Stanislaw Kubski


fot. archiwum

Seliger Stanislaw Kubski

Priester der Erzdiözese  Gniezno (Gnesen) , Pfarrer und Dekan von Gniezno und Inowroclaw, Kanoniker
geb: 13. 08. 1876 in Ksiaz, (Xions), Wielkopolskie (Polen)

am 02.09.1939[1] verhaftet an seinem Wohnort Inowroclaw (Hohensalza)

KZ Dachau ab 24.10.1940 oder 08.12.1940[2]
+: 18.05. 1942   getötet auf einem Invalidentransport, begraben auf dem Friedhof 
Perlacher Forst, München.

Gedenktag: 18.05.

 Patron der Stadt  Inowroclaw

 BIOGRAFIE

Der selige Stanislaw Kubski wurde am 13.08.1876 im Dorf Ksiaz geboren, in der Nähe von Strzelno, im Regierungsbezirk Bromberg (pl. Bydgoszcz ), das zu diesem Zeitpunkt zum Königreich Preußen (pl. Krolestwo Prus ) gehörte. Seine Eltern Michal und Franciszka (geb. Gluszek ) waren Bauern in Kujawien (Kujawy ). In der Zeit des Kulturkampfes, der Germanisation der polnischen Bevölkerung und der Unterdrückung der Kirche besuchte er das Gymnasium in Trzemeszno (lat.Collegieum Tremesnese) und weiter in Wagrowiec, wo er im Jahr 1897 das Abitur machte.

Anschließend studierte er im Priesterseminar der Erzdiözese Posen und Gnesen (Poznan und Gniezno ). Im Alter von 25 Jahren, am 13.11.1900 [3] wurde er durch Weihbischof Antoni Andrzejewicz im Posen zum Priester geweiht. Als Missionar und Kaplan begann er seinen priesterlichen Dienst in Srem. Hier wirkte er neben der pastoralen Arbeit und auch im sozialen Bereich 10 Jahre lang und unterstütze den Pastor (Pfarrer Becker) in der Pfarrkirche – „Himmelsfahrt Kirche der Seligen Jungfrau Maria „.

Im Jahr 1910 wurde er schließlich zum Administrator dieser Pfarrei berufen. Einige Monate später war er auch Pfarrer der St. Laurence Kirche in Gniezno. Dort blieb er 7 Jahre lang. Er verwalte diese neue, noch nicht mal geweihte Kirche, erneuerte sie und brachte unter anderem das Bild “ Schwarze Madonna “ ( Czarna Madonna ) an und einem stilvollen Tabernakel an. Hier organisierte er auch eine pädagogische Lesung, ohne vorher die Polizei zu informieren und wurde dafür mit Geldstrafe bestraft.

Im Jahre 1917 übernahm er die Pfarrei „der Heiligen Dreifaltigkeit“. Einer seiner Vikaren war der selige Aleksy Sobaszek, der ebenfalls im KZ Dachau litt und am 01.08.1942 dort an den Folgen des Hungers und der Entbehrungen starb. Während der Zeit seiner pastoralen Arbeit in Gniezno, fand 1918-1919 der Aufstand Powstanie Wielkopolskie statt. Er war damals auch als Mitglied des Stadtrates in politischer Verantwortung .

Während des Krieges mit Russland 1919-1922 war Pfarrer Kubski Kaplan der polnischen Armee.

Danach wurde er am 23.3.1923 Pfarrer von St. Nikolaua in Inowroclaw, zu der noch 3 andere Kirchen gehörten: St. Mariä (heute eine Basilika minor), Mariä Verkündigung und St. Josef, die er renovierte. Im Jahr 1929 wurde die Verkündigungskirche konsekriert durch Weihbischof Antoni Laubitz (frühere Pfarrer, Gründer u. Bauherr, Vorgänger vom Pfarrer Kubski) in Anwesenheit des Primas Kardinals August Hlond. Durch Gottes Fügung wurde als eines der ersten Kinder der spätere Primas Polens Josef Glemp in dieser neu geweihten Pfarrkirche getauft und zwar am Tag seiner Geburt, dem 18.12.1929.

In den Jahren 1923-26 arbeitete Stanislaw Kubski zusätzlich auch als Gefängnispfarrer. Die Bauarbeiten der zur Pfarrei gehörenden Kirche St. Josef  leitete er ab 1936, sie konnten erst nach dem Krieg 1945 beendet werden.

Trotzt der vielen Aufgaben und der vielen Arbeit vergaß er nie Seelsorger zu sein, für alle Stände fühlte er sich zuständig. Er arbeitete gerne mit den Kindern, Jugendlichen, Armen und Gebildeten, Arbeitern und Handwerken. Er wurde eine angenehme Persönlichkeit in der Stadt.  Wegen seiner Freundlichkeit und seiner guten Taten schenkte man ihm viel Zuneigung und Dankbarkeit und Respekt.

Er entwickelte kreativ zahlreiche karitative Aktivitäten und gründete Wohltätigkeitsorganisationen .

Viel Zeit aber verbrachte er bei der eucharistischen Anbetung zu der er auch seine Kapläne ermutigte. In der Pfarrei wirkte er eher schüchtern, aber mit einem gütigen und milden Herzen, „wie eine Taube“, sagten die Leute.

Der Selige hatte stets einen leeren Geldbeutel, weil ihm die Bedürfnisse der anderen größer und wichtiger waren als seine eigenen.

Zusätzlich wurde er ab ca.1923 Domkapitular in St. Georg in Gniezno und 1925 Dekan in Inowroclaw.

1927 organisierte er den ersten Eucharistischen Kongress ebenfalls in Inowroclaw.

Des weiteren war er unglaublich aktiv. Er war geistlicher Berater des Priesterseminars, Vertreter des Bischofs bei den Abiturprüfungen im Fach Religion, aktives Mitglied des Missionsversuchs „Der gute Hirte“, Visitator der Grundschulen, priesterlicher Direktor eines Vereins zur Anbetung des aussetzten Allerheiligsten.

Für seine Verdienste erhielt er 1935, Titel des Domkapitulars in Kruszwica, das Goldene Verdienstkreuz und die Möglichkeit zur Teilnahme am Eucharistischem Kongress in Budapest.

Am 02.09.1939 [4], gleich nach dem Ausbruch des zweiten Krieges, wurde er verhaftet, den die deutschen Besatzer wussten von seinen Aktivitäten insbesondere in den Jahren 1918-1920 in Gniezno .(als Pfarrer und. Dekan ; Direktor der bischöflicher Gesellschaft „Apostolatus Orationis „; Mitglied der Wahlkommission, es war die Zeit des Aufstands und es ging um die Grenzen der Republik.)

Mann jagte ihn durch die Stadt mit über den Kopf erhobenen Händen. Die erste Nacht verbrachte er kniend im Hof der Kaserne Marschall Jozef Pilsudski.

Inowroclaw wurde Teil des neuen Reichsgau Posen und später unmittelbar Teil des deutschen Staates. Fast sofort wurde die alte, renovierte St. Mariä Namen Kirche (Pfarrkirche von Pfarrer Stanislaw Kubski) geschlossen und in eine Lagerhalle umgewandelt.

Schon am 09.09. 1939, kam er nach Pila ins Übergangslager der Geheimpolizei-Gestapo, in der ehemaligen Flugzeugfabrik „Albatros“, wo er untergebracht war. Von dort  wurde er schon ein paar Tagen später (21.11.1939- 23.11.1939) ins KL Dachau gebracht. Er erhielt die Häftlingsnummer Nummer: 35773.

Drei Tage später war er wieder auf Transport, diesmal ins KL Buchenwald in Thüringen. Dort wurde der 63-jährige Priester zu schwerer Arbeit im Steinbruch gezwungen und dabei gefoltert. Nachdem er dort ein Jahr ausgehalten hatte, brach er sich im Zustand totaler Erschöpfung während der Arbeit die Hand. In diesem Zustand wurde er am 24.10.1940 (oder 08.12.1940 nach anderen Quellen) [5] wieder zurück ins KZ Dachau gebracht.

Dort wurde ihm eine neue Zahl, eine neue Nummer zugeteilt, diesmal 21878 (oder 20678 nach einer anderen Quelle). Im KZ Dachau waren viele hundert  Priester, auch hunderte polnischen Priester und Ordensmänner aus den besetzten polnischen Gebieten. Unter ihnen begegnete er vielen Bekannten, die ihn fürsorglich aufnahmen.

Aber er war schon sehr erschöpft und abgemagert und konnte kaum noch die Lagerbedingungen ertragen. Er wurde krank, der gebrochene Arm war nicht ausreichend versorgt worden, es quälten ihn Krätze, schreckliche Geschwüre und Wunden am Körper. Doch trotz allem behielt er seine heitere Ausgeglichenheit, Ruhe und tiefe Frömmigkeit.

„Wir begegneten uns auf der Krankenstation des Lagers, Abteilung Häftlinge, die mit Krätze angesteckt waren. Er ist barfuß, im Schnee bei Temperatur  um – 12° C. Unser Augen treffen sich. Klar begrüßt er mich:  „Laudetur Jezus Christus. Sei gegrüßt. Du bist auch hier? Gemeinsam wird es uns besser gehen „.Wir teilen eine Schlafstelle, genauer gesagt einen kleinen stinkenden Strohsack. Auf seinem abgemagerten Körper war keine gesunde Stelle „, erinnerte sich der mitgefangene Priester Stanislaw Galecki (1896 Poznan-1952 Szubin).

Man erinnerte sich an Stanislaw Kubski ,er betete den Rosenkranz auf dem Schmuddelbett und hatte dabei eine Schnur mit geflochtenen Knoten in der Hand. Oft sprach er über seine Pfarrei in Inowroclaw. In zensierten Briefen, die in deutscher Sprache verfasst werden mussten, schrieb er aus dem Lager schrieb er: „nach dem Krieg wird alles gut sein“, aber „zuerst die Freiheit und die Ordnung“. Dabei äußerte er die Sorge um die Pfarrgemeinde, so wie die Dankbarkeit für Gebete für ihn.

Immer setzte er sein Vertrauen auf Gott, obwohl die Gefahren ihm bewusst waren.

In der Karwoche 1942 (30.3- 5.4 1942) mussten die im KZ Dachau gefangenen 1400 polnische Priester einen „besonderen“ Kreuzweg durchleiden. Jeden Tag wurden sie zum Strafexerzieren herausgerufen bis zur völligen Erschöpfung  und mussten weitere Schikanen über sich ergehen lassen. Doch der selige Stanislaw ertrug „all die Schmerzen und Quallen er mit einer Engelsgeduld. Er fand im Gebet Trost und Ermutigung und bestärkte die anderen mit guten Worten “ (Priester Dezydery Wroblewski. 1893 Poznan- 1978 Inowroclaw ) [7]

Aber er war am Ende seiner Kraft. Ende April wurde er arbeitsunfähig erklärt. Er litt immer noch an Krätze, hatte 4 große eiternde Furunkel und viele Geschwüre, er wog nur noch 39,5 kg .

Den Gefangenen im KZ Dachau war bewusst: so ein Zustand bedeutete ein Todesurteil.

Tatsächlich wurde der Name des seligen Stanislaw Kubski auf die Liste, des sogenannten Invalidentransports gesetzt. Dies war ein Transport für nicht mehr in der Zwangsarbeit einsetzbare Häftlinge, die zur Vergasung weggebracht wurden.

Im letzten Brief schrieb er über den erwartenden „Wohnungswechsel „sowie die Sehnsucht nach allen Lieben daheim. Er war trotzdem voll Vertrauen auf Gott.

Vor seinem Abtransport konnte Pfarrer Kubski sogar noch Abschied von den Freuden nehmen. Er ging ruhig weg, heiter – aber gab zu, ein bisschen Angst zu haben. Er wusste was ihn erwartete und meinte,das wäre das Bessere. Er ging versöhnt mit dem Willen Gottes.

Malak erinnerte sich an Pfarrer Kubski: „Ein kleiner, lebendiger alter Mann, mit schönem Gesicht und den blauen Augen eines Kindes, der in den letzten Minuten an Bekannte noch Anweisungen an seine Pfarrei gab.“

Am 17.5.1945 ab Mittagszeit musste er in einem separatem Block, den Invalidenblock umziehen. (Nr.25).  Nach einer anderen Quelle am 18. 05. 1942. [6]

Am nächsten Tag ganz früh wurde er mit anderen in Bussen oder Lastwägen abtransportiert. In der Nacht hörten die Kameraden noch das Klappern der Holzpantinen der Invaliden auf ihrem Weg zu den Fahrzeugen.

Wir wissen, dass im Zuge der Liquidierung der nicht mehr arbeitsfähigen Häftlinge gezielt auch Priester ermordet wurden. Sie wurden in das österreichische Euthanasie-Zentrum in Schloss Hartheim bei Linz gebracht, wo die“ Aktion T4, Ermordung unwerten Lebens “ durchgeführt wurde. In diesen Transporten wurden Behinderten und psychisch Kranke ermordet, darunter auch Kinder .

Pfarrer  Stanislaw Kubski wurde mit dem dritten Transport zusammen mit 59 anderen katholischen Geistlichen weggebracht, unter anderem war der selige Franziskaner Pater Jan Oprzadek an diesem Tag dabei.

Es ist nicht ganz klar, wie der Transport ablief. Es gibt Aussagen, die Gefangenen wurden in Lastwägen abtransportiert, andere sprechen von einem Transport in Zügen und anschließender Fahrt in Lastwägen bis nach Hartheim, das ein Stück außerhalb von Linz liegt.

Dort wurden die Gefangenen durch Giftgas getötet und im örtlichen Krematorium verbrannt.

Die Asche wurde angeblich auf Felder verstreut, es befindet sich allerdings auch ein Aschengrab an der heutigen Gedenkstätte des Schlosses Hartheim. Die offizielle Information des KZ Dachau an die Familie vom Tod ihres Angehörigen nannte immer eine natürliche Todesursache wie Lungenentzündung oder Herzversagen.

In so einem Transport verstarb der selige Stanislaw Kubski. Höchstwahrscheinlich am 18.05.1945. Offiziell wird als Todesdatum der 13.05.1945 genannt. Der tatsächliche Todestag war wohl später. Offiziell blieb man bei dem Todesdatum 13.05.1945.

Im Jahr 2013 wurde das Grab des seligen Stanislaw Kubski unter der Platte mit der Nummer 14 gefunden. (Für diese Information danken wir herzlich Herrn Maciej Skarzynski. Einen Bericht mit dem Foto des Grabes finden Sie in unserem Archiv.)

In München auf dem Ehrenfriedhof für Opfer des Nationalsozialismus am Perlacher Forst befinden sich mehrere gemauerte Urnengräber mit jeweils mehreren Urnen. Es wurde eine Liste mit Namen der dort bestatteten gefunden. Darauf steht der Name des Seligen. Es wird vermutet, dass er bald nach dem Abtransport aus Dachau noch auf dem Weg verstarb. Es ist ein Tod durch Autoabgase während der Fahrt möglich, oder auch ein Tod im Zug. Im letzteren Fall wurde die Leiche wohl am Münchner Hauptbahnhof entfernt, im Münchner Krematorium verbrannt und letztlich am Friedhof Perlacher Forst bestattet.

Dieses Grab  wäre das einzige bisher bekannte Grab eines polnischen Priesters, der bei der Aktion T4 umkam.

Aber auch eines der wenigen Gräber eines Seligen von Dachau.

 Am 13 Juni 1999 wurde Stanislaw Kubski zusammen mit anderen 107 polnischen Märtyrern in Warszawa (Warschau ) von Heiligen Papst Johannes Paul II. selig gesprochen als 108 polnische Märtyrer. Zu dieser Gruppe gehören auch sein ehemaliger Kaplan Aleksy Sobaszek und sein Gefährte auf der Fahrt in den Tod Pater Jan Oprzadka.

Monika Neudert

Übersetzung Irene Janitzek

Quellen:

 https://pl.wikipedia.org/wiki/Stanis%C5%82aw_Kubski

http://www.ipsb.nina.gov.pl/a/biografia/kubski-stanislaw

http://www.swzygmunt.knc.pl/SAINTs/HTMs/0518blSTANISLAWKUBSKImartyr01.htm

https://prawy.pl/3084-nadziei-nie-trace-nawet-na-chwile-blogoslawiony-ks-stanislaw-kubski/

http://www.swietyjozef.kalisz.pl/Dachau/39.html

http://www.wtg-gniazdo.org/ksieza/main.php?akcja=opis&id=2299


[1] Wendel Gilliar II, S 221 berichtet von einer Verhaftung am 02.11.1939

[2] verschiedene Einlieferungsdaten bei Wendel-Gilliar, II, S.221,  bei Weiler, Die Geistlichen in Dachau, S. 386 zitiert  Thoma und  Dogmala dort Einlieferungsdatum am 08.12.1940

[3] Wendel-Gilliar, a.a.O.

[4] Vgl. Anmerkung 1

[5] Vgl. Anmerkung 1

[6] Wendel-Gilliar (a.a.O.) gibt als Todesdatum 13.06.1942, das Diözesanarchiv Gniezno den 18.05.1942 an.

[7]Sliwka S 9f

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