Stefan Wincenty Frelichowski


Ausachnitt Winkebild

Seliger Stefan Wincenty Frelichowski

(im deutschsprachigen Raum auch Stefan Vincenz Frelichowski)

Geb. 22.01. 1913 in Chelmza, (Culmsee), Polen

KZ Dachau ab 14.12.1940

+ 23.02.1945 KZ Dachau[1]

Selig gesprochen am 07.06.1999 

Gedenktag: 23.02.

 Foto Stefan Wincenty Frelichowski
im Priesterseminar
Inhalt:
Kurzbiographie
ausführliche Biographie
Zitate

Kurzbiographie:

Der selige Stefan Wincenty Frelichowski wurde am 22.01.1913 in Chelmza, einer kleinen Stadt in Polen, geboren.[1] In der Kindheit war er Ministrant und Pfadfinder. Nach der Grundschule besuchte er das humanistische Gymnasium und legte sein Abitur 1931 ab.[2] Schon während der Schulzeit engagierte er sich als Mitglied der Pfadfinder. Pfadfinder blieb er sein Leben lang. Das Pfadfindertum prägte ihn für sein Leben. Nach dem Abitur 1931 trat er ins Priesterseminar ein. Der frühe Tod seines Bruders Czeslaw war für ihn zum Wendepunkt geworden.

Im Priesterseminar strahlte er eine natürliche Fröhlichkeit aus. Im Tagebuch vom 3.10.1936 notierte er: „Und ich will mich Gott angleichen. Deswegen muss ich immer und für jeden fröhlich sein.“ 

Er empfing die heilige Priesterweihe am 14.03.1937. Schon als Diakon war er zum persönlichen Sekretär des Bischofs St. W. Okoniewski berufen worden. Diesen Dienst führte er nach der Weihe zunächst fort. Am 01.01.1938 wurde er auf eigenen Wunsch als Aushilfe in der kleinen Pfarrei Wejherowo und am 01.07.1938 als Vikar in der Pfarrei in Torun eingesetzt.

Gleichzeitig betreute er auch als Kaplan die Pfadfinder in ganz Pommern seelsorglich. Er lebte sein Priestertum mit Hingabe und innerer Überzeugung. Mit Hingabe arbeitete er auch als Seelsorger. Er feierte die heiligeMesse mit einer überraschenden Inbrunst. Sein persönliches Leben war von Einfachheit geprägt.[3]

Lediglich 2 Jahre und 7 Monate wirkte er als Priester in Freiheit, jedoch 5 Jahre und 4 Monate in Gefangenschaft.

Nach dem Überfall auf Polen am 01.09.1939 wurde er schon am 11.09.1939 zusammen mit anderen Priestern in Thorn/Torun verhaftet und im Stadtgefängnis festgehalten, einige Tage später jedoch entlassen. Am 18.10.1939 wurde er erneut verhaftet und verlor seine Freiheit diesmal endgültig. Sein Einfluss auf die Jugend schien der Gestapo zu gefährlich. Zunächst wurde er in einem Gefängnis in der Nähe von Torun festgehalten, das Fort VII genannt wurde.[4] In Gefangenschaft engagierte er sich in der Seelsorge für Mitgefangene. Er stärkte ihre moralische Widerstandskraft indem er ihren Glauben stärkte und festigte. Dazu organisierte er Gebete und gab als Seelsorger Trost und Kraft aus dem Glauben. Besonders Kranken galt seine Fürsorge. Nach einem kurzen Aufenthalt in einem Gefängnis in der Gegend von Nowy Port, wurde er am 10.01.1940 ins KZ Stutthof eingeliefert.

Bei schwerer körperlicher Arbeiten war die Priestergruppe dort die am meisten unterdrückte Gruppe im Lager. Frelichowski trug alles erstaunlich geduldig und ruhig, mit einem Lächeln im Gesicht. Still und innerlich ausgeglichen wurde er von Kameraden beschrieben. Er wollte den Willen Gottes für sein Leben erfüllen. Er organisierte geheime Messen. Es war ihm gelungen, heimlich Wein und Hostien zu besorgen. Es  gelang ihm außerdem, Momente des gemeinsamen Gebets zu organisieren, Morgen- und Abendgebete.  Unter bescheidensten  Bedingungen schaffte er es sogar, am Gründonnerstag 1940 die Feier einer heiligen Messe für seine Kameraden zu organisieren. am Ostersonntag morgen zelebrierte er, gedrängt von Kameraden, selber die heilige Messe.

Am 09.04.1940 wurde die ganze Priestergruppe ins KZ Sachsenhausen-Oranienburg, in der Nähe von Berlin, gebracht, wo er am 10.04.1940 ankam.[5] Dort war ebenfalls eine Gruppe Geistlicher aus ganz Europa versammelt. Zu Beginn war er in der Quarantänebaracke 20 untergebracht, die unter der grausamen Leitung des berüchtigten Kriminellen Hugo Krey stand.[6] Auch hier engagierte er sich weiterhin mit brennendem Eifer in seinem apostolischen Dienst und half Kranken, Alten und jungen Menschen mit Worten des Trostes und der Hoffnung. Seine Liebe galt den Schwachen, die besonders unter dem grausamen Blockältesten litten.

In das KZ Dachau wurde er zusammen mit anderen Priestern am 14.12.1940[7] gebracht. Wieder engagierte er sich caritativ und seelsorgerlich, getragen von einem großen Vertrauen in Gott. Er brachte den mitgefangenen Kameraden menschlichen und priesterlichen Trost, organisierte gemeinsames Gebet, heimliche Messen, hörte Beichten und teilte den Eucharistischen Herrn heimlich im Lager an die Kameraden aus. Er teilte sogar seine spärlichen Mahlzeiten. Eine Zeit lang konnte er als Pfleger auf der Krankenstation arbeiten[8], Kranke und Sterbende pflegen und seelsorgerlich begleiten. Er erkannte in bedürftigen Mitgefangenen den leidenden Christus.Er gründete heimlich eine polnische Caritasorganisation im Lager.

Unter den zahlreichen polnischen Geistlichen gründete er eine spirituelle Vereinigung. Die Grundsätze dieser Gruppe waren:

„1. Aus Liebe zu Gott jeden Augenblick und alles, jedes Erlebnis und jede Tat, so intensiv wie möglich leben. (Positives und Negatives)

2. Sich jeden Abend um 21.00 Uhr geistig mit der ganzen Gemeinschaft zum Gebet vor der Gottesmutter vereinen,“ um ihr das Erlebte anzuvertrauen.[9]

Als bei der Flecktyphus- Epidemie zur Jahreswende 1944/1945 kaum Hilfe für die Kranken von Seiten der Lagerleitung organisiert wurde, besuchte er heimlich 4 Monate lang die Kranken. Später meldeten sich rund 32 andere Priestern aus Deutschland, Polen und anderen Ländern [10] freiwillig zur Pflege der Kranken in den Quarantäneblocks, wissend, dass die Ansteckungsgefahr groß und sein eigenes Leben in Gefahr war. Frelichowski pflegte die Kranken, wusch sie (viele waren nicht mehr in der Lage die WC´s aufzusuchen) und brachte die Sterbesakramente, Worte des Trosts und des Glaubens und Brot. Schließlich steckte er sich an und bekam dazu noch eine Lungenentzündung. Stefan Wincenty Frelichowski starb am 23.02.1945, 32-jährig nach 6 Jahren Gefangenschaft, davon mehr als 4 Jahre im KZ Dachau.

Erstaunlicherweise  wurde ihm vor der Verbrennung im Krematorium heimlich eine Totenmaske abgenommen und Reliquien von seinem Leichnam entfernt und so vor der Verbrennung bewahrt. Später wurden diese nach Polen gebracht. So ist Frelichowsky der einzige im KZ ermordete Selige, von dem es Reliquien gibt.[11]

Die Seligsprechung fand am 07.06.1999 in Torun durch Papst Johannes Paul II statt.

Stefan Wincenty Frelichowski wurde zum Patron der polnischen Pfadfinder ernannt.

 Monika Neudert

Seliger Stefan Wincenty Frelichowski, bitte für uns!



[1] http://theblackcordelias.wordpress.com/2009/02/23/blessed-wincenty-stefan-frelichowski-february-23/#comments

[2] http://theblackcordelias.wordpress.com/?s=February+23

[3] http://theblackcordelias.wordpress.com/2009/02/23/blessed-wincenty-stefan-frelichowski-february-23/#comments

[4] http://theblackcordelias.wordpress.com/2009/02/23/blessed-wincenty-stefan-frelichowski-february-23/#comments

[5] WEILER,  Eugen, Die Geist­li­chen in Dachau, Möd­ling 1971, S 237

[6]http://theblackcordelias.wordpress.com/2009/02/23/blessed-wincenty-stefan-frelichowski-february-23/#comments

[7] Ankunft nach Weiler am 14.12.1940

[8]http://theblackcordelias.wordpress.com/2009/02/23/blessed-wincenty-stefan-frelichowski-february-23/#comments

[9] MAJDANSKI, Kazi­mierz, Ihr wer­det meine Zeu­gen sein…, 1995 Mit­tel­bi­ber­ach S 113

[10] ZÁMECNIK, Stanislav, Das war Dachau, S. 367

[11]www.sciaga.pl

ausführliche Biographie

Stefan Wincenty Frelichowski wurde am 22.01.1913 in Chelmza (auf Deutsch Kulmsee), einem kleinen Städtchen in der Nähe von Torun im Norden Polens, geboren.

Kindheit und Jugend

Er kam in eine kinderreiche, christlich geprägte Familie. Es gab 2 ältere Brüder und 3 jüngere Schwestern. Getauft wurde er am 29.01.1913 in der Pfarrkirche auf den Namen Stefan Wincenty. Sein Ruf- und Spitzname in der Familie und bei Freunden war jedoch Wicek. In der Familie herrschte Frohsinn und  gegenseitiges Wohlwollen. Christliche Werte wurden hoch gehalten. „Die Frelichowskis haben ihren Kindern sehr viel mit auf den Lebensweg gegeben. Sie brachten ihnen uneigennützige Liebe und Opferbereitschaft sowie Achtung für die Arbeit bei. Sie verstanden es, ihren Kindern die Werte zu übertragen, denen sie selbst treu geblieben sind.“[1]

„Wunderbare Eltern“[2], hatten sie, das berichtete die Schwester später. Vater Ludwik (1883-1957) war Bäckermeister und Konditor mit eigenem Geschäft. Er hatte immer ein offenes Ohr und war hilfsbereit. Die Mutter Marta (1886-1965), geb. Olszewska, war eine bescheidene und gastfreundliche Frau. Sie arbeitete neben der Erziehung der Kinder im Bäckerladen und half bei der Arbeit des Vaters.[3] Sie hatte wenig Schulbildung, aber viel Weisheit. Sie hielt das ganze Haus in Ordnung. 

Viel Zeit verbrachte die Familie auch bei den Großeltern in deren Haus mit Garten am See. Es gab fröhliche Familientreffen und Feste im Leben dieser Großfamilie. Wicek liebte seine Großmutter besonders[4]. Abends saß man zusammen bei Musik und Gesang, aber auch Gebet.

Vor dem Herz-Jesu-Bild der Familie brannte immer eine kleine Öllampe.[5] Im Oktober wurde zusammen Rosenkranz gebetet. Auch die Lehrlinge des Vaters beteten mit. In der großen Familie waren sich alle sehr nahe.

Der kleine Wicek war ein sehr lebhaftes Kind, viel unruhiger als seine beiden älteren Brüder. Jede freie Minute nutzte er zum Spielen. Er war ein neugieriges Kind.

Chelmza liegt an einem See, die Familie besaß dort 3 Ruderboote. Selbstverständlich war Wicek, wie seine Brüder, Mitglieder im örtlichen Ruderverein. Im Winter  „… verbrachte er wohl viel Zeit auf dem zugefrorenen See in Chelmza. Er war nämlich ein sehr lebendiger und aktiver Knabe. Er war es eben, der seine älteren Geschwister zu verschiedenen Kinderstreichen und – spielen animierte. Er kam oft verschmutzt, mit zerrissenen Hosen und wunden Knien nach Hause.“[6] Seine Mutter erzählte, dass sie die größten Erziehungsprobleme mit ihm hatte. Seine Schwestern erinnerten sich später „ wie er, noch nicht sechs Jahre alt, auf dem breiten Fenstersims im ersten Stock herumgeturnt ist und die Eltern alle Ängste ausstanden“[7], dass er stürzen könnte. Wicek fiel herab und wurde bewusstlos. Der gerufene Arzt stellte erstaunt fest, dass ihm nichts passiert war, außer einer leichten Wunde am Kopf. Die mit dem Arzt gekommene Krankenschwester behandelte die Wunde und sagte zu ihm: „Du Rotznase! Immer hast du Glück!“(Nach Erinnerungen seiner Schwester Marcjanna). 

Schon mit 9 Jahren[8] wurde Wicek Ministrant. Fast täglich diente er treu und eifrig am Altar[9]. Die Mutter erzählte, er fehlte nie bei der hl. Messe.

In den Jahren 1919 bis 1923 besuchte der kleine Frelichowski die Grundschule in Chelmza. In diese Zeit fällt auch seine Erstkommunion 1922. Wicek war ein pflichtbewusstes Kind. Er betete gerne, auch den Rosenkranz, oft auch in der stillen Kirche. Einmal ist er dabei eingeschlafen und wurde versehentlich eingesperrt. Erst nach langem Klopfen wurde er gefunden und befreit.[10]

Von 1923 bis zum Abitur 1931 besuchte er das humanistische Knabengymnasium in Chelmza.

Diese Schulzeit prägte ihn fürs Leben. In dieser Schule arbeiteten mehrere Jugendorganisationen, darunter die Marianische Kongregation, in die er am 26.05.1927 aufgenommen wurde. Er war sehr aktiv und wurde schließlich zum Vorsitzenden der Sodalen in seiner Schule gewählt. Er konnte der Gruppe ein Zusammengehörigkeitsgefühl geben[11]. In seinem Tagebuch erfahren wir auch, warum er sich entschlossen hatte, der Marianischen Kongregation beizutreten. Er hatte beschlossen sich zu ändern und seine Schwächen zu bekämpfen.[12] Welch reife Entscheidung für einen 14-Jährigen.

Auch dem päpstlichen Missionswerk vom Kinde Jesu trat er im Alter von 12 Jahren bei. Die Liebe zur Mission wuchs von da an in ihm und prägte sein weiteres Leben.

Am 21.03.1927 wurde er im Alter von 14 Jahren Pfadfinder[13]. Sein Pfadfinderversprechen als Mitglied des 2. Pommerischen Pfadfinderstammes legte er am 26.06.1927 ab. Das sollte sein Leben verändern. Unter diesem Einfluss  begann er, hart an sich und seinem Charakter zu arbeiten und veränderte sich stark. Er lernte dort, für andere da zu sein und ihnen zu dienen.[14] Pfadfindertum und Religion waren die beiden Säulen seiner Jugend. Entsprechend den Idealen der Pfadfinder stellte Wicek hohe Ansprüche an sich selbst: er wollte gegenüber Gott und dem Vaterland seine Pflichten erfüllen, pflichtbewusst und rechtschaffen leben.Entsprechend einem geschulten Gewissen wollte er uneigennützig anderen dienen.[15] Im Tagebuch erkennen wir seine Sorge und sein Verantwortungsgefühl für andere Jugendliche. Verantwortungsbewusst und gerecht, so wollte er sein.

Pfadfinderkameraden kamen auch oft zu seiner Familie nach Hause. 

Schnell erklomm er die Stufen der Pfadfinder. Frelichowski ließ sich gerne zum Engagement begeistern und übernahm auch Leitungsfunktionen. Er leitete Gruppentreffen mit Musik und hielt dort selbst Vorträge, erzählte Sagen und leitete den Gesang bei den Pfadfinderabenden. Auch im Priesterseminar später endete sein Engagement nicht. Er war dort Mitglied des Kreises der alten Pfadfinder (1933-1936) und führte auch diese Gruppe.[16] Im Sommer 1935 organisierte Frelichowski eine Fahrt in das Sommerlager der Pfadfinder in Spale für seine Mitseminaristen, alte Pfadfinder.[17] Im Jahr 1935 wurde er sogar zum Pfadfinder der Nation ernannt.

Zu Weihnachten 1929 schenkte die Mutter dem 16-Jährigen ein Tagebuch. Fortan schrieb er viel darin. Wir können einiges dort erfahren über die Ereignisse, Gefühle und Kämpfe des jungen Mannes. Am 28.12.1929 schrieb er: „Endlich ist mein Wunsch erfüllt, am Christabend habe ich von meinen lieben Eltern dieses Tagebuch bekommen. Wie war ich von diesem Geschenk beeindruckt. Ich konnte überhaupt nicht meine Rührung begreifen. … Obwohl der Weihnachtsmann nicht reich war, weil die Geschäfte nicht so gut gehen, war trotzdem zwischen uns eine sehr nette brüderliche Atmosphäre.“[18]

Im Tagebuch vom 16.01.1930 lesen wir folgenden Eintrag, der uns tiefer in seine Gedanken hinein sehen lässt: „Meine Tage sind jetzt ganz mit Arbeit überlastetund dazu noch diese Ämter! In der Marianischen Kongregation bin ich als Kandidat für den Posten des Präses aufgestellt, und in der Pfadfinderschaft soll ich Gruppenführer sein. Was tun? Ich werde auf die Ergebnisse warten. Ich fühle, dass ich die Kongregation gut führen kann, aber bei der Pfadfindergruppe hier habe ich etwas Bedenken. 

Ich fühle, dass das Pfadfindertum sehr ideale Gesetzte und Ideen hat. Um sie zu führen und zu erfüllen, muss man diese erst gut beherrschen, … aber ich weiß nicht wann ich sie besitzen werde. … Die gegenwärtige Arbeit in der Gruppe ist das erste Jahr. Wenn es so weitergeht, besteht Hoffnung, dass die Mannschaft eine wirkliche wahre Pfadfinderschaft wird, die ihre Aufgabe in jeder Hinsicht im Pfadfindertum und Vaterland erfüllt. … Ich selbst glaube sehr stark, dass der Staat, indem alle Bürger Pfadfinder wären, der mächtigste Staat von allen wird. Denn das Pfadfindertum und besonders das Polnische, hat die Mittel und die Hilfe, sodass jemand der durch diese Schule gegangen ist, der Typ Mensch ist, den wir heute brauchen. Aber das Erstaunlichste und die beste Idee des Pfadfindertums ist: die Erziehung der Jugend durch die Jugend. Und ich will, solange ich es nur kann – Gott gebe, dass es immer so wäre – ein Pfadfinder sein und immer dafür arbeiten.[19],[20], [21]

Am 04.03.1930, Wicek war 17 Jahre alt, starb unerwartet sein 20 jähriger Bruder Czeslaw, Jurastudent in Poznan. Er war begeisterter Ruderer. Beim Tragen eines Bootes zog er sich eine schmerzhafte Bauchfellentzündung zu. Eine Operation am Blinddarm misslang. Aus Wiceks Tagebucheintragungen können wir erahnen, wie die ganze Familie in Sorge war. „Ich bin an diesem Tag zu den heiligen Sakramenten gegangen und habe Jesus ein Gelübde gemacht, dass ich, wenn Czech gesund würde, auf nichts Rücksicht nehmen würde, sondern Priester werden würde. Gott hat anscheinend unsere Gebete erhört. Am Freitag wurde das Herz stark, und er hat nur wenig Fieber. …“[22] Jedoch nur vorrübergehend. Wenige Tage später verschlechterte sich der Zustand des Bruders. Er verabschiedete sich von den Familienangehörigen mit den Worten „Bleibt mit Gott!“[23]

Stefan Wincenty Frelichowski trauerte sehr. Dieses Ereignis wurde zum Wendepunkt in seinem kurzen Leben. Der Gedanke Priester zu werden ließ ihn nicht mehr los, obwohl sein Bruder gestorben war und er nicht an das Gelübde gebunden war. Als er seine Gedanken mit der Mutter besprach, ermutigte sie ihn, diese wichtige Lebensentscheidung nicht unter dem Einfluss der Emotionen zu treffen, sondern über seinen weiteren Lebensweg nach reiflicher persönlicher Überlegung und tiefem Gebet zu entscheiden. „Man sieht daran, wie klug Marta Frelichowski war, und welch großen Einfluss sie auf Wicek hatte.“[24]

Einige Monate nach dem Tod des Bruders schrieb Wicek am 16.10.1930 in sein Tagebuch: „Ob ich weiß, wie mein Leben sein wird? Mein Gott, das ist schon fast ein Leben von 18 Jahren. Wie das sein wird? So, das hängt von Gott und von meinem Willen ab, vom Charakter. Ich muss in mir einen starken Charakter bauen, einen unbeugsamen Willen. Ich werde hartnäckig sein, so hartnäckig, wie es die Heiligen waren. Ich muss nach einem Stückchen Heiligkeit streben, ein guter Christ sein.[25]

Kurz vor dem Abitur wusste er schon etwas mehr, am 15.02.31 notierte er: „Die Zeit des Abiturs kommt bald. Ich will es ablegen… Aber was dann? Was soll ich dann machen, was soll ich werden?… Meine inneren Überzeugungen, Wünsche und die Wünsche meiner Eltern und Verwandten wie ich glaube, alles das spricht dafür, dass ich Priester werde. Und ich selbst fühle es in mir. In diesem Beruf werde ich glücklich. Ich will Führer meines Volkes sein. Ich will ihm die göttliche Wahrheit verkünden und es die göttliche Liebe lehren.[26]Ich möchte als Priester in der Lage sein zu beten, Gott nahe zu sein. Von einem Priester werden viele Opfer gefordert um das Besondere zu erhalten: das Heilige Opfer darzubringen, Jesus in den Händen halten zu dürfen…. Diesen Dienst für Gott zu erfüllen, ist mein größter Wunsch, ein Traum seit meiner Kindheit! Und jetzt stehe ich an der Schwelle der Schulzeit…  und frage mich,ob ich in der Lage bin, diesen Ruf Gottes, diese Stimme Gottes die meine Seele ruft, zu beantworten. Oder soll ich einen anderen Beruf wählen? Vielleicht wäre ich in einem anderen Beruf nützlicher, könnte ihn besser erfüllen?“[27]

Nach dem Abitur hatte er endlich Klarheit gefunden und schrieb die beeindruckenden Worte: „Und wenn es um die unsterbliche Seele gehen wird, ob meine eigene oder jemandes anderen, dann soll es nie Anstrengungen und Bemühungen genug sein…Wie gerne will ich… nur Gott dienen. Ich will Gott ein reines und heiliges und großes Opfer geben. Ich will ein großer Priester werden, mit einem Herzen, das bereit ist zu Opfern. Meine Arbeit soll immer gute Frucht bringen und für alle Menschen von Nutzen sein. Jetzt werde ich so arbeiten, dass ich am Ende sagen kann: Ich habe so viel getan, wie ich nur konnte.“[28]

Seminarist: 1931 legte Wicek das Abitur mit gutem Erfolg ab[29] und trat nach kurzem Kampf im Herbst 1931 ins Priesterseminar seiner Heimatdiözese Chelmno in Pelplin ein, nachdem er in Exerzitien bei der schwarzen Madonna in Tschenstochau seine Entscheidung nochmal bestätigt fand.[30] Es war für ihn nicht leicht, alles zu verlassen.  Die Entscheidung war nach tiefem Nachdenken und Gebet getroffen worden. Sein Entschluss wurde „kurzfristig, soldatisch und unwiderruflich gefasst“[31].

Diese Entscheidung bedeutete auch, auf das geliebte Mädchen, das er heiraten wollte, zu verzichten. Eigentlich hatte er geplant Arzt (Chirurg) und Vater einer kinderreichen Familie zu werden.[32] Die ganzen Jahre im Seminar hatte er noch weitere innere Kämpfe um die Berufung zum Priester. Das Tagebuch ist Zeuge von seinem Ringen und Zweifeln. Er musste sich immer wieder neu für seine Berufung entscheiden.

Im Jahr 1934 scheinen Frelichowskis Zweifel an seiner Berufung zum Priester einen Höhepunkt erreicht zu haben. Er überlegte, eine Auszeit zu nehmen und an der  Universität  Warschau Geschichte zu studieren. Er war fest dazu entschlossen. Am Ende des 3. Kurses im Seminar war ein Pastoralpraktikum vorgeschrieben. Er entschied sich, trotz der Zweifel das Praktikum anzutreten. Er leistete es bei einem befreundeten Priester Piotr Sosnowski in Byslaw bei Tuchola. Es wird vermutet, dass diese Zeit und der Einfluss dieses Priesters Wiceks Berufung rettete. Sosnowski hatte schon von Kinderbeinen an einen sehr großen positiven Einfluss auf Wicek. Allerdings schrieb Wicek in dieser Zeit nichts in seinem Tagebuch. So können wir seine Entwicklung nur erahnen und deshalb bleibt dies für uns nur eine Vermutung.

Für Piotr Sosnowski läuft derzeit ein Seligsprechungsverfahren. Sein Name ist unter den 112 polnischen Kandidaten im neuen Sammelverfahren von Opfern des zweiten Weltkrieges zu finden. Er wurde schon im Oktober 1939 in einem Wald in Polen erschossen.

Einen weiteren Einfluß hatte wohl auch Wiceks große Freude an der Arbeit mit Kindern, die er während dieses Praktikums erlebte.

Zurück im Priesterseminar schrieb er nach 7-monatiger Pause erstmals wieder in seinem Tagebuch: „Offensichtlich hat Gott meinen Geist aufgeklärt. Offensichtlich sind meine Lebenswege anders. Ich habe jetzt andere Gedanken. Bis zu einem gewissen Grade sind sie jetzt klarer. Ich bin nun anders. Ruhiger.“[33] Doch gegen Ende der gleichen Notiz schreibt er weiter: „Warum will ich Priester werden? …mir steht der Grund nicht klar vor Augen, warum ich Priester werden will.“

Es war offensichtlich nicht Gottes Wille, dass er aus dem Seminar austrat.

Er war ein leidenschaftlicher junger Mann und hatte die ganzen 6 Jahre des Priesterseminars sehr zu kämpfen mit Versuchungen gegen die Keuschheit. Seine Berufung war schwer erkämpft. Von seinem innerlichen Kampf erzählt sein Tagebuch, ebenso wie einige Briefe. Das Tagebuch und die Briefe sind heute ungewöhnlich interessante, intensiv inspirierende und aufschlussreiche Dokumente, die den Weg zur Heiligkeit aufzeigen.

Er fand schließlich die Lösung seiner inneren Konflikte: Er entschied sich, Gott zu lieben und aus Liebe zu ihm seinen großen Wunsch nach eigenen Kindern zurückzustellen und stattdessen ganz für die Kinder anderer da zu sein. Mit ganzer Kraft wollte er Kinder und Jugendliche zu Gott führen. Dieser Wunsch wurde Wirklichkeit. Er wurde ein außergewöhnlich charismatischer und erfolgreicher Jugendseelsorger. Die Erfahrungen seiner eigenen Jugendzeit in der Pfadfinderbewegung qualifizierten ihn dafür besonders. So wurde er Apostel des Familienlebens und Vater sehr vieler Kinder als Seelsorger. Er lehrte gegenseitige Achtung und Liebe, Familien zu verbessern mit dem Ziel: „Die Liebe unter den Menschen ist Spiegelbild der Liebe Gottes. Ich will das vor allem jungen Menschen mit allen Mitteln verkünden, damit sie die wahre Liebe kennen.[34] 

In Erinnerung an seine erste Jugendliebe schreibt er am 1.10.1935: „Ich danke Gott dafür, heute ruht sie am Grund meines Herzens. Von ganzem Herzen will ich dich, nur dich. Ich gebe sie dir als Opfer….“

Eine weitere Ursache seiner Zweifel an seiner Berufung war das Priesterbild seiner Zeit. Er erlebte Priester oft als wenig anziehend. Damals bestand oft eine große Distanz zwischen Priestern und Laien. Die Geistlichen hatten viele Privilegien. So ein Priester wollte Frelichowski nicht werden, dann lieber gar keiner. Von diesen Zweifeln herausgefordert setzte er sich schon früh intensiv mit der Bedeutung, Priester zu sein, auseinander. Seine gewonnenen Einsichten gab er später im KZ an seine Schüler weiter und prägte sie tiefgreifend und dauerhaft.

Der Tagebucheintrag vom 19.06.1935 spricht zu uns von den Kämpfen. Frelichowski selbst benutzt das Wort Depression: „Ich bin nicht so, wie ich sein soll und sein möchte, aber ich habe keine Lust dazu. Heute schreibe ich die Worte in der schwersten Depression des Geistes. Ich will von diesem Zustand erwachen, in dem ich bin. Mich von ihm befreien. Ein Mensch werden und nützlich sein. Meine Kräfte schaffen es nicht. In tiefster Demut knie ich vor Dir, o Gott. Ich spüre all mein Nichts-sein und meine Schwäche. Ich wende mich an Dich, der Du mich leitest. Mein Gott, befreie mich von diesem Zustand, in dem ich heute bin. Ich will ein anderer Mensch sein. Ich will ein wahrer Pfadfinder sein. Mich so im Leben benehmen, wie es mir meine Gedanken und mein Gewissen sagt. Gib mir Deine Gnade. Ich werde mit ihr zusammenarbeiten und möchte mich aus diesem geistigen Verfall auf pfadfinderische Weise erheben. Gib mir das Selbstvertrauen. Aber nicht nur das suggestive Gefühl, sondern ich will in mir einen wahren Wert erarbeiten. Gott, ich gebe mich ganz in Deine Hände. Gib mir, dass ich Schritt für Schritt hinauf gehe. Der heiligen Georg, hilf mir über mich selbst siegen.“, [35], [36]

In der Zeit im Seminar schrieb Frelichowski einige Meditationen über das Lukasevangelium. Darin können wir noch heute seinen Kampf um die Priesterberufung erahnen. Hoffentlich wird es bald dem deutschen Leser zugänglich gemacht.

Nur seine Eltern beobachteten: er ist bedrückt. Sie ahnten seinen schweren Kampf um Berufung und Zölibat. Bewusst drängten die Eltern ihn nicht. Er sollte sich frei entscheiden können für die Treue zu Gott.

Niemand ahnte sonst seine Kämpfe. Trotz dieses inneren Tobens verlor er seine natürliche Fröhlichkeit , die er weiterhin in seiner Umgebung ausstrahlte, nicht. So schrieb er: „Und ich will mich Gott angleichen. Deswegen muss ich immer und für jeden freundlich sein.”(Tagebuch, den 3. Oktober 1936)[37]

Dies beobachteten die anderen Seminaristen. Er wurde als immer fröhlich beschrieben. „Wicek war ein sehr fröhlicher Seminarist. Er gewann Kameraden für sich mit seinem herzlichen Lächeln und mit seiner uneigennützigen Hilfe, mit der er allen half. Im Seminar nannte man ihn Spaßvogel.“[38]

Frelichowski studierte mit großer Sorgfalt und Erfolg. Wieder gehörte er zu den Besten des Jahrgangs. Er lernte fleißig und mit großer Sorgfalt. Er wusste: das Studium ist die Grundlage für den späteren priesterlichen Dienst. Trotzdem war er kein „Streber“. Er liebte Sport und trieb täglich Gymnastik, um sich fit zu halten.[39] Und er wollte gut vorbereitet sein. Im Seminar entdeckte er seine Liebe zu Wissenschaft und Philosophie. Auch einem Liturgiezirkel gehörte er an.

Schon als Theologiestudent engagierte er sich in der Diözesanorganisation der Caritas, in leitender Position einer Gruppe von Seminaristen in den Jahren 1933-1936[40]. Die wenigen freien Tage, an denen Seminaristen Ausgang gewährt wurde, nutzte er zum Besuch alter, einsamer und kranker Menschen, die ihm anvertraut worden waren. Ihnen brachte er Trost, Gesellschaft und Lebensmittel.

Außerdem  war er ein aktives Mitglied des Missionsvereins, wie in seiner Schulzeit. Gerne wäre er in die Mission gegangen. Erträumte von einer Missionsreise.[41] 

Mit seiner jugendlichen Begeisterung  engagierte sich  Wicek in der Abstinenzlerbewegung. Er entschied sich 1935, sein Leben lang abstinent zu bleiben, um Alkoholabhängigen damit zu helfen. Den Impuls hatte er in der Runde des katholischen Vereins Junger Männer bekommen.[42] Dieser Entschluss ist umso erstaunlicher, wenn wir erfahren, dass Frelichowski in den Jahren davor rauchte und gerne Wein trank. In seinem Tagebuch notierte er, dass er Wein sehr gerne mochte und ihn auch in großen Mengen trinken würde. Frelichowski hielt sich an den Abstinenzvorsatz ein Leben lang. Er trank nie wieder Alkohol und rauchte keine Zigarette mehr, nicht mal im KZ, wo andere Häftlinge mit Rauchen anfingen, um den Hunger nicht mehr so deutlich spüren zu müssen.[43]

Wicek vernachlässigte bei allen diesen Aktivitäten das Gebet nicht. Oft sah man ihn in der Kapelle beim stillen Gebet.[44]

Frelichowski spürte eine große innere Kraft. Was sollte er damit anfangen? Er fürchtete schon als Seminarist, er könnte sich durch sein Engagement persönlich wichtig machen und etwas gelten wollen. Dagegen wollte er ankämpfen. Deshalb war er stets bemüht, demütig zu bleiben und selber nicht im Mittelpunkt zu stehen, vielmehr bewusst im Hintergrund zu bleiben. Dies behielt er sein weiteres Leben bei.

Tagebuchaufzeichnungen aus der Zeit des Priesterseminars:

„Ich möchte den Glauben des Hl. Petrus haben, die Weisheit des Hl. Paulus, aber das Herz des Hl. Johannes. Ein reines und unschuldiges Herz. Ich muss ein Priester, nach dem Herzen Christi werden.“[45]

„Ich will ein richtiger Pfadfinder sein. Mich im Leben führen, wie es mir meine Gedanken und das Gewissen befehlen.“ 19.06.1935

Indem ich mit ganzer Demut mein Unvermögen anerkenne, bitte ich Dich Heiliger Geist wie der junge Mann, dass mein weiteres Leben, sei es noch so kurz, ebenso ist. Gib mir keinen Reichtum, sondern nur deine Gnade. Gib mir Kreuze und Leiden, aber gib mir auch Glauben und Liebe. Bitte tu das Wunder in mir. Gib meinem Herzen und meinem Mund eine Liebe wie Feuer und einen klaren, mutigen Glauben.“[46]

Auf das Verständnis des Wortes „ich will“ verweist auch ein anderes Tagebuchfragment: „Es ist kein Platz für „ich möchte“, sondern „ich will“. Das zweite ist schwieriger zu sagen, denn es beinhaltet in sich bereits das Vollbringen dessen, was man will. Deswegen spricht man das Wort nicht in einer Menschenmenge, nicht exaltiert aus. In diesem Falle bedeutet es nur „ich möchte“. Das Wort „ich will“ muss am abgeschiedenen Ort ausgesprochen werden“ 3. 10.1932[47]

„Gott, hilf mir und lass mich in den Himmel kommen, gib mir einen guten Tod und lass mich im Sterben mit dir versöhnt sein. Mein Gott, ich wünsche so sehr dich zu lieben, ich wünsche so sehr dein zu sein, ich wünsche so sehr dein Heiliger zu sein, weil ich dir nahe sein will, dich kennen lernen will, mein Gott.“[48] 

„Herr schenke mir die Gnade, deinen Willen rasch zu verstehen, um klar zu erkennen, ob ich berufen bin. Gib mir die Gnade, um die ich seit Jahren bete. Lass mich eine klare Entscheidung für mein Leben treffen. Gib mir einen klaren Verstand. … Dein Reich komme. Ehre sei dir, lass das mein lebendiges Ideal sein, das Ziel meiner Arbeit…Gib mir die Gnade, ein Priester zu werden. Rufe mich dazu. Nimm all meinen Willen und ziehe mich zu dir. Herr ich öffne mein Herz für deine Gnade. Immer und in jedem Augenblick. Ich erwarte dich, Herr, und gebe mich deinem Willen völlig hin. Ruf mich in deinen Weinberg als Arbeiter.“, [49] 17.5.1935

Er erkennt den Willen Gottes, die göttliche Vorsehung, in den Vorgesetzten:  „also werde ich Vorgesetzte nicht kritisieren, oder ihre Vorschriften, weil sie dein heiliger Wille sind. Ihre gewissenhafte Einhaltung ist eine reiche Quelle der Heiligung.“[50]

Die  Semesterferien gaben ihm Zeit für Pfadfinderlager. Er organisierte für ältere Pfadfinder selbst ein Treffen. Er war auch ein aktives Mitglied des Klerikerpfadfinderkreises und in den Jahren 1933 bis 1936 sogar der Vorsitzende.

Er stellte hohe Ansprüche an sich. Rechtschaffenheit der Gedanken und des Gewissens, Echtheit des Handelns, uneigennützige Einstellung im Sinn des Dienstes für Andere.[51] Er bleib das ganze Leben lang dem Pfadfindergrundsätzen treu. Pflichterfüllung und Nächstenliebe prägten ihn.

Die Zeit als Seminarist schloss mit den niederen Weihen ab. Frelichowski empfing am 05.04.1936 nach Exerzitien die Subdiakonweihe [52] und am 26.04.1936 die Diakonweihe.

Schon als Diakon wurde Wicek zum persönlichen Sekretär des Bischofs St. W. Okoniewski ernannt. Dies bedeutete für einen Seminaristen eine große Auszeichnung. Es hätte genug Priester für dieses Amt gegeben. Seminarprofessoren hatten ihn vorgeschlagen, weil er einer der besten Seminaristen war.

Die Krönung Wiceks Weges zum Priesterturm waren die Priesterweihe 14.03.1937 im Pelpliner Dom. Durch die Hände Bischofs Stanislaw Wojciech Okoniewski empfing er dieses Sakrament, das ihm so viel bedeutete. Er kannte den Bischof sehr gut durch seinen Dienst als dessen Sekretär. Stefan Wincenty Frelichowski wirkte als Priester nicht einmal 3 Jahre in Freiheit. In Gefangenschaft 5 Jahre und 4 Monate. Insgesamt war er nur knapp 8 Jahre Priester, davon 2/3 in KZ…

Das große Fest der Primiz feierte die Großfamilie und die ganze Stadt am 15.03.1937 in der Dreifaltigkeitskirche in Chelmza. Als  Primizspruch wählte er geradezu prophetisch: „Durch das Kreuz des Leidens und des grauen Alltags – mit Christus zur Auferstehung.“[53]

Der Priester

Frelichowski hatte sich viele Gedanken über das Priestertum gemacht. Jetzt lebte er danach. Er wollte radikal das Evangelium verwirklichen. Ein „alter Christus“ (lat. anderer Christus) wollte er sein. Ihm ähnlich werden. „… es ist Christus selbst, den ich ersetzte. So habe ich wie Christus zu sein.  Die Wahrheit sein, der Weg und das Leben sein.“

Wicek wusste, dass Priester sein, Aufopferung, Hingabe und sich selbst zur Opfergabe machen erfordert. Christus folgen bedeutete auch Jesu Leidensweg gehen. Schon der Seminarist schrieb: „Ich bin überzeugt, dass das bisherigen Mühen nichts bedeuten, dass das wahre Leiden erst kommen wird. Wenn der Meister gelitten hat, kann der Diener auch nicht leiden? Ich weiß nicht, wie mein Leiden sein wird, aber ich weiß, dass es kommt. Dir o Herr, gebe ich es jetzt als Opfer und für Dich will ich leiden, um meine Aufgabe auf Erden zu erfüllen.“[54]

Ein Priester soll Seelen gewinnen, sie an sich heranziehen, für Christus gewinnen, er soll auf die Suche nach den Seelen gehen, sie in Winkeln der Straßen und Souterrains suchen, in den Salons und Palästen, in den Häusern der Bürgern und Bauern, er soll sie suchen und zum Herrn führen.“[55]

Eine Flucht vor dem Leben, das wollte er nie. Er liebte das Leben und die Freude. Er wollte immer froh sein und betete sogar um Freude! „Ein trauriger, niedergeschlagener Priester zeigt, dass er entweder seine Berufung nicht versteht, oder sich auf einem Irrweg befindet.“[56]

Die Quelle dieser seiner Freude war Christus, die Gnade des Priestercharismas. Er wollte allen Egoismus ablegen, um in der Vereinigung mit Gott zu leben. Dieser Freude blieb er bis an sein Lebensende treu. Selbst in Augenblicken des größten Leidens, als Häftling im Vernichtungslager Dachau schrieb er ein Gedicht unter dem kennzeichnenden Titel: „Ich bin froh, o Herr!“[57]

Nach der Priesterweihe blieb er zunächst weiterhin im Amt des persönlichen Sekretärs und Kaplans des Bischofs St. W. Okoniewski. Zu seinen Aufgaben gehörte das Organisieren von vielen Reisen und Gottesdiensten. Ihm lag diese Aufgabe nicht. Ihn zog es in eine Pfarrei, um dort  seelsorglich mit den Menschen arbeiten zu können. Er wollte gerne mit Jugendlichen arbeiten.[58] Aber er ahnte schon vor der Weihe, dass er auch noch nach der Weihe beim Bischof würde bleiben müssen. In Geist des Gehorsams nahm er diese Entscheidung an und bemühte sich dem Bischof , der einen schwierigen Charakter hatte, sehr gut zu dienen. Nach einiger Zeit wurde er, auf seine Bitte hin, als Belohnung in eine Pfarrei versetzt, zuerst für ein paar Monate in eine kleine Pfarrei in Wejherowo (1.1.1938-28.4.1938), um dort als Aushilfe tätig zu sein. Im Mai 1938 fuhr dann Wicek als Sekretär mit seinem Bischof zum Eucharistischen Kongress nach Ungarn. Danach erhielt er zum 01.07.1938 die erbetene Stelle als Kaplan, diesmal in einer großen Pfarrei in Torun. Dort blieb er bis zu seine Verhaftung. Es waren nur 15 ein-halb Monate.

Kaplan der Mariengemeinde in Torun.

Hier als Kaplan wirken zu können war eine Auszeichnung. St. Marien war eine der größten Pfarreien der Diözese. Schnell gewann Frelichowski die Wertschätzung, das Vertrauen und die Herzen der Menschen, er wurde als der beste Kaplan in Torun gelobt.[59]

In der kurzen Zeit in dieser Pfarrei konnte Frelichowski beeindruckend wirken. Persönlich führte er ein Leben in Einfachheit. Sein Engagement war beachtlich. Als vorbildlicher Priester und beliebter Prediger konnte er die Menschen erreichen. Er war sehr beliebt als Seelsorger und ein charismatischer Priester. Besonders Kinder und Jugendliche, aber auch alte und kranke Menschen liebten ihn. Diese beiden Gruppen waren die Schwerpunkte seiner Seelsorgearbeit. Eine Sorge um das spirituelle Leben galt allen in der Pfarrei.[60] Er war allen ein Freund. Menschen klammerten sich einfach an Frelichowski, weil er jeden richtig behandeln konnte.

Der damalige Pfarrer schrieb über ihn: „Sein Blick hatte etwas Anderes, überdurchschnittliches. Wenn er während eines sogar völlig alltäglichen und ungezwungenen Gesprächs mich mit seinen hellen Augen anblickte, hatte ich immer den Eindruck gehabt, als ob er weit außerhalb mir schaue, trotz ganzer Konzentration auf das Thema des Gesprächs. Er besaß eine fröhliche Wesensart, in Gespräch war er aufrichtig und heiter, hatte aber eine zartfühlende und dezente Art sich auszudrücken und zu urteilen. Als ein begeisterter Pfadfinder hatte er den schönen, freundlichen Umgang mit der Umwelt, der sich in der Hilfsbereitschaft ausdrückte… Während dieser ganzen 16-monatigen Zeit unserer gemeinsamen Arbeit habe ich niemals bemerkt, dass er unbeschäftigt gewesen wäre oder irgendein träges Sich-Erholen treibe. Bei der Arbeit war er vorbildlich gewissenhaft und eifrig, aber nie ungeduldig und er rechtfertigte sich nie, wenn man ihn von einer Beschäftigung abberufen hat um was anderes tun aufzutragen. … Für jeden und zu jeder Zeit hatte Wicek ein nettes Wort.[61]

Kinder- und Jugendseelsorger: Besonders gerne war er bei Kindern. Seine Erfahrung aus der Pfadfinderarbeit bereicherte seine Kinderpastoral und Jugendarbeit. Jugendliche schlossen Freundschaft mit ihm. Er war ein sehr guter und erfolgreicher Pädagoge. Bei der Sakramentenvorbereitung konnte er Wichtiges gut vermitteln. Er wirkte verantwortungsvoll und sympathisch. 

Er führte zum Fest der Erstkommunion gleiche Kleidung für alle Kinder ein,[62] um ärmere Kinder nicht zu beschämen. Er konnte Frauen aus der Pfarrei gewinnen, die diese Kleidung für alle Kinder nähten.

Gleich nach der heiligen Messe zog der Kaplan sich um und trug Sportkleidung, um nach der Messe mit den Ministranten Fußball spielen, oder einen Fahrradausflug machen zu können. Für den Sonntagnachmittag organisierte er Ausflüge mit den Kindern: Ballspiele, Fahrradtouren, sogar einen Ausflug in den Tierpark. „Er war ein Priester in ihrer Nähe, nicht nur am Altar.“[63] Die Jugendlichen wünschten sich: „Solche Priester sollte es mehr geben.“

Er hörte oft Beichte, auch bei Kindern war er als Beichtvater sehr beliebt. Als Buße gab er, ganz ungewöhnlich, gute Taten auf.

Seelsorge bei kranken und Sterbenden: Diese Menschen konnten sich der besonderen Zuwendung ihres Kaplans sicher sein. Er hatte eine besondere Gabe, bei ihnen zu wirken. Er besuchte Kranke häufig zu Hause. Deshalb war er sehr viel in der Pfarrei unterwegs. Die Kranken verlangten ausdrücklich nach ihm, so dass er Sterbende und Kranken auch besuchte, wenn andere Kapläne zu diesem Dienst eingeteilt waren und er selber eigentlich Freizeit haben und sich erholen sollte. Frelichowski konnte ihnen auf seltsame Weise inneren Frieden bringen, vor allem denjenigen, die auf dem Sterbebett waren.[64] Bei den Beerdigungen fand er Worte des Trostes, die alle berührten.

Caritas: Nicht nur Kranke, auch bedürftige Menschen besuchte Kaplan Frelichowski. Die Pfarrei in Torun war eine reiche Pfarrei. Doch auch hier lebten Arme. Diese besuchte er häufig und gerne in ihren billigen und armen Kellerwohnungen zuhause.

Gebet: Er betete fortwährend, denn sein Dienst für Gott und sein Gebet war Dienst für die Menschen. Sein Pfarrer sah ihn sehr oft abends in geschlossener Kirche kniend mit Brevier vor dem Tabernakel beten.

Er fühlte sich immer zutiefst mit Gott verbunden, in jeder Aktivität. Trotz seines enormen Engagements drohte ihm nie ein Verfallen in leeren Aktivismus. Seine vielfältigen Aktivitäten hatten seine innerliche Fülle zur Quelle. Sein außergewöhnliches Engagement und alles, was er tat, waren verwurzelt in einem Entschluss, den wir in seinem Tagebuch am 11.08.1931 niedergeschrieben finden. Nach seinem Abitur, aber noch vor dem Eintritt ins Priesterseminar, stellte er nämlich fest, dass er zu viel Zeit im bisherigen Leben vergeudet hatte und nicht mit voller Kraft und vollem Engagement allen seinen Pflichten nachgegangen war und hat sich entschlossen „künftig in jede Arbeit, ob geistige, ob körperliche, so viel wie nur möglich Anstrengung zu investieren, ohne Rücksicht auf das Kräftesparen für was anderes.“ Und dieser Entscheidung, die er mit 18 Jahren traf, blieb er offensichtlich sein ganzes Leben treu.

Moderner Liturgie: Als junger, begeisterter Priester war er seiner Zeit voraus. Er zelebrierte die heilige Messe mit einem überraschenden Eifer. Er war nur 16 Monate Kaplan in dieser Pfarrei. Doch die kurze Zeit reichte aus, um Neuerungen in der Liturgie einzuführen. Heute noch lebende Kinder jener Zeit erinnern sich an Frelichowski. Seine größte Sorge war, dass alle die an der Liturgie teilnahmen, sie auch verstehen und tief mitfeiern konnten. Wicek gestaltete allerlei Bildchen, oft mit selbst gemalten Motiven und mit entsprechenden Texten, die er an Gläubige, besonders an Kinder verteilte, um ihnen ein besseres Verständnis der Liturgie zu ermöglichen. Schon vor dem 2. Vatikanischen Konzil, als die Liturgie noch ganz in lateinischer Sprache gefeiert wurde, übersetzte und erklärte er Kindern die Liturgie in polnischer Sprache, damit sie den Handlungen am Altar während der heiligen Messe gut folgen konnten. Von der Kanzel erklärte er den Kindern die Bedeutung jeder einzelner Handlung der lateinischen Liturgie während ein anderer Kaplan heilige Messe las. Dies war in seiner Zeit ganz neu und nahezu revolutionär.

In seinen Predigten sprach Kaplan Frelichowski über seine eigene Glaubenserfahrung. Er sprach mit einfachen Worten über selbstverständliche und alltägliche Dinge, bezog diese aber überzeugend auf Gott. Die Leute kamen aus der ganzen Stadt, um seine Predigten zu hören. Während er sprach, blieben die Beichtstühle in der Kirche leer. Keiner wollte Frelichowskis Predigt verpassen.

Die Mission war ihm wichtig[65]. Er träumte davon, nach 5 Jahren Kaplanszeit als Missionar ins Ausland zu reisen, um Aussätzigen zu dienen. Einstweilen engagierte er sich als Vorsitzender des Missionsvereins und betreute die Kindergruppe des Missionsvereins[66].

Medienarbeit: auch das gedruckte Wort war Stefan Wincenty Frelichowski wichtig. Er veröffentlichte 1939 36 Artikel in der kirchlichen Wochenzeitung. Er schrieb Beiträge für Geistliche und warb für den geistlichen und pastoralen Austausch junger Priester untereinander. Sein Pfarrer sagte über ihn, dass Kaplan Frelichowski ein Freund aller Kapläne in der Stadt sei. Auch das Pfarrblatt gehörte zu seinen Aufgaben. In den Leitartikeln konnte er seine theologische und menschliche Bildung zeigen.[67], [68]

Kaplan Frelichowski hatte vor, ab Herbst 1939 an der Universität Lwow (Lemberg) Theologiefortbildung zu machen. Doch diese Pläne durchkreuzte der Beginn des Krieges.

Auch als Kaplan blieb er seiner Entscheidung, lebenslang Pfadfinder zu bleiben, treu.  AlsKaplan des pommerschen Pfadfinderverband und Redakteur einer christlichen Jugendzeitschrift für Pfadfinder „Der Ruf“[69] engagierte er sich. Er betreute in Torun auch eine Gruppe erwachsener Altpfadfinder. Er organisierte weiterhin Zeltlager und Fahrten für Pfadfinder. Glücklich war er über die Begeisterung der jungen Männer. Die viele Arbeit war nicht um sonst, sondern brachte Frucht. „Messe deine Kräfte nach deinen Vorhaben.“ [70]

In seinem letzter Eintrag vom 15.03.1939 finden wir folgende Worte: „Heute ist der zweite Jahrestag meiner Primiz. Ich danke Dir, o Herr, dafür was ich während dieser zwei Jahre erlebt habe. Selbst für Fehler und Abweichungen von Deinem Willen danke ich Dir. Ich kehre nun, o Herr um zu Dir, um Dir wirklich zu dienen. Ich habe mir vielleicht die Flügel etwas angebrannt, doch, o Herr, ich knie in tiefer Demut vor Dir und bitte Dich: lass mich mein Leben aufrichtig führen und nie zu einem Lebensschauspieler[71] werden. Gib mir den Mut zu einem Leben nach deinen Weisungen. Ich knie tiefer, als sonst. Du bist mein Herr. Und bist mir zu Vater geworden. Herr, ich gebe dir mein Leben. Ich kann nicht meine jetzige Gedanken ausdrücken. Lass die Momenten meiner Lebensunentschlossenheit und meines Weggehens von dir nun zu meiner Kraft werden. O Gott! Ich will wirklich ein Priester werden.“[72]

Da sind die letzten Worte im Tagebuch: „Ich will wirklich ein Priester werden“.[73]

Bischof Suski interpretiert das so, Frelichowski wollte wirklich ein Heiliger sein und mit dieser Haltung ging er in die Gefangenschaft.[74]

Gefangenschaft:  Im Sommer 1939 ahnte und erwartete die polnische Bevölkerung den nahenden Krieg. Es wurden Vorbereitungen zum Schutz der Bevölkerung getroffen. Die Pfadfinder der Stadt halfen natürlich kräftig mit und Kaplan Frelichowski war dabei.[75]

Am 01.09.1939 marschierte die deutsche Wehrmacht in Polen ein. Wicek kam an diesem Tag nach Hause. Es war ein Herz-Jesu-Freitag, der in der Familie immer besonders begangen wurde. Alle waren morgens in der heiligen Messe und bei der Beichte gewesen. Die ganze Familie betet anschließend vor dem Herz-Jesu-Bild[76]. Es wurden schwere Jahre für Polen.

Die Stadt Torun wurde am 7.09.1939 von deutschen Truppen besetzt. Sie zögerten nicht ihre Ziele durch zu setzten. Deshalb wurden schon am 11.09.1939 alle Priester durch die Gestapo verhaftet, auch Frelichowski zusammen mit den 4 anderen Priestern seiner Pfarrei. Nach einer Nacht im Gefängnis wurden die Priester wieder entlassen. Nur Kaplan Frelichowski wurde noch festgehalten. Seine Aktivitäten bei den Pfadfindern waren der Gestapo schon bekannt. Er war „gefährlich“. Schließlich wurde auch er freigelassen. (Am folgenden[77], dem  übernächsten Tag,[78] oder laut einer anderen Quelle nach ein paar Tagen[79])

Voll Sorge suchte die Familie in dieser Zeit seinen Wohnungsschlüssel und fand diesen schließlich bei Wicek, der bezeichnender Weise im Beichtstuhl saß.[80]

Nach der Entlassung aus dem Gefängnis blieb Frelichowski tapfer weiter in seiner Wohnung und erfüllte seine Pflichten als Seelsorger und Pfadfinder.[81] Gläubige  hatten ihn vor weiteren Verhaftungen gewarnt und zur Flucht zu drängen versucht. Er jedoch gab nicht nach und wollte auf seinem Posten bleiben, anders als die anderen Leiter der Pfadfinder der Stadt, die alle geflohen waren. Er lebte in diesen Tagen in einem großen inneren Frieden und half den Flüchtlingen, die nach Torun gekommen waren. Am 18.10.1939 wurde Frelichowski schließlich wieder verhaftet, zusammen mit 700 anderen Bürgern aus Torun. Er sollte nicht mehr frei kommen. Frelichowski war 26 Jahre alt, 5 ½ Jahre Haft und der Tod im KZ Dachau warteten auf ihn. Er ließ sich jedoch nicht entmutigen.

Zuerst wurde Frelichowski, noch in Torun, im Gefängnis Fort VII festgehalten. Diese alte preußische Festungsanlage glich schon damals einem KZ. Dort wurden die katholischen Priester körperlich und seelisch gequält. Sie mussten anstrengende und „schwierige gymnastische Übungen machen“[82]. Damit könnte Strafexerzieren gemeint sein. Erbärmliche hygienische Bedingungen herrschten an diesem Ort. Wicek besorgte irgendwie die nötigen Utensilien und organisierte eine „Friseurwerkstatt“ für die älteren Priester. Damit half er ihnen, die persönliche Hygiene und damit Selbstwertgefühl und Selbstachtung aufrecht zu erhalten. Als Zubehör zum Rasieren fehlte, organisierte er Rasierzeug, damit sich die Kameraden weiterhin wie gepflegte Menschen fühlen konnten.

Endlose Verhöre und Misshandlungen mussten sie über sich ergehen lassen. Zusätzlich quälte die Ungewissheit über die Zukunft. Frelichowski bewahrte in dieser Zeit der Prüfung eine würdevolle Haltung. Er pflegte respektvollen Umgang mit den älteren Priesterkameraden und mit den jüngeren Freundschaft.[83]

Schon zu Beginn der Gefangenschaft entschied er sich, seine Berufung als Priester auch hier zu leben. Jetzt wollte er für die Mitgefangenen da sein. Er half ihnen die Hoffnung nicht zu verlieren. Schon in dem ersten Tag im Gefängnis, wie auch später, half er überall wo er nur konnte. Frelichowski übernahm freiwillig verschiedene Dienste im Gefängnis, um eine größere Bewegungsfreiheit zu bekommen und so den Kameraden besser beistehen zu können. Er ermutigte die Kameraden und half ihnen ein geistliches Leben zu führen.[84] Er stärkte ihren Glauben und ihr Vertrauen in Gott. Er wirkte so den Bestrebungen entgegen, die Häftlinge innerlich zu brechen. Er riskierte sein Leben, um mit den Kameraden Abendgebete und Rosenkranz zu beten. Seine religiöse Haltung war allen ein Vorbild. Jeden Sonntag organisierte er eine „trockene“ hl. Messe. Die Priester beteten die Meßtexte und luden Kameraden im Laienstand dazu ein, sich mit der Messe in ihren Heimatpfarreien geistig zu vereinen. Frelichowski organisierte heimliche Beichten und Vorträge über religiöse, soziale und historische Themen. Wie der gute Samariter kümmerte er sich um kranke, misshandelte und schwache Kameraden. Traurigen und Niedergeschlagenen begegnete er mit großer Zuneigung und suchte sie. So öffnete er auch verschlossene Herzen.[85]

Stets ermunterte er Mitgefangene zu Vertrauen in Gott und in die göttliche Vorsehung.

Ein neuer Schrecken erfasste die Gefangenen: Häftlinge wurden zu angeblichen Verhören weggebracht, in Wirklichkeit aber im Wald erschossen. Als dies bekannt wurde, konnte Kaplan Frelichowski viele durch illegale Beichte auf den Tod vorbereiten.

Den Familien wurde es erlaubt, den Gefangenen Pakete mit frischer Wäsche ins Gefängnis zu bringen. Sie durften ihre Angehörigen nicht sprechen, sahen sie aber von weitem. Wicek nutzte die Gelegenheit und rief seiner kleinen Schwester zu: „Und du, Marylka, sei Freude für die Eltern!“ Dies waren seine letzten Worte für die Familie. Danach wussten die Familienangehörigen lange seinen Aufenthaltsort nicht. Erst aus dem KZ Sachsenhausen erreichte sie wieder ein Lebenszeichen.

Im Januar 1940 wurde Frelichowski in das Durchgangslager Nowy Port, Neufahrwasser, bei Danzig gebracht. Einen Monat lang wurde er dort bei Aufräumarbeiten zur Beseitigung der Verwüstung des Krieges eingesetzt.

Auch hier betete er mit Kameraden den Rosenkranz und organisierte Abendgebete in den Zellen. Auch hier bestärkt er sie durch geheime Beichten und Seelsorgsgespräche im Festhalten an ihrem christlichen Glauben und im Vertrauen in die göttliche Vorsehung. Regelmäßig versorgte er erkrankte Kameraden.

Anfang Februar 1940 wurde Frelichowski ins KZ Stutthof gebracht. Der Transport der inhaftierten Priester bei großer Kälte war eine Qual.[86] Im Lager wurde es nicht besser. Auch in diesem Lager war die Gruppe des polnischen Klerus die am meisten unterdrückte Gruppe im Lager.[87]Hunde wurden auf die Häftlinge gehetzt und bissen sie. Die Baracken waren stark überbelegt. Häftlinge mussten auf dem Boden aufhingeworfenem Stroh schlafen. Es herrschte Hunger. Frelichowski reagierte auf diese schreckliche Situation und teilte sein Brot mit hungernden Kameraden. 

Die Gefangenen mussten sehr schwer arbeiten: Bäume fällen, Reinigen der Latrinengruben, Aushubarbeiten, Schneeräumen. Brutale Kapos misshandelten sie. Wer keine Kraft mehr hatte wurde ermordet.[88]

Der Winter 1940 brachte sehr viel Schnee. Zum Schneeräumen wurden Priester gezwungen. Diese schwere Arbeit brachte die meist älteren Priester an die Grenzen ihrer Kraft. Sie konnten einfach nicht so schnell arbeiten wie gefordert. Daraufhin wurden sie als Strafe für ihre „Faulheit“ ausgepeitscht. Sie sollten sich alle in einer Reihe aufstellen. Vor Angst ließen sie den Mut sinken. Doch Stefan Wincenty Frelichowski stellte sich freiwillig an den ersten Platz der Reihe und ließ sich schlagen, um den anderen Mut zu machen. Nach einem anderen Bericht flüsterte er den Kameraden in der Schlange Worte der Zuversicht und des Mutes zu und bemühte sich ihnen in ihrer Angst zu helfen, bevor er sich schlagen ließ, wie Augenzeugen berichteten.[89]

Wicek wurde viel geschlagen und schikaniert. Er trug alles erstaunlich geduldig und ruhig. Er wollte es als Willen Gottes für sich annehmen. Er wirkte innerlich still, ausgeglichen und strahlte Gelassenheit aus. Bei jeder Arbeit sah man ein Lächeln in seinem Gesicht. Er blieb auch in dieser Situation heiter.

Jede religiöse Betätigung im Lager war unter Todesstrafe verboten. Trotzdem war Frelichowski mutig. In dieser Situation organisierte er heimliche Morgen- und Abendgebete zu Ehren Unserer Lieben Frau von den Betrübten. Er pflegte selber erkrankte Kameraden, vor allem ältere Priester. Kranke und Jugendliche waren wieder das Hauptziel seiner geheimen Aktionen.

Doch er wollte noch weiter gehen. Er hatte einen gefährlichen Plan. In großer Heimlichkeit verhandelte er mit einer Gruppe jüdischer Gefangener, die das Lager zu Rodungsarbeiten täglich verließen. Diese konnten im geheimen für Frelichowski 2 Weizenbrötchen in einem Leinentuch ins Lager schmuggeln. Den Kameraden war aufgefallen, dass Frelichowski täglich nach den heimkehrenden Juden Ausschau hielt. Sie fragten, warum er ein Glas putzte. War er verrückt geworden? Nein, er plante, heimlich eine heilige Messe zu feiern. Messwein und sogar Hostien hatte ein anderer Priester bei seiner Verhaftung bei sich getragen und hatte diesen Schatz, wie durch ein Wunder, durch alle Kontrollen retten können. Nach einer anderen Quelle konnte Wicek sogar Hostien und Wein organisieren.[90]

Am Gründonnerstag, den 21.03.1940, organisierte Frelichowski vor dem Weckruf morgens eine heimliche heilige Messe. Während die Kameraden noch auf dem Stroh lagen, wo sie geschlafen hatten, wurde das heilige Opfer hinter einer Decke verborgen dargebracht. Nur der Zelebrant und Frelichowski als Ministrant befanden sich unter der Decke. Dort war so wenig Luft, dass Frelichowski die Decke anheben musste um dem kleinen brennenden Kerzenstummel genug Luft zum Brennen zu verschaffen. Frelichowski kam immer wieder unter der Decke hervor zu den Kameraden, um ihnen zu beschreiben, wie weit die hl. Messe fortgeschritten war. Diese Messe war für die bedrängten Geistlichen die erste seit Monaten. Alle im Block konnten kommunizieren. Das Allerheiligste versteckte er in einem Regal und ermunterte seine Kameraden zur liebevollen eucharistischen Anbetung. Später an diesem Tag brachte er Kranken die heilige Kommunion.

Wir können uns die Freude der gefangenen Priester und den Trost der Gegenwart ihres Herrn kaum vorstellen. Einer der anwesenden Geistlichen berichtete, dass einige Tagen vorher alle Priester auf dem Prügelbock geschlagen wurden. Dabei weinte keiner dieser tapferen Männer. Aber während dieser Hl. Messe weinten sie alle und keiner schämte sich seiner Tränen. Diese Messe war eine große Stärkung in diesen Tagen bis Ostern. Für einige priesterliche Kameraden war es die Wegzehrung kurz vor ihrem Tod.

Der darauffolgende Karfreitag 1940 wurde für die Geistlichen ein Tag des Grauens. Die inzwischen seliggesprochenen Priester Marian Gorecki und Bronislaw Komorowski wurden erschossen. Alle anderen Priester wurden grausam gequält. Sie mussten sich auf den Boden legen und wurden mit Füßen getreten und mit Stöcken geschlagen. Frelichowski tröstete die Priester und erinnerte sie an die Leiden Christi.[91]

Am Ostersonntag konnte nochmal eine Heilige Messe gefeiert werden. Diesmal überredeten die Kameraden Frelichowski selber zu zelebrieren. Am Gründonnerstag hatte Frelichowski zunächst bewusst einem anderen Priester den Vortritt gelassen und war selber zurückgestanden. Es war stets sein Ansinnen selbst im Hintergrund zu bleiben.

Frelichowski gelang es sogar, religiöse Bücher für die Priester zu besorgen. Diese wurden unter dem Stroh versteckt gehalten und heimlich verbreitet. Keiner wusste woher sie kamen. Frelichowski erzählte nie wo seine Quellen waren, weder von den äußeren Quellen noch von seinen inneren Kraftquellen sprach er zu den Kameraden.  Sie sagten über ihn: „Er ging nur ihm allein bekannte Wege.“ So blieb es in allen Lagern, in die er noch kommen sollte. Alle Kameraden schätzten und liebten Frelichowski.

Im Lager Stutthof gab es noch keine gestreifte Häftlingskleidung. Die Priester trugen hier weiterhin ihre Soutane, wie zum Zeitpunkt der Verhaftung. Darin waren sie jederzeit als Priester zu erkennen und Zielscheibe von Grausamkeiten. Eines Nachts kam einer der Priester, Jan Lesinski, sein Seligsprechungsverfahren läuft derzeit zusammen mit anderen insgesamt 112 polnischen Märtyrern,nicht zur Gruppe zurück. Sein Verschwinden versuchten besorgte Kameraden der Lagerleitung zu melden. Sie ernteten jedoch nur Spott und Hohn. Schließlich wurde die Leiche gefunden. Der Priester war nachts angegriffen und erschossen worden. Sein toter Leib war danach vergewaltigt worden. Die Gruppe der Geistlichen war unter Schock. In dieser Situation ergriff Frelichowski das Wort: „Betet nicht für die Gefolterten und Getöteten, sondern zu unseren Brüdern, den Märtyrern.“ Dadurch gelang es ihm, die Gedanken der priesterlichen Kameraden in eine neue Richtung zu lenken. Sie fanden den Mut, unter Gesang einen Leichenzug zu bilden und den ermordeten und geschändeten Mitbruder zur Leichenhalle zu tragen. Abends, vor dem Schlafgehen, beteten sie: „Jan Lesinski, bitte für uns!“

Frelichowski sagte oft zu seinen Kameraden: „Beten wir nicht für die Ermordeten, sondern zu unseren Brüder-Märtyrer.Brüder, betet! Betet in euren Zweifeln! Betet, obwohl es euch so scheint, als ob alles umsonst sei und sogar Gott selbst euch nicht mehr helfen würde. Betet füreinander, betet für eure Lagerbrüder, die bedroht sind durch Tod, betet immer und überall!

„Die Güte siegt, der Satan wird uns nicht knechten, wir werden durchhalten!“ So ermutigte Wicek seine Kameraden.

Der März 1940 brachte die Verlegung aus dem KZ Stutthof ins Außenlager Grenzdorf. Vom 28.3.40 – 6.4.40[92] musste eine Gruppe von 100 Priestern in Außenlager Grenzdorf, 20 km von Danzig, in einem Steinbruch und in einer Kiesgrube schuften.Nur junge Häftlinge wurden nach Grenzdorf verlegt, da die Arbeit sehr anstrengend war. In der Regel gab es keine Überlebenden dieser Strapazen. Völlig unerwartet und scheinbar grundlos wurden die Priester nach kurzer Zeit, am 06.04.1940, ins Stammlager Stutthof zurückgeschickt. Nach dem Krieg erklärten Freunde dies als ein Eingreifen Gottes. Denn so konnten die Priester weiterleben und Frelichowskis Mission unter den Gefangenen konnte weitergehen.

KZ Sachsenhausen:

Wenig später, am 9.4.1940, ging ein Transport mit Stefan Wincenty Frelichowski ins KZ Sachsenhausen ab. Am 10.4.1940 erreichte die Gruppe dieses Lager.[93] Eine größere Gruppe von einigen hundert Priestern war dort inhaftiert: Geistliche aus ganz Europa, besonders aus Polen. In völligem Vertrauen in Gott, ertrug Frelichowski das Lagerleben. Trotz der schweren körperlichen Arbeit, die auch für Priester zu leisten war, verlor er nie seinen Glauben.[94] Während der schweren Zwangsarbeit tröstete er sogar seine Mithäftlinge.

Zuerst wurde Frelichowski dem Quarantäneblock Nr. 20 zugeteilt. Dieser stand unter der Leitung eines sehr grausamen und berüchtigten Blockältesten, des Berufsverbrechers Hugo Krey. Ihm wurde nachgesagt, er habe Freude daran Kameraden zu ermorden. Besonders Priester hasste er sehr. Sobald er unter den Gefangenen einen Priester entdeckte, trachtete er danach, diesen zu töten. Frelichowski wurde von ihm im KZ Sachsenhausen geschlagen und gefoltert.

Er war Hugo Krey in Sachsenhausen folgendermaßen aufgefallen: Eines Tages forderte Krey von den Gefangenen seiner ganze Baracke, auf dem Stacheldraht der Begrenzung zu kriechen. Alle befolgten den Befehl. Eine Verweigerung hätte den Tod bedeutet. Der Grenze zu nahe zu kommen, bedeutete aber ebenfalls den Tod. Unter dem Vorwand eines Fluchtversuchs wurden alle Häftlinge durch Wachen dort erschossen. Alle krochen darauf zu. Als sie schon ganz nahe am Ende der neutrale Zone und bei dem Stacheldraht angekommen waren, fragte Krey: „Wer von euch ist ein Priester?“ Frelichowski lag vorne. Er sprang sofort mutig auf und meldete sich deutlich: „Ich bin ein katholischer Priester.“ Darauf Krey: „Also, segne diese, weil sie alle auf diesem Stacheldraht gleich sterben werden.“ Ein Zeuge beschreibt die folgende Szene: „Man musste in dieser Sekunde Wicek ansehen: es existierten für ihn kein Lager, kein Blockältester, kein Maschinengewehr und kein Stacheldraht, sondern nur die Freunde und Leidensgefährten, die im Dreck da lagen und denen der Segen Gottes durch die Hände eines Priesters in diese Minute neue Kraft eingießen konnte. Als er mit dem feierlichen Segen fertig war, antwortete Krey: „Amen“ und begann, ihn so unmenschlich zu schlagen und zu treten, dass er wie ein Toter da lag. Aber Wicek war froh, dass Gott ihn als Sein Werkzeug in diese Minute benutzt hatte. Seit diesem Ereignis ließ Krey ihn nicht mehr in Ruhe. Äußeres Zeichen dafür wurde die Frisur. Alle Häftlinge hatten kahlgeschorene Köpfe. Krey ließ Frelichowski beim vorgeschriebenen Rasieren der Kopfhaare aus Spott einige Haare in der Mitte des Kopfes stehen, dort wo früher eine Tonsur herausgeschnitten wurde. Dadurch fiel er unter den anderen Kameraden sofort auf, was große Gefahr bedeutete. Frelichowski musste mit dieser entstellenden Spottfrisur lange Zeit im Lager leben. Er tat das mit solcher Würde, dass Krey schließlich aufgab und Frelichowski wieder den Kopf so rasieren ließ wie allen anderen Häftlingen.

Um ihn an seiner Seelsorge und dem guten Einfluss auf seine Kameraden zu hindern, organisierte Krey daraufhin Frelichowskis Versetzung zu den Leichenträgern. Er sollte nur noch Toten begegnen können. Doch Gottes Vorsehung hatte andere Pläne. Auch in der Totenhalle waren einige noch am Leben und die Sterbenden waren glücklich über die Begegnung mit einem Priester. Frelichowski, der schon als Kaplan eine besondere Liebe für Sterbende gehabt hatte, begleitete sie auf dem Weg in die Ewigkeit.[95]

So hielt er es immer. Immer versuchte er, aus der schlimmsten Situation, die auf den ersten Blick als Werk des Teufels erschien, etwas Gutes zu machen und Gottes Werk zu tun.

Nach einiger Zeit gewann Frelichowski sogar das Wohlwollen des grausamen Blockältesten durch seine Freundlichkeit und durch Gebet. Er war der einzige im Block 20, der nun nicht mehr misshandelt wurde. Hugo Krey wurde schließlich von der SS verhaftet und in den Bunker verschleppt, wo diese ihn schließlich erhängte. Danach wurde die Situation für alle leichter und Wicek konnte jetzt an weitere pastorale Tätigkeit denken. Er organisierte religiöse Vorträge, Gespräche und begeisternde und ermutigende Liturgien wurden organisiert.[96]

Im KZ Sachsenhausen herrschte eine deprimierende Stimmung. Frelichowski  ermutigte und half, wo er nur konnte, wie immer mit einem Lächeln und Freude.[97] Er führte weiter diskret seinen apostolischer Dienst an Kranken, Schwachen, Älteren und Jugendlichen fort, sprach Worte des Trostes und der Hoffnung. Er half auch Kameraden in anderen Blocks. Sein Eifer als Seelsorger blühte auch hier. Obwohl  jede religiöse Betätigung unter Todesstrafe verboten war, stärkte er seine Kameraden durch Gebet, mit dem Sakrament der Beichte und der Heiligen Kommunion. Im Geheimen leitete er Gebete um den Glauben der Kameraden zu stärken.

In Sachsenhausen lebten die Priester abgesondert in einem Quarantänelager, dem  sogenanntem Kleinem Lager. Nur zum Kesseltragen kamen sie ins sog. Große Lager. Dabei mussten sie schwere Metallkübel mit den Mahlzeiten aus der Küche zu den Baracken des Kleinen Lagers tragen und anschließend leer wieder zurück. Diese Gelegenheit nutzte Frelichowski geschickt aus, um den gefangenen Kameraden des Großen Lagers den Empfang des Sakramentes der Beichte zu ermöglichen. Da jeder Kessel von zwei Personen getragen werden musste, wurde geschickt eingeteilt, dass diese von je einem Priester und einem Häftling, der beichten wollte, getragen wurden. Auf dem Weg zurück zur Küche mit den leeren Kesseln, konnten Priester den mittragenden Laien die Beichte spenden. Und so konnten viele Menschen, die kurz danach auf Transporte ins Unbekannte gingen, auf ihren Tod vorbereitet werden.

Im Herbst 1939 war auch Wiceks älterer Bruder Leszek verhaftet worden, wegen Zugehörigkeit zu einer Wehrsportgruppe. Er war in Bydgoszcz und Torun inhaftiert und dort schwer misshandelt worden. Den Eltern gelang es, seine Befreiung zu erwirken. Leszek starb jedoch am 11.5.1940, wenige Tage nach seiner Entlassung, an den Folgen der Misshandlungen und an einer Lungenentzündung.[98] Wicek selber erfuhr diese schreckliche Nachricht durch einen Brief von zuhause erst Monate später.[99] Die Familie hatte so von ihren 3 Söhnen schon zwei verloren und Wicek war in Deutschland im Konzentrationslager gefangen.

KZ Dachau, das  Internierungslager für alle Geistlichen aus dem ganzen Reich einschließlich aller eroberten Länder, also nahezu aus ganz Europa.

In Verhandlungen der deutschen Bischofskonferenz und des Heiligen Stuhls, vertreten durch den Nuntius, mit Berlin, war im Jahr 1940 die Entscheidung getroffen worden, alle Geistlichen in einem Lager zusammenzuführen. Dort sollten sie von Arbeit befreit sein und täglich Messe feiern dürfen. Die Umsetzung zog sich allerdings bis Ende 1940 hin.

Als Frelichowski am 14.12.1940 mit einer größeren Gruppe polnischer Priester im KZ Dachau ankam, begann für die Geistlichen dort eine besondere Zeit. Anfang des Jahres 1941 wurden die Geistlichen von den anderen Häftlingen abgetrennt und bekamen eine Lagerkapelle und die Möglichkeit, Messe zu feiern.

Liturgie: Frelichowski bereitete es auch im Lager große Freude, die Liturgie zu gestalten. Treu und gewissenhaft erfüllte Wicek seinen Dienst. Als Ministrant oder Zeremoniar diente er am Altar. Nur der polnische Lager-Kaplan Prabucki durfte zelebrieren, weil er im ersten Weltkrieg als Artillerieoffizier der deutschen Armee sich Verdienste erworben und Auszeichnungen, Verdienstkreuze, bekommen hatte. Für Prabucki läuft derzeit auch ein Seligsprechungsverfahren. In der Gruppe der 112 polnischen Märtyrer ist er enthalten. 

In dieser Zeit sollten die Geistlichen keine Zwangsarbeit leisten und besseres Essen erhalten als die anderen Häftlinge. Dies verstärkte die Kluft zwischen den Geistlichen und den neidischen anderen Gefangenen, ganz wie von der Lagerleitung beabsichtigt. In dieser Zeit wurden die Geistlichen aber zum Schneeräumen und Schleppen der Essenskessel gezwungen, verspottet, misshandelt und auf vielfältige Weise gequält.

Schon im September 1941 wurden die „Privilegien“ für die polnischen Geistlichen (ab Frühling 1942 für alle Geistlichen) abgeschafft. Alle polnischen Geistlichen wurden vor die Entscheidung gestellt, auf ihre polnische Staatsangehörigkeit zu verzichten. Dazu konnten sie sich in die sogenannte „Volksdeutsche Liste“ eintragen lassen. Es wurde ihnen dafür die Freiheit versprochen, wenigstens aber die Privilegien der deutschen Priester, wie die Möglichkeit in der Kapelle Messe zu feiern. Wie alle anderen polnischen Priester, sogar die, welche wirklich deutscher Abstammung gewesen waren, entschied sich Frelichowski dagegen und erduldete weiterhin das grausame KZ und die Wut der Lagerleitung. Diese behandelte die polnischen Priester nach dieser Weigerung wütend und wie angedroht mit grausamen Repressalien[100], „wie gewöhnliche Verbrecher“. Frelichowski wurde in Dachau von den Wachen physisch und psychisch misshandelt und verspottet.[101]

Frelichowski bekämpfte Konflikte, die zwischen einzelnen Parteien unter den polnischen Priestern entstanden waren.[102] Ein Konfliktpunkt war die Gestaltung des Abends. Todmüde lagen die Geistlichen auf den Strohsäcken, froh wieder einen Tag überlebt zu haben. Einige wollten noch reden, andere beten und schlafen. Frelichowski setzte sich dafür ein, nach dem Abendgebet das Stillschweigen (in Klöstern wird nachts geschwiegen) zu halten. Er konnte nicht alle überzeugen.

Einige Kameraden verspotteten ihn und seinen Seelsorgeeifer. Er ertrug Sticheleien und Hänseleien mit Würde und innerem Frieden. Nicht alle verstanden ihn. Er wurde als „komischer Heiliger“ ausgelacht. Aber auch diese Spötter weinten später bei seinem Tod.

Ab Herbst 1941 war den polnischen Geistlichen das Betreten der Lagerkapelle nicht mehr gestattet. Nur noch deutsche Geistliche durften dort beten und Messe feiern. Erst gegen Ende des Krieges wurde dieses Verbot gelockert und alle Nationen durften in die Kapelle kommen. Für polnische Geistliche zog schon der Besitz eines Messbuches, Rosenkranzes oder einer Medaille schwerste Strafen nach sich. Seelsorge war grundsätzlich bei Lebensgefahr verboten.

Seelsorger:

Frelichowski war auch im Lager mit ganzem Herzen Seelsorger. Er ließ sich von den strengen Verboten nicht entmutigen oder gar abhalten. Er begann heimlich wieder seine intensiven pastoralen Aktivitäten.[103] Schon zu Beginn der Gefangenschaft verstand er seine Berufung als Priester neu. Er wollte jetzt für die Mitgefangenen da sein. Trotz extremer Lebensbedingungen im Lager führte er seinen seelsorgerlichen Dienst weiter. Er gönnte sich keine Pause. Er war überall und half, wo er konnte. Ständig war er unterwegs: in den Erholungspausen, abends, nachts. Trotz strenger Verbote schlich er sich auf andere Blocks, um Kameraden zu helfen. Dies entsprach seiner Vorstellung vom Priestersein. Er half allen, die Hoffnung nicht zu verlieren. Er hörte so oft wie möglich Beichte und zelebrierte heimlich im Block der polnischen Priester, aber auch auf den Blocks polnischer Laien die hl. Messe. Besonders für Jugendliche war er ein geistlicher Lehrer.[104] Überlebende Kameraden berichteten, dass es genügte ihn zu treffen, ihm einfach in seine Augen zu blicken, um im KZ Kraft zum Überleben zu finden. Andere Häftlinge hatten mehrheitlich leere und trostlose Augen voll Verzweiflung, Tod, Schmerz und Resignation. In Wiceks Augen war Sinn und Frieden. Ein Kamerad berichtet, Frelichowski war die einzige Stütze, an der man sich festhalten und aufrichten konnte. Hunderte, tausende Menschen haben ihm das Leben zu verdanken.

Im Konzentrationslager Dachau schrieb Wicek ein Gedicht mit dem Titel „Ich bin froh, o Herr!“[105] Das zeigt: auch in der scheinbar gottlosen Hölle konnte er seine Freude und seinen Glauben bewahren und darin anderen ein Vorbild sein. Auch Menschen mit Glaubenszweifeln konnten sich seiner Liebe und Zuwendung sicher sein. Er kümmerte sich auch um Menschen, die sich weit weg von Gott fühlten und half ihnen, wieder einen neuen Zugang zum Glauben zu finden.

Er betete viel mit den Kameraden, sowohl Geistlichen als auch Laien. Abends sprach er in der Schlafstube das Abendgebet. Es wird berichtet, dass seine Worte den anderen Geistlichen viel Trost gaben. Oft waren Verzweiflung und Selbstmordgedanken danach verschwunden. Viele Gefangene spielten mit dem Gedanken, voll Verzweiflung in den elektrischen Zaun zu laufen, um ihr Leben und damit den Leidensweg zu beenden.

„Es genügt ihm einmal in die Augen zu schauen und die Todesgedanken waren dahin.“ „In seinen Augen konnten die Kameraden Ruhe, Freude und Gottes Gegenwart sehen.“ Kardinal Adam Kozlowiecki, ebenfalls im KZ Dachau interniert, erinnerte sich: „Frelichowski war immer gelassen. In seiner Ruhe spürten wir: hier ist Gott gegenwärtig, der gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Diese Beobachtung ist umso erstaunlicher, als Kozlowiecki mit Frelichowski selber im Lager nie gesprochen hat. Er gehörte nicht zu dessen Freundeskreis.  

Frelichowski schien den Kameraden wie eine Säule im Feld, an der man sich stützen konnte. Er wollte so viele Leben wie nur möglich retten. Dabei war er aber immer nur der Initiator seiner Aktionen. Andere standen später an der Spitze seiner Werke. Er selbst trat zurück in den Hintergrund.

Spiritualität: Woher hatte dieser Mann so viel Kraft? Frelichowski lebte aus der Kraft der Eucharistie.

In ihm war ein sehr großes Vertrauen in Gottes gute Vorsehung. Seinen Willen wollte er erfüllen. Danach wollte er streben. In der ersten Zeit der Gefangenschaft bat er die Familie, alles nur Mögliche für seine Freilassung zu unternehmen. Schließlich konnte er sogar seine Haft als Gottes Willen akzeptieren und wollte keine Bemühungen um Freilassung mehr. Er ermunterte auch andere zu Vertrauen und zum Glauben an die göttliche Vorsehung.

Eine weitere Basis seiner Spiritualität war die Liebe zur Gottesmutter Maria. Schon als Schüler war er Mitglied der Marianischen Kongregation geworden. Zusammen mit dem Pfadfindersein prägte ihn die intensive Beziehung zu Maria, die er dort gelernt hatte. Er besuchte im Lager Dachau auch Vorträge von P. Kentenich, dem Gründer der Schönstattbewegung. Auch er war marianisch geprägt, und Frelichowski hörte ihm gerne über die dreimal wunderbare Mutter sprechen.

Gebet: Im Priesterblock betete Wicek täglich den Kameraden vor und lehrte sie, dass beten nicht bedeutet, auswendig gelernte Gebete auf zu sagen, sondern eine echte Beziehung zu Gott zu führen. Oft kniete er konzentriert unter den Gefangenen und betete. Seine intensive Beziehung zu Gott wurde zum Vorbild und Zeugnis. Die Menschen folgten seinem ansteckenden Beispiel.[106] Gemeinsame Gebete waren im Lager außerhalb der Kapelle streng verboten. Deshalb konnten die Gefangenen nur  leise beten. Frelichowski verstand das Gebet als Kraftquelle, um aus dem Teufelskreis des Hasses und des Bösen auszusteigen. Das lehrte er auch seine Freunde und Schüler. Auch Gebet für verstorbene Kameraden und Kranke war ihm wichtig.

Kranke: Schon recht früh verschaffte er sich Zugang zum Krankenrevier durch Vermittlung eines polnischen Arztes, der ihm erlaubte, einen TBC-Kranken zu besuchen.[107] Dort konnte er heimlich Kranke seelsorglich betreuen. Sein Engagement zum heimlichen Beichte hören, Spenden der Hl. Kommunion, Besuch der Kranken und deren Begleitung im Sterben war sehr groß und bewundernswert. Viele hat Frelichowski auf den Tod vorbereitet.

Auch konkret wollte Frelichowski helfen. Er stahl sich ins Revier, um erkrankten Kameraden helfen zu können, wusch Kranke und gab Hungernden zu essen.[108]

Zur Zwangsarbeit war Wicek zuerst, wie alle Geistlichen, in der Plantage eingeteilt. Ab 1942 konnte er ein weniger anstrengendes Kommando mit einer Arbeit unter Dach finden. Dort musste er etwas in Papiertüten verpacken. Nach seiner Erkrankung mit Aufenthalt im Revier konnte er in dieses Kommando zurückkehren. (Den Schonungsschein aus dem Revier, der ihn ähnlich wie eine Krankschreibung noch einige Zeit vor schwerer körperlicher Arbeit schützen sollte, gab er an einen anderen Geistlichen weiter, der so nicht mehr zur Arbeit in die Plantage ausrücken musste. Frelichowski hatte ihm damit das Leben gerettet.) Gegen Kriegsende war sein Arbeitsplatz im Luftschutzkeller beim Präparieren von Anzünderkohlen. 

Jede Arbeitsstelle nutzte Frelichowski um dort mit den Kameraden über den Glauben zu sprechen, sie aufzubauen und zu trösten.

Wie in den bisherigen Lagern scheute er auch in Dachau kein Risiko, um seine Kameraden aufzurichten und ihren Glauben zu stärken. Als Priester tat er alles, um die Sakramente spenden zu können.

Frelichowski war die Eucharistie besonders wichtig. Aus dieser Quelle schöpfte er seine scheinbar unerschöpflichen Kräfte. Deshalb wollte er möglichst vielen Kameraden die Teilnahme an heimlichen Hl. Messen ermöglichen und die Kommunion austeilen, besonders Kranken und Sterbenden. Dafür ging er jedes Risiko ein. Er organisierte gemeinsame Gebete, heilige Messen, teilte täglich Kommunion aus (die Partikel waren so klein wie ein Weizenkorn, um für möglichst viele zu reichen) und half ein geistliches Leben zu führen. Schon 1 Monat vor Eröffnung der Kapelle hatte er sich das Allerheiligste besorgen können, um es Sterbenden im Lager zu reichen.[109]

Schon früh war es ihm gelungen illegal in die Kapelle auf Block 26 zu gelangen. Dies war ab September 1941 nur noch deutschen Geistlichen erlaubt und wurde aus Angst auch streng kontrolliert. Offensichtlich hatte er auch hier bei den deutschen Geistlichen Freunde, die ihm heimlich halfen. So hatte er auch die Möglichkeit, an Hostien zu gelangen, um diese an sterbende polnische Priesterkameraden zu verteilen. Er konnte aber auch andere polnische Priester zur Messe in die Kapelle hineinschmuggeln.

Um noch mehr Kameraden die Teilnahme an der Eucharistie zu ermöglichen, organisierte er und feierte auch selber heimlich die Hl. Messe auf den polnischen Wohnblocks der Priester und sogar auf den Wohnblocks polnischer Laien. Wenn er keine Hostien und Wein organisieren konnte, waren es „trockene“ Messen, nur bestehend aus den Meßtexten und Gebeten, um sich geistlich mit dem Herrn zu vereinen. Oft waren seine Bemühungen beim Organisieren aber auch erfolgreich. Hostien und Wein hatte er sich versteckt und getarnt in Paketen von zuhause schicken lassen[110] oder von den deutschen Geistlichen bekommen. Teilweise verwendete er auch Brotkrümel als Hostien.[111]

Hinter dem Ofen versteckt oder auf den Blocks der polnischen Laien zwischen den Betten versteckt, sitzend oder liegend, feierte er heimlich die heilige Messe. Er hatte dabei andere polnische Priester mitgebracht, um ihren Glauben und ihre Berufung zu stärken durch das Erlebnis der heimlichen Messen und die Erfahrung des großen geistlichen Hungers der Kameraden. So konnte er anderen Priester, wenn auch unter Lebensgefahr zeigen, wie sehr Priester gebraucht wurden. Nach dem Gottesdienst wagte er sogar, das Allerheiligstes in einem Schrank aufzubewahren.[112]

Er gewann Helfer für das Verteilen der Eucharistie, der unendliche Liebe Christi.[113] Beim Austeilen der Kommunion waren seine Beichtkinder und befreundete Seminaristen behilflich.

Beichte: Frelichowski stand seinen Kameraden heimlich sehr oft zur Verfügung, um ihnen das Sakrament der Beichte zu spenden. Er ging zu Kranken und traf Kameraden auf der Lagerstrasse oder in ihren Wohnblocks. Heimlich hörte er sogar auf dem Weg zur Arbeit Beichte.[114]

Um auch mit den französischen Kriegsgefangenen sprechen, ihnen helfen und Beichte hören zu können, bat er die Mutter in der Heimat, ihm eine französische Grammatik zu schicken. Er wollte sogar noch im Lager sein Französisch verbessern.  Außer Polnisch und Latein sprach Frelichowski  Deutsch und Französisch.

Oktober 1941: Ein Transport kam aus der Erzdiözese Poznan mit einer Gruppe älterer Priester an. Ängstlich, depressiv, eingeschüchtert und mit wenig Selbstvertrauen hatten sie Probleme, sich im Lager zurecht zu finden. Frelichowski ging in ihren Block, kniete sich abends mit ihnen auf den Boden und betete. So gestärkt konnten sie die Angst vor dem Lager überwinden. Er gab auch praktische Tips über das Lagerleben und unterstütze diese Männer auch nach Kräften konkret, z. B. beim „Bettenbau“.[115]

Das Jahr 1942 war das Jahr des Hungers für die Priester im KZ Dachau. Viele Geistliche verfielen körperlich und seelisch rasch. In der Lagersprache nannte man diese Häftlinge „Muselmänner“. Frelichowski kam nie in dieses gefährliche Stadium, obwohl auch er sehr abmagerte und schließlich nur noch 57 kg wog. Nur noch aus Haut und Knochen bestehend, hatte er trotzdem die Kraft, von seinem wenigen Essen noch an Kameraden abzugeben, die noch mehr hungerten als er. Hungernde hatten sehr gegen die Versuchung zu kämpfen, anderen Kameraden Brot zu stehlen. Dies kam sogar unter den Geistlichen vor. Brotdiebstahl wurde sofort mit dem Tode bestraft, oft schon vor einer offiziellen Meldung durch Lynchjustiz von Kameraden. Wir Satten unserer Tage sollten uns jeder Verurteilung enthalten, wenn wir solche Berichte hören. Keiner von uns kann nachvollziehen, wie es sich anfühlt zu verhungern.

Aus der Zeit im KZ Dachau wird folgende Begebenheit berichtet: Es hatte sich ein Brotdiebstahl ereignet (in Block 28 Stube 4, bei den älteren polnischen Priestern). Der Stubenälteste forderte den Dieb auf sich zu melden. Als das nicht geschah (weil es das Todesurteil desjenigen gewesen wäre), drohte der Älteste der ganzen Stube Strafexerzieren an, bis der Dieb sich melden würde. Diese „Gymnastikübungen“ hätten für viele der älteren polnischen Geistlichen aber ebenfalls den Tod bedeutet. Um das zu verhindern, meldete Frelichowski, der zufällig als Besucher anwesend war, sich an Stelle des Schuldigen. Der Stubenälteste glaubte ihm jedoch nicht. Jedem anderen hätte er diese Tat geglaubt, aber nicht Wicek. Aber tief beeindruckt von diesem Mut und dieser Selbstlosigkeit, erließ er allen das Strafexerzieren. Frelichowski hatte wieder viele Leben seiner Kameraden gerettet. Auch bei anderen Gelegenheiten nahm er die Schuld anderer auf sich und wurde an ihrer Statt zur Strafe geschlagen.

Revier: Im Frühling 1942 wurde Frelichowski selber krank. Vom  März bis Juli 1942 war er im Krankenrevier, wo er vorher heimlich Kameraden geholfen hatte. Es war wie ein Wunder, dass er als polnischer Priester dort aufgenommen wurde. Ihnen war 1942 der Zugang zum Revier verwehrt. Sicher halfen Wicek seine guten Beziehungen zum Pflegepersonal im Revier, die ihm bisher den Besuch bei Kranken ermöglicht hatten. So war Frelichowski vor den Grausamkeiten des Jahres 1942, das viele Geistliche nicht überlebten, bewahrt. Besonders grausam waren die Schikanen der Karwoche 1942 für die polnischen Geistlichen, die viele sehr schwächten und das Leben kosteten. Aber sogar diese Zeit seiner Krankheit im Revier nützte er, um anderen Kranken dort zu helfen

Frelichowski musste sich einer Operation unterziehen: eine Eitergeschwulst wurde aus seiner Brust herausoperiert. Da die Wunde nur sehr langsam verheilte, musste er lange auf der Krankenstation bleiben und war dadurch geschützt. Normalerweise bedeutete ein Aufenthalt im Revier, der länger als 4 Wochen dauerte, einen Eintrag auf die Liste eines Invalidentransportes und damit den sicheren Tod. Wie ein Wunder konnten ihn die Kameraden davor bewahren. 

Schließlich wurde Wicek wieder gesund und konnte noch einige Zeit im Revier als Stubendienst bleiben. Auch das war zu dieser Zeit für polnische Priester eigentlich völlig unmöglich. Er konnte sich dort nun auch offiziell frei bewegen und seelsorgerlich arbeiten. Er half allen Kranken, unabhängig von Nationalität und Glaube als Pfleger und Seelsorger. Aber auch für die anderen Pfleger, junge Gefangene, war er in besonderer Weise da.

Selber war Frelichowski oft krank und wiederholt als Patient im Revier. Es war wie ein zweites Zuhause für Ihn. Unter den Kranken erfüllte er seine hauptsächliche Mission. Er stand Sterbenden bei. Alle liebten ihn im Revier, Patienten und Pfleger. Wenn Frelichowski wieder entlassen wurde, vermissten ihn die Freunde im Revier sehr. Deshalb besuchte er sie und die Kranken dort täglich. Eintritt verschaffte er sich heimlich durch die Pforte der Totenkammer, durch die ein Freund ihn einließ. Von dort gelangte er durch die Verbindungsgänge in alle Bereiche des Reviers und konnte dort als Apostel der Kranken wirken.

Jugendseelsorger: Wie vor der Gefangennahme kümmerte sich Wicek auch im Lager besonders um Jugendliche. Im Lager waren Jugendliche besonders gefährdet und in der Unschuld ihrer Jugend bedroht und besonderer Perversion ausgeliefert. Einige waren so traumatisiert, dass sie niemandem mehr vertrauen konnten. Auch prominente Mithäftlinge nutzten ihren Hunger und ihre Schutzlosigkeit schamlos aus. Es gab niemand, der ihnen Autorität und Halt hätte geben können. Nur auf Wicek hörten sie. Die anderen Erwachsenen verachteten sie. Frelichowski gelang es mit kleinen Gesten, ihr Vertrauen zu gewinnen. Er wurde ihnen zum echten Freund. So konnte er sie ermutigen und wurde ihr geistlicher Führer. Er war immer heiter, so dass er andere nachhaltig aufmunterte. Er war ein lieber Freund für junge Menschen im Revier, schützte sie und unterstützte sie im schwierigen Lagerleben. Wicek war locker und lustig. Er unterhielt sich mit ihnen auch ganz natürlich und fröhlich über Alltägliches, so dass sie nicht abwehrten, als er das Gespräch auf geistliche Dinge und die Seele lenkte. „Viele von ihnen erinnerten sich noch nach Jahren, dass er ein wahrer Freund für sie war. Er konnte ihnen mit großer Begeisterung über Gott und Religion erzählen.“[116]  Viele dieser Jugendlichen arbeiteten im Revier. Sie verschafften ihm Einlass in alle Bereiche des Reviers. Sogar auf die Quarantänestationen konnte er so gelangen, um die Sakramente Beichte und Kommunion zu spenden.

Er traf sich mit den Jugendlichen in der Pathologie, die sie für ihn heimlich öffneten, und sie hörten ihm zu.[117] Aber auch bei Spaziergängen auf der Lagerstraße oder hinter den letzten Baracken, Nr. 30,  hörten sie auf seinen Rat. Dort organisierte Frelichowski für die Jugendlichen auch Mathematikunterricht durch einen Mitbruder. Dafür erbat er sich von zuhause die Mathematiklehrbücher seiner Schwester. Interessant ist, dass er mehrmals beharrlich in seinen Briefen um diese Mathematiklehrbücher bat, bis er sie endlich in einem Paket erhielt, wofür er in einem anderen Brief dankte.

Konkrete Hilfe: Frelichowski war nicht nur um das Seelenheil seiner Kameraden besorgt. Er erkannte in bedürftigen Mitgefangenen den leidenden Christus. Ihm zu dienen war er jederzeit bereit. In der größten Hungerszeit zögerte er nicht, Mithäftlingen sein weniges Brot zu schenken und selber zu hungern.

Er half auch bei konkreten Nöten, wo er nur konnte. Er half mit Lebensmitteln und Medikamenten. Vieles wusste er zu besorgen. Er konnte sogar eine neue Brille organisieren. Er half auch praktisch.

Je schwieriger die Situation war, desto aktiver war Wicek. Er half wiederholt Kameraden in gefährlichen Situationen und rettete sie.

Ihm half ab Herbst 1942 die Möglichkeit, Pakete von zuhause empfangen zu können. Wie bei den deutschen bekamen auch viele polnische Geistliche zahlreiche Pakete von Familienangehörigen, Freunden und ihren Heimatpfarreien. Deswegen verbreiteten die SS-Wachen Gerüchte, dass bei den „bösen“ Geistlichen Lebensmittel verdarben, während nebenan Kameraden verhungerten. Sie fanden aber in ihren Spinden keine Lebensmittelvorräte. Alles war verschenkt worden.

In seinen Briefen an die Familie daheim bat Frelichowski um Pakete mit Medikamenten, Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen… Genau zählte er das Notwendige auf, aber die empfangenen Geschenke waren alle für seine Kameraden bestimmt.

Er bat die Familie sogar, Geld an deutsche Mitgefangene zu schicken. Dafür übermittelte er ihnen Namen, Geburtsdaten und Blockadressen von Kameraden. Da das unter Todesstrafe verboten war, verwendete er unterschiedliche Chiffren, die seine Mutter zu entziffern wusste. Durch seine Post gelangten viele Namen Mitgefangener und Verstorbener aus dem Lager. Die Mutter bat er, Reisen zu unternehmen, um alle Botschaften den betroffenen Angehörigen auszurichten. Auf seine Familie konnte Wicek sich verlassen. Er vertraute sehr auf ihre Hilfe. Nach Gott war seine Familie die wichtigste Kraftquelle für ihn.

Um die Hilfe besser organisieren zu können, wurde auf Wiceks Initiative hin auf Block 28, dem Block der polnischen Geistlichen, eine Caritasorganisation gegründet. Dieses Werk war sein „Lieblingskind“. Die Leitung jedoch lag immer in den Händen eines anderen Priesters. So eine Organisation unter den Häftlingen, auch zur gegenseitigen Hilfe, war streng verboten. Den Vorsitz führten 4 Priester, aus jeder Stube des Blockes 28 einer. Sie trafen sich wöchentlich auf der Stube Frelichowskis zur Arbeitsbesprechung. Dabei wurden bewusst keine Schriftstücke oder schriftlichen Notizen gemacht, um keine Spuren zu hinterlassen. Es wurden die Namen Bedürftiger aus den polnischen Blocks 16 und 18 gesammelt. Wer bekam keine Pakete von zuhause? Auch russischen und italienischen Kameraden wurde geholfen, die keine Pakete erhielten. Er konnte dafür viele Helfer motivieren. Besonders Jugendliche begeisterte er. Niemand wusste, wie er all das tun konnte. Inhalt der Pakete, Lebensmittel und Medikamente wurden geteilt, verteilt an Kameraden, die keine Pakete bekamen. So rettete er Leben und Glauben an die Menschlichkeit und Glauben an Christus und die Kraft des Evangeliums. Auch eigene Pakete verschenkte er völlig.[118]Das für die polnischen Priester bestimmte Lageressen verschenkten sie ebenfalls, da sie vom Inhalt ihrer Pakete leben konnten. So wurden ganze Kessel mit Suppe und große Mengen Brot an andere Blöcke und an das Krankenrevier verschenkt. Dies geschah übrigens genauso im Block der deutschen Priester, Nr. 26. 

Verhältnis zu Kameraden: Wicek hatte im Lager viele sehr gute Freunde, die bereit waren, ihm zu helfen und ihn zu unterstützen. Viele riskierten dafür sehr viel.

Frelichowskis Autorität wurde von allen anerkannt. Laien und Geistliche folgten seiner Führung.[119] Wie ein Bischof wurde er geachtet, obwohl er viel jünger war als die meisten anderen Geistlichen. Er hatte selber nicht einmal 3 Jahre Erfahrungen als Priester in Freiheit. Im Lager führte er viele erfahrenere Geistliche. Er wurde als geistiger Leiter der Priester und Laien anerkannt. Er tat alles, um die Hoffnung der Mithäftlinge zu nähren. Die Mithäftlinge erkannten in ihm einen Priester, der seiner Berufung treu geblieben war, das gab Hoffnung.[120] Aber nicht nur bei den Geistlichen war sein Einfluss groß. Mit den schlimmsten Mördern konnte er sprechen. Er wusste mit ihnen umzugehen.

Frelichowski war als geistliche Führungsgestalt im Lager tätig. Er war dabei der „Ideengeber“, gab den Anstoß und organisierte, zog sich danach aber zurück und übernahm selber nie den Vorstand einer Organisation. Ihm war es sehr wichtig, demütig zu bleiben und selber nicht mit Mittelpunkt zu stehen. Schon im Priesterseminar hatte er sich dafür entschieden, demütig und im Hintergrund zu bleiben. Im KZ Dachau gründete Frelichowski 3 Organisationen: die polnische Caritas, das polnische Priesterseminar und die Legion Christi.

Legion Christi, auch heiliger Bund oder Verschwörung genannt, gründete sich 1943 heimlich aus einer Gruppe von jungen Priestern und Seminaristen aus dem Kreis Frelichowskis Schüler. „Frelichowski traf sich auch mit den Seminaristen um ihnen die Kraft einzuflößen, damit sie in ihrer Berufung ausharren. Gemeinsam mit ihnen hat er den Plan der sog. Legion Christi erarbeitet.“[121]

Zu den Zielen dieser Gruppe gehörte die Arbeit an sich selber, um sogar in der schwierigen Situation des Lagers gute und heilige Priester sein zu können. Dies sahen sie als Vorbereitung auf das priesterliche Leben und auf das seelsorgliche Engagement nach dem Krieg.

1944 gab sich die Gruppe Statuten. Darin legten sie fest, was sie am lebendigen Vorbild Frelichowski ablesen konnten. Er war ihr Vorbild, ihn bewunderten diese jungen Geistlichen. Frelichowski wollte heilige Priester heranbilden. Sie sollten die christliche Idee in die Gesellschaft tragen und das Reich Gottes durch die Medien verbreiten.

Diese Statuten waren geprägt von der besonderen Situation der Geistlichen im Lager. Wie befürchtet zerstreute sich die Gruppe nach der Befreiung im April 1945. Der Ziel der Gruppe, die Charakterschulung der Seminaristen und jungen Priester im Lager, war erfüllt worden und prägte die Männer ein Leben lang.

Bischof Majdanski, damals ein junger Geistlicher in dieser Gruppe, erzählt: „Eine Gruppe junger Leute schließt  einen „heiligen Bund“, eine geistige Gemeinschaft all jener, die dazu gehören wollen. Der Kern dieser Gemeinschaft ist eine Gruppe von Jesuiten-Klerikern, besonders Kazimierz Chudy und Julian Plawecki. Die Seele des Ganzen ist Pater Wincenty Frelichowski, der von Pater Boleslaw Burian, dem späteren Spiritual des polnischen Priesterseminars in Paris, unterstützt wird. Der „heilige Bund“ hat vor allem zwei Prinzipien: 1. aus Liebe zu Gott jeden Augenblick und alles, was geschieht und was man selber tut, so intensiv wie nur möglich zu leben, 2. sich jeden Abend um 21 Uhr geistig mit der ganzen Gemeinschaft zum Gebet vor der Gottesmutter zu vereinen.“[122]

Abends um 21.00 Uhr ist in Polen ein besonderer Zeitpunkt. Zum  „Appell von Tschenstochau“ treffen sich alle Katholiken Polens geistig vor dem Gnadenbild in Tschenstochau zum Gebet bei der Mutter der Nation. Um 21.00 Uhr wird in diesem Wallfahrtsort das letzte Gebet der Pilger gefeiert. Daran beteiligten sich auch die Mitglieder der Legion Christi im KZ Dachau.

„In dieser „Maschine des Todes“ waren die Priester zum Opfer des Lebens gerufen, treu zu sein bis zum Tod. P. Stefan Frelichowski hat zusammen mit P. Boleslaw Burian eine Art von Gemeinschaft gegründet, deren Mitglieder sich zur Aufgabe machten, alle Demütigungen und Leiden im Lager auf eine dem Geist des Evangeliums entsprechende Weise zu ertragen, und alles jeden Abend um 21 Uhr Maria zu übergeben. …“[123]

Am 05.03.1944 weihten sich die Mitglieder der Gruppe dem heiligsten Herzen Jesu.

Frelichowski gründete auch ein geheimes polnisches Priesterseminar auf Block 28. Um die Berufung der anwesenden polnischen Seminaristen zu stärken und dafür zu sorgen, dass die Berufung im Lager nicht verloren ging. Die jungen Männer sollten die Jahre in der Lagerhaft nicht ungenützt verlieren. Unter den gefangenen Priestern befanden sich zahlreiche Professoren aus Priesterseminaren. Diese unterrichteten 53 Studenten in Theologie und später gab es auch einen Philosophiekurs für 17 Studenten. Zu den Unterrichtsstunden in diesem Priesterseminar trafen sich die Teilnehmer täglich nach dem Abendappell. Frelichowski organisierte deshalb im KZ geheime Zusammenkünfte,[124] Vorträge, religiöse Diskussionen, Gottesdienste und gemeinsames Gebet.

Ende 1944 brach im KZ Dachau Flecktyphus aus. Es war kaum Hilfe für die Kranken von Seiten der Lagerleitung zu erwarten. Sie sperrten die Kranken in abgeriegelte Quarantäne-Baracken, mit Stacheldraht umgeben, um sie dort völlig auf sich allein gestellt und unversorgt sterben zu lassen. Niemand durfte dorthin gehen und ihnen helfen und niemand wollte das. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr bestand Lebensgefahr. Anfang 1945 starben täglich weit über 100 Häftlinge, 3000 im Monat. Allein im Februar 1945 starben laut Lagerkartei 3977 und im März 3668 Häftlinge. Vermutlich ist die wirkliche Zahl der Opfer noch höher.„Die kranken Menschen wurden in Barackenräume hineingeworfen und waren von der Welt isoliert. Sie starben auf dem nackten völlig durchgefrorenen Betonfußboden ohne jede Hilfe. In solchen Räumen herrschte eine wahre Hölle, auch weil die Kranken auch unter Darmruhr litten, und ihre Notdurft an Ort und Stelle verrichteten.“[125]

Wie schon zuvor, ging Frelichowski trotz des Verbotes und der Ansteckungsgefahr ab Oktober 1944 vier Monate lang allein und heimlich in die Quarantäneblocks. Auch der Block 30 war von Geistlichen geräumt und mit Typhuskranken belegt worden. Diese Männer lagen nackt und schmutzig dort auf den Brettern. Es herrschten unvorstellbare hygienische Verhältnisse. Keine Krankenpfleger versorgten sie. Nicht mal die Leichen wurden herausgetragen. Frelichowski kroch trotz Wachen mit Maschinen-Gewehren über oder unter dem Stacheldraht zu den Blocks und kletterte durchs Fenster.[126] Er gab Sterbenden, die völlig sich selbst überlassen waren, Brot, zu trinken, wusch Kot ab, hörte die Beichte der Sterbenden und reichte ihnen die Eucharistie. Er verteilte Medikamente. Seine Worte beruhigten die Kranken aller Nationalitäten.[127] Sterbende aller Nationen wollten beichten. Alle Kranken wollten einen katholischen Priester sprechen, sogar die evangelischen Kameraden. Er gab allen Sterbenden die heilige Kommunion, Kameraden aus allen Nationen und Konfessionen.[128]

Niemand wusste von dieser geheimen Tätigkeit als Samariter. Nur einige der engsten Freunde ahnten etwas. Wohl wunderten sich die anderen Priester, weil er spät in der Nacht erst auf seinen Block zurückkehrte und dann seine Kleidung nach Läusen, die den Typhus übertragen, absuchte, um die gesunden Kameraden und sich selbst vor Ansteckung zu bewahren.

Die Lagerleitung hatte seinen Dienst in der Zwischenzeit stillschweigend akzeptiert und Frelichowski den Auftrag erteilt, die Toten der Quarantäneblocks zu zählen. So kam er halboffiziell zu den Sterbenden und brachte Statistiken mit.

Dieses Engagement überstieg schließlich seine Kräfte. Deshalb bat er befreundete Priester um Mithilfe. Er ließ ihnen alle Freiheit, ihre Entscheidung selber zu treffen. Alle wussten, dass die Befreiung bei Kriegsende nahe war und keiner wollte jetzt noch an Typhus sterben. Aber der Einfluss des geistlichen Führers Frelichowski war so groß, dass einige der jüngeren Priester seinem Beispiel folgten und in die Typhusbaracken gingen. P. Zenon Albert Urbanski, OCarm und  Wladyslaw Swoboda aus Poznan, waren unter ihnen.

Ende Januar 1945 begann Frelichowski, drei polnische Priester in die Arbeit auf den Typhusblocks einzeln einzuführen, nachdem sie sich mit seiner Hilfe die Erlaubnis dazu bei Lagerleitung besorgt hatten. Ihre Bitte wurde zunächst abgelehnt. Am nächsten Tag erhielten sie jedoch die Genehmigung für die Besuche bei den Typhuskranken. Der übergroße Gestank von Leichen und Kot verschlug ihnen den Atem. Sie konnten sich zuerst nur überwinden, in einer Ecke zu sitzen und Beichte zu hören. Wer noch gehen konnte, kam zu ihnen. Frelichowski kroch in dieser Zeit auf die Betten zu den Sterbenden. „Er legte sich neben einen Sterbenden, hielt seine Hand, tröstete ihn und nahm Beichte ab. Er widmete sich ganz den sterbenden Mithäftlingen. Er wusste, dass der Krieg schon bald zu Ende ist, dass er sein Leben riskiert, dass er vielleicht seine Nächsten nicht mehr sehen würde. Jedoch das Flehen der Leidenden um sein Beisein in ihrer Agonie war für ihn wichtiger.“[129]

Schließlich trat die Lagerleitung offiziell an die Priestergemeinschaft heran und bat um Freiwillige zur Pflege der Typhuskranken. In der Kapelle des Priesterblocks 26 rief der Lagerkaplan Schelling zu freiwilligen Meldungen auf. Mit Frelichowski meldeten sich 32[130] anderen Priester freiwillig zur Pflege der Kranken. Sogar für die Pflege russischer Gefangener, eigentlich Erzfeinde Polens, waren polnische Priester bereit.

Frelichowski konnte diesmal aber selber nicht mehr mit zu den Typhuskranken gehen. Als die Aktion am 14.02.1945 anlief, lag er selber bereits seit 3 Tagen im Revier. Er hatte alles ihm Mögliche getan, um zu helfen. Jetzt mussten andere sein Werk fortsetzen.

Freunde hatten ihn vor der großen Ansteckungsgefahr gewarnt. Er jedoch hatte sein eigenes Leben nicht geschont. Am 11.02.1945 brach Frelichowski auf seinem Wohnblock bewusstlos zusammen. Freunde trugen ihn aufs Revier. Dort, wo er so vielen geholfen hatte, lag er nun selber schwer krank. Die Pfleger unternahmen alles ihnen nur Mögliche, um sein Leben zu retten. Im Fieberwahn entwischte er jedoch seinen Pflegern und lief fiebernd und nackt auf die kalte Lagerstraße. Wollte er auch jetzt noch sterbenden Kameraden helfen? Wiedergefunden wurde er zurück gebracht und zu seiner Sicherheit ans Bett gefesselt. Doch dieser Ausflug hatte Folgen: Wicek bekam eine Lungenentzündung, zusätzlich zur Typhuserkrankung. Jedes Bemühen, ihn gesund zu pflegen, war nun vergeblich.[131] Bis auf die Knochen abgemagert, konnte sein Körper nicht mehr die nötige Kraft aufbringen, um die Lungenentzündung zu überstehen. Seine letzten Lebenstage waren Momente der Qual. Mehrmals täglich besuchten ihn Kameraden. Viele von ihnen waren zur gleichen Zeit auch als Typhuskranke im Revier. Er aber erkannte niemand mehr und fühlte sich in Fiberwahn allein und von allen verlassen. Dazu kamen die großen Schmerzen.

„Die Krankheit des Priesters Frelichowski war sehr kurz, aber schwer… Er starb in der Nacht vom 22. zum 23. Februar 1945, ein kleines Kreuzchen in den Händen haltend “[132]Er starb in vollem Bewusstsein und konnte sogar noch aussprechen, dass er seinen Tod als Gottes Willen annehmen konnte. Seine letzten Worte im Sterben waren: „Jesus, Maria, rettet mich.“

Frelichowski starb für seine Kameraden völlig unerwartet. Als Letzter besuchte ihn Stanislaw Benka, sein Freund aus der Totenkammer, am Abend des 22. Februar 1945. Er merkte nicht, dass Wicek sich kurz vor seinem Ableben befand. Beruhigt verließ er ihn an diesem Abend und war deshalb sehr überrascht, als die Pfleger Wiceks Leib am nächsten Morgen in die Totenkammer brachten. Nur 32 Jahre war Stefan Wincenty Frelichowski alt geworden. Die 6 letzten Jahre, oder 64 Monate, hatte er in Gefangenschaft verbracht. Er starb im Krankenrevier des KZ Dachau auf Block 7, Stube 2. Dort lag er in der untersten Etage eines 3-stöckigen Bettes, irgendwo dicht beim Fenster.

Er opferte sein Priesterleben um Frieden in die Herzen der in der in Einsamkeit Sterbenden zu bringen, die sich dank seines aufopferungsvollen Dienstes mit Gott versöhnt haben. Auch er hatte von der Freiheit geträumt, aber die Mission seines Lebens war schon erfüllt.

Papst Johannes Paul II würdigte ihn mit den Worten: „Er teilte diesen Frieden mit anderen, denn seine Seele schöpfte die Kraft aus dem Frieden Christi.“[133]

In diesen letzten Tagen des Krieges herrschte Chaos im KZ Dachau. Niemand wusste mehr ob seine Freunde noch lebten, wer krank war und wer noch gesund. Die Kräfte reichten oft nur noch für die Sorge um das eigene Leben und für den einzelnen Tag. Trotzdem erschütterte der Tod Frelichowskis viele Kameraden. So geschah etwas noch nie Dagewesenes:

Sein Freund, der Medizinstudent Stanislaw Benka, hatte von Frelichowski viel Hilfe empfangen. (Als Benka krank im Revier lag, hatte Frelichowski ihn seelsorglich begleitet. Da Benka in der Totenkammer arbeitete, konnte er Frelichowski und die Jugendlichen zu den geheimen Treffen dort die Türe öffnen). Durch Vermittlung der deutschen Geistlichen gelang es ihm, von der Lagerleitung die Erlaubnis für die Aufbahrung des Verstorbenen zu erhalten.

Dies war ein besonderes Ereignis im KZ Dachau. Einen Tag lang wurde der Leichnam von Stanislaw Benka vorbereitet. Abends, nach dem Appell, kamen dann ca. 100 Kameraden in den kleinen Raum, um sich zu bedanken und zu verabschieden. Der Leichnam Frelichowskis lag in einem offenen Sarg in einem Meer von weißen Blumen gebettet. Obwohl es im Februar viel zu kalt für Blumen war, hatten die Kameraden sie Blüte für Blüte unter großer Gefahr heimlich aus den Gewächshäusern der Plantage ins Lager geschmuggelt. Blumen lagen dabei. Dies waren eine Manifestation des Glaubens und ein Zeichen der Liebe und Verehrung für den Verstorbenen.

Ein Augenzeuge erinnert sich: „Schweigend und… im Gebet bewegte sich der Zug der Gefangenen in der Leichenhalle. Junge wie Alte, Polen wie Ausländer zogen am Leichnam vorbei. Alle kannten ihn. In diesem Augenblick wurden viele innige Gebete für ihn an den Schöpfer gerichtet. Unzählige Tränen rollten über die Gesichter. Ein geliebter und heiligmäßiger Priester war von ihnen gegangen. Es war ein Mensch gestorben, der sein Leben auf dem Altar der Liebe und Barmherzigkeit dem Nächsten gegenüber geopfert hatte.“ [134]

Alle wussten: hier ist ein Heiliger gestorben. Deshalb wurde alles nur Mögliche getan, um Reliquien und Spuren zu sichern. Der Medizinstudent Stanislaw Bienka, (dieser lebte bei Wiceks Seligsprechung noch und brachte beim Gottesdienst ein Reliquiar zum Papst [135]), fand zufällig Kalk in der Krankenbaracke und nahm dem Toten eine Totenmaske ab. Benka trennte auch heimlich zwei Finger der rechten Hand ab, um Reliquien zu sichern. Einen der Finger versteckte er im Gips der Totenmaske. Der andere  wurde mit einer Kalkschicht bedeckt, so dass er aussah „wie ein Stück Kreide“[136]. So ist Frelichowsky der einzige im KZ Dachau ermordete Selige, von dem es Reliquien gibt.

Vor der Bestattung fertigte ein Mithäftling, (der Seminarist Wladyslaw Sarnik aus Wloclawek- er hatte malen gelernt) eine Zeichnung des Gesichtes des Verstorbenen und eine Zeichnung der Totenmaske. Dazu muss man wissen, dass die Gesichter der Typhustoten alle verzerrt waren.[137]

Am Abend des Sterbetages beteten Priester für ihn und entschlossen sich, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Dazu gingen sie nachts auf die dunkle Toilette, dem einzigen ruhigen Ort. Die Sammlung war mit Zeichnungen und eingeklebten Bildern ergänzt, in rotes Leder gebunden. Sie wurde zusammen mit der Totenmaske auf der Plantage vergraben und später nur mit Mühe wiedergefunden. Diese Gegenstände brachte der überlebende Mitgefangene und spätere Bischof Bernhard Czaplinski nach dem Krieg nach Polen und übergab sie der Mutter.[138]

Heute wird die Reliquie in der Marienkirche in Torun aufbewahrt.[139]

Der in der Totenmaske eingegipste Finger befindet sich noch dort. Vom zweiten Finger, der in einem Kalkstück verborgen war, wurden einige kleine Teile abgeschnitten und in Reliquiaren verbreitet. Ca. 13 solcher Reliquiare existieren und können heute die Verehrung des Seligen bezeugen. Auch ein Denkmal würdigt den Seligen Stefan Wincenty Frelichowski. Im Garten des Priesterseminars in Torun ist es aufgestellt. Die Figur Wiceks trägt einen Sterbenden, der Christus symbolisiert. Eine kleine Kopie dieses Denkmals befindet sich in dem Gedenkraum der Gedenkstätte des KZ Dachau.

Die sterblichen Überreste Frelichowskis wurden nach der Überzeugung seiner noch lebenden Familienangehörigen im Krematorium des KZ Dachau verbrannt. Dies soll heimlich organisiert worden sein, um eine würdevolle Bestattung sicher zu stellen. In diesem Fall wäre das Grab des Seligen auf dem Gebiet des Krematoriums in der Gedenkstätte des KZ Dachau.

Es bestehen jedoch Zweifel an dieser Einschätzung. Nach anderen Aussagen war das Krematorium Ende Februar 1945 aus Brennstoffmangel nicht mehr in Betrieb. In diesem Fall wäre keine Feuerbestattung möglich gewesen und Frelichowski wäre in einem Massengrab auf dem Friedhof auf dem Leitenberg in Dachau, Etzenhausen bestattet worden.

Wo finden wir Frelichowskis Spuren im KZ Dachau? In der ersten Zeit wohnte Frelichowski in Baracke Nr. 28[140], Stube 4. Als am 31.10.1941 ein Transport älterer polnischer Geistlicher im Lager ankam, wurden diese in seine Stube in Block 28 einquartiert und Frelichowski auf Block 30, Stube 4 verlegt. Später besuchte er täglich seine alte Stube im Block 28, um den alten Priestern zu helfen. Sie waren zu schwach und konnten jede Hilfe brauchen, z.B. beim „Bettenbau“. Alle diese älteren Priester wurden  schließlich als arbeitsunfähig aussortiert und auf einem Invalidentransport ermordet.

In Block 30 wurde Frelichowski der geistliche Vater der 1. Stube, wohin er nach kurzer Zeit aus der 4. Stube verlegt worden war. Nach seiner Krankenzeit im Revier März bis Juli 1942 wurde er ab Herbst 1942 in Block 28, Stube 1 verlegt und auch dort zum geistlichen Vater der Priesterkameraden. Hier im Block 28, Stube 1 gründete er die Caritasorganisation unter den polnischen Geistlichen und die Legion Christi (s.o.). Hier brach er schließlich im Februar 1945 bewusstlos zusammen und wurde schwerkrank ins Revier gebracht. Block 7, Stube 2 war seine letzte Adresse, dort starb er.

Überall auf dem Gelände war er unterwegs um seinen Kameraden zu begegnen und zu helfen. Besonders oft war er auch in den polnischen Wohnblocks 16 und 18, wo er heimlich Hl. Messen feierte und Freunde besuchte. In den ersten ungeraden Blocks des Reviers und in den letzten Monaten auch in den Quarantäneblocks 21, 23, 25, 27, 29 und 30, half er kranken Kameraden und diente Ihnen als Seelsorger.

Einige Schüler aus dem Bund „Legion Christi“ überlebten das KZ Dachau und führten Frelichowskis Ideale weiter. Sie wurden, beseelt von seinen Visionen des Priestertums, besonders gute Priester. Drei katholische Bischöfe: Majdanski, Jez und Czaplinski entstammen seinem Schülerkreis. Als Czaplinski 1948 zum Bischof geweiht wurde, sagte er, an seiner Stelle sollte jetzt eigentlich Frelichowski stehen. Ein anderer enger Schüler war Pater Marian Zelazek, damals Seminarist der Steyler Missionare. Er ging nach dem Krieg nach Indien und verwirklichte Frelichowskis Ideale in seiner Arbeit mit Aussätzigen. Für sie gründete er Schulen und Werkstätten. Sogar für den Friedensnobelpreis wurde P. Marian Zelazek nominiert. Obwohl erst 2006 verstorben, wurde schon ein Seligsprechungsprozess in Indien für P. Marian Zelazek eingeleitet.

Frelichowskis Seligsprechungsprozess wurde 1964 eingeleitet. Seine Verehrung verbreitete sich in Polen. Jährlich fanden Gottesdienste mit Gebet um seine Seligsprechung statt. Sogar Straßen wurden nach ihm benannt.[141]

Im Februar 1995 konnte sein Seligsprechungsverfahren auf diözesaner Ebene abgeschlossen werden. Noch während des Verfahrens wurde auf seine Fürsprache Joanna Grodzicka durch ein Wunder geheilt. Sie trat in den Karmel ein.

Die Seligsprechung wurde am 07.06.1999 in Torun von Papst Johannes Paul II gefeiert, einige Tage vor der Seligsprechung der 108 polnischen Märtyrer, Opfer des Nationalsozialismus. Frelichowskis Schwester Marcjanna Jaczkowska durfte als letzte Überlebende der Familie dem Papst den Reliquienschrein ihres Bruders überreichen. Papst Johannes Paul nannte ihn „Zeuge einer großen Sache“.[142]

Weiter forderte der Papst die Kirche von Torun auf, sein Gedenken zu wahren, um an die großen Werke Gottes zu erinnern, die Gott im kurzen Leben dieses Priesters vollzogen hat.[143]

Aus der Predigt von Papst Johannes Paul II: „Dieser Toruner Priester, der den seelsorgerischen Dienst nur knapp 8 Jahre lang getan hat, gab ein gut lesbares Zeugnis seiner Hingabe an Gott und Menschen. Mit Gott im Herzen, ging er seit den ersten Jahren seines Priesterlebens, mit dem Reichtum seines Priestercharismas, überall dort hin, wo die Gnade der Erlösung benötigt wurde. Er lernte die Geheimnisse der menschlichen Seele kennen und passte seelsorgerische Methoden an Bedürfnisse eines jeden Menschen an, dem er begegnete. Diese Fertigkeit erlernte er während des Pfadfinderdienstes – Schule der Sensibilisierung auf Bedürfnisse der Anderen und entwickelte sie ständig im Sinne des Gleichnisses vom guten Hirten…. 

Das sogenannte Fort VII, Stutthof, Grenzdorf, Oranienburg-Sachsenhausen und schließlich Dachau – das sind die Stationen seines Kreuzweges, auf denen er unverändert blieb: unerschrocken bei der Erfüllung seines seelsorgerischen Dienstes. Er ging vor allem zu Menschen, die ihn am meisten brauchten – zu den massenweise an Typhus sterbenden, dessen Opfer er selbst schließlich wurde. Er hat sein Priesterleben Gott und den Menschen gewidmet, indem er den Kriegsopfern Frieden verkündete. …  Wir nehmen mit großer Dankbarkeit das Lebenszeichen des seligen Priesters Stefan Wincenty Frelichowski an, eines Helden unserer Zeit, Priester und Friedensmenschen, als einen Appell an unsere Generation.“[144]

Zum Schluss seiner Homilie sagte der Heilige Vater: „Ich wende mich an die gesamte Familie der polnischen Pfadfinder mit der, der neue Selige zutiefst verbunden war. Er soll für Euch zum Patron werden, ein Lehrer des Edelmutes, Fürsprecher des Friedens und der Versöhnung.“[145]

 Seitdem verbreitet sich seine Verehrung auf weitere Teile der Welt. In diesen Tagen (April 2014)  pilgern seine Reliquien um die Welt: England, Frankreich, USA, Kanada, Australien. In Afrika (Sambia) war schon früh eine Frelichowskikapelle  geweiht worden. Diese wird jetzt durch eine größere Frelichowskikirche ersetzt.

Am 23.03.2008 konnten entsprechend dieser Aufforderung des Papstes deutsche und polnische Pfadfinder eine gemeinsame Gedenkfeier begehen.[146]

Anlässlich des 100. Geburtstages des Seligen fand am 06.-12.08.2013 in Toruń ein internationales Pfadfindertreffen mit dem Titel „Wicek 2013“ statt.[147]

Auch zum 100. Geburtstag des Patrons der Pfadfinder fand am 14.-15.12.2013 in Dachau und München eine Wallfahrt polnischer Pfadfinder statt.[148] (auch wir berichteten darüber)

Monika Neudert

 Zitate aus Briefen aus dem KZ Dachau in deutscher Sprache!:

 Brief vom 28.11.1943:  „Teure Eltern es ist gerade der erste Adventssonntag… Die tiefe Hoffnung auf Frieden durchschwebt (sic) alle Herzen. Ich kann nicht mehr schreiben, aber ich bin davon überzeugt. Jedes Opfer hat seinen Sinn. Diesen Sinn kennt Gott am besten. Es sind Zeiten, in denen die Schicksale einzelner Menschen dem Schicksal ganzer Völker und größerer Ideen untergeordnet werden müssen. Und trotzdem hat auch das Schicksal jedes einzelnen Menschen Wert und Sinn. Aber nur in Gottes Händen. Er ist unser und aller Vater. Und er ist die Liebe. … Und die Liebe möchte als Abbild des Vaters in allen Herzen sein. Denn trotz allen Kriegen, Verwirrnissen, Leiden und Bösen, nur die Liebe wird siegen. Und alles vergeht, nur die Liebe bleibt. Sie ist das kostbarste, was alle Menschen unter sich binden kann.… Was nutzt es Hass oder Gleichgültigkeit für Menschen zu empfinden? Wer liebt, der hat auch Vertrauen, in Menschen und in Gott. Weihnachten ist das Fest der Familienliebe und der Liebe, die Gott den Menschen als Sich selbst schenkt. (sic)

 22.01.1944 (an seinem 31. Geburtstag) :  „Teure Eltern es sind jetzt wirklich schwere Schicksalsstunden. Aber die Lage ist keineswegs hoffnungslos. Wir können nur durch Opfer des täglichen Lebens und Gebete helfen, damit die Sonne leuchten möge. Aber leuchten wird sie dann bestimmt. Glaube und Kraft ist und wird in uns sein… Der Krieg nähert sich seinem Ende, das ja. Aber welche schweren Stunden können noch sein! Vertrauen auf Gott und in seine Gnade möge Euch und allen Kraft geben! Auf Wiedersehen meine innig geliebten Eltern und Geschwister und Ihr alle. Stefan“

 22.10.1944:  „Man muss wirklich Mut haben um richtig zu leben in solchen Zeiten. Und es freut mich, dass Du solchen Mut hast und ich bin überzeugt, dass Du es weiter finden wirst. Keine Bigotterie, aber einfache Zuversicht in Gottes Vorsehung. Die Quellen des ewigen Lebens kennst Du doch. Mehr brauche ich nicht zu schreiben. Wenn Du es wirklich tust, genügt es auch für die noch schwereren und unsichereren Zeiten, welche vor uns allen stehen und welche wir erwarten müssen durch alle, in allen Kreisen. Also liebe Stasia hab nur Mut, dessenQuelle kennst Du. Und immer, aber auch immer denen zu helfen, die es noch schlimmer haben, denen aus Deiner nächsten Umgebung. Nur helfen wollen, nur trösten wollen, und um sich wach zu schauen und die Gelegenheit zur guten Tat steht schon vor uns. Jeder hat in sich selbst ein größeren Schatz, als nur im Essen und Trinken oder sich zu Bekleiden, um das Ziel des Strebens der Tagesmühe zu sehen. Deswegen wünsche ich Dir, dass Deine Tage wertvolle seien, dass sie Dir und den anderen das gütige und dankbare Lachen bringen mögen. Und so wie das Hassen, das Grollen, das Brummen diejenige, die auf sie stoßen, zu Trägern und Anstecker der gleichen Krankheit  machen, so aber auch das Gute, das sich Gebende, das brüderlich und mitleidig Liebende.Nur das kann die Tage auch jedes bescheidenen Menschen erhellen und mit Sonne erfüllen. Nicht nur das Empfangen, sondern  noch mehr das Geben. Und nur das gibt einem, der nach dem Verlust eines innig geliebten Menschen wie zerstört ist – Leben wieder immer auf Neue, seinen Inhalt, seinen Wert und endlich sein Glück. … Dann braucht Ihr nicht täglich die Gelegenheit zur beglückenden guten Tat suchen. Dann, nach einem entscheidenden Beschluss ob Du schon willst oder nicht, ruft jeder Tag zur Erfüllung seinen, Dich beglückenden Pflichten.

…Mit Grüßen von ganzem Herzen für Dich, für die lieben Eltern, … sende ich Dir diese paar brüderlichen Worte zum baldigsten Wiedersehen. Euer Stefan 

 

Gebet:   Allmächtiger und barmherziger Gott, Du gibst uns Hirten nach Deinem Herzen, indem Du sie zur selbstlosen Liebe nach dem Vorbild Jesu Christi, des Guten Hirten befähigst.

Von dieser Liebe erfüllt, starb der Priester Stefan Wincenty Frelichowski, der an Christi Leiden Anteil hatte,den Märtyrertod im Dienst an den Mitmenschen, die das Übermaß an Leid, Schmerz und Verlassenheit erlitten hatten.

Im finsteren Tal fürchtete er das Böse nicht, sondern besiegte das Böse mit dem Guten.

Gewähre mir, Herr, auf Fürsprache des seligen Stefan Wincenty Frelichowski die Gnade …, um die ich bitte.

Bewirke in Deiner Güte, dass der heroische Zeuge der Hirtenliebe bald zur

Ehre der Heiligen erhoben werde, der Du lebst und herrschst in Ewigkeit. Amen.

 

Über jedes erhörte Gebet auf die Fürsprache des sel. Stefan Wincenty Frelichowski

informieren Sie bitte: Thorneer Diözesankurie, Ul. Łazienna 18,

PL.- 87-100 Torun, Tel. 0-56/6223530; Fax: 0-56/ 6210902.


[1 Zadura, Robert Zadura, Der selige Priester Stefan Wincenty Frelichowsky, Torun 2009,  S. 28

 [2] Bericht der jüngeren Schwester Flelichowskis, Marcjanna, www.brewiarz.pl

 [3] Zadura, S. 26

 [4] Zadura, S. 19f

[5] Zadura, S. 27

 [6] Zadura,  S. 36

 [7] Holzapfel Helmut, Pfadfinder zu Gott, Baunach 1988, S. 12

 [8] Zadura, S. 12

 [9] Holzapfer, S. 14

 [10] Schwester s.o.

 [11] Zadura, S. 45

 [12] Zadura, S. 43

 [13] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [14] Zadura, S. 12

 [15] Zadura, S. 12

 [16] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [17] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [18] Holzapfe,l S. 16

 [19] Holzapfel, S. 19f

 [20] Zadura, S. 12

 [21] Andere Übersetzung nach pl.wikiquote.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowsky; beide zusammen in diesem Zitat verarbeitet

 [22] Holzapfel, S. 17

 [23]Holzapfel, S. 17

[24] Zadura, S. 31

 [25] Holzapfel, S. 21

 [26] Holzapfel, S. 21

 [27] P. Joseph Augustine SJ, Konferenz Nationalkongress der Berufungen, Jasna Gora, Mai 2000

[28] Holzapfel, S. 21

 [29] Zadura, S. 50

 [30] Schwester s.o.

 [31] Zadura, S. 13

[32] Zadura, S. 51

[33] Zadura, S. 65

 [34]P. Augustin, a.a.O.

 [35] http://de.zhr.pl/index.php?id=4

 [36] www.pfadfinder-treffpunkt.de

[37] http://de.zhr.pl/index.php?id=4

 [38] Zadura, S. 63

 [39] Holzapfel, S. 23

 [40] http://pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [41] Zadura, S.13

 [42] Zadura, S. 62

[43] Holzapfel, S. 23

 [44]Holzapfel, S. 23

 [45] Pl.wikiquote.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowsky

 [46] Zadura, S. 13

[47] Zadura, S. 12

 [48] P. Augustine, a.a.O.

 [49] P. Augustine, a.a.O.

[50]  P. Augustine, a.a.O.

[51] Zadura, S. 13

[52] Zadura, S. 67

 [53] Zadura, S. 14

[54] Zadura, S. 13

 [55] Zadura, S. 13

 [56] Zadura, S. 13

 [57] Zadura, S. 13

 [58] Zadura, S. 80

 [59] www.igw-resch-verlag.at

 [60] www.igw-resch-verlag.at

 [61] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [62] Zadura, S. 87

 [63]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[64]Zadura, S. 89

[65] Poln. Internetseite: sciaga.pl

 [66] Zadura, S. 89

 [67] Holzapfe,l S. 25

 [68] Zadura, S. 92

 [69] Wikipedia

 [70] P. Augustine, a.a.O

[71] hwww.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [72] Zadura, S. 13f

[73] Internet: www.wnmptorun.diecezja.toun.pl

 [74] www.niedziela.pl

 [75] Zadura, S. 91

 [76] Interview mit seiner Schwester s.o.

 [77] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [78]Wikipedia

[79]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [80]Interview mit der Schwester www.kath.net/detail.php?id=7576

 [81] Zadura, S. 97

 [82] Zadura S. 102

[83] Resch, www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [84] Zadura . S. 103

 [85]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[86] Zadura, S. 106

 [87] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [88] Zadura, S. 107f

[89] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [90] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [91] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[92] Zadura

 [93] Zadura, S. 111

 [94]Zadura, S. 114

 [95] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [96] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [97]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [98] Zadura, S. 33

 [99] Schwester

[100] http://theblackcordelias.wordpress.com/2009/02/23/blessed-wincenty-stefan-frelichowski-february-23/

[101] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [102] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [103] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [104]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[105]Zadura, S. 13

[106] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [107]www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [108] Zadura, S. 114

 [109] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [110] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [111] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [112] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [113] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [114] Zadura,  S. 121

[115] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[116] Zadura, S. 119

[117]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[118]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [119] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [120] Zadura, S. 14

 [121] Zadura, S. 122

 [122] Majdanski, Kazimierz, Ihr werdet meine Zeugen sein… Meine Zeit im KZS. 113

[123] Majdanski, a.a.O.

[124] Zadura, S. 14

 [125] Zadura, S.125

 [126] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

[127] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[129] Zadura S. 126

 [131] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [132] Zadura, S. 126

 [133] Zadura, S.14

 [134] http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [135] Zadura. S 139

 [136] www.sciaga.pl

 [137] Rost, Nico, Goethe in Dachau,  S. 257

 [138]Zadura,.S. 130

 [139] Zadura, S. 143

 [140] Zadura,  S. 117,  www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [141] Zadura s 12

 [142] Zadura

 [143] Zadura, S. 12

 [144] Zadura, S. 14

 [145] Zadura, S. 13

 [146] Scout-o-wiki.de

 [147] http://pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [148] Monachium.msz.gov.pl

 

 


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