P. Titus Brandsma


Seli­ger P. Titus Brandsma O.Carm.

Gedenk­tag 27.07

Geb 23.02.81 in Oege­kloos­ter, Nie­der­lande

Ver­haf­tet wegen Ein­satz für freie, katho­li­sche Zei­tun­gen

KZ Dachau ab 13.06.42

+ 26.07.42 KZ Dachau

Selig gespro­chen am 03.11.1985

Gedenk­tag: 27.07.

Seli­ger P. Titus Brandsma bitte für uns!

 

 

Inhalts­über­sicht:

Kurz­bio­gra­fie

Der Nie­der­län­di­sche  Kar­me­li­ter­pa­ter Titus Brandsma wurde als Anno Sjo­erd Brandsma am 23. Februar 1881 in Oege­kloos­ter, Fries­land, Nie­der­lande, gebo­ren. 1899 trat er in der Orden der Kar­me­li­ter ein. Am 17. Juni 1905 emp­fing er die Pries­ter­weihe und setzte danach sein Stu­dium in Rom fort. Zurück­ge­kehrt in die Nie­der­lande wurde er Pro­fes­sor an der neu gegrün­de­ten Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Nim­we­gen und 1932/33 dort Rec­tor Magni­fi­cus. P. Titus Brandsma unter­rich­tete Phi­lo­so­phie und Geschichte der Mys­tik. Er war dar­über hin­aus sehr aktiv als Jour­na­list in ver­schie­de­nen katho­li­schen Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten und als Bera­ter der katho­li­schen Schu­len bis hin zur Bera­tung der Nie­der­län­di­schen Bischofs­kon­fe­renz. Auch der Ein­satz für sei­nen Orden war sehr frucht­bar. Sehr lie­bens­wür­dig, wie er war, half er auch vie­len in Not Gera­te­nen. Am 10. Mai 1940 fand die Beset­zung der Nie­der­lande durch die Deut­schen ihren Anfang und P. Brandsma zögerte nicht, mutig in der Öffent­lich­keit gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus und des­sen der Juden­ver­fol­gung zu spre­chen und zu schrei­ben. Sein Ein­satz für die Unab­hän­gig­keit der freien katho­li­schen Presse führte zu sei­ner Ver­haf­tung am 19. Januar 1942. In der Ein­zel­haft des Gefäng­nis­ses in Sche­ve­nin­gen betete er und schrieb ein Gedicht voll Freude und glü­hen­der Liebe zu Gott und Bereit­schaft für ihn zu lei­den. Dies wurde Wirk­lich­keit im KZ Amers­fo­ort. Dort wurde er gefol­tert, stand aber trotz­dem den Mit­ge­fan­ge­nen als Seel­sor­ger und Pre­di­ger zur Ver­fü­gung, bis zur Erschöp­fung. Am 19. Juni 1942 wurde er in das KZ Dachau ein­ge­lie­fert. Kör­per­lich schon sehr schwach musste er zur schwe­ren Feld­ar­beit aus­rü­cken. Er litt wie alle Mit­ge­fan­ge­nen an Hun­ger. Im KZ Dachau wurde er wie­der miss­han­delt und aus Glau­bens­hass in einem blas­phe­mi­schen Akt gegei­ßelt, wie Jesus Chris­tus. Alles ertrug er ruhig und mit inne­rem Frie­den. Er erkannte sich in die­sem Leid mit sei­nem Gott in Liebe ver­eint. So wurde er zum Vor­bild sei­ner Mit­ge­fan­ge­nen. Sein gesund­heit­li­cher Zustand  ver­schlech­terte sich rasch. In der drit­ten Juli­wo­che 1942 musste er sich, kör­per­lich auf­ge­braucht, auf die Kran­ken­sta­tion bege­ben. Auf dem Weg dort­hin ver­schenkte er sei­nen letz­ten Tabak. Dort wurde er noch ster­bend für medi­zi­ni­sche Expe­ri­mente miss­braucht und schließ­lich am 26. Juli 1942 um 13.50 Uhr durch die Todes­spritze getö­tet. Im Selig­spre­chungs­pro­zeß bezeugte der Mör­der, dass er das gütige Gesicht des Paters, der mit sei­nem Mör­der Mit­leid hatte, nicht ver­ges­sen konnte. P. Titus Brandsma wurde als ers­ter der Geist­li­chen aus dem KZ Dachau am  03.11.1985  in Rom durch Papst Johan­nes Paul II selig gespro­chen.

Der selige P. Titus Brandsma ist der  Patron der Jour­na­lis­ten  und der deut­schen Pro­vinz des Kar­me­li­ter­or­dens.

Seli­ger Pater Titus Brandsma, bitte für uns!

 

 

Zitate

 

Über­all kann man glück­lich wer­den, der Name allein sagt nichts. Der Geist ist es, der leben­dig macht, und der Geist des Kar­mel hat mich ange­zo­gen.

 

Ich bin in den Schat­ten gestellt wor­den, obwohl ich vor­wärts strebte. Die Lehre hatte ich nötig; sie war zu mei­nem Bes­ten.

 

Gott hat alles für mich getan, was er konnte; nun ist es an mir, mein Mög­lichs­tes, ja alles für ihn zu tun.

 

Mys­tik ist die totale Begeg­nung des Men­schen mit Gott und Got­tes mit dem Men­schen. Sie ist nichts voll­kom­men Neues, son­dern eine Inten­si­tät der Gegen­wart Got­tes in jedem ein­zel­nen von uns… Gott, der Gegen­stand unse­rer Liebe, kann unsere Geis­tes­kräfte ganz in Beschlag neh­men und uns zur Hin­wen­dung zu sich zwin­gen.

 

Gebet ist Leben, nicht eine Oase in der Wüste des Lebens.

 

Allen unse­ren Arbei­ten muss der Stem­pel der Liebe, der lei­den­schaft­li­chen Liebe zu Chris­tus auf­ge­prägt sein.

 

Unsere Liebe muss sprich­wört­lich sein. Wir sol­len uns von nie­man­dem an Liebe über­tref­fen las­sen. – Unsere Gegen­wart irgendwo muss für die ande­ren eine Lust, ein Fest, einen Trost bedeu­ten.

 

Wir sind nicht dazu beru­fen, im öffent­li­chen Leben groß­ar­tige, auf­fal­lende und leb­haft bespro­che­nen Dinge zu tun. Das wäre gegen die Ein­fach­heit, wie wir (Kar­me­li­ten) sie prak­ti­zie­ren wol­len. Aber es ist doch unsere Pflicht, die gewohn­ten Dinge auf groß­ar­tige Weise zu tun. Das heißt: mit einer lau­te­ren Inten­tion und dem Ein­satz unse­rer gan­zen Per­sön­lich­keit. Wir ver­lan­gen nicht, vorne an zu ste­hen und beju­belt zu wer­den wegen Leis­tun­gen, von denen die Men­schen der Welt eine hohe Mei­nung zu haben pfle­gen. Wir möch­ten auf­fal­len durch unsere Ein­fach­heit und unsere Auf­rich­tig­keit.

 

„Wir haben den Schatz des Glau­bens. Die­ses gött­li­che Wort über­steigt alle Erschei­nun­gen und Visio­nen.“   „Aber am tie­fen Ein­druck hat auf mich die Tat­sa­che gemacht, dass ein Mensch sich so ganz Gott hin­ge­ben kann und mit ihm so innig zu leben ver­mag.  über The­rese von Kon­ners­reuth

 

„Unter den vie­len Fra­gen, die ich mir stelle, bewegt mich keine stär­ker als das Rät­sel, dass der sich ent­wi­ckelnde Mensch, selbst­si­cher und stolz auf sei­nen Fort­schritt, sich in so gro­ßer Zahl von Gott abwen­det. Unbe­greif­lich ist es, dass wir in unse­rer Zeit so gro­ßer Fort­schritte auf vie­len Gebie­ten kon­fron­tiert sind mit einer wie eine Epi­de­mie um sich grei­fen­den Ent­eh­rung und Leug­nung Got­tes. Wie konnte das Bild Got­tes sich so ver­dun­keln, dass so viele nicht mehr von ihm berührt wer­den? Liegt der Feh­ler nur bei ihnen? Oder gibt es jetzt einen Auf­trag an uns, es wie­der in hel­le­rem Licht auf­strah­len zu las­sen über der Welt, und dür­fen wir die Hoff­nung haben, dass das Stu­dium des Got­tes­be­griffs diese größte aller Nöte zumin­dest lin­dern wird?“

– Aus der Rede zum Jah­res­tag der Grün­dung der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Nim­we­gen 1932 Wiki­pe­dia

Die wört­li­chen Zitate sind fol­gen­der Lite­ra­tur ent­nom­men: (wei­tere Lite­ra­tur)

Georg Geis­bauer, Titus Brandsma, Mys­ti­ker des Kar­mel, Mär­ty­rer in Dachau, Wienand Ver­lag Köln, Köln 1987

Leben­di­ger Kar­mel, Titus Brandsma: eine Bot­schaft der Hoff­nung, Bam­berg, Sankt-Otto-Verlag, 1986

Hed­wig Klein, Lie­ben­der ohne Maß, Titus Brandsma, Kreuzring-Bücherei, Johann Josef Zim­mer Ver­lag GmbH Trier, 1967

Gute Bio­gra­fie in eng­li­scher Spra­che unter:http: www.ewtn.com/library/MARY/TITUSLIF.HTM

 

 Bio­gra­fie

Den nie­der­län­di­schen Kar­me­li­ter­pa­ter Titus Brandsma zu ken­nen lohnt in jedem Fall. Er gehörte dem Kar­me­li­ter­or­den an (dem Stam­mor­den der sog. beschuh­ter Kar­me­li­ter, alte Obser­vanz an. In die­sem Zweig gab es schon früh eine gemil­derte Regel, um dadurch die apos­to­li­sche Tätig­keit bes­ser mit dem beschau­li­chen Leben ver­ein­ba­ren zu kön­nen). 1 Er war auch Hoch­schul­pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie und Mys­tik, Jour­na­list und viel­sei­tig enga­giert. Trotz gesund­heit­li­cher Pro­bleme erleb­ten viele Men­schen den klei­nen und beschei­de­nen Mann als lebens­froh, humor­voll, opti­mis­tisch und stets hilfs­be­reit. Eine tiefe Got­tes­liebe prägte ihn und ließ ihn schließ­lich sel­ber zum Lei­dens­mys­ti­ker wer­den: in Krank­heit und im gro­ßen Leid der Gefan­gen­schaft und im Mär­ty­rer­tod im KZ Dachau.
Am 23.02.1881 wurde Anno Sjo­erd Brandsma, so sein Name vor der Auf­nahme in den Orden, auf dem Land­gut sei­ner Fami­lie Oego­kloos­ter bei Bols­ward, einem klei­nen Städt­chen in Fries­land, gebo­ren. Seine Eltern stamm­ten aus einem alten frie­si­schen Bau­ern­ge­schlecht. Sie waren durch­aus wohl­ha­bende Milch­bau­ern. Der Hof stand auf dem Grund eines mit­tel­al­ter­li­chen Klos­ters, das damals dem Hl .Hugo geweiht wor­den war.
Mit Hol­stei­ner Milch­vieh wurde Käse pro­du­ziert und ver­kauft. Es gab Mit­ar­bei­ter am Hof und in der Käse­rei.
Vater Titus Brandsma war ein nüch­ter­ner und tat­kräf­ti­ger Mann 2, ein ange­se­he­ner Milch­bauer mit Käse­pro­duk­tion und Kom­mu­nal­po­li­ti­ker. „Er war sei­nem Volk und dem katho­li­schen Glau­ben tief ver­bun­den.“ 3 Die Mut­ter, Tjitsje Postma, wird eher als kon­ser­va­tiv und ängst­lich in der Kin­der­er­zie­hung beschrie­ben. Titus liebte und ehrte seine Eltern. Er lernte an ihrem Bei­spiel und von ihnen, ein guter Katho­lik zu sein und zu lie­ben, sogar die Feinde.
Musik spielte in die­ser Fami­lie eine große Rolle. Rund um das Kla­vier der Fami­lie ver­sam­melte man sich um zu sin­gen und zu tan­zen. Der Vater brachte den Kin­dern die Tanz­schritte bei und berei­tete allen fröh­li­che und glück­li­che Stun­den.
Die Fami­lie Brandsma hatte 6 Kin­der. Sie war tief katho­lisch. Die täg­li­che Messe und häu­fige Beichte gehör­ten zum Fami­li­en­le­ben. Die Fami­lie betete zusam­men. So lernte P. Titus Brandsma von frü­hes­ter Jugend an zu beten.4 Die Eltern waren in der Kir­chen­ge­meinde ange­se­hen. Am Leben der Pfar­rei nah­men sie teil. Der kleine Anno lernte selbst­ver­ständ­lich mit­zu­hel­fen beim kari­ta­ti­ven Enga­ge­ment in der Pfar­rei. Auch das prägte ihn fürs ganze Leben.
Die Hei­mat Fries­land prägte P. Titus Brandsma ein Leben lang. Im Nord­wes­ten der Nie­der­lande gele­gen, wird es geprägt durch eine eigene Kul­tur und Spra­che, die der eng­li­schen Spra­che ähnelt. Nie­der­län­der ver­ste­hen Frie­sisch nicht ohne wei­te­res. Ein Leben lang blieb Brandsma dem Frie­si­schen ver­bun­den und enga­gierte sich für den Erhalt der Kul­tur und Spra­che, aber auch für die Ver­eh­rung des Hl. Boni­fa­tius, des Mis­sio­nars und Mär­ty­rers Fries­lands.
Katho­li­ken sind eine Min­der­heit in Fries­land. Nur 20 % Katho­li­ken gab es damals in die­ser Gegend Fries­lands. In ganz Fries­land waren es damals sogar nur 5 %. Diese bil­de­ten eine eif­rige, aber eher geschlos­sene Gesell­schaft, die kaum Kon­takt zu Mit­glie­dern ande­rer Kon­fes­sio­nen hatte. 5
Diese Erfah­run­gen begrün­de­ten öku­me­ni­sche Offen­heit und Enga­ge­ment für die Ein­heit der Chris­ten bei P. Brandsma.
Nach 4 Töch­tern war die Geburt Annos eine große Freude: end­lich der ersehnte Sohn und Hoferbe. Doch er war von Anfang an ein außer­ge­wöhn­lich schwäch­li­ches Kind und kör­per­lich zu klein, zu zart und zu kränk­lich für Bau­er­nar­beit. Den Eltern war klar, er würde den Hof nicht über­neh­men kön­nen. Die fromme Mut­ter erhoffte und erbe­tete schon früh eine Pries­ter­be­ru­fung.
Aus der Fami­lie gin­gen viele Beru­fun­gen her­vor. 5 der 6 Kin­der wähl­ten den geist­li­chen Weg. Der Bru­der wurde Ordens­pries­ter und 4 der Schwes­tern gin­gen ins Klos­ter. Die älteste Schwes­ter Gatske hei­ra­tete und über­nahm den Hof.
Anno erlebte eine glück­li­che Kind­heit in sei­ner tief from­men Fami­lie.
Der kleine Anno war auf­fal­lend intel­li­gent und hatte viele Inter­es­sen. Mit sei­nen hohen geis­ti­gen Fähig­kei­ten war er sei­nen Alters­ge­nos­sen weit über­le­gen.
Aber er war auch kränk­lich. Lebens­lang musste er immer wie­der einen stän­di­gen Kampf gegen kör­per­li­che Schwä­che und Krank­heit beste­hen.
Schon als Kind erkannte Anno früh die Bedeu­tung des Christ­seins und rich­tete die kind­li­che Gedan­ken­welt auf Gott aus. Er fiel früh auf durch eine unge­wöhn­li­che Samm­lung und Andacht. Schon mit 11 Jah­ren, zur Zeit sei­ner Erst­kom­mu­nion, hatte er den fes­ten Ent­schluss gefasst, Pries­ter zu wer­den.
Anno besuchte die katho­li­sche Grund­schule in sei­ner Hei­mat­ge­meinde. Er war ein auf­fal­lend guter Schü­ler. Bei den Leh­rern galt er als Lieb­lings­schü­ler und auch bei den Mit­schü­lern war er sehr beliebt. Sie gaben ihm den Spitz­na­men: „der Kleine“.
Mit 11 Jah­ren, Sep­tem­ber 1892, wech­selte er aufs Gym­na­sium. Er besuchte die Latein­schule der Franziskaner-Minoriten in Men­gen an der Maas (Nord­bra­bant), ein sog. klei­nes Semi­nar zur Aus­bil­dung von Buben, die sich zum Pries­ter beru­fen fühl­ten. Dort erschien Anno zunächst recht schüch­tern. Doch er gewann durch seine freund­li­che und offene Art die Ach­tung sei­ner Mit­schü­ler. Er stu­dierte gerne und viel und mutete sich oft zu viel zu, wor­un­ter dann sein schwäch­li­cher Kör­per litt.
In die Gym­na­si­al­zeit fällt die erste große kör­per­li­che Krise. Schon mit 13 Jah­ren erkrankte er akut am Magen. Der Junge musste 1898 die Schule verlassen6 und zur Erho­lung und Gene­sung nach Hause fah­ren. Viel Essen und Schla­fen wurde ihm emp­foh­len.
Trotz­dem spürte Anno die Beru­fung zum Ordens­pries­ter. Ein Ein­tritt bei Fran­zis­ka­nern, wel­chen viele sei­ner Mit­schü­ler nach dem Abitur wähl­ten, war ihm wegen der gesund­heit­li­chen Pro­bleme nicht mög­lich. Anno ent­schie­det sich anders. Ihn zog es zu einem Leben in einer Gemein­schaft. Fran­zis­ka­ner leb­ten oft nur zu zweit.
Nach dem Abitur trat Brandsma am 17.09.1898 in den Orden der Kar­me­li­ter in Box­meer an der Maas ein. Er war 17 Jahre alt. Erstaun­li­cher­weise wurde er trotz sei­ner schwa­chen Gesund­heit auf­ge­nom­men. Bei der Ein­klei­dung am 22.11.1898 wählte er als Klos­ter­na­men den Vor­na­men sei­nes bewun­der­ten Vaters: Titus.
Im Kar­mel hatte er seine spi­ri­tu­elle Hei­mat gefun­den. Sein Leben war nun geprägt von Gebet und Medi­ta­tion. Er ent­wi­ckelte ein rei­ches Gebets­le­ben. Das gemein­sa­mes Chor­ge­bet war ihm sehr wich­tig.
Mit Kor­rekt­heit erfüllt er die For­de­run­gen der Ordens­re­gel und des Klos­ters. Mit Liebe begeg­net er sei­nen Mit­brü­dern.
Es folgte das Stu­dium der Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie in Oss. Dabei zeigte er gro­ßes Inter­esse an der Spi­ri­tua­li­tät des Kar­mel. Neben­bei arbei­tete er auch noch als Schrift­stel­ler und ver­öf­fent­lichte als Jour­na­list bei ver­schie­de­nen Zeit­schrif­ten Arti­kel über The­men des Glau­bens und über Mys­tik. Schon wäh­rend des Stu­di­ums beschäf­tigte er sich mit nie­der­län­di­schen Mys­ti­kern und der Her­aus­gabe ihrer Texte 7. In sei­ner Frei­zeit über­setzte er Werke der hei­li­gen The­resa von Avila und ver­öf­fent­lichte 1901 eine Samm­lung „Aus­ge­wählte Schrif­ten aus den Wer­ken der hei­li­gen The­resa.“ 8 Dabei ent­deckte Titus seine schrift­stel­le­ri­sche Bega­bung und die Freude an der Beschäf­ti­gung mit der Mys­tik. Er hatte die Gabe, kom­pli­zierte Gedan­ken­gänge ver­ständ­lich zusammenzufassen.9 Auch andere Mit­brü­der ermu­tigte er zu schrei­ben, sam­melte die Bei­träge und ver­öf­fent­lichte die Arbei­ten in Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten. Er grün­dete schließ­lich ein Infor­ma­ti­ons­blatt der hol­län­di­schen Kar­me­li­ten.
Ich bin jetzt sehr glück­lich“ schrieb er an Eltern 10.
Bru­der Titus Brandsma wollte Apos­to­lat und Kon­tem­pla­tion ver­bin­den. Genau das fand er im Kar­mel. „Über­all kann man glück­lich wer­den, der Name allein sagt nichts. Der Geist ist es, der leben­dig macht, und der Geist des Kar­mel hat mich angezogen.“11

Auch im Stu­dium über­an­strengte er sich. So kam was kom­men musste: An Weih­nach­ten 1901 erlitt er wie­der eine schwere kör­per­li­che Krise. Schwer krank litt er an Magen­blu­tun­gen mit Erbre­chen von Blut und an Fie­ber­schü­ben. Auch von Darm­be­schwer­den und Schwä­che­an­fäl­len wird berich­tet. Bett­ruhe wurde ihm ver­ord­net.
An seine Groß­mut­ter schrieb er in die­ser Zeit:
„Ver­liere nicht den Mut und bleibe glück­lich. So wird sich alles zum Guten wen­den… glaube es!“12
Sein Obe­rer und die Mit­brü­der hal­fen. Sie woll­ten, dass Titus trotz sei­ner gesund­heit­li­chen Pro­bleme im Orden blieb. Bru­der Titus Brandsma erholte sich und legte am 03.10.1899 kör­per­lich schwach aber sehr glück­lich die ers­ten Gelübde ab.13 1902 folg­ten die ewi­gen Gelübde 14.
Am 17.06.1905 emp­fing Titus Brandsma die Pries­ter­weihe in der Kathe­drale von ´s-Hertogenbosch durch Bischof Den Bosch. Seine Pri­miz fei­erte P. Titus Brandsma in der baro­cken Kir­che St. Mar­tin in Bols­ward, wo er auch getauft wor­den war. Nach einem kur­zen Erho­lungs­ur­laub zu Hause kehrte P. Titus nach Oss zurück, um wei­ter zu stu­die­ren.
Der junge Ordens­pries­ter geriet zunächst unter den Ver­dacht, ein Moder­nist und zu libe­ral zu sein. Mit einem sei­ner Pro­fes­so­ren hatte P. Titus des­halb Aus­ein­an­der­set­zun­gen. 15 Des­halb wurde er zunächst trotz sei­ner gro­ßen Bega­bung nicht zum wei­te­ren Stu­dium zuge­las­sen. Er wurde als Aus­hilfs­seel­sor­ger in Oss ein­ge­setzt. Zusätz­lich war er Sakris­tan und Öko­nom im Klos­ter. Das bedeu­tet, er wurde ins Abseits gestellt 16. Dies kränkte ihn sehr.
„Ich bin in den Schat­ten gestellt wor­den, obwohl ich vor­wärts strebte. Die Lehre hatte ich nötig; sie war zu mei­nem Besten.“17, beur­teilte er rück­wir­kend diese Zeit.
Noch im sel­ben Jahr konnte er jedoch wei­ter stu­die­ren. 1905- 1909 lebte er in Rom und stu­dierte an der Gre­go­riana Uni­ver­si­tät. Er wohnte im Kol­leg S. Alberto. 18
„Seine Aus­ge­gli­chen­heit und Freund­lich­keit und nicht zuletzt sein gesun­der Humor brach­ten ihm auch die Zunei­gung und Bewun­de­rung sei­ner Mit­stu­den­ten im Kol­leg S. Alberto ein.“19
Er belegte in die­ser Zeit auch Kurse in Sozio­lo­gie. Daher grün­det sich auch sein spä­te­res Inter­esse an sozia­len Fra­gen und seine Fach­kom­pe­tenz dar­über, die sich in zahl­rei­chen Arti­keln zu die­sem The­men­be­reich zeig­ten. 20
1909 schloss er das Stu­dium mit der Pro­mo­tion in Phi­lo­so­phie 21 ab. Auch in der Stu­di­en­zeit litt P. Titus Brandsma an kör­per­li­cher Schwä­che und gesund­heit­li­chen Pro­ble­men. Aus Für­sor­ge­pflicht erhielt er des­halb in die­ser Zeit von den Vor­ge­setz­ten ein Ver­bot jour­na­lis­ti­scher Arbeit. Nach sei­nem Lizen­ti­ats­ex­amen kam es 1908/ 1909 wie­der zu einem kör­per­li­chen Zusam­men­bruch. Wie­der erlitt er Magen­blu­tun­gen und schwebte in Lebens­ge­fahr.
„Gelas­sen nimmt er es hin und ant­wor­tet mit einem Lächeln:“Gott hat alles für mich getan, was er konnte; nun ist es an mir, mein Mög­lichs­tes, ja alles für ihn zu tun.““22
Schon 1909 wird der Lei­dens­mys­ti­ker deut­lich mit der gro­ßen Liebe und Hin­gabe an Gott. Monate der Gene­sung folg­ten der Krank­heit. Schließ­lich schloss er das Stu­dium mit dem Dok­tor­ti­tel ab.
Am 25.10.1909 erhielt Titus Brandsma das Ernen­nungs­schrei­ben der Dok­tor­würde in Phi­lo­so­phie.
Zurück in den Nie­der­lan­den began­nen Jahre frucht­ba­ren Wir­kens.
Per­sön­lich­keit
P. Titus Brandsma war klein, freund­lich, sehr mutig, klug, tief reli­giös, lie­bens­wert, ein­fach, herz­lich, ein hilfs­be­rei­ter Wis­sen­schaft­ler, ohne jedes Sta­tus­den­ken oder Ange­be­rei, ein auf­ge­weck­ter Mensch. Ein­fach, auf­rich­tig, unge­küns­telt und gerade an Seele und Geist beschrie­ben ihn seine Mit­men­schen. „Er hatte etwas ent­waff­nend Lau­te­res an sich“ 23 Er hatte keine Angst, war schlicht, spon­tan mit anste­cken­der Fröh­lich­keit. „Titus hatte etwas Engel­haf­tes, etwas Rei­nes, man konnte ihm nichts verweigern.“24
„Was er auch tat: ob er sich für eine Stunde zum Gebet nie­der­kniete, am Schreib­tisch seine Vor­le­sun­gen vor­be­rei­tete, gedul­dig den Wor­ten eines sor­gen­vol­len Men­schen zuhörte, einem Stu­den­ten gute Rat­schläge gab, ob er an der Schreib­ma­schine saß, den Kopf in den
blauen Dunst sei­ner Pfeife gehüllt – Titus Brandsma war immer ein glück­li­cher Mensch. Was er in Angriff nahm, gelang ihm, und jedem, dem er begeg­nete, teilte er etwas mit von sei­ner inne­ren Freude.“ 25
Sein Per­sön­lich­keit war geprägt durch die lebens­lange Suche nach Gott und die Beschäf­ti­gung mit Mys­tik. „Aus tie­fer Ver­ei­ni­gung mit Gott ent­sprang der Seele P. Titus ein fort­wäh­ren­der Strom des Opti­mis­mus, der ihm die Sym­pa­thie aller ein­trug, die das Glück hat­ten, ihn ken­nen­zu­ler­nen; und die­ser Opti­mis­mus hat ihn nie ver­las­sen: er beglei­tete ihn auch in das Inferno des KZ“ so Papst Johan­nes Paul II bei der Selig­spre­chung. 26
Diese tiefe Bezie­hung zu Gott ver­an­lasste ihn zu einem gro­ßen Enga­ge­ment, wie Sie es unten beschrie­ben fin­den. So präg­ten Kon­tem­pla­tion und Aktion sein Leben, bis hin­ein in die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus.
„Ich frage mich, ob nicht gerade unsere Zeit Män­ner und Frauen nötig hat, die den Mut auf­brin­gen, die Auf­op­fe­rungs­be­reit­schaft und die Liebe auf­brin­gen, das Leid die­ser Zeit zu tra­gen.“ 27 Die­ses pro­phe­ti­sches Wort scheint er auch über sich sel­ber gespro­chen zu haben.
Wir­ken für den Orden
Der Kar­me­li­ter­or­den ver­dankte P. Brandsma einen neuen Auf­schwung in den Nie­der­lan­den der 20ger Jahre des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts. Er wirkte für eine geis­tige Erneue­rung und Wie­der­ge­burt des Ordens. Der Orden blühte auf, neue Beru­fun­gen ver­mehr­ten die Zahl der Ordens­mit­glie­der um mehr als das Dop­pelte. Auch die Zahl der Klös­ter stieg durch sein Wir­ken an. 28
Der Orden setzte den jun­gen Geist­li­chen in den Jah­ren 1909 – 1923 als Pro­fes­sor und Regens am Pries­ter­se­mi­nar der Kar­me­li­ter in Oss in Bra­bant ein. Dort gab es eine ordens­ei­gene Hoch­schule. 15 Jahre lehrte P. Titus Brandsma hier Phi­lo­so­phie, Sozio­lo­gie, Kir­chen­ge­schichte.
Begeis­tert für kar­me­l­i­ta­ni­sche Ideale, 29 nahm er sich mit beson­de­rer Liebe des Ordens­nach­wuch­ses an und war viele Jahre einer der Leh­rer. Er führte die jun­gen Män­ner in die große mys­ti­sche Tra­di­tion des Kar­me­li­ten­or­dens ein und ver­stand es, sie für des­sen Ideale zu begeistern.30
Im Jahre 1917 über­setzte er zusam­men mit 3 Mit­brü­dern das Gesamt­werk von The­resa von Avila ins Nie­der­län­di­sche. 31
Ab 1923 wirkte P. Titus als Assis­tent des Pro­vin­zi­als. Als Prior lei­tete er das Klos­ter in Nji­me­gen, das in der Nähe der neuen Uni­ver­si­tät gegrün­det wor­den war. (siehe unten)
Hier baute der Orden unter sei­ner Lei­tung 1922- 1930 einen neuen Kon­vent und bekam dort zusätz­lich die Betreu­ung einer gro­ßen Pfar­rei zuge­wie­sen. 32
Sein Wir­ken ging jedoch weit dar­über hin­aus.
Sein Ein­satz galt auch der Wie­der­be­le­bung der deut­schen Ordens­pro­vinz. Er enga­gierte sich für die Restau­rie­rung und Wie­der­er­öff­nung der alten Kar­me­li­ten­klös­ter in Mainz und Bam­berg. Dafür bereiste er Deutsch­land im Mai 1924. Dabei konnte er mit dem fran­zö­si­schen Gene­ral Degoutte,
dem Ver­tre­ter der dama­li­gen Besat­zung, über die Neu­grün­dung des Klos­ters in Mainz 33 ver­han­deln. 34.
1935 führte ihn eine Vor­trags­reise in die USA und nach Irland, wo er über die monas­ti­sche und christ­li­che Spi­ri­tua­li­tät sprach und durch seine umfas­sende kul­tu­relle Bil­dung beein­druckte.“ 35
„Bei den Kar­me­li­ten in Irland hatte er vor sei­ner Ame­ri­ka­reise seine Eng­lisch­kennt­nisse ver­voll­stän­digt. Sie waren erbaut von sei­ner herz­li­chen Art und der Weite sei­nes Geis­tes. Sie staun­ten auch dar­über, dass Titus, der an Alko­hol nicht gewöhnt war, die Gast­freund­schaft nicht ver­letzte und dem hei­mi­schen Whisky kräf­tig zusprach, ohne dass sich irgend­wel­che Nach­wir­kun­gen gezeigt hät­ten.“ 36
In sei­nem Tage­buch beschreibt er seine Gedan­ken ange­sichts der Niagara-Fälle. „Ich stehe . – – und betrachte die ein­drucks­vol­len Niagara-Fälle. Sie bre­chen in der Höhe her­aus und ich sehe sie unauf­hör­lich hin­un­ter­stür­zen . . . Was daran über­rascht, ist die wun­der­bare und viel­fäl­tige Mög­lich­keit, die im Was­ser liegt … Ich sehe Gott im Werk sei­ner Hände und die Zei­chen sei­ner Liebe in allem Geschaf­fe­nen. Ich bin durch­drun­gen von einer gro­ßen Freude, die jede andere Freude über­trifft.“ 37
Einige Zitate zei­gen Ein­bli­cke in die Sicht auf sein Ver­hält­nis zu sei­nem Ordens­le­ben. Er ver­deut­lichte den Mit­brü­dern ihm wich­tige Aspekte des Kar­me­li­ter­or­dens:
„Wir Kar­me­li­ter sind nicht dazu beru­fen, im öffent­li­chen Leben groß­ar­tige, auf­fal­lende und leb­haft bespro­chene Dinge zu tun. Das wäre gegen die Ein­fach­heit, die wir prak­ti­zie­ren wol­len. Aber es ist doch unsere Pflicht, die gewohn­ten Dinge in groß­ar­ti­ger Weise zu tun. Das heißt mit einer lau­te­ren Absicht und dem Ein­satz unse­rer gan­zen Per­sön­lich­keit. Wir ver­lan­gen nicht, vorne zu ste­hen und beju­belt zu wer­den wegen unse­rer Leis­tun­gen, von denen die Men­schen der Welt eine hohe Mei­nung zu haben pfle­gen. Wir möch­ten nur auf­fal­len durch unsere Ein­fach­heit und unsere Auf­rich­tig­keit“.
Pro­fes­sor
Ab 1923 wirkte P. Titus Brandsma als Pro­fes­sor für Geschichte der mit­tel­al­ter­li­chen Phi­lo­so­phie, Ordens­ge­schichte 38, nie­der­län­di­sche Mys­tik und nie­der­län­di­sche Fröm­mig­keit 39, 40 an der neu­ge­grün­de­ten katho­li­schen Uni­ver­si­tät in Nij­me­gen. Sie galt als Sym­bol der Lebens­kraft und des Wider­stan­des der nie­der­län­di­schen Katho­li­ken, die Jahr­hun­derte lang Ver­fol­gung erlit­ten hat­ten und um Gleich­be­hand­lung mit den evan­ge­li­schen Nie­der­län­dern ran­gen. 41
Zu sei­nen Auf­ga­ben gehörte Lehre und For­schung. Eine sei­ner Vor­le­sun­gen besucht auch der selige Karl Leis­ner, der auf einem Aus­flug über die nahe Grenze kam, um den berühm­ten Pro­fes­sor zu hören.
Seine Per­sön­lich­keit und seine echte Reli­gio­si­tät brach­ten ihm die Ach­tung und Liebe sei­ner Stu­den­ten ein, die in ihm einen auf­rich­ti­gen Freund sahen.
In den Jah­ren 1932-33 lei­tete P. Titus die Uni­ver­si­tät Nij­me­gen als Rek­tor Magni­fi­cus, und danach als Prä­si­dent. Mit hei­te­rer Gelas­sen­heit nahm er diese Ämter ohne große Worte an. 42 Er bil­dete sich nichts dar­auf ein „Wir müs­sen vor allem Gott sehen als den tiefs­ten Grund unse­res Wesens.“43, führte er in einer viel­be­ach­tete Antritts­rede aus.
„Titus war ein aus­ge­zeich­ne­ter Ver­wal­ter sei­nes Amtes. Immer wie­der konnte er mit lie­bens­wür­di­gen, aber unnach­gie­bi­gen Wor­ten man­chen Eigen­sinn der Pro­fes­so­ren oder sei­ner Mit­ar­bei­ter bre­chen und den Aus­gleich her­bei­füh­ren. Gerade die­ses sein Ver­hand­lungs­ge­schick zeich­nete ihn aus und machte ihn zu einem „gro­ßen“ Rektor.“44
Seine Fest­rede zum Grün­dungs­tag der Uni­ver­si­tät 1932 über den Got­tes­be­griff erregte Auf­se­hen:
„Unter den vie­len Fra­gen, die ich mir stelle, bewegt mich keine stär­ker als das Rät­sel, dass der sich ent­wi­ckelnde Mensch, selbst­si­cher und stolz auf sei­nen Fort­schritt, sich in so gro­ßer Zahl von Gott abwen­det. Unbe­greif­lich ist es, dass wir in unse­rer Zeit so gro­ßer Fort­schritte auf vie­len Gebie­ten kon­fron­tiert sind mit einer wie eine Epi­de­mie um sich grei­fen­den Ent­eh­rung und Leug­nung Got­tes. Wie konnte das Bild Got­tes sich so ver­dun­keln, dass so viele nicht mehr von ihm berührt wer­den? Liegt der Feh­ler nur bei ihnen? Oder gibt es jetzt einen Auf­trag an uns, es wie­der in hel­le­rem Licht auf­strah­len zu las­sen über der Welt, und dür­fen wir die Hoff­nung haben, dass das Stu­dium des Got­tes­be­griffs diese größte aller Nöte zumin­dest lin­dern wird?“45
„…In die­ser Zeit enga­gierte er sich viel­sei­tig, für die Biblio­thek und Hör­säle, für Unter­künfte von Pro­fes­so­ren und Stu­den­ten. Seine Lehr­tä­tig­keit führte er auch in die­ser Zeit weiter.“46
Neben der Pro­fes­sur an der Uni­ver­si­tät und der Lehr­tä­tig­keit an der Orden­s­hoch­schule unter­rich­tete P. Titus Brandsma auch an ver­schie­de­nen ande­ren Lehr­an­stal­ten und war außer­dem täti­ges Mit­glied von meh­re­ren wis­sen­schaft­li­chen Kom­mis­sio­nen und Ausschüssen.“47
Nach Been­di­gung der Amts­zeit als Rek­tor kehrte P. Titus wie­der als Pro­fes­sor in die Hör­säle zurück. 48
Wis­sen­schaft­ler
P. Brandsma ent­wi­ckelte eine rege For­schungs­ar­beit. Er ließ in Nij­me­gen das Insti­tut für hol­län­di­sche Mys­tik grün­den. Dort errich­tete er eine beacht­li­che Samm­lung geist­li­cher Lite­ra­tur mit mehr als 16.000 Foto­ko­pien mit­tel­al­ter­li­cher Hand­schrif­ten zum Thema Mys­tik. Er konnte dadurch die weit ver­streu­ten Schätze alter geist­li­cher Lite­ra­tur zusam­men­füh­ren und deren Stu­dium erleich­tern. Wel­che Arbeit ihn allein das Suchen und Auf­spü­ren von ver­lo­ren gewähn­ten Doku­men­ten, wie viel müh­sa­mes Ver­glei­chen ihn das Ent­zif­fern die­ser Schrif­ten an Zeit gekos­tet hat, kann nicht abge­schätzt wer­den. Bei sei­nem Tode umfasste diese Biblio­thek schon 170 Bände mit 16.000 Fotokopien.“49
19 Jahre lang wid­mete er sich als Pro­fes­sor ins­be­son­dere der Mys­tik. Er orga­ni­sierte 3 Kon­gresse über nie­der­län­di­sche Mys­tik.
„Mys­tik ist die totale Begeg­nung des Men­schen mit Gott und Got­tes mit dem Men­schen. Sie ist nichts voll­kom­men Neues, son­dern eine Inten­si­tät der Gegen­wart Got­tes in jedem ein­zel­nen von uns… Gott, der Gegen­stand unse­rer Liebe, kann unsere Geis­tes­kräfte ganz in Beschlag neh­men und uns zur Hin­wen­dung zu sich zwingen.“50
Gerne gab P. Titus sein Wis­sen wei­ter und erteilte ande­ren Wis­sen­schaft­lern Aus­künfte aus sei­nem Wis­sen.
„Seine Hilfe wird mit einer Herz­lich­keit ange­bo­ten, die den Schein erregt, dass man ihm einen Dienst erweist, wenn man ihn um einen Dienst bittet.“51
Einer sei­ner Stu­den­ten berich­tete, dass P. Titus: „selbst sehr fas­zi­niert war von der Über­zeu­gung, dass Mys­tik zum ein­fa­chen Leben gehört und dass ein­fa­che Leute vom Geheim­nis des Lebens getrof­fen wer­den kön­nen, wenn sie dafür offen sind. Wenn Gott aus dem täg­li­chen Leben ver­schwin­det, dann bleibt nur Leere zurück, dann bewe­gen wir uns weg von uns selbst. Titus war der fes­ten Über­zeu­gung, dass Gott für kleine Leute in den ein­fa­chen Din­gen des täg­li­chen Lebens erreich­bar ist und bis­wei­len ganz nah erfah­ren wer­den kann… Er stand den Men­schen, denen er begeg­nete, ganz nahe. Er machte stets den Ein­druck, dass er nichts ande­res zu tun habe als zuzu­hö­ren, was du gerade gesagt hast. “52
Es gab auch Kri­ti­ker an sei­ner Arbeit. Man mun­kelte, er mute sich zu viel zu, sei sei­nen Pflich­ten als Pro­fes­sor nur man­gel­haft nach­ge­kom­men, habe als Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie zu wenig publi­ziert, und sein Finanz­ge­ba­ren sei fach­lich nicht aus­ge­reift. 53
Jour­na­list und Schrift­stel­ler
P. Titus wirkte neben der Tätig­keit an der Uni­ver­si­tät als Schrift­stel­ler und Jour­na­list. Er „ver­öf­fent­lichte in Zei­tun­gen und wis­sen­schaft­li­chen Zeit­schrif­ten eine nahezu unüber­seh­bare Fülle von Bei­trä­gen über Mys­tik und geist­li­ches Leben.“ 54 Auch zu gesell­schafts­po­li­ti­schen und ande­ren reli­giö­sen Fra­gen schrieb er.
„Seine Auf­sätze und Bei­träge waren sehr begehrt bei Lesern. Sie hat­ten eine große Leser­ge­meinde.“ 55
Der Ordens­mann sprach sich mit gro­ßer Klar­heit und Glau­bens­kraft für die Frei­heit der katho­li­schen Erzie­hung und der katho­li­schen Presse aus. Er nutze diese Tätig­keit für die Ver­brei­tung von Grund­satz­wis­sen gegen natio­nal­so­zia­lis­ti­sches Hei­den­tum. 56 (Wei­tere Infor­ma­tio­nen zur Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus wei­ter unten.)
Als stän­di­ger Mit­ar­bei­ter bei meh­re­ren Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten und auch als Redak­teur war er bekannt. Schon 1912, gleich nach Rück­kehr aus Rom, grün­dete er die katho­li­sche Monats­zeit­schrift „Car­mel­ro­zen“, schon 1912 hatte diese 12.000 Abon­nen­ten. 57 P. Titus Brandsma war einer der Grün­der und Mit­ar­bei­ter der Zeit­schrift „Ons Gee­ste­lijk Erf“ (Unser spi­ri­tu­el­les Erbe) und ab 01.05.1919 Chef­re­dak­teur der Lokal­zei­tung „De Stad Oss“. 58 In die­sen Jah­ren betei­ligte er sich auch an einer Über­set­zung der „Nach­folge Christi“ von Tho­mas von Kem­pen ins Frie­si­sche, einem Klas­si­ker der geist­li­chen Lite­ra­tur.
1938-1941 ver­öf­fent­lichte P. Titus wöchent­lich eine Kolumne in der Zei­tung „de Gel­der­lan­der“
Sein Enga­ge­ment galt dem Kampf in der Presse um Gleich­be­rech­ti­gung der Katho­li­ken im öffent­li­chen Leben in den Nie­der­lan­den, 59 aber auch einer guten Jour­na­lis­ten­aus­bil­dung. 60
Er regte die Erstel­lung einer katho­li­sche Enzy­klo­pä­die an und bear­bei­tete Teil­ge­biete. Er war auch Zen­sor ande­rer Autoren.61
1935 ernannte der Erz­bi­schof von Utrecht, De Jong, P. Titus Brandsma im Namen der nie­der­län­di­schen Bischöfe zum geist­li­chen Lei­ter des katho­li­schen Jour­na­lis­ten­ver­eins. 62 Diese Tätig­keit war umfang­reich und sehr bedeu­tend. Damals gab es in den Nie­der­lan­den 30 katho­li­sche Zei­tun­gen. Diese Auf­gabe brachte schließ­lich den letzt­lich töd­li­chen Kon­flikt mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus, der zur Ver­haf­tung führte.
P. Titus war neben­bei auch ein gefrag­ter Red­ner. „In fast allen gro­ßen und in sehr vie­len klei­nen Städ­ten des Lan­des hielt er Reden und Vor­träge über wis­sen­schaft­li­che, reli­giöse und soziale The­men“ 63
Erwähnt wer­den müs­sen auch seine Vor­träge, die er 1935 bei sei­ner Reise nach Irland und in die USA über monas­ti­sche und christ­li­che Spi­ri­tua­li­tät hielt.
Sons­ti­ges Enga­ge­ment:
Dar­über hin­aus wirkte P. Titus auf ver­schie­de­nen ande­ren Gebie­ten. Aktiv war er im kul­tu­rel­len, sozia­len, reli­giö­sen und öku­me­ni­schen Bereich. 64 Seine Ener­gie und Krea­ti­vi­tät beein­dru­cken, beson­ders wenn man bedenkt, dass der Ordens­mann mit den Pflich­ten des Ordens­le­bens und der Pro­fes­sur eigent­lich aus­ge­las­tet wäre. Meh­rere Stun­den ver­brachte er täg­lich im Gebet und in Medi­ta­tion.
Sein Herz schlug beson­ders für die Mis­sion. Gerne wäre er sel­ber in die Mis­sion gegan­gen. Gesund­heit­li­che Gründe stan­den dem jedoch ent­ge­gen.
Er orga­ni­sierte und lei­tete statt des­sen Missionswochen,65 Mis­si­ons­aus­stel­lun­gen, Tagun­gen und Kon­gresse für die Mis­sion und Umzüge in der Hei­mat. „Die bei­den gro­ßen Apos­tel der Nie­der­lande: der hl. Wil­li­brord und der hl. Boni­fa­tius, fan­den in ihm einen uner­müd­li­chen Eife­rer für ihre Ver­eh­rung. Dank sei­ner Mühen konnte Letz­te­ren ein Hei­lig­tum an sei­ner Mär­ter­stätte errich­tet wer­den. Nach lan­gem Suchen gelang es ihm, die katho­li­sche Uni­ver­si­tät mit einer kost­ba­ren Reli­quie ihres hei­li­gen Schutz­herrn, des hl. Rad­bo­tus, zu erfreuen.“ 66
Auch an der Grün­dung einer Schule in Indo­ne­sien wirkte er mit.
Katho­li­ken­tage, Kund­ge­bun­gen, Kon­gresse, über­all wirkte P. Titus Brandsma mit.
Damit nicht genug. Er erreichte die Errich­tung eines Herz-Jesu-Denkmals auf einem Platz der Stadt. 67, 68. „Den fei­er­li­chen Umzug die jähr­li­che „Maria Omdracht“ von „Onser lie­ven Vrouwe von Nij­me­gen“, der in die­ser Stadt bis zur Refor­ma­tion gehal­ten wurde, hatte er mit sei­ner Begeis­te­rung und Geschick­lich­keit wie­der zu neuem Leben erwe­cken kön­nen. Wie glück­lich war er, wenn am Drei­fal­tig­keits­tag diese pracht­volle Pro­zes­sion durch die geschmück­ten Stra­ßen der Stadt wie­der ein­mal glän­zend zu Ende gegan­gen war und Tau­sende von Teil­neh­mern der Got­tes­mut­ter ihre öffent­li­che Hul­di­gung gebracht hat­ten. Alle seine Sor­gen und Mühen waren damit reich­lich belohnt.“ 69
Gleich­zei­tig bemühte sich P. Titus um die Wie­der­ver­ei­ni­gung der Kir­chen. Die Öku­mene war ihm ein gro­ßes Anlie­gen. Er pflegte Freund­schaf­ten zu Ange­hö­ri­gen ande­rer Kon­fes­sio­nen, vor allem der öst­li­chen, und fun­gierte von 1926 an als Vize­prä­si­dent des Exe­ku­tiv­ko­mi­tees der Union. 70, 71
Die Grün­dung einer Stadt­bi­blio­thek 1921 in Oss ist ihm zu ver­dan­ken. Es war ihm gelun­gen, zu deren Finan­zie­rung eine Finanz­hilfe der Regie­rung zu bekom­men. Auch die Grün­dung der Han­dels­schule in der­sel­ben Stadt konnte er errei­chen.
1923 grün­dete er ein Lyzeum in Olden­zaal. 72
Ab 1917 unter­stützte er die Bewe­gung zum Schutz der frie­si­schen Spra­che und Kul­tur: Er erreichte die Ein­rich­tung von Lehr­stühle für frie­si­sche Spra­che an nie­der­län­di­schen Uni­ver­si­tä­ten und Frie­sisch als Unter­richts­fach an Grund­schu­len. Er erhielt dafür große Wert­schät­zung und konnte durch sein Enga­ge­ment die Vor­ur­teile gegen­über der katho­li­schen Kir­che abbauen. 73 Er grün­dete auch die „Gesell­schaft für Fries­land“. 74
Beson­ders mochte er den hei­li­gen Boni­fa­tius, der als Mis­sio­nar in Fries­land den Mär­ty­rer­tod gestor­ben war. Seine Ver­eh­rung för­derte er. 1925 orga­ni­sierte P. Titus Brandsma Aus­gra­bun­gen, danach den Bau eines Hei­lig­tums für den Hei­li­gen in Dok­kum. 1926 orga­ni­sierte er die erste Wall­fahrt Fries­lands zum Ort des Mar­ty­ri­ums des hei­li­gen Boni­fa­tius. 75
P. Titus war außer­dem ein akti­ves Mit­glied in der inter­na­tio­na­len katho­li­schen Esperanto-Vereinigung.

P. Titus war viel mit dem Zug unter­wegs zu Uni­ver­si­tä­ten, Wohl­fahrts­ver­bän­den, für Hilfs­ak­tio­nen und zu Aktio­nen gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus: „Titus Brandsma war der erste Mys­ti­ker auf dem euro­päi­schen Fest­land, der einen Fahr­plan der Eisen­bahn bei sich hatte.“ berich­tete God­fried Bomans. 76
1925 grün­dete P. Titus Brandsma die Union der Direk­tio­nen katho­li­scher Mit­tel­schu­len, deren Prä­si­dent er wurde. „In die­ser Funk­tion und als Vor­sit­zen­der des Ver­eins der Vor­ste­her der katho­li­schen mitt­le­ren Schu­len hatte er beson­ders in den letz­ten Jah­ren sei­nes Lebens viele Mühe und große Sor­gen“ 77, beson­ders als es zu Kon­flik­ten mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus kam.
Zusätz­lich zu allen die­sen vie­len Akti­vi­tä­ten unter­hielt P. Titus eine aus­ge­dehnte Kor­re­spon­denz. Er wid­mete sich zeit­rau­ben­der Bespre­chun­gen und emp­fing zahl­rei­che Besu­cher, die zu Bera­tun­gen zu ihm kamen 78
Nächs­ten­liebe und Seel­sorge
Trotz der vie­len und umfang­rei­chen Tätig­kei­ten hatte P. Titus Brandsma immer Zeit für Hil­fe­su­chende, die sich an ihn wand­ten. „Je unglück­li­cher sie waren, desto mehr Zeit schenkte er ihnen… Seine lie­bens­wür­dige Art zwang ihn, alles lie­gen und ste­hen zu las­sen und seine ganze Auf­merk­sam­keit auf den zu rich­ten, der im Klos­ter Rat und Hilfe suchte. “79
Stu­den­ten, Ordens­obere und viele andere kamen zu ihm, um ihn um Rat zu fra­gen. Seine kla­ren Ein­sich­ten hal­fen wei­ter.
Als gefrag­ter Rat­ge­ber und Seel­sor­ger ver­brachte er Stun­den im Sprech­zim­mer bis zur Erschöp­fung. Zahl­reich waren seine Hilfs­ak­ti­vi­tä­ten. Er sorgte für sozial Schwa­che, ver­half Stu­den­ten zu Sti­pen­dien und Arbeits­plät­zen.
Sein Motto war:
Sein Motto war: „…für Gott und für die Men­schen da sein.“80
Das war für ihn die logi­sche Kon­se­quenz aus dem stän­di­gen Leben in Got­tes Gegen­wart. Sein Vor­bild dabei war Maria, die Got­tes­mut­ter. „Wie Maria wollte er Chris­tus in selbst­lo­ser Liebe zu den Men­schen bringen.“81
„Wir Kar­me­li­ten müs­sen andere Marias, andere Theo­to­koi sein, auch in uns muss Gott gebo­ren wer­den. Auch bei Maria hat das Inne­woh­nen Got­tes zum demü­ti­gen und lie­be­vol­len Dienst an den Men­schen geführt; so muss auch unsere Ver­ei­ni­gung mit Gott sich in Wer­ken der Nächs­ten­liebe offenbaren.“82
„Dass diese enorme Akti­vi­tät des P. Titus, die sich auf die ver­schie­dens­ten Gebiete erstreckte, nicht zu einer Zer­split­te­rung sei­nes Lebens, nicht zu einer geist­li­chen Leere führte, ist nur dadurch erklär­lich, dass alle diese Ver­rich­tun­gen getra­gen und zusam­men­ge­hal­ten wur­den durch seine große Liebe zu Gott und den Menschen.“83
„Gleich sei­nem gro­ßen Leh­rer, dem Pro­phe­ten Elias, war aber P. Titus nicht nur ein Beter, son­dern aus dem Umgang mit Gott schöpfte er die Kraft und die Begeis­te­rung für seine apos­to­li­sche Tätigkeit.“84
„Pater Titus ist bes­ser als wir alle zusam­men. Er geht vor­über wie ein Sonnenstrahl.“85 wurde über ihn gesagt. „Sein Kon­takt öff­net die Her­zen, bewirkt Ver­trauen und führt zu Gespräch und Aus­spra­che. Nie­mals sieht man ihn unfreund­lich, nie­mals streng. Er zeigt sei­nen Mit­men­schen die wahre Hei­lig­keit, die nicht läs­tig ist, son­dern tiefe Freude und wah­res Glück bringt.“86
„Die Armen der Stadt kann­ten ihn gut; sie wuss­ten: von ihm geht man nicht mit lee­ren Hän­den fort.“87 „Er war zu allen gütig und hilfs­be­reit.
„Sei­nen Kol­le­gen von ande­ren Uni­ver­si­tä­ten, die seine große Bele­sen­heit in der mit­tel­al­ter­li­chen geist­li­chen Lite­ra­tur kann­ten und gerne eine Aus­kunft von ihm haben woll­ten, stand er mit größ­ter Bereit­wil­lig­keit zu Gebote. Aber mit der glei­chen Bereit­wil­lig­keit hörte er den Dar­le­gun­gen einer alten, etwas exzen­tri­schen from­men Dame zu, die eigent­lich gar kei­nen Rat oder keine Hilfe brauchte, aber sich schon neu gestärkt und getrös­tet fühlte, wenn sie sich wie­der ein­mal so rich­tig hatte aus­spre­chen kön­nen.
Ein Uni­ver­si­täts­kol­lege schil­derte seine Hilfs­be­reit­schaft mit fol­gende Wor­ten:
„Seine Hilfe wird mit einer Herz­lich­keit ange­bo­ten, die den Schein erregt, dass man ihm einen Dienst erweist, wenn man ihn um einen Dienst bittet.“88
„Seine Stu­den­ten bespra­chen mit ihm nicht nur ihre Stu­di­en­an­ge­le­gen­hei­ten, son­dern auch ihre sons­ti­gen Sor­gen und Schwie­rig­kei­ten. Seine Kol­le­gen besuch­ten ihn, wenn sie mein­ten, dass er ihnen auf die­sem oder jenem Gebiete behilf­lich sein könnte, seine Ordens­obe­ren wand­ten sich an ihn, wenn ein schwie­ri­ger Fall vor­lag oder große Pläne aus­ge­führt wer­den muss­ten. Zu ihm kamen: die­je­ni­gen, die sich für die geist­li­che Lite­ra­tur des Mit­tel­al­ters oder die Haupt­per­so­nen der »Devo­tio moderna« (geis­tige Bewe­gung in Mit­tel­al­ter) inter­es­sier­ten, um einen Fin­ger­zeig für geeig­ne­tes Stu­di­en­ob­jekt zu bekom­men; Ver­fas­ser von geist­li­chen Büchern, um ein Vor­wort oder eine Durch­sicht ihrer Bücher zu erbit­ten; Obere reli­giö­ser Genos­sen­schaf­ten um Rat zu suchen wegen einer beab­sich­tig­ten Ände­rung ihrer Kon­sti­tu­tio­nen; Lei­ter von Anstal­ten und Schu­len einer Beleh­rung wegen oder um ihn zu bit­ten, er solle ein gutes Wort beim Unter­richts­mi­nis­te­rium für sie einlegen.“89
„Die eigent­li­che Seel­sorge nimmt zwar in sei­nem Leben nur einen ver­hält­nis­mä­ßig klei­nen Platz ein. Aber nach sei­ner Auf­fas­sung soll ein Pries­ter keine Beschäf­ti­gung zurück­wei­sen, wenn er sich bei allen Arbei­ten auch wirk­lich als Pries­ter zeigt.
„Auf alle unsere Arbei­ten muss der Stem­pel der Liebe, der lei­den­schaft­li­chen Liebe zu Jesus geprägt sein“, 90
Gerade weil er dies selbst in hohem Maße ver­stan­den hat, war seine Tätig­keit so erfolg­reich und apostolisch.“91
P. Titus Brandsma war ein belieb­ter Beichtvater.92 Da er Ita­lie­nisch, Deutsch und Eng­lisch sprach, wurde er oft zur Beichte geru­fen. 93
Allen Men­schen wollte P. Titus Brandsma sehr nahe sein. Er scheute sich nicht, auch kon­krete Hilfe zu leis­ten. „…er ver­stand die Kunst, jeden zu sei­nem wah­ren Freund zu machen. Beein­dru­ckend war seine Lauterkeit.“94
„Unser gelieb­ter Bru­der in Chris­tus ist wirk­lich ein Mys­te­rium der Gnade“, 95 wurde über ihn gesagt.
„Unter sei­nen vie­len guten Eigen­schaf­ten war seine freund­li­che Bereit­wil­lig­keit sei­nen Mit­men­schen zu hel­fen sicher­lich die her­vor­ra­gendste. Gerade diese Eigen­schaft hat ihn so bekannt und beliebt gemacht, gerade diese Eigen­schaft hat ihm sofort nach sei­nem Tode den Ruf eines Hei­li­gen ein­ge­bracht.“
„Jeder, der ihn noch gekannt hat, erin­nert sich sei­ner als einen lie­bens­wer­ten Men­schen, der
immer und für alle da war. Seine tiefe Fröm­mig­keit und Ver­wur­ze­lung im Kar­mel gaben ihm die Kraft für sei­nen uner­müd­li­chen Einsatz.“96
„Schon früh zeigte sich diese herz­ge­win­nende Dienst­fer­tig­keit, die­ses Mit­le­ben und Mit­füh­len mit ande­ren, und es muss wohl auch eine natür­li­che Ver­an­la­gung dazu bei ihm vor­han­den gewe­sen sein. Aber unter der Ein­wir­kung der gött­li­chen Gnade und durch stän­dige Übung ist diese natür­li­che Tugend zur fein­füh­len­den, christ­li­chen Nächs­ten­liebe aus­ge­reift.“
Unsere Liebe muss sprich­wört­lich sein, Wir sol­len uns von nie­man­dem an Liebe über­tref­fen las­sen. – Wir müs­sen dar­auf­hin arbei­ten, unse­ren Mit­men­schen zu hel­fen. – Unsere Gegen­wart irgendwo muss für die ande­ren eine Lust, ein Fest, einen Trost bedeu­ten.“97
Mit sol­chen Wor­ten ermun­terte er seine Mit­brü­der es ihm gleich zu tun. 98
„Natür­lich kam die Lin­de­rung der geist­li­chen Nöte sei­ner Mit­men­schen an ers­ter Stelle. Sei­ner gan­zen Lebens­hal­tung wegen ist es fast unmög­lich, zwi­schen sei­nen leib­li­chen und geist­li­chen Wer­ken der Barm­her­zig­keit eine scharfe Tren­nungs­li­nie zu zie­hen. Meis­tens waren beide mit­ein­an­der ver­bun­den. Es ist über­haupt schwer, in einer über­sicht­li­chen Dar­stel­lung zu zei­gen, wie und in wel­chem Umfang er die christ­li­che Nächs­ten­liebe geübt hat, denn seine Werke waren in ihrer Art und Bedeu­tung so ver­schie­den, wie die mensch­li­chen Bedürf­nisse und Nöte ver­schie­den sein können.“99
Einige Bei­spiele sei­ner Hilfs­be­reit­schaft möchte ich erzäh­len:
„…für den Mann, der in der Innen­stadt von Nij­me­gen sich abmühte, einen Hand­kar­ren den Hügel hin­auf­zu­schie­ben: Titus warf seine Tasche voll Gelehr­sam­keit auf den Kar­ren und half. …Für die Arbeits­lo­sen, denen er wei­ter zu hel­fen ver­suchte; für die Leute, denen er half, For­mu­lare auszufüllen…“100
Selbst noch 2 Tage vor sei­ner Ver­haf­tung half P. Titus einem arme­ni­schen Jun­gen, einen Asyl­an­trag aus­zu­fül­len. 101
„Er erschien regel­mä­ßig an den Schal­tern des Sozi­al­am­tes der Gemeinde. Er machte auch Jagd auf Sti­pen­dien. Für arme Stu­den­ten bet­telte er Unter­stüt­zung zusam­men. Wenn es darum ging, für Hoch­schul­ab­sol­ven­ten einen Platz im Leben zu fin­den, war kei­ner so aktiv wie er. Im Minis­te­rium war er all­mäh­lich stän­di­ger Gast gewor­den. Und wenn es nicht so schnell von stat­ten ging, wie er selbst wollte, ließ er sich auch noch aus­schimp­fen von dem Mann, für den er sich so viel Mühe gab.“102 P. Titus nahm sich auch des Schick­sals der Witwe eines Musi­kers an.103
„Ein­mal ver­schenkte er sogar seine Bett­de­cke einem frie­ren­den Bettler.“104
„Viele Men­schen kamen zu ihm, weil sie in ihm den ech­ten Got­tes­mann erkann­ten, weil sie seine klare Ein­sicht oder sei­nen Ein­fluss zu schät­zen wuss­ten, aber viele kamen auch nur des­halb zu ihm, weil sie wuss­ten, dass er gütig und hilfs­be­reit war. Wenn gesagt wird, er hätte ein­mal oder zwei­mal in sei­nem Leben eine Bitte ohne zwin­gen­den Grund abge­schla­gen, so wür­den die­je­ni­gen, die ihn wirk­lich gekannt haben, es nicht glau­ben. Es ist schon gesagt wor­den, er könne ein­fach nicht »nein« sagen, und man hat ihn damit eigent­lich als eine Art Tropf hin­ge­stellt. Das ist aber grund­falsch, P. Titus konnte schon »nein« sagen, und er hat es in sei­nem Leben auch oft genug ganz ener­gisch mit einem hel­len Auf­blit­zen sei­ner Augen getan, aber nur dann, wenn die Ehre Got­tes oder das Heil einer Seele gefähr­det war. Er war her­zens­gut und in unbe­schränk­ter Weise hilfs­be­reit, aber zugleich auch, und das deu­tet auf die Echt­heit sei­ner Tugend, vol­ler Ener­gie und Ausdauer.“105

Geist­li­ches Leben
Sein Leben war geprägt von Gebet, Medi­ta­tion, Chor­ge­bet und Betrach­tung, wie es in der Kar­mel­tra­di­tion üblich ist. Das war für P. Titus Brandsma nicht nur Pflicht, „son­dern das Beglü­ckende sei­nes Umgangs mit Gott strahlte auf seine Umge­bung aus.“106 Er war erfüllt von tie­fer inne­rer Ruhe, die Aus­druck sei­ner in Gott ruhen­den Seele war, sei­nes Wan­dels in Got­tes Gegen­wart.
Zu sei­nem geist­li­chen Leben gehörte auch Gehor­sam und ein Leben der Abtö­tung und der Armut. Daran reifte P. Titus, die­ser vom Orden vor­ge­ge­bene Weg war sein Weg zur Ver­ei­ni­gung mit Gott.107
„..er wusste, dass… die Beob­ach­tung der Ordens­vor­schrif­ten dazu das geeig­nete Mit­tel war. Hierin lagen dann auch tat­säch­lich die Stärke und der Schwer­punkt sei­nes geist­li­chen Lebens. Beson­dere Fröm­mig­keits­übun­gen, strenge Buß­werke oder andere auf­fäl­lige Dinge sind von ihm nicht bekannt, aber sein Eifer im täg­li­chen Kom­mu­ni­täts­le­ben war vor­bild­lich. Der Regel zu fol­gen war ihm Her­zens­be­dürf­nis. Kei­ner sei­ner mit ihm zusam­men­le­ben­den Mit­brü­der hatte jemals den Ein­druck, dass das gemein­same Chor­ge­bet, die Betrach­tung oder sons­tige geist­li­che Übun­gen für ihn nur eine Pflicht waren, die er erfül­len musste, son­dern das Beglü­ckende sei­nes Umgangs mit Gott strahlte auf seine Umge­bung aus. Diese Liebe zum „Vita regu­la­ris et com­mu­nis‘ ließ es bei ihm auch nicht zu, trotz lau­fen­der gro­ßer Arbeits­über­häu­fung Dis­pense oder Aus­nah­men von sei­nen Obe­ren zu erbit­ten. Er wollte Bru­der unter Brü­dern sein, auch wenn er dafür bis in die Nacht stu­die­ren und arbei­ten musste.“108
Aus sei­nem Glau­ben und der tie­fen Got­tes­be­zie­hung schöpfte P. Titus Brandsma Kraft, inne­ren Frie­den und Freude, die auch andere spü­ren konn­ten. „Die Lebens­freude des P. Titus ist die Freude über die Liebe Got­tes, die sich in der Hal­tung jedes ein­zel­nen Men­schen kund tut…“109
Eine große Liebe zu hei­li­gen Eucha­ris­tie prägte P. Titus. „Er fei­ert  die hl. Mys­te­rien mit einer tie­fen Andacht und Fröm­mig­keit… Dies ist der Grund sei­ner maß­lo­sen Liebe zu den Men­schen. Für jeden ist er da …“110
Über die Mor­gen­messe sagte er sel­ber:
„das sind die schöns­ten Minu­ten für mich am Tag, …inti­mer mit Gott ver­ei­nigt zu sein als in sei­nem Auf­trag sein Opfer zu fei­ern und sei­nen Leib zu essen, ist unmöglich.“111
Er sagte: „Die Eucha­ris­tie ist die Kraft, die ihnen erlaubt zur Kon­tem­pla­tion zu gelangen….Wieder zu Kräf­ten gekom­men, durch die Eucha­ris­tie, bemüht sich der Kar­me­lit, wäh­rend er die Wüste die­ser Welt durch­quert, den Horeb der Beschau­ung zu errei­chen. Obwohl die Auf­gabe schwer ist, ist es sein Bestre­ben, sei­nem Vater bis dort­hin zu fol­gen. Die­ses Ideal zu ver­wirk­li­chen, ist ohne eine freie Gabe Got­tes unmöglich.“112
Sein Apos­to­lat und seine Arbeit zeug­ten von sei­nem rei­chen spi­ri­tu­el­len Leben, von dem er aber nie direkt sprach.
Zitate las­sen uns aber ahnen, wie tief er in der Spi­ri­tua­li­tät des Kar­mels ver­wur­zelt war und wie sehr der Orden seine eigene Spi­ri­tua­li­tät prägte:
„Nicht nur der Weg der Rei­ni­gung und der Weg der Erleuch­tung, son­dern auch der Weg der Ver­ei­ni­gung und der ein­ge­gos­se­nen Beschau­ung sind deut­lich vor­ge­stellt als zu errei­chen­des Ziel, die Absicht, die man ver­fol­gen soll, das zu rea­li­sie­rende Ideal, wenn auch die Ver­ei­ni­gung und diese Teil­nahme am himm­li­schen Leben zu glei­cher Zeit als „reine Gabe Got­tes“ bezeich­net wer­den.“
„Für den Kar­mel wäre es aber viel­mehr die voll­kom­mene Hin­gabe an die Kon­tem­pla­tion: es darf ledig­lich unter­bro­chen wer­den durch die Not­wen­dig­keit, dass es nötig ist, zu den Leu­ten zu gehen und ihnen von Gott zu reden. Ein­zig die Liebe zum Nächs­ten oder der Gehor­sam kön­nen Gründe sein, Gott um der Sache Got­tes wil­len zu ver­las­sen.“
„Gerade die Ein­sam­keit ist für den Kar­mel der Aus­druck der Wel­t­ent­sa­gung und der Gott­zu­ge­hö­rig­keit.“
„…Gebet ist die wich­tigste Auf­gabe der Kar­me­li­ter; die Kar­me­li­ter sol­len das kon­tem­pla­tive Leben hüten wie einen Schatz und, das aktive Leben soll ihm kein Hin­der­nis sein.“
„Das Lesen der Hei­li­gen Schrift, die das Gesetz Got­tes ist, soll uns beson­ders mit Jubel dar­über erfül­len, dass Gott durch seine Gnade in uns wohnt und dass wir vor­an­schrei­ten kön­nen wie Rie­sen, ent­fes­selt durch die reine Liebe und durch die Freude, die uns unsere Aus­er­wäh­lung, ganz über alle unsere stren­gen Ver­pflich­tun­gen hin­aus, ver­ur­sacht. Das Gebet ist kei­nes­wegs eine Oase in der Wüste des Lebens; es ist das ganze Leben.“113
Wie in der Spi­ri­tua­li­tät des Kar­mels üblich, waren die Got­tes­mut­ter Maria und der Pro­phet Elija seine Vor­bil­der. Er „ver­suchte in ihrem Vor­bild sein Leben zu gestalten“114.
„Die roten Rosen“, so sagt P. Titus in einer sei­ner Schrif­ten, „win­den sich den Berg Kar­mel hin­auf, über seine Höh­len und Grot­ten und umge­ben ihn wie mit einem feu­ri­gen Gür­tel. Die roten Rosen sind das Sym­bol der Liebe, die in Elias und in sei­nen Schü­lern brennt.“ Auch in die­sem Sinne war er selbst ein wah­rer Schü­ler des gro­ßen Pro­phe­ten. Er liebte Gott, und er liebte seine Nächs­ten, oder bes­ser gesagt, er liebte Gott in Sei­nen Geschöp­fen, beson­ders aber in den Men­schen.“ 115
Maria, die Mut­ter Got­tes
P. Brandsma war von einer kar­me­l­i­ta­ni­schen Mari­en­fröm­mig­keit geprägt. Auch gerade des­we­gen hatte er sich für den Kar­me­li­ter­or­den ent­schie­den. Nach sei­nem Ein­tritt wurde sein lie­be­vol­les Ver­hält­nis zur Got­tes­mut­ter und das Ver­ständ­nis ihrer Bedeu­tung für den Kar­mel immer tie­fer.
„Unser Orden ist ganz maria­nisch“, erklärte er.
„Nächst der Nach­folge des Elias muss die Nach­folge der Got­tes­mut­ter das Leben eines jeden Kar­me­li­ten bestimmen.“116
„Wir Kar­me­li­ten müs­sen andere Marias, andere Theo­to­koi sein, auch in uns muss Gott gebo­ren wer­den. Auch bei Maria hat das Inne­woh­nen Got­tes zum demü­ti­gen und lie­be­vol­len Dienst an den Men­schen geführt; so muss auch unsere Ver­ei­ni­gung mit Gott sich in Wer­ken der Nächs­ten­liebe offen­ba­ren.“ 117, 118
Diese Über­zeu­gung prägte sein Leben. „In alten Büchern und Doku­men­ten hatte er gele­sen, dass alles, was die Regel vor­schreibt, bereits viel frü­her von der Got­tes­mut­ter mit höchs­ter Liebe und Hin­gabe geübt wor­den war. Die Beob­ach­tung der Regel und der Kon­sti­tu­tio­nen muss also die beste Grund­lage für die Nach­folge sein. Durch vor­bild­li­che Treue in die­ser Beob­ach­tung gab er sei­ner Mari­en­nach­folge die­ses feste Fun­da­ment. Die hei­ligste Jung­frau ist aber nicht nur das leuch­tende Vor­bild, sie ist auch die Schutz­her­rin, die Mut­ter, die hel­fen kann und hel­fen will. Diese Mut­ter rief P. Titus mit größ­tem Ver­trauen an und ver­ehrte sie mit einer kind­li­chen Liebe. Wo immer die Gele­gen­heit sich bot, da war es ihm eine Freude und eine Ehre, über sie zu spre­chen, ihr Lob zu verkünden.“119
„Wenn seine Stel­lung im Klos­ter es ermög­lichte, drängte er bei sei­nen Mit­brü­dern dar­auf, die Vor­schrif­ten für die Ver­eh­rung der Got­tes­mut­ter doch mit größ­ter Genau­ig­keit zu erfül­len. Jedem Kar­me­li­ten sollte es eine Ehren­sa­che sein, an den Sams­ta­gen dem Mut­ter­got­te­s­amt und der Salve-Andacht bei­zu­woh­nen und sich um deren fei­er­li­che Gestal­tung zu sor­gen. Alle Mit­brü­der wuss­ten, wie sehr er sich freute, wenn er selbst an Sams­tag oder an ande­ren Mut­ter­got­tes­ta­gen das Hoch­amt hal­ten durfte. Wie kind­lich seine Muttergottes-Liebe war, geht wohl sehr deut­lich aus einer Beschrei­bung sei­ner Gefäng­nis­zelle [in der Gefan­gen­schaft im Gefäng­nis Sche­ve­nin­gen Anmer­kung des Verf.] her­vor. Er erzählt, wie er sich mit den pri­mi­tivs­ten Mit­teln ein Altär­chen gemacht und dar­auf drei Bild­chen aus sei­nem Bre­vier befes­tigt hat, in der Mitte das Bild des gött­li­chen Hei­lan­des, an den Sei­ten das der hl. The­re­sia und das des hl. Johan­nes vom Kreuz. Dann fährt er fort: »Ich hatte in mei­nem Bre­vier kein Bild­chen der Got­tes­mut­ter, den­noch gehört ihr Bild­nis in die Zelle eines Kar­me­li­ten. Auch hier habe ich mir hel­fen kön­nen. Der Teil des Bre­viers, den wir jetzt gebrau­chen und den man mir glück­li­cher­weise gelas­sen hat, ent­hält vorne eine präch­tige Abbil­dung der
Kar­mel­ma­donna von Freiin von Oer. Jetzt steht mein Bre­vier weit geöff­net auf dem obe­ren der bei­den Eck­brett­chen zur lin­ken Seite über mei­nem Bett. Am Tische sit­zend, brau­che ich nur eben nach rechts zu schauen, und ich sehe ihr schö­nes Bild, Wenn ich im Bette liege, fällt mein Auge zuerst auf die Madonna mit dem Stern, die Spes omnium Car­me­l­i­tarum, die Hoff­nung aller Karmeliten.“120
Auch die hei­lige The­resa von Avila war in P. Titus Brands­mas Leben von gro­ßer Bedeu­tung.
Diese große Hei­lige des Kar­mel beein­druckte und prägte ihn schon seit sei­nem Novi­ziat. Schon damals über­setzte und ver­öf­fent­lichte er aus ihren Schrif­ten. An sei­nem Lebens­ende schrieb er noch im Gefäng­nis an einem Buch über sie.
P. Brandsma ver­öf­fent­lichte einen Aus­wahl­band mit ihren Schrif­ten. Dazu über­setzte er Texte neu, auch unter Mit­hilfe von Mit­brü­dern.
Mys­tik:
Alles in sei­nem Leben geschah, aus tie­fer Inner­lich­keit. P. Titus Brandsma spürte, dass der Mensch oft zu kurz kommt. Er war „ein Mys­ti­ker im vol­len Leben, der ruhig und den­noch ruhe­los sein konnte aus einer inne­ren Ein­heits­er­fah­rung her­aus. Aus ihm strahlte eine innere mys­ti­sche Erfah­rung durch“121
„Wenn er über die Geschichte der Mys­tik sprach, fühlte man, dass vie­les davon am eige­nen Leib erfah­ren war.“122
„Er besitzt einen rei­chen mil­den Grund, der in Got­tes Reich­tum gefes­tigt ist. Darum spürt er das Ver­lan­gen, sich unauf­hör­lich allen zu schen­ken, die ihn nötig haben; denn sein Reich­tum besteht im leben­di­gen Quell des Hei­li­gen Geis­tes, den man nie­mals völ­lig aus­schöp­fen kann…. So besitzt er ein gehei­mes Leben, denn Schauen und Arbei­ten lie­gen ihm gleich nah, und in bei­den ist er vollkommen.“123
„Ein wei­te­res Wesens­merk­mal sei­ner von Natur aus beweg­li­chen und betrieb­sa­men Per­sön­lich­keit war eine tiefe innere Ruhe, von der er erfüllt war, und die sich auch auf seine Umge­bung aus­wirkte. Das war der Aus­druck sei­ner in Gott ruhen­den Seele, sei­nes Wan­dels in der Gegen­wart Got­tes. Dar­aus lässt sich auch nur erklä­ren, dass er so leicht von anstren­gen­den Arbei­ten oder nach der Rück­kehr von einer ermü­den­den Reise den Über­gang zum Gebet und zur Betrach­tung fand. Über seine eigene per­sön­li­che Gebets­be­geg­nung mit Gott, über sei­nen Ver­kehr mit Ihm, hat P, Titus, mit einer ein­zi­gen Aus­nahme, nichts Schrift­li­ches hin­ter­las­sen. Das ist begreif­lich, denn es han­delt sich hier um den kaum for­mu­lier­ba­ren inners­ten Bereich des Men­schen, in dem sich diese Begeg­nung vollzieht.“124
„Wir sind nicht dazu beru­fen, im öffent­li­chen Leben groß­ar­tige, auf­fal­lende und leb­haft bespro­che­nen Dinge zu tun. Das wäre gegen die Ein­fach­heit, wie wir (Kar­me­li­ten) sie prak­ti­zie­ren wol­len. Aber es ist doch unsere Pflicht, die gewohn­ten Dinge auf groß­ar­tige Weise zu tun. Das heißt: mit einer lau­te­ren Inten­tion und dem Ein­satz unse­rer gan­zen Per­sön­lich­keit. Wir ver­lan­gen nicht, vorne an zu ste­hen und beju­belt zu wer­den wegen Leis­tun­gen, von denen die Men­schen der Welt eine hohe Mei­nung zu haben pfle­gen. Wir möch­ten auf­fal­len durch unsere Ein­fach­heit und unsere Aufrichtigkeit.“125
Als aus­ge­wie­se­ner Fach­mann für Mys­tik fuhr er am 20.01.1931 (nach einer ande­ren Quelle im Okto­ber 1930, 126) nach Bay­ern, um The­rese Neu­mann in Kon­ners­reuth zu besu­chen. P. Titus konnte die Wund­male der Mys­ti­ke­rin sehen und war bei ihren Visio­nen des Lei­dens Jesu anwe­send. Sein Anlie­gen war zu prü­fen, ob diese Mys­tik echt sei.
Danach erklärte er, jede Sen­sa­ti­ons­sucht rela­ti­vie­rend:
„Durch diese Wun­der erwar­tet die Kir­che keine Bestä­ti­gung auf Erden …Ich bin in Kon­ners­reuth fast unge­rührt geblie­ben von den Stig­mata, den blu­ti­gen Trä­nen und selbst von der Nah­rungs­ent­beh­rung der The­rese.  Aber tie­fen Ein­druck hat auf mich die Tat­sa­che gemacht, dass ein Mensch sich so ganz an Gott hin­ge­ben kann und mit Ihm so innig zu leben vermag.“127, 128
In einer Anspra­che vor der Ärz­te­ver­ei­ni­gung äußerte sich P. Brandsma gleich­lau­tend:
„Wir haben den Schatz des Glau­bens. Die­ses gött­li­che Wort über­steigt alle Erschei­nun­gen und Visio­nen.“
Wie­der­holt sprach P. Brandsma spä­ter über The­rese von Kon­ners­reuth.
Lei­dens­mys­tik:
P. Brandsma war sehr zurück­hal­tend gegen­über beson­de­ren Phä­no­me­nen. Ihm genügte das Beja­hen des „zuge­fal­le­nen Leids“ 129 . Das ent­sprach auch sei­ner per­sön­li­chen Spi­ri­tua­li­tät.
Im fol­gen­den fin­den Sie eine Zita­ten­samm­lung von und über Titus Brandsma und seine Lei­dens­mys­tik.
„Wir haben die Pflicht, mit Chris­tus zu lei­den. Gott ist aber mehr mit dem Opfer unse­res Geis­tes als mit der Hin­gabe unse­res Lei­bes gedient…“130
„Die Mys­tik des Lei­dens ist seine Vor­liebe. …Er sieht im Leid die große Chance des Men­schen.“ 131
„Die Lei­dens­mys­tik war eines der The­men, die er in sei­nen Ver­le­sun­gen mit Vor­liebe behan­delte. Auch für wis­sen­schaft­li­che und reli­giöse Ver­eine sprach er des Öfte­ren über den Wert des Lei­dens, das in Ver­ei­ni­gung mit Chris­tus getra­gen wird. Er sprach dabei über etwas, das er aus eige­ner Erfah­rung kannte. Wie schon am Anfang erwähnt, war er kör­per­lich schwach. Vier­mal in sei­nem Leben erlitt er eine Magen­blu­tung, die ihn zwei­mal in mit­tel­bare Lebens­ge­fahr brachte. Sein gan­zes Leben hin­durch machte die­ser emp­find­li­che Magen ihm viel zu schaf­fen. Zwei­mal musste er sich einer Lum­bal­punk­tion unter­zie­hen, die ihm nicht nur große Schmer­zen ver­ur­sachte, son­dern ihn auch wirk­lich krank machte. Kla­gen hörte man ihn nicht, er machte sich nur Sor­gen um die Arbei­ten, die lie­gen blei­ben muss­ten, und um die finan­zi­el­len Las­ten, die er dem Klos­ter mit sei­nen vie­len Krank­hei­ten auf­er­legte. Beson­ders in den letz­ten Jah­ren litt er ernst­lich an einer durch Coli-Bakterien ver­ur­sach­ten Infek­tion… Doch Gott wollte ihn durch noch grö­ßere Lei­den näher an Sich her­an­zie­hen.“ 132
„So gut wie andere hat er Kreuz und Leid gekannt, nur ver­stand er es bes­ser als die meis­ten von uns, seine Kreuze durch sein hei­te­res Wesen zu ver­ber­gen. P. Titus hat schmerz­volle Stun­den durch­lebt, Magen­blu­tun­gen (4 x im Leben) Ner­ven­läh­mun­gen, Bla­sen­ent­zün­dung, 2 x unmit­tel­bare Lebens­ge­fahr. Große, kör­per­lich Schmer­zen. Ohne Kla­gen! Er sorgt sich nur um seine Arbeit, die lie­gen blei­ben muss… weil man ihm mit irgend­wel­chen For­de­run­gen das Leben schwer machte, weil die Sor­gen über die Sün­den eines Freun­des ihn betend nach einer Ant­wort oder einem guten Rat suchen lassen.“133
„Seine Bereit­schaft für Opfer und Leid ist wohl die Frucht sei­ner tie­fen Liebe zu Gott.“
„Wir müs­sen große Ehr­furcht vor dem Lei­den haben, denn das Lei­den ist etwas Hei­li­ges. Jesus selbst hat das Leid, das seit Adams Sünde als Fluch auf der Mensch­heit lag, zu einem Segen gemacht. Er hat sich sei­nem himm­li­schen Vater als Schlacht­op­fer für uns alle ange­bo­ten. Der Vater hat sein fiat gespro­chen und ver­langt nun von uns, die wir durch Jesu Blut los­ge­kauft wur­den, dass wir nicht über das Leid mur­ren. Leid ver­dient unsere Liebe und Hochachtung…das Leid, das wir froh­ge­mut auf uns neh­men, schenkt uns die Gewiss­heit, dass Jesu Erlö­sungs­werk für uns nicht umsonst war.“134
„Er stellt einige Beweise auf, um uns zu zei­gen, wes­halb wir das Lei­den nicht scheuen dür­fen, son­dern es dank­bar anneh­men müs­sen. Das Lei­den ist näm­lich ein wun­der­ba­res Mit­tel, um Gott zu ehren, um unsere eigene Per­sön­lich­keit zu ver­voll­komm­nen und um Mit­men­schen zu die­nen… An ers­ter Stelle wird durch unser hel­den­mü­tig getra­ge­nes Lei­den Gott gedient. Wir neh­men an dem Opfer der Mensch­wer­dung teil und die­nen dem Vater durch das Opfer unse­rer selbst. …“135
„Die Nach­folge Christi ist ohne opfer­be­reite Beja­hung des Lei­dens unmög­lich“, erklärte P. Brandsma. „Die rei­ni­gende Kraft des Lei­dens sol­len wir nicht nur beja­hen, son­dern auch lie­ben, denn es ver­ei­nigt uns mit Chris­tus. Gott zieht uns durch Lei­den zu sich“.136
„Jesus hat selbst gesagt, dass er das Haupt des mys­ti­schen Lei­bes ist, des­sen Glie­der wir sind. Er ist der Wein­stock, wir sind die Reben. Er hat sich auf der Kel­ter aus­ge­streckt und sie bedient. So hat er uns den Wein gege­ben, damit wir, wenn wir ihn trin­ken, von sei­nem Leben leben und an sei­nen Lei­den teil­ha­ben. Wer mein Jün­ger sein will, der nehme täg­lich sein Kreuz auf sich. Wer mir nach­folgt, wird das Licht des Lebens haben. Ich bin der Weg. Ich habe euch ein Bei­spiel gege­ben, damit auch ihr so han­delt, wie ich an euch gehan­delt habe. Und da seine Jün­ger von sich aus nicht ver­stan­den, dass sein Weg ein Weg des Lei­dens sein musste, erklärte er es ihnen so: Muße nicht der Mes­sias all das erlei­den, um so in seine Herr­lich­keit zu gelan­gen?
Da brannte den Jün­gern das Herz in der Brust. Das Wort Got­tes begeis­terte sie. Und als der Hei­lige Geist auf sie herab kam wie gött­li­ches Feuer, das sie in Brand setzte, da freu­ten sie sich, Ver­ach­tung und Ver­fol­gung erlei­den zu dür­fen, denn so waren sie dem ähn­lich, der ihnen auf dem Weg des Lei­dens vor­aus­ge­gan­gen war. Schon die Pro­phe­ten hat­ten den Lei­dens­weg Christi ange­kün­digt, und die Jün­ger ver­stan­den auf ein­mal, dass er ihn sich nicht erspart hatte. Von der Krippe bis zur Mar­ter am Kreuz waren Armut und Unver­ständ­nis sein Los. Er hatte sein Leben damit zuge­bracht, die Men­schen zu leh­ren, dass Gott Leid, Armut, Unver­ständ­nis der Men­schen anders sieht, als es die Tor­heit mensch­li­cher Weis­heit tut. Auf die Sünde musste das Lei­den fol­gen, so dass, durch das Kreuz, die ver­lo­rene Herr­lich­keit und das Leben des Men­schen durch Gott wie­der­er­langt würde. Lei­den ist der Weg zum Him­mel. Im Kreuz ist Heil. Und das Kreuz ist der Sieg. Gott hat es so gewollt. Er selbst nahm die Pflicht des Lei­dens im Hin­blick auf die Herr­lich­keit der Erlö­sung auf sich. Der hl. Pau­lus macht uns deut­lich, wie alles Unheil sei­nes irdi­schen Lebens unbe­deu­tend ist, wie es als nich­tig und ver­gäng­lich betrach­tet wer­den muss im Ver­gleich mit der Herr­lich­keit, die uns offen­bar wer­den wird, wenn die Zeit des Lei­dens ver­gan­gen ist und wir Got­tes Herr­lich­keit schauen.
Maria, die alle Worte Got­tes in ihrem Her­zen bewegte, ver­stand in der Fülle der Gnade, die ihr gewährt wurde, den gro­ßen Wert des Lei­dens. Als die Apos­tel flo­hen, ging sie, um den Erlö­ser auf dem Weg zum Kal­va­ri­en­berg hin­aus zu sehen und stand unter dem Kreuz, um sei­nen Gram und seine Schande bis zum Ende zu tei­len. Und sie trug ihn zum Grab, in der fes­ten Über­zeu­gung, er werde auf­er­ste­hen.
Es wider­strebt uns, wenn er uns den Kelch des Lei­dens reicht. Es ist so schwer für uns, uns dem Lei­den zu erge­ben. Sich daran zu erfreuen erscheint uns hero­isch. Was ist das Opfer unse­rer selbst wert, wenn wir uns an jeden Mor­gen nur in Wort und Geste, nicht aber in Gedan­ken und im Wil­len mit jenem Opfer ver­ei­nen, das wir mit der Kir­che dar­brin­gen, mit ihm, mit dem wir in einem Leibe ver­eint sind?“137
Gebet
P. Titus Brandsma war ein gro­ßer Beter. Aus Gott schöpfte er Kraft und Begeis­te­rung für seine apos­to­li­sche Arbeit.
Er sagte: „Gebet ist Leben, nicht eine Oase in der Wüste des Lebens.“ 138
Sel­ber sprach er aber wenig über sein per­sön­li­ches Gebets­le­ben und schon gar nicht direkt über seine
Got­teser­fah­run­gen. Wir wis­sen um seine Liebe zum Chor­ge­bet, das er mög­lichst nie ver­pas­sen wollte, trotz sei­ner vie­len Akti­vi­tä­ten.
Auch in der Gefan­gen­schaft betete P. Brandsma viel. Das zeigt, wie sehr ihm das ein tie­fes Bedürf­nis und innere Hei­mat gewor­den war. Wir wer­den spä­ter davon berich­ten.
Schwa­che Gesund­heit
Seit der Kind­heit musste P. Titus Brandsma wie­der­holt schwere gesund­heit­li­che Kri­sen durch­lei­den. Er ertrug alle Schmer­zen und Behand­lun­gen ohne Klage. Von eini­gen Pro­ble­men wis­sen wir Nähe­res. Er litt schon mit 13 Jah­ren an einer aku­ten Magen­krank­heit, die ihn dazu zwang, im Gym­na­sium 1898 einige Zeit zur Gene­sung aus­zu­set­zen. Schon 1901 durch­litt er schwere Magen­blu­tun­gen mit Fie­ber. (vgl. oben)
In bei­spiel­haf­ter Hin­gabe nahm er diese Lei­den an und ließ sein Enga­ge­ment davon mög­lichst wenig beein­flus­sen.
Im Jahre 1921 brach er kör­per­lich völ­lig zusam­men. Er erlitt starke Blu­tun­gen und war wochen­lang in Lebens­ge­fahr. Dann setzte plötz­lich die Gene­sung ein und er konnte wei­ter­ar­bei­ten. 139
Da er sich sel­ber trotz allem nicht scho­nen wollte, kam es immer wie­der zu gesund­heit­li­chen Pro­ble­men, beson­ders gegen Ende sei­nes Lebens.
Auch in den 1930-ger Jah­ren litt P. Titus sehr. Mitte der 1930-ger Jahre wurde eine Nie­ren­ent­zün­dung dia­gnos­ti­ziert.
1937 tra­ten hef­tige Schmer­zen auf. Eine Ent­zün­dung des Rücken­marks erfor­derte abso­lute Ruhe. Im Früh­ling 1938 trat zunächst eine Bes­se­rung ein, bevor sich sein Zustand im Herbst 1939 erneut gefähr­lich ver­schlech­terte. Eine gefähr­li­che und sehr schmerz­hafte Harn­bla­sen­ent­zün­dung quälte ihn. Im Som­mer 1940 war P. Brandsma noch schwach, aber wie­der auf den Bei­nen und aktiv.
1941 sagte er: „ Meine Beru­fung zur Kir­che und zum Pries­ter­tum hat mir so viel Herr­li­ches und Schö­nes gebracht, dass ich dafür gerne etwas Unan­ge­neh­mes auf mich nehme“ 140.
In der Zeit vor sei­ner Ver­haf­tung ging es P. Brandsma wie­der deut­lich schlech­ter, was seine Lei­den in der Haft­zeit noch erhöhte.
Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus
P. Titus Brandsma war von Anfang an ein Geg­ner und Kämp­fer gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus. Schon 1935 (1934 nach Resch)141 schrieb er dar­über, kri­ti­sierte sehr scharf, warnte und ver­suchte auf­zu­klä­ren. Auch in den Nie­der­lan­den gab es eine ein­hei­mi­sche Gruppe von Nazio­nal­so­zi­als­ten, die N.S.B. Diese ver­ur­teilte P. Brandsma aus­drück­lich.
„Die Nazi­be­we­gung ist eine schwarze Pest, sie ist heid­nisch“ 142 143. „…und gott­los“ erklärte P. Brandsma. 144
Er ver­ur­teilte Juden­ver­fol­gung und anti­jü­di­sche Gesetze der deut­schen Natio­nal­so­zia­lis­ten mit deut­li­chen Wor­ten. Die soge­nannte „erste Ver­ord­nung zum Blut­schutz­ge­setz“ hielt er für eine Ver­let­zung der Men­schen­rechte.
Er sprach gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus in der Uni­ver­si­tät, bei Kon­fe­ren­zen, bei Vor­trä­gen und schrieb in Zei­tun­gen kri­ti­sche Arti­kel. Einen deut­schen Pro­fes­sor an sei­ner Uni­ver­si­tät, der sich als Nazi ent­puppte, ver­wies er von der Uni­ver­si­tät. Er erklärte ihm, dass „sie als Ver­rä­ter ange­se­hen wer­den müs­sen“. 145
In den Vor­le­sun­gen 1938/ 39 sprach P. Brandsma an der Uni­ver­si­tät in Nijm­me­gen über den Natio­nal­so­zia­lis­mus. Er lehrte: „Diese Ideo­lo­gie wider­spricht dem Chris­ten­tum und dem Evan­ge­lium. Sie ist unmensch­lich.“ 146
Es ist sei­nem Ein­tre­ten mit zu ver­dan­ken, dass der Natio­nal­so­zia­lis­mus in der Bevöl­ke­rung der Nie­der­lande, beson­ders unter den Katho­li­ken, nie wirk­lich Fuß fas­sen konnte. Die Hal­tung der katho­li­schen Kir­che und der Bischöfe in den Nie­der­lan­den war klar gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus gerich­tet. Ab dem 26.01.1941 wurde Mit­glie­dern der NS-Gruppen durch die nie­der­län­di­schen Bischöfe der Emp­fang der Sakra­mente ver­wei­gert 147. Die Mit­glied­schaft in den nie­der­län­di­schen Nazis-Verbänden, der N.S.B., wurde Katho­li­ken ver­bo­ten. Der katho­li­sche Volks­teil der Nie­der­lande mit sei­ner eigen­stän­di­gen Kul­tur war ein fes­ter Block gegen diese Ideo­lo­gie. Das katho­li­sche Hol­land war immun.
Des­halb hat­ten Nazis in den Nie­der­lan­den zunächst keine große Bedeu­tung.
„Seine scharfe Kri­tik und die Demas­kie­rung der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Bewe­gung in Deutsch­land ent­ging den Sym­pa­thi­san­ten die­ser Bewe­gung in Hol­land nicht. “148 Das brachte P. Titus in Gefahr.
Natür­lich wurde die deut­sche Gestapo auf ihn auf­merk­sam und ver­folgte seine Ver­öf­fent­li­chun­gen.
Er wurde für sein Enga­ge­ment von nie­der­län­di­schen Nazis öffent­lich als „ Kom­mu­nist und Juden­freund“ beschimpft. 149
Sein Enga­ge­ment galt in beson­de­rem Maße der Katho­li­schen Presse. Ihm war wich­tig, dass diese Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten keine natio­nal­so­zia­lis­mus­freund­li­chen Texte abdruck­ten, um die Leser nicht an der kla­ren Hal­tung der Kir­che zwei­feln zu las­sen. Für diese Hal­tung ging er schließ­lich in Gefan­gen­schaft und in den Tod. Die­ses Risiko kannte er.
Er sagte: „Wer die Welt für Chris­tus gewin­nen möchte, muss den Mut haben, mit ihr in Kon­flikt zu gera­ten.“ 150, 151
Die­ser Kon­flikt ver­schärfte sich für ihn deut­lich, als am 10.05.1940 die Nie­der­lande von deut­schen Trup­pen besetzt wur­den.
Den Ein­fall der deut­schen Trup­pen und die Beset­zung sei­nes Vater­lan­des nahm er mit gro­ßer Gleich­mut und Ruhe hin, von Angst war bei P. Titus Brandsma nichts zu spü­ren.
Sofort begann die Ver­fol­gung von Juden, poli­ti­schen Geg­nern und der katho­li­schen Kir­che, die auch als poli­ti­scher Geg­ner ange­se­hen wurde. Der katho­li­sche Jour­na­lis­ten­ver­band wurde ver­bo­ten, Ordens­leute durf­ten an Schu­len keine Lei­tungs­funk­tion mehr aus­üben, ihre Gehäl­ter wur­den um 40 % gekürzt. Die Auf­nahme jüdi­scher Schü­ler in katho­li­sche Schu­len wurde ver­bo­ten, um nur einige Bei­spiele zu nen­nen.
Die­ser Ver­such, den Ein­fluss der Kir­che auf die Gläu­bi­gen zu bre­chen, rief den deut­li­chen Wider­stand der katho­li­schen Kir­che her­vor. Die katho­li­schen Schu­len und die katho­li­sche Presse wur­den in den Nie­der­lan­den zunächst ein fes­ter Block im ideo­lo­gi­schen Kampf gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus.
Des­halb grif­fen Nazis auch dort an.
Die Katho­li­sche Kir­che kün­digte akti­ven Wider­stand an, beson­ders gegen die Ver­fol­gung von Juden pro­tes­tierte sie. Am 26.01.1941 rief sie die Katho­li­ken auf, eine Unter­stüt­zung des Regimes zu unter­las­sen. Sakra­mente soll­ten allen Unter­stüt­zern des Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­wei­gert wer­den.
Im Juli 1941 rich­te­ten die hol­län­di­schen Bischöfe sich in einem Brief an das Volk. „„Wir haben lange geschwie­gen. Jetzt wol­len wir öffent­lich etwas sagen zu den vie­len Unge­rech­tig­kei­ten, denen wir Katho­li­ken wäh­rend der zurück­lie­gen­den Monate aus­ge­setzt waren.“
Das Schrei­ben, das eine lange Reihe von Unge­rech­tig­kei­ten auf­zählte, ging auch auf die Unter­drü­ckung der Mei­nungs­frei­heit ein.
„Es ist uns ver­bo­ten wor­den, Samm­lun­gen durch­zu­füh­ren für unsere kul­tu­rel­len und kari­ta­ti­ven Ein­rich­tun­gen. Der katho­li­sche Rund­funk wurde uns genom­men. Unsere Tages­presse ist ein­ge­stellt oder in ihrer Bericht­er­stat­tung so ein­ge­schränkt wor­den, dass man kaum noch von einer katho­li­schen Presse spre­chen kann.“ Das Schrei­ben beklagt auch, dass einige kirch­li­che Ein­rich­tun­gen ganz außer­ge­wöhn­lich hohe Steu­ern zu zah­len hät­ten und dass man Jugend­grup­pen zwang, sich auf­zu­lö­sen. Wei­ter heißt es: „Jetzt ist etwas gesche­hen, und wir kön­nen nicht län­ger schwei­gen, ohne unser geist­li­ches Amt zu ver­ra­ten… Die Katho­li­sche Arbei­ter­ver­ei­ni­gung unter­steht nun­mehr der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Bewe­gung; tat­säch­lich wurde sie eine ihrer Orga­ni­sa­tio­nen. Aus die­sem Grund kön­nen Katho­li­ken nicht län­ger Mit­glie­der die­ser Ver­ei­ni­gung blei­ben.“
Das offene Wort der Bischöfe bewirkte einen ver­stärk­ten Druck auf die Kir­che und eine neue Welle der Ver­fol­gung von Katho­li­ken und Juden.“152
Das heute oft so laut­stark gefor­derte öffent­li­che Pro­tes­tie­ren der katho­li­schen Kir­che gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus hatte nicht die heute gemut­maß­ten posi­ti­ven Fol­gen. Die Situa­tion der Ver­folg­ten ver­schlim­merte sich in den Nie­der­lan­den wei­ter.
P. Titus Brandsma pro­tes­tierte dar­auf­hin als Prä­ses des Ver­eins der Vor­ste­her der katho­li­schen Mitt­le­ren Schu­len mit soli­den Argu­men­ten und suchte per­sön­lich das Unter­richts­mi­nis­te­rium auf. Er sorgte durch Bespre­chun­gen und Schrei­ben für eine ein­heit­li­che Linie von Sei­ten der katho­li­schen Schu­len. Es gelang ihm die schäd­li­chen Fol­gen auf ein Min­dest­maß zu beschrän­ken. 153 Er erreichte sogar einen Auf­schub der ein­schrän­ken­den Rege­lun­gen. 154
P. Titus Brandsma setzte sich außer­dem für jüdi­sche Kin­der ein und wei­gerte sich, diese aus den katho­li­schen Schu­len zu ent­fer­nen, wie es von den katho­li­schen Schu­len ver­langt wurde. 155
In die­ser Situa­tion war P. Titus ohne die geringste Sorge für seine eige­nen Zukunft. Wei­ter­hin wollte er tun, was er als seine Pflicht erkannt hatte. Den Rest wollte er Gott über­las­sen. 156
„Wir wol­len für die Zukunft nur still auf Gott ver­trauen. Noch geht es ziem­lich ruhig zu. Am meis­ten ärgert mich die Zei­tung mit ihren sinn­lo­sen Befeh­len und offe­nen Lügen.“ 157, schrieb er am 26.05.1940.
Mutig bekannte er: „Auch wenn das Neu­hei­den­tum die Liebe nicht mehr haben will, wird die Liebe uns das Herz der Hei­den zurück­ge­win­nen. Die prak­ti­sche Lebens­er­fah­rung wird sie immer aufs neue eine sieg­rei­che Kraft sein las­sen, die die Her­zen der Men­schen erobern und fest­hal­ten wird.“158
Am 11.02.41 wurde P. Titus Brandsma gewarnt, er solle sich schüt­zen. Die Ant­wort zeigt, dass er sich der ihm dro­hen­den Gefahr nicht ganz bewusst war: „Titus bedankte sich freund­lich und sagte: „ Ich werde dar­über nach­den­ken müs­sen. Doch ich kann ein­fach nicht glau­ben, dass sie mich suchen. Wenn das der Fall wäre, dann hät­ten sie mich schon längst hin­ter Schloss und Rie­gel haben kön­nen. Ich spiele immer mit offe­nen Kar­ten mit den Leu­ten und das gefällt mir nicht schlecht.““ 159, 160
Er ver­traute einem Mit­bru­der an: „wenn wir keine Stel­lung neh­men, wer­den wir über­rannt. Jeden­falls müs­sen sie wis­sen, was wir als Recht betrach­ten“ 161
Am 18.12.1941 wurde in den Nie­der­lan­den die Pres­se­frei­heit abge­schafft. Für die katho­li­sche Pres­se­land­schaft war die freie Bericht­er­stat­tung zu Ende. „Das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Pro­pa­gan­da­mi­nis­te­rium teilte den hol­län­di­schen Tages­zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten mit, dass sie nur Berichte und Pres­se­er­klä­run­gen anzu­neh­men hät­ten, die von offi­zi­el­len Stel­len her­aus­ge­ge­ben würden.“162 Die Mit­ar­bei­ter der Zei­tun­gen wur­den mit Dro­hun­gen unter Druck gesetzt.
P. Titus „wurde im Auf­trag der Bischöfe zur Kom­man­dan­tur der Nazis geschickt, um deren Wider­stand gegen die dis­kri­mi­nie­ren­den Maß­nah­men aus­zu­drü­cken. Doch all das führte zu nichts.“ 163
P. Brandsma setzte sich trotz­dem auch wei­ter­hin für die Pres­se­frei­heit der katho­li­schen Presse ein. Er ver­suchte, die katho­li­schen Zei­tun­gen zu erhal­ten und die Arbeits­plätze zu sichern.
Dabei wollte er den aus­drück­li­chen Wil­len der kirch­li­chen Vor­ge­setz­ten umset­zen. Er hielt engen Kon­takt mit sei­nem Bischof de Jong und besuchte die­sen oft zu Bespre­chun­gen der Lage. Bischof de Jong pro­tes­tierte sel­ber gegen die deut­schen Nazis, nach­dem er sich inten­siv mit P. Brandsma bespro­chen hatte.
Die neuen Her­ren in den Nie­der­lan­den hat­ten ange­ord­net, dass in den katho­li­schen Zei­tun­gen offi­zi­elle Nazi-Propaganda gedruckt wer­den solle. Ins­be­son­dere Wer­bung für den Bei­tritt in natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen sollte ver­öf­fent­licht wer­den. So sollte der Anschein der Unter­stüt­zung der katho­li­schen Kir­che erweckt wer­den. Sol­che Anzei­gen waren für die Katho­li­schen Zei­tun­gen aus welt­an­schau­li­chen Grün­den aus­ge­schlos­sen. Außer­dem wurde die Ein­stel­lung von Natio­nal­so­zia­lis­ten als Chef­re­dak­teure bei den katho­li­schen Zei­tun­gen erzwun­gen.
Jetzt war die Grenze des Zumut­ba­ren über­schrit­ten.
P. Titus rea­gierte ent­schie­den: „ Wir wer­den ihnen ant­wor­ten und unsere Ant­wort wird Nein hei­ßen.“ 164
Von gro­ßer Besorg­nis getrie­ben, wurde er aktiv. In die­ser Lage kannte er weder Angst noch Müdig­keit, denn in sei­nem Her­zen war tie­fer Friede.
Am 30.12.1941 traf er sich wie­der zu einer Unter­re­dung mit sei­nem Bischof. 165  Der Wider­stand der kath­pli­schen Kir­che war jetzt das Gebot der Stunde.
Diese Bespre­chung brachte fol­gen­des Ergeb­nis: Im Auf­trag der Bischofs­kon­fe­renz und auf deren Wei­sung sollte P. Titus Brandsma einen Brief an die katho­li­sche Presse mit dem Auf­ruf zum Wider­stand gegen Nazis ver­brei­ten. Die Zei­tun­gen soll­ten sich wei­gern, die NS-Anzeigen zu dru­cken. P. Titus  sollte den Text ver­fas­sen, diese Briefe per­sön­lich über­brin­gen und erläu­tern, um eine ein­heit­li­che Hal­tung der Zei­tun­gen zu gewähr­leis­ten. 166
Der Text die­ses Brief erklärte, dass es die Pflicht der katho­li­schen Presse sei, jede Unter­stüt­zung für den Natio­nal­so­zia­lis­mus abzu­leh­nen. Der letzte Satz lau­tete pro­phe­tisch:
„Gott spricht das letzte Wort und belohnt seine treuen Die­ner.“
Allen Betei­lig­ten war klar: die­ser Auf­trag war sehr gefähr­lich. P. Titus stand schon auf der schwar­zen Liste der NS-Herrscher. Die­ses Pro­jekt war ein direk­ter Auf­ruf zum Wider­stand gegen die deut­sche Besat­zung.
„Ich bin zwar etwas beun­ru­higt, aber ich habe keine Angst, und mich ver­ste­cken, das liegt mir nicht.“, sagte P. Titus Brandsma dem besorg­ten Bischof in die­sem Zusam­men­hang. 167
Trotz aller War­nun­gen schrieb P. Titus also die­sen Brief und begab sich auf eine Rund­reise durch das Land, um die Briefe per­sön­lich an die Direk­to­ren oder Chef­re­dak­teure von 14 katho­li­schen Zei­tun­gen in den Nie­der­lan­den zu über­ge­ben.
„Freunde, da machen wir nicht mit! Uns sind Gren­zen gesetzt“ 168, 169 „Wir haben die Grenze erreicht. Wir kön­nen ihnen nicht die­nen. Es wird unsere Pflicht sein, ent­schlos­sen der Nazi­pro­pa­ganda ent­ge­gen­zu­tre­ten, wenn wir katho­li­sche Zei­tun­gen blei­ben wol­len.“ 170
Wenn sie uns mit emp­find­li­chen Geld­stra­fen, mit Auf­lö­sung oder mit ande­ren Maß­nah­men dro­hen, wir dür­fen uns ihnen nicht unter­wer­fen.“ 171
Am 15.01.1942 ver­schärfte sich die Lage. Es wurde begon­nen, die Dro­hung durch­zu­set­zen. Drei katho­li­sche Tages­zei­tun­gen muss­ten die Texte der NSB (hol­län­di­sche NS-Partei) ver­öf­fent­li­chen. P. Titus Brands­mas Text wurde am 16.01.1942 als offi­zi­el­ler Brief der Nie­der­län­di­schen Bischöfe auto­ri­siert. Es wurde gefor­dert, dass alle Anzei­gen, Arti­kel den Urhe­ber klar erken­nen las­sen müs­sen, um eine Unter­stüt­zung der NSB zu ver­mei­den. Für den Fall einer Unter­stüt­zung der Natio­nal­so­zia­lis­ten durch die Zei­tun­gen erin­nerte die Bischöfe an die „hier­für gel­tende Sank­tio­nen“ 172 (Kein Emp­fang der Sakra­mente!)
Auf die­ser Reise zu den Zei­tungs­re­dak­tio­nen wurde P. Titus Brandsma ver­ra­ten. 173, 174
Den Grund erfah­ren wir aus dem Doku­ment der Gestapo: „Er und Erz­bi­schof de Jong sind für die
außer­or­dent­lich raf­fi­nierte Art und Weise ver­ant­wort­lich, in der die füh­ren­den katho­li­schen Kreise die Presse beein­flus­sen.“ 175
Am 19.01.1942 wurde P. Titus Brandsma in sei­nem Klos­ter in Nij­me­gen um 18.00 Uhr ver­haf­tet. 176
Gerade erst war er von sei­ner Reise zu den 14 Zei­tungs­re­dak­tio­nen zurück­ge­kehrt.
Als offi­zi­elle Begrün­dung wurde gefun­den: „Fest­ge­nom­men, da er den gemein­sa­men Wider­stand der katho­li­schen Presse gegen die Neu­ord­nung des Pres­se­we­sens zu orga­ni­sie­ren ver­suchte.“ 177, „wegen feind­li­cher Ein­stel­lung gegen das deut­sche Gou­ver­ne­ment sowie der Stö­rung der öffent­li­chen Ruhe.“ 178 Sei­ner „Wühl­ar­beit“ sollte ein Ende gesetzt wer­den.
Nach Ber­lin war gemel­det wor­den: „ P. Titus Brandsma muss wegen sys­te­ma­ti­scher Vor­be­rei­tun­gen einer gegen die deut­sche Besat­zungs­be­hörde gerich­te­ten oppo­si­tio­nel­len Bewe­gung sofort ver­haf­tet und in ein Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger geschickt wer­den.“ 179
Lie­bens­wür­dig emp­fing der Pater die Her­ren der Gestapo, als seien sie nor­male Besu­cher des Klos­ters. Er war inner­lich auf die­sen Moment vor­be­rei­tet. Ihre Fra­gen beant­wor­tete er kor­rekt, wäh­rend er das Nötigste packte.
Zu Mit­brü­dern sagte er noch; „Wenn diese Haft etwas län­ger dau­ert, sehen wir uns nicht wie­der.“P. Brandsma musste um seine ange­grif­fene Gesund­heit. In der letz­ten Zeit vor der Ver­haf­tung waren seine gesund­heit­li­chen Pro­bleme wie­der sehr ernst gewor­den. Er wusste: ohne Arzt würde er in Haft nicht lange über­le­ben. 180
Bevor er weg gebracht wurde, erbat er von sei­nem Obe­ren den Segen.
So begann er sein Prak­ti­kum in Lei­dens­mys­tik.
„Jetzt bekomme ich end­lich, was so wenig mein Teil gewe­sen ist und wonach ich stets ver­langt habe.“ So hatte er schon vor­her zu sei­nen Mit­brü­dern gespro­chen. Diese Hal­tung der Hin­gabe behielt P. Brandsma bei.
Auch aus dem Gefäng­nis schrieb er:
Für das Bekennt­nis hier­für leide ich mit Freude, was gelit­ten wer­den muss.“ 181
Der Gefan­gene wurde zunächst in das Gefäng­nis nach Arn­heim gebracht, wo er die Nacht ver­brin­gen musste. 182, 183 Am nächs­ten Mor­gen wurde er zum Ver­hör in das Gefäng­nis nach Den Haag ver­legt. Auf Grund sei­ner schlech­ten gesund­heit­li­chen Ver­fas­sung hoffte P. Brandsma, am nächs­ten Tag ent­las­sen zu wer­den. 184 Er nahm jedoch in gro­ßem Gott­ver­trauen die Ände­rung sei­ner Pläne an. P. Brandsma nutze die Zeit in der nun fol­gen­den Ein­zel­haft für aus­führ­li­che, tage­buch­ar­tige Noti­zen. So wis­sen wir eini­ges über seine Erleb­nisse und Gedan­ken in die­sen Tagen:
„Diese Prü­fung ist nicht so schlimm, obwohl man sich an viele Dinge im Gefäng­nis erst gewöh­nen muss. Ja ja, es ist nicht so leicht, wenn man mit sech­zig Jah­ren noch ins Gefäng­nis kommt. Das sagte ich auch im Scherz zu Herrn Ste­ven, der mich ver­haf­tete. Mich trös­tete aber seine Ant­wort: «Dann hät­ten Sie den Auf­trag des Erz­bi­schofs nicht anneh­men sol­len!» Ich wusste, aus wel­chem Grund ich hier war, und ich sagte ihm gera­de­her­aus, dass ich es als eine Ehre betrachte und nicht der Mei­nung sei, etwas Fal­sches getan zu haben. Ich wie­der­holte dies auch vor Herrn Har­de­gen und fügte noch hinzu: „Im Gegen­teil, es war ein ehr­li­cher Ver­such, die Gegen­sätze abzu­schwä­chen.“ Einer­seits nahm man mir das ab, ander­seits sah man darin eine Wider­stands -aktion gegen die Besat­zungs­macht. Die letz­tere Mei­nung lehnte ich so ent­schie­den wie mög­lich ab und betonte, dass es meine ein­zige Absicht gewe­sen sei, den Stand­punkt der Katho­li­ken, wie er von Bischö­fen bestimmt war, in Bezug auf die Pro­pa­ganda der N.S.B., sowohl der Presse als auch dem Reichs­kom­mis­sa­riat mit­zu­tei­len. Dem Reichs­kom­mis­sa­riat sollte ganz unab­hän­gig von dem Ein­ver­ständ­nis der katho­li­schen Presse mit die­sem Stand­punkt, an dem übri­gens nicht zu zwei­feln war, Mit­tei­lung gemacht wer­den…. Ich ver­stehe aller­dings, dass man die Hal­tung der Bischöfe und der katho­li­schen Presse nicht ange­nehm fin­det, und dass man den Auf­trag, der mir vom Bischof gege­ben wor­den ist, und der sich, aus­ge­hend von unse­ren katho­li­schen Prin­zi­pien, gegen ein Lehre wen­det, die nach unse­rer Mei­nung damit im Wider­spruch steht, doch gewis­ser­ma­ßen als Wider­stands­ak­tion ansieht. Die Gegen­sätze sind da. Für die Lehre unse­res Bekennt­nis­ses leide ich mit Freu­den, was gelit­ten wer­den muss. Meine Beru­fung zur Kir­che und zum Pries­ter­amt hat mir soviel Herr­li­ches und Schö­nes gebracht, dass ich dafür auch gerne etwas Unan­ge­neh­mes auf mich nehme. Mit Job (Hiob) wie­der­hole ich in vol­ler Über­ein­stim­mung: „Wir haben das Gute vom Herrn emp­fan­gen, warum soll­ten wir nicht auch Übles anneh­men, das er uns in sei­ner Vor­se­hung schickt. Der Herr hat gege­ben, der Herr hat genom­men, der Name des Herrn sei gebe­ne­deit.» So schlimm gebt es mir übri­gens nicht. Und obgleich ich nicht weiß, was wer­den wird, weiß ich mich doch ganz in Got­tes Hand. „Wer wird mich von der Liebe Got­tes tren­nen?““ 185
Das Gefäng­nis in Den Haag befand sich im Stadt­teil Sche­ve­nin­gen, es wurde das „orange Hotel“ genannt, wegen der vie­len nie­der­län­di­schen (orange ist die Natio­nal­farbe) Wider­stands­kämp­fer, die hier inhaf­tiert waren. P. Brandsma war für 7 Wochen in Zelle 577 unter­ge­bracht.
Es folg­ten zahl­rei­che lange Ver­höre.
„Der mit dem „Fall Titus Brandsma“ beauf­tragte Beamte Har­de­gen, ein gro­ßer, blon­der und stets ele­gan­ter Mann, eröff­nete das Ver­hör mit den Wor­ten:
„Warum haben Sie sich den Vor­schrif­ten wider­setzt?“
Als Katho­lik blieb mir keine andere Wahl„, erwi­derte Titus.
„Sie sind ein Sabo­teur. Ihre Kir­che ver­sucht, die Ord­nung der Besat­zungs­macht zu sabo­tie­ren, den natio­na­len Frie­den zu bedro­hen und zu ver­hin­dern, dass natio­nal­so­zia­lis­ti­sches Gedan­ken­gut sich in der hol­län­di­schen Bevöl­ke­rung ver­brei­tet.“
Titus ant­wor­tete: „Wir haben die Pflicht, jed­we­der Sache oder Den­kungs­art ent­ge­gen­zu­tre­ten, die sich nicht in Über­ein­stim­mung befin­det mit der katho­li­schen Lehre.„“186
Mutig, frei und offen sprach P. Brandsma, ohne etwas zu ver­heim­li­chen. Er beharrte auf sei­ner Posi­tion gegen die in sei­nen Augen gott­lose und neu-heidnische Ideo­lo­gie. Dabei blieb er stets freund­lich und bestimmt. Die Anord­nun­gen der Besat­zungs­macht seien mit den Grund­prin­zi­pien der Kir­che unver­ein­bar. Er legte seine Mei­nung aus­führ­lich schrift­lich dar, wie ihm befoh­len wor­den war.
„Abschlie­ßend will ich noch­mals fest­stel­len, dass die katho­li­sche Kir­che die Anord­nun­gen der Besat­zungs­macht und der hol­län­di­schen Behör­den nur inso­weit befolgt, als sie mit den Grund­prin­zi­pien der Kir­che ver­ein­bar sind; falls Maß­nah­men ergrif­fen wer­den soll­ten, die nicht mit der katho­li­schen Lehre in Ein­klang zu brin­gen sind, wird die Kir­che not­falls die­sel­ben ableh­nen müs­sen und nicht befol­gen, Mir ist eröff­net wor­den, dass ich bis zur wei­te­ren Klä­rung der Ange­le­gen­heit in Haft genom­men werde. Die Hal­tung des nie­der­län­di­schen Epis­ko­pa­tes mache ich auch zu der meinigen.“187
„Drei Tage spä­ter berich­tet Har­de­gen nach Ber­lin: „Die Akti­vi­tät Brands­mas bedroht das Anse­hen des Deut­schen Rei­ches und der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Idee. Sie ist dar­auf aus­ge­rich­tet, die Ein­heit des hol­län­di­schen Vol­kes zu unter­mi­nie­ren … Es erscheint mir gerecht­fer­tigt, Pro­fes­sor Brandsma für eine gewisse Zeit in Gewahr­sam zu halten.“188 „Er ist sehr gefährlich.“189 Aus unse­rer heu­ti­gen Sicht scheint das ein beson­de­res Kom­pli­ment für P. Titus Brandsma.
„In sei­ner Gefäng­nis­zelle in Sche­ve­nin­gen fühlte P. Titus sich bald zu Hause, er war zufrie­den und glück­lich, denn er fühlt sich Gott nahe. Er betet, liest Bücher, die er aus der Gefäng­nis­bi­blio­thek bekom­men kann, und schreibt.“
P. Brandsma betete auch hier sein täg­li­ches Bre­vier „…das ich jetzt in größ­ter Ruhe beten kann.“ 190

Seine Auf­zeich­nun­gen klin­gen humor­voll und voll inne­rem Frie­den. Ihm fehlte jedoch die täg­li­che mor­gend­li­che hei­lige Messe und die Kom­mu­nion sehr, „aber Gott ist doch bei mir, in mir und mit mir. In Ihm leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir. Gott, so nah und ferne, Gott ist immer da! Das bekannte Wort, der hei­li­gen The­re­sia … ist auch mir Trost und Ermu­ti­gung: Nichts soll dich ängs­ti­gen, nichts dich erschre­cken. Alles ver­geht, Gott bleibt der­selbe.“ 191
Auf­zeich­nun­gen in sei­ner Zelle vom 27.01.42: „Ich als gebo­re­ner Opti­mist habe hier von neuem erfah­ren, wie froh Tho­mas von Kem­pen und die­je­ni­gen, in deren Geist er schrieb, das ein­same Leben in einer stil­len Zelle betrach­tet haben, nach­dem sie es erlebt hat­ten. Ach, wenn man so spät am Abend in eine Gefäng­nis­zelle gebracht wird, wenn man hin­ter sich die Tür ins Schloss fal­len hört, ist es einem einen Augen­blick fremd zumute. Das Außer­ge­wöhn­li­che, dass ich in mei­nem Alter noch in einer Gefäng­nis­zelle lan­dete, stimmte mich mehr zum Lächeln, als dass das tra­gi­sche Gesche­hen selbst mich hätte nie­der­drü­cken kön­nen; aber fremd ist es doch.“ 192
„In den ers­ten Tagen sei­ner Haft hatte er für sich selbst eine Tages-Ordnung auf­ge­stellt, die der des Klos­ters so weit wie mög­lich ähn­lich war. In sei­nen Auf­zeich­nun­gen schreibt er dar­über u.a.: „Nach dem Mit­tag­es­sen rei­nige ich das Geschirr, bete den Ange­lus wie im Klos­ter und halte, im Geiste mit mei­nen Mit­brü­dern ver­eint, meine Anbe­tung““. 193
In Ein­fach­heit und Gelas­sen­heit beschrieb P. Titus Brandsma aus­führ­lich seine kalte, fens­ter­lose Zelle. Sie war ihm schon zur Hei­mat gewor­den.
„Die kleine Zelle sieht nicht so übel aus; sie ist schlauch­ar­tig, schmal und lang­ge­streckt. …“; Er klingt recht zufrie­den. Mit der Armut und dem Man­gel weiß er sich zu behel­fen. Den klei­nen Klapp­tisch hat er sich als Mini-Altar mit Bild­chen aus dem Bre­vier ein­ge­rich­tet. „Er erzählt, wie er sich mit den pri­mi­tivs­ten Mit­teln ein Altär­chen gemacht und dar­auf drei Bild­chen aus sei­nem Bre­vier befes­tigt hat, in der Mitte das Bild des gött­li­chen Hei­lan­des, an den Sei­ten das der hl. The­re­sia und das des hl. Johan­nes vom Kreuz. Dann fährt er fort: »Ich hatte in mei­nem Bre­vier kein Bild­chen der Got­tes­mut­ter, den­noch gehört ihr Bild­nis in die Zelle eines Kar­me­li­ten. Auch hier habe ich mir hel­fen kön­nen. Der Teil des Bre­viers, den wir jetzt gebrau­chen und den man mir glück­li­cher­weise gelas­sen hat, ent­hält vorne eine präch­tige Abbil­dung der Kar­mel­ma­donna von Freiin von Oer. Jetzt steht mein Bre­vier weit geöff­net auf dem obe­ren der bei­den Eck­brett­chen zur lin­ken Seite über mei­nem Bett. Am Tische sit­zend, brau­che ich nur eben nach rechts zu schauen, und ich sehe ihr schö­nes Bild, Wenn ich im Bette liege, fällt mein Auge zuerst auf die Madonna mit dem Stern, die Spes omnium Car­me­l­i­tarum, die Hoff­nung aller Karmeliten.““194
Dazu das Zitat von The­resa von Avila: „Nichts soll dich ängs­ti­gen…“ 195 und die Sprü­che: „Gott, so nah und ferne, Gott ist immer da“ und „Nimm die Tage, wie sie kom­men.“
„Glück­li­che Ein­sam­keit! Ich fühle mich schon ganz zu Hause in die­ser klei­nen Zelle. Ich habe mich noch nicht gelang­weilt, im Gegen­teil. Ich bin allein, ja, aber nie war der liebe Herr­gott mir so nah. Ich kann jubeln vor Freude, dass er sich wie­der ganz von mir hat fin­den las­sen, ohne dass ich zu den Men­schen kom­men kann, oder die Men­schen zu mir kom­men kön­nen. Er ist meine ein­zige Zuflucht, und ich fühle mich sicher und froh. Ich will immer hier blei­ben, wenn Er es so will. Ich bin noch sel­ten so glück­lich und zufrie­den gewe­sen.“ 196, 197
Am 28.01.14 beschrieb er aus­führ­lich seine Tages­ord­nung in die­ser Zelle. Ruhig ver­suchte er das Beste aus sei­ner Situa­tion zu machen. Gebet und Betrach­tung waren der Inhalt sei­ner Tage. Am mor­gen eine „Tro­ckene hei­lige Messe“, soweit er die Texte aus­wen­dig konnte, mit geis­ti­ger Kommunion.198
„In den ers­ten Tagen habe ich mich gequält mit der schrift­li­chen Beant­wor­tung der Frage: „Warum wider­setzt sich das nie­der­län­di­sche Volk, nament­lich der katho­li­sche Volks­teil, gegen die N.S.B.?“ Ich habe ver­sucht, in acht Sei­ten eine Ant­wort dar­auf zu geben. Jetzt ver­su­che ich, in den Schreib­stun­den meine Ein­drü­cke fest­zu­hal­ten über die Zeit, in der ich hier bin. Auch schreibe ich wei­ter am Leben der hei­li­gen The­re­sia, das ich für Het Spec­tum [ein Ver­lag] über­nahm. …“ 199
Mit viel Humor beschreibt er das Pro­ze­dere des Frei­gan­ges. Da ihm eine Nagel­schere ver­wei­gert wurde, schleift er sich in Ruhe die Nägel an Wand und Boden, völ­lig ohne Ärger über den Man­gel.
Dass er kei­nen Rosen­kranz haben darf, ärgert ihn auch nicht, er betet statt des­sen mit sei­nen Fin­gern und bemerkt: „Der liebe Herr­gott hat es sicher so gefügt, damit ich den Wert des Rosen­kran­zes höher ein­schät­zen lerne.“200
Auf seine ange­schla­gene Gesund­heit wird so gut wie keine Rück­sicht genom­men.
„Don­ners­tag kam der Arzt zu mir. Ich sagte ihm, dass mein Magen sehr emp­find­lich sei, dass ich schon vier­mal eine ernst­hafte Magen­blu­tung gehabt habe und jetzt an einer ziem­lich erns­ten Urin-Infektion mit Koli­ba­zil­len leide. … machte ihn schließ­lich dar­auf aufmerksam,dass mein abnorm nied­ri­ges Kör­per­ge­wicht zusam­men mit mei­ner chro­ni­schen Krank­heit mir das Recht auf Son­der­ver­pfle­gung gaben…“ 201 P. Brandsma wog noch 54 kg! Es kam dar­auf­hin zu kei­ner wesent­li­chen Ver­bes­se­rung der Ver­pfle­gung. Nur etwas Milch bekam er. Auch dar­über regte sich P. Brandsma nicht auf, alles nahm er beein­dru­ckend ruhig an.
Im Text, den der Pater auf Befehl als aus­führ­li­che Ant­wort auf die Frage: Warum wider­set­zen sich die Katho­li­ken der NSB? (siehe oben) schrei­ben musste, fin­den wir schöne und ver­söhn­li­che Worte:
„…(die Nie­der­län­der) ver­eh­ren in ihrer Geschichte zahl­lose Mär­ty­rer, die sie sich zum Vor­bild neh­men, um, wenn es sein muss, selbst ihr Leben für das Bekennt­nis ihres Glau­bens hin­zu­ge­ben, wenn man die­ses Bekennt­nis unter­drü­cken will…Gott segne die Nie­der­län­der, Gott segne Deutsch­land. Gebe Gott, dass beide Völ­ker bald wie­der in vol­lem Frie­den und in Ein­tracht neben­ein­an­der ste­hen… zu sei­ner Ehre, zum Heil und zur Blüte bei­der so nahe ver­wand­ten Völker.“202, 203
Am 31.01.1942 musste er den gelieb­ten Tabak und seine Pfeife abge­ben. Die­ser Ver­zicht fällt ihm schwer. 204Beim Lesen sei­ner Auf­zeich­nun­gen spü­ren wir, wie er um eine gute inne­ren Hal­tung ringt.
Am 12. Und 13.02.1942 schrieb P. Brandsma Betrach­tun­gen zum Kreuzweg205 und ein beach­tens­wer­tes Gedicht, mit dem Titel: Vor dem Bilde Jesu. Seine bren­nende Liebe zu Gott und seine Bereit­schaft zur Hin­gabe des Lebens und zum Lei­den wird darin deut­lich. Sein Kreuz­weg sollte für P. Brandsma ein Weg der tiefs­ten Ver­ei­ni­gung mit Gott wer­den sollte.206
Vor dem Bilde Jesu
„Dein Ant­litz, Jesus, seh´ ich an und sinne,
da flammt mir neu empor die alte Minne.
In Dei­nen Zügen hab ich es geschaut.
Du liebst mich, Herr, als Freund sogar, ver­traut.
Ich brauch zum Lei­den kei­nen küh­nen Mut,
nur Liebe, alles Lei­den scheint mir gut;
denn durch das Lei­den bin ich, Herr, Dir gleich,
und Lei­den ist der Weg zu Dei­nem Reich.
Wahr­haf­tig, mich beglückt das Leid so sehr,
als wär’s aus Liebe gar kein Lei­den mehr.
Wie hohe Aus­er­wäh­lung, herr­lich scheint
das Lei­den mir, das Dir, o Gott, mich eint.
Ja, lass mich ein­sam und gefan­gen sein,
im fros­tig kah­len, düs­tern Raum allein,
führ keine Men­schen mir zum Troste zu;
ich werd‘ nicht müde die­ser tie­fen Ruh.
Nur Du, mein Jesus, Du sei immer da,
Du warst mir nie­mals, Herr, wie jetzt so nah.
0 bleib, mein Jesus, bleib, Gelieb­ter, hier.
So gut ist alles, bist nur Du bei mir!
(deut­sche Fas­sung Oda Schnei­der) 207
In die­sen Tagen schrieb er auch an einem Buch über das Leben der hei­li­gen The­resa von Avila. Als Schreib­pa­pier diente ihm dabei der Rand eines ande­ren Buches, das er hatte behal­ten dür­fen. Aus dem Gedächt­nis schrieb er alles auf. Lei­der blieb die­ses Buch unvoll­en­det. Nur sechs Kapi­tel von ins­ge­samt zwölf  geplan­ten Kapi­teln wur­den fer­tig.
Inzwi­schen waren die Ver­höre zu Ende gegan­gen. Das Ergeb­nis war gefähr­lich.
Aus dem Pro­to­koll: „ Wie aus dem Ver­hör her­vor­geht, sind Bischof de Jong und er die trei­ben­den Kräfte, die das Bestre­ben, das hol­län­di­sche Volk durch die Presse in eine Rich­tung (die des NS) zu len­ken und zu beein­flus­sen, sabo­tie­ren.“ 208 Seine „Deutsch­feind­lich­keit“ steht fest, „ Pro­fes­sor Brandsma ist grund­sätz­lich als Feind der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sache zu sehen.“
Ein Geheim­do­ku­ment aus Ber­lin spricht von P. Brandsma als: „der füh­rende Mann der Pres­se­kam­pa­gne gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus“ 209
Damit war die Ent­schei­dung gefal­len. Da er gefähr­lich war, wurde er in ein Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger ein­ge­wie­sen.
Am 12.03.1942 wurde P. Titus in das poli­zei­li­ches Durch­gangs­la­ger Amers­fo­ort ver­legt. Er erlebte Ver­hält­nisse wie im KZ. Hun­ger, Kälte, Nässe und über­mä­ßige Arbeits­an­for­de­run­gen mach­ten Amers­fo­ort nahezu zu einem Ver­nich­tungs­la­ger 210. P. Titus war 61 Jahre alt und gesund­heit­lich ange­schla­gen.
“Mit ihm wur­den wei­tere hun­dert Häft­linge ver­legt, die aus den Rei­hen der Unter­grund­be­we­gung oder der Kir­che stamm­ten. Bei der Ankunft gegen 9.00 Uhr mor­gens lie­ßen die Wachen die Gefan­ge­nen Auf­stel­lung neh­men und setz­ten sie einem Eis­re­gen aus. Titus, der sein Ordens­kleid trug, machte einen ruhi­gen und gelas­se­nen Ein­druck. Nach meh­re­ren Stun­den im Regen wur­den die Häft­linge in einen Umklei­de­raum geführt, wo sie sich zunächst völ­lig aus­klei­den muss­ten Völ­lig nackt muss­ten sie sich noch ein­mal im Freien auf­stel­len, wäh­rend wei­ter­hin der eisige Regen fiel. Erst dann wur­den sie in die Bara­cken geführt, wo sie ihre Sträf­lings­klei­dung anle­gen konn­ten.
P. Titus hatte die Num­mer 58 erhal­ten. Er wurde zur Holz­ar­beit her­an­ge­zo­gen. Die Stämme: kamen aus den Wäl­dern um Amers­fo­ort. Für die Gefan­ge­nen, die schlecht ernährt und unge­nü­gend aus­ge­rüs­tet waren, bedeu­tete diese Arbeit Fol­ter. Viele von ihnen bra­chen beim Umschich­ten und Abschä­len der Stämme erschöpft zusam­men. Ruhr, andere Krank­hei­ten und Ver­zweif­lung waren an der Tages­ord­nung. Wenn die Kran­ken­sta­tion über­füllt war, leg­ten die Wachen die Kran­ken auf die ver­schlamm­ten Stra­ßen, wo der späte Früh­jahrs­re­gen und kal­ten Nächte vie­len den erlö­sen­den Tod brach­ten….“ 211
Trotz kör­per­lich schwa­cher Kon­sti­tu­tion wurde P. Titus im Lager Amers­fo­ort geschla­gen. Da er an einer schwe­ren Urä­mie (Harn­ver­gif­tung mit den Sym­pto­men einer schwe­rer Darm­krank­heit) litt, blieb ihm aber hier die Zwangs­ar­beit erspart. 212 Durch sein bei­spiel­haf­tes, vor­bild­li­ches und kame­rad­schaft­li­ches Ver­hal­ten ermun­terte er seine Kame­ra­den. Aber seine eige­nen Kräfte nah­men zuse­hends ab. 213
Der gütige und hilfs­be­reite Pater ver­stand nicht, dass Men­schen so grau­sam sein und sinn­los andere Men­schen quä­len konn­ten, wie er es hier erle­ben musste. Er konnte nur kopf­schüt­telnd hin­neh­men und wenig hel­fen. Das war sehr schwer für ihn. Diese Sei­ten des mensch­li­chen Cha­rak­ters waren ihm fremd.

Er fand Gott im lei­den­den Mit­häft­ling. Er ver­suchte, den Kame­ra­den zu hel­fen wo er nur konnte. Er ver­brei­tete sogar Hei­ter­keit, sprach den Kame­ra­den Mut zu, trös­tete sie und betete für seine Pei­ni­ger. 214
Heim­lich hielt er kleine Vor­träge, um die Erschöpf­ten vom eige­nen Leid abzu­len­ken. Er wies auf das Vor­bild des lei­den­den Hei­lands hin. Lei­den sei auch ein Zei­chen der Erwäh­lung! 215
Die amt­li­che Abkür­zung für KZ Amers­fo­ort lau­tete: P.D.A. für Poli­zei­li­ches Durch­gangs­la­ger Amers­fo­ort. P. Brandsma gab die­ser Abkür­zung eine neue Bedeu­tung: „Proba­mur dum ama­mur. d.h. über­setzt: „Wir wer­den geprüft, weil wir geliebt wer­den“ oder „ Laßt uns geprüft wer­den, wenn wir dabei nur geliebt wer­den.“. Selbst hier zwei­felte er nicht an der Liebe Got­tes.
An einen Mit­bru­der schrieb er heim­lich, den Brief gab er einem Kame­ra­den mit: „Gott ist auch hier.“ 216. „Mir geht es gut!“ Es war keine Flos­kel für die Zen­sur in der Post­stelle des Lagers. Es war, was er sagen wollte.
„Er steht sei­nen Mit­ge­fan­ge­nen vom ers­ten Augen­blick an hel­fend zur Seite, immer bereit, Rat zu geben und Unter­stüt­zung zuzu­si­chern. Er ver­sucht sogar, sie in die Geheim­nisse des Glau­bens ein­zu­füh­ren. „Nicht grü­beln Jungs! Wir haben einen unend­lich guten Gott und Vater im Him­mel!““ 217
„Die ent­las­se­nen Gefan­ge­nen erzähl­ten von P. Titus. Sie schil­der­ten sei­nen Humor, der ihm trotz aller Quä­le­reien nicht genom­men wer­den konnte. Sie erwähn­ten sei­nen Mut und seine Groß­her­zig­keit.
„Oft gibt er einen Teil sei­ner dürf­ti­gen Ration ab, um Gefan­ge­nen zu hel­fen, die am Ver­hun­gern sind.“ – „Was mich beson­ders berührt“, berich­tet ein ande­rer, „ist sein gro­ßes Inter­esse und seine sor­gende Anteil­nahme am Schick­sal der Juden.“ 218
„Wie er zu beten ver­steht“, wun­der­ten sich die Kame­ra­den. Sie unter­stütz­ten ihn, bas­tel­ten ihm sogar heim­lich einen Rosen­kranz.
Es gelang P. Titus, das täg­li­che Leid und die Todes­ge­fahr für sich sel­ber zu ver­ar­bei­ten. Es gelang ihm sogar „ betend aus sei­nem star­ken Glau­ben schöp­fend und die­sen bezeu­gend ihr Los im Hin­blick auf die Befrei­ung durch Chris­tus erträg­lich zu machen.“
Mit­ge­fan­gene erleb­ten ihn, der sel­ber krank war, als Freund der Armen und „ein Trans­pa­rent der Liebe Got­tes“ 219
Ein Mit­ge­fan­ge­ner beschrieb ihn als: „den lie­bens­wer­tes­ten Mann im Lager“. „ Er gab uns über­na­tür­li­che Ein­sicht ins Gefan­gen­sein.“
Zu einem ver­zwei­fel­ten Mit­ge­fan­ge­nen sagte P. Titus:
Guter Mann, ver­liere doch um Got­tes wil­len Dei­nen Ver­stand nicht! Er muss zusam­men mit dei­nem Her­zen, das Letzte sein, was du auf­gibst. Du musst nur den­ken: … und dies ist kein Ver­gleich zur Ewig­keit.“220
Er sprach über „Gott in uns.“ Ein Stück Lei­dens­mys­tik,… der Got­teser­fah­rung im Men­schen.“ „ …wenn er abends Prit­sche für Prit­sche besuchte und ihnen ein ermu­ti­gen­des Wort zu sprach…“221
„Die Gefan­ge­nen kamen zu ihm bei Tag und bei Nacht, um sich bei ihm Trost zu holen und sei­nen pries­ter­li­chen Segen zu erbit­ten. Heim­lich zeich­nete er ihnen das Kreuz auf die Hände, er hörte ihre Beich­ten und stand den Kran­ken und Ster­ben­den bei.“222
„Titus drängte die Gefan­ge­nen, ihren Hass zu über­win­den und für ihre Pei­ni­ger zu beten. „Betet für sie!“ sagte er immer wie­der. „Ja, Pater, aber es ist so schwer,“ war die Ant­wort. Und mit einem
Anflug von Humor sagte Titus: „Ihr müsst es ja nicht den gan­zen Tag tun.““ 223
P. Titus klagte nicht. „ Er ermu­tigte seine Mit­ge­fan­ge­nen, betete mit ihnen, redete ihnen zu. Dies, obwohl seel­sor­gerer­li­che Tätig­keit im Lager unter Todes­strafe ver­bo­ten war.
Am Kar­frei­tag 1942 hielt er, auf einer Kiste in der Bara­cke ste­hend, für seine Mit­ge­fan­ge­nen eine Anspra­che, eine Pre­digt. Er medi­tierte mit ihnen den Kreuz­weg und die Pas­sion Christi. „Wie Zeu­gen berich­ten, hat er sein Schema nahezu fal­len las­sen und fuhr fort, „mit einer Art inner­li­chem Jubel, sehr tiefe Dinge, aus­zu­spre­chen, die die Her­zen tra­fen. Es war eine Medi­ta­tion über das Lei­den des Herrn, von dem sein Herz so voll war.“ 224 : „ Seine schwa­che, mono­tone Stimme ver­hallt in dem toten­stil­len Raum, wo Hun­derte starre Gesich­ter nach sei­nen Wor­ten über Got­tes Barm­her­zig­keit und Liebe ver­lan­gen. Ohne Rhe­to­rik spricht er ein­fa­che Worte, die Zugang fin­den zu die­sen teil­weise ver­bit­ter­ten Her­zen“ „Das sah P. Titus als eine mäch­tige Stütze in unse­rer schwie­ri­gen Lage an: das täg­li­che Medi­tie­ren über Got­tes Lei­den für uns… Nur in sei­nen Wun­den fin­den wir Heil.““ „nie habe ich so etwas Ein­drucks­vol­les in mei­nem gan­zen Leben mit­ge­macht.“ Sagt spä­ter ein Ams­ter­da­mer, der unter den Zuhö­rern war. 225
An Ostern war P. Titus Brandsma erschöpft. Fünf Stun­den lang hatte der kranke Mann Oster­beichte gehört. Seine Ener­gie war auf­ge­braucht. Er sprach trotz­dem mit ein­ge­fal­le­nem, müdem, ver­zerr­tem Gesicht seine Osteran­spra­che. Er hielt sich wei­ter auf­recht, er wollte hel­fen.
„Die natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Hen­ker fei­er­ten den Oster­sonn­tag, indem sie 76 Mit­glie­der der gehei­men Unter­grund­be­we­gung Hol­lands zum Tod ver­ur­teil­ten. Mehr als zwei Stun­den lang muss­ten die Gefan­ge­nen die zum Tod Ver­ur­teil­ten anschauen. Titus betete für sie und gab ihnen das heim­lich durch Zei­chen zu ver­ste­hen, indem er die Hände fal­tete und zum Him­mel blickte.“226
Der Mit­ge­fan­gene John Dons (ermor­det 06.05.1942 in Amers­fo­ort) malte heim­lich ein Por­trät von P. Brandsma. Er hatte Titus Brandsma auf der Kran­ken­sta­tion ken­nen­ge­lernt, wo er wegen TBC ein­ge­wie­sen wor­den war.
Der Gesund­heits­zu­stand des Paters ver­schlech­terte sich wei­ter. Eine gefähr­li­che Durch­fall­er­kran­kung mit Blut­ver­lust kam dazu. Am 21.03.1942 mel­dete er sich beim Sani­tä­ter. Dar­auf­hin wurde P. Brandsma ins Kran­ken­re­vier gebracht, in die Dysenterie-Baracke.
Er war schwach und mager.
Er krümmte sich vor Schmer­zen, aß fast nichts und konnte nicht schla­fen. Trotz­dem stand er nach eini­gen Tagen wie­der auf. „ Denn das Feuer der Liebe lässt ihm keine Ruhe mehr. Es drängt ihn, sich für die Kame­ra­den ein­zu­set­zen. Er ver­sorgt sie vorbildlich…erhitzt Steine am Ofen und legt sie auf schmer­zende Stellen…zieht Decken gerade, reicht Essen. Er spricht mit ihnen über Gott und des­sen Liebe zu uns; er mun­tert die Kran­ken auf…“227
„Trau­rig und schreck­lich ist da der Zustand. Unge­fähr sieb­zig Pati­en­ten, zu wenig Pfle­ger und, was noch schlim­mer ist, auch zu wenig Aborte. Seine Freunde sor­gen sich um ihn. Pro­fes­sor Borst aus Ams­ter­dam, der ihn in sei­ner letz­ten Krank­heit behan­delte, jetzt sein Mit­häft­ling, tut, was er unter die­sen Umstän­den tun kann, und nach eini­ger Zeit wird P. Titus als gene­sen, aber schwach und mager auf der Bara­cke entlassen.“228
„Seine Block­ge­nos­sen freuen sich und mah­nen zu Vor­sicht; denn es ist deut­lich, dass seine kör­per­li­che Wider­stands­fä­hig­keit auf ein Mini­mum her­ab­ge­sun­ken ist. Aber sein Los ist schon bestimmt.“ 229
Zurück in der Bara­cke, ist P. Brandsma wei­ter von Zwangs­ar­beit befreit. So bleibt Zeit für die Seel­sorge an den Kame­ra­den.
Auch im Lager Amers­fo­ort schrieb P. Brandsma ein Gedicht:
„Das Leid mich immer­fort befiel.
Unmög­lich war es abzu­weh­ren.
Mit kei­nen Trä­nen zu beschwö­ren.
Sonst hätte längst ich es getan.
Dann traf es mich mit vol­ler Kraft.
Bis still ich lag ohn‘ jedes Wei­nen.
Dul­dend, war­tend muss ich ler­nen.
Dann erst ist’s von mir gewi­chen.
Dies ist nun ein’ge Zeit schon her.
Von wei­tem ich es jetzt noch sehe.
Und ich begreife wirk­lich nicht,
warum ich damals litt mit so viel Wei­nen.“ 230
Am 28.04.1942 231 wurde P. Titus wie­der in das Gefäng­nis Sche­ve­nin­gen ver­legt, um erneut ver­hört zu wer­den. Dies­mal teilte er eine Zelle, Nr. 623, mit ande­ren Kame­ra­den. P. Brandsma sah ent­mu­tigt, ver­zehrt und mager aus. Trotz­dem sprach und betete er mit sei­nen Mit­ge­fan­ge­nen.
Mor­gens betete erkni­end vor dem Bett und sprach:
„Beste Freunde! Bevor wir gemein­sam das Mor­gen­ge­bet spre­chen, will ich Euch sagen, dass ich es sehr nett bei Euch finde. Als ich das letzte mal hier war, hatte ich eine Zelle für mich allein. Aber ich muss sagen, so finde ich es doch gesel­li­ger. Man kann von­ein­an­der ler­nen, und man braucht seine Gedan­ken und Gefühle nicht für sich zu behal­ten. Im übri­gen: Gott ist mit uns.“
Kame­ra­den zu hel­fen war auch hier für ihn wich­tig.
Ein Kame­rad, Piet Holfs­loot, (er über­lebte nicht) schenkte ihm einen gebas­tel­ten Rosen­kranz.
Wie­der musste P. Titus Brandsma Ver­höre über sich erge­hen las­sen. Dabei wurde er über seine Zukunft infor­miert: „Wir haben beschlos­sen, Sie nach Dachau zu schi­cken. Sie wer­den dort bis Kriegs­ende blei­ben.“ 232 P. Titus wusste, das bedeu­tete sei­nen Tod. „
Er ver­ab­schie­det sich vor der Abfahrt nach Dachau von den Kame­ra­den mit den Wor­ten: „Durch­hal­ten, Leute! Gott segne Euch!“
Sein wei­te­rer Weg führte über Den Haag, in das Gefäng­nis in Kleve, wo er zunächst blieb( 16.05.- 13.06.1942). Dort sollte er auf einen Sam­mel­trans­port war­ten. Es bedeu­tete für ihn eine kleine Erho­lungs­pause. . Eine Gedenk­ta­fel erin­nert heute an sei­nen Auf­ent­halt. In Kleve wurde P. Titus gut behan­delt. Ein gläu­bi­ger Wäch­ter und der Gefäng­nis­seel­sor­ger ver­sorg­ten ihn gut. Er konnte die hei­lige Messe mit­fei­ern und kom­mu­ni­zie­ren. Das gab ihm neue Kraft. Er schreibt 28.05 „In Amers­fo­ort bin ich 6 Wo krank gewe­sen. Das war gött­li­che Vor­se­hung…“ 233
Im Gespräch mit dem Gefäng­nis­seel­sor­ger Kaplan Dei­mel aus Kleve „…ließ er sei­nen Trä­nen freien Lauf, Trä­nen der mensch­li­chen Angst vor dem Trans­port nach Dachau, von dem er wusste, dass er sei­nen Tod bedeu­tete.“ 234 Er war jeder­zeit bereit ,das Opfer sei­nes Lebens zu brin­gen. Ein mensch­li­ches Opfer hat nur Sinn, wenn es aus­füllt, was am Lei­den Christi noch fehlt. Er wusste Dachau wird sein Gol­go­tha.
Trotz­dem trös­tete er, dem der Tod bevor­stand, einen sei­ner Wär­ter:
wei­ter nichts bes­ter Freund? Dann machst du dir Sor­gen über Dinge, die es nicht wert sind. Du musst nur gut beten und den­ken: was wir hier auf Erden schon erlei­den, brau­chen wir im Fege­feuer nicht mehr abbü­ßen. …Doch wenn Gott es so will, muss es gesche­hen, sage ich dir, und dann willst du grü­beln? Nicht grü­beln, bes­ser Beten!“ 235
P. Titus ver­suchte in einem Brief an die Gestapo sein Schick­sal noch zu ändern. Er schlug
die Inter­nie­rung in einem Klos­ter vor. Er begrün­dete dies mit sei­nen gesund­heit­li­chen Pro­ble­men. Magen­blu­tun­gen, Harn­bla­sen­ent­zün­dung, Ruhr, Krämp­fen. Der Zeit­punkt war aber unglück­lich, er fiel mit dem Atten­tat auf Gau­lei­ter Hey­drich in der Tsche­cho­slo­wa­kei zusam­men. Er war keine gute Zeit für Gnade, die Sicher­heit des Lan­des musste geschützt wer­den. 236So konnte der Abtrans­port ins KZ nicht ver­hin­dert wer­den.
„Kurz bevor Titus Kleve ver­ließ, schrieb er:
In Dachau werde ich neue Freunde tref­fen. Der Herr, mein Gott, ist über­all.„237
„Es könnte ein lan­ger Auf­ent­halt in Dachau wer­den. Um die Wahr­heit zu sagen: Dachau ist nicht gerade ein Name, des­sen Klang zu hören man sich sehnt.““238
Beim Abschied sagte P. Titus zu sei­nem Wäch­ter: „Was kann mir jetzt noch pas­sie­ren, wo Gott selbst so gut war, sich mir zuzu­ge­sel­len?“ 239
Am 13.06.1942 ging Trans­port nach Dachau ab 240. Die Gefan­ge­nen wur­den in einem Vieh­wa­gen trans­por­tiert. Der Weg führte über Nürn­berg, wo die Gefan­ge­nen in der Turn­halle eines Gym­na­si­ums über­nach­ten muss­ten.
Am 19. Juni 1942 kam der Trans­port mit P. Titus im KZ Dachau an. 241, 242, 243 Ihm wurde die Häft­lings­num­mer 30492 zuge­teilt.
Im KZ Dachau lebte eine große Gruppe Geist­li­cher, die aus poli­ti­schen Grün­den gefan­gen waren. Es waren zu die­ser Zeit rund 1600 katho­li­sche Pries­ter unter ihnen. 244
P. Titus kam halb tot im Lager an.
„Vom ers­ten Tag sei­nes Lager­le­bens an pro­vo­zierte P. Titus mit sei­ner Ruhe und hei­te­ren Gelas­sen­heit seine Bewa­cher. Er musste den gan­zen Ter­ror nazis­ti­scher Bru­ta­li­tät erfah­ren: Schläge mit Fäus­ten, Stö­cken und Bret­tern, Fuß­tritte und mar­schie­ren auf Kie­sel­stei­nen.“ 245
Der Ver­lust der Men­schen­würde, die Ent­eh­rung alles Mensch­li­chen, respekt­lo­ses ange­brüllt wer­den, aber auch Gewalt und Hetze waren für den Aus­ge­zehr­ten zu viel. Immer noch dachte er zuerst an die ande­ren. Er sorgte sich um jene, die im KZ dabei waren ihren Ver­stand zu verlieren-  und beson­ders auch um die Män­ner der SS.
Er wurde wei­ter­hin sehr grau­sam behan­delt und erbar­mungs­los geschla­gen, bis er bewusst­los zusam­men­brach 246.
Er betete laut: „Herr, ver­zeih ihnen, denn sie wis­sen nicht, was sie tun.“ Dabei zitierte er die Worte Jesu aus dem Evan­ge­lium und wurde auch in die­ser Bezie­hung sei­nem Herrn gleich.
Er hatte für sich selbst immer Hoff­nung:
Jetzt geht mein Weg durch einen Tun­nel, den ich durch­schrei­ten muss, um zum strah­len­den, abend­lo­sen Tag des ewi­gen Lebens zu gelan­gen.“ 247
P. Titus Brandsma blieb auch in Dachau der Sie­ger. Er besiegte den Hass und konnte auch im KZ noch alle lie­ben, auch seine Feinde. 248 Er liebte beson­ders die Pries­ter­ka­me­ra­den, aber auch seine Fol­te­rer, hero­isch.
Zunächst ver­brachte er einige Zeit im Zugangs­block, wo er die Regeln des Lager­le­ben ler­nen sollte. 249 Schon in Kleve konnte er vor das Vater­un­ser nicht mehr in sei­ner Mut­ter­spra­che beten. Erschöp­fung und Hun­ger hat­ten sein Gehirn ange­grif­fen. Trotz­dem musste er im Zugangs­block des KZ Dachau deut­sche Lager­lie­der aus­wen­dig ler­nen. Das war viel zu ler­nen für den kran­ken 60-Jährigen.“ 250
Schließ­lich wurde er auf den Pries­ter­block Nr. 28 ver­legt. Dort wohn­ten damals 1200 Geist­li­che 251. Hier traf er sei­nen Mit­bru­der Bru­der Raphael Tijhuis, der ihm in den letz­ten Wochen nach Kräf­ten half.
P. Titus schrieb in einem Brief am 12.07.1942: „Mir geht es gut. Es heißt sich neuen Umstän­den anpas­sen, und das gelingt mit Got­tes Hilfe auch hier. Der liebe Herr­gott wird wei­ter­hel­fen.“ 252 „Mit Got­tes Hilfe gelingt es mir, und mit sei­nem Bei­stand kann ich es fort­set­zen.“ Aus sei­nen Wor­ten spricht Hin­gabe und rest­lo­ses Ver­trauen auf Got­tes Hilfe. 253
Mor­gens ging er für 5 Minu­ten zum Block 30, nebenan. Dort traf er sich mit pol­ni­schen Geist­li­chen zu Gesprä­chen. Er sprach über den Kar­mel­or­den mit Ihnen und schon nach 2 Wochen nahm P. Titus einem Geist­li­chen dort die Gelübde ab und so in den 3. Orden der Kar­me­li­ter auf. Dies wurde durch den Ritus einer ein­fa­che Hand­auf­le­gung durchgeführt.254
Es ging P.Titus Brandsma nicht gut, „das lange Hun­gern hat P. Titus krank und kraft­los gemacht. Sein Gesicht, fahl und ein­ge­fal­len, ist fast unkennt­lich gewor­den; seine Beine geschwol­len, und auf sei­nem lin­ken Fuß ist eine Geschwulst auf­ge­bro­chen; in sei­nen Augen liegt etwas Unwirk­li­ches.“ 255
Trotz­dem wurde er wie alle Kame­ra­den behan­delt. Beschimp­fun­gen, Hetze, Arbeit, lan­ges Ste­hen am Appell­platz erschöpf­ten auch Gesün­dere.
P. Titus wurde täg­lich furcht­bar geschla­gen, sogar gegei­ßelt, bewußt wie Jesus. Der Hass auf einen alten, kran­ken Mann war groß. Er galt seit sei­ner Ver­haf­tung als ein gefähr­li­cher Geg­ner des Natio­nal­so­zia­lis­mus.
In die­sem Zustand wurde P. Titus zur Zwangs­ar­beit auf dem Bau­ern­hof „Lieb­hof“ ein­ge­teilt. Es war eines der schwers­ten Arbeits­kom­man­dos. (Er lag unge­fähr dort, wo sich heute das Schul­zen­trum Dachau Ost befin­det.) Er war sehr geschwächt. Seine Mus­keln ver­lo­ren durch die dau­ernde Über­an­stren­gung ihre Spann­kraft. Schließ­lich konnte er ohne Hilfe kaum mehr auf­ste­hen, wenn er sich mal heim­lich hin­setzte.
„Aber seine Geduld, sei­nen inne­ren Frie­den ver­liert er nicht.“ 256
Jeden Tag muss­ten die Häft­linge 4 mal zu Fuß zur Arbeit und zurück gehen. Die Ent­fer­nung betrug nur ca. 1 km. In den Holz­schu­hen und kör­per­lich geschwächt dau­erte der Marsch jeweils eine quä­lende halbe Stunde. Abends konnte er kaum mehr heim lau­fen. 257 Am Ende eines sol­chen Arbeits­ta­ges muss­ten die Kame­ra­den den Erschöpf­ten wie­der­holt zur Bara­cke tra­gen. 258
Nach weni­gen Tagen waren seine Füße in den Holz­schu­hen wund gerie­ben und mit eitern­den Wun­den über­sät, die auch blu­te­ten. Ver­bands­ma­te­rial gab es nicht. Die Schuhe waren zu Fol­ter­werk­zeu­gen gewor­den. Die Beine durch Hun­ger von Was­ser ange­schwol­len, pass­ten kaum in Schlap­pen. Beson­ders mor­gens muss­ten sie mit Gewalt hin­ein gepresst wer­den.
Der kar­me­li­ti­sche Mit­bru­der Rafael half ihm, die Wun­den zu säu­bern und not­dürf­tig mit Papier­fet­zen zu verbinden,…“Große Schmer­zen?“ fragte die­ser P. Titus. „Nein danke Brü­der­chen. Schau mal, nun bin ich wie­der ganz…“ 259
P. Urban­ski, ein pol­ni­sche Mit­ge­fan­ge­ner, erzählt von der inne­ren Hal­tung, mit der P. Titus all das ertrug: „Trotz allem bewahrte er sei­nen freund­li­chen Gleich­mut, und inmit­ten des Elends, das uns von allen Sei­ten bedrohte, berührte seine Hei­ter­keit unser Herz zutiefst.“ Ein ande­rer Häft­ling meinte: „Er strahlte einen hei­te­ren Mut aus.“ 260
„In ihm war eine tiefe Quelle des Frie­dens, dass es unser Herz berührte.“ 261 „Trotz­dem mun­terte er seine Mit­ge­fan­ge­nen auf, er hatte immer ein Gebet für seine Ver­fol­ger auf den Lip­pen.“ 262
„Unab­läs­sig mahnte Titus seine Lei­dens­ge­nos­sen: „Ver­fallt nicht dem Hass Seid gedul­dig. Wir sind hier in einem dunk­len Tun­nel, aber wir müs­sen vor­an­schrei­ten. Am Ende wird uns das ewige Licht erstrah­len.“ 263
P. Titus Brandsma blieb in allem gedul­dig und gütig. Diese gedul­dige Hilf­lo­sig­keit reizte seine Auf­se­her. Sie wur­den wütend. „Block- und Stu­benäl­teste, bei­des Roh­linge, die dafür aus­er­se­hen sind, den Pries­tern eine neue Erzie­hung ange­dei­hen zu las­sen, bear­bei­ten sei­nen erschöpf­ten Kör­per mit Fäus­ten und Stö­cken.“ 264
Ein Zeuge berich­tet: „Sein kur­zer Auf­ent­halt in Dachau war ein wah­res Mar­ty­rium; den­noch blieb er immer froh und war uns allen ein Vor­bild und sogar eine Stütze.“ 265, 266
Ein ande­rer Mit­ge­fan­ge­ner berich­tet: „Auch nach sol­chen Behand­lun­gen blieb er die Ruhe selbst, immer fröh­lich, zuver­sicht­lich und ohne Klage.“ 267
Schon „in sei­nem im Jahre 1938 ver­fass­ten Tes­ta­ment schreibt er: „Ich ver­eine mich in mei­nem Tode mit dem Tode mei­nes Erlö­sers und stelle mich mit Maria zu Füßen des Kreu­zes. Mise­ri­cor­dias domini in aeter­mum can­tabo.“” 268
„Auch in die­sem Zustand fin­det P. Titus Gott. Er fin­det Ihn, jetzt, da all­mäh­lich alles von ihm abfällt und er dem Ende immer näher kommt, in sei­nem tiefs­ten Inne­ren. Er fin­det Gott aber auch in ande­rer Weise. Die deut­schen Geist­li­chen aus Block 26, die als beson­dere Ver­güns­ti­gung hl. Messe fei­ern dür­fen, haben einen Weg gefun­den, um in heim­lichs­ter Weise ihren Mit­brü­dern aus Block 28 das Hei­ligste Sakra­ment zu über­ge­ben. So genießt P. Titus mehr­mals das Glück, mit einer klei­nen Par­ti­kel der hlei­li­gen Hos­tie kom­mu­ni­zie­ren zu kön­nen. Es ist ihm sogar einige Male ver­gönnt, das Hei­ligste Sakra­ment einen Tag und eine Nacht auf­zu­be­wah­ren, Er trägt Chris­tus, geschützt vor den arg­wöh­ni­schen Bli­cken der Auf­se­her, in sei­ner Bril­len­dose. Wenn er wäh­rend der Nacht keine Ruhe fin­den kann (vor Schmer­zen 269), ver­bringt er die lange Zeit in Anbetung.“270
P. Titus betete Rosen­kranz und den Kreuz­weg. „Wie war die Nacht, Pater Titus?“ erkun­digte sich Bru­der Raphael. „Vor­treff­lich! Weil Gott mich ges­tern Abend so gut beschirmt hat, habe ich Nacht­wa­che gehal­ten.“ 271
Mor­gens ist er so erschöpft, dass Br. Raphael Gebete zur Jung­frau vom Berge Kar­mel vor­be­ten lässt. Er kann sich die Worte nicht mehr mer­ken. Maria ist ihm sehr wich­tig, auch jetzt. „Maria muss hel­fen; wenn sie uns bei­steht, kön­nen wir viel ertra­gen.“ 272, sagte er oft.
Sein Gebet lau­tet: „Stehe mir bei in mei­nem Leben, tröste mich in mei­nem Ster­ben mit dei­ner lie­bens­wür­di­gen Gegen­wart.“ 273
„ Wie Chris­tus will auch er sich auf sei­nem Wege zum Gip­fel des Kal­va­ri­en­ber­ges von sei­ner Mut­ter beglei­ten las­sen.“ 274
P. Titus ver­barg das Aller­hei­ligste, das ihm heim­lich über­ge­ben wurde, ein­mal ein­ge­klemmt unter einem Arm, bis zu einer Gele­gen­heit zur Kom­mu­nion.
„Als Titus ein­mal die hl. Hos­tie in einem Tabak­beu­tel nach drau­ßen brachte, fiel einer der Wäch­ter
über ihn her und ver­prü­gelte ihn, weil er angeb­lich den Küchen­bo­den nicht sau­ber genug gerei­nigt hatte. Den Beu­tel fest an sich gepresst ließ P. Titus den Wut­an­fall über sich erge­hen und schleppte sich zu sei­ner Liege. Ein eben­falls inhaf­tier­ter Kar­me­lit, Bru­der Raphael Tijhuis, ver­suchte ihn zu trös­ten. „Danke, Bru­der,“ sagte Titus, „aber du brauchst dich nicht zu sor­gen. Jesus war in der Eucha­ris­tie bei mir.“ 275, 276 Das war ihm Trost genug.
Bru­der Raphael fragte dar­auf­hin: „Hat Wal­ter dir sehr weh getan?“ „Nein Brü­der­chen! Schmer­zen habe ich keine gehabt. Ich wusste ja, wen ich bei mir trug. Nun wol­len wir gemein­sam das „Adoro te“ beten. Aber vor­sich­tig, sonst bekommst du auch noch Schläge.“ 277
Am Abend danach wurde P. Titus wie­der gegei­ßelt. Seine Jacke war ganz blu­tig. Er sagte: „ Es ist nicht schlimm, der liebe Hei­land ist bei mir… Jetzt muss ich selbst wahr­ma­chen, was ich frü­her gelehrt habe.“
Mit gro­ßer Gelas­sen­heit trug P. Titus sein Kreuz. Nie hörte man von ihm eine Klage. Nie ver­lor er seine Hei­ter­keit und sein Lächeln. Die Freude war selbst jetzt aus die­sem Gesicht, das durch Faust­schläge ent­stellt war, nicht gewi­chen. Seine Stimme war schwä­cher gewor­den, und seine natür­li­che Beweg­lich­keit hatte nach­ge­las­sen. Und doch war er jeder­manns Freund geblie­ben und hörte nicht auf, sei­nen Hen­kern freund­lich und herz­lich zu begeg­nen. Diese tra­ten und schlu­gen ihn, aber P. Titus blieb fast über­mensch­lich gelas­sen, ruhig und fried­lich.
Der Geist blieb unge­bro­chen, trotz aller Qual. 278 „ Trotz allem bewahrte er sei­nen freund­li­chen Gleich­mut, und inmit­ten des Elends, das uns von allen Sei­ten bedrohte, berührte seine Hei­ter­keit unser Herz zutiefst.“
„Den­noch blieb er mensch­lich und geis­tig auf­recht. …Trotz sei­ner hoff­nungs­lo­sen Lage die ande­ren trös­tete, ihnen half und sie vom Glau­ben her ermu­tigte und stärkte.“, viele über­le­bende Lei­dens­ge­nos­sen bezeug­ten dies. 279
Bru­der Rafael erzählt spä­ter: „ Pater Titus ermun­terte alle. Immer sagte er: „Durch­hal­ten, Freunde! Im August wer­den wir wie­der frei sein.“ Er betete sehr viel. Wenn ihm etwas geschah, das ihm Schmer­zen berei­tete, lächelte er: „Wenn Chris­tus es so will, dann ist es gut so. Brü­der­chen.“ Vor allem sei­nen pol­ni­schen Mit­brü­dern war er eine große Stütze. Schade, dass er nur so kurze Zeit bei uns sein konnte.“ 280
Der mit­ge­fan­gene Pfar­rer Over­duin berich­tete: „Unser auf­rech­ter, from­mer Bru­der in Chris­tus – der Geist unge­bro­chen, immer freund­lich und froh­ge­mut im Herrn und immer betend für seine Hen­ker.“
P. Titus zitierte die hei­lige The­resa von Avila: „Nada te turbe, nichts soll dich ängs­ti­gen! Wir wol­len uns um nichts sor­gen. Gott ist mit uns. Was kann uns noch pas­sie­ren! Im Ver­gleich mit den see­li­schen und kör­per­li­chen Schmer­zen Christi kön­nen wir mit dem Wenigs­ten zufrie­den und mit dem Schlimms­ten getrös­tet sein.“281
Unab­läs­sig mahnte P. Titus seine Lei­dens­ge­nos­sen, ermu­tigte und trös­tete sie. Für jeden fand er ein Lächeln, ver­ste­hende Worte, eine freund­li­che Geste. Der Dienst als Seel­sor­ger und Pries­ter im Lager war ihm wich­tig. Dafür inves­tierte er seine letz­ten Kräfte. 282 „Bis zuletzt gab er den ande­ren Gefan­ge­nen Halt und schenkte ihnen Hoff­nung: er hatte für alle ein Lächeln, ein ver­ste­hen­des Wort, eine gütige Geste.“ 283
„Ver­fallt nicht dem Hass Seid gedul­dig. Wir sind hier in einem dunk­len Tun­nel, aber wir müs­sen vor­an­schrei­ten. Am Ende wird uns das ewige Licht erstrah­len.“, berich­tete P. Albert Urban­ski. 284
Er sagte zu sei­nen Mit­brü­dern wie­der­holt: „Betet für die Wachen. Die Liebe wird ihre Her­zen gewin­nen. Wir dür­fen die Liebe nicht auf­ge­ben. Nur die Liebe kann siegen.“285
Im letz­ten Brief an sein Hei­mat­klos­ter schrieb er, trotz sei­nes geschla­ge­nen, gebro­che­nen Kör­pers vol­ler Infek­tio­nen:
„Mir geht es gut. Ihr müsst euch an die neue Situa­tion gewöh­nen. Mit Got­tes Hilfe wird alles gut gehen. Macht euch nicht so viele Sor­gen über mich. In Chris­tus, euer Anno.“ 286
Papst Johan­nes Paul II fasste bei der Selig­spre­chung die Situa­tion im KZ Dachau aus geist­li­cher Sicht fol­gen­der­ma­ßen zusam­men: „Aus die­ser Prü­fung ist Titus Brandsma als Sie­ger her­vor­ge­gan­gen. Inmit­ten wüten­den Has­ses brachte er es fer­tig, zu lie­ben; alle, auch seine Pei­ni­ger: „Auch sie sind Kin­der des güti­gen Got­tes“, sagte er, „ und wer weiß, ob nicht etwas an ihnen hän­gen bleibt.“287
P. Titus Brandsma fand sogar in die­sem Zustand Gott. „er fin­det ihn, jetzt, da all­mäh­lich alles von ihm abfällt und er dem Ende immer näher kommt, in sei­nem tiefs­ten Inne­ren.“ 288
P. Titus lebte stän­dig in Got­tes Nähe. Mit Got­tes Kraft hörte er Beich­ten, seg­nete er und sprach über die ewi­gen Dinge. Sein Geist war immer noch unver­sehrt.
Nach nur 3 Wochen im KZ Dachau war er nicht mehr arbeits­fä­hig. Er wurde von der schwe­ren Arbeit frei­ge­stellt. Arbeits­scho­nung. 289, 290
Doch beim unum­gäng­li­chen Mor­ge­n­ap­pell ent­deckte ein SS-Mann die als Ver­band um einen wun­den Fin­ger gewi­ckel­ten Lap­pen. Er schlug P. Titus. Die­ser sank gekrümmt zu Boden. In die­ser Hal­tung musste er volle 4 Stun­den ohne Ände­rung aus­hal­ten. Nach den ers­ten Minu­ten bekam er einen Hus­ten­an­fall, der immer schmerz­li­cher und ersti­cken­der wurde. P. Titus betete: „Herr, ver­zeih ihnen, sie wis­sen nicht, was sie tun.“ Beim Abend­ap­pell fra­gen ihn Kame­ra­den: „Kön­nen Sie es noch aus­hal­ten?“ „nein nicht mehr sehr gut.“
Am nächs­ten Mor­gen konnte er nicht mehr. Die Hus­ten­an­fälle hat­ten die letzte Kraft auf­ge­braucht. Er bekam kaum noch Luft.
Dem Drän­gen sei­ner Freunde fol­gend, begab er sich am 10. 07.1942 in das Kran­ken­re­vier.
„Pas­tor Over­duin schrieb spä­ter: „Es ist kalt und es reg­net, als Brandsma, völ­lig geschwächt, end­lich ins Revier stol­pern darf. Noch sehe ich Pro­fes­sor Titus Brandsma von Nij­me­gen, unse­ren auf­rech­ten from­men Bru­der in Chris­tus, zum letz­ten mal im Bade­raum. Der Kör­per ermat­tet und
erschöpft, mager und mit von Was­ser dicken Bei­nen, aber der Geist unge­bro­chen, immer freund­lich und froh­ge­mut im Herrn. Er steckt mir auf die Schnelle noch sein letz­tes Päck­chen Tabak zu, mit dem er nichts mehr anfan­gen konnte: Los, nimm das, du kannst es noch
brau­chen. Er fühlte wohl, dass er es nicht mehr lange machen würde.““291
Alle, wuss­ten es: dies bedeu­tet das Ende.292 Schlimme Infek­tio­nen der Wun­den an den Füs­sen waren durch die Holz­schuhe im Lager ver­ur­sacht wor­den. Dazu kam eine Harn­ver­gif­tung.
Im Revier konnte er wenigs­tens lie­gen, auf einem kar­gen Stroh­sack 293. End­lich Ruhe. Sein Atem wurde bei jedem Hus­ten­an­fall schwä­cher. Von einer medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung war die Situa­tion im Kran­ken­re­vier aber weit ent­fernt.
Es gibt ver­schie­dene Quel­len über das Ster­ben von P. Titus Brandsma. Es wird wohl nicht mehr zu klä­ren sein, wie es genau war. Sicher ist: er starb den gewalt­sa­men Tod eines Mär­ty­rers.
Mys­te­riös ist beson­ders die Aus­sage einer Zeu­gin namens Titia. Im Jahr 1956 behaup­tete sie, sie hätte P. Brandsma eine Kar­bol­säu­re­spritze ver­ab­reicht. Es gab aber keine Pfle­ge­rin­nen im KZ Dachau!

Es wird auch berich­tet, P. Titus wäre ster­bend noch für medi­zi­ni­sche Expe­ri­mente miss­braucht wor­den 294. Dabei sagte er: „Herr, nicht mein Wille geschehe, son­dern der Deine“, dar­auf­hin fiel er in Ohn­macht. 295
Mehr­fach wird berich­tet, dass P. Titus am Tag vor sei­nem Tod bewusst­los wurde. 296
Wei­tere Quel­len beschrei­ben, dass der schon bewusst­lose Kranke vom Lager­arzt durch eine Spritze getö­tet wurde. 297, 298, 299,300
„Wenn wir uns auf die Anga­ben der Lager­lei­tung ver­las­sen wol­len, ver­lor P. Titus am 25.07.1942 die Besin­nung und starb am 26.07.1942 um 14.00 Uhr.“ 301 Es war ein Sonn­tag.
Die offi­zi­elle Todes­nach­richt lau­tet: „…an den Fol­gen von Darm­ka­tarrh im hie­si­gen Kran­ken­haus“ ver­stor­ben.
Die Ster­be­do­ku­mente wur­den aller­dings völ­lig will­kür­lich aus­ge­stellt und besit­zen wenig Wahr­heits­ge­halt. Sie sagen wenig über die tat­säch­li­che Todes­ur­sa­che.
Nach sei­nem Tod berich­tete der bel­gi­sche Jesui­ten­pa­ter de Con­inck über P. Titus Brandsma: „ er starb wirk­lich glück­lich, weil er wie der gegei­ßelte Chris­tus behan­delt wor­den war.“302, 303
„Bis zuletzt gab er den ande­ren Gefan­ge­nen Halt und schenkte ihnen Hoff­nung: er hatte für alle ein Lächeln, ein ver­ste­hen­des Wort, eine gütige Geste. Selbst der Kran­ken­pfle­ger, die ihm am 26.07.1942 die Todes­spritze ver­ab­reichte, bezeugte spä­ter, dass er das Gesicht jenes Pries­ters, der „Mit­leid mit mir hatte“, immer in leben­di­ger Erin­ne­rung habe.“ So Papst Johan­nes Paul bei der Selig­spre­chung. 304
“Er hat sein Leben für die Kir­che geop­fert”, waren die Worte sei­nes Bischofs, Kar­di­nal de Jong, als man ihm die Todes­nach­richt über­brachte 305
Der 26.07.1942, der Tag des Mär­ty­rer­to­des des seli­gen P. Titus Brandsma, ist für die Kir­che in den Nie­der­lan­den noch aus einem ande­ren Grund bedeut­sam:
„An die­sem Tag, einem Sonn­tag, wurde in allen Kir­chen der Nie­der­lande ein Hir­ten­brief der Bischöfe ver­le­sen. Sie pro­tes­tier­ten darin gegen die Depor­ta­tion ihrer jüdi­schen Mit­bür­ger in den Osten, also in die Todes­la­ger in Polen. Die Nazis ord­ne­ten die Ver­haf­tung aller Katho­li­ken jüdi­scher Abstam­mung an. Am fol­gen­den Don­ners­tag wur­den auch die spä­ter hei­lig­ge­spro­chene Edith Stein und ihre Schwes­ter Rosa im Kar­mel in Echt ver­haf­tet und bald dar­auf in Ausch­witz ermordet.“306
Drei Tage spä­ter, am 29.07.14. wurde der Kör­per von P. Titus im Kre­ma­to­rium des KZ Dachau ver­brannt. Seine Asche wurde in einem Mas­sen­grab auf dem Gelände des Kre­ma­to­ri­ums beige­setzt.
In sei­nem Hei­mat­land wurde P. Titus Brandsma nach sei­nem Tod sofort als Hei­li­ger ver­ehrt, noch vor Kriegs­ende 307.
“Er hat sein Leben für die Kir­che geop­fert”, waren die Worte sei­nes Bischofs, Kar­di­nal de Jong, als man ihm die Todes­nach­richt über­brachte
Zahl­rei­che Gebets­er­hö­run­gen waren zusätz­lich der Aus­lö­ser, dass 1955 das Selig­spre­chungs­ver­fah­ren durch Diö­zese ´s-Hertogenbosch ein­ge­lei­tet wurde. 1957 wur­den die in den Nie­der­lan­den gesam­mel­ten Akten nach Rom gebracht. Die dazu­ge­hö­rende Peti­tion um Selig­spre­chung wurde von 600 Bischö­fen, 34 Kar­di­nä­len, hun­der­ten Gläu­bi­gen und vie­len Augen­zeu­gen unter­schrie­ben. Dar­un­ter auch viele pol­ni­sche Bischöfe und der dama­lige Erz­bi­schof von Kra­kau, Karol Wojtyla, der spä­tere hei­lige Papst Johan­nes Paul II.308
Noch vor der Selig­spre­chung wurde in Nijm­we­gen eine Gedächt­nis­ka­pelle zu sei­nen Ehren errich­tet. 309
Sein wis­sen­schaft­li­ches Erbe wird von der Uni­ver­si­tät in Nijm­we­gen bewahrt und wei­ter geführt.
Zu sei­ner Selig­spre­chung am 03.11.1985 reis­ten Dele­ga­tio­nen aus Deutsch­land und den Nie­der­lan­den an. Auf dem Weg nach Rom gab es eine abend­li­che Feier in der Gedenk­stätte des KZ Dachau. Mit bren­nen­den Ker­zen zogen die Teil­neh­mer vom Appell­platz zu Block 26, wo ein beleuch­te­tes Bild des Seli­gen ange­bracht war, und wei­ter zur Todesangst-Christi-Kapelle. Pro­vin­zial P. Pan­kra­tius aus Klos­ter Kamp und Weih­bi­schof Tewes, Mün­chen, spra­chen.
Die Selig­spre­chung von P. Titus Brandsma, die erste Selig­spre­chung eines Mär­ty­rers aus dem KZ Dachau, wurde am 03.11.1985 im Peters­dom in Rom gefei­ert. Kon­ze­le­bran­ten waren Kuri­en­kar­di­nal Ratz­in­ger, (spä­ter Papst Bene­dikt XXVI.) und Pfar­rer a.D. Herr­mann Schei­pers (letz­ter über­le­ben­der Priest­er­häft­ling aus dem KZ Dachau). Der Blu­men­schmuck im Peters­dom war aus den Nie­der­lan­den ein­ge­flo­gen wor­den. Anwe­send waren auch Ver­wandte des Seli­gen und 5 noch lebende Priest­er­häft­linge aus Dachau.
„„Heute ist ein gro­ßer Fest­tag für die Kir­che“, sagte Papst Johan­nes Paul II. anläss­lich der Selig­spre­chung von Pater Brandsma am 3. Novem­ber 1985 im Peters­dom in Rom. „Die Schar der Seli­gen wurde um ein neues Licht berei­chert. Der Mär­ty­rer hat auf heroi­sche Weise Chris­tus sein uner­schro­cke­nes Zeug­nis dargebracht.““310
„Er hat die Mys­tik per­sön­lich in sei­nem Leben gelebt, das in all sei­nen Aspek­ten von der engen Ver­bun­den­heit mit dem Herrn Zeug­nis gibt, in der er stets gelebt hat.“311
Auch in der Fein­des­liebe stellte der Papst P. Titus als Vor­bild dar: „Hass nicht mit Hass, son­dern mit Liebe erwi­dern. „Auch sie sind Kin­der Got­tes, wer weiß, ob nicht etwas an ihnen hän­gen bleibt“312
„Pater Titus war sich übri­gens voll bewusst, dass er alles der Gnade zu ver­dan­ken hat, d.h. dem gött­li­chen Leben, das in ihm wirk­sam war und… in seine Seele floss“ Vgl. Joh 15,5, „ohne mich könnt ihr nichts tun.“313
Bei einer Son­der­au­di­enz sagte Papst JPII: „ Titus Brandsma ist nicht nur ein Mär­ty­rer für Hol­land, son­dern für ganz Europa, ja für die ganze Welt.“ 314
Kuri­en­kar­di­nal Wil­li­brands sagte beim Abschluss­got­tes­dienst: „Titus Brandsma ist auch eine beson­dere Gabe für Deutschland.“315
P. Titus Brandsma ist der erste selig­ge­spro­che­ner Jour­na­list und Patron der Jour­na­lis­ten.
Das Kar­me­li­ter­klos­ter Mainz, das von P. Titus Brandsma wie­der gegrün­det wor­den war, bewahrt bis heute sein Anden­ken. Im April 1986 wurde in einer Gedenk­feier eine Gedenk­ta­fel enthüllt.316 Seit 2009 befin­det sich dort ein Reli­qui­en­schrein mit Email­le­sze­nen von Egino Wei­nert. Dort wird ein Stück  des Hab­its von P. Titus, eine Hemd aus Nij­me­gen und Erde aus KZ Dachau ver­wahrt. Vor 1987 wurde der Schrein in einer Gedenk­stätte in Essen-Frohnhausen, in der Pfar­rei Sankt-Mariä-Geburt ein Reli­qui­en­schrein auf­be­wahrt.
Einige wei­tere Daten sei­ner Ver­eh­rung in Kürze:
Am 02.02.1995 erlaubte die römi­sche Kon­gre­ga­tion für Kul­tus und Sakra­mente der Diö­zese Müns­ter, den Gedenk­tag des Seli­gen auf ihrem Gebiet am 27.07. zu fei­ern.
2003 wurde in sei­nem Geburts­haus in Bols­ward in den Nie­der­lan­den, ein Museum eröff­net.
2004 wurde eine Kir­che in Nij­me­gen sei­nem Patro­nat unterstellt317
Seit 2012 erin­nert eine Gedenk­ta­fel in Kleve an die Tage der Gefan­gen­schaft des seli­gen P. Titus Brandsma in die­sem Gefäng­nis:
„Der Text lau­tet: „Zum ehren­den Anden­ken an den nie­der­län­di­schen Kar­me­li­ter­pa­ter Dr. Titus Brandsma, gebo­ren am 23. Februar 1881 in Bols­ward, Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Nim­we­gen. In der Zeit vom 16. Mai bis 13. Juni 1942 lebte er als Häft­ling in die­sem Gefäng­nis, ehe er in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau ver­bracht wurde. Dort starb er am 26. Juli 1942 als Mär­ty­rer der Men­schen­rechte. Zugleich zum Geden­ken an alle, die wäh­rend der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus hier zu Unrecht inhaf­tiert waren.“
Die Anbrin­gung der Gedenk­ta­fel an der Außen­mauer der Kle­ver Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt war ein wich­ti­ger Mark­stein auf dem Weg der Ver­söh­nung und Wie­der­an­nä­he­rung von Deut­schen und Nie­der­län­dern. 318
Zitate:
Unsere Liebe muss sprich­wört­lich sein. Wir wol­len uns von nie­mand an Liebe über­tref­fen las­sen. Wir müs­sen daran hin­ar­bei­ten unse­ren Mit­men­schen zu hel­fen. “319
Allen unse­ren Arbei­ten muss der Stem­pel der Liebe, der lei­den­schaft­li­chen Liebe zu Chris­tus auf­ge­prägt sein.“320
„Nada te turbe, nichts soll dich ängs­ti­gen! Wir wol­len uns um nichts sor­gen. Gott ist mit uns. Was kann uns noch pas­sie­ren! Im Ver­gleich mit den see­li­schen und kör­per­li­chen Schmer­zen Christi kön­nen wir mit dem Wenigs­ten zufrie­den und mit dem Schlimms­ten getrös­tet sein.“321
„Wir müs­sen eine andere Maria sein. Auch in uns muss Gott gebo­ren werden.“322
„Jetzt haben wir den Auf­trag das Bild Got­tes wie­der hel­ler auf­strah­len zu las­sen über der Welt.“323
„Man sagt, dass wir in einer gro­ßen Zeit leben, in einer Zeit gro­ßer Frauen und Män­ner. Viel­leicht wäre es bes­ser zu sagen, dass wir in der Zeit eines gro­ßen Zusam­men­bru­ches leben, wo sich aber eine Reak­tion abzu­zeich­nen beginnt, und wo man sich umsieht nach einer Ver­tei­di­gung der liebs­ten und hei­ligs­ten Güter. Und des­halb ruft man nach dem star­ken Mann. Aber wir wol­len einen Hel­den, der für eine hei­lige Sache kämpft, für ein Ideal, das auf Got­tes Plan beruht und nicht nur auf mensch­li­cher Kraft.“324
„Das Lesen der Hei­li­gen Schrift, die das Gesetz Got­tes ist, soll uns beson­ders mit Jubel dar­über erfül­len, dass Gott durch seine Gnade in uns wohnt und dass wir vor­an­schrei­ten kön­nen wie Rie­sen, ent­fes­selt durch die reine Liebe und durch die Freude, die uns unsere Aus­er­wäh­lung, ganz über alle unsere stren­gen Ver­pflich­tun­gen hin­aus, verursacht.“325
Das Gebet ist kei­nes­wegs eine Oase in der Wüste des Lebens; es ist das ganze Leben.“326
„…Aber „lasst uns vom Feind ler­nen“ und unser eige­nes Ideal kla­rer und bes­ser zu for­mu­lie­ren. Laßt uns ebenso viel Liebe für unser Ideal hegen und ebenso viel Begeis­te­rung an den Tag legen: die Opfer­be­reit­schaft, dafür zu leben und zu ster­ben, den Mut, es in uns selbst und in ande­ren zu verwirklichen.“327
„Und wenn wir rufen und beten um das Kom­men sei­nes Rei­ches, dann geschieht das nicht in einer Abstu­fung von Rasse und Blut, son­dern dann sind alle Men­schen Schwes­tern und Brü­der, sogar die, die uns has­sen und bekämp­fen, und zwar auf­grund unse­rer Ver­ei­ni­gung mit Ihm, der seine Sonne auf­ge­hen lässt über Gute und Böse.“328
„Wir leben in einer Welt, in der man die Liebe ver­ur­teilt und als Schwä­che bezeich­net, die besei­tigt wer­den muss, über die der Mensch hin­weg kom­men muss. Nicht Liebe, son­dern Ent­fal­tung der eige­nen Kraft gilt! Aß jeden so stark wie mög­lich sein, lass die Schwa­chen unter­ge­hen. Die Zeit für das Chris­ten­tum mit sei­ner Pre­digt der Liebe ist vor­bei; es muss ersetzt wer­den durch die alte ger­ma­ni­sche Kraft. Mit die­sen Dog­men tre­ten sie auf, und es gibt Men­schen, die dafür sehr emp­fäng­lich sind. Die Liebe wird ver­kannt: „Die Liebe wird nicht geliebt“, rief sei­ner­zeit schon der hei­lige Franz von Assisi…“329
Ach, ich möchte auch die Glo­cken läu­ten, um der Welt zu sagen, wie schön die Liebe ist. Wenn auch das neue Hei­den­tum die Liebe nicht mehr will, wir wer­den – ein­ge­denk der Geschichte – den­noch mit der Liebe das Hei­den­tum über­win­den und unsere Liebe nicht preis­ge­ben. Die Liebe wird uns das Herz der Hei­den wie­der gewin­nen las­sen. Die Natur geht über die Lehre. Aß die Theo­rie die Liebe ver­wer­fen und ver­ur­tei­len, sie als Schwä­che bezeich­nen, die Pra­xis des Lebens wird sie immer wie­der eine Kraft sein las­sen, die die Her­zen der Men­schen über­win­det und gefan­gen hält.“330
Jetzt geht mein Weg durch einen Tun­nel, den ich durch­schrei­ten muss, um zum strah­len­den, abend­lo­sen Tag des ewi­gen Lebens zu gelan­gen.„331
„Maria muss hel­fen; wenn sie uns bei­steht, kön­nen wir viel ertragen.“332
Ver­fallt nicht dem Hass Seid gedul­dig. Wir sind hier in einem dunk­len Tun­nel, aber wir müs­sen vor­an­schrei­ten. Am Ende wird uns das ewige Licht erstrah­len.“ 333
„Jesus hat selbst gesagt, dass er das Haupt des mys­ti­schen Lei­bes ist, des­sen Glie­der wir sind. Er ist der Wein­stock, wir sind die Reben. Er hat sich auf der Kel­ter aus­ge­streckt und sie bedient. So hat er uns den Wein gege­ben, damit wir, wenn wir ihn trin­ken, von sei­nem Leben leben und an sei­nen Lei­den teil­ha­ben. Wer mein Jün­ger sein will, der nehme täg­lich sein Kreuz auf sich. Wer mir nach­folgt, wird das Licht des Lebens haben. Ich bin der Weg. Ich habe euch ein Bei­spiel gege­ben, damit auch ihr so han­delt, wie ich an euch gehan­delt habe. Und da seine Jün­ger von sich aus nicht ver­stan­den, dass sein Weg ein Weg des Lei­dens sein musste, erklärte er es ihnen so: Muße nicht der Mes­sias all das erlei­den, um so in seine Herr­lich­keit zu gelan­gen?
Da brannte den Jün­gern das Herz in der Brust. Das Wort Got­tes begeis­terte sie. Und als der Hei­lige Geist auf sie herab kam wie gött­li­ches Feuer, das sie in Brand setzte, da freu­ten sie sich, Ver­ach­tung und Ver­fol­gung erlei­den zu dür­fen, denn so waren sie dem ähn­lich, der ihnen auf dem Weg des Lei­dens vor­aus­ge­gan­gen war. Schon die Pro­phe­ten hat­ten den Lei­dens­weg Christi ange­kün­digt, und die Jün­ger ver­stan­den auf ein­mal, dass er ihn sich nicht erspart hatte. Von der Krippe bis zur Mar­ter am Kreuz waren Armut und Unver­ständ­nis sein Los. Er hatte sein Leben damit zuge­bracht, die Men­schen zu leh­ren, dass Gott Leid, Armut, Unver­ständ­nis der Men­schen anders sieht, als es die Tor­heit mensch­li­cher Weis­heit tut. Auf die Sünde musste das Lei­den fol­gen, so dass, durch das Kreuz, die ver­lo­rene Herr­lich­keit und das Leben des Men­schen durch Gott wie­der­er­langt würde. Lei­den ist der Weg zum Him­mel. Im Kreuz ist Heil. Und das Kreuz ist der Sieg. Gott hat es so gewollt. Er selbst nahm die Pflicht des Lei­dens im Hin­blick auf die Herr­lich­keit der Erlö­sung auf sich. Der hl. Pau­lus macht uns deut­lich, wie alles Unheil sei­nes irdi­schen Lebens unbe­deu­tend ist, wie es als nich­tig und ver­gäng­lich betrach­tet wer­den muss im Ver­gleich mit der Herr­lich­keit, die uns offen­bar wer­den wird, wenn die Zeit des Lei­dens ver­gan­gen ist und wir Got­tes Herr­lich­keit schauen.
Maria, die alle Worte Got­tes in ihrem Her­zen bewegte, ver­stand in der Fülle der Gnade, die ihr gewährt wurde, den gro­ßen Wert des Lei­dens. Als die Apos­tel flo­hen, ging sie, um den Erlö­ser auf dem Weg zum Kal­va­ri­en­berg hin­aus zu sehen und stand unter dem Kreuz, um sei­nen Gram und seine Schande bis zum Ende zu tei­len. Und sie trug ihn zum Grab, in der fes­ten Über­zeu­gung, er werde auf­er­ste­hen.
Es wider­strebt uns, wenn er uns den Kelch des Lei­dens reicht. Es ist so schwer für uns, uns dem Lei­den zu erge­ben. Sich daran zu erfreuen erscheint uns hero­isch. Was ist das Opfer unse­rer selbst wert, wenn wir uns an jeden Mor­gen nur in Wort und Geste, nicht aber in Gedan­ken und im Wil­len mit jenem Opfer ver­ei­nen, das wir mit der Kir­che dar­brin­gen, mit ihm, mit dem wir in einem Leibe ver­eint sind?“ 334
Gebete:
„Gott, Du Quell und Ursprung des Lebens,
Du hast dem seli­gen Titus Brandsma den Geist des Mutes ver­lie­hen,
trotz ernied­ri­gen­der Ver­fol­gung und Todes­dro­hung
für die Frei­heit der Kir­che und die Würde des Men­schen
ein­zu­tre­ten.
Höre auf seine Für­spra­che und hilf uns, dass wir in der
Erwar­tung Dei­nes Rei­ches der Gerech­tig­keit und des Frie­dens treu zum
Evan­ge­lium ste­hen und
Dich in den Bedräng­nis­sen des Lebens als den
Barm­her­zi­gen erken­nen.
Darum bit­ten wir durch Chris­tus unse­ren Herrn.
Amen.
Gott, Vater im Him­mel,
immer wie­der willst Du durch Dein Wort und durch Dei­nen Geist zu mir kom­men.
Du willst mich zu der Ein­sicht füh­ren, dass
ich Wesent­li­ches vom Unwe­sent­li­chen zu unter­schei­den ver­mag.
Du willst mich mit Dei­nem Geist erfül­len,
so dass ich nicht ver­sage, wenn Schläge mich tref­fen.
Ich wende mich an Dich, Vater,
und gedenke dabei der seli­gen Jung­frau Maria,
die zutiefst aus ihrem Glau­ben her­aus gelebt hat.
Aber ich gedenke auch des seli­gen Titus Brandsma.
Er war ein Mann der Ver­söh­nung.
Dei­nen Wil­len zu erfül­len und den christ­li­chen Prin­zi­pien treu zu blei­ben,
war sein Bestre­ben.
Und dazu war er zutiefst ein Mensch, vol­ler Ver­ständ­nis für alle, die um seine Hilfe baten.
Von ihm kann gesagt wer­den, was die Bibel vom Pro­phe­ten Elias sagt:
„Er eiferte für die Sache Got­tes.“
Seine große Anteil­nahme an der Not der Men­schen
drängt auch mich zum Beten.
Darum, Vater im Him­mel, bitte ich Dich, nimm mein Beten an.
Gib mir Ein­sicht und Dei­nen guten Geist,
dass ich nach Dei­nem Wil­len,
der auch von mir erfüllt wer­den muss, leben kann,
in guten und in bösen Tagen, in Liebe und Leid.
Darum bitte ich durch Chris­tus unsern Herrn.
Amen. 335

Anmer­kun­gen:

1 Chris­to­pho­rus Ver­hal­len O. Carm in , Titus Brandsma, Das Erbe des Pro­phe­ten, Köln 1958, S. 73
2 Titus Brandsma, Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, Bam­berg 1982, S. 3
3 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 3
4 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
5 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html

6 Arti­kel in Kirche+Leben, Region Nie­der­rhein, vom 26.05.1985
7 Wil­helm Scha­moni, Zei­tungs­bei­lage Offerten-Zeitung Abens­berg
8 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 6
9 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 6
10 Leben­di­ger Kar­mel, Titus Brandsma: eine Bot­schaft der Hoff­nung, Bam­berg, 1986, Sankt-Otto-Verlag , S. 8
11 KLEIN, Hed­wig, Lie­ben­der ohne Maß, Titus Brandsma, Kreuzring-Bücherei, Trier, 1967, Johann Josef Zim­mer Ver­lag GmbH,

S. 18
12 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 6
13 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 7
14 BRANDSMA, Titus, O.Carm., Meine Zelle, Mün­chen 1967, Ars Sacra, S. 2
15 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 7
16 Wil­helm Scha­moni, Zei­tungs­bei­lage Offerten-Zeitung Abens­berg
17 Klein, S. 29
18 Arti­kel in Kirche+Leben, Region Nie­der­rhein, vom 26.05.1985
19 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 7
20 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
21 Ver­hal­len, S. 74
22 Klein, S. 33

23 Fre­quin Louis- Ter­stegge Ansel­mus, Titus Brandsma, Die Geschwis­ter Löw, Ver­folg­ter Glaube- Ver­nich­te­tes Leben, S. 24
24 Leben­di­ger Kar­mel S. 61
25 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 10
26 Pre­digt bei der Selig­spre­chung, Leben­di­ger Kar­mel S. 32
27 Klein, S. 83
28 Ver­hal­len, S. 77
29 Ver­hal­len, S. 74
30 Ver­hal­len, S. 77
31 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
32 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html

33 Rhei­ni­sche Post, Grenz­land Post vom 09.11.1985
34 P. Dr. Leo Groo­thuis O.Carm
35 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
36 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 15
37 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 15
38 Ver­hal­len, S. 74
39 Ver­hal­len, S. 74
40 www.bistum-regensburg.de/fileadmin/user_upload/newsletter-archiv/Maertyrer_im_Dienste_von_Konnersreuth_Praelat_Moll.pdf
41 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 10
42 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 12
43 Leben­di­ger Kar­mel, S. 53

44 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 12
45 Wiki­pe­dia
46 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 12
47 Ver­hal­len, S. 78
48 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 15
49 Ver­hal­len, S. 78
50 Klein, S.52
51 Geis­bauer, S. 16

52 Leben­di­ger Kar­mel, S. 54
53 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
54 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
55 Ver­hal­len, S. 78
56 Wil­helm Scha­moni in Bei­lage zur Offerten-Zeitung Abens­berg (Datum nicht bekannt)
57 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
58 Gloria.tv
59 Wil­helm Scha­moni in Bei­lage zur Offerten-Zeitung Abens­berg
60 Kar­mel aktu­ell S. 175, Rest ?
61 Ver­hal­len, S. 78
62 Ver­hal­len, S. 78
63 Ver­hal­len, S. 78
64 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984

65 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
66 Ver­hal­len, S. 78
67 Radio Horeb, Kalen­der­blatt 26.07.11
68 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
69 Ver­hal­len, S. 76
70 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
71 Papst Johan­nes Paul II zitiert Geis­bauer ,S. 25
72 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
73 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
74 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 12
75 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 12

76 www.titusbrandsmamemorial.nl/tituswandelung.htmc
77 Ver­hal­len, S. 78
78 Ver­hal­len ,S. 79
79 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 10
80 Klein, S. 39
81 Ver­hal­len S. 75
82 Geis­bauer, S. 11
83 Ver­hal­len, S .79
84 Ver­hal­len, S. 77
85 Klein, S.61

86 Klein, S 74
87 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 10
88 Ver­hal­len, S. 80
89 Ver­hal­len ,S. 79
90 Geis­bauer, S. 13
91 Ver­hal­len, S. 77
92 www.Saints.sqpn.com/blessed-titus-brandsma
93 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 10
94 Ein luthera­ni­scher Freund, in Leben­di­ger Kar­mel, S. 9
95 Leben­di­ger Kar­mel, S. 29

96 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
97 Klein, S. 37
98 Ver­hal­len, S. 79; http://brautdeslammes.blogspot.de/2013/07/nun-gehen-wir-nach-jerusalem-hinauf.html
99 Ver­hal­len, S. 79
100 Leben­di­ger Kar­mel, S. 54
101 Leben­di­ger Kar­mel, S. 55
102 Leben­di­ger Kar­mel, S. 61
103 Geis­bauer ,S. 28
104 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 10
105 Ver­hal­len, S. 80

106 Geis­bauer, S. 10
107 Klein, S. 37
108 Ver­hal­len, S. 74
109 Klein, S. 51
110 Klein, S. 66
111 Klein, S. 70
112 Geis­bauer, S. 14

113 Geis­bauer, S. 16
114 Ver­hal­len, S. 74
115 Ver­hal­len ,S. 79
116 Ver­hal­len ,S. 76
117 Geis­bauer, S. 11
118 Ver­hal­len, S. 75
119 Ver­hal­len ,S. 76

120 Ver­hal­len ,S. 77
121 Leben­di­ger Kar­mel, S. 62
122 Leben­di­ger Kar­mel, S. 62
123 Leben­di­ger Kar­mel, S. 79
124 Ver­hal­len, S. 75
125 Fre­quin, Ter­stegge, S. 24
126 Moll, www.bistum-regensburg.de/fileadmin/user_upload/newsletter-archiv/Maertyrer_im_Dienste_von_Konnersreuth_Praelat_Moll.pdf

127 Moll, S. 9f, www.bistum-regensburg.de/fileadmin/user_upload/newsletter-archiv/Maertyrer_im_Dienste_von_Konnersreuth_Praelat_Moll.pdf
128 Klein, S. 53
129 Leben­di­ger Kar­mel, S. 76
130 Klein, S. 71
131 Klein, S. 54f
132 Ver­hal­len, S. 81
133 Klein, S. 81

134 Klein, S. 82
135 Klein, S. 83
136 Ver­hal­len, S. 81
137 Titus Brandsma, zitiert auf: http://brautdeslammes.blogspot.de/2013/07/nun-gehen-wir-nach-jerusalem-hinauf.html
138 Papst Johan­nes Paul II bei der Selig­spre­chung, Geis­bauer, S. 26

139 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 9f
140 Leben­di­ger Kar­mel, S. 9
141 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
142 Arti­kel der Zeit­schrift Kirche+Leben, Region Nie­der­rhein, vom 26.05.1985
143 Ruhr­wort, Zeit­bild, vom 02.11.1985
144 Leben­di­ger Kar­mel, S. 12
145 Ruhr­wort, Zeit­bild, vom 02.11.1985
146 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html

147 http://carmelnet.org/brandsma/html/biog.html
148 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 15
149 Film auf Gloria.tv
150 Kat­rin Krips-Schmidt, Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus, Tages­post 26.07.14)
151 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, Titus Brandsma, Bam­berg 1982, S. 1

152 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 18
153 Ver­hal­len, S. 82
154 Film bei Gloria.tv
155 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
156 Klein, S. 86
157 Geis­bauer, S. 19
158 Papst Johan­nes Paul II zitierte P. Brandsma bei des­sen Selig­spre­chung, Geis­bauer, S. 26
159 Leben­di­ger Kar­mel, S. 12
160 Klein, S. 87
161 Klein, S. 88
162 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 19
163 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 16

164 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 19
165 Wil­helm Scha­moni in Bei­lage zur Offerten-Zeitung Abens­berg
166 Ver­hal­len, S. 83
167 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 19
168 Klein, S. 89
169 Leben­di­ger Kar­mel, S. 12
170 Ruhr­wort, Zeit­bild, vom 02.11.1985
171 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 19
172 Klein, S. 95
173 Wil­helm Scha­moni in Bei­lage zur Offerten-Zeitung Abens­berg
174 Ruhr­wort, Zeit­bild, vom 02.11.1985

175 Ver­hal­len, S. 83
176 Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 20
177 Film: http://www.titusbrandsmamemorial.nl/dvd.html
178 Zei­tungs­ar­ti­kel ohne Quelle von P. Mar­tin
179 Ruhr­wort, Zeit­bild, vom 02.11.1985
180 Ver­hal­len, S. 83
181 Leben­di­ger Kar­mel, S. 78
182 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
183 Meine Zelle, S. 3
184 Meine Zelle, S. 4

185 Die Zelle, S. 5f
186 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 20
187 Ver­hal­len, S. 83
188 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 20
189 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 24
190 Die Zelle, S. 7

191 Die Zelle, S. 7f
192 Die Zelle, S. 10
193 Ver­hal­len, S.75
194 Ver­hal­len, S. 77
195 Die Zelle, S. 15
196 Die Zelle, S. 17
197 Geis­bauer, S. 11
198 Die Zelle, S. 20ff

199 Die Zelle, S. 23
200 Die Zelle, S. 27
201 Die Zelle, S. 29
202 Fre­quin Louis- Ter­stegge Ansel­mus, Titus Brandsma, Die Geschwis­ter Löw, Ver­folg­ter Glaube- Ver­nich­te­tes Leben, S. 34
203 www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/maertyrer-der-rechte-aid-1.2915963
204 Die Zelle, S. 31
205 Geis­bauer, S. 120f
206 Ver­hal­len, S. 83

207 Bro­schüre: Der selige Kar­me­lit Titus Brandsma Mär­ty­rer in Dachau, Gedächt­nis­stätte in Sankt-Mariä-Geburt Essen-Frohnhausen
208 Fre­quin Louis- Ter­stegge Ansel­mus, Titus Brandsma, Die Geschwis­ter Löw, Ver­folg­ter Glaube- Ver­nich­te­tes Leben, S. 31
209 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
210 Wil­helm Scha­moni in Bei­lage zur Offerten-Zeitung Abens­berg
211 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 24f
212 Ver­hal­len, S. 84
213 Ver­hal­len, S. 84

214 www.ocd-karmel.net/Spirit/Karmel_Heilige/07-27TitusBrandsmaklein.pdf
215 Geis­bauer, S. 20
216 Auch Ver­hal­len, S 84
217 Klein, S. 112
218 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 25
219 Zei­tungs­ar­ti­kel von P. Mar­tin
220 Klein, S. 117
221 Leben­di­ger Kar­mel, S. 55
222 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 25

223 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 25
224 Leben­di­ger Kar­mel, S. 78
225 Klein, S. 116
226 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 27
227 Klein, S. 114
228 Ver­hal­len, S. 84
229 Ver­hal­len, S. 84

230 Bro­schüre : Der selige Kar­me­lit Titus Brandsma Mär­ty­rer in Dachau, Gedächt­nis­stätte in Sankt-Mariä-Geburt Essen-Frohnhausen
231 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 27
232 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 27
233 Klein, S. 121
234 Leben­di­ger Kar­mel, S. 57
235 Klein, S. 122

236 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 27
237 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
238 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 28
239 Klein, S. 124
240 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
241 Ver­hal­len, S. 84
242 Arti­kel in Kirche+Leben, Region Nie­der­rhein, vom 26.05.1985
243 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 28
244 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
245 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 28
246 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
247 Arti­kel Zei­tung von P. Mar­tin
248 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
249 Ver­hal­len, S 85
250 Klein, S. 127

251 Ver­hal­len, S. 84
252 Klein, S. 129
253 Zei­tungs­ar­ti­kel von P. Mar­tin ohne Quel­len­an­gabe
254 Klein, S. 130
255 Klein, S. 127
256 Ver­hal­len, S. 85
257 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
258 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 28
259 Klein, S. 131
260 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 28

261 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
262 Leben­di­ger Kar­mel, S. 14
263 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 28
264 Ver­hal­len, S. 85
265 Geis­bauer ,S. 22
266 Auch Ver­hal­len, S. 85
267 Zei­tungs­ar­ti­kel von P. Mar­tin ohne Quel­len­an­gabe
268 Ver­hal­len, S. 86
269 Geis­bauer, S. 22
270 Ver­hal­len, S. 85
271 Klein, S. 140
272 Zei­tungs­ar­ti­kel von P. Mar­tin ohne Quel­len­an­gabe
273 Ver­hal­len, S. 86
274 Ver­hal­len, S. 86

275 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 28
276 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
277 Klein, S. 133
278 Ruhr­wort, 02.11.1985
279 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
280 Klein, S. 140
281 Klein, S .134
282 http://brautdeslammes.blogspot.de/2013/07/nun-gehen-wir-nach-jerusalem-hinauf.html
283 Geis­bauer S. 26, zitiert Papst Johan­nes Paul II
284 Leben­di­ger Kar­mel, S. 17

285 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
286 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
287 Leben­di­ger Kar­mel, S. 28
288 Geis­bauer S. 22
289 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 29
290 Arti­kel in Kirche+Leben, Region Nie­der­rhein, vom 26.05.1985
291 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 29
292 Ver­hal­len S. 86
293 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984

294 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 29
295 Ebenso Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
296 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 29
297 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 29
298 Krips-Schmidt spricht von einem Eutha­na­sie­mord, da P. Titus nicht mehr arbeits­fä­hig war
299 www.bistum-regensburg.de/fileadmin/user_upload/newsletter-archiv/Maertyrer_im_Dienste_von_Konnersreuth_Praelat_Moll.pdf
300 Ruhr­wort, Zeit­bild, vom 02.11.1985
301 Ver­hal­len S 86
302 Geis­bauer S. 23
303 Ver­hal­len S. 86
304 Leben­di­ger Kar­mel, S. 32

305 dpsgwegberg.de/geschichte/titus-brandsma.html
306 http://kleinewelt.xobor.de/blog-e9127-Dieser-Mann-ist-sehr-gefaehrlich.html

307 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
308 Ein Mär­ty­rer unse­rer Zeit, S. 30
309 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
310 www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/maertyrer-der-rechte-aid-1.2915963
311 Geis­bauer .S 7
312 Geis­bauer S. 24
313 Geis­bauer S.25
314 Rhei­ni­sche Post, Grenz­land Post vom 09.11.1985
315 Rhei­ni­sche Post, Grenz­land Post vom 09.11.1985
316 Kar­mel aktu­ell. S 173, Jahr fehlt

317 Gloria.tv
318 www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/maertyrer-der-rechte-aid-1.2915963
319 Klein, S. 37
320 Geis­bauer, S. 13
321 Klein, S .134
322 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bam­berg 1984
323 Pla­kat Mis­sio
324 Zeit­schrift Viking vom 07.11.1936
325 Titus Brandsma, Die Spi­ri­tua­li­tät des Kar­me­li­ter­or­dens

326 Titus Brandsma, Die Spi­ri­tua­li­tät des Kar­me­li­ter­or­dens
327 Zeit­schrift Viking vom 07.11.1936
328 Zeit­schrift Viking vom 07.11.1936
329 Zeit­schrift Viking vom 07.11.1936
330 Zeit­schrift Viking vom 07.11.1936
331 Arti­kel Zei­tung von P. Mar­tin
332 Zei­tungs­ar­ti­kel von P. Mar­tin ohne Quel­len­an­gabe
333 Ruhr­wort, Zeit­bild, vom 02.11.1985

334 http://brautdeslammes.blogspot.de/2013/07/nun-gehen-wir-nach-jerusalem-hinauf.html
335 Bro­schüre Gedächt­nis­stätte Essen

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