordet und die 
meisten anderen Priester in Gefängnisse und Konzentrationslager
geworfen.  Der polnische Politiker und
Journalist Stefan
Korbonski, der während des Krieges
maßgeblich an der in den Untergrund abgetauchten Regierung des Landes beteiligt
war, schätzte später in seinem Buch über den polnischen Staat im Untergrund,
dass  ein Sechstel aller Priester Polens
in der Zeit der deutschen
Besatzung ermordet wurde. Andere Quellen schätzen, dass nach der
deutschen Besatzung des zweiten Weltkriegs die Hälfte des polnischen Klerus
nicht mehr am Leben war.

Lernen, was es heißt, zu lieben

Angesichts der
ungeheuren Verbrechen des Nationalsozialismus wird oft der Vorwurf erhoben, nie
habe einer der Täter Reue gezeigt. Rudolf Höß, Kommandant des
Vernichtungslagers Auschwitz, war nach eigener Aussage im Nürnberger
Kriegsverbrecherprozess für den Tod von mehr als einer Million Menschen
verantwortlich.

Während er sich in
britischer Gefangenschaft noch auf den Befehlsnotstand berief, schildert
Manfred Deselaers, ein Priester des Bistums Aachen, der seit 1990 in Oswiecim
lebt, eine bemerkenswerte Änderung im Verhalten des ehemaligen
SS-Hauptsturmführers.

Höß wurde nach einem
Strafprozess in Warschau 1947 am Ort seiner Verbrechen hingerichtet. Dass er
nach brutaler Behandlung bei den Briten nun ausgerechnet von Seiten der Opfer,
darunter auch von ehemaligen Häftlingen, Menschlichkeit erfuhr, hat ihn tief
beschämt und die ideologische Loyalität, die er der NS-Führungsspitze
entgegenbrachte, zusammenbrechen lassen.

In seinen
Abschiedsbriefen zeigte Höß sich beeindruckt von der „aus tiefstem Herzen kommenden Menschlichkeit“ der Polen. Deselaers
schreibt in seinem Buch: „Nach dem, was
geschehen war, ist es menschlich unmöglich, Höß als Person, die sich von seiner
Geschichte ja nicht trennen lässt, zu achten. Insbesondere die Opfer und ihre
Sprecher können das nicht von sich aus. Wenn sie es können […] können sie es
nur im Glauben an eine andere Instanz, von der Höß seinen absoluten Wert als
Mensch haben kann“.

Der polnische
Jesuitenpater Wladyslaw Lohn, bei dem Höß beichtete, nahm den ehemaligen
KZ-Kommandanten wieder in  die
katholische Kirche auf, sprach ihm im Sakrament der Versöhnung die Vergebung
Gottes zu und spendete ihm auch die Kommunion.

Lohn  hatte Menschen, die ihm sehr nahe standen,
in  Auschwitz verloren. Er war sich nach
der Überzeugung Desealaers wohl der Tatsache bewusst, dass sich die Kirche der
Verantwortung gegenüber den Opfern nicht entziehen darf, dass ihr Sinn Dienst
an der Versöhnung ist. Mit der Beichte von Höß könne dieses Kapitel deshalb für
die Kirche nicht abgeschlossen sein. Sie 
müsse sich den Opfern zuwenden und Versöhnungsarbeit leisten. Manfred
Deselars zieht dieses Fazit: „Das Bild
vom Fegefeuer lässt sich nur aus dem Glauben an volle Gerechtigkeit erklären.
Bevor nicht eine bis in die Wurzeln gehende Reinigung stattgefunden hat, gibt
es keine Aufnahme in den Himmel. Für Höß bedeutet das: Er wird lernen müssen,
seinen Opfern ins Antlitz zu schauen und sich selbst von daher zu verstehen. Er
wird das ganze Ausmaß seiner Verbrechen erst noch erkennen und bitterlich
weinen. Er darf sich der Liebe Gottes gewiss sein, aber er muss sich auch
darauf einlassen, dass alles, was ihr entgegensteht, ,verbrannt´ wird. Er wird
bis ins Letzte lernen müssen, was es heißt, zu lieben“.

Während  Adolf Hitler im Kerngebiet des  Deutschen Reichs danach trachtete, das
Christentum zu „überwinden“, setzten nationalsozialistische Planer für den
einzuverleibenden „Ostraum“ auf Ausrottung.

Der seit
dem Frühjahr 1940 entwickelte „Generalplan Ost“ der Planungsgruppe lll B beim Sicherheitsdienst des
Reichssicherheitshauptamtes der SS
sah vor, nur einen kleinen Teil der
dortigen Bevölkerung zu „germanisieren“. Statt dessen sollten 80 bis 85 Prozent
der Polen, 50 bis 75 Prozent der Tschechen und 50 bis 60 Prozent der Russen im
europäischen Teil der Sowjetunion vernichtet oder vertrieben werden. Weitere 15
bis 25 Prozent der europäischen Russen sowie 30 bis 30 Prozent der Ukrainer und
30 bis 50 Prozent der Weißrussen waren für die Umsiedlung nach Sibirien
vorgesehen und 25 Prozent der beiden letztgenannten Nationalitäten zur
Vernichtung.

Der
Schriftsteller Ralph Giordano hat in seinem Buch „Wenn Hitler den Krieg
gewonnen hätte“ herausgearbeitet, welches Schicksal den Christen (und den
slawischen „Untermenschen“ anderen Glaubens oder ohne Religion) nach einem
deutschen Sieg bevorgestanden hätte wäre. Rund 30 Millionen Menschen wären
ermordet worden („sonderbehandelt“, 
„ausgesondert“ oder in die „Wertungsgruppe  IV“ eingeordnet), wie es mit den sechs
Millionen Todesopfern der Vernichtungslager während des Krieges tatsächlich
geschah.

Das
„Arbeitswissenschaftliche Institut der Deutschen Arbeitsfront“  war andererseits aber auch emsig darauf
gedacht, sicherzustellen, dass genug Sklavenarbeiter am Leben blieben, solange
sie gebraucht wurden. Etwa bis in die fünfziger Jahre des 21. Jahrhunderts
sollte es dauern, bis diese „Übergangsphase“ schließlich erledigt und das
Gebiet bis zum Ural von Deutschen geschlossen besiedelt gewesen wäre. Die
SS-Zeitschrift „Das schwarze Korps“  nahm
kein Blatt vor den Mund: „Unsere Aufgabe
ist es nicht, den Osten im alten Sinne zu germanisieren, das heißt, dort
vorhandenen Menschen deutsche Sprache und deutsche Gesetze beizubringen,
sondern dafür zu sorgen, dass im Osten nur Menschen wirklich deutschen,
germanischen Blutes wohnen“.

Die
Patentanmeldung T 58240 Kl. 24 der Erfurter Firma Topf & Söhne hätte es
ermöglicht, einen zweiten, noch viel gewaltigeren Holocaust, die Vernichtung
vom 36 Millionen Menschen, darunter sechs weiteren Millionen Juden, die im
ersten Holocaust nicht ermordet worden waren, sogar binnen weniger als zehn
Jahren zu bewältigen. Ihr über vier Stockwerke reichender
Leichenverbrennungs-Hochofen hätte mit fünf Doppeleinheiten  in einem Krematoriumsblock von der Größe, die
in Auschwitz existierte,  eine
„Veraschungskapazität“ von 3,6 Millionen menschlichen Körpern pro Jahr
ermöglicht.

Militärseelsorge

Ein
besonderes Kapitel des Verhältnisses von Christentum und
Nationalsozialismus  ist die
Militärseelsorge. Bei Kriegsbeginn 1939 gab es rund 200 hauptamtliche  Wehrmachtpfarrer. Zusätzlich wurden zunächst
rund 300 Kriegspfarrer auf Kriegsdauer als Wehrmachtbeamte eingestellt, die
nach Kriegsende wieder in die zivile Seelsorge zurückkehren sollten. Beim
Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion 1941 gab es dann insgesamt jeweils 455
evangelische und katholische Kriegspfarrer, die sowohl als Freiwillige als auch
als  Wehrpflichtige dienten. Ihre obersten
Vorgesetzten waren der katholische Feldbischof Franz Justus Rarkowski und der evangelische Feldbischof Franz
Dohrmann
. 1939 meldeten sich Zivilpfarrer außerdem freiwillig zum Dienst in
der Truppe. Ab Februar 1940 wurden Feldgeistliche nur noch aus der Truppe
rekrutiert. Katholische Priester wurden wie auch evangelische Pastoren zunächst
eingezogen, dann als Sanitäter ausgebildet und nach unterschiedlich langem
Einsatz zur Teilnahme an einem achttägigen Lehrgang
für Kriegspfarrer in Berlin kommandiert.

Sie
wirkten in der Wehrmacht in Lazaretten,
Stäben, Gefängnissen und bei der Truppe.

Nach
dem Merkblatt über Feldseelsorge
sollten Kriegspfarrer auf dem Boden religiöser Neutralität die Aufgabe erfüllen,
die Kampfkraft der Soldaten zu stärken. Regelmäßig wurden Gottesdienste,
Beichte, Kommunion und Gebetsstunden abgehalten. Darüber hinaus nahmen die
Pfarrer Testamente auf und verschickten Trostbriefe an Hinterbliebene von
Gefallenen. Außerdem wirkten sie bei Bestattungen und Trauerfeiern mit.

Als
1942 in einer Richtlinie die konfessionelle Militärseelsorge betont wurde,
sahen sich besonders die katholischen Seelsorger und die der Bekennenden
Kirche
 von der Verantwortung
für die staatlichen Kriegsziele befreit. Ein Kriegspfarrer im Heer trug im
Einsatz die gleiche Felduniform wie die Soldaten, die er betreute, aber ohne
Schulterstücke und Rangabzeichen. Durch den engen Kontakt auch zu einfachen
Soldaten genossen die Kriegspfarrer hohes Ansehen, was Adolf Hitler und Joseph
Goebbels zunehmend fürchteten.

Ab
1944 wurden deshalb Nationalsozialistische
Führungsoffiziere
 eingestellt,
um in Konkurrenz zu den Seelsorgern die Offiziere auf die Parolen der
Partei einzuschwören. 

Kriegspfarrer
versuchten, den Soldaten die Treue zu Gottes Geboten nahe zu bringen wie der
Protestant Rudolf Schwarz, der ihnen
1943 in einer Predigt ins Gewissen redete: „Glaubt
ihr,  dass die gleichen Hände, die einem
Kameraden das  Feldpostpäckchen stehlen,
sich noch vor diesem Gott zum Gebete falten können: Unser täglich Brot gib uns
heute? Oder glaubt Ihr, dass die, denen die Ehre eines Mädchens nicht heilig
ist, wo immer es auch sei, dass die im Licht jenes Gottes stehen können, der
geboten hat: Ihr sollt heilig sein?“

Kriegspfarrer
wurden aber auch überwältigt von ihren Erlebnissenwie der katholische Priester Steppich, der am 19. Oktober 1941 in Russland in sein Tagebuch
schrieb: „Welche Schicksale spielen sich
aber mit den vielen Tausenden von Gefangenen ab: Sie fallen erschöpft auf der
Straße um. Man hört das Schreien und Schießen. Und wenn einer auf der Straße
liegt, dann raufen sich die Umstehenden um seine Schuhe und Kleider! Der Mensch
wird zum Tier. Auf der Autobahn werden 30000 Gefangene vorbei geführt. Es ist
ein Zug des Elends. Viele können nicht mehr marschieren. Sie behaupten, seit
sechs Tagen nichts mehr gegessen zu haben. Sie schreien. Wer die Reihe
verlässt, wird erschossen. Durch die Nacht klingt das unheimliche Marschieren,
Jammern und Schießen. Es ist eine Nacht des Grauens.“

Und
der Priester Johann Stelzenberger
notierte am 27. Oktober 1941: „Hier
wurden jeden Tag Tausende von Juden erschossen. Von 40000 Juden in Wilna sollen
nur noch 6000 am Leben bleiben! Wie furchtbar ist das. Man schämt sich für
solches Tun deutscher Menschen.“

Sein
Kollege Hermann Wolfgang Beyer
erkannte  fünf Wochen später: „Der Zwang des Tötenmüssens im Kampf wird
schon manchen unserer Männer nicht leicht. Aber man verwirrt ihnen alle
sittlichen Begriffe, wenn man die Grenze zwischen dem Kampf mit einem sich
wehrenden Feind und das Abschlachten von kranken Menschen verwischt.“

In Belaja Zerkow, einer Kleinstadt südwestlich von Kiew, erschossen
Angehörige der Einsatzgruppe etwa 70 erwachsene Juden, Männer und Frauen, und
ließen etwa 90 Kinder unversorgt in einem Haus eingesperrt zurück. Die beiden
Divisionspfarrer überzeugten einen 
Generalstabsoffizier, dass die Kinder 
in Sicherheit gebracht und versorgt werden müssten. Die SS setzte sich
aber mit Unterstützung des Armeeoberbefehlshabers durch. Sämtliche Jungen und Mädchen wurden
erschossen.

Bischof Michael Memelauer berichtete in der
Silvesterandacht des Jahres 1941 auch über Briefe, die ihm katholische
Geistliche im Froneinsatz geschrieben hatten. Die Zeitdokumente lassen den
Zwiespalt zwischen grausamen Alltagserlebnissen einerseits und seelsorgerischer
Hilfe für die ihnen anvertrauten Soldaten andererseits erkennen.

Ein als Sanitäter
eingesetzter Priester berichtete dem Bischof: „Vor wenigen Stunden habe ich einen Schwerverwundeten aus dem
Kugelregen auf den Verbandsplatz getragen und 
ihm den Verband angelegt. Ich sah, dass es mit ihm zu Ende geht. Ich
fragte ihn: ‚Kamerad, darf ich dir den Herrgott geben?‘ Er schaut mich  mit großen Augen an und sagt: ‚Kamerad, bist
du ein Priester?‘ Meine Antwort: ‚Ja. Ich berge unseren Herrgott in meiner
Brusttasche‘. ‚Kamerad‘ so sagte er mit brechender Stimme, ‚das ist der größte
Liebesdienst,  den du mir erweisen
kannst.‘ Nachdem ich ihm die Lossprechung gegeben und die hl. Kommunion
gereicht, sagte er mit ersterbender Stimme: ‚Schreib das meiner Frau und meinen
Kindern: Ich erwarte sie bei unserem Herrgott‘. Dann schloss er die Augen und
starb.“
 

Der evangelische
Feldgeistliche Hans Leonhard hat
seine Erlebnisse aus sechs Kriegsjahren in dem Buch „Wie viel Leid erträgt der
Mensch?“ verarbeitet. Er berichtet darin zum Beispiel über einen Kollegen, der
mit den Nerven fertig ins Lazarett eingeliefert wurde, nachdem er in kurzer
Zeit 1500 Menschen beerdigen musste.

Ein schwer verletzter
SS-Sturmführer  will erst nicht sagen,
was er auf dem Herzen hat, traut sich dann aber doch: „Meine Frau erwartet ein Kind. Ich wollte es nicht taufen lassen, aber
schreib ihr, sie soll es taufen lassen. Detlev soll es heißen, wenn es ein Bub
ist.“
Nicht lange danach starb der Offizier. Hans Leonhard fügte hinzu: „Seine Frau war so glücklich, als ich es ihr
schrieb. Sie meinte, sie hätte es nicht fertig gebracht, Detlev – es wurde ein
Bub – nicht taufen zu lassen; aber furchtbar schwer wäre es ihr gewesen, wenn
sie gegen den Willen ihres Mannes, der ihr die Taufe verboten hatte, hätte
handeln müssen“.

Versagen der Kirchen?

Was das Verhältnis zwischen
Nationalsozialismus und Christentum angeht, sticht auch heute noch ein Thema in
der Diskussion hervor: Haben „die Kirchen“ versagt? 

Das Meinungsbild wird hierbei wesentlich
bestimmt von dem Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth.

Er wirft darin Papst Pius XII. vor, ein
Krimineller gewesen zu sein, der nichts für die Rettung verfolgter Juden getan
habe. Der Autor legt einem fiktiven Jesuitenpater diese Worte in den Mund: „Ein Stellvertreter Christi, der das vor
Augen hat und dennoch schweigt, aus Staatsräson, der sich nur einen Tag
besinnt, nur eine Stunde zögert, die Stimme seines Schmerzes zu erheben zu
einem Fluch, der noch den letzten Menschen dieser Erde erschauern lässt – ein
solcher Papst ist … ein Verbrecher.“
 

Das Stück schildert
die Versuche des fiktiven Jesuitenpaters Riccardo Fontana Papst Pius XII.
über die Vernichtung von Juden in Konzentrationslagern  zu
informieren. Er drängt den Papst
im Oktober 1943 während der Deportation der römischen Juden nach Auschwitz zum
deutlichen Protest. Als sein Appell vergeblich bleibt, wählt Fontana das Martyrium und
schließt sich selbst  den Deportierten
an. Hochhuths „christliches Trauerspiel“ wurde 1963 in West-Berlin uraufgeführt. 
Das löste die bis dahin größte und weitreichendste
Theaterdebatte der Bundesrepublik Deutschland aus und sorgte für internationale
Kontroversen. Inszenierungen des Stücks führten zu Auseinandersetzungen und
Tumulten in mehreren europäischen Ländern.

2007 erschien ein Heft des „Spiegel  mit einer
Titelgeschichte darüber, dass Atheisten dem für sie nicht existierenden Gott
neuerdings vorwerfen, er sei an allem Schuld. Rolf Hochhuth weitere im selben
Heft seine  Anschuldigungen aufgrund
„neuer Forschungserkenntnisse“

Ausdrücklich „nicht als
Protestant, sondern als Deutscher“
sagt er, der Papst sei ein herzloser „genuin schlechter Mensch“ und „satanischer Feigling“ gewesen. Für sein
Stück beanspruchte er „historische
Authentizität“
und fügte hinzu, nach monatelanger  Recherchetätigkeit beruhe es gleichwohl nicht
auf „einem Dokument oder einer Information“
sondern allein „auf dem Schweigen des
Papstes“.

Die Darstellung des ehemaligen Securitate-Generals Ion
Mihai Pacepa
, Hochhuth sei von Geheimdiensten des Ostblocks für eine
Desinformations-Kampagne benutzt worden, wies der Autor zurück: „Ich nenne keine Informanten“.

Birgit Lahann hat das in ihrem Buch „Hochhuth, der
Störenfried“ getan. Sie nannte den österreichischen Bischof  Alois Hudal und den
vatikanischen Diplomaten Monsignore Bruno Wüstenberg als Quellen. Beide hätten
einen Groll gegen die Kirche gehegt: Hudal, weil er wegen des Bekanntwerdens
seiner Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher nach dem Krieg als Rektor des
deutschen Priesterkollegs Santa Maria
dell´Anima in Rom abgesetzt wurde und Wüstenberg, weil Pius XII. seiner
Karriere im Wege gestanden hatte. Nach Hochhuths Darstellung hat
die israelische Ministerpräsidentin Golda Meïr Papst  Pius XII. nur wegen ihrer „totalen
Unkenntnis“ überschwänglich gelobt. Dass der Papst nach Schätzung des jüdischen
Theologe Pinchas Lapide durch seine Diplomatie 700 000 bis 860 000 Juden vor
dem Holocaust gerettet hat, kommentierte Hochhuth so: „Was kann man einem Juden glauben, noch dazu einem Theologen, der
erlebt hat, wie sein Volk, auch dank des Schweigens des Heiligen Vaters,
ausgerottet wurde – und der doch überlief zur Vatikan-Kirche?“
  Und der Autor stellte klar: „Das Wort Überzeugungstäter empfinde ich
als Ritterschlag“.
 

Diese  Forschungserkenntnisse wurden ermöglicht durch
die Öffnung des Vatikanarchivs für die Zeit der ersten Amtsjahre Pius XII.
Papst Johannes Paul II. hatte das angeordnet, um die Vorwürfe Hochhuths und
anderer Autoren zu entkräften.

Michael Hesemann, der
im Gegensatz zu Hochhuth Historiker ist, kam durch Studium der nun zugänglichen
Akten zu einer anderen Überzeugung. Für ihn ist Pius XII. „Der Papst, der Hitler trotzte“ und ein subtiler Gegenspieler des
nationalsozialistischen Terrors. Hochhuth, der gelernter Buchhändler ist,  habe es unseriöser weise unterlassen, die
Originalquellen zu studieren. Er zitiere unvollständig und lasse weg, was nicht
zum  vorgefertigten Urteil über den Papst
passe. Mit dem Aushandeln des Konkordats mit den neuen Machthabern habe er
(damals noch als  Kardinalstaatssekretär
Pacelli) für die katholische Kirche eine den Umständen entsprechend günstige
Verhandlungsposition für die kommende Auseinandersetzung mit einem brutalen,
verschlagenen und rücksichtslosen Regime erreicht und für die deutschen
Katholiken gerettet, was er konnte, auch wenn es wenig genug war.

Öffentlich und nicht öffentlich habe er im Namen des
Heiligen Stuhls gegen die wiederholten Verletzungen des Konkordats, gegen die
Verfolgung der katholischen Kirche in Deutschland und später auch gegen die
NS-Rassenlehre, in der die Juden zu Menschen zweiter Klasse gemacht wurden
sowie nicht  zuletzt gegen den Überfall
der Wehrmacht auf Polen protestiert.

Die Nationalsozialisten hätten sehr gut verstanden, dass
Pius XII. ihnen nicht wohl gesonnen war und dies auch noch öffentlich kundtat.

1943 sei Adolf Hitler über den Papst so verärgert
gewesen, dass er Pläne schmiedete, ihn festnehmen und internieren zu lassen.
Als Beispiel für die Auswirkungen  der
Aktivitäten Pius XII. dokumentiert  Hesemann
einen  Artikel Genfer Zeitung „La
Tribune“ vom 18. September 1942 mit dem Titel 
„Papst Pius XII. protestiert gegen die Verfolgung der Juden in
Frankreich“. Hesemann bekräftigt, bei einer öffentlichen Anklage Hitlers durch
den Papst, dessen verborgene diplomatischen Aktivitäten dem deutschen Regime
nicht bekannt waren, wären alle Klöster durchsucht worden, in denen der Vatikan
verfolgte Juden versteckt hielt und über 800 000 Menschen mehr wären ermordet
worden.

Wahlverhalten

Oft wird danach
gefragt, was denn die Kirchen gegen Hitler getan hätten. Selten geht es darum,
was einzelne Christen schon vor 1933 taten oder nicht.

Adolf Kimmel hat für
das Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin zur
Beantwortung dieser Frage untersucht, wie sich die Konfessionszugehörigkeit auf
das Verhalten bei Reichstagswahlen auswirkte.

Besonders
bei katholischen Wählern in Deutschland spielte nach seinen Erkenntnissen die
Konfessionszugehörigkeit in politischen Entscheidungen eine größere Rolle als
die Klassenzugehörigkeit
. Dasgeschlossene
katholische Milieus hatte als wichtigste Pfeiler die Kirche, ein in weite
Bereiche der Gesellschaft eindringendes Vereinswesen, allen voran den
Volksverein für das katholische Deutschland und die Deutsche Zentrumsparte.

Der Protestantismus
bildete kein vergleichbares Milieu. Da er in Politik und vielen
gesellschaftlichen Bereichen den Ton angab, fehlte  ihm auch die Katholiken prägende
Kulturkampferfahrung. Protestantische Wähler waren offen für mehrere Parteien.
Einig waren sie sich nur in einem: Das 
katholische Zentrum war nicht wählbar. Die Anziehungskraft des Zentrums
auf Katholiken nahm allerdings im Laufe der Zeit ab. Bei den Reichtagswahlen
zwischen 1874 und 1884 erhielt es über 80 Prozent der katholischen Stimmen. 1912 lag dieser
Anteil nur noch bei 55 Prozent. Adolf Kimmel vermutet „mit einiger
Plausibilität“, dass vor allem kirchenferne Katholiken inzwischen andere
Parteien wählten. Allerdings stellte das Zentrum
auch nicht in allen Wahlkreisen Kandidaten auf, so dass nicht alle Katholiken
„ihre“ Partei wählen konnten. Nach den Berechnungen des Zentrumspolitikers Johannes
Schauff stimmten aber auch später noch mindestens drei Viertel der
bekenntnistreuen Katholiken für die Partei. Die
protestantischen Wähler verteilten sich auf konservative und liberale Parteien
sowie die SPD. Eine für das katholische Wahlverhalten wichtige Veränderung bei
der Gründung der Weimarer Republik war die Einführung des Frauenwahlrechts.
Weil katholischen Frauen stärker kirchengebunden waren als Männer, gewann das
Zentrum nun wieder um 60 Prozent der katholischen Stimmen. Sein Stimmenanteil
im gesamten Deutschen Reich schwankte (gemeinsam mit der Bayerischen
Volkspartei, die sich 1919 abgespalten hatte, 
zwischen 17,7 Prozent (1920) und 14,7 Prozent (1930). Bei den nur noch eingeschränkt freien
Wahlen vom 5. März 1933 kamen die beiden Parteien immer noch auf 13,9 Prozent.
Die Zentrumswählerschaft zeigte ein außerordentlich hohes Maß an Resistenz
gegenüber dem Nationalsozialismus. Bei den
Juliwahlen 1932 waren nur 17 Prozent der NSDAP-Wähler Katholiken und die
restlichen 83 Prozent fast ausschließlich Protestanten. Selbst 1933 war nur ein
knappes Viertel der NSDAP-Wähler katholisch. Die Karte der Wahlkreise im ganzen
Deutschen Reich, in denen die NSDAP nur unterdurchschnittliche Stimmenanteile
erzielte, ist fast absolut deckungsgleich mit der Karte der Wahlkreise mit
überdurchschnittlichem Katholikenanteil. Die starke Bindung an das katholische
Milieu mit der geringen Bereitschaft, auch andere Parteien zu wählen, sieht
Kimmel als geringe demokratische Reife an. Er will allerdings den logischen
Umkehrschluss nicht gelten lassen, dass die Bereitschaft anderer
Wählerschichten, auf die Nationalsozialisten umzuschwenken, ein Zeugnis
besonderer demokratischer Reife gewesen sei.

Der
Hamburger Geschichtsforscher Peter Borowski stellte Wahlergebnisse tabellarisch
zusammen, aus denen sich erkennen lässt, wie sich die Stimmenanteile vor und
nah der „Machtergreifung“ veränderten. 
SPD, USPD und KPD gemeinsam schafften im November 1932 30,1 Prozent, im
März 1933 aber nur noch 27,2 Prozent. Der Anteil des bürgerlichen Lagers ging
von 11,6 Prozent auf 11,1 Prozent zurück. Die NSDAP steigerte sich von 26,8
Prozent auf 38,7 Prozent, Dem katholischen Block (Zentrum und Bayerische Volkspartei)
gelang als einziger anderer Kraft ein kleiner Zugewinn – von 12,1 Prozent auf
12,4 Prozent. Der Anteil der Nichtwähler sank von 19,3 Prozent auf 11,2
Prozent. Der Anteil der kleinen Parteien, die hier nicht aufgeführt sind,
halbierte sich. Jürgen W. Falter spitzt die Auswirkung katholischen
Wahlverhaltens in seinem Buch „Hitlers Wähler“ so zu: „Wenn im Juli 1932  nur Protestanten hätten wählen dürfen, wäre
die NSDAP schon damals an die Macht gekommen. Hätte es dagegen nur katholische
Wähler gegeben, wäre es wohl nie zu einer legalen Machtübernahme Hitlers
gekommen.“

Der führende
US-amerikanische Soziologe und

Politikwissenschaftler
Seymour Martin Lipset sah den Nationalsozialismus als „Extremismus der Mitte“
und zeichnete den typischen Anhänger der NSDAP im Jahre 1932 als
protestantischen Angehörigen der selbständigen Mittelschicht, der entweder auf
einem Bauernhof oder in einer kleinen Gemeinde lebt und früher für eine Partei
der Mitte oder eine Regionalpartei gestimmt hatte. Diese These wurde Anfang der
siebziger Jahre ergänzt und untermauert durch eine Untersuchung des
amerikanischen Politikwissenschaftlers Walter Dean Burnham, nach der
katholische Wähler eine starke Resistenz gegen eine Ansteckung durch den
„nationalsozialistischen Virus“ besessen haben.

Michael F. Feldkamp  hat in seinem Buch „Mitläufer, Feiglinge,
Antisemiten? – Katholische Kirche und Nationalsozialismus“ nicht nur
Wahlergebnisse unter die Lupe genommen, sondern auch Reaktionen in katholisch
geprägten Regionen auf eine Maßnahme des NS-Regimes untersucht, die im ganzen
Deutschen Reich 1936 nach und nach unternommen wurde: Die Entfernung von
Kruzifixen aus den Klassenzimmern der Schulen.

An vielen Orten haben Eltern
sich gegen die Entfernung der Kruzifixe gewehrt. Eltern die Entfernung der
Schulkreuze aus den Klassenzimmern nicht hingenommen. Im Freistaat Oldenburg,
der kirchlich Teil des Bistums Münster war, gab es im November 1936
massive  Proteste der Bevölkerung. Am 18. November 1936
versammelten sich in der Kirche St. Maria, Mutter der
Sieben Schmerzen
 zu Bethen bei Cloppenburgs,
trotz strömenden Regens rund 3000 Pilger. Kaplan Franz Uptmoor rief zum Kampf um das Kreuz in
den Schulen auf. Die Anwesenden reagierten mit stürmischen Beifall und fuhren
entschlossen in ihre Gemeinden zurück.

Es bildete sich eine Widerstandsgruppe, die
ihre Texte per Kurier an die einzelnen Pfarreien verschickte. Protestschreiben
an die Regierung wurden verfasst und drei Tage nach einer Kriegerwallfahrt fuhr
die erste Abordnung nach Oldenburg, um sich bei Minister Pauly persönlich zu
beschweren. Weitere Delegationen folgten, und am 25. November standen sie mit
75 Autos vor dem Ministerium.

Am Ende sah sich Carl
Röver
, der oldenburgische
Gauleiter
, gezwungen, auf
einer von stürmischen Protesten begleiteten Versammlung in der Münsterlandhalle
in Cloppenburg am 25. November 1936 den Erlass teilweise zurückzunehmen und das
Kreuz weiterhin in Schulen zu erlauben. Am 30. Juni 1937 wurden sechs Männer,
die am Kreuzkampf teilgenommen hatten, von der Polizei verhaftet, von denen
einer in das Konzentrationslager Oranienburg
gebracht wurde. Wenig später wurden fünf weitere Personen verhaftet und
inhaftiert. Seit 1961 erinnert auf dem
Marktplatz von Cloppenburg eine Denkmalanlage aus Sandstein mit Hochkreuz an
die Protestversammlung gegen den „Kreuzerlass. 

Alle zwei Jahre findet im
Wallfahrtsort Bethen zur Erinnerung an den Kreuzkampf ein Bekenntnistag statt. Joachim Kuropka, emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Vechta, betont, dass es beim Kreuzkampf nicht in erster
Linie darum gegangen sei, christliche Symbole zu schützen, sondern darum,
christliche Werthaltungen zu leben. Er weist darauf hin, dass Eltern in Goldenstedt 1938 gegen die Schließung einer katholischen
Bekenntnisschule gestreikt und dass sich 1942 Bürger Cloppenburgs erfolgreich
gegen die Deportation von Sinti und Roma gewehrt hatten.

Als
1937 und 1941 in Gebieten im Westen und Süden Deutschlands Kruzifixe aus den
Schulen entfernen sollten, regte sich erneut Widerstand. Ein Polizeibericht vom
30. Juni 1941 aus dem bayerischen Ebermannstadt, südlich von Bamberg gelegen,
stellte fest: „Wesentlich ernster ist
dagegen die Missstimmung zu werten, die der Kruzifixerlass bei dem
glaubenstreuen katholischen Landvolk auslöste. Vielleicht seit Jahren
erschütterte keine staatliche Maßnahme beziehungsweise Anordnung das Vertrauen
so sehr, als dies hier geschah.“
Der Erlass sei „praktisch unwirksam“ geblieben.

Auch ein
Dreivierteljahrhundert nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes wird
immer noch die Verfolgung verschiedener Opfergruppen gegeneinander
aufgerechnet. Olaf Blaschke zum Beispiel hat für die Universität Saarbrücken
die Haltung der Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus untersucht. Ihm
missfällt die Aussage Reinhard Heydrichs, dass auch Priester Staats- und
Volksfeinde waren. Er bezweifelt, dass das die allgemeine Ansicht von führenden
Nationalsozialisten war. Heydrichs Worte und ihre unangebrachte Verwendung
heutzutage „überhöhten“ die Rolle der
Geistlichen. Zwar sei „mindestens jeder
dritte Weltpriester“
ein- oder mehrmals „von
Maßnahmen des NS-Regimes betroffen“
gewesen und mehr als 400 deutsche
Priester in das KZ Dachau oder ein anderes Konzentrationslager verschleppt
worden. Diese mehr als 400 seien aber nur 1,1 Prozent der 38291
Verfolgungsfälle. Blaschke kam zu dem Schluss, verbreiteter als Widerstand
seien unter Kirchenleuten Kooperation und Anpassung gewesen. Berichte des
Sicherheitsdienstes wie der folgende im Reichssicherheitshauptamt lassen
allerdings erkennen, dass zahlreiche Pfarrer bei der Kritik am Regime von der
Kanzel herab kein Blatt vor den Mund  
nahmen: „Entgleisungen katholischer
Priester in ihren Predigten beweisen immer wieder aufs Neue, wie wenig diese
Kreise mit dem Sieg des nationalsozialistischen Deutschland einverstanden
sind“.

Der Krieg, so der SD,
werde als „Strafe Gottes“
dargestellt. Seelsorgebriefe an die Front seien „dazu angetan, die Stimmung der 
Soldaten im Feld negativ zu beeinflussen“.
Große Teile des Klerus
hätten sogar  die Hoffnung, dass
Deutschland den Krieg verlieren möge.

Ein Bericht des
Reichssicherheitshauptamts aus dem Herbst 1939 über „die gegenwärtige politische Haltung der Kirchen und Sekten“ kommt
jedenfalls zum dem Ergebnis, „dass die
offizielle Vertretung des Katholizismus zum größten Teil nach außen formell den
Anordnungen und Maßnahmen der Staatsführung sich fügt, die völkischen Gesetze,
aus denen heraus Deutschland zu seinem Handeln gezwungen wurde, aber restlos
ablehnt und deshalb auch nicht in der Lage ist, die Ziele der
nationalsozialistischen Staatsführung 
mit innerer Begeisterung zu vertreten oder das Volk mit dieser
Begeisterung zu erfüllen. In zahllosen Einzelbeispielen tritt vielmehr der
passive Widerstand und die stille Sabotagearbeit der katholischen
Priesterschaft gegenüber Führer und Reich in Erscheinung“.

Der  Nationalsozialismus war nicht  der erste Feind, der das Christentum zerstören wollte. Wie alle anderen ist er gescheitert. Auch in den Jahren von 1933 bis 1945 hat sich bewahrheitet, dass „das Blut der Märtyrer der Same neuer Christen ist“, wie schon Tertullian formulierte. Aber bis zum Ende der Zeiten wird die Kirche in dieser Welt  bleiben, was sie von Anfang an gewesen ist: Ecclesia militans – die streitende Kirche.

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Das Wirtschaftssystem der SS

Artikel von Klemens Hogen-Ostlender

Am
Tor des Konzentrationslagers Dachau stand der Spruch „Arbeit macht frei“.  So lautete auch der
Titel eines 1873 erschienenen Romans des deutschnationalen
Schriftstellers Lorenz  Diefenbach. Darin
wird ein notorischer Spieler und Betrüger 
durch geregelte Arbeit geläutert und gebessert. Das entsprach genau der  nationalsozialistischen Propaganda über die
Konzentrationslager. Demnach sollten die Häftlinge dort durch  Arbeit politisch „erzogen“ werden, damit sie,
falls sie „besserungsfähig“ waren, in die nationalsozialistische Gesellschaft
aufgenommen werden könnten. Ein anderes 
Motto war im KZ  auf das Dach des
Hauptgebäudes  gemalt – ein Zitat von
Heinrich Himmler, bei Gründung  des
Lagers Polizeipräsident von München, später Chef der deutschen Polizei  und Reichsführer SS: „Es gibt einen Weg zur Freiheit.  Seine Meilensteine heißen: Gehorsam – Fleiß –
Ehrlichkeit – Ordnung – Sauberkeit – Nüchternheit – Wahrheit – Opfersinn und
Liebe zum Vaterland.“ So zynisch diese Sätze auch sind, so verrät der Spruch am
Tor doch erkennen, dass es im KZ-System nicht boshaft genug war, Menschen
einzusperren, zu erniedrigen und zu quälen. Sie mussten  auch noch Sklavenarbeit leisten, die in
zahllosen Fällen dazu führte, dass sie sich buchstäblich zu Tode schufteten. In
Dachau wurde erprobt, was später in anderen Lagern im großindustriellen Stil
als „Vernichtung durch Arbeit“ vollzogen wurde.

Entstehung
und Aufbau

Dass
gerade in Dachau das „Musterlager“ errichtet wurde, das zum Vorbild für alle
anderen KZ werden sollte, war kein Zufall. Das fast zwei Quadratkilometer große
Gelände einer ehemaligen königlich-bayerischen Pulver- und Munitionsfabrik lag
seit Ende des Ersten Weltkriegs brach. Die meisten Gebäude waren bereits
abgerissen. Heinrich Himmler kannte zudem das Gelände, seit er als gelernter
Landwirt 1922/23 im benachbarten Schleißheim bei der Düngemittelfabrik
Stickstoff-Land GmbH gearbeitet hatte. Bereits fünf Tage nach der
nationalsozialistischen „Machtergreifung“ begannen die Arbeiten zur Einrichtung
des „Muster-Gefangenenlagers“. Sechs Wochen später trafen die ersten Häftlinge
ein. Fünf Jahre lang wurde die wachsende Zahl der Insassen für Instandsetzungen
und Aufbau der Infrastruktur des Lagers eingesetzt. Bereits 1933 entstanden
zahlreiche Handwerksbetriebe, darunter Werkstätten für Schreiner, Schlosser,
Schuster  und Schneider. Ebenfalls schon
früh wurden eine Bäckerei und eine Metzgerei errichtet. Nicht die Einrichtung
des Lagers an sich, sondern diese Schaffung von Lagerbetrieben sorgte bald für
Proteste in der Umgebung. Der Handwerkskammer Oberbayern war vor allem die
Lebensmittelproduktion durch Häftlinge ein Dorn im Auge, hatte sie doch zur Folge,
dass Bäckern und Metzgern außerhalb des Lagers Aufträge verloren gingen.

Sämtliche
Beschwerden blieben erfolglos. Zielstrebig ging der Ausbau des Lagers immer
weiter. Mit der Arbeitskraft der Insassen wurden eine Kaserne für die
SS-Totenkopfverbände, Küchen für SS-Angehörige und -Führer, Kantinen, Bäder,
ein Friseurbetrieb, Wohnräume für ledige SS-Offiziere und  ein Vorratslager für die Ausrüstung für die
gesamte SS geschaffen. 1936/37 entstanden Schweine- und Hühnerställe, eine
Erweiterung des Häftlingslagers, KfZ-Werkstätten, Garagen und Tankstellen, eine
neue Schlosserei, eine Sportanlage nebst Tennis- und Handballplätzen und ein
Krankenrevier für SS-Angehörige mit Schwesternwohnheim, OP-Sälen, Röntgen- und
Zahnstation. 1937 wurden die Baracken des Häftlingslagers komplett abgerissen
und durch neue ersetzt, die bis zum Ende des Krieges genutzt wurden. Die
Häftlinge mussten außerdem Wachtürme und „bessere“ Befestigungsanlagen,
Pferdeställe sowie ein neues Kasino bauen. Der Komfort der SS-Unterkünfte wurde
erhöht. Die Porzellanmanufaktur Allach zog ins Lager ein.

1937
wurde die „Gemeinnützige Wohnungs- und Heimstätten GmbH Dachau“ gegründet. Sie
war nötig, weil der Etat der SS-Totenkopfverbände für das laufende
Wirtschaftsjahr nur Mittel für einen Teil der geplanten Baumaßnahmen vorsah.
Die GmbH war an den Etat nicht gebunden und konnte sich Kredite besorgen.
Außerdem musste sie sich nicht an die bürokratischen Verwaltungsvorschriften
von Staat und NSDAP halten. Im ersten Bauabschnitt am weitläufigen Theodor-Eicke-Platz
entstanden  bis zum März 1938 26
Wohnungen, ein Lebensmittelladen, eine Bäckerei, eine Gastwirtschaft und ein
Postraum. 29 weitere Wohnungen wurden am Theodor-Eicke-Platz und in der „Straße
der SS“ drei Monate später fertig. Theodor Eicke, SS-Obergruppenführer und
General der Waffen-SS, war 1933/34 zweiter Kommandant des Konzentrationslagers
Dachau und danach als Inspekteur der Konzentrationslager maßgeblich am Aufbau
des KZ-Systems beteiligt. Er starb 1943 an der Ostfront, als sein Flugzeug von
russischer Flak abgeschossen wurde. Sechs der 18 Häuser beider Bauschnitte
wurden weitgehend von KZ-Häftlingen errichtet, die übrigen von Privatfirmen.
Die Häftlinge mussten auch den Straßenbau unter menschenunwürdigen Bedingungen
bewerkstelligen. Im dritten Bauabschnitt wurden in der Straße „Am Geisterwald“
im Mai 1939  fünf Gebäude mit 20 weiteren
Wohnungen bezugsfertig. Die wirtschaftlichen Aussichten für die GmbH waren
trotzdem schlecht. Die SS-Angehörigen bezahlten nur geringe Mieten, die
Gesellschaft musste jedoch hohe Zinszahlungen unter anderem an die Sparkasse
Dachau-Indersdorf leisten. Die SS beschloss daher 1939, die gesamte im Eigentum
der GmbH befindliche Wohnanlage wieder an das Reich zu verkaufen. Das gelang
allerdings erst 1942/43.  Die SS-Siedlung
lag außerhalb des ummauerten KZ-Bereiches. Sie war öffentlich zugänglich und
auch in den Stadtplänen verzeichnet .In den 1980er Jahren wurden die alten
Gebäude abgerissen. Die Stadt Dachau ließ den ehemaligen Theodor-Eicke-Platz,
der 1946 in Kreuzplatz (der heutige JF-Kennedyplatz)
umbenannt wurde, mit neuen Wohnhäusern überbauen, die heute bis an die
Außenmauer der KZ-Gedenkstätte reichen. Nur im Nordwesten sind noch Reste alter
Bordsteine des ursprünglichen Platzes erhalten, auf dessen Areal heute auch
eine Straßenmeisterei, ein Kindergarten und ein Sportplatz liegen. Die Straße
der SS heißt heute Straße der KZ-Opfer.

Textilherstellung

Ein
weiterer Schwerpunkt der SS-Wirtschaft von Dachau entwickelte sich aus den
Schneiderwerkstätten des Konzentrationslagers, die schließlich zum Konzern mit
Niederlassungen in mehreren anderen Lagern wurden. Erster
Produktionsschwerpunkt war die Versorgung der stark expandierenden Waffen-SS
mit Uniformen. Auch die  gestreifte
Häftlingskleidung mussten die zu diesem Arbeitskommando eingeteilten
Lagerinsassen anfertigen. Außerdem besserten sie durch Kampfhandlungen
beschädigte Uniformen aus, und im wachsenden Umfang wurde in späteren Jahren
auch  Kleidung von Menschen, die in den
Vernichtungslagern ermordet worden waren, verwertet. Das Bekleidungswerk der
Waffen-SS in Dachau gründete 1940 die „Gesellschaft für Textil- und
Lederverarbeitung mbH“, kurz „Texled“, deren bedeutendste Niederlassung die 20
Hektar umfassenden Textilwerkstätten beim KZ Ravensbrück als Zulieferbetrieb
für Dachau waren. Die Historikerin Sigrid Jacobeit sieht sogar den Einsatz von
weiblichen Häftlingen als billige Arbeitskräfte als maßgeblichen Grund für die
Einrichtung des Konzentrationslagers Ravensbrück an.

Die Texled war einer
der wenigen SS-Betriebe, die profitabel arbeiteten. Im KZ Dachau sollten eine
Schneiderei und eine Schumacherei als „Versuchsbetriebe“ erproben, wie man mit
mehrheitlich ungelernten Häftlingen die Anfertigung von Textilien, vor allem
von Uniformteilen für SS-Verbände, im großen Maßstab organisieren könnte. Die
Erkenntnisse wurden dann in anderen Standorten der Texled, vor allem in
Ravensbrück, umgesetzt. Das Bekleidungswerk in Dachau befasste sich vor allem
mit der Beschaffung von Kleidungsstücken, lagerte sie in riesigen Beständen und
verteilte sie. Wie es in der Produktion zuging, schilderten die Ravensbrücker
Häftlinge Alfredine Nenninger und Dagmar Hajkova nach dem Krieg: „Wer zum
ersten Mal diese große Halle betrat, fühlte sich in eine Art Hölle oder
Irrenanstalt versetzt. Abgesehen vom Lärm der Maschinen und der Stickluft die
einem den Atem nahm (es gab fast keine funktionierende Ventilation) hörte man
an allen Ecken und Enden das Gebrüll der SS-Leute und Aufseherinnen und wurde
Zeuge der unbeschreiblichsten Prügelszenen. An den Nähmaschinen sah man nur
bleiche, angstvoll blickende, rastlos arbeitende Frauen. Je näher der
schlagende SS-Mann kam, umso fahriger und unruhiger wurden diese gequälten
Menschen […] Damit die Frauen ihre Aufgaben erfülle
n konnten, mussten sie jede Sekunde
nutzen. Sie durften sich nicht erlauben, eine unnötige Bewegung zu tun.
Besonders in den frühen [Morgen] Stunden der [Nacht] Sc
hicht  waren
sie so ermüdet, dass
sie kaum die Augen offen halten konnten. Es genügte
jedoch, für eine Minute einzunicken, und die rohe Hand des Aufsehers schlug
gleich den nichtsahnenden Kopf von hinten auf die Spule der Maschine nieder“.
Das ungeschriebene Motto der Betriebe war bereits in der Anfangszeit in Dachau
„Pensum, Pensum“. Ein Beispiel verdeutlicht das. Ursprünglich wurde am
Fließband die Produktion von 120 Tarnjacken pro Zwölf-Stunden-Schicht verlangt.
Schon das war anspruchsvoll. Später sollten 220 Jacken hergestellt werden,
obwohl die Schicht wegen Strommangels auf acht Stunden verkürzt werden
musste.  Pro Stunde wurde also fast die
dreifache Stückzahl verlangt.

Der
vorübergehend im KZ Dachau inhaftierte SPD-Politiker Fritz Ecker notierte nach
seiner Entlassung im Januar 1934 über die Anfangsphase der Textilproduktiom:
„In Dachau hat man Handwerkstätten, die jeden Großbetrieb in den Schatten
stellen.
Von Gefangenen, die
dafür nur miserable Nahrung erhalten, 
werden Zivilanzüge, Uniformen, Knabenkleidung, Wildlederhosen,
Kletterwesten, Breeches-Hosen, neue Drillichanzüge in Massen gefertigt.  In der Schreinerei wurden allein während
meines Lageraufenthaltes  tausende von
Schränken für Militärkasernen hergestellt. Dazu Büroeinrichtungen,
Wohnungsmöbel, sogar neue Brautausstattungen. Monatelang wurde in der
Schreinerei auch an Sonntagen gearbeitet, monatelang dauerte die Arbeitszeit in
zwei Schichten von 6 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts. Als moderne Maschinen
eingetroffen waren, haben die Schreiner von morgens 7 Uhr bis nachts 10 Uhr
arbeiten müssen, unterbrochen nur von einer 
anderthalbstündigen Mittagspause“. 1939 wurden in den Betrieben
durchschnittlich 580 Häftlinge eingesetzt, davon 370 in der Schreinerei, 44 in
der Schlosserei, 140 in der Schneiderei, 16 in der Schusterei und zehn in der
Sattlerei. Die Bäckerei stellte 1939 1,14 Millionen Kommissbrote her, die
Fleischerei verarbeitete 1570 Schweine, 540 Rinder und 300 Kälber.

Plantage

Als Obersturmbannführer Martin Weiß für seine
junge Verlobte Lisa Ostern 1943 zur Hochzeit einen Brautstrauß aus Gladiolen
binden ließ, musste der damalige Kommandant des Konzentrationslagers Dachau ihn
nicht aus einem Blumenladen holen. Gladiolen wuchsen zu zehntausenden gleich
neben dem KZ auf der „Plantage“. Und Obergruppenführer Oswald Pohl, Chef des
SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes, schleppte von den riesigen
Anbauflächen körbeweise Honig und „Deutschen“ Pfeffer zum Privatgebrauch in
seine Berliner Wohnung. Im Zuge der deutschen Bestrebungen, sich durch Anbau
von Heil- und Gewürzkräutern unabhängig von ausländischen Medikamenten und Gewürzen
zu machen, wurde der Gartenbaubetrieb zur Erzeugung von Heilkräutern und
Gewürzen 1937 eingerichtet. Sein Gelände, 
das heutige Gewerbegebiet „Schwarzer Graben“, war mit zwei
Quadratkilometern so groß wie der gesamte heutige Stadtteil Dachau Ost. Drei
Jahre zuvor war in Heidelberg die Arbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde
gegründet worden, die sich für eine stärkere Eigenversorgung Deutschlands
einsetzte. Wie andere führende Nationalsozialisten hatte Heinrich Himmler
eigene Vorstellungen von „naturgemäßer Heil- und Lebensweise“. Der
Diplomlandwirt drängte schon kurz nach der „M
achtergreifung“ darauf, dass Deutsche ihren
Lebensmittelkonsum allmählich auf eine Verpflegung ähnlich der römischen
Soldatenverpflegung umstellten, die alle Vitamine enthalte und außerdem billig
sei. Für diesen Zweck wurde auch die Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und
Verpflegung gegründet, die abseits „jüdischer“ wissenschaftlichen Methoden
Modelle entwickeln sollte, wie die deutsche 
Volksgesundheit verbessert werden könnte. Angelehnt an Rudolf Steiners
Anthroposophie wurde eine nationalsozialistische Variante des
organisch-dynamischen Landbaus praktiziert. Das erfüllte nebenbei den Zweck,
diese Strömungen politisch für das Regime zu gewinnen. Die der Arbeitsgemeinschaft
angehörenden Autoren  des Buchs
„Allgemeine Heil
pflanzenkunde“ setzten sich offen für den
Einsatz von „unfreiwilligen Arbeitskräften“ 
beim Anbau von Heilpflanzen ein. Die arbeitsintensive Aufzucht dieser
Pflanzen wäre ohne den Einsatz der billigen Arbeitskraft von Häftlingen bei
normalen Löhnen völlig unrentabel gewesen.

Die
ersten Anbauflächen lagen nicht in der Nähe des Lagers, weil sich der dortige
sumpfige Boden als ungeeignet erwies. Man wich in den Nachbarort Schleißheim
aus. Auch nach der Trockenlegung des Dachauer Geländes durch lange Gräben, die
Häftlinge hatten ausheben müssen, war der Boden unzureichend für die meisten
Arten landwirtschaftlicher Nutzung. Deshalb wurden die für den Kräuteranbau
vorgesehenen Flächen jenseits der heutigen Alten Römerstraße mühsam weiter
kultiviert, Tümpel zugeschüttet und eine Humusschicht auf dem Moorboden
aufgetragen. Im nächsten Frühjahr war das Gelände so weit, dass der Anbau von
Heilpflanzen beginnen konnte. Baulich entstanden
die Gewürzmühle, Verwaltungs- und
Wirtschaftsgebäude und Gewächshäuser. Unter den Häftlingen, die dort arbeiten
mussten, waren
viele hundert Insassen des
Priesterblocks. Viele von ihnen gingen unter der brutalen Behandlung durch die
SS-Angehörigen zugrunde. Ein zweiter Schwerpunkt des Anbaus war die Herstellung
von Gewürzen.  Dazu gehörte in erster
Linie das von einem Fachmann der Arbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde
entwickelte „Prittlbacher Gewürz mit Pfeffergeschmack“, das auch „Deutscher
Pfeffer“ genannt wurde. Außerdem  gab es
eine von einem SS-Arzt geleitete Forschungsabteilung, die die Einwirkung von
Pflanzengiften auf  Wachstum und
Fruchtergiebigkeit der Pflanzen untersuchte.
 Daniella Seidl, wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Volkskunde/Europäische Ethnologie der
Ludwig-Maximilians-Universität München, hat die Geschichte der „Plantage“
wissenschaftlich untersucht. Der „Kräutergarten“ war demnach Kernstück und
Vorzeigebetrieb der Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung.
Vor allem in den ersten Jahren war die Arbeit auf der Plantage durch schwere
körperlich Belastung durch Arbeit auch im Regen, unzureichende Kleidung,
schlechte Verpflegung, willkürliche Schikanen und mörderische Brutalität der
Bewacher, ein Todeskommando.  Wenn abends
die Häftlingskolonnen zurück ins Lager zogen, wurden hinter den entkräfteten,
taumelnden Gestalten immer zehn oder mehr Schubkarren mit Toten und Sterbenden
geschoben, wie sich der tschechische Historiker und einstige  Häftling Stanislav Zamecnik nach dem Krieg
erinnerte. Zwischen 1939 und 1945 
starben auf der Plantage mehr als 800 Häftlinge. Der junge Priester
Hermann Scheipers war einer von denen, die auf der Plantage arbeiten mussten.
Der Lagerkommandant begrüßte ihn und die mit ihm eingelieferten neuen Insassen
mit den Worten „Ihr seid ehrlos, wehrlos und rechtlos. Ihr habt hier zu
arbeiten oder zu verrecken!“ 
Zusammen mit den meisten anderen Häftlingen des Priesterblocks kam
Scheipers in das Plantagenkommando. Wer dort nicht „spurte“, wurde
ausgepeitscht, an den Armen aufgehängt oder bei nacktem Oberkörper mit
eiskaltem Wasser übergossen. Durch bewusst geringe Essensrationen wurden die
Gefangenen gezielt ausgehungert. Den eingesetzten Geistlichen wurde im Jahr 1942
gezielt die sorgenannte Brotzeit vorenthalten, die andere arbeitende Häftlinge
erhielten. Die meisten der im KZ Dachau verstorbenen Geistlichen starben an den
Folgen dieser Behandlung im Jahr 1942. Die Mehrheit der seliggesprochenen
Geistlichen verstarben 1942. An den ständigen, nagenden Hunger erinnerte sich
Hermann Scheipers, der 2016 kurz vor seinem 103. Geburtstag starb, auch im
hohen Alter noch mit Grausen: „Wenn es um ein Stück Brot ging, wurden selbst
Häftlinge, die aus gutem Hause stammten, zu Raubtieren.“ Diesen
rücksichtslosen Überlebenskampf zu beobachten, sei für ihn das Schlimmste
während der Lagerzeit gewesen.

Der
Kräutergarten war auch in den Vernichtungskrieg im Osten eingebunden. Die in
Dachau angebauten Gladiolen, Ringelblumen und Primeln wurden pulverisiert und
zu Vitamin C verarbeitet, das in Päckchen an die Ostfront geschickt wurde.
Die Nationalsozialisten sahen die mangelnde
Versorgung deutscher Soldaten als einen der Gründe für die Niederlage im Ersten
Weltkrieg
an. Bessere Ernährung sollte die Kampfkraft erhöhen.

Der
Verkaufsladen auf der Rückseite des Verwaltungsgebäudes bot den Häftlingen
aber auch eine Möglichkeit, mit der Außenwelt in
Kontakt zu treten. Menschen aus der Umgebung des Lagers konnten dort Gemüse
, Blumen und Samen einkaufen. Einzelne Dachauer steckten den
Gefangenen, deren Elend sie im Laden sehen konnten, heimlich Lebensmittel zu
und schmuggelten für sie Briefe nach draußen. Maria Seidenberger aus
Hebertshausen half dem tschechischen Häftling Karel Kasak dabei,
Briefe nach Prag zu senden. Kasak hatte in einem
geheimen Tagebuch von April und Mai 1941 notiert, dass SS-Posten täglich
Häftlinge erschossen. Maria Seidenberger wurde 2005 von der Stadt Dachau mit
dem Zivilcourage-Preis geehrt. Ab April 1942 wurden auf Anordnung von Heinrich
Himmler vor allem Häftlinge aus dem Priesterblock zur Arbeit auf der Plantage
eingeteilt. Sie nutzten den Verkaufsladen, um Medikamente, Messwein und Hostien
ins Lager zu schmuggeln. In den Sommermonaten 1942 arbeiteten ungefähr 1500
Insassen auf der Plantage. Die SS erhielt vom Betriebsleiter der Einrichtung
pro Kopf eine Vergütung von 30 Pfennigen am Tag. Homöopatische Medikamente, die
auf der Plantage gewonnen wurden, wurden übrigens auch wenige hundert Meter
entfernt im Konzentrationslager  bei
Versuchen mit Gefangenen, die an Tuberkulose erkrankt waren, verabreicht. Auch
skurrile Versuche fanden auf der Plantage statt. Im Herbst 1943 gab es einen
Lehrgang für Wünschelroutengänger, die den SS-Wehrgeologeneinheiten zugeordnet
werden sollten.  Deren Aufgaben waren
unter anderem die Suche und Überprüfung von Trinkwasser in den besetzten
Gebieten, Bodenforschung vor dem Erstellen von militärischen Anlagen und der
Bau von Bunkern. Bei einer Division der Waffen-SS in Belgrad sollen mehrere
Routengänger stationiert gewesen sein, um Wasser, aber auch unterirdische
Gänge, versteckte Bunker und Goldvorkommen aufzuspüren.

Offiziell
zählten die erwirtschafteten Werte des SS-Wirtschaftssystems zum deutschen
Staatsbesitz. In Wirklichkeit nutzten sie der SS, indem sie ihre Abhängigkeit
von der SA und vom Reichsinnenministerium verringerten. Genau zu diesem Zweck
wurden zahlreiche Unternehmen auch gegründet. Dem finanziellen Wohlergehen der
SS diente
aber auch die Vermietung von Arbeitssklaven an
Privatfi
rmen. Von den rund 700 000 Häftlingen in deutschen
Konzentrationslagern arbeiteten in den Jahren 1944/45 mehr als 400 000 in der
Kriegswirtschaft  bei Privatfirmen. Nähe
zu solchen Arbeitsplätzen war der Grund dafür, dass schließlich ein Netz von
über 1000 KZ-Außenlagern existierte. Dort wie in den Unternehmen der SS selbst
wurden die Häftlinge vor allem für besonders grobe, anstrengende, gefährliche
und gesundheitsschädliche Tätigkeiten eingesetzt. Die Verwendung von durch
menschenunwürdige Behandlung kaum mehr leistungsfähigen Gefangenen war
allerdings einer der Punkte, in denen die nationalsozialistische Ideologie
ihren eigenen Zielen schadete. Zehntausende Menschen, die eigentlich dringend
als Arbeitskräfte gebraucht worden wären, 
wurden aus ideologischen  Motiven
zugrunde gerichtet. Ein immenses und aufwendiges Überwachungssystem war
außerdem nötig, um zu verhindern, dass die 
Arbeitssklaven durch Sabotage der Produktion schadeten. Der Terror der
„Vernichtung durch Arbeit“ war wichtiger als Produktivität. Nur wenige
Ausnahmen sind bekannt. So führten die SS-eigenen Deutschen Erd- und
Steinwerke, die unter anderem Material für „Führerbauten“ lieferten,  1940/41 gegen große Widerstände
„Vergünstigungen“ für einige Häftlinge ein. Heinrich Himmler ordnete allerdings
an, dass selbst gefangene Facharbeiter nur im Notfall zusätzliche Verpflegung
oder bessere Kleidung erhalten durften. Sie sollten möglichst  nur durch ein geringeres Ausmaß an
Misshandlungen „bessergestellt“ werden.

Nur
wenige SS-Unternehmen arbeiteten mit Gewinn. Das lag auch daran, dass oft ohne
viel Sachverstand ans Werk gegangen wurde. Heinrich Himmler nutzte seine
Machtbefugnisse auch dazu, unliebsame Konkurrenz außerhalb der SS auszuschalten
und seinen Günstlingen zusätzliche Einnahmequellen zuzuschanzen. So änderte er
für den Chef der Anton Loibl GmbH eigens die deutsche Straßenverkehrsordnung
und schrieb die Vorschrift hinein, dass alle Fahrrad-Pedale reflektierende
Rückstrahler haben mussten. Das beschaffte dem Patentinhaber Loibl
beträchtliche Lizenzeinnahmen. Kaum ein Radfahrer ahnt, dass er heute noch
wegen dieser SS-typischen Vetternwirtschaft mit Tretstrahlern unterwegs ist.

Zusammenfassend
lässt sich sagen, dass die SS-Wirtschaft als Modell für eine veränderte soziale
und wirtschaftliche Ordnung für das gesamte Großdeutsche Reich nach dem
„Endsieg“ gedacht war. Die Methode, mit der die angebliche Herrenrasse  ihren Wohlstand sichern wollte, bestand in
erster Linie aus der brutalen Ausbeutung angeblich minderwertiger Menschen und
dem groß angelegten Raub fremden Eigentums aus besetzten Gebieten.

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Der vergessene Garten. Süddeutsche Zeitung, Süddeutscher Verlag, München, 2014

Biografie seliger Antoni Swiadek

Auch über den polnischen Seligen Anonie Swiadek steht eine bewegende Biografie mit mehr Informationen von Klemens Hogen-Ostlender zur Verfügung.

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