P. Titus Brandsma


Seliger P. Titus Brandsma O.Carm.

Gedenktag 27.07

Geb 23.02.81 in Oegeklooster, Niederlande

Verhaftet wegen Einsatz für freie, katholische Zeitungen

KZ Dachau ab 13.06.42

+ 26.07.42 KZ Dachau

Selig gesprochen am 03.11.1985

Gedenktag: 27.07.

Seliger P. Titus Brandsma bitte für uns!

 

 

Inhaltsübersicht:

Kurzbiografie

Der Niederländische  Karmeliterpater Titus Brandsma wurde als Anno Sjoerd Brandsma am 23. Februar 1881 in Oegeklooster, Friesland, Niederlande, geboren. 1899 trat er in der Orden der Karmeliter ein. Am 17. Juni 1905 empfing er die Priesterweihe und setzte danach sein Studium in Rom fort. Zurückgekehrt in die Niederlande wurde er Professor an der neu gegründeten Katholischen Universität Nimwegen und 1932/33 dort Rector Magnificus. P. Titus Brandsma unterrichtete Philosophie und Geschichte der Mystik. Er war darüber hinaus sehr aktiv als Journalist in verschiedenen katholischen Zeitungen und Zeitschriften und als Berater der katholischen Schulen bis hin zur Beratung der Niederländischen Bischofskonferenz. Auch der Einsatz für seinen Orden war sehr fruchtbar. Sehr liebenswürdig, wie er war, half er auch vielen in Not Geratenen. Am 10. Mai 1940 fand die Besetzung der Niederlande durch die Deutschen ihren Anfang und P. Brandsma zögerte nicht, mutig in der Öffentlichkeit gegen den Nationalsozialismus und dessen der Judenverfolgung zu sprechen und zu schreiben. Sein Einsatz für die Unabhängigkeit der freien katholischen Presse führte zu seiner Verhaftung am 19. Januar 1942. In der Einzelhaft des Gefängnisses in Scheveningen betete er und schrieb ein Gedicht voll Freude und glühender Liebe zu Gott und Bereitschaft für ihn zu leiden. Dies wurde Wirklichkeit im KZ Amersfoort. Dort wurde er gefoltert, stand aber trotzdem den Mitgefangenen als Seelsorger und Prediger zur Verfügung, bis zur Erschöpfung. Am 19. Juni 1942 wurde er in das KZ Dachau eingeliefert. Körperlich schon sehr schwach musste er zur schweren Feldarbeit ausrücken. Er litt wie alle Mitgefangenen an Hunger. Im KZ Dachau wurde er wieder misshandelt und aus Glaubenshass in einem blasphemischen Akt gegeißelt, wie Jesus Christus. Alles ertrug er ruhig und mit innerem Frieden. Er erkannte sich in diesem Leid mit seinem Gott in Liebe vereint. So wurde er zum Vorbild seiner Mitgefangenen. Sein gesundheitlicher Zustand  verschlechterte sich rasch. In der dritten Juliwoche 1942 musste er sich, körperlich aufgebraucht, auf die Krankenstation begeben. Auf dem Weg dorthin verschenkte er seinen letzten Tabak. Dort wurde er noch sterbend für medizinische Experimente missbraucht und schließlich am 26. Juli 1942 um 13.50 Uhr durch die Todesspritze getötet. Im Seligsprechungsprozeß bezeugte der Mörder, dass er das gütige Gesicht des Paters, der mit seinem Mörder Mitleid hatte, nicht vergessen konnte. P. Titus Brandsma wurde als erster der Geistlichen aus dem KZ Dachau am  03.11.1985  in Rom durch Papst Johannes Paul II selig gesprochen.

Der selige P. Titus Brandsma ist der  Patron der Journalisten  und der deutschen Provinz des Karmeliterordens.

Nach Bericht der Zeitung „Die Tagespost“ vom 12.01.2018 liegt bereits ein anerkanntes Wunder vor. Das Heiligsprechungsverfahren ist damit einen guten Schritt weiter.

Tagespost Link

Seliger Pater Titus Brandsma, bitte für uns!

 

 

Zitate

“ Wir dürfen uns nicht in uns selbst verkriechen und dem puren Eigennutz verfallen; wir müssen begreifen, dass wir dazu berufen sind, den anderen glücklich zu machen.“ 1935

 

Überall kann man glücklich werden, der Name allein sagt nichts. Der Geist ist es, der lebendig macht, und der Geist des Karmel hat mich angezogen.

 

Ich bin in den Schatten gestellt worden, obwohl ich vorwärts strebte. Die Lehre hatte ich nötig; sie war zu meinem Besten.

 

Gott hat alles für mich getan, was er konnte; nun ist es an mir, mein Möglichstes, ja alles für ihn zu tun.

 

Mystik ist die totale Begegnung des Menschen mit Gott und Gottes mit dem Menschen. Sie ist nichts vollkommen Neues, sondern eine Intensität der Gegenwart Gottes in jedem einzelnen von uns… Gott, der Gegenstand unserer Liebe, kann unsere Geisteskräfte ganz in Beschlag nehmen und uns zur Hinwendung zu sich zwingen.

 

Gebet ist Leben, nicht eine Oase in der Wüste des Lebens.

 

Allen unseren Arbeiten muss der Stempel der Liebe, der leidenschaftlichen Liebe zu Christus aufgeprägt sein.

 

Unsere Liebe muss sprichwörtlich sein. Wir sollen uns von niemandem an Liebe übertreffen lassen. – Unsere Gegenwart irgendwo muss für die anderen eine Lust, ein Fest, einen Trost bedeuten.

 

Wir sind nicht dazu berufen, im öffentlichen Leben großartige, auffallende und lebhaft besprochenen Dinge zu tun. Das wäre gegen die Einfachheit, wie wir (Karmeliten) sie praktizieren wollen. Aber es ist doch unsere Pflicht, die gewohnten Dinge auf großartige Weise zu tun. Das heißt: mit einer lauteren Intention und dem Einsatz unserer ganzen Persönlichkeit. Wir verlangen nicht, vorne an zu stehen und bejubelt zu werden wegen Leistungen, von denen die Menschen der Welt eine hohe Meinung zu haben pflegen. Wir möchten auffallen durch unsere Einfachheit und unsere Aufrichtigkeit.

 

„Wir haben den Schatz des Glaubens. Dieses göttliche Wort übersteigt alle Erscheinungen und Visionen.“   „Aber am tiefen Eindruck hat auf mich die Tatsache gemacht, dass ein Mensch sich so ganz Gott hingeben kann und mit ihm so innig zu leben vermag.  über Therese von Konnersreuth

 

„Unter den vielen Fragen, die ich mir stelle, bewegt mich keine stärker als das Rätsel, dass der sich entwickelnde Mensch, selbstsicher und stolz auf seinen Fortschritt, sich in so großer Zahl von Gott abwendet. Unbegreiflich ist es, dass wir in unserer Zeit so großer Fortschritte auf vielen Gebieten konfrontiert sind mit einer wie eine Epidemie um sich greifenden Entehrung und Leugnung Gottes. Wie konnte das Bild Gottes sich so verdunkeln, dass so viele nicht mehr von ihm berührt werden? Liegt der Fehler nur bei ihnen? Oder gibt es jetzt einen Auftrag an uns, es wieder in hellerem Licht aufstrahlen zu lassen über der Welt, und dürfen wir die Hoffnung haben, dass das Studium des Gottesbegriffs diese größte aller Nöte zumindest lindern wird?“

– Aus der Rede zum Jahrestag der Gründung der Katholischen Universität Nimwegen 1932 Wikipedia

Die wörtlichen Zitate sind folgender Literatur entnommen: (weitere Literatur)

Georg Geisbauer, Titus Brandsma, Mystiker des Karmel, Märtyrer in Dachau, Wienand Verlag Köln, Köln 1987

Lebendiger Karmel, Titus Brandsma: eine Botschaft der Hoffnung, Bamberg, Sankt-Otto-Verlag, 1986

Hedwig Klein, Liebender ohne Maß, Titus Brandsma, Kreuzring-Bücherei, Johann Josef Zimmer Verlag GmbH Trier, 1967

Gute Biografie in englischer Sprache unter:http: www.ewtn.com/library/MARY/TITUSLIF.HTM

 

 Biografie

Den niederländischen Karmeliterpater Titus Brandsma zu kennen lohnt in jedem Fall. Er gehörte dem Karmeliterorden an (dem Stammorden der sog. beschuhter Karmeliter, alte Observanz an. In diesem Zweig gab es schon früh eine gemilderte Regel, um dadurch die apostolische Tätigkeit besser mit dem beschaulichen Leben vereinbaren zu können). 1 Er war auch Hochschulprofessor für Philosophie und Mystik, Journalist und vielseitig engagiert. Trotz gesundheitlicher Probleme erlebten viele Menschen den kleinen und bescheidenen Mann als lebensfroh, humorvoll, optimistisch und stets hilfsbereit. Eine tiefe Gottesliebe prägte ihn und ließ ihn schließlich selber zum Leidensmystiker werden: in Krankheit und im großen Leid der Gefangenschaft und im Märtyrertod im KZ Dachau.
Am 23.02.1881 wurde Anno Sjoerd Brandsma, so sein Name vor der Aufnahme in den Orden, auf dem Landgut seiner Familie Oegoklooster bei Bolsward, einem kleinen Städtchen in Friesland, geboren. Seine Eltern stammten aus einem alten friesischen Bauerngeschlecht. Sie waren durchaus wohlhabende Milchbauern. Der Hof stand auf dem Grund eines mittelalterlichen Klosters, das damals dem Hl .Hugo geweiht worden war.
Mit Holsteiner Milchvieh wurde Käse produziert und verkauft. Es gab Mitarbeiter am Hof und in der Käserei.
Vater Titus Brandsma war ein nüchterner und tatkräftiger Mann 2, ein angesehener Milchbauer mit Käseproduktion und Kommunalpolitiker. „Er war seinem Volk und dem katholischen Glauben tief verbunden.“ 3 Die Mutter, Tjitsje Postma, wird eher als konservativ und ängstlich in der Kindererziehung beschrieben. Titus liebte und ehrte seine Eltern. Er lernte an ihrem Beispiel und von ihnen, ein guter Katholik zu sein und zu lieben, sogar die Feinde.
Musik spielte in dieser Familie eine große Rolle. Rund um das Klavier der Familie versammelte man sich um zu singen und zu tanzen. Der Vater brachte den Kindern die Tanzschritte bei und bereitete allen fröhliche und glückliche Stunden.
Die Familie Brandsma hatte 6 Kinder. Sie war tief katholisch. Die tägliche Messe und häufige Beichte gehörten zum Familienleben. Die Familie betete zusammen. So lernte P. Titus Brandsma von frühester Jugend an zu beten.4 Die Eltern waren in der Kirchengemeinde angesehen. Am Leben der Pfarrei nahmen sie teil. Der kleine Anno lernte selbstverständlich mitzuhelfen beim karitativen Engagement in der Pfarrei. Auch das prägte ihn fürs ganze Leben.
Die Heimat Friesland prägte P. Titus Brandsma ein Leben lang. Im Nordwesten der Niederlande gelegen, wird es geprägt durch eine eigene Kultur und Sprache, die der englischen Sprache ähnelt. Niederländer verstehen Friesisch nicht ohne weiteres. Ein Leben lang blieb Brandsma dem Friesischen verbunden und engagierte sich für den Erhalt der Kultur und Sprache, aber auch für die Verehrung des Hl. Bonifatius, des Missionars und Märtyrers Frieslands.
Katholiken sind eine Minderheit in Friesland. Nur 20 % Katholiken gab es damals in dieser Gegend Frieslands. In ganz Friesland waren es damals sogar nur 5 %. Diese bildeten eine eifrige, aber eher geschlossene Gesellschaft, die kaum Kontakt zu Mitgliedern anderer Konfessionen hatte. 5
Diese Erfahrungen begründeten ökumenische Offenheit und Engagement für die Einheit der Christen bei P. Brandsma.
Nach 4 Töchtern war die Geburt Annos eine große Freude: endlich der ersehnte Sohn und Hoferbe. Doch er war von Anfang an ein außergewöhnlich schwächliches Kind und körperlich zu klein, zu zart und zu kränklich für Bauernarbeit. Den Eltern war klar, er würde den Hof nicht übernehmen können. Die fromme Mutter erhoffte und erbetete schon früh eine Priesterberufung.
Aus der Familie gingen viele Berufungen hervor. 5 der 6 Kinder wählten den geistlichen Weg. Der Bruder wurde Ordenspriester und 4 der Schwestern gingen ins Kloster. Die älteste Schwester Gatske heiratete und übernahm den Hof.
Anno erlebte eine glückliche Kindheit in seiner tief frommen Familie.
Der kleine Anno war auffallend intelligent und hatte viele Interessen. Mit seinen hohen geistigen Fähigkeiten war er seinen Altersgenossen weit überlegen.
Aber er war auch kränklich. Lebenslang musste er immer wieder einen ständigen Kampf gegen körperliche Schwäche und Krankheit bestehen.
Schon als Kind erkannte Anno früh die Bedeutung des Christseins und richtete die kindliche Gedankenwelt auf Gott aus. Er fiel früh auf durch eine ungewöhnliche Sammlung und Andacht. Schon mit 11 Jahren, zur Zeit seiner Erstkommunion, hatte er den festen Entschluss gefasst, Priester zu werden.
Anno besuchte die katholische Grundschule in seiner Heimatgemeinde. Er war ein auffallend guter Schüler. Bei den Lehrern galt er als Lieblingsschüler und auch bei den Mitschülern war er sehr beliebt. Sie gaben ihm den Spitznamen: „der Kleine“.
Mit 11 Jahren, September 1892, wechselte er aufs Gymnasium. Er besuchte die Lateinschule der Franziskaner-Minoriten in Mengen an der Maas (Nordbrabant), ein sog. kleines Seminar zur Ausbildung von Buben, die sich zum Priester berufen fühlten. Dort erschien Anno zunächst recht schüchtern. Doch er gewann durch seine freundliche und offene Art die Achtung seiner Mitschüler. Er studierte gerne und viel und mutete sich oft zu viel zu, worunter dann sein schwächlicher Körper litt.
In die Gymnasialzeit fällt die erste große körperliche Krise. Schon mit 13 Jahren erkrankte er akut am Magen. Der Junge musste 1898 die Schule verlassen6 und zur Erholung und Genesung nach Hause fahren. Viel Essen und Schlafen wurde ihm empfohlen.
Trotzdem spürte Anno die Berufung zum Ordenspriester. Ein Eintritt bei Franziskanern, welchen viele seiner Mitschüler nach dem Abitur wählten, war ihm wegen der gesundheitlichen Probleme nicht möglich. Anno entschiedet sich anders. Ihn zog es zu einem Leben in einer Gemeinschaft. Franziskaner lebten oft nur zu zweit.
Nach dem Abitur trat Brandsma am 17.09.1898 in den Orden der Karmeliter in Boxmeer an der Maas ein. Er war 17 Jahre alt. Erstaunlicherweise wurde er trotz seiner schwachen Gesundheit aufgenommen. Bei der Einkleidung am 22.11.1898 wählte er als Klosternamen den Vornamen seines bewunderten Vaters: Titus.
Im Karmel hatte er seine spirituelle Heimat gefunden. Sein Leben war nun geprägt von Gebet und Meditation. Er entwickelte ein reiches Gebetsleben. Das gemeinsames Chorgebet war ihm sehr wichtig.
Mit Korrektheit erfüllt er die Forderungen der Ordensregel und des Klosters. Mit Liebe begegnet er seinen Mitbrüdern.
Es folgte das Studium der Philosophie und Theologie in Oss. Dabei zeigte er großes Interesse an der Spiritualität des Karmel. Nebenbei arbeitete er auch noch als Schriftsteller und veröffentlichte als Journalist bei verschiedenen Zeitschriften Artikel über Themen des Glaubens und über Mystik. Schon während des Studiums beschäftigte er sich mit niederländischen Mystikern und der Herausgabe ihrer Texte 7. In seiner Freizeit übersetzte er Werke der heiligen Theresa von Avila und veröffentlichte 1901 eine Sammlung „Ausgewählte Schriften aus den Werken der heiligen Theresa.“ 8 Dabei entdeckte Titus seine schriftstellerische Begabung und die Freude an der Beschäftigung mit der Mystik. Er hatte die Gabe, komplizierte Gedankengänge verständlich zusammenzufassen.9 Auch andere Mitbrüder ermutigte er zu schreiben, sammelte die Beiträge und veröffentlichte die Arbeiten in Zeitungen und Zeitschriften. Er gründete schließlich ein Informationsblatt der holländischen Karmeliten.
Ich bin jetzt sehr glücklich“ schrieb er an Eltern 10.
Bruder Titus Brandsma wollte Apostolat und Kontemplation verbinden. Genau das fand er im Karmel. „Überall kann man glücklich werden, der Name allein sagt nichts. Der Geist ist es, der lebendig macht, und der Geist des Karmel hat mich angezogen.“11

Auch im Studium überanstrengte er sich. So kam was kommen musste: An Weihnachten 1901 erlitt er wieder eine schwere körperliche Krise. Schwer krank litt er an Magenblutungen mit Erbrechen von Blut und an Fieberschüben. Auch von Darmbeschwerden und Schwächeanfällen wird berichtet. Bettruhe wurde ihm verordnet.
An seine Großmutter schrieb er in dieser Zeit:
„Verliere nicht den Mut und bleibe glücklich. So wird sich alles zum Guten wenden… glaube es!“12
Sein Oberer und die Mitbrüder halfen. Sie wollten, dass Titus trotz seiner gesundheitlichen Probleme im Orden blieb. Bruder Titus Brandsma erholte sich und legte am 03.10.1899 körperlich schwach aber sehr glücklich die ersten Gelübde ab.13 1902 folgten die ewigen Gelübde 14.
Am 17.06.1905 empfing Titus Brandsma die Priesterweihe in der Kathedrale von ´s-Hertogenbosch durch Bischof Den Bosch. Seine Primiz feierte P. Titus Brandsma in der barocken Kirche St. Martin in Bolsward, wo er auch getauft worden war. Nach einem kurzen Erholungsurlaub zu Hause kehrte P. Titus nach Oss zurück, um weiter zu studieren.
Der junge Ordenspriester geriet zunächst unter den Verdacht, ein Modernist und zu liberal zu sein. Mit einem seiner Professoren hatte P. Titus deshalb Auseinandersetzungen. 15 Deshalb wurde er zunächst trotz seiner großen Begabung nicht zum weiteren Studium zugelassen. Er wurde als Aushilfsseelsorger in Oss eingesetzt. Zusätzlich war er Sakristan und Ökonom im Kloster. Das bedeutet, er wurde ins Abseits gestellt 16. Dies kränkte ihn sehr.
„Ich bin in den Schatten gestellt worden, obwohl ich vorwärts strebte. Die Lehre hatte ich nötig; sie war zu meinem Besten.“17, beurteilte er rückwirkend diese Zeit.
Noch im selben Jahr konnte er jedoch weiter studieren. 1905- 1909 lebte er in Rom und studierte an der Gregoriana Universität. Er wohnte im Kolleg S. Alberto. 18
„Seine Ausgeglichenheit und Freundlichkeit und nicht zuletzt sein gesunder Humor brachten ihm auch die Zuneigung und Bewunderung seiner Mitstudenten im Kolleg S. Alberto ein.“19
Er belegte in dieser Zeit auch Kurse in Soziologie. Daher gründet sich auch sein späteres Interesse an sozialen Fragen und seine Fachkompetenz darüber, die sich in zahlreichen Artikeln zu diesem Themenbereich zeigten. 20
1909 schloss er das Studium mit der Promotion in Philosophie 21 ab. Auch in der Studienzeit litt P. Titus Brandsma an körperlicher Schwäche und gesundheitlichen Problemen. Aus Fürsorgepflicht erhielt er deshalb in dieser Zeit von den Vorgesetzten ein Verbot journalistischer Arbeit. Nach seinem Lizentiatsexamen kam es 1908/ 1909 wieder zu einem körperlichen Zusammenbruch. Wieder erlitt er Magenblutungen und schwebte in Lebensgefahr.
„Gelassen nimmt er es hin und antwortet mit einem Lächeln:“Gott hat alles für mich getan, was er konnte; nun ist es an mir, mein Möglichstes, ja alles für ihn zu tun.““22
Schon 1909 wird der Leidensmystiker deutlich mit der großen Liebe und Hingabe an Gott. Monate der Genesung folgten der Krankheit. Schließlich schloss er das Studium mit dem Doktortitel ab.
Am 25.10.1909 erhielt Titus Brandsma das Ernennungsschreiben der Doktorwürde in Philosophie.
Zurück in den Niederlanden begannen Jahre fruchtbaren Wirkens.
Persönlichkeit
P. Titus Brandsma war klein, freundlich, sehr mutig, klug, tief religiös, liebenswert, einfach, herzlich, ein hilfsbereiter Wissenschaftler, ohne jedes Statusdenken oder Angeberei, ein aufgeweckter Mensch. Einfach, aufrichtig, ungekünstelt und gerade an Seele und Geist beschrieben ihn seine Mitmenschen. „Er hatte etwas entwaffnend Lauteres an sich“ 23 Er hatte keine Angst, war schlicht, spontan mit ansteckender Fröhlichkeit. „Titus hatte etwas Engelhaftes, etwas Reines, man konnte ihm nichts verweigern.“24
„Was er auch tat: ob er sich für eine Stunde zum Gebet niederkniete, am Schreibtisch seine Vorlesungen vorbereitete, geduldig den Worten eines sorgenvollen Menschen zuhörte, einem Studenten gute Ratschläge gab, ob er an der Schreibmaschine saß, den Kopf in den
blauen Dunst seiner Pfeife gehüllt – Titus Brandsma war immer ein glücklicher Mensch. Was er in Angriff nahm, gelang ihm, und jedem, dem er begegnete, teilte er etwas mit von seiner inneren Freude.“ 25
Sein Persönlichkeit war geprägt durch die lebenslange Suche nach Gott und die Beschäftigung mit Mystik. „Aus tiefer Vereinigung mit Gott entsprang der Seele P. Titus ein fortwährender Strom des Optimismus, der ihm die Sympathie aller eintrug, die das Glück hatten, ihn kennenzulernen; und dieser Optimismus hat ihn nie verlassen: er begleitete ihn auch in das Inferno des KZ“ so Papst Johannes Paul II bei der Seligsprechung. 26
Diese tiefe Beziehung zu Gott veranlasste ihn zu einem großen Engagement, wie Sie es unten beschrieben finden. So prägten Kontemplation und Aktion sein Leben, bis hinein in die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.
„Ich frage mich, ob nicht gerade unsere Zeit Männer und Frauen nötig hat, die den Mut aufbringen, die Aufopferungsbereitschaft und die Liebe aufbringen, das Leid dieser Zeit zu tragen.“ 27 Dieses prophetisches Wort scheint er auch über sich selber gesprochen zu haben.
Wirken für den Orden
Der Karmeliterorden verdankte P. Brandsma einen neuen Aufschwung in den Niederlanden der 20ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er wirkte für eine geistige Erneuerung und Wiedergeburt des Ordens. Der Orden blühte auf, neue Berufungen vermehrten die Zahl der Ordensmitglieder um mehr als das Doppelte. Auch die Zahl der Klöster stieg durch sein Wirken an. 28
Der Orden setzte den jungen Geistlichen in den Jahren 1909 – 1923 als Professor und Regens am Priesterseminar der Karmeliter in Oss in Brabant ein. Dort gab es eine ordenseigene Hochschule. 15 Jahre lehrte P. Titus Brandsma hier Philosophie, Soziologie, Kirchengeschichte.
Begeistert für karmelitanische Ideale, 29 nahm er sich mit besonderer Liebe des Ordensnachwuchses an und war viele Jahre einer der Lehrer. Er führte die jungen Männer in die große mystische Tradition des Karmelitenordens ein und verstand es, sie für dessen Ideale zu begeistern.30
Im Jahre 1917 übersetzte er zusammen mit 3 Mitbrüdern das Gesamtwerk von Theresa von Avila ins Niederländische. 31
Ab 1923 wirkte P. Titus als Assistent des Provinzials. Als Prior leitete er das Kloster in Njimegen, das in der Nähe der neuen Universität gegründet worden war. (siehe unten)
Hier baute der Orden unter seiner Leitung 1922- 1930 einen neuen Konvent und bekam dort zusätzlich die Betreuung einer großen Pfarrei zugewiesen. 32
Sein Wirken ging jedoch weit darüber hinaus.
Sein Einsatz galt auch der Wiederbelebung der deutschen Ordensprovinz. Er engagierte sich für die Restaurierung und Wiedereröffnung der alten Karmelitenklöster in Mainz und Bamberg. Dafür bereiste er Deutschland im Mai 1924. Dabei konnte er mit dem französischen General Degoutte,
dem Vertreter der damaligen Besatzung, über die Neugründung des Klosters in Mainz 33 verhandeln. 34.
1935 führte ihn eine Vortragsreise in die USA und nach Irland, wo er über die monastische und christliche Spiritualität sprach und durch seine umfassende kulturelle Bildung beeindruckte.“ 35
„Bei den Karmeliten in Irland hatte er vor seiner Amerikareise seine Englischkenntnisse vervollständigt. Sie waren erbaut von seiner herzlichen Art und der Weite seines Geistes. Sie staunten auch darüber, dass Titus, der an Alkohol nicht gewöhnt war, die Gastfreundschaft nicht verletzte und dem heimischen Whisky kräftig zusprach, ohne dass sich irgendwelche Nachwirkungen gezeigt hätten.“ 36
In seinem Tagebuch beschreibt er seine Gedanken angesichts der Niagara-Fälle. „Ich stehe . – – und betrachte die eindrucksvollen Niagara-Fälle. Sie brechen in der Höhe heraus und ich sehe sie unaufhörlich hinunterstürzen . . . Was daran überrascht, ist die wunderbare und vielfältige Möglichkeit, die im Wasser liegt … Ich sehe Gott im Werk seiner Hände und die Zeichen seiner Liebe in allem Geschaffenen. Ich bin durchdrungen von einer großen Freude, die jede andere Freude übertrifft.“ 37
Einige Zitate zeigen Einblicke in die Sicht auf sein Verhältnis zu seinem Ordensleben. Er verdeutlichte den Mitbrüdern ihm wichtige Aspekte des Karmeliterordens:
„Wir Karmeliter sind nicht dazu berufen, im öffentlichen Leben großartige, auffallende und lebhaft besprochene Dinge zu tun. Das wäre gegen die Einfachheit, die wir praktizieren wollen. Aber es ist doch unsere Pflicht, die gewohnten Dinge in großartiger Weise zu tun. Das heißt mit einer lauteren Absicht und dem Einsatz unserer ganzen Persönlichkeit. Wir verlangen nicht, vorne zu stehen und bejubelt zu werden wegen unserer Leistungen, von denen die Menschen der Welt eine hohe Meinung zu haben pflegen. Wir möchten nur auffallen durch unsere Einfachheit und unsere Aufrichtigkeit“.
Professor
Ab 1923 wirkte P. Titus Brandsma als Professor für Geschichte der mittelalterlichen Philosophie, Ordensgeschichte 38, niederländische Mystik und niederländische Frömmigkeit 39, 40 an der neugegründeten katholischen Universität in Nijmegen. Sie galt als Symbol der Lebenskraft und des Widerstandes der niederländischen Katholiken, die Jahrhunderte lang Verfolgung erlitten hatten und um Gleichbehandlung mit den evangelischen Niederländern rangen. 41
Zu seinen Aufgaben gehörte Lehre und Forschung. Eine seiner Vorlesungen besucht auch der selige Karl Leisner, der auf einem Ausflug über die nahe Grenze kam, um den berühmten Professor zu hören.
Seine Persönlichkeit und seine echte Religiosität brachten ihm die Achtung und Liebe seiner Studenten ein, die in ihm einen aufrichtigen Freund sahen.
In den Jahren 1932-33 leitete P. Titus die Universität Nijmegen als Rektor Magnificus, und danach als Präsident. Mit heiterer Gelassenheit nahm er diese Ämter ohne große Worte an. 42 Er bildete sich nichts darauf ein „Wir müssen vor allem Gott sehen als den tiefsten Grund unseres Wesens.“43, führte er in einer vielbeachtete Antrittsrede aus.
„Titus war ein ausgezeichneter Verwalter seines Amtes. Immer wieder konnte er mit liebenswürdigen, aber unnachgiebigen Worten manchen Eigensinn der Professoren oder seiner Mitarbeiter brechen und den Ausgleich herbeiführen. Gerade dieses sein Verhandlungsgeschick zeichnete ihn aus und machte ihn zu einem „großen“ Rektor.“44
Seine Festrede zum Gründungstag der Universität 1932 über den Gottesbegriff erregte Aufsehen:
„Unter den vielen Fragen, die ich mir stelle, bewegt mich keine stärker als das Rätsel, dass der sich entwickelnde Mensch, selbstsicher und stolz auf seinen Fortschritt, sich in so großer Zahl von Gott abwendet. Unbegreiflich ist es, dass wir in unserer Zeit so großer Fortschritte auf vielen Gebieten konfrontiert sind mit einer wie eine Epidemie um sich greifenden Entehrung und Leugnung Gottes. Wie konnte das Bild Gottes sich so verdunkeln, dass so viele nicht mehr von ihm berührt werden? Liegt der Fehler nur bei ihnen? Oder gibt es jetzt einen Auftrag an uns, es wieder in hellerem Licht aufstrahlen zu lassen über der Welt, und dürfen wir die Hoffnung haben, dass das Studium des Gottesbegriffs diese größte aller Nöte zumindest lindern wird?“45
„…In dieser Zeit engagierte er sich vielseitig, für die Bibliothek und Hörsäle, für Unterkünfte von Professoren und Studenten. Seine Lehrtätigkeit führte er auch in dieser Zeit weiter.“46
Neben der Professur an der Universität und der Lehrtätigkeit an der Ordenshochschule unterrichtete P. Titus Brandsma auch an verschiedenen anderen Lehranstalten und war außerdem tätiges Mitglied von mehreren wissenschaftlichen Kommissionen und Ausschüssen.“47
Nach Beendigung der Amtszeit als Rektor kehrte P. Titus wieder als Professor in die Hörsäle zurück. 48
Wissenschaftler
P. Brandsma entwickelte eine rege Forschungsarbeit. Er ließ in Nijmegen das Institut für holländische Mystik gründen. Dort errichtete er eine beachtliche Sammlung geistlicher Literatur mit mehr als 16.000 Fotokopien mittelalterlicher Handschriften zum Thema Mystik. Er konnte dadurch die weit verstreuten Schätze alter geistlicher Literatur zusammenführen und deren Studium erleichtern. Welche Arbeit ihn allein das Suchen und Aufspüren von verloren gewähnten Dokumenten, wie viel mühsames Vergleichen ihn das Entziffern dieser Schriften an Zeit gekostet hat, kann nicht abgeschätzt werden. Bei seinem Tode umfasste diese Bibliothek schon 170 Bände mit 16.000 Fotokopien.“49
19 Jahre lang widmete er sich als Professor insbesondere der Mystik. Er organisierte 3 Kongresse über niederländische Mystik.
„Mystik ist die totale Begegnung des Menschen mit Gott und Gottes mit dem Menschen. Sie ist nichts vollkommen Neues, sondern eine Intensität der Gegenwart Gottes in jedem einzelnen von uns… Gott, der Gegenstand unserer Liebe, kann unsere Geisteskräfte ganz in Beschlag nehmen und uns zur Hinwendung zu sich zwingen.“50
Gerne gab P. Titus sein Wissen weiter und erteilte anderen Wissenschaftlern Auskünfte aus seinem Wissen.
„Seine Hilfe wird mit einer Herzlichkeit angeboten, die den Schein erregt, dass man ihm einen Dienst erweist, wenn man ihn um einen Dienst bittet.“51
Einer seiner Studenten berichtete, dass P. Titus: „selbst sehr fasziniert war von der Überzeugung, dass Mystik zum einfachen Leben gehört und dass einfache Leute vom Geheimnis des Lebens getroffen werden können, wenn sie dafür offen sind. Wenn Gott aus dem täglichen Leben verschwindet, dann bleibt nur Leere zurück, dann bewegen wir uns weg von uns selbst. Titus war der festen Überzeugung, dass Gott für kleine Leute in den einfachen Dingen des täglichen Lebens erreichbar ist und bisweilen ganz nah erfahren werden kann… Er stand den Menschen, denen er begegnete, ganz nahe. Er machte stets den Eindruck, dass er nichts anderes zu tun habe als zuzuhören, was du gerade gesagt hast. “52
Es gab auch Kritiker an seiner Arbeit. Man munkelte, er mute sich zu viel zu, sei seinen Pflichten als Professor nur mangelhaft nachgekommen, habe als Professor für Philosophie zu wenig publiziert, und sein Finanzgebaren sei fachlich nicht ausgereift. 53
Journalist und Schriftsteller
P. Titus wirkte neben der Tätigkeit an der Universität als Schriftsteller und Journalist. Er „veröffentlichte in Zeitungen und wissenschaftlichen Zeitschriften eine nahezu unübersehbare Fülle von Beiträgen über Mystik und geistliches Leben.“ 54 Auch zu gesellschaftspolitischen und anderen religiösen Fragen schrieb er.
„Seine Aufsätze und Beiträge waren sehr begehrt bei Lesern. Sie hatten eine große Lesergemeinde.“ 55
Der Ordensmann sprach sich mit großer Klarheit und Glaubenskraft für die Freiheit der katholischen Erziehung und der katholischen Presse aus. Er nutze diese Tätigkeit für die Verbreitung von Grundsatzwissen gegen nationalsozialistisches Heidentum. 56 (Weitere Informationen zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus weiter unten.)
Als ständiger Mitarbeiter bei mehreren Zeitungen und Zeitschriften und auch als Redakteur war er bekannt. Schon 1912, gleich nach Rückkehr aus Rom, gründete er die katholische Monatszeitschrift „Carmelrozen“, schon 1912 hatte diese 12.000 Abonnenten. 57 P. Titus Brandsma war einer der Gründer und Mitarbeiter der Zeitschrift „Ons Geestelijk Erf“ (Unser spirituelles Erbe) und ab 01.05.1919 Chefredakteur der Lokalzeitung „De Stad Oss“. 58 In diesen Jahren beteiligte er sich auch an einer Übersetzung der „Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempen ins Friesische, einem Klassiker der geistlichen Literatur.
1938-1941 veröffentlichte P. Titus wöchentlich eine Kolumne in der Zeitung „de Gelderlander“
Sein Engagement galt dem Kampf in der Presse um Gleichberechtigung der Katholiken im öffentlichen Leben in den Niederlanden, 59 aber auch einer guten Journalistenausbildung. 60
Er regte die Erstellung einer katholische Enzyklopädie an und bearbeitete Teilgebiete. Er war auch Zensor anderer Autoren.61
1935 ernannte der Erzbischof von Utrecht, De Jong, P. Titus Brandsma im Namen der niederländischen Bischöfe zum geistlichen Leiter des katholischen Journalistenvereins. 62 Diese Tätigkeit war umfangreich und sehr bedeutend. Damals gab es in den Niederlanden 30 katholische Zeitungen. Diese Aufgabe brachte schließlich den letztlich tödlichen Konflikt mit dem Nationalsozialismus, der zur Verhaftung führte.
P. Titus war nebenbei auch ein gefragter Redner. „In fast allen großen und in sehr vielen kleinen Städten des Landes hielt er Reden und Vorträge über wissenschaftliche, religiöse und soziale Themen“ 63
Erwähnt werden müssen auch seine Vorträge, die er 1935 bei seiner Reise nach Irland und in die USA über monastische und christliche Spiritualität hielt.
Sonstiges Engagement:
Darüber hinaus wirkte P. Titus auf verschiedenen anderen Gebieten. Aktiv war er im kulturellen, sozialen, religiösen und ökumenischen Bereich. 64 Seine Energie und Kreativität beeindrucken, besonders wenn man bedenkt, dass der Ordensmann mit den Pflichten des Ordenslebens und der Professur eigentlich ausgelastet wäre. Mehrere Stunden verbrachte er täglich im Gebet und in Meditation.
Sein Herz schlug besonders für die Mission. Gerne wäre er selber in die Mission gegangen. Gesundheitliche Gründe standen dem jedoch entgegen.
Er organisierte und leitete statt dessen Missionswochen,65 Missionsausstellungen, Tagungen und Kongresse für die Mission und Umzüge in der Heimat. „Die beiden großen Apostel der Niederlande: der hl. Willibrord und der hl. Bonifatius, fanden in ihm einen unermüdlichen Eiferer für ihre Verehrung. Dank seiner Mühen konnte Letzteren ein Heiligtum an seiner Märterstätte errichtet werden. Nach langem Suchen gelang es ihm, die katholische Universität mit einer kostbaren Reliquie ihres heiligen Schutzherrn, des hl. Radbotus, zu erfreuen.“ 66
Auch an der Gründung einer Schule in Indonesien wirkte er mit.
Katholikentage, Kundgebungen, Kongresse, überall wirkte P. Titus Brandsma mit.
Damit nicht genug. Er erreichte die Errichtung eines Herz-Jesu-Denkmals auf einem Platz der Stadt. 67, 68. „Den feierlichen Umzug die jährliche „Maria Omdracht“ von „Onser lieven Vrouwe von Nijmegen“, der in dieser Stadt bis zur Reformation gehalten wurde, hatte er mit seiner Begeisterung und Geschicklichkeit wieder zu neuem Leben erwecken können. Wie glücklich war er, wenn am Dreifaltigkeitstag diese prachtvolle Prozession durch die geschmückten Straßen der Stadt wieder einmal glänzend zu Ende gegangen war und Tausende von Teilnehmern der Gottesmutter ihre öffentliche Huldigung gebracht hatten. Alle seine Sorgen und Mühen waren damit reichlich belohnt.“ 69
Gleichzeitig bemühte sich P. Titus um die Wiedervereinigung der Kirchen. Die Ökumene war ihm ein großes Anliegen. Er pflegte Freundschaften zu Angehörigen anderer Konfessionen, vor allem der östlichen, und fungierte von 1926 an als Vizepräsident des Exekutivkomitees der Union. 70, 71
Die Gründung einer Stadtbibliothek 1921 in Oss ist ihm zu verdanken. Es war ihm gelungen, zu deren Finanzierung eine Finanzhilfe der Regierung zu bekommen. Auch die Gründung der Handelsschule in derselben Stadt konnte er erreichen.
1923 gründete er ein Lyzeum in Oldenzaal. 72
Ab 1917 unterstützte er die Bewegung zum Schutz der friesischen Sprache und Kultur: Er erreichte die Einrichtung von Lehrstühle für friesische Sprache an niederländischen Universitäten und Friesisch als Unterrichtsfach an Grundschulen. Er erhielt dafür große Wertschätzung und konnte durch sein Engagement die Vorurteile gegenüber der katholischen Kirche abbauen. 73 Er gründete auch die „Gesellschaft für Friesland“. 74
Besonders mochte er den heiligen Bonifatius, der als Missionar in Friesland den Märtyrertod gestorben war. Seine Verehrung förderte er. 1925 organisierte P. Titus Brandsma Ausgrabungen, danach den Bau eines Heiligtums für den Heiligen in Dokkum. 1926 organisierte er die erste Wallfahrt Frieslands zum Ort des Martyriums des heiligen Bonifatius. 75
P. Titus war außerdem ein aktives Mitglied in der internationalen katholischen Esperanto-Vereinigung.

P. Titus war viel mit dem Zug unterwegs zu Universitäten, Wohlfahrtsverbänden, für Hilfsaktionen und zu Aktionen gegen den Nationalsozialismus: „Titus Brandsma war der erste Mystiker auf dem europäischen Festland, der einen Fahrplan der Eisenbahn bei sich hatte.“ berichtete Godfried Bomans. 76
1925 gründete P. Titus Brandsma die Union der Direktionen katholischer Mittelschulen, deren Präsident er wurde. „In dieser Funktion und als Vorsitzender des Vereins der Vorsteher der katholischen mittleren Schulen hatte er besonders in den letzten Jahren seines Lebens viele Mühe und große Sorgen“ 77, besonders als es zu Konflikten mit dem Nationalsozialismus kam.
Zusätzlich zu allen diesen vielen Aktivitäten unterhielt P. Titus eine ausgedehnte Korrespondenz. Er widmete sich zeitraubender Besprechungen und empfing zahlreiche Besucher, die zu Beratungen zu ihm kamen 78
Nächstenliebe und Seelsorge
Trotz der vielen und umfangreichen Tätigkeiten hatte P. Titus Brandsma immer Zeit für Hilfesuchende, die sich an ihn wandten. „Je unglücklicher sie waren, desto mehr Zeit schenkte er ihnen… Seine liebenswürdige Art zwang ihn, alles liegen und stehen zu lassen und seine ganze Aufmerksamkeit auf den zu richten, der im Kloster Rat und Hilfe suchte. “79
Studenten, Ordensobere und viele andere kamen zu ihm, um ihn um Rat zu fragen. Seine klaren Einsichten halfen weiter.
Als gefragter Ratgeber und Seelsorger verbrachte er Stunden im Sprechzimmer bis zur Erschöpfung. Zahlreich waren seine Hilfsaktivitäten. Er sorgte für sozial Schwache, verhalf Studenten zu Stipendien und Arbeitsplätzen.
Sein Motto war:
Sein Motto war: „…für Gott und für die Menschen da sein.“80
Das war für ihn die logische Konsequenz aus dem ständigen Leben in Gottes Gegenwart. Sein Vorbild dabei war Maria, die Gottesmutter. „Wie Maria wollte er Christus in selbstloser Liebe zu den Menschen bringen.“81
„Wir Karmeliten müssen andere Marias, andere Theotokoi sein, auch in uns muss Gott geboren werden. Auch bei Maria hat das Innewohnen Gottes zum demütigen und liebevollen Dienst an den Menschen geführt; so muss auch unsere Vereinigung mit Gott sich in Werken der Nächstenliebe offenbaren.“82
„Dass diese enorme Aktivität des P. Titus, die sich auf die verschiedensten Gebiete erstreckte, nicht zu einer Zersplitterung seines Lebens, nicht zu einer geistlichen Leere führte, ist nur dadurch erklärlich, dass alle diese Verrichtungen getragen und zusammengehalten wurden durch seine große Liebe zu Gott und den Menschen.“83
„Gleich seinem großen Lehrer, dem Propheten Elias, war aber P. Titus nicht nur ein Beter, sondern aus dem Umgang mit Gott schöpfte er die Kraft und die Begeisterung für seine apostolische Tätigkeit.“84
„Pater Titus ist besser als wir alle zusammen. Er geht vorüber wie ein Sonnenstrahl.“85 wurde über ihn gesagt. „Sein Kontakt öffnet die Herzen, bewirkt Vertrauen und führt zu Gespräch und Aussprache. Niemals sieht man ihn unfreundlich, niemals streng. Er zeigt seinen Mitmenschen die wahre Heiligkeit, die nicht lästig ist, sondern tiefe Freude und wahres Glück bringt.“86
„Die Armen der Stadt kannten ihn gut; sie wussten: von ihm geht man nicht mit leeren Händen fort.“87 „Er war zu allen gütig und hilfsbereit.
„Seinen Kollegen von anderen Universitäten, die seine große Belesenheit in der mittelalterlichen geistlichen Literatur kannten und gerne eine Auskunft von ihm haben wollten, stand er mit größter Bereitwilligkeit zu Gebote. Aber mit der gleichen Bereitwilligkeit hörte er den Darlegungen einer alten, etwas exzentrischen frommen Dame zu, die eigentlich gar keinen Rat oder keine Hilfe brauchte, aber sich schon neu gestärkt und getröstet fühlte, wenn sie sich wieder einmal so richtig hatte aussprechen können.
Ein Universitätskollege schilderte seine Hilfsbereitschaft mit folgende Worten:
„Seine Hilfe wird mit einer Herzlichkeit angeboten, die den Schein erregt, dass man ihm einen Dienst erweist, wenn man ihn um einen Dienst bittet.“88
„Seine Studenten besprachen mit ihm nicht nur ihre Studienangelegenheiten, sondern auch ihre sonstigen Sorgen und Schwierigkeiten. Seine Kollegen besuchten ihn, wenn sie meinten, dass er ihnen auf diesem oder jenem Gebiete behilflich sein könnte, seine Ordensoberen wandten sich an ihn, wenn ein schwieriger Fall vorlag oder große Pläne ausgeführt werden mussten. Zu ihm kamen: diejenigen, die sich für die geistliche Literatur des Mittelalters oder die Hauptpersonen der »Devotio moderna« (geistige Bewegung in Mittelalter) interessierten, um einen Fingerzeig für geeignetes Studienobjekt zu bekommen; Verfasser von geistlichen Büchern, um ein Vorwort oder eine Durchsicht ihrer Bücher zu erbitten; Obere religiöser Genossenschaften um Rat zu suchen wegen einer beabsichtigten Änderung ihrer Konstitutionen; Leiter von Anstalten und Schulen einer Belehrung wegen oder um ihn zu bitten, er solle ein gutes Wort beim Unterrichtsministerium für sie einlegen.“89
„Die eigentliche Seelsorge nimmt zwar in seinem Leben nur einen verhältnismäßig kleinen Platz ein. Aber nach seiner Auffassung soll ein Priester keine Beschäftigung zurückweisen, wenn er sich bei allen Arbeiten auch wirklich als Priester zeigt.
„Auf alle unsere Arbeiten muss der Stempel der Liebe, der leidenschaftlichen Liebe zu Jesus geprägt sein“, 90
Gerade weil er dies selbst in hohem Maße verstanden hat, war seine Tätigkeit so erfolgreich und apostolisch.“91
P. Titus Brandsma war ein beliebter Beichtvater.92 Da er Italienisch, Deutsch und Englisch sprach, wurde er oft zur Beichte gerufen. 93
Allen Menschen wollte P. Titus Brandsma sehr nahe sein. Er scheute sich nicht, auch konkrete Hilfe zu leisten. „…er verstand die Kunst, jeden zu seinem wahren Freund zu machen. Beeindruckend war seine Lauterkeit.“94
„Unser geliebter Bruder in Christus ist wirklich ein Mysterium der Gnade“, 95 wurde über ihn gesagt.
„Unter seinen vielen guten Eigenschaften war seine freundliche Bereitwilligkeit seinen Mitmenschen zu helfen sicherlich die hervorragendste. Gerade diese Eigenschaft hat ihn so bekannt und beliebt gemacht, gerade diese Eigenschaft hat ihm sofort nach seinem Tode den Ruf eines Heiligen eingebracht.“
„Jeder, der ihn noch gekannt hat, erinnert sich seiner als einen liebenswerten Menschen, der
immer und für alle da war. Seine tiefe Frömmigkeit und Verwurzelung im Karmel gaben ihm die Kraft für seinen unermüdlichen Einsatz.“96
„Schon früh zeigte sich diese herzgewinnende Dienstfertigkeit, dieses Mitleben und Mitfühlen mit anderen, und es muss wohl auch eine natürliche Veranlagung dazu bei ihm vorhanden gewesen sein. Aber unter der Einwirkung der göttlichen Gnade und durch ständige Übung ist diese natürliche Tugend zur feinfühlenden, christlichen Nächstenliebe ausgereift.“
Unsere Liebe muss sprichwörtlich sein, Wir sollen uns von niemandem an Liebe übertreffen lassen. – Wir müssen daraufhin arbeiten, unseren Mitmenschen zu helfen. – Unsere Gegenwart irgendwo muss für die anderen eine Lust, ein Fest, einen Trost bedeuten.“97
Mit solchen Worten ermunterte er seine Mitbrüder es ihm gleich zu tun. 98
„Natürlich kam die Linderung der geistlichen Nöte seiner Mitmenschen an erster Stelle. Seiner ganzen Lebenshaltung wegen ist es fast unmöglich, zwischen seinen leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit eine scharfe Trennungslinie zu ziehen. Meistens waren beide miteinander verbunden. Es ist überhaupt schwer, in einer übersichtlichen Darstellung zu zeigen, wie und in welchem Umfang er die christliche Nächstenliebe geübt hat, denn seine Werke waren in ihrer Art und Bedeutung so verschieden, wie die menschlichen Bedürfnisse und Nöte verschieden sein können.“99
Einige Beispiele seiner Hilfsbereitschaft möchte ich erzählen:
„…für den Mann, der in der Innenstadt von Nijmegen sich abmühte, einen Handkarren den Hügel hinaufzuschieben: Titus warf seine Tasche voll Gelehrsamkeit auf den Karren und half. …Für die Arbeitslosen, denen er weiter zu helfen versuchte; für die Leute, denen er half, Formulare auszufüllen…“100
Selbst noch 2 Tage vor seiner Verhaftung half P. Titus einem armenischen Jungen, einen Asylantrag auszufüllen. 101
„Er erschien regelmäßig an den Schaltern des Sozialamtes der Gemeinde. Er machte auch Jagd auf Stipendien. Für arme Studenten bettelte er Unterstützung zusammen. Wenn es darum ging, für Hochschulabsolventen einen Platz im Leben zu finden, war keiner so aktiv wie er. Im Ministerium war er allmählich ständiger Gast geworden. Und wenn es nicht so schnell von statten ging, wie er selbst wollte, ließ er sich auch noch ausschimpfen von dem Mann, für den er sich so viel Mühe gab.“102 P. Titus nahm sich auch des Schicksals der Witwe eines Musikers an.103
„Einmal verschenkte er sogar seine Bettdecke einem frierenden Bettler.“104
„Viele Menschen kamen zu ihm, weil sie in ihm den echten Gottesmann erkannten, weil sie seine klare Einsicht oder seinen Einfluss zu schätzen wussten, aber viele kamen auch nur deshalb zu ihm, weil sie wussten, dass er gütig und hilfsbereit war. Wenn gesagt wird, er hätte einmal oder zweimal in seinem Leben eine Bitte ohne zwingenden Grund abgeschlagen, so würden diejenigen, die ihn wirklich gekannt haben, es nicht glauben. Es ist schon gesagt worden, er könne einfach nicht »nein« sagen, und man hat ihn damit eigentlich als eine Art Tropf hingestellt. Das ist aber grundfalsch, P. Titus konnte schon »nein« sagen, und er hat es in seinem Leben auch oft genug ganz energisch mit einem hellen Aufblitzen seiner Augen getan, aber nur dann, wenn die Ehre Gottes oder das Heil einer Seele gefährdet war. Er war herzensgut und in unbeschränkter Weise hilfsbereit, aber zugleich auch, und das deutet auf die Echtheit seiner Tugend, voller Energie und Ausdauer.“105

Geistliches Leben
Sein Leben war geprägt von Gebet, Meditation, Chorgebet und Betrachtung, wie es in der Karmeltradition üblich ist. Das war für P. Titus Brandsma nicht nur Pflicht, „sondern das Beglückende seines Umgangs mit Gott strahlte auf seine Umgebung aus.“106 Er war erfüllt von tiefer innerer Ruhe, die Ausdruck seiner in Gott ruhenden Seele war, seines Wandels in Gottes Gegenwart.
Zu seinem geistlichen Leben gehörte auch Gehorsam und ein Leben der Abtötung und der Armut. Daran reifte P. Titus, dieser vom Orden vorgegebene Weg war sein Weg zur Vereinigung mit Gott.107
„..er wusste, dass… die Beobachtung der Ordensvorschriften dazu das geeignete Mittel war. Hierin lagen dann auch tatsächlich die Stärke und der Schwerpunkt seines geistlichen Lebens. Besondere Frömmigkeitsübungen, strenge Bußwerke oder andere auffällige Dinge sind von ihm nicht bekannt, aber sein Eifer im täglichen Kommunitätsleben war vorbildlich. Der Regel zu folgen war ihm Herzensbedürfnis. Keiner seiner mit ihm zusammenlebenden Mitbrüder hatte jemals den Eindruck, dass das gemeinsame Chorgebet, die Betrachtung oder sonstige geistliche Übungen für ihn nur eine Pflicht waren, die er erfüllen musste, sondern das Beglückende seines Umgangs mit Gott strahlte auf seine Umgebung aus. Diese Liebe zum „Vita regularis et communis‘ ließ es bei ihm auch nicht zu, trotz laufender großer Arbeitsüberhäufung Dispense oder Ausnahmen von seinen Oberen zu erbitten. Er wollte Bruder unter Brüdern sein, auch wenn er dafür bis in die Nacht studieren und arbeiten musste.“108
Aus seinem Glauben und der tiefen Gottesbeziehung schöpfte P. Titus Brandsma Kraft, inneren Frieden und Freude, die auch andere spüren konnten. „Die Lebensfreude des P. Titus ist die Freude über die Liebe Gottes, die sich in der Haltung jedes einzelnen Menschen kund tut…“109
Eine große Liebe zu heiligen Eucharistie prägte P. Titus. „Er feiert  die hl. Mysterien mit einer tiefen Andacht und Frömmigkeit… Dies ist der Grund seiner maßlosen Liebe zu den Menschen. Für jeden ist er da …“110
Über die Morgenmesse sagte er selber:
„das sind die schönsten Minuten für mich am Tag, …intimer mit Gott vereinigt zu sein als in seinem Auftrag sein Opfer zu feiern und seinen Leib zu essen, ist unmöglich.“111
Er sagte: „Die Eucharistie ist die Kraft, die ihnen erlaubt zur Kontemplation zu gelangen….Wieder zu Kräften gekommen, durch die Eucharistie, bemüht sich der Karmelit, während er die Wüste dieser Welt durchquert, den Horeb der Beschauung zu erreichen. Obwohl die Aufgabe schwer ist, ist es sein Bestreben, seinem Vater bis dorthin zu folgen. Dieses Ideal zu verwirklichen, ist ohne eine freie Gabe Gottes unmöglich.“112
Sein Apostolat und seine Arbeit zeugten von seinem reichen spirituellen Leben, von dem er aber nie direkt sprach.
Zitate lassen uns aber ahnen, wie tief er in der Spiritualität des Karmels verwurzelt war und wie sehr der Orden seine eigene Spiritualität prägte:
„Nicht nur der Weg der Reinigung und der Weg der Erleuchtung, sondern auch der Weg der Vereinigung und der eingegossenen Beschauung sind deutlich vorgestellt als zu erreichendes Ziel, die Absicht, die man verfolgen soll, das zu realisierende Ideal, wenn auch die Vereinigung und diese Teilnahme am himmlischen Leben zu gleicher Zeit als „reine Gabe Gottes“ bezeichnet werden.“
„Für den Karmel wäre es aber vielmehr die vollkommene Hingabe an die Kontemplation: es darf lediglich unterbrochen werden durch die Notwendigkeit, dass es nötig ist, zu den Leuten zu gehen und ihnen von Gott zu reden. Einzig die Liebe zum Nächsten oder der Gehorsam können Gründe sein, Gott um der Sache Gottes willen zu verlassen.“
„Gerade die Einsamkeit ist für den Karmel der Ausdruck der Weltentsagung und der Gottzugehörigkeit.“
„…Gebet ist die wichtigste Aufgabe der Karmeliter; die Karmeliter sollen das kontemplative Leben hüten wie einen Schatz und, das aktive Leben soll ihm kein Hindernis sein.“
„Das Lesen der Heiligen Schrift, die das Gesetz Gottes ist, soll uns besonders mit Jubel darüber erfüllen, dass Gott durch seine Gnade in uns wohnt und dass wir voranschreiten können wie Riesen, entfesselt durch die reine Liebe und durch die Freude, die uns unsere Auserwählung, ganz über alle unsere strengen Verpflichtungen hinaus, verursacht. Das Gebet ist keineswegs eine Oase in der Wüste des Lebens; es ist das ganze Leben.“113
Wie in der Spiritualität des Karmels üblich, waren die Gottesmutter Maria und der Prophet Elija seine Vorbilder. Er „versuchte in ihrem Vorbild sein Leben zu gestalten“114.
„Die roten Rosen“, so sagt P. Titus in einer seiner Schriften, „winden sich den Berg Karmel hinauf, über seine Höhlen und Grotten und umgeben ihn wie mit einem feurigen Gürtel. Die roten Rosen sind das Symbol der Liebe, die in Elias und in seinen Schülern brennt.“ Auch in diesem Sinne war er selbst ein wahrer Schüler des großen Propheten. Er liebte Gott, und er liebte seine Nächsten, oder besser gesagt, er liebte Gott in Seinen Geschöpfen, besonders aber in den Menschen.“ 115
Maria, die Mutter Gottes
P. Brandsma war von einer karmelitanischen Marienfrömmigkeit geprägt. Auch gerade deswegen hatte er sich für den Karmeliterorden entschieden. Nach seinem Eintritt wurde sein liebevolles Verhältnis zur Gottesmutter und das Verständnis ihrer Bedeutung für den Karmel immer tiefer.
„Unser Orden ist ganz marianisch“, erklärte er.
„Nächst der Nachfolge des Elias muss die Nachfolge der Gottesmutter das Leben eines jeden Karmeliten bestimmen.“116
„Wir Karmeliten müssen andere Marias, andere Theotokoi sein, auch in uns muss Gott geboren werden. Auch bei Maria hat das Innewohnen Gottes zum demütigen und liebevollen Dienst an den Menschen geführt; so muss auch unsere Vereinigung mit Gott sich in Werken der Nächstenliebe offenbaren.“ 117, 118
Diese Überzeugung prägte sein Leben. „In alten Büchern und Dokumenten hatte er gelesen, dass alles, was die Regel vorschreibt, bereits viel früher von der Gottesmutter mit höchster Liebe und Hingabe geübt worden war. Die Beobachtung der Regel und der Konstitutionen muss also die beste Grundlage für die Nachfolge sein. Durch vorbildliche Treue in dieser Beobachtung gab er seiner Mariennachfolge dieses feste Fundament. Die heiligste Jungfrau ist aber nicht nur das leuchtende Vorbild, sie ist auch die Schutzherrin, die Mutter, die helfen kann und helfen will. Diese Mutter rief P. Titus mit größtem Vertrauen an und verehrte sie mit einer kindlichen Liebe. Wo immer die Gelegenheit sich bot, da war es ihm eine Freude und eine Ehre, über sie zu sprechen, ihr Lob zu verkünden.“119
„Wenn seine Stellung im Kloster es ermöglichte, drängte er bei seinen Mitbrüdern darauf, die Vorschriften für die Verehrung der Gottesmutter doch mit größter Genauigkeit zu erfüllen. Jedem Karmeliten sollte es eine Ehrensache sein, an den Samstagen dem Muttergottesamt und der Salve-Andacht beizuwohnen und sich um deren feierliche Gestaltung zu sorgen. Alle Mitbrüder wussten, wie sehr er sich freute, wenn er selbst an Samstag oder an anderen Muttergottestagen das Hochamt halten durfte. Wie kindlich seine Muttergottes-Liebe war, geht wohl sehr deutlich aus einer Beschreibung seiner Gefängniszelle [in der Gefangenschaft im Gefängnis Scheveningen Anmerkung des Verf.] hervor. Er erzählt, wie er sich mit den primitivsten Mitteln ein Altärchen gemacht und darauf drei Bildchen aus seinem Brevier befestigt hat, in der Mitte das Bild des göttlichen Heilandes, an den Seiten das der hl. Theresia und das des hl. Johannes vom Kreuz. Dann fährt er fort: »Ich hatte in meinem Brevier kein Bildchen der Gottesmutter, dennoch gehört ihr Bildnis in die Zelle eines Karmeliten. Auch hier habe ich mir helfen können. Der Teil des Breviers, den wir jetzt gebrauchen und den man mir glücklicherweise gelassen hat, enthält vorne eine prächtige Abbildung der
Karmelmadonna von Freiin von Oer. Jetzt steht mein Brevier weit geöffnet auf dem oberen der beiden Eckbrettchen zur linken Seite über meinem Bett. Am Tische sitzend, brauche ich nur eben nach rechts zu schauen, und ich sehe ihr schönes Bild, Wenn ich im Bette liege, fällt mein Auge zuerst auf die Madonna mit dem Stern, die Spes omnium Carmelitarum, die Hoffnung aller Karmeliten.“120
Auch die heilige Theresa von Avila war in P. Titus Brandsmas Leben von großer Bedeutung.
Diese große Heilige des Karmel beeindruckte und prägte ihn schon seit seinem Noviziat. Schon damals übersetzte und veröffentlichte er aus ihren Schriften. An seinem Lebensende schrieb er noch im Gefängnis an einem Buch über sie.
P. Brandsma veröffentlichte einen Auswahlband mit ihren Schriften. Dazu übersetzte er Texte neu, auch unter Mithilfe von Mitbrüdern.
Mystik:
Alles in seinem Leben geschah, aus tiefer Innerlichkeit. P. Titus Brandsma spürte, dass der Mensch oft zu kurz kommt. Er war „ein Mystiker im vollen Leben, der ruhig und dennoch ruhelos sein konnte aus einer inneren Einheitserfahrung heraus. Aus ihm strahlte eine innere mystische Erfahrung durch“121
„Wenn er über die Geschichte der Mystik sprach, fühlte man, dass vieles davon am eigenen Leib erfahren war.“122
„Er besitzt einen reichen milden Grund, der in Gottes Reichtum gefestigt ist. Darum spürt er das Verlangen, sich unaufhörlich allen zu schenken, die ihn nötig haben; denn sein Reichtum besteht im lebendigen Quell des Heiligen Geistes, den man niemals völlig ausschöpfen kann…. So besitzt er ein geheimes Leben, denn Schauen und Arbeiten liegen ihm gleich nah, und in beiden ist er vollkommen.“123
„Ein weiteres Wesensmerkmal seiner von Natur aus beweglichen und betriebsamen Persönlichkeit war eine tiefe innere Ruhe, von der er erfüllt war, und die sich auch auf seine Umgebung auswirkte. Das war der Ausdruck seiner in Gott ruhenden Seele, seines Wandels in der Gegenwart Gottes. Daraus lässt sich auch nur erklären, dass er so leicht von anstrengenden Arbeiten oder nach der Rückkehr von einer ermüdenden Reise den Übergang zum Gebet und zur Betrachtung fand. Über seine eigene persönliche Gebetsbegegnung mit Gott, über seinen Verkehr mit Ihm, hat P, Titus, mit einer einzigen Ausnahme, nichts Schriftliches hinterlassen. Das ist begreiflich, denn es handelt sich hier um den kaum formulierbaren innersten Bereich des Menschen, in dem sich diese Begegnung vollzieht.“124
„Wir sind nicht dazu berufen, im öffentlichen Leben großartige, auffallende und lebhaft besprochenen Dinge zu tun. Das wäre gegen die Einfachheit, wie wir (Karmeliten) sie praktizieren wollen. Aber es ist doch unsere Pflicht, die gewohnten Dinge auf großartige Weise zu tun. Das heißt: mit einer lauteren Intention und dem Einsatz unserer ganzen Persönlichkeit. Wir verlangen nicht, vorne an zu stehen und bejubelt zu werden wegen Leistungen, von denen die Menschen der Welt eine hohe Meinung zu haben pflegen. Wir möchten auffallen durch unsere Einfachheit und unsere Aufrichtigkeit.“125
Als ausgewiesener Fachmann für Mystik fuhr er am 20.01.1931 (nach einer anderen Quelle im Oktober 1930, 126) nach Bayern, um Therese Neumann in Konnersreuth zu besuchen. P. Titus konnte die Wundmale der Mystikerin sehen und war bei ihren Visionen des Leidens Jesu anwesend. Sein Anliegen war zu prüfen, ob diese Mystik echt sei.
Danach erklärte er, jede Sensationssucht relativierend:
„Durch diese Wunder erwartet die Kirche keine Bestätigung auf Erden …Ich bin in Konnersreuth fast ungerührt geblieben von den Stigmata, den blutigen Tränen und selbst von der Nahrungsentbehrung der Therese.  Aber tiefen Eindruck hat auf mich die Tatsache gemacht, dass ein Mensch sich so ganz an Gott hingeben kann und mit Ihm so innig zu leben vermag.“127, 128
In einer Ansprache vor der Ärztevereinigung äußerte sich P. Brandsma gleichlautend:
„Wir haben den Schatz des Glaubens. Dieses göttliche Wort übersteigt alle Erscheinungen und Visionen.“
Wiederholt sprach P. Brandsma später über Therese von Konnersreuth.
Leidensmystik:
P. Brandsma war sehr zurückhaltend gegenüber besonderen Phänomenen. Ihm genügte das Bejahen des „zugefallenen Leids“ 129 . Das entsprach auch seiner persönlichen Spiritualität.
Im folgenden finden Sie eine Zitatensammlung von und über Titus Brandsma und seine Leidensmystik.
„Wir haben die Pflicht, mit Christus zu leiden. Gott ist aber mehr mit dem Opfer unseres Geistes als mit der Hingabe unseres Leibes gedient…“130
„Die Mystik des Leidens ist seine Vorliebe. …Er sieht im Leid die große Chance des Menschen.“ 131
„Die Leidensmystik war eines der Themen, die er in seinen Verlesungen mit Vorliebe behandelte. Auch für wissenschaftliche und religiöse Vereine sprach er des Öfteren über den Wert des Leidens, das in Vereinigung mit Christus getragen wird. Er sprach dabei über etwas, das er aus eigener Erfahrung kannte. Wie schon am Anfang erwähnt, war er körperlich schwach. Viermal in seinem Leben erlitt er eine Magenblutung, die ihn zweimal in mittelbare Lebensgefahr brachte. Sein ganzes Leben hindurch machte dieser empfindliche Magen ihm viel zu schaffen. Zweimal musste er sich einer Lumbalpunktion unterziehen, die ihm nicht nur große Schmerzen verursachte, sondern ihn auch wirklich krank machte. Klagen hörte man ihn nicht, er machte sich nur Sorgen um die Arbeiten, die liegen bleiben mussten, und um die finanziellen Lasten, die er dem Kloster mit seinen vielen Krankheiten auferlegte. Besonders in den letzten Jahren litt er ernstlich an einer durch Coli-Bakterien verursachten Infektion… Doch Gott wollte ihn durch noch größere Leiden näher an Sich heranziehen.“ 132
„So gut wie andere hat er Kreuz und Leid gekannt, nur verstand er es besser als die meisten von uns, seine Kreuze durch sein heiteres Wesen zu verbergen. P. Titus hat schmerzvolle Stunden durchlebt, Magenblutungen (4 x im Leben) Nervenlähmungen, Blasenentzündung, 2 x unmittelbare Lebensgefahr. Große, körperlich Schmerzen. Ohne Klagen! Er sorgt sich nur um seine Arbeit, die liegen bleiben muss… weil man ihm mit irgendwelchen Forderungen das Leben schwer machte, weil die Sorgen über die Sünden eines Freundes ihn betend nach einer Antwort oder einem guten Rat suchen lassen.“133
„Seine Bereitschaft für Opfer und Leid ist wohl die Frucht seiner tiefen Liebe zu Gott.“
„Wir müssen große Ehrfurcht vor dem Leiden haben, denn das Leiden ist etwas Heiliges. Jesus selbst hat das Leid, das seit Adams Sünde als Fluch auf der Menschheit lag, zu einem Segen gemacht. Er hat sich seinem himmlischen Vater als Schlachtopfer für uns alle angeboten. Der Vater hat sein fiat gesprochen und verlangt nun von uns, die wir durch Jesu Blut losgekauft wurden, dass wir nicht über das Leid murren. Leid verdient unsere Liebe und Hochachtung…das Leid, das wir frohgemut auf uns nehmen, schenkt uns die Gewissheit, dass Jesu Erlösungswerk für uns nicht umsonst war.“134
„Er stellt einige Beweise auf, um uns zu zeigen, weshalb wir das Leiden nicht scheuen dürfen, sondern es dankbar annehmen müssen. Das Leiden ist nämlich ein wunderbares Mittel, um Gott zu ehren, um unsere eigene Persönlichkeit zu vervollkommnen und um Mitmenschen zu dienen… An erster Stelle wird durch unser heldenmütig getragenes Leiden Gott gedient. Wir nehmen an dem Opfer der Menschwerdung teil und dienen dem Vater durch das Opfer unserer selbst. …“135
„Die Nachfolge Christi ist ohne opferbereite Bejahung des Leidens unmöglich“, erklärte P. Brandsma. „Die reinigende Kraft des Leidens sollen wir nicht nur bejahen, sondern auch lieben, denn es vereinigt uns mit Christus. Gott zieht uns durch Leiden zu sich“.136
„Jesus hat selbst gesagt, dass er das Haupt des mystischen Leibes ist, dessen Glieder wir sind. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben. Er hat sich auf der Kelter ausgestreckt und sie bedient. So hat er uns den Wein gegeben, damit wir, wenn wir ihn trinken, von seinem Leben leben und an seinen Leiden teilhaben. Wer mein Jünger sein will, der nehme täglich sein Kreuz auf sich. Wer mir nachfolgt, wird das Licht des Lebens haben. Ich bin der Weg. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Und da seine Jünger von sich aus nicht verstanden, dass sein Weg ein Weg des Leidens sein musste, erklärte er es ihnen so: Muße nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?
Da brannte den Jüngern das Herz in der Brust. Das Wort Gottes begeisterte sie. Und als der Heilige Geist auf sie herab kam wie göttliches Feuer, das sie in Brand setzte, da freuten sie sich, Verachtung und Verfolgung erleiden zu dürfen, denn so waren sie dem ähnlich, der ihnen auf dem Weg des Leidens vorausgegangen war. Schon die Propheten hatten den Leidensweg Christi angekündigt, und die Jünger verstanden auf einmal, dass er ihn sich nicht erspart hatte. Von der Krippe bis zur Marter am Kreuz waren Armut und Unverständnis sein Los. Er hatte sein Leben damit zugebracht, die Menschen zu lehren, dass Gott Leid, Armut, Unverständnis der Menschen anders sieht, als es die Torheit menschlicher Weisheit tut. Auf die Sünde musste das Leiden folgen, so dass, durch das Kreuz, die verlorene Herrlichkeit und das Leben des Menschen durch Gott wiedererlangt würde. Leiden ist der Weg zum Himmel. Im Kreuz ist Heil. Und das Kreuz ist der Sieg. Gott hat es so gewollt. Er selbst nahm die Pflicht des Leidens im Hinblick auf die Herrlichkeit der Erlösung auf sich. Der hl. Paulus macht uns deutlich, wie alles Unheil seines irdischen Lebens unbedeutend ist, wie es als nichtig und vergänglich betrachtet werden muss im Vergleich mit der Herrlichkeit, die uns offenbar werden wird, wenn die Zeit des Leidens vergangen ist und wir Gottes Herrlichkeit schauen.
Maria, die alle Worte Gottes in ihrem Herzen bewegte, verstand in der Fülle der Gnade, die ihr gewährt wurde, den großen Wert des Leidens. Als die Apostel flohen, ging sie, um den Erlöser auf dem Weg zum Kalvarienberg hinaus zu sehen und stand unter dem Kreuz, um seinen Gram und seine Schande bis zum Ende zu teilen. Und sie trug ihn zum Grab, in der festen Überzeugung, er werde auferstehen.
Es widerstrebt uns, wenn er uns den Kelch des Leidens reicht. Es ist so schwer für uns, uns dem Leiden zu ergeben. Sich daran zu erfreuen erscheint uns heroisch. Was ist das Opfer unserer selbst wert, wenn wir uns an jeden Morgen nur in Wort und Geste, nicht aber in Gedanken und im Willen mit jenem Opfer vereinen, das wir mit der Kirche darbringen, mit ihm, mit dem wir in einem Leibe vereint sind?“137
Gebet
P. Titus Brandsma war ein großer Beter. Aus Gott schöpfte er Kraft und Begeisterung für seine apostolische Arbeit.
Er sagte: „Gebet ist Leben, nicht eine Oase in der Wüste des Lebens.“ 138
Selber sprach er aber wenig über sein persönliches Gebetsleben und schon gar nicht direkt über seine
Gotteserfahrungen. Wir wissen um seine Liebe zum Chorgebet, das er möglichst nie verpassen wollte, trotz seiner vielen Aktivitäten.
Auch in der Gefangenschaft betete P. Brandsma viel. Das zeigt, wie sehr ihm das ein tiefes Bedürfnis und innere Heimat geworden war. Wir werden später davon berichten.
Schwache Gesundheit
Seit der Kindheit musste P. Titus Brandsma wiederholt schwere gesundheitliche Krisen durchleiden. Er ertrug alle Schmerzen und Behandlungen ohne Klage. Von einigen Problemen wissen wir Näheres. Er litt schon mit 13 Jahren an einer akuten Magenkrankheit, die ihn dazu zwang, im Gymnasium 1898 einige Zeit zur Genesung auszusetzen. Schon 1901 durchlitt er schwere Magenblutungen mit Fieber. (vgl. oben)
In beispielhafter Hingabe nahm er diese Leiden an und ließ sein Engagement davon möglichst wenig beeinflussen.
Im Jahre 1921 brach er körperlich völlig zusammen. Er erlitt starke Blutungen und war wochenlang in Lebensgefahr. Dann setzte plötzlich die Genesung ein und er konnte weiterarbeiten. 139
Da er sich selber trotz allem nicht schonen wollte, kam es immer wieder zu gesundheitlichen Problemen, besonders gegen Ende seines Lebens.
Auch in den 1930-ger Jahren litt P. Titus sehr. Mitte der 1930-ger Jahre wurde eine Nierenentzündung diagnostiziert.
1937 traten heftige Schmerzen auf. Eine Entzündung des Rückenmarks erforderte absolute Ruhe. Im Frühling 1938 trat zunächst eine Besserung ein, bevor sich sein Zustand im Herbst 1939 erneut gefährlich verschlechterte. Eine gefährliche und sehr schmerzhafte Harnblasenentzündung quälte ihn. Im Sommer 1940 war P. Brandsma noch schwach, aber wieder auf den Beinen und aktiv.
1941 sagte er: „ Meine Berufung zur Kirche und zum Priestertum hat mir so viel Herrliches und Schönes gebracht, dass ich dafür gerne etwas Unangenehmes auf mich nehme“ 140.
In der Zeit vor seiner Verhaftung ging es P. Brandsma wieder deutlich schlechter, was seine Leiden in der Haftzeit noch erhöhte.
Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus
P. Titus Brandsma war von Anfang an ein Gegner und Kämpfer gegen den Nationalsozialismus. Schon 1935 (1934 nach Resch)141 schrieb er darüber, kritisierte sehr scharf, warnte und versuchte aufzuklären. Auch in den Niederlanden gab es eine einheimische Gruppe von Nazionalsozialsten, die N.S.B. Diese verurteilte P. Brandsma ausdrücklich.
„Die Nazibewegung ist eine schwarze Pest, sie ist heidnisch“ 142 143. „…und gottlos“ erklärte P. Brandsma. 144
Er verurteilte Judenverfolgung und antijüdische Gesetze der deutschen Nationalsozialisten mit deutlichen Worten. Die sogenannte „erste Verordnung zum Blutschutzgesetz“ hielt er für eine Verletzung der Menschenrechte.
Er sprach gegen den Nationalsozialismus in der Universität, bei Konferenzen, bei Vorträgen und schrieb in Zeitungen kritische Artikel. Einen deutschen Professor an seiner Universität, der sich als Nazi entpuppte, verwies er von der Universität. Er erklärte ihm, dass „sie als Verräter angesehen werden müssen“. 145
In den Vorlesungen 1938/ 39 sprach P. Brandsma an der Universität in Nijmmegen über den Nationalsozialismus. Er lehrte: „Diese Ideologie widerspricht dem Christentum und dem Evangelium. Sie ist unmenschlich.“ 146
Es ist seinem Eintreten mit zu verdanken, dass der Nationalsozialismus in der Bevölkerung der Niederlande, besonders unter den Katholiken, nie wirklich Fuß fassen konnte. Die Haltung der katholischen Kirche und der Bischöfe in den Niederlanden war klar gegen den Nationalsozialismus gerichtet. Ab dem 26.01.1941 wurde Mitgliedern der NS-Gruppen durch die niederländischen Bischöfe der Empfang der Sakramente verweigert 147. Die Mitgliedschaft in den niederländischen Nazis-Verbänden, der N.S.B., wurde Katholiken verboten. Der katholische Volksteil der Niederlande mit seiner eigenständigen Kultur war ein fester Block gegen diese Ideologie. Das katholische Holland war immun.
Deshalb hatten Nazis in den Niederlanden zunächst keine große Bedeutung.
„Seine scharfe Kritik und die Demaskierung der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland entging den Sympathisanten dieser Bewegung in Holland nicht. “148 Das brachte P. Titus in Gefahr.
Natürlich wurde die deutsche Gestapo auf ihn aufmerksam und verfolgte seine Veröffentlichungen.
Er wurde für sein Engagement von niederländischen Nazis öffentlich als „ Kommunist und Judenfreund“ beschimpft. 149
Sein Engagement galt in besonderem Maße der Katholischen Presse. Ihm war wichtig, dass diese Zeitungen und Zeitschriften keine nationalsozialismusfreundlichen Texte abdruckten, um die Leser nicht an der klaren Haltung der Kirche zweifeln zu lassen. Für diese Haltung ging er schließlich in Gefangenschaft und in den Tod. Dieses Risiko kannte er.
Er sagte: „Wer die Welt für Christus gewinnen möchte, muss den Mut haben, mit ihr in Konflikt zu geraten.“ 150, 151
Dieser Konflikt verschärfte sich für ihn deutlich, als am 10.05.1940 die Niederlande von deutschen Truppen besetzt wurden.
Den Einfall der deutschen Truppen und die Besetzung seines Vaterlandes nahm er mit großer Gleichmut und Ruhe hin, von Angst war bei P. Titus Brandsma nichts zu spüren.
Sofort begann die Verfolgung von Juden, politischen Gegnern und der katholischen Kirche, die auch als politischer Gegner angesehen wurde. Der katholische Journalistenverband wurde verboten, Ordensleute durften an Schulen keine Leitungsfunktion mehr ausüben, ihre Gehälter wurden um 40 % gekürzt. Die Aufnahme jüdischer Schüler in katholische Schulen wurde verboten, um nur einige Beispiele zu nennen.
Dieser Versuch, den Einfluss der Kirche auf die Gläubigen zu brechen, rief den deutlichen Widerstand der katholischen Kirche hervor. Die katholischen Schulen und die katholische Presse wurden in den Niederlanden zunächst ein fester Block im ideologischen Kampf gegen den Nationalsozialismus.
Deshalb griffen Nazis auch dort an.
Die Katholische Kirche kündigte aktiven Widerstand an, besonders gegen die Verfolgung von Juden protestierte sie. Am 26.01.1941 rief sie die Katholiken auf, eine Unterstützung des Regimes zu unterlassen. Sakramente sollten allen Unterstützern des Nationalsozialismus verweigert werden.
Im Juli 1941 richteten die holländischen Bischöfe sich in einem Brief an das Volk. „„Wir haben lange geschwiegen. Jetzt wollen wir öffentlich etwas sagen zu den vielen Ungerechtigkeiten, denen wir Katholiken während der zurückliegenden Monate ausgesetzt waren.“
Das Schreiben, das eine lange Reihe von Ungerechtigkeiten aufzählte, ging auch auf die Unterdrückung der Meinungsfreiheit ein.
„Es ist uns verboten worden, Sammlungen durchzuführen für unsere kulturellen und karitativen Einrichtungen. Der katholische Rundfunk wurde uns genommen. Unsere Tagespresse ist eingestellt oder in ihrer Berichterstattung so eingeschränkt worden, dass man kaum noch von einer katholischen Presse sprechen kann.“ Das Schreiben beklagt auch, dass einige kirchliche Einrichtungen ganz außergewöhnlich hohe Steuern zu zahlen hätten und dass man Jugendgruppen zwang, sich aufzulösen. Weiter heißt es: „Jetzt ist etwas geschehen, und wir können nicht länger schweigen, ohne unser geistliches Amt zu verraten… Die Katholische Arbeitervereinigung untersteht nunmehr der nationalsozialistischen Bewegung; tatsächlich wurde sie eine ihrer Organisationen. Aus diesem Grund können Katholiken nicht länger Mitglieder dieser Vereinigung bleiben.“
Das offene Wort der Bischöfe bewirkte einen verstärkten Druck auf die Kirche und eine neue Welle der Verfolgung von Katholiken und Juden.“152
Das heute oft so lautstark geforderte öffentliche Protestieren der katholischen Kirche gegen den Nationalsozialismus hatte nicht die heute gemutmaßten positiven Folgen. Die Situation der Verfolgten verschlimmerte sich in den Niederlanden weiter.
P. Titus Brandsma protestierte daraufhin als Präses des Vereins der Vorsteher der katholischen Mittleren Schulen mit soliden Argumenten und suchte persönlich das Unterrichtsministerium auf. Er sorgte durch Besprechungen und Schreiben für eine einheitliche Linie von Seiten der katholischen Schulen. Es gelang ihm die schädlichen Folgen auf ein Mindestmaß zu beschränken. 153 Er erreichte sogar einen Aufschub der einschränkenden Regelungen. 154
P. Titus Brandsma setzte sich außerdem für jüdische Kinder ein und weigerte sich, diese aus den katholischen Schulen zu entfernen, wie es von den katholischen Schulen verlangt wurde. 155
In dieser Situation war P. Titus ohne die geringste Sorge für seine eigenen Zukunft. Weiterhin wollte er tun, was er als seine Pflicht erkannt hatte. Den Rest wollte er Gott überlassen. 156
„Wir wollen für die Zukunft nur still auf Gott vertrauen. Noch geht es ziemlich ruhig zu. Am meisten ärgert mich die Zeitung mit ihren sinnlosen Befehlen und offenen Lügen.“ 157, schrieb er am 26.05.1940.
Mutig bekannte er: „Auch wenn das Neuheidentum die Liebe nicht mehr haben will, wird die Liebe uns das Herz der Heiden zurückgewinnen. Die praktische Lebenserfahrung wird sie immer aufs neue eine siegreiche Kraft sein lassen, die die Herzen der Menschen erobern und festhalten wird.“158
Am 11.02.41 wurde P. Titus Brandsma gewarnt, er solle sich schützen. Die Antwort zeigt, dass er sich der ihm drohenden Gefahr nicht ganz bewusst war: „Titus bedankte sich freundlich und sagte: „ Ich werde darüber nachdenken müssen. Doch ich kann einfach nicht glauben, dass sie mich suchen. Wenn das der Fall wäre, dann hätten sie mich schon längst hinter Schloss und Riegel haben können. Ich spiele immer mit offenen Karten mit den Leuten und das gefällt mir nicht schlecht.““ 159, 160
Er vertraute einem Mitbruder an: „wenn wir keine Stellung nehmen, werden wir überrannt. Jedenfalls müssen sie wissen, was wir als Recht betrachten“ 161
Am 18.12.1941 wurde in den Niederlanden die Pressefreiheit abgeschafft. Für die katholische Presselandschaft war die freie Berichterstattung zu Ende. „Das nationalsozialistische Propagandaministerium teilte den holländischen Tageszeitungen und Zeitschriften mit, dass sie nur Berichte und Presseerklärungen anzunehmen hätten, die von offiziellen Stellen herausgegeben würden.“162 Die Mitarbeiter der Zeitungen wurden mit Drohungen unter Druck gesetzt.
P. Titus „wurde im Auftrag der Bischöfe zur Kommandantur der Nazis geschickt, um deren Widerstand gegen die diskriminierenden Maßnahmen auszudrücken. Doch all das führte zu nichts.“ 163
P. Brandsma setzte sich trotzdem auch weiterhin für die Pressefreiheit der katholischen Presse ein. Er versuchte, die katholischen Zeitungen zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern.
Dabei wollte er den ausdrücklichen Willen der kirchlichen Vorgesetzten umsetzen. Er hielt engen Kontakt mit seinem Bischof de Jong und besuchte diesen oft zu Besprechungen der Lage. Bischof de Jong protestierte selber gegen die deutschen Nazis, nachdem er sich intensiv mit P. Brandsma besprochen hatte.
Die neuen Herren in den Niederlanden hatten angeordnet, dass in den katholischen Zeitungen offizielle Nazi-Propaganda gedruckt werden solle. Insbesondere Werbung für den Beitritt in nationalsozialistische Organisationen sollte veröffentlicht werden. So sollte der Anschein der Unterstützung der katholischen Kirche erweckt werden. Solche Anzeigen waren für die Katholischen Zeitungen aus weltanschaulichen Gründen ausgeschlossen. Außerdem wurde die Einstellung von Nationalsozialisten als Chefredakteure bei den katholischen Zeitungen erzwungen.
Jetzt war die Grenze des Zumutbaren überschritten.
P. Titus reagierte entschieden: „ Wir werden ihnen antworten und unsere Antwort wird Nein heißen.“ 164
Von großer Besorgnis getrieben, wurde er aktiv. In dieser Lage kannte er weder Angst noch Müdigkeit, denn in seinem Herzen war tiefer Friede.
Am 30.12.1941 traf er sich wieder zu einer Unterredung mit seinem Bischof. 165  Der Widerstand der kathplischen Kirche war jetzt das Gebot der Stunde.
Diese Besprechung brachte folgendes Ergebnis: Im Auftrag der Bischofskonferenz und auf deren Weisung sollte P. Titus Brandsma einen Brief an die katholische Presse mit dem Aufruf zum Widerstand gegen Nazis verbreiten. Die Zeitungen sollten sich weigern, die NS-Anzeigen zu drucken. P. Titus  sollte den Text verfassen, diese Briefe persönlich überbringen und erläutern, um eine einheitliche Haltung der Zeitungen zu gewährleisten. 166
Der Text dieses Brief erklärte, dass es die Pflicht der katholischen Presse sei, jede Unterstützung für den Nationalsozialismus abzulehnen. Der letzte Satz lautete prophetisch:
„Gott spricht das letzte Wort und belohnt seine treuen Diener.“
Allen Beteiligten war klar: dieser Auftrag war sehr gefährlich. P. Titus stand schon auf der schwarzen Liste der NS-Herrscher. Dieses Projekt war ein direkter Aufruf zum Widerstand gegen die deutsche Besatzung.
„Ich bin zwar etwas beunruhigt, aber ich habe keine Angst, und mich verstecken, das liegt mir nicht.“, sagte P. Titus Brandsma dem besorgten Bischof in diesem Zusammenhang. 167
Trotz aller Warnungen schrieb P. Titus also diesen Brief und begab sich auf eine Rundreise durch das Land, um die Briefe persönlich an die Direktoren oder Chefredakteure von 14 katholischen Zeitungen in den Niederlanden zu übergeben.
„Freunde, da machen wir nicht mit! Uns sind Grenzen gesetzt“ 168, 169 „Wir haben die Grenze erreicht. Wir können ihnen nicht dienen. Es wird unsere Pflicht sein, entschlossen der Nazipropaganda entgegenzutreten, wenn wir katholische Zeitungen bleiben wollen.“ 170
Wenn sie uns mit empfindlichen Geldstrafen, mit Auflösung oder mit anderen Maßnahmen drohen, wir dürfen uns ihnen nicht unterwerfen.“ 171
Am 15.01.1942 verschärfte sich die Lage. Es wurde begonnen, die Drohung durchzusetzen. Drei katholische Tageszeitungen mussten die Texte der NSB (holländische NS-Partei) veröffentlichen. P. Titus Brandsmas Text wurde am 16.01.1942 als offizieller Brief der Niederländischen Bischöfe autorisiert. Es wurde gefordert, dass alle Anzeigen, Artikel den Urheber klar erkennen lassen müssen, um eine Unterstützung der NSB zu vermeiden. Für den Fall einer Unterstützung der Nationalsozialisten durch die Zeitungen erinnerte die Bischöfe an die „hierfür geltende Sanktionen“ 172 (Kein Empfang der Sakramente!)
Auf dieser Reise zu den Zeitungsredaktionen wurde P. Titus Brandsma verraten. 173, 174
Den Grund erfahren wir aus dem Dokument der Gestapo: „Er und Erzbischof de Jong sind für die
außerordentlich raffinierte Art und Weise verantwortlich, in der die führenden katholischen Kreise die Presse beeinflussen.“ 175
Am 19.01.1942 wurde P. Titus Brandsma in seinem Kloster in Nijmegen um 18.00 Uhr verhaftet. 176
Gerade erst war er von seiner Reise zu den 14 Zeitungsredaktionen zurückgekehrt.
Als offizielle Begründung wurde gefunden: „Festgenommen, da er den gemeinsamen Widerstand der katholischen Presse gegen die Neuordnung des Pressewesens zu organisieren versuchte.“ 177, „wegen feindlicher Einstellung gegen das deutsche Gouvernement sowie der Störung der öffentlichen Ruhe.“ 178 Seiner „Wühlarbeit“ sollte ein Ende gesetzt werden.
Nach Berlin war gemeldet worden: „ P. Titus Brandsma muss wegen systematischer Vorbereitungen einer gegen die deutsche Besatzungsbehörde gerichteten oppositionellen Bewegung sofort verhaftet und in ein Konzentrationslager geschickt werden.“ 179
Liebenswürdig empfing der Pater die Herren der Gestapo, als seien sie normale Besucher des Klosters. Er war innerlich auf diesen Moment vorbereitet. Ihre Fragen beantwortete er korrekt, während er das Nötigste packte.
Zu Mitbrüdern sagte er noch; „Wenn diese Haft etwas länger dauert, sehen wir uns nicht wieder.“P. Brandsma musste um seine angegriffene Gesundheit. In der letzten Zeit vor der Verhaftung waren seine gesundheitlichen Probleme wieder sehr ernst geworden. Er wusste: ohne Arzt würde er in Haft nicht lange überleben. 180
Bevor er weg gebracht wurde, erbat er von seinem Oberen den Segen.
So begann er sein Praktikum in Leidensmystik.
„Jetzt bekomme ich endlich, was so wenig mein Teil gewesen ist und wonach ich stets verlangt habe.“ So hatte er schon vorher zu seinen Mitbrüdern gesprochen. Diese Haltung der Hingabe behielt P. Brandsma bei.
Auch aus dem Gefängnis schrieb er:
Für das Bekenntnis hierfür leide ich mit Freude, was gelitten werden muss.“ 181
Der Gefangene wurde zunächst in das Gefängnis nach Arnheim gebracht, wo er die Nacht verbringen musste. 182, 183 Am nächsten Morgen wurde er zum Verhör in das Gefängnis nach Den Haag verlegt. Auf Grund seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung hoffte P. Brandsma, am nächsten Tag entlassen zu werden. 184 Er nahm jedoch in großem Gottvertrauen die Änderung seiner Pläne an. P. Brandsma nutze die Zeit in der nun folgenden Einzelhaft für ausführliche, tagebuchartige Notizen. So wissen wir einiges über seine Erlebnisse und Gedanken in diesen Tagen:
„Diese Prüfung ist nicht so schlimm, obwohl man sich an viele Dinge im Gefängnis erst gewöhnen muss. Ja ja, es ist nicht so leicht, wenn man mit sechzig Jahren noch ins Gefängnis kommt. Das sagte ich auch im Scherz zu Herrn Steven, der mich verhaftete. Mich tröstete aber seine Antwort: «Dann hätten Sie den Auftrag des Erzbischofs nicht annehmen sollen!» Ich wusste, aus welchem Grund ich hier war, und ich sagte ihm geradeheraus, dass ich es als eine Ehre betrachte und nicht der Meinung sei, etwas Falsches getan zu haben. Ich wiederholte dies auch vor Herrn Hardegen und fügte noch hinzu: „Im Gegenteil, es war ein ehrlicher Versuch, die Gegensätze abzuschwächen.“ Einerseits nahm man mir das ab, anderseits sah man darin eine Widerstands -aktion gegen die Besatzungsmacht. Die letztere Meinung lehnte ich so entschieden wie möglich ab und betonte, dass es meine einzige Absicht gewesen sei, den Standpunkt der Katholiken, wie er von Bischöfen bestimmt war, in Bezug auf die Propaganda der N.S.B., sowohl der Presse als auch dem Reichskommissariat mitzuteilen. Dem Reichskommissariat sollte ganz unabhängig von dem Einverständnis der katholischen Presse mit diesem Standpunkt, an dem übrigens nicht zu zweifeln war, Mitteilung gemacht werden…. Ich verstehe allerdings, dass man die Haltung der Bischöfe und der katholischen Presse nicht angenehm findet, und dass man den Auftrag, der mir vom Bischof gegeben worden ist, und der sich, ausgehend von unseren katholischen Prinzipien, gegen ein Lehre wendet, die nach unserer Meinung damit im Widerspruch steht, doch gewissermaßen als Widerstandsaktion ansieht. Die Gegensätze sind da. Für die Lehre unseres Bekenntnisses leide ich mit Freuden, was gelitten werden muss. Meine Berufung zur Kirche und zum Priesteramt hat mir soviel Herrliches und Schönes gebracht, dass ich dafür auch gerne etwas Unangenehmes auf mich nehme. Mit Job (Hiob) wiederhole ich in voller Übereinstimmung: „Wir haben das Gute vom Herrn empfangen, warum sollten wir nicht auch Übles annehmen, das er uns in seiner Vorsehung schickt. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gebenedeit.» So schlimm gebt es mir übrigens nicht. Und obgleich ich nicht weiß, was werden wird, weiß ich mich doch ganz in Gottes Hand. „Wer wird mich von der Liebe Gottes trennen?““ 185
Das Gefängnis in Den Haag befand sich im Stadtteil Scheveningen, es wurde das „orange Hotel“ genannt, wegen der vielen niederländischen (orange ist die Nationalfarbe) Widerstandskämpfer, die hier inhaftiert waren. P. Brandsma war für 7 Wochen in Zelle 577 untergebracht.
Es folgten zahlreiche lange Verhöre.
„Der mit dem „Fall Titus Brandsma“ beauftragte Beamte Hardegen, ein großer, blonder und stets eleganter Mann, eröffnete das Verhör mit den Worten:
„Warum haben Sie sich den Vorschriften widersetzt?“
Als Katholik blieb mir keine andere Wahl„, erwiderte Titus.
„Sie sind ein Saboteur. Ihre Kirche versucht, die Ordnung der Besatzungsmacht zu sabotieren, den nationalen Frieden zu bedrohen und zu verhindern, dass nationalsozialistisches Gedankengut sich in der holländischen Bevölkerung verbreitet.“
Titus antwortete: „Wir haben die Pflicht, jedweder Sache oder Denkungsart entgegenzutreten, die sich nicht in Übereinstimmung befindet mit der katholischen Lehre.„“186
Mutig, frei und offen sprach P. Brandsma, ohne etwas zu verheimlichen. Er beharrte auf seiner Position gegen die in seinen Augen gottlose und neu-heidnische Ideologie. Dabei blieb er stets freundlich und bestimmt. Die Anordnungen der Besatzungsmacht seien mit den Grundprinzipien der Kirche unvereinbar. Er legte seine Meinung ausführlich schriftlich dar, wie ihm befohlen worden war.
„Abschließend will ich nochmals feststellen, dass die katholische Kirche die Anordnungen der Besatzungsmacht und der holländischen Behörden nur insoweit befolgt, als sie mit den Grundprinzipien der Kirche vereinbar sind; falls Maßnahmen ergriffen werden sollten, die nicht mit der katholischen Lehre in Einklang zu bringen sind, wird die Kirche notfalls dieselben ablehnen müssen und nicht befolgen, Mir ist eröffnet worden, dass ich bis zur weiteren Klärung der Angelegenheit in Haft genommen werde. Die Haltung des niederländischen Episkopates mache ich auch zu der meinigen.“187
„Drei Tage später berichtet Hardegen nach Berlin: „Die Aktivität Brandsmas bedroht das Ansehen des Deutschen Reiches und der nationalsozialistischen Idee. Sie ist darauf ausgerichtet, die Einheit des holländischen Volkes zu unterminieren … Es erscheint mir gerechtfertigt, Professor Brandsma für eine gewisse Zeit in Gewahrsam zu halten.“188 „Er ist sehr gefährlich.“189 Aus unserer heutigen Sicht scheint das ein besonderes Kompliment für P. Titus Brandsma.
„In seiner Gefängniszelle in Scheveningen fühlte P. Titus sich bald zu Hause, er war zufrieden und glücklich, denn er fühlt sich Gott nahe. Er betet, liest Bücher, die er aus der Gefängnisbibliothek bekommen kann, und schreibt.“
P. Brandsma betete auch hier sein tägliches Brevier „…das ich jetzt in größter Ruhe beten kann.“ 190

Seine Aufzeichnungen klingen humorvoll und voll innerem Frieden. Ihm fehlte jedoch die tägliche morgendliche heilige Messe und die Kommunion sehr, „aber Gott ist doch bei mir, in mir und mit mir. In Ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Gott, so nah und ferne, Gott ist immer da! Das bekannte Wort, der heiligen Theresia … ist auch mir Trost und Ermutigung: Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles vergeht, Gott bleibt derselbe.“ 191
Aufzeichnungen in seiner Zelle vom 27.01.42: „Ich als geborener Optimist habe hier von neuem erfahren, wie froh Thomas von Kempen und diejenigen, in deren Geist er schrieb, das einsame Leben in einer stillen Zelle betrachtet haben, nachdem sie es erlebt hatten. Ach, wenn man so spät am Abend in eine Gefängniszelle gebracht wird, wenn man hinter sich die Tür ins Schloss fallen hört, ist es einem einen Augenblick fremd zumute. Das Außergewöhnliche, dass ich in meinem Alter noch in einer Gefängniszelle landete, stimmte mich mehr zum Lächeln, als dass das tragische Geschehen selbst mich hätte niederdrücken können; aber fremd ist es doch.“ 192
„In den ersten Tagen seiner Haft hatte er für sich selbst eine Tages-Ordnung aufgestellt, die der des Klosters so weit wie möglich ähnlich war. In seinen Aufzeichnungen schreibt er darüber u.a.: „Nach dem Mittagessen reinige ich das Geschirr, bete den Angelus wie im Kloster und halte, im Geiste mit meinen Mitbrüdern vereint, meine Anbetung““. 193
In Einfachheit und Gelassenheit beschrieb P. Titus Brandsma ausführlich seine kalte, fensterlose Zelle. Sie war ihm schon zur Heimat geworden.
„Die kleine Zelle sieht nicht so übel aus; sie ist schlauchartig, schmal und langgestreckt. …“; Er klingt recht zufrieden. Mit der Armut und dem Mangel weiß er sich zu behelfen. Den kleinen Klapptisch hat er sich als Mini-Altar mit Bildchen aus dem Brevier eingerichtet. „Er erzählt, wie er sich mit den primitivsten Mitteln ein Altärchen gemacht und darauf drei Bildchen aus seinem Brevier befestigt hat, in der Mitte das Bild des göttlichen Heilandes, an den Seiten das der hl. Theresia und das des hl. Johannes vom Kreuz. Dann fährt er fort: »Ich hatte in meinem Brevier kein Bildchen der Gottesmutter, dennoch gehört ihr Bildnis in die Zelle eines Karmeliten. Auch hier habe ich mir helfen können. Der Teil des Breviers, den wir jetzt gebrauchen und den man mir glücklicherweise gelassen hat, enthält vorne eine prächtige Abbildung der Karmelmadonna von Freiin von Oer. Jetzt steht mein Brevier weit geöffnet auf dem oberen der beiden Eckbrettchen zur linken Seite über meinem Bett. Am Tische sitzend, brauche ich nur eben nach rechts zu schauen, und ich sehe ihr schönes Bild, Wenn ich im Bette liege, fällt mein Auge zuerst auf die Madonna mit dem Stern, die Spes omnium Carmelitarum, die Hoffnung aller Karmeliten.““194
Dazu das Zitat von Theresa von Avila: „Nichts soll dich ängstigen…“ 195 und die Sprüche: „Gott, so nah und ferne, Gott ist immer da“ und „Nimm die Tage, wie sie kommen.“
„Glückliche Einsamkeit! Ich fühle mich schon ganz zu Hause in dieser kleinen Zelle. Ich habe mich noch nicht gelangweilt, im Gegenteil. Ich bin allein, ja, aber nie war der liebe Herrgott mir so nah. Ich kann jubeln vor Freude, dass er sich wieder ganz von mir hat finden lassen, ohne dass ich zu den Menschen kommen kann, oder die Menschen zu mir kommen können. Er ist meine einzige Zuflucht, und ich fühle mich sicher und froh. Ich will immer hier bleiben, wenn Er es so will. Ich bin noch selten so glücklich und zufrieden gewesen.“ 196, 197
Am 28.01.14 beschrieb er ausführlich seine Tagesordnung in dieser Zelle. Ruhig versuchte er das Beste aus seiner Situation zu machen. Gebet und Betrachtung waren der Inhalt seiner Tage. Am morgen eine „Trockene heilige Messe“, soweit er die Texte auswendig konnte, mit geistiger Kommunion.198
„In den ersten Tagen habe ich mich gequält mit der schriftlichen Beantwortung der Frage: „Warum widersetzt sich das niederländische Volk, namentlich der katholische Volksteil, gegen die N.S.B.?“ Ich habe versucht, in acht Seiten eine Antwort darauf zu geben. Jetzt versuche ich, in den Schreibstunden meine Eindrücke festzuhalten über die Zeit, in der ich hier bin. Auch schreibe ich weiter am Leben der heiligen Theresia, das ich für Het Spectum [ein Verlag] übernahm. …“ 199
Mit viel Humor beschreibt er das Prozedere des Freiganges. Da ihm eine Nagelschere verweigert wurde, schleift er sich in Ruhe die Nägel an Wand und Boden, völlig ohne Ärger über den Mangel.
Dass er keinen Rosenkranz haben darf, ärgert ihn auch nicht, er betet statt dessen mit seinen Fingern und bemerkt: „Der liebe Herrgott hat es sicher so gefügt, damit ich den Wert des Rosenkranzes höher einschätzen lerne.“200
Auf seine angeschlagene Gesundheit wird so gut wie keine Rücksicht genommen.
„Donnerstag kam der Arzt zu mir. Ich sagte ihm, dass mein Magen sehr empfindlich sei, dass ich schon viermal eine ernsthafte Magenblutung gehabt habe und jetzt an einer ziemlich ernsten Urin-Infektion mit Kolibazillen leide. … machte ihn schließlich darauf aufmerksam,dass mein abnorm niedriges Körpergewicht zusammen mit meiner chronischen Krankheit mir das Recht auf Sonderverpflegung gaben…“ 201 P. Brandsma wog noch 54 kg! Es kam daraufhin zu keiner wesentlichen Verbesserung der Verpflegung. Nur etwas Milch bekam er. Auch darüber regte sich P. Brandsma nicht auf, alles nahm er beeindruckend ruhig an.
Im Text, den der Pater auf Befehl als ausführliche Antwort auf die Frage: Warum widersetzen sich die Katholiken der NSB? (siehe oben) schreiben musste, finden wir schöne und versöhnliche Worte:
„…(die Niederländer) verehren in ihrer Geschichte zahllose Märtyrer, die sie sich zum Vorbild nehmen, um, wenn es sein muss, selbst ihr Leben für das Bekenntnis ihres Glaubens hinzugeben, wenn man dieses Bekenntnis unterdrücken will…Gott segne die Niederländer, Gott segne Deutschland. Gebe Gott, dass beide Völker bald wieder in vollem Frieden und in Eintracht nebeneinander stehen… zu seiner Ehre, zum Heil und zur Blüte beider so nahe verwandten Völker.“202, 203
Am 31.01.1942 musste er den geliebten Tabak und seine Pfeife abgeben. Dieser Verzicht fällt ihm schwer. 204Beim Lesen seiner Aufzeichnungen spüren wir, wie er um eine gute inneren Haltung ringt.
Am 12. Und 13.02.1942 schrieb P. Brandsma Betrachtungen zum Kreuzweg205 und ein beachtenswertes Gedicht, mit dem Titel: Vor dem Bilde Jesu. Seine brennende Liebe zu Gott und seine Bereitschaft zur Hingabe des Lebens und zum Leiden wird darin deutlich. Sein Kreuzweg sollte für P. Brandsma ein Weg der tiefsten Vereinigung mit Gott werden sollte.206
Vor dem Bilde Jesu
„Dein Antlitz, Jesus, seh´ ich an und sinne,
da flammt mir neu empor die alte Minne.
In Deinen Zügen hab ich es geschaut.
Du liebst mich, Herr, als Freund sogar, vertraut.
Ich brauch zum Leiden keinen kühnen Mut,
nur Liebe, alles Leiden scheint mir gut;
denn durch das Leiden bin ich, Herr, Dir gleich,
und Leiden ist der Weg zu Deinem Reich.
Wahrhaftig, mich beglückt das Leid so sehr,
als wär’s aus Liebe gar kein Leiden mehr.
Wie hohe Auserwählung, herrlich scheint
das Leiden mir, das Dir, o Gott, mich eint.
Ja, lass mich einsam und gefangen sein,
im frostig kahlen, düstern Raum allein,
führ keine Menschen mir zum Troste zu;
ich werd‘ nicht müde dieser tiefen Ruh.
Nur Du, mein Jesus, Du sei immer da,
Du warst mir niemals, Herr, wie jetzt so nah.
0 bleib, mein Jesus, bleib, Geliebter, hier.
So gut ist alles, bist nur Du bei mir!
(deutsche Fassung Oda Schneider) 207
In diesen Tagen schrieb er auch an einem Buch über das Leben der heiligen Theresa von Avila. Als Schreibpapier diente ihm dabei der Rand eines anderen Buches, das er hatte behalten dürfen. Aus dem Gedächtnis schrieb er alles auf. Leider blieb dieses Buch unvollendet. Nur sechs Kapitel von insgesamt zwölf  geplanten Kapiteln wurden fertig.
Inzwischen waren die Verhöre zu Ende gegangen. Das Ergebnis war gefährlich.
Aus dem Protokoll: „ Wie aus dem Verhör hervorgeht, sind Bischof de Jong und er die treibenden Kräfte, die das Bestreben, das holländische Volk durch die Presse in eine Richtung (die des NS) zu lenken und zu beeinflussen, sabotieren.“ 208 Seine „Deutschfeindlichkeit“ steht fest, „ Professor Brandsma ist grundsätzlich als Feind der nationalsozialistischen Sache zu sehen.“
Ein Geheimdokument aus Berlin spricht von P. Brandsma als: „der führende Mann der Pressekampagne gegen den Nationalsozialismus“ 209
Damit war die Entscheidung gefallen. Da er gefährlich war, wurde er in ein Konzentrationslager eingewiesen.
Am 12.03.1942 wurde P. Titus in das polizeiliches Durchgangslager Amersfoort verlegt. Er erlebte Verhältnisse wie im KZ. Hunger, Kälte, Nässe und übermäßige Arbeitsanforderungen machten Amersfoort nahezu zu einem Vernichtungslager 210. P. Titus war 61 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen.
“Mit ihm wurden weitere hundert Häftlinge verlegt, die aus den Reihen der Untergrundbewegung oder der Kirche stammten. Bei der Ankunft gegen 9.00 Uhr morgens ließen die Wachen die Gefangenen Aufstellung nehmen und setzten sie einem Eisregen aus. Titus, der sein Ordenskleid trug, machte einen ruhigen und gelassenen Eindruck. Nach mehreren Stunden im Regen wurden die Häftlinge in einen Umkleideraum geführt, wo sie sich zunächst völlig auskleiden mussten Völlig nackt mussten sie sich noch einmal im Freien aufstellen, während weiterhin der eisige Regen fiel. Erst dann wurden sie in die Baracken geführt, wo sie ihre Sträflingskleidung anlegen konnten.
P. Titus hatte die Nummer 58 erhalten. Er wurde zur Holzarbeit herangezogen. Die Stämme: kamen aus den Wäldern um Amersfoort. Für die Gefangenen, die schlecht ernährt und ungenügend ausgerüstet waren, bedeutete diese Arbeit Folter. Viele von ihnen brachen beim Umschichten und Abschälen der Stämme erschöpft zusammen. Ruhr, andere Krankheiten und Verzweiflung waren an der Tagesordnung. Wenn die Krankenstation überfüllt war, legten die Wachen die Kranken auf die verschlammten Straßen, wo der späte Frühjahrsregen und kalten Nächte vielen den erlösenden Tod brachten….“ 211
Trotz körperlich schwacher Konstitution wurde P. Titus im Lager Amersfoort geschlagen. Da er an einer schweren Urämie (Harnvergiftung mit den Symptomen einer schwerer Darmkrankheit) litt, blieb ihm aber hier die Zwangsarbeit erspart. 212 Durch sein beispielhaftes, vorbildliches und kameradschaftliches Verhalten ermunterte er seine Kameraden. Aber seine eigenen Kräfte nahmen zusehends ab. 213
Der gütige und hilfsbereite Pater verstand nicht, dass Menschen so grausam sein und sinnlos andere Menschen quälen konnten, wie er es hier erleben musste. Er konnte nur kopfschüttelnd hinnehmen und wenig helfen. Das war sehr schwer für ihn. Diese Seiten des menschlichen Charakters waren ihm fremd.

Er fand Gott im leidenden Mithäftling. Er versuchte, den Kameraden zu helfen wo er nur konnte. Er verbreitete sogar Heiterkeit, sprach den Kameraden Mut zu, tröstete sie und betete für seine Peiniger. 214
Heimlich hielt er kleine Vorträge, um die Erschöpften vom eigenen Leid abzulenken. Er wies auf das Vorbild des leidenden Heilands hin. Leiden sei auch ein Zeichen der Erwählung! 215
Die amtliche Abkürzung für KZ Amersfoort lautete: P.D.A. für Polizeiliches Durchgangslager Amersfoort. P. Brandsma gab dieser Abkürzung eine neue Bedeutung: „Probamur dum amamur. d.h. übersetzt: „Wir werden geprüft, weil wir geliebt werden“ oder „ Laßt uns geprüft werden, wenn wir dabei nur geliebt werden.“. Selbst hier zweifelte er nicht an der Liebe Gottes.
An einen Mitbruder schrieb er heimlich, den Brief gab er einem Kameraden mit: „Gott ist auch hier.“ 216. „Mir geht es gut!“ Es war keine Floskel für die Zensur in der Poststelle des Lagers. Es war, was er sagen wollte.
„Er steht seinen Mitgefangenen vom ersten Augenblick an helfend zur Seite, immer bereit, Rat zu geben und Unterstützung zuzusichern. Er versucht sogar, sie in die Geheimnisse des Glaubens einzuführen. „Nicht grübeln Jungs! Wir haben einen unendlich guten Gott und Vater im Himmel!““ 217
„Die entlassenen Gefangenen erzählten von P. Titus. Sie schilderten seinen Humor, der ihm trotz aller Quälereien nicht genommen werden konnte. Sie erwähnten seinen Mut und seine Großherzigkeit.
„Oft gibt er einen Teil seiner dürftigen Ration ab, um Gefangenen zu helfen, die am Verhungern sind.“ – „Was mich besonders berührt“, berichtet ein anderer, „ist sein großes Interesse und seine sorgende Anteilnahme am Schicksal der Juden.“ 218
„Wie er zu beten versteht“, wunderten sich die Kameraden. Sie unterstützten ihn, bastelten ihm sogar heimlich einen Rosenkranz.
Es gelang P. Titus, das tägliche Leid und die Todesgefahr für sich selber zu verarbeiten. Es gelang ihm sogar „ betend aus seinem starken Glauben schöpfend und diesen bezeugend ihr Los im Hinblick auf die Befreiung durch Christus erträglich zu machen.“
Mitgefangene erlebten ihn, der selber krank war, als Freund der Armen und „ein Transparent der Liebe Gottes“ 219
Ein Mitgefangener beschrieb ihn als: „den liebenswertesten Mann im Lager“. „ Er gab uns übernatürliche Einsicht ins Gefangensein.“
Zu einem verzweifelten Mitgefangenen sagte P. Titus:
Guter Mann, verliere doch um Gottes willen Deinen Verstand nicht! Er muss zusammen mit deinem Herzen, das Letzte sein, was du aufgibst. Du musst nur denken: … und dies ist kein Vergleich zur Ewigkeit.“220
Er sprach über „Gott in uns.“ Ein Stück Leidensmystik,… der Gotteserfahrung im Menschen.“ „ …wenn er abends Pritsche für Pritsche besuchte und ihnen ein ermutigendes Wort zu sprach…“221
„Die Gefangenen kamen zu ihm bei Tag und bei Nacht, um sich bei ihm Trost zu holen und seinen priesterlichen Segen zu erbitten. Heimlich zeichnete er ihnen das Kreuz auf die Hände, er hörte ihre Beichten und stand den Kranken und Sterbenden bei.“222
„Titus drängte die Gefangenen, ihren Hass zu überwinden und für ihre Peiniger zu beten. „Betet für sie!“ sagte er immer wieder. „Ja, Pater, aber es ist so schwer,“ war die Antwort. Und mit einem
Anflug von Humor sagte Titus: „Ihr müsst es ja nicht den ganzen Tag tun.““ 223
P. Titus klagte nicht. „ Er ermutigte seine Mitgefangenen, betete mit ihnen, redete ihnen zu. Dies, obwohl seelsorgererliche Tätigkeit im Lager unter Todesstrafe verboten war.
Am Karfreitag 1942 hielt er, auf einer Kiste in der Baracke stehend, für seine Mitgefangenen eine Ansprache, eine Predigt. Er meditierte mit ihnen den Kreuzweg und die Passion Christi. „Wie Zeugen berichten, hat er sein Schema nahezu fallen lassen und fuhr fort, „mit einer Art innerlichem Jubel, sehr tiefe Dinge, auszusprechen, die die Herzen trafen. Es war eine Meditation über das Leiden des Herrn, von dem sein Herz so voll war.“ 224 : „ Seine schwache, monotone Stimme verhallt in dem totenstillen Raum, wo Hunderte starre Gesichter nach seinen Worten über Gottes Barmherzigkeit und Liebe verlangen. Ohne Rhetorik spricht er einfache Worte, die Zugang finden zu diesen teilweise verbitterten Herzen“ „Das sah P. Titus als eine mächtige Stütze in unserer schwierigen Lage an: das tägliche Meditieren über Gottes Leiden für uns… Nur in seinen Wunden finden wir Heil.““ „nie habe ich so etwas Eindrucksvolles in meinem ganzen Leben mitgemacht.“ Sagt später ein Amsterdamer, der unter den Zuhörern war. 225
An Ostern war P. Titus Brandsma erschöpft. Fünf Stunden lang hatte der kranke Mann Osterbeichte gehört. Seine Energie war aufgebraucht. Er sprach trotzdem mit eingefallenem, müdem, verzerrtem Gesicht seine Osteransprache. Er hielt sich weiter aufrecht, er wollte helfen.
„Die nationalsozialistischen Henker feierten den Ostersonntag, indem sie 76 Mitglieder der geheimen Untergrundbewegung Hollands zum Tod verurteilten. Mehr als zwei Stunden lang mussten die Gefangenen die zum Tod Verurteilten anschauen. Titus betete für sie und gab ihnen das heimlich durch Zeichen zu verstehen, indem er die Hände faltete und zum Himmel blickte.“226
Der Mitgefangene John Dons (ermordet 06.05.1942 in Amersfoort) malte heimlich ein Porträt von P. Brandsma. Er hatte Titus Brandsma auf der Krankenstation kennengelernt, wo er wegen TBC eingewiesen worden war.
Der Gesundheitszustand des Paters verschlechterte sich weiter. Eine gefährliche Durchfallerkrankung mit Blutverlust kam dazu. Am 21.03.1942 meldete er sich beim Sanitäter. Daraufhin wurde P. Brandsma ins Krankenrevier gebracht, in die Dysenterie-Baracke.
Er war schwach und mager.
Er krümmte sich vor Schmerzen, aß fast nichts und konnte nicht schlafen. Trotzdem stand er nach einigen Tagen wieder auf. „ Denn das Feuer der Liebe lässt ihm keine Ruhe mehr. Es drängt ihn, sich für die Kameraden einzusetzen. Er versorgt sie vorbildlich…erhitzt Steine am Ofen und legt sie auf schmerzende Stellen…zieht Decken gerade, reicht Essen. Er spricht mit ihnen über Gott und dessen Liebe zu uns; er muntert die Kranken auf…“227
„Traurig und schrecklich ist da der Zustand. Ungefähr siebzig Patienten, zu wenig Pfleger und, was noch schlimmer ist, auch zu wenig Aborte. Seine Freunde sorgen sich um ihn. Professor Borst aus Amsterdam, der ihn in seiner letzten Krankheit behandelte, jetzt sein Mithäftling, tut, was er unter diesen Umständen tun kann, und nach einiger Zeit wird P. Titus als genesen, aber schwach und mager auf der Baracke entlassen.“228
„Seine Blockgenossen freuen sich und mahnen zu Vorsicht; denn es ist deutlich, dass seine körperliche Widerstandsfähigkeit auf ein Minimum herabgesunken ist. Aber sein Los ist schon bestimmt.“ 229
Zurück in der Baracke, ist P. Brandsma weiter von Zwangsarbeit befreit. So bleibt Zeit für die Seelsorge an den Kameraden.
Auch im Lager Amersfoort schrieb P. Brandsma ein Gedicht:
„Das Leid mich immerfort befiel.
Unmöglich war es abzuwehren.
Mit keinen Tränen zu beschwören.
Sonst hätte längst ich es getan.
Dann traf es mich mit voller Kraft.
Bis still ich lag ohn‘ jedes Weinen.
Duldend, wartend muss ich lernen.
Dann erst ist’s von mir gewichen.
Dies ist nun ein’ge Zeit schon her.
Von weitem ich es jetzt noch sehe.
Und ich begreife wirklich nicht,
warum ich damals litt mit so viel Weinen.“ 230
Am 28.04.1942 231 wurde P. Titus wieder in das Gefängnis Scheveningen verlegt, um erneut verhört zu werden. Diesmal teilte er eine Zelle, Nr. 623, mit anderen Kameraden. P. Brandsma sah entmutigt, verzehrt und mager aus. Trotzdem sprach und betete er mit seinen Mitgefangenen.
Morgens betete erkniend vor dem Bett und sprach:
„Beste Freunde! Bevor wir gemeinsam das Morgengebet sprechen, will ich Euch sagen, dass ich es sehr nett bei Euch finde. Als ich das letzte mal hier war, hatte ich eine Zelle für mich allein. Aber ich muss sagen, so finde ich es doch geselliger. Man kann voneinander lernen, und man braucht seine Gedanken und Gefühle nicht für sich zu behalten. Im übrigen: Gott ist mit uns.“
Kameraden zu helfen war auch hier für ihn wichtig.
Ein Kamerad, Piet Holfsloot, (er überlebte nicht) schenkte ihm einen gebastelten Rosenkranz.
Wieder musste P. Titus Brandsma Verhöre über sich ergehen lassen. Dabei wurde er über seine Zukunft informiert: „Wir haben beschlossen, Sie nach Dachau zu schicken. Sie werden dort bis Kriegsende bleiben.“ 232 P. Titus wusste, das bedeutete seinen Tod. „
Er verabschiedet sich vor der Abfahrt nach Dachau von den Kameraden mit den Worten: „Durchhalten, Leute! Gott segne Euch!“
Sein weiterer Weg führte über Den Haag, in das Gefängnis in Kleve, wo er zunächst blieb( 16.05.- 13.06.1942). Dort sollte er auf einen Sammeltransport warten. Es bedeutete für ihn eine kleine Erholungspause. . Eine Gedenktafel erinnert heute an seinen Aufenthalt. In Kleve wurde P. Titus gut behandelt. Ein gläubiger Wächter und der Gefängnisseelsorger versorgten ihn gut. Er konnte die heilige Messe mitfeiern und kommunizieren. Das gab ihm neue Kraft. Er schreibt 28.05 „In Amersfoort bin ich 6 Wo krank gewesen. Das war göttliche Vorsehung…“ 233
Im Gespräch mit dem Gefängnisseelsorger Kaplan Deimel aus Kleve „…ließ er seinen Tränen freien Lauf, Tränen der menschlichen Angst vor dem Transport nach Dachau, von dem er wusste, dass er seinen Tod bedeutete.“ 234 Er war jederzeit bereit ,das Opfer seines Lebens zu bringen. Ein menschliches Opfer hat nur Sinn, wenn es ausfüllt, was am Leiden Christi noch fehlt. Er wusste Dachau wird sein Golgotha.
Trotzdem tröstete er, dem der Tod bevorstand, einen seiner Wärter:
weiter nichts bester Freund? Dann machst du dir Sorgen über Dinge, die es nicht wert sind. Du musst nur gut beten und denken: was wir hier auf Erden schon erleiden, brauchen wir im Fegefeuer nicht mehr abbüßen. …Doch wenn Gott es so will, muss es geschehen, sage ich dir, und dann willst du grübeln? Nicht grübeln, besser Beten!“ 235
P. Titus versuchte in einem Brief an die Gestapo sein Schicksal noch zu ändern. Er schlug
die Internierung in einem Kloster vor. Er begründete dies mit seinen gesundheitlichen Problemen. Magenblutungen, Harnblasenentzündung, Ruhr, Krämpfen. Der Zeitpunkt war aber unglücklich, er fiel mit dem Attentat auf Gauleiter Heydrich in der Tschechoslowakei zusammen. Er war keine gute Zeit für Gnade, die Sicherheit des Landes musste geschützt werden. 236So konnte der Abtransport ins KZ nicht verhindert werden.
„Kurz bevor Titus Kleve verließ, schrieb er:
In Dachau werde ich neue Freunde treffen. Der Herr, mein Gott, ist überall.„237
„Es könnte ein langer Aufenthalt in Dachau werden. Um die Wahrheit zu sagen: Dachau ist nicht gerade ein Name, dessen Klang zu hören man sich sehnt.““238
Beim Abschied sagte P. Titus zu seinem Wächter: „Was kann mir jetzt noch passieren, wo Gott selbst so gut war, sich mir zuzugesellen?“ 239
Am 13.06.1942 ging Transport nach Dachau ab 240. Die Gefangenen wurden in einem Viehwagen transportiert. Der Weg führte über Nürnberg, wo die Gefangenen in der Turnhalle eines Gymnasiums übernachten mussten.
Am 19. Juni 1942 kam der Transport mit P. Titus im KZ Dachau an. 241, 242, 243 Ihm wurde die Häftlingsnummer 30492 zugeteilt.
Im KZ Dachau lebte eine große Gruppe Geistlicher, die aus politischen Gründen gefangen waren. Es waren zu dieser Zeit rund 1600 katholische Priester unter ihnen. 244
P. Titus kam halb tot im Lager an.
„Vom ersten Tag seines Lagerlebens an provozierte P. Titus mit seiner Ruhe und heiteren Gelassenheit seine Bewacher. Er musste den ganzen Terror nazistischer Brutalität erfahren: Schläge mit Fäusten, Stöcken und Brettern, Fußtritte und marschieren auf Kieselsteinen.“ 245
Der Verlust der Menschenwürde, die Entehrung alles Menschlichen, respektloses angebrüllt werden, aber auch Gewalt und Hetze waren für den Ausgezehrten zu viel. Immer noch dachte er zuerst an die anderen. Er sorgte sich um jene, die im KZ dabei waren ihren Verstand zu verlieren-  und besonders auch um die Männer der SS.
Er wurde weiterhin sehr grausam behandelt und erbarmungslos geschlagen, bis er bewusstlos zusammenbrach 246.
Er betete laut: „Herr, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Dabei zitierte er die Worte Jesu aus dem Evangelium und wurde auch in dieser Beziehung seinem Herrn gleich.
Er hatte für sich selbst immer Hoffnung:
Jetzt geht mein Weg durch einen Tunnel, den ich durchschreiten muss, um zum strahlenden, abendlosen Tag des ewigen Lebens zu gelangen.“ 247
P. Titus Brandsma blieb auch in Dachau der Sieger. Er besiegte den Hass und konnte auch im KZ noch alle lieben, auch seine Feinde. 248 Er liebte besonders die Priesterkameraden, aber auch seine Folterer, heroisch.
Zunächst verbrachte er einige Zeit im Zugangsblock, wo er die Regeln des Lagerleben lernen sollte. 249 Schon in Kleve konnte er vor das Vaterunser nicht mehr in seiner Muttersprache beten. Erschöpfung und Hunger hatten sein Gehirn angegriffen. Trotzdem musste er im Zugangsblock des KZ Dachau deutsche Lagerlieder auswendig lernen. Das war viel zu lernen für den kranken 60-Jährigen.“ 250
Schließlich wurde er auf den Priesterblock Nr. 28 verlegt. Dort wohnten damals 1200 Geistliche 251. Hier traf er seinen Mitbruder Bruder Raphael Tijhuis, der ihm in den letzten Wochen nach Kräften half.
P. Titus schrieb in einem Brief am 12.07.1942: „Mir geht es gut. Es heißt sich neuen Umständen anpassen, und das gelingt mit Gottes Hilfe auch hier. Der liebe Herrgott wird weiterhelfen.“ 252 „Mit Gottes Hilfe gelingt es mir, und mit seinem Beistand kann ich es fortsetzen.“ Aus seinen Worten spricht Hingabe und restloses Vertrauen auf Gottes Hilfe. 253
Morgens ging er für 5 Minuten zum Block 30, nebenan. Dort traf er sich mit polnischen Geistlichen zu Gesprächen. Er sprach über den Karmelorden mit Ihnen und schon nach 2 Wochen nahm P. Titus einem Geistlichen dort die Gelübde ab und so in den 3. Orden der Karmeliter auf. Dies wurde durch den Ritus einer einfache Handauflegung durchgeführt.254
Es ging P.Titus Brandsma nicht gut, „das lange Hungern hat P. Titus krank und kraftlos gemacht. Sein Gesicht, fahl und eingefallen, ist fast unkenntlich geworden; seine Beine geschwollen, und auf seinem linken Fuß ist eine Geschwulst aufgebrochen; in seinen Augen liegt etwas Unwirkliches.“ 255
Trotzdem wurde er wie alle Kameraden behandelt. Beschimpfungen, Hetze, Arbeit, langes Stehen am Appellplatz erschöpften auch Gesündere.
P. Titus wurde täglich furchtbar geschlagen, sogar gegeißelt, bewußt wie Jesus. Der Hass auf einen alten, kranken Mann war groß. Er galt seit seiner Verhaftung als ein gefährlicher Gegner des Nationalsozialismus.
In diesem Zustand wurde P. Titus zur Zwangsarbeit auf dem Bauernhof „Liebhof“ eingeteilt. Es war eines der schwersten Arbeitskommandos. (Er lag ungefähr dort, wo sich heute das Schulzentrum Dachau Ost befindet.) Er war sehr geschwächt. Seine Muskeln verloren durch die dauernde Überanstrengung ihre Spannkraft. Schließlich konnte er ohne Hilfe kaum mehr aufstehen, wenn er sich mal heimlich hinsetzte.
„Aber seine Geduld, seinen inneren Frieden verliert er nicht.“ 256
Jeden Tag mussten die Häftlinge 4 mal zu Fuß zur Arbeit und zurück gehen. Die Entfernung betrug nur ca. 1 km. In den Holzschuhen und körperlich geschwächt dauerte der Marsch jeweils eine quälende halbe Stunde. Abends konnte er kaum mehr heim laufen. 257 Am Ende eines solchen Arbeitstages mussten die Kameraden den Erschöpften wiederholt zur Baracke tragen. 258
Nach wenigen Tagen waren seine Füße in den Holzschuhen wund gerieben und mit eiternden Wunden übersät, die auch bluteten. Verbandsmaterial gab es nicht. Die Schuhe waren zu Folterwerkzeugen geworden. Die Beine durch Hunger von Wasser angeschwollen, passten kaum in Schlappen. Besonders morgens mussten sie mit Gewalt hinein gepresst werden.
Der karmelitische Mitbruder Rafael half ihm, die Wunden zu säubern und notdürftig mit Papierfetzen zu verbinden,…“Große Schmerzen?“ fragte dieser P. Titus. „Nein danke Brüderchen. Schau mal, nun bin ich wieder ganz…“ 259
P. Urbanski, ein polnische Mitgefangener, erzählt von der inneren Haltung, mit der P. Titus all das ertrug: „Trotz allem bewahrte er seinen freundlichen Gleichmut, und inmitten des Elends, das uns von allen Seiten bedrohte, berührte seine Heiterkeit unser Herz zutiefst.“ Ein anderer Häftling meinte: „Er strahlte einen heiteren Mut aus.“ 260
„In ihm war eine tiefe Quelle des Friedens, dass es unser Herz berührte.“ 261 „Trotzdem munterte er seine Mitgefangenen auf, er hatte immer ein Gebet für seine Verfolger auf den Lippen.“ 262
„Unablässig mahnte Titus seine Leidensgenossen: „Verfallt nicht dem Hass Seid geduldig. Wir sind hier in einem dunklen Tunnel, aber wir müssen voranschreiten. Am Ende wird uns das ewige Licht erstrahlen.“ 263
P. Titus Brandsma blieb in allem geduldig und gütig. Diese geduldige Hilflosigkeit reizte seine Aufseher. Sie wurden wütend. „Block- und Stubenälteste, beides Rohlinge, die dafür ausersehen sind, den Priestern eine neue Erziehung angedeihen zu lassen, bearbeiten seinen erschöpften Körper mit Fäusten und Stöcken.“ 264
Ein Zeuge berichtet: „Sein kurzer Aufenthalt in Dachau war ein wahres Martyrium; dennoch blieb er immer froh und war uns allen ein Vorbild und sogar eine Stütze.“ 265, 266
Ein anderer Mitgefangener berichtet: „Auch nach solchen Behandlungen blieb er die Ruhe selbst, immer fröhlich, zuversichtlich und ohne Klage.“ 267
Schon „in seinem im Jahre 1938 verfassten Testament schreibt er: „Ich vereine mich in meinem Tode mit dem Tode meines Erlösers und stelle mich mit Maria zu Füßen des Kreuzes. Misericordias domini in aetermum cantabo.“” 268
„Auch in diesem Zustand findet P. Titus Gott. Er findet Ihn, jetzt, da allmählich alles von ihm abfällt und er dem Ende immer näher kommt, in seinem tiefsten Inneren. Er findet Gott aber auch in anderer Weise. Die deutschen Geistlichen aus Block 26, die als besondere Vergünstigung hl. Messe feiern dürfen, haben einen Weg gefunden, um in heimlichster Weise ihren Mitbrüdern aus Block 28 das Heiligste Sakrament zu übergeben. So genießt P. Titus mehrmals das Glück, mit einer kleinen Partikel der hleiligen Hostie kommunizieren zu können. Es ist ihm sogar einige Male vergönnt, das Heiligste Sakrament einen Tag und eine Nacht aufzubewahren, Er trägt Christus, geschützt vor den argwöhnischen Blicken der Aufseher, in seiner Brillendose. Wenn er während der Nacht keine Ruhe finden kann (vor Schmerzen 269), verbringt er die lange Zeit in Anbetung.“270
P. Titus betete Rosenkranz und den Kreuzweg. „Wie war die Nacht, Pater Titus?“ erkundigte sich Bruder Raphael. „Vortrefflich! Weil Gott mich gestern Abend so gut beschirmt hat, habe ich Nachtwache gehalten.“ 271
Morgens ist er so erschöpft, dass Br. Raphael Gebete zur Jungfrau vom Berge Karmel vorbeten lässt. Er kann sich die Worte nicht mehr merken. Maria ist ihm sehr wichtig, auch jetzt. „Maria muss helfen; wenn sie uns beisteht, können wir viel ertragen.“ 272, sagte er oft.
Sein Gebet lautet: „Stehe mir bei in meinem Leben, tröste mich in meinem Sterben mit deiner liebenswürdigen Gegenwart.“ 273
„ Wie Christus will auch er sich auf seinem Wege zum Gipfel des Kalvarienberges von seiner Mutter begleiten lassen.“ 274
P. Titus verbarg das Allerheiligste, das ihm heimlich übergeben wurde, einmal eingeklemmt unter einem Arm, bis zu einer Gelegenheit zur Kommunion.
„Als Titus einmal die hl. Hostie in einem Tabakbeutel nach draußen brachte, fiel einer der Wächter
über ihn her und verprügelte ihn, weil er angeblich den Küchenboden nicht sauber genug gereinigt hatte. Den Beutel fest an sich gepresst ließ P. Titus den Wutanfall über sich ergehen und schleppte sich zu seiner Liege. Ein ebenfalls inhaftierter Karmelit, Bruder Raphael Tijhuis, versuchte ihn zu trösten. „Danke, Bruder,“ sagte Titus, „aber du brauchst dich nicht zu sorgen. Jesus war in der Eucharistie bei mir.“ 275, 276 Das war ihm Trost genug.
Bruder Raphael fragte daraufhin: „Hat Walter dir sehr weh getan?“ „Nein Brüderchen! Schmerzen habe ich keine gehabt. Ich wusste ja, wen ich bei mir trug. Nun wollen wir gemeinsam das „Adoro te“ beten. Aber vorsichtig, sonst bekommst du auch noch Schläge.“ 277
Am Abend danach wurde P. Titus wieder gegeißelt. Seine Jacke war ganz blutig. Er sagte: „ Es ist nicht schlimm, der liebe Heiland ist bei mir… Jetzt muss ich selbst wahrmachen, was ich früher gelehrt habe.“
Mit großer Gelassenheit trug P. Titus sein Kreuz. Nie hörte man von ihm eine Klage. Nie verlor er seine Heiterkeit und sein Lächeln. Die Freude war selbst jetzt aus diesem Gesicht, das durch Faustschläge entstellt war, nicht gewichen. Seine Stimme war schwächer geworden, und seine natürliche Beweglichkeit hatte nachgelassen. Und doch war er jedermanns Freund geblieben und hörte nicht auf, seinen Henkern freundlich und herzlich zu begegnen. Diese traten und schlugen ihn, aber P. Titus blieb fast übermenschlich gelassen, ruhig und friedlich.
Der Geist blieb ungebrochen, trotz aller Qual. 278 „ Trotz allem bewahrte er seinen freundlichen Gleichmut, und inmitten des Elends, das uns von allen Seiten bedrohte, berührte seine Heiterkeit unser Herz zutiefst.“
„Dennoch blieb er menschlich und geistig aufrecht. …Trotz seiner hoffnungslosen Lage die anderen tröstete, ihnen half und sie vom Glauben her ermutigte und stärkte.“, viele überlebende Leidensgenossen bezeugten dies. 279
Bruder Rafael erzählt später: „ Pater Titus ermunterte alle. Immer sagte er: „Durchhalten, Freunde! Im August werden wir wieder frei sein.“ Er betete sehr viel. Wenn ihm etwas geschah, das ihm Schmerzen bereitete, lächelte er: „Wenn Christus es so will, dann ist es gut so. Brüderchen.“ Vor allem seinen polnischen Mitbrüdern war er eine große Stütze. Schade, dass er nur so kurze Zeit bei uns sein konnte.“ 280
Der mitgefangene Pfarrer Overduin berichtete: „Unser aufrechter, frommer Bruder in Christus – der Geist ungebrochen, immer freundlich und frohgemut im Herrn und immer betend für seine Henker.“
P. Titus zitierte die heilige Theresa von Avila: „Nada te turbe, nichts soll dich ängstigen! Wir wollen uns um nichts sorgen. Gott ist mit uns. Was kann uns noch passieren! Im Vergleich mit den seelischen und körperlichen Schmerzen Christi können wir mit dem Wenigsten zufrieden und mit dem Schlimmsten getröstet sein.“281
Unablässig mahnte P. Titus seine Leidensgenossen, ermutigte und tröstete sie. Für jeden fand er ein Lächeln, verstehende Worte, eine freundliche Geste. Der Dienst als Seelsorger und Priester im Lager war ihm wichtig. Dafür investierte er seine letzten Kräfte. 282 „Bis zuletzt gab er den anderen Gefangenen Halt und schenkte ihnen Hoffnung: er hatte für alle ein Lächeln, ein verstehendes Wort, eine gütige Geste.“ 283
„Verfallt nicht dem Hass Seid geduldig. Wir sind hier in einem dunklen Tunnel, aber wir müssen voranschreiten. Am Ende wird uns das ewige Licht erstrahlen.“, berichtete P. Albert Urbanski. 284
Er sagte zu seinen Mitbrüdern wiederholt: „Betet für die Wachen. Die Liebe wird ihre Herzen gewinnen. Wir dürfen die Liebe nicht aufgeben. Nur die Liebe kann siegen.“285
Im letzten Brief an sein Heimatkloster schrieb er, trotz seines geschlagenen, gebrochenen Körpers voller Infektionen:
„Mir geht es gut. Ihr müsst euch an die neue Situation gewöhnen. Mit Gottes Hilfe wird alles gut gehen. Macht euch nicht so viele Sorgen über mich. In Christus, euer Anno.“ 286
Papst Johannes Paul II fasste bei der Seligsprechung die Situation im KZ Dachau aus geistlicher Sicht folgendermaßen zusammen: „Aus dieser Prüfung ist Titus Brandsma als Sieger hervorgegangen. Inmitten wütenden Hasses brachte er es fertig, zu lieben; alle, auch seine Peiniger: „Auch sie sind Kinder des gütigen Gottes“, sagte er, „ und wer weiß, ob nicht etwas an ihnen hängen bleibt.“287
P. Titus Brandsma fand sogar in diesem Zustand Gott. „er findet ihn, jetzt, da allmählich alles von ihm abfällt und er dem Ende immer näher kommt, in seinem tiefsten Inneren.“ 288
P. Titus lebte ständig in Gottes Nähe. Mit Gottes Kraft hörte er Beichten, segnete er und sprach über die ewigen Dinge. Sein Geist war immer noch unversehrt.
Nach nur 3 Wochen im KZ Dachau war er nicht mehr arbeitsfähig. Er wurde von der schweren Arbeit freigestellt. Arbeitsschonung. 289, 290
Doch beim unumgänglichen Morgenappell entdeckte ein SS-Mann die als Verband um einen wunden Finger gewickelten Lappen. Er schlug P. Titus. Dieser sank gekrümmt zu Boden. In dieser Haltung musste er volle 4 Stunden ohne Änderung aushalten. Nach den ersten Minuten bekam er einen Hustenanfall, der immer schmerzlicher und erstickender wurde. P. Titus betete: „Herr, verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.“ Beim Abendappell fragen ihn Kameraden: „Können Sie es noch aushalten?“ „nein nicht mehr sehr gut.“
Am nächsten Morgen konnte er nicht mehr. Die Hustenanfälle hatten die letzte Kraft aufgebraucht. Er bekam kaum noch Luft.
Dem Drängen seiner Freunde folgend, begab er sich am 10. 07.1942 in das Krankenrevier.
„Pastor Overduin schrieb später: „Es ist kalt und es regnet, als Brandsma, völlig geschwächt, endlich ins Revier stolpern darf. Noch sehe ich Professor Titus Brandsma von Nijmegen, unseren aufrechten frommen Bruder in Christus, zum letzten mal im Baderaum. Der Körper ermattet und
erschöpft, mager und mit von Wasser dicken Beinen, aber der Geist ungebrochen, immer freundlich und frohgemut im Herrn. Er steckt mir auf die Schnelle noch sein letztes Päckchen Tabak zu, mit dem er nichts mehr anfangen konnte: Los, nimm das, du kannst es noch
brauchen. Er fühlte wohl, dass er es nicht mehr lange machen würde.““291
Alle, wussten es: dies bedeutet das Ende.292 Schlimme Infektionen der Wunden an den Füssen waren durch die Holzschuhe im Lager verursacht worden. Dazu kam eine Harnvergiftung.
Im Revier konnte er wenigstens liegen, auf einem kargen Strohsack 293. Endlich Ruhe. Sein Atem wurde bei jedem Hustenanfall schwächer. Von einer medizinischen Versorgung war die Situation im Krankenrevier aber weit entfernt.
Es gibt verschiedene Quellen über das Sterben von P. Titus Brandsma. Es wird wohl nicht mehr zu klären sein, wie es genau war. Sicher ist: er starb den gewaltsamen Tod eines Märtyrers.
Mysteriös ist besonders die Aussage einer Zeugin namens Titia. Im Jahr 1956 behauptete sie, sie hätte P. Brandsma eine Karbolsäurespritze verabreicht. Es gab aber keine Pflegerinnen im KZ Dachau!

Es wird auch berichtet, P. Titus wäre sterbend noch für medizinische Experimente missbraucht worden 294. Dabei sagte er: „Herr, nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine“, daraufhin fiel er in Ohnmacht. 295
Mehrfach wird berichtet, dass P. Titus am Tag vor seinem Tod bewusstlos wurde. 296
Weitere Quellen beschreiben, dass der schon bewusstlose Kranke vom Lagerarzt durch eine Spritze getötet wurde. 297, 298, 299,300
„Wenn wir uns auf die Angaben der Lagerleitung verlassen wollen, verlor P. Titus am 25.07.1942 die Besinnung und starb am 26.07.1942 um 14.00 Uhr.“ 301 Es war ein Sonntag.
Die offizielle Todesnachricht lautet: „…an den Folgen von Darmkatarrh im hiesigen Krankenhaus“ verstorben.
Die Sterbedokumente wurden allerdings völlig willkürlich ausgestellt und besitzen wenig Wahrheitsgehalt. Sie sagen wenig über die tatsächliche Todesursache.
Nach seinem Tod berichtete der belgische Jesuitenpater de Coninck über P. Titus Brandsma: „ er starb wirklich glücklich, weil er wie der gegeißelte Christus behandelt worden war.“302, 303
„Bis zuletzt gab er den anderen Gefangenen Halt und schenkte ihnen Hoffnung: er hatte für alle ein Lächeln, ein verstehendes Wort, eine gütige Geste. Selbst der Krankenpfleger, die ihm am 26.07.1942 die Todesspritze verabreichte, bezeugte später, dass er das Gesicht jenes Priesters, der „Mitleid mit mir hatte“, immer in lebendiger Erinnerung habe.“ So Papst Johannes Paul bei der Seligsprechung. 304
“Er hat sein Leben für die Kirche geopfert”, waren die Worte seines Bischofs, Kardinal de Jong, als man ihm die Todesnachricht überbrachte 305
Der 26.07.1942, der Tag des Märtyrertodes des seligen P. Titus Brandsma, ist für die Kirche in den Niederlanden noch aus einem anderen Grund bedeutsam:
„An diesem Tag, einem Sonntag, wurde in allen Kirchen der Niederlande ein Hirtenbrief der Bischöfe verlesen. Sie protestierten darin gegen die Deportation ihrer jüdischen Mitbürger in den Osten, also in die Todeslager in Polen. Die Nazis ordneten die Verhaftung aller Katholiken jüdischer Abstammung an. Am folgenden Donnerstag wurden auch die später heiliggesprochene Edith Stein und ihre Schwester Rosa im Karmel in Echt verhaftet und bald darauf in Auschwitz ermordet.“306
Drei Tage später, am 29.07.14. wurde der Körper von P. Titus im Krematorium des KZ Dachau verbrannt. Seine Asche wurde in einem Massengrab auf dem Gelände des Krematoriums beigesetzt.
In seinem Heimatland wurde P. Titus Brandsma nach seinem Tod sofort als Heiliger verehrt, noch vor Kriegsende 307.
“Er hat sein Leben für die Kirche geopfert”, waren die Worte seines Bischofs, Kardinal de Jong, als man ihm die Todesnachricht überbrachte
Zahlreiche Gebetserhörungen waren zusätzlich der Auslöser, dass 1955 das Seligsprechungsverfahren durch Diözese ´s-Hertogenbosch eingeleitet wurde. 1957 wurden die in den Niederlanden gesammelten Akten nach Rom gebracht. Die dazugehörende Petition um Seligsprechung wurde von 600 Bischöfen, 34 Kardinälen, hunderten Gläubigen und vielen Augenzeugen unterschrieben. Darunter auch viele polnische Bischöfe und der damalige Erzbischof von Krakau, Karol Wojtyla, der spätere heilige Papst Johannes Paul II.308
Noch vor der Seligsprechung wurde in Nijmwegen eine Gedächtniskapelle zu seinen Ehren errichtet. 309
Sein wissenschaftliches Erbe wird von der Universität in Nijmwegen bewahrt und weiter geführt.
Zu seiner Seligsprechung am 03.11.1985 reisten Delegationen aus Deutschland und den Niederlanden an. Auf dem Weg nach Rom gab es eine abendliche Feier in der Gedenkstätte des KZ Dachau. Mit brennenden Kerzen zogen die Teilnehmer vom Appellplatz zu Block 26, wo ein beleuchtetes Bild des Seligen angebracht war, und weiter zur Todesangst-Christi-Kapelle. Provinzial P. Pankratius aus Kloster Kamp und Weihbischof Tewes, München, sprachen.
Die Seligsprechung von P. Titus Brandsma, die erste Seligsprechung eines Märtyrers aus dem KZ Dachau, wurde am 03.11.1985 im Petersdom in Rom gefeiert. Konzelebranten waren Kurienkardinal Ratzinger, (später Papst Benedikt XXVI.) und Pfarrer a.D. Herrmann Scheipers (letzter überlebender Priesterhäftling aus dem KZ Dachau). Der Blumenschmuck im Petersdom war aus den Niederlanden eingeflogen worden. Anwesend waren auch Verwandte des Seligen und 5 noch lebende Priesterhäftlinge aus Dachau.
„„Heute ist ein großer Festtag für die Kirche“, sagte Papst Johannes Paul II. anlässlich der Seligsprechung von Pater Brandsma am 3. November 1985 im Petersdom in Rom. „Die Schar der Seligen wurde um ein neues Licht bereichert. Der Märtyrer hat auf heroische Weise Christus sein unerschrockenes Zeugnis dargebracht.““310
„Er hat die Mystik persönlich in seinem Leben gelebt, das in all seinen Aspekten von der engen Verbundenheit mit dem Herrn Zeugnis gibt, in der er stets gelebt hat.“311
Auch in der Feindesliebe stellte der Papst P. Titus als Vorbild dar: „Hass nicht mit Hass, sondern mit Liebe erwidern. „Auch sie sind Kinder Gottes, wer weiß, ob nicht etwas an ihnen hängen bleibt“312
„Pater Titus war sich übrigens voll bewusst, dass er alles der Gnade zu verdanken hat, d.h. dem göttlichen Leben, das in ihm wirksam war und… in seine Seele floss“ Vgl. Joh 15,5, „ohne mich könnt ihr nichts tun.“313
Bei einer Sonderaudienz sagte Papst JPII: „ Titus Brandsma ist nicht nur ein Märtyrer für Holland, sondern für ganz Europa, ja für die ganze Welt.“ 314
Kurienkardinal Willibrands sagte beim Abschlussgottesdienst: „Titus Brandsma ist auch eine besondere Gabe für Deutschland.“315
P. Titus Brandsma ist der erste seliggesprochener Journalist und Patron der Journalisten.
Das Karmeliterkloster Mainz, das von P. Titus Brandsma wieder gegründet worden war, bewahrt bis heute sein Andenken. Im April 1986 wurde in einer Gedenkfeier eine Gedenktafel enthüllt.316 Seit 2009 befindet sich dort ein Reliquienschrein mit Emailleszenen von Egino Weinert. Dort wird ein Stück  des Habits von P. Titus, eine Hemd aus Nijmegen und Erde aus KZ Dachau verwahrt. Vor 1987 wurde der Schrein in einer Gedenkstätte in Essen-Frohnhausen, in der Pfarrei Sankt-Mariä-Geburt ein Reliquienschrein aufbewahrt.
Einige weitere Daten seiner Verehrung in Kürze:
Am 02.02.1995 erlaubte die römische Kongregation für Kultus und Sakramente der Diözese Münster, den Gedenktag des Seligen auf ihrem Gebiet am 27.07. zu feiern.
2003 wurde in seinem Geburtshaus in Bolsward in den Niederlanden, ein Museum eröffnet.
2004 wurde eine Kirche in Nijmegen seinem Patronat unterstellt317
Seit 2012 erinnert eine Gedenktafel in Kleve an die Tage der Gefangenschaft des seligen P. Titus Brandsma in diesem Gefängnis:
„Der Text lautet: „Zum ehrenden Andenken an den niederländischen Karmeliterpater Dr. Titus Brandsma, geboren am 23. Februar 1881 in Bolsward, Professor an der Universität Nimwegen. In der Zeit vom 16. Mai bis 13. Juni 1942 lebte er als Häftling in diesem Gefängnis, ehe er in das Konzentrationslager Dachau verbracht wurde. Dort starb er am 26. Juli 1942 als Märtyrer der Menschenrechte. Zugleich zum Gedenken an alle, die während der Zeit des Nationalsozialismus hier zu Unrecht inhaftiert waren.“
Die Anbringung der Gedenktafel an der Außenmauer der Klever Justizvollzugsanstalt war ein wichtiger Markstein auf dem Weg der Versöhnung und Wiederannäherung von Deutschen und Niederländern. 318
Zitate:
Unsere Liebe muss sprichwörtlich sein. Wir wollen uns von niemand an Liebe übertreffen lassen. Wir müssen daran hinarbeiten unseren Mitmenschen zu helfen. “319
Allen unseren Arbeiten muss der Stempel der Liebe, der leidenschaftlichen Liebe zu Christus aufgeprägt sein.“320
„Nada te turbe, nichts soll dich ängstigen! Wir wollen uns um nichts sorgen. Gott ist mit uns. Was kann uns noch passieren! Im Vergleich mit den seelischen und körperlichen Schmerzen Christi können wir mit dem Wenigsten zufrieden und mit dem Schlimmsten getröstet sein.“321
„Wir müssen eine andere Maria sein. Auch in uns muss Gott geboren werden.“322
„Jetzt haben wir den Auftrag das Bild Gottes wieder heller aufstrahlen zu lassen über der Welt.“323
„Man sagt, dass wir in einer großen Zeit leben, in einer Zeit großer Frauen und Männer. Vielleicht wäre es besser zu sagen, dass wir in der Zeit eines großen Zusammenbruches leben, wo sich aber eine Reaktion abzuzeichnen beginnt, und wo man sich umsieht nach einer Verteidigung der liebsten und heiligsten Güter. Und deshalb ruft man nach dem starken Mann. Aber wir wollen einen Helden, der für eine heilige Sache kämpft, für ein Ideal, das auf Gottes Plan beruht und nicht nur auf menschlicher Kraft.“324
„Das Lesen der Heiligen Schrift, die das Gesetz Gottes ist, soll uns besonders mit Jubel darüber erfüllen, dass Gott durch seine Gnade in uns wohnt und dass wir voranschreiten können wie Riesen, entfesselt durch die reine Liebe und durch die Freude, die uns unsere Auserwählung, ganz über alle unsere strengen Verpflichtungen hinaus, verursacht.“325
Das Gebet ist keineswegs eine Oase in der Wüste des Lebens; es ist das ganze Leben.“326
„…Aber „lasst uns vom Feind lernen“ und unser eigenes Ideal klarer und besser zu formulieren. Laßt uns ebenso viel Liebe für unser Ideal hegen und ebenso viel Begeisterung an den Tag legen: die Opferbereitschaft, dafür zu leben und zu sterben, den Mut, es in uns selbst und in anderen zu verwirklichen.“327
„Und wenn wir rufen und beten um das Kommen seines Reiches, dann geschieht das nicht in einer Abstufung von Rasse und Blut, sondern dann sind alle Menschen Schwestern und Brüder, sogar die, die uns hassen und bekämpfen, und zwar aufgrund unserer Vereinigung mit Ihm, der seine Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse.“328
„Wir leben in einer Welt, in der man die Liebe verurteilt und als Schwäche bezeichnet, die beseitigt werden muss, über die der Mensch hinweg kommen muss. Nicht Liebe, sondern Entfaltung der eigenen Kraft gilt! Aß jeden so stark wie möglich sein, lass die Schwachen untergehen. Die Zeit für das Christentum mit seiner Predigt der Liebe ist vorbei; es muss ersetzt werden durch die alte germanische Kraft. Mit diesen Dogmen treten sie auf, und es gibt Menschen, die dafür sehr empfänglich sind. Die Liebe wird verkannt: „Die Liebe wird nicht geliebt“, rief seinerzeit schon der heilige Franz von Assisi…“329
Ach, ich möchte auch die Glocken läuten, um der Welt zu sagen, wie schön die Liebe ist. Wenn auch das neue Heidentum die Liebe nicht mehr will, wir werden – eingedenk der Geschichte – dennoch mit der Liebe das Heidentum überwinden und unsere Liebe nicht preisgeben. Die Liebe wird uns das Herz der Heiden wieder gewinnen lassen. Die Natur geht über die Lehre. Aß die Theorie die Liebe verwerfen und verurteilen, sie als Schwäche bezeichnen, die Praxis des Lebens wird sie immer wieder eine Kraft sein lassen, die die Herzen der Menschen überwindet und gefangen hält.“330
Jetzt geht mein Weg durch einen Tunnel, den ich durchschreiten muss, um zum strahlenden, abendlosen Tag des ewigen Lebens zu gelangen.„331
„Maria muss helfen; wenn sie uns beisteht, können wir viel ertragen.“332
Verfallt nicht dem Hass Seid geduldig. Wir sind hier in einem dunklen Tunnel, aber wir müssen voranschreiten. Am Ende wird uns das ewige Licht erstrahlen.“ 333
„Jesus hat selbst gesagt, dass er das Haupt des mystischen Leibes ist, dessen Glieder wir sind. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben. Er hat sich auf der Kelter ausgestreckt und sie bedient. So hat er uns den Wein gegeben, damit wir, wenn wir ihn trinken, von seinem Leben leben und an seinen Leiden teilhaben. Wer mein Jünger sein will, der nehme täglich sein Kreuz auf sich. Wer mir nachfolgt, wird das Licht des Lebens haben. Ich bin der Weg. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Und da seine Jünger von sich aus nicht verstanden, dass sein Weg ein Weg des Leidens sein musste, erklärte er es ihnen so: Muße nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?
Da brannte den Jüngern das Herz in der Brust. Das Wort Gottes begeisterte sie. Und als der Heilige Geist auf sie herab kam wie göttliches Feuer, das sie in Brand setzte, da freuten sie sich, Verachtung und Verfolgung erleiden zu dürfen, denn so waren sie dem ähnlich, der ihnen auf dem Weg des Leidens vorausgegangen war. Schon die Propheten hatten den Leidensweg Christi angekündigt, und die Jünger verstanden auf einmal, dass er ihn sich nicht erspart hatte. Von der Krippe bis zur Marter am Kreuz waren Armut und Unverständnis sein Los. Er hatte sein Leben damit zugebracht, die Menschen zu lehren, dass Gott Leid, Armut, Unverständnis der Menschen anders sieht, als es die Torheit menschlicher Weisheit tut. Auf die Sünde musste das Leiden folgen, so dass, durch das Kreuz, die verlorene Herrlichkeit und das Leben des Menschen durch Gott wiedererlangt würde. Leiden ist der Weg zum Himmel. Im Kreuz ist Heil. Und das Kreuz ist der Sieg. Gott hat es so gewollt. Er selbst nahm die Pflicht des Leidens im Hinblick auf die Herrlichkeit der Erlösung auf sich. Der hl. Paulus macht uns deutlich, wie alles Unheil seines irdischen Lebens unbedeutend ist, wie es als nichtig und vergänglich betrachtet werden muss im Vergleich mit der Herrlichkeit, die uns offenbar werden wird, wenn die Zeit des Leidens vergangen ist und wir Gottes Herrlichkeit schauen.
Maria, die alle Worte Gottes in ihrem Herzen bewegte, verstand in der Fülle der Gnade, die ihr gewährt wurde, den großen Wert des Leidens. Als die Apostel flohen, ging sie, um den Erlöser auf dem Weg zum Kalvarienberg hinaus zu sehen und stand unter dem Kreuz, um seinen Gram und seine Schande bis zum Ende zu teilen. Und sie trug ihn zum Grab, in der festen Überzeugung, er werde auferstehen.
Es widerstrebt uns, wenn er uns den Kelch des Leidens reicht. Es ist so schwer für uns, uns dem Leiden zu ergeben. Sich daran zu erfreuen erscheint uns heroisch. Was ist das Opfer unserer selbst wert, wenn wir uns an jeden Morgen nur in Wort und Geste, nicht aber in Gedanken und im Willen mit jenem Opfer vereinen, das wir mit der Kirche darbringen, mit ihm, mit dem wir in einem Leibe vereint sind?“ 334
Gebete:
„Gott, Du Quell und Ursprung des Lebens,
Du hast dem seligen Titus Brandsma den Geist des Mutes verliehen,
trotz erniedrigender Verfolgung und Todesdrohung
für die Freiheit der Kirche und die Würde des Menschen
einzutreten.
Höre auf seine Fürsprache und hilf uns, dass wir in der
Erwartung Deines Reiches der Gerechtigkeit und des Friedens treu zum
Evangelium stehen und
Dich in den Bedrängnissen des Lebens als den
Barmherzigen erkennen.
Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
Amen.
Gott, Vater im Himmel,
immer wieder willst Du durch Dein Wort und durch Deinen Geist zu mir kommen.
Du willst mich zu der Einsicht führen, dass
ich Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden vermag.
Du willst mich mit Deinem Geist erfüllen,
so dass ich nicht versage, wenn Schläge mich treffen.
Ich wende mich an Dich, Vater,
und gedenke dabei der seligen Jungfrau Maria,
die zutiefst aus ihrem Glauben heraus gelebt hat.
Aber ich gedenke auch des seligen Titus Brandsma.
Er war ein Mann der Versöhnung.
Deinen Willen zu erfüllen und den christlichen Prinzipien treu zu bleiben,
war sein Bestreben.
Und dazu war er zutiefst ein Mensch, voller Verständnis für alle, die um seine Hilfe baten.
Von ihm kann gesagt werden, was die Bibel vom Propheten Elias sagt:
„Er eiferte für die Sache Gottes.“
Seine große Anteilnahme an der Not der Menschen
drängt auch mich zum Beten.
Darum, Vater im Himmel, bitte ich Dich, nimm mein Beten an.
Gib mir Einsicht und Deinen guten Geist,
dass ich nach Deinem Willen,
der auch von mir erfüllt werden muss, leben kann,
in guten und in bösen Tagen, in Liebe und Leid.
Darum bitte ich durch Christus unsern Herrn.
Amen. 335

Anmerkungen:

1 Christophorus Verhallen O. Carm in , Titus Brandsma, Das Erbe des Propheten, Köln 1958, S. 73
2 Titus Brandsma, Ein Märtyrer unserer Zeit, Bamberg 1982, S. 3
3 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 3
4 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
5 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html

6 Artikel in Kirche+Leben, Region Niederrhein, vom 26.05.1985
7 Wilhelm Schamoni, Zeitungsbeilage Offerten-Zeitung Abensberg
8 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 6
9 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 6
10 Lebendiger Karmel, Titus Brandsma: eine Botschaft der Hoffnung, Bamberg, 1986, Sankt-Otto-Verlag , S. 8
11 KLEIN, Hedwig, Liebender ohne Maß, Titus Brandsma, Kreuzring-Bücherei, Trier, 1967, Johann Josef Zimmer Verlag GmbH,

S. 18
12 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 6
13 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 7
14 BRANDSMA, Titus, O.Carm., Meine Zelle, München 1967, Ars Sacra, S. 2
15 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 7
16 Wilhelm Schamoni, Zeitungsbeilage Offerten-Zeitung Abensberg
17 Klein, S. 29
18 Artikel in Kirche+Leben, Region Niederrhein, vom 26.05.1985
19 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 7
20 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
21 Verhallen, S. 74
22 Klein, S. 33

23 Frequin Louis- Terstegge Anselmus, Titus Brandsma, Die Geschwister Löw, Verfolgter Glaube- Vernichtetes Leben, S. 24
24 Lebendiger Karmel S. 61
25 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 10
26 Predigt bei der Seligsprechung, Lebendiger Karmel S. 32
27 Klein, S. 83
28 Verhallen, S. 77
29 Verhallen, S. 74
30 Verhallen, S. 77
31 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
32 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html

33 Rheinische Post, Grenzland Post vom 09.11.1985
34 P. Dr. Leo Groothuis O.Carm
35 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
36 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 15
37 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 15
38 Verhallen, S. 74
39 Verhallen, S. 74
40 www.bistum-regensburg.de/fileadmin/user_upload/newsletter-archiv/Maertyrer_im_Dienste_von_Konnersreuth_Praelat_Moll.pdf
41 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 10
42 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 12
43 Lebendiger Karmel, S. 53

44 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 12
45 Wikipedia
46 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 12
47 Verhallen, S. 78
48 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 15
49 Verhallen, S. 78
50 Klein, S.52
51 Geisbauer, S. 16

52 Lebendiger Karmel, S. 54
53 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
54 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
55 Verhallen, S. 78
56 Wilhelm Schamoni in Beilage zur Offerten-Zeitung Abensberg (Datum nicht bekannt)
57 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
58 Gloria.tv
59 Wilhelm Schamoni in Beilage zur Offerten-Zeitung Abensberg
60 Karmel aktuell S. 175, Rest ?
61 Verhallen, S. 78
62 Verhallen, S. 78
63 Verhallen, S. 78
64 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984

65 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
66 Verhallen, S. 78
67 Radio Horeb, Kalenderblatt 26.07.11
68 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
69 Verhallen, S. 76
70 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
71 Papst Johannes Paul II zitiert Geisbauer ,S. 25
72 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
73 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
74 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 12
75 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 12

76 www.titusbrandsmamemorial.nl/tituswandelung.htmc
77 Verhallen, S. 78
78 Verhallen ,S. 79
79 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 10
80 Klein, S. 39
81 Verhallen S. 75
82 Geisbauer, S. 11
83 Verhallen, S .79
84 Verhallen, S. 77
85 Klein, S.61

86 Klein, S 74
87 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 10
88 Verhallen, S. 80
89 Verhallen ,S. 79
90 Geisbauer, S. 13
91 Verhallen, S. 77
92 www.Saints.sqpn.com/blessed-titus-brandsma
93 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 10
94 Ein lutheranischer Freund, in Lebendiger Karmel, S. 9
95 Lebendiger Karmel, S. 29

96 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
97 Klein, S. 37
98 Verhallen, S. 79; http://brautdeslammes.blogspot.de/2013/07/nun-gehen-wir-nach-jerusalem-hinauf.html
99 Verhallen, S. 79
100 Lebendiger Karmel, S. 54
101 Lebendiger Karmel, S. 55
102 Lebendiger Karmel, S. 61
103 Geisbauer ,S. 28
104 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 10
105 Verhallen, S. 80

106 Geisbauer, S. 10
107 Klein, S. 37
108 Verhallen, S. 74
109 Klein, S. 51
110 Klein, S. 66
111 Klein, S. 70
112 Geisbauer, S. 14

113 Geisbauer, S. 16
114 Verhallen, S. 74
115 Verhallen ,S. 79
116 Verhallen ,S. 76
117 Geisbauer, S. 11
118 Verhallen, S. 75
119 Verhallen ,S. 76

120 Verhallen ,S. 77
121 Lebendiger Karmel, S. 62
122 Lebendiger Karmel, S. 62
123 Lebendiger Karmel, S. 79
124 Verhallen, S. 75
125 Frequin, Terstegge, S. 24
126 Moll, www.bistum-regensburg.de/fileadmin/user_upload/newsletter-archiv/Maertyrer_im_Dienste_von_Konnersreuth_Praelat_Moll.pdf

127 Moll, S. 9f, www.bistum-regensburg.de/fileadmin/user_upload/newsletter-archiv/Maertyrer_im_Dienste_von_Konnersreuth_Praelat_Moll.pdf
128 Klein, S. 53
129 Lebendiger Karmel, S. 76
130 Klein, S. 71
131 Klein, S. 54f
132 Verhallen, S. 81
133 Klein, S. 81

134 Klein, S. 82
135 Klein, S. 83
136 Verhallen, S. 81
137 Titus Brandsma, zitiert auf: http://brautdeslammes.blogspot.de/2013/07/nun-gehen-wir-nach-jerusalem-hinauf.html
138 Papst Johannes Paul II bei der Seligsprechung, Geisbauer, S. 26

139 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 9f
140 Lebendiger Karmel, S. 9
141 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
142 Artikel der Zeitschrift Kirche+Leben, Region Niederrhein, vom 26.05.1985
143 Ruhrwort, Zeitbild, vom 02.11.1985
144 Lebendiger Karmel, S. 12
145 Ruhrwort, Zeitbild, vom 02.11.1985
146 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html

147 http://carmelnet.org/brandsma/html/biog.html
148 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 15
149 Film auf Gloria.tv
150 Katrin Krips-Schmidt, Opfer des Nationalsozialismus, Tagespost 26.07.14)
151 Ein Märtyrer unserer Zeit, Titus Brandsma, Bamberg 1982, S. 1

152 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 18
153 Verhallen, S. 82
154 Film bei Gloria.tv
155 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band1/brandsma.html
156 Klein, S. 86
157 Geisbauer, S. 19
158 Papst Johannes Paul II zitierte P. Brandsma bei dessen Seligsprechung, Geisbauer, S. 26
159 Lebendiger Karmel, S. 12
160 Klein, S. 87
161 Klein, S. 88
162 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 19
163 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 16

164 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 19
165 Wilhelm Schamoni in Beilage zur Offerten-Zeitung Abensberg
166 Verhallen, S. 83
167 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 19
168 Klein, S. 89
169 Lebendiger Karmel, S. 12
170 Ruhrwort, Zeitbild, vom 02.11.1985
171 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 19
172 Klein, S. 95
173 Wilhelm Schamoni in Beilage zur Offerten-Zeitung Abensberg
174 Ruhrwort, Zeitbild, vom 02.11.1985

175 Verhallen, S. 83
176 Märtyrer unserer Zeit, S. 20
177 Film: http://www.titusbrandsmamemorial.nl/dvd.html
178 Zeitungsartikel ohne Quelle von P. Martin
179 Ruhrwort, Zeitbild, vom 02.11.1985
180 Verhallen, S. 83
181 Lebendiger Karmel, S. 78
182 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
183 Meine Zelle, S. 3
184 Meine Zelle, S. 4

185 Die Zelle, S. 5f
186 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 20
187 Verhallen, S. 83
188 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 20
189 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 24
190 Die Zelle, S. 7

191 Die Zelle, S. 7f
192 Die Zelle, S. 10
193 Verhallen, S.75
194 Verhallen, S. 77
195 Die Zelle, S. 15
196 Die Zelle, S. 17
197 Geisbauer, S. 11
198 Die Zelle, S. 20ff

199 Die Zelle, S. 23
200 Die Zelle, S. 27
201 Die Zelle, S. 29
202 Frequin Louis- Terstegge Anselmus, Titus Brandsma, Die Geschwister Löw, Verfolgter Glaube- Vernichtetes Leben, S. 34
203 www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/maertyrer-der-rechte-aid-1.2915963
204 Die Zelle, S. 31
205 Geisbauer, S. 120f
206 Verhallen, S. 83

207 Broschüre: Der selige Karmelit Titus Brandsma Märtyrer in Dachau, Gedächtnisstätte in Sankt-Mariä-Geburt Essen-Frohnhausen
208 Frequin Louis- Terstegge Anselmus, Titus Brandsma, Die Geschwister Löw, Verfolgter Glaube- Vernichtetes Leben, S. 31
209 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
210 Wilhelm Schamoni in Beilage zur Offerten-Zeitung Abensberg
211 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 24f
212 Verhallen, S. 84
213 Verhallen, S. 84

214 www.ocd-karmel.net/Spirit/Karmel_Heilige/07-27TitusBrandsmaklein.pdf
215 Geisbauer, S. 20
216 Auch Verhallen, S 84
217 Klein, S. 112
218 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 25
219 Zeitungsartikel von P. Martin
220 Klein, S. 117
221 Lebendiger Karmel, S. 55
222 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 25

223 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 25
224 Lebendiger Karmel, S. 78
225 Klein, S. 116
226 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 27
227 Klein, S. 114
228 Verhallen, S. 84
229 Verhallen, S. 84

230 Broschüre : Der selige Karmelit Titus Brandsma Märtyrer in Dachau, Gedächtnisstätte in Sankt-Mariä-Geburt Essen-Frohnhausen
231 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 27
232 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 27
233 Klein, S. 121
234 Lebendiger Karmel, S. 57
235 Klein, S. 122

236 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 27
237 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
238 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 28
239 Klein, S. 124
240 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
241 Verhallen, S. 84
242 Artikel in Kirche+Leben, Region Niederrhein, vom 26.05.1985
243 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 28
244 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
245 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 28
246 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
247 Artikel Zeitung von P. Martin
248 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
249 Verhallen, S 85
250 Klein, S. 127

251 Verhallen, S. 84
252 Klein, S. 129
253 Zeitungsartikel von P. Martin ohne Quellenangabe
254 Klein, S. 130
255 Klein, S. 127
256 Verhallen, S. 85
257 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
258 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 28
259 Klein, S. 131
260 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 28

261 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
262 Lebendiger Karmel, S. 14
263 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 28
264 Verhallen, S. 85
265 Geisbauer ,S. 22
266 Auch Verhallen, S. 85
267 Zeitungsartikel von P. Martin ohne Quellenangabe
268 Verhallen, S. 86
269 Geisbauer, S. 22
270 Verhallen, S. 85
271 Klein, S. 140
272 Zeitungsartikel von P. Martin ohne Quellenangabe
273 Verhallen, S. 86
274 Verhallen, S. 86

275 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 28
276 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
277 Klein, S. 133
278 Ruhrwort, 02.11.1985
279 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
280 Klein, S. 140
281 Klein, S .134
282 http://brautdeslammes.blogspot.de/2013/07/nun-gehen-wir-nach-jerusalem-hinauf.html
283 Geisbauer S. 26, zitiert Papst Johannes Paul II
284 Lebendiger Karmel, S. 17

285 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
286 www.youtube.com/watch?v=JamxXC81Pxk
287 Lebendiger Karmel, S. 28
288 Geisbauer S. 22
289 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 29
290 Artikel in Kirche+Leben, Region Niederrhein, vom 26.05.1985
291 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 29
292 Verhallen S. 86
293 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984

294 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 29
295 Ebenso Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
296 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 29
297 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 29
298 Krips-Schmidt spricht von einem Euthanasiemord, da P. Titus nicht mehr arbeitsfähig war
299 www.bistum-regensburg.de/fileadmin/user_upload/newsletter-archiv/Maertyrer_im_Dienste_von_Konnersreuth_Praelat_Moll.pdf
300 Ruhrwort, Zeitbild, vom 02.11.1985
301 Verhallen S 86
302 Geisbauer S. 23
303 Verhallen S. 86
304 Lebendiger Karmel, S. 32

305 dpsgwegberg.de/geschichte/titus-brandsma.html
306 http://kleinewelt.xobor.de/blog-e9127-Dieser-Mann-ist-sehr-gefaehrlich.html

307 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
308 Ein Märtyrer unserer Zeit, S. 30
309 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
310 www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/maertyrer-der-rechte-aid-1.2915963
311 Geisbauer .S 7
312 Geisbauer S. 24
313 Geisbauer S.25
314 Rheinische Post, Grenzland Post vom 09.11.1985
315 Rheinische Post, Grenzland Post vom 09.11.1985
316 Karmel aktuell. S 173, Jahr fehlt

317 Gloria.tv
318 www.rp-online.de/nrw/staedte/kleve/maertyrer-der-rechte-aid-1.2915963
319 Klein, S. 37
320 Geisbauer, S. 13
321 Klein, S .134
322 Karmel-Kontakt Nr. 25, Bamberg 1984
323 Plakat Missio
324 Zeitschrift Viking vom 07.11.1936
325 Titus Brandsma, Die Spiritualität des Karmeliterordens

326 Titus Brandsma, Die Spiritualität des Karmeliterordens
327 Zeitschrift Viking vom 07.11.1936
328 Zeitschrift Viking vom 07.11.1936
329 Zeitschrift Viking vom 07.11.1936
330 Zeitschrift Viking vom 07.11.1936
331 Artikel Zeitung von P. Martin
332 Zeitungsartikel von P. Martin ohne Quellenangabe
333 Ruhrwort, Zeitbild, vom 02.11.1985

334 http://brautdeslammes.blogspot.de/2013/07/nun-gehen-wir-nach-jerusalem-hinauf.html
335 Broschüre Gedächtnisstätte Essen

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