Leiden


Wie alle Häftlinge im Lager litten auch die Geistlichen unter Hunger, schwerer Arbeit, Krankheiten, ungerechten Lagerstrafen und der ständige Hetze, Beschimpfung und Schikanen. Täglich waren die Häftlinge vom Tod bedroht.

Die Priester waren in einer besonderen Situation, nicht nur durch die starke Gemeinschaft im Priesterblock und durch die Erfahrung der Nähe zum Herrn in der Eucharistie und ihre Glaubensgewissheit, für ihren Glauben zu leiden. Sie waren auch besonders verfolgt und gehasst. Innerhalb der Lagergemeinschaft  war die Stimmung zunächst, wie im ganzen Machtbereich der Nationalsozialisten, aufgeheizt durch Hetze gegen die katholische Kirche. Viele Mithäftlinge ließen sich davon beeinflussen. Die Geistlichen litten unter der SS-Aufseher, die mit Hass und Blasphemie gegen die Priester vorging, sie beschimpften und schlugen und auf verschiedene Arten schikanierten, sobald sie erkannten, dass einer der Gefangenen ein Priester war. Sie waren aber auch ständig bedroht von anderen Häftlingen. Es gab sogenannte Funktionshäftlinge, Blockälteste und Capos. Das waren Mitgefangene, die zu Vorgesetzten über andere Häftlinge bestimmt worden waren. In den Priesterblocks und bei den Arbeitsstellen waren die Geistlichen diesen Männern rechtlos ausgeliefert. Sie wurden beschimpft, geschlagen und gequält. Es kam auch zu Morden. Diese Capos stahlen auch  Lebensmittel und Geld.  Auch von Lagerspitzeln waren die Geistlichen ständig bedroht, insbesondere beim illegalen Ausüben ihrer Religion außerhalb des Priesterblocks und bei der Seelsorge an Mithäftlingen.

Die Geistlichen wurden ab Frühling 1942 zur Arbeit auf der Großgärtnerei Plantage eingesetzt. Trotz schwerster körperlicher Arbeit wurde ihnen, im Gegensatz zu anderen Mithäftlingen, die Sonderzuteilung an Nahrung, Brotzeit, verweigert. Im Hungerjahr 1942 starben aus der Gruppe der Geistlichen besonders viele. Die meisten Seligen gingen in diesen Tagen in die Ewigkeit ein.

Priestern wurde eine Zeit lang jede medizinische Behandlung versagt und deutlich schlechtere Verpflegung zugeteilt als den anderen Häftlingen.

Es kam auch zu Folter. Priestern wurde z.B. grundlos mit der Strafe der 25 Doppelschläge belegt und in Dunkelhaft ohne Nahrung gezwungen. Es wurden in blasphemischer Absicht Dornenkrönung und Geißelung Jesu an Priestern nachgestellt. Es kam vor, dass blutig geschlagene Priester gezwungen wurden „oh Haupt voll Blut und Wunden…“ unter dem Spott der SS-Männer vor zu singen. An Weihnachten, Karfreitag und an Marienfesten wurden Priester bewusst gefoltert . Sie wurden immer wieder auch schrecklich beschimpft, die Messe wurde gestört, es herrschte pausenlos Angst. Die Existenz der Kapelle war ständig bedroht.

Den polnischen Priester wurden ab Herbst 1941 der Besuch der Kapelle nicht mehr gestattet. Unter Lebensgefahr wurde ihnen die Kommunion herausgebracht. Sie feierten heimlich Messe bei der Arbeit auf der Plantage und auf ihren Stuben. Diese Häftlingsgruppe war in der Hierarchie des Lagers auf der untersten Stufe, zusammen mit den jüdischen Häftlingen. Sie wurden besonders gequält und zur schwersten Arbeit gezwungen. Sie starben in großer Menge. Deshalb gingen aus den Reihen der polnischen Geistlichen bisher 45 Selige hervor. (der selige Stanislaw Kostka Starowieyski, Laie und Familienvater)

In der Zeit, in der die Priester offiziell von der Zwangsarbeit freigestellt waren, wurden sie zu Sonderaufgaben herangezogen. Eine davon war das sogenannte Kesseltragen. Das Essen wurde in der Küche im Zentralgebäude für alle Blocks gekocht und in großen, doppelwandigen Metallkesseln, zu den Blocks geschleppt. Der Weg war  weit. Die Kessel waren  furchtbar schwer, 50 kg bis zu 100 kg, und sehr heiß. Sie hatten schmale Metallgriffe, die in die Hände einschnitten. Da die Männer ausgehungert und geschwächt waren, überforderte sie diese Arbeit. Es kam zu Verletzungen und Verbrennungen. Bei jedem Wetter mussten die Kessel getragen werden. Besonders mühsam war dies im Winter bei Glatteis. An den Füßen waren nur Holzschlappen, mit denen die Geistlichen, unter Beschimpfungen und Schlägen zur Eile angetrieben, auch ausrutschten und hinfielen. Fiel einer hin und verschüttete dadurch die Suppe, wurde diese Menge dem eigenen Block abgezogen. Noch mehr Hunger war die Folge.

Eine weitere Tortur für die Priester war das Schneeräumen. Im Winter musste der Schnee weg geräumt werden: ohne geeignetes Werkzeug, ohne Winterkleidung, nur in diesen Zebraanzügen, oft sogar ohne Socken in den Holzschuhen. Es kam dabei zu Erfrierungen. Einige brachen vor Erschöpfung auch zusammen.

Wie andere Häftlinge wurden auch Priester ausgewählt für pseudo- medizinische Versuche, die im KZ Dachau durchgeführt wurden. Besonders polnische Priester mussten dies erleiden und viele starben, z.B. an Phlegmone- oder Malariaversuchen. Man wählte besonders Priester aus, da man dachte Priester  seien besonders gesund und  frei von Syphilis. Diese Krankheit hätte das Untersuchungsergebnis evtl. beeinträchtigt. Viele wurden grausam und sinnlos getötet. Die Versuche hatten keinen wissenschaftlichen Wert.

Viele Priester, die nicht mehr arbeitsfähig waren, wurden ausgesondert und zum Vergasen nach Hartheim bei Linz gebracht. Oft wurden Priester vergast, nur weil sie Priester waren, ohne arbeitsunfähig zu sein. Viele der polnischen Seligen sind darunter. Eine ernsthafte Erkrankung und Einlieferung auf die Krankenstation, Revier, war ebenfalls ein großes Risiko. Wenn auf der Krankenstation ein Priester entdeckt wurde, wurde er auf die sogenannten Invalidenlisten gesetzt und mit dem Invalidentransport weggebracht, um vergast zu werden. Auf dem Krankenrevier wurden auch viele erkrankte Priester gezielt getötet. Die Seligen Bischof Kozal, P. Titus Brandsma, Alojs Andritzki und Gerhard Hirschfelder erlitten dort den Märtyrertod. (Vgl. Texte Ihrer Biografien)

Immer wieder hat man den Priestern angeboten, dass sie frei kämen, wenn sie Ihr Priestertum aufgeben würden. Wohl zwei von 2.800 haben dieses Angebot angenommen und sind freigelassen worden, mussten aber sofort bei der  Wehrmacht Dienst tun.

Es gäbe noch sehr viele Grausamkeiten zu berichten. Das soll jedoch nicht Sinn dieser Information sein.

Das Leid ist vergangen. Die Getöteten sind in Gottes Herrlichkeit, wie sie es geglaubt haben. Uns bleibt, für die Täter zu beten und von den Märtyrern und Seligen zu lernen.

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