P. Krystyn (Wojciech) Gondek


 

Seli­ger P. WOJCIECH KRYSTYN GONDEK OFM, (1909—1942)

Ordens­pries­ter, Fran­zis­ka­ner (OFM)
geb: 06.04.1909 [1]in Slona, Malo­pols­kie (Polen)

ver­haf­tet am 26.08.1940 in Wlo­cla­wek, danach gefan­gen in Szc­ze­g­lin

ab 29.08.1940  im KZ Sach­sen­hau­sen,

vom 14.12.1940 bis zu sei­nem Tod im KZ Dachau, Häft­ligsnr:  22 779[2]

+: 23. 07.1942 im KZ Dachau

Gedenk­tag: 23.07.

Patron der Diö­zese Tar­now

Als jun­ger Ordens­mann im Fran­zis­ka­ner­klos­ter in Wloc­ta­wek stand der selige P. Woj­ciech Gon­dek sehr unter dem Ein­fluss des Cha­ris­mas sei­nes Ordens. Er arbei­tete in der Seel­sorge als Kaplan.

„Er betete viel, ach­tete auf jedes sei­ner  Worte, ent­spre­chend benahm er sich auch im All­tag.

Jedoch die Schwie­rig­kei­ten des Lebens im KZ-Lager konnte er nur sehr schwer ertra­gen. Die schwere Arbeit und die schlech­ten Lebens­ver­hält­nisse  im Lager raub­ten ihn schnell sei­ner Lebens­kraft.

„Im Block schlie­fen wir neben­ein­an­der auf den Eta­gen­prit­schen. Bis zu sei­nem Ende betete er sehr viel.

Vor dem Tod ver­ab­schie­dete er sich von mir:

‚Auf Wie­der­se­hen im Him­mel‘.“ (Win­centy Kula)[3]

 



[1] Geb. 1900 nach Wei­ler, Die Geist­li­chen in Dachau, S 263

[2] Wei­ler, s 263

[3] Nach Sliwka, Mär­ty­rer für den Glau­ben, 1939-1945, S 28f

 

BIOGRAFIE

Woj­ciech Gon­dek wurde am 6 April 1909 im Dorf Slona in der Diö­zese Tar­now gebo­ren und zwei Tage spä­ter in der Pfarr­kir­che von Zakliczyn, 5 km von sei­nem zu hause ent­fernt, getauft.

Die­ses Gebiet , das König­reich Gali­zien, gehörte zu die­ser Zeit zum öster­rei­chisch unga­ri­schen Kai­ser­reich.

Im Zakliczyn gab es auch eine wei­tere Kir­che St. Marien (Matki Bos­kiej Ani­els­kiej), die näher bei Slona lag. In diese Klos­ter­kir­che der Fran­zis­ka­ner ging die Fami­lie Gon­dek zum Got­tes­dienst und um zu beten. So war Woj­ciech von Anfang an mit dem Orden der Fran­zis­ka­ner (lat.Ordo Fra­tum Mino­rum OFM)  ver­bun­den.

Seine Eltern Jan und Julia geb. Cichy waren Land­wirte.

Mit 10 Jah­ren been­dete  Woj­ciech die fünfte Klasse der Grund­schule mit sehr guten Noten.

Als ein­zi­ger unter den Geschwis­tern durfte er die wei­ter­füh­rende Schule besu­chen. Seine Geschwis­ter muss­ten schon früh in der elter­li­chen Land­wirt­schaft arbei­ten.

Auch Woj­ciech half mit, aber auf seine Weise. Wenn er z.B. Kühe wei­dem musste, hatte er Bücher dabei und las. Dabei sahen ihn die Fran­zis­ka­ner vom nahe­lie­gen­den Klos­ter. Sie spra­chen ihn dar­auf an und spür­ten Woj­ciechs große Sehn­sucht nach Lesen. Des­halb spra­chen sie mit sei­nem Vater über einen wei­te­ren Schul­be­such. „Sie nah­men den Sohn mit “ erin­nert sich seine Schwes­ter Wanda (Micha­lik ) noch nach Jah­ren. Etwas spä­ter kam der Junge auf Emp­feh­lung des Guar­di­ans, Paters Jan Mali­cki (spä­ter Pro­vin­zial und ein begna­de­ter Pre­di­ger und Volks­mis­sio­nar) nach Lwow. (Lem­berg).

Hier besuchte er in Jah­ren 1925-28 das Klos­ter­gym­na­sium des Hl. Anto­nius von Padua. Er zeigte sich hier als begab­ter und flei­ßi­ger Schü­ler. Er war teil­weise vom Schul­geld befreit, da die Eltern nicht aus­rei­chend Mit­tel zur Ver­fü­gung stan­den.

Woj­ciech konnte, Dank sei­ner Bega­bung, eine Klasse über­sprin­gen. Er wurde auch Klas­sen­spre­cher und sogar Vor­sit­zen­der der Schü­ler­ge­mein­schaft.

Am 16. 07.1928 , nach 3 Jah­ren am Col­lege, bat er offi­zi­ell um die Auf­nahme in den Fran­zis­ka­ner­or­den. Das wurde ihm gewährt. Er hatte auch die Unter­stüt­zung sei­nes Bischofs Leon Walega aus Tar­now bekom­men und 9 Tage spä­ter trat er tat­säch­lich in das Novi­ziat der Fran­zis­ka­ner in Wie­liczka ein.

Seine erste Ordens­ge­lübde legte er am 26.08.1929 in Wie­liczka ab, das gehörte auch zur Fran­zis­ka­ner Pro­vinz Mut­ter Got­tes (Ani­els­kiej).

Von dort aus wurde er nach Kra­kau (Kra­kow ) ver­setzt. Er stu­dierte bei den Kapu­zi­nern Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie mit dem Ziel Pries­ter zu wer­den, aber gleich­zei­tig holte er das Gym­na­sium nach. Im Jahr 1931 legte er das Abitur mit bes­ten Noten ab.

Danach kam er nach Prze­mysl, wo er wei­ter an der Hoch­schule des Pries­ter­se­mi­nars 1931 – 1936 stu­dierte. Er gehörte zu den Talen­tier­tes­ten, bes­ten und begab­tes­ten Stu­den­ten. Trotz­dem „war er sehr beschei­den und fromm. “ (wie sein Stu­di­en­kol­lege Jozef Kilar, spä­ter Prä­lat und Dom­ka­pi­tu­lar in Prze­mysl, berich­tete.)

Am 18 April 1933 legte Woj­ciech seine Ewi­gen Gelübde ab und nahm den Ordens­na­men Krys­tan an. Drei Jahre spä­ter, am 21.06.1936 wurde er vom Bischof Fran­cis­zek Bardy in der Kathe­drale in Prze­mysl zum Pries­ter geweiht.

Seine Pri­miz­messe zele­brierte er in Zakliczyn , in der Kir­che der Mut­ter Got­tes (der Engeln – Ani­els­kiej), dort wo er seine Beru­fung erkannt hatte und diese geför­dert wor­den war. Auch in andern Kir­chen u.a. bei den Klau­sur­schwes­tern in Kon­czys­kie sowie in der Hei­mat­ge­meinde sei­ner Mut­ter in Domosla­wice, beim unge­wöhn­li­che Bild der Mut­ter Got­tes mit dem Jesus Kind, fei­erte er die hei­lige Messe. Der erste Ort sei­nes Wir­kens war ein Fran­zis­ka­ner­klos­ter in Chelm Lub­el­ski, wo jetzt nach 70 Jah­ren wie­der eine Evan­ge­li­sa­tion statt fin­den konnte. Von dort wech­selte er nach einem Jahr nach Wlo­cla­wek ins Klos­ter der Aller­hei­li­gen, eines der weni­gen Klös­ter, die von der rus­si­schen Behör­den nicht geschlos­sen wor­den waren. In die­sem Klos­ter durf­ten nur max. 14 Paters woh­nen, denn es wurde vom rus­si­schen Staat finan­ziert. Hier, wo auch das Hei­lig­tum der Gna­den­rei­chen Mut­ter Got­tes von der zuver­läs­si­ger Hoff­nung war, wirkte der junge Pater Kry­styn als Beicht­va­ter, Seel­sor­ger der Kran­ken und Pre­di­ger.

Hier fei­erte er auch am 6 April 1939 sei­nen 30 Geburts­tag.

Er war ein jun­ger, talen­tier­ter und gesun­der Mann, ein Mönch der bereit war alle Her­aus­for­de­run­gen anzu­neh­men, die durch Got­tes Vor­se­hung und seine Vor­ge­setz­ten auf ihn zukom­men wür­den.

Aber die bis dahin bekannte ihm Welt war kurz vor dem Zusam­men­bruch und ihn erwar­tete eine per­sön­li­che Auf­gabe, ein beson­de­rer Kreuz­weg.

Am 01.09.1939 brach der 2. Welt­krieg aus. Schon am 14.09.1939 waren die Deut­schen Trup­pen in Wlo­cla­wek ange­kom­men. Sogleich begann die Ver­haf­tung und Liqui­die­rung der soge­nann­ten pol­ni­schen Intel­li­genz zu der auch die katho­li­schen Geist­li­chen gehör­ten. Tau­sende Polen wur­den ermor­det oder ver­schleppt. In ganz Polen wurde gemor­det, in Todes­gru­ben, Wäl­dern, Gefäng­nis­sen, KZ-Lagern.

Auch Wlo­cla­wek wurde nicht ver­schont. Noch im Sep­tem­ber 1939 wurde die Stadt an die neu geschaf­fene Region „Reichs­gau Posen „, spä­ter“ Reichs­gau Wart­he­land“ ange­schlos­sen, war damit unmit­tel­bar Teil des deut­schen Staats­ge­biets. Das neue Recht wurde sofort umge­setzt . Schon in der Nacht von 7. auf den 8. Sep­tem­ber 1939 kam die Gestapo in die Gebäude des Pries­ter­se­mi­nars und ver­haf­tete dort 45 Pro­fes­so­ren, Semi­na­ris­ten und meh­rere Pries­ter. Auch der eben­falls selige gespro­chene Weih­bi­schof Michal Kozal war unter den Ver­haf­te­ten.

Nach Aus­sage des neu ernann­ten Füh­rers des“Reichgaues Wart­he­lan­des „, Artur Karl, gab es kei­nen Platz mehr für den katho­li­schen Kle­rus in sei­nem Herr­schafts­be­reich.

Das  Wart­he­land sollte ein Gebiet „ohne Gott, ohne Reli­gion, ohne Pries­ter, ohne Sakra­mente sein“, ganz im Sinn der geplan­ten neuen deut­schen Reli­gion, in der nur die Ver­eh­rung Adolf Hit­lers vor­ge­se­hen war.

Die Ver­haf­tun­gen der katho­li­schen Geist­li­chen fan­den stu­fen­weise im Februar und März 1940 statt. Eine dritte Welle kam am 26.08. 1940, am Fest der Schwar­zen Madonna von Czesto­chowa ( Tschen­sto­chau).

Bis zu die­sem Tag diente Pater Kry­styn im Klos­ter. Da viele Pries­ter ver­haf­tet waren ,  fehl­ten Seel­sor­ger und die Ver­blei­ben­den hat­ten es immer mehr zu tun um den Gläu­bi­gen bei­zu­ste­hen. Der selbst­lose Pater Kry­styn war bereit zu hel­fen.

Am 26 August 1940 wurde fast die ganze ver­blie­bene Geist­lich­keit vom Wlo­cla­wek ver­haf­tet. Auch die Fran­zis­ka­ner des Klos­ters, unter ihnen auch Pater Kry­styn. Zunächst wur­den die Gefan­ge­nen in das Dorf Szc­ze­g­lin bei Mogilno in ein Durchgangs- und Arbeits­la­ger gebracht, wo sie in Neben­ge­bäu­den, Stäl­len und Scheu­nen unter gebracht waren.

Nach 3 Tagen wurde P. Gon­dek und viele andere Pries­ter in Las­tern weg gebracht, zunächst in Rich­tung Ber­lin.

“ …dort hiel­ten die Fahr­zeuge an einer Ampel. Die Pas­san­ten frag­ten , wer in den Las­tern sei. Die Ant­wort lau­tete: „pol­ni­sche Ver­bre­chern“. Sie behan­delte uns, wie Ver­bre­cher.

Die Auf­pas­ser tob­ten, scho­ben und schlu­gen uns mit Fäus­ten, ein älte­rer Mann mit dem Stock. In Ber­lin hieß es: „Raus !!.“ Wir stan­den in einer Reihe, so das uns alle sehen konnte.“ Dies berich­tete Pater Jan Kubi­cki.

Schließ­lich kamen die Geist­li­chen im KZ Sach­sen­hau­sen an. Hier wurde Pater Kry­styn, wie auch alle ande­ren pol­ni­sche Gefan­gene geschla­gen, miss­han­delt und zu mensch­lich gese­hen uner­träg­li­cher Arbeit gezwun­gen.

Er musste Zie­geln für den Stra­ßen­bau tra­gen. Bei bit­te­rer Kälte waren die Gefan­ge­nen hung­rig und wur­den so sehr schi­ka­niert, dass nicht nur die älte­ren unter ihnen krank wur­den. P. Kry­styn zählte zu den Jün­ge­ren, aber auch er wurde krank.

Am 14.12. 1940 war er mit einer gro­ßen Gruppe Geist­li­cher aus dem KZ Sach­sen­hau­sen ins KZ Dachau depo­niert, wo hun­derte ande­rer pol­ni­scher Pries­ter waren.

Hier bekam er eine gestreifte Häft­lings­klei­dung, mit einem auf­ge­näh­ten rotem Dreieck-aus Stoff mit Buch­stabe -P und die Häft­lings­num­mer Nr. 22779. Dies bedeu­tete, dass er ein poli­ti­scher Gefan­ge­ner aus Polen war.

Pater Gon­dek kam, in Block 28 der zum Pries­ter­block gehörte. Die Mehr­heit der hier gefan­ge­nen Geist­li­chen waren aus Polen, aber aus den Nie­der­lan­den und Bel­gien waren Geist­li­che unter ihnen.

Die Pries­ter­ba­ra­cken 26, 28 und 30 wur­den zusätz­lich mit Stahl­draht vom Lager getrennt und bewacht.

Der Mit­ge­fan­gene Pfar­rer Win­zenty Kula erin­nerte sich: „wir wur­den zusam­men ver­haf­tet. In Dachau „wohn­ten und schlie­fen“ wir im sel­ben Raum, wir arbei­te­ten gemein­sam übli­cher­weise am Feld bei der Kar­tof­fel­ernte, oder beim Unkraut jäten. Ich habe ihn sehr gut gekannt. Er war ein 30- jäh­ri­ger jun­ger Pater und war stets bemüht seine pries­ter­li­che Würde auch in die­ser Umge­bung zu wah­ren. Er war ein Mann des Gebe­tes, seine Worte waren gut über­legt und sie ent­spra­chen auch sei­nem Beneh­men. Aber er konnte kaum die Lager­be­din­gun­gen ertra­gen. Durch die schwere kör­per­li­che Arbeit und die Lebens­um­stände war er erschöpft. Aber er betete bis zum Ende.“

Das Jahr 1941 war im KZ Dachau für die gefan­ge­nen Geist­li­chen ein biss­chen leich­ter zu ertra­gen. Dank der Ver­hand­lun­gen des Apos­to­li­schen Stuhls mit Ber­lin wurde im Januar 1941 im Block 26 eine Kapelle errich­tet in der die hei­lige Messe täg­lich gefei­ert wurde. Es war aber nur einem Geist­li­chen erlaubt diese zu zele­brie­ren.

„Die Situa­tion dort erin­ner­ten an die der ers­ten Chris­ten, die in den römi­schen Kata­kom­ben heim­lich Got­tes­dienste fei­er­ten.“, erzählte Bischof F. Kor­szyn­ski.

Die Hos­tien und Mess­wein wur­den aus der benach­bar­ten Stadt Dachau vom dor­ti­gen Pfar­rer gelie­fert, aber auch geschmug­gelt. Manch­mal auch in den Pake­ten von der Fami­lie. Offen­bar wur­den diese Hos­tien bei den Kon­trol­len der Pakete nie ent­deckt.

Aber die ver­gleichs­weise „guten Zei­ten „ende­ten mit dem 19. 09.1941.

Alle nicht deut­schen Geist­li­chen wur­den befragt, ob sie Volks­deut­sche sei­nen. Die pol­ni­schen Pries­ter wei­ger­ten sich als „Volks­deut­sche “ in Lis­ten ein­ge­tra­gen zu wer­den . Sie stan­den fest zu Ihrer Iden­ti­tät, de pol­ni­schen Natio­na­li­tät sowie zu ihrer pries­ter­li­chen Würde und Beru­fung.

Der mit­ge­fan­ge­ner Pfar­rer Feliks Win­dorp­ski schrieb: „Ende Sep­tem­ber 1941 wur­den alle (nicht deut­schen) Pries­ter auf der Straße des Blocks 28 ver­sam­melt. Lager­füh­rer Egon Zill teilte mit: „Alle eure Pri­vi­le­gien enden. Von nun an gel­ten alle Vor­teile nur noch für deut­sche Geist­li­che und die­je­ni­gen die sich zur Deutsch­land beken­nen. Diese gehen in den pri­vi­le­gier­ten Block 26, in dem sich auch die Kapelle befin­det. Zu die­ser Zeit waren wir etwa 1 000 pol­ni­sche Pries­ter.

Nach der  zwei­ten Frage wer „Volks­deut­scher“ sei, erhob kein Pries­ter die Hand. Nach einer Weile mel­dete sich nur ein evan­ge­li­scher Pas­tor. Sonst nie­mand. Dies brachte den Lager­füh­rer in Wut. Er beschimpfte uns als „Sau­pola­ken“, Pfaf­fen etc. und ging weg. „

Dar­auf­hin wur­den alle nicht deut­schen Geist­li­chen zu über­mensch­li­cher Zwangs­ar­beit ein­ge­teilt.

„Im Januar 1942 wurde ange­kün­digt , alle Pries­ter sol­len nun einen neuen Beruf aus­üben, da sie nie mehr zu ihrem Seel­sor­ge­dienst zurück keh­ren wür­den. Frei­wil­lig mel­dete sich kei­ner. Zwangs­weise wur­den Pries­ter dar­auf hin zu Tisch­lern, oder Mau­rern umge­schult. Nach zwei Mona­ten gin­gen die Mau­rer in die Wirt­schafts­be­triebe im Lager und die Stein­metze began­nen mit dem Bau der soge­nann­ten Bara­cke X, dem Kre­ma­to­rium.

Der Rest der Pries­ter arbei­tete am Feld in der ans Lager anschlie­ßen­den Plan­tage, in der Abtei­lung Frei­land beim Anbau von Heil­kräu­ter und Gewür­zen. Einige Geist­li­che muss­ten sogar als „Arbeits­pferde“, d.h. als mensch­li­che Zug­tiere, schwere Wagen zie­hen.

Es gab kei­nen ein­zi­gen Tag ohne Todes­fälle. Bei den schwe­ren Arbei­ten wur­den die Pries­ter in Was­ser­grä­ben gewor­fen, bis zur Bewust­lo­sig­keit geschla­gen oder sie star­ben an Hun­ger. „Kei­ner hatte einen natür­li­chen Tod“. berich­tete Pfar­rer Feliks Win­dorp­ski.

Die Skla­ven­ar­beit im Freien ver­lief unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen . Im Win­ter gab es trotz Frost und Schnee keine warme Klei­dung. Im Som­mer musste in der hei­ßen Sonne gear­bei­tet wer­den.

Die Gefan­ge­nen muss­ten auch stun­den­lang auf dem Appell­platz ste­hen, es kam zu erschöp­fungs­be­ding­ten Krank­hei­ten.

Am Schlimms­ten aber war der Hun­ger. Vor Hun­ger konn­ten die Gefan­ge­nen kaum an ande­res als Essen den­ken. Der wich­tigste Gedanke war: Wo bekomme ich ein Stück Brot!? Das Gewicht der Gefan­ge­nen sank dra­ma­tisch, oft bis unter 40 Kg.

Pfar­rer Fran­cis­zek Maczyn­ski ( 1901 Pacyn-1998 Rom), spä­ter Rek­tor des Päpst­li­chen Pol­ni­schen Kir­chen­in­sti­tuts in Rom, erin­nerte sich:

„Das Gefühl stän­dig hung­rig und schwach zu sein und mit Bedau­ern den Hun­ger aller beob­ach­ten zu müs­sen, war schlimm. „Warum wer­den diese Steine nicht zum Brot?, dach­ten wir. …Die Leute aßen die schlimms­ten Dinge um den Magen zu fül­len… Ein Stück Brot das einem Kind auf die Straße her­un­ter gefal­len war, galt als Deli­ka­tesse. Auch gestoh­lene Reste aus dem Hun­den­apf oder den Kanin­chen­kä­fi­gen im Lager, eine heim­lich geholte Hand voll Hafer aus dem Hüh­ner­stall waren etwas Beson­ders, wenn auch dar­auf die Todes­strafe stand. Doch die­ses half den Hun­ger für eine Weile zu ver­ges­sen.

Trotz­dem kam der Tod oft näher. …Lang­sam zeig­ten sich Anschwel­lun­gen an den Füßen und wenn diese zum Bauch kamen, bedeu­tete das das Ende. Keine Ret­tung war mög­lich. Der Rumpf war abge­ma­gert, Beine dick und schwer in schwe­ren Stiefel…..die sie kaum mehr nach­zie­hen konn­ten.“

 

Und Pfar­rer Tade­usz Gaik erzählt in der Bio­gra­fie über Pfar­rer Miczyslaw Klocz­kow­ski (1910 Kielanowice-1942 Dachau):

„Hun­ger war für uns alle hier in Dachau wie eine Fol­ter. Vor zwei Tagen am Nach­mit­tag habe ich die dop­pelte Menge Suppe bekom­men auch ein Kol­lege schenkte mir eine Por­tion, also ins­ge­samt bekam ich eine drei­fa­che Por­tion Essen und mein Magen war dies­mal voll ,aber die­ser H U N G E R war immer noch in mir. Ich fühlte, ich hätte einen gan­zen Kes­sel Suppe aus­trin­ken kön­nen.

Ein mal am Tag bekomme ich ein Vier­tel Brot . Ich esse es auf, aber ich hätte ein, zwei …….zehn Leibe essen kön­nen. Die­ser Hun­ger wäre wei­ter uner­sätt­lich gewe­sen, nicht zu stil­len „

Pater Kry­styn spürte, dass er das Lager nicht über­lebe würde, aber er ver­lor nicht die Hoff­nung. Er schrieb Briefe mit der Bitte um Gebet und hoffte wei­ter am Leben zu blei­ben.

Aber er akzep­tierte den Wil­len Got­tes. Wäh­rend der Ver­fol­gun­gen durch die SS Män­ner bewahre er immer den leben­di­gen Glau­ben, die Liebe zu dem Nächs­ten und zu Gott, sowie den Geist des Gebe­tes. Die Fami­lie und Freunde ver­such­ten sich für seine Frei­las­sung ein­zu­set­zen. Die mutige Mut­ter schrieb sogar einen Brief an Hit­ler.

Im Jahre 1942 war es das Ziel die Geist­li­chen durch Hun­ger und Zwangs­ar­beit zu töten. In soge­nann­ten “ Inva­li­den Trans­por­ten “ wur­den vor Erschöp­fung nicht mehr arbeits­fä­hige Gefan­gene in das Euthanasie-Zentrum im Schloss Hart­heim in Öster­reich gebracht, wo ins­be­son­dere geis­tig Behin­derte, chro­nisch Kranke und psy­chisch Kranke, dar­un­ter auch Kin­der, ermor­det wur­den.

Dort in den Gas­kam­mern wur­den auch zahl­rei­che pol­ni­sche Pries­ter umge­bracht.

Auch Pater Gon­dek war in so einem „hoff­nungs­lo­sen Zustand.“ Er wurde aus­ge­son­dert und in das “ Lager­kran­ken­haus“, das soge­nannte „Revier“ gebracht. Von dort gin­gen die Trans­porte in die Gas­kam­mern ab.

Noch auf dem Weg ins Revier gab Pater Kry­styn einem Mit­ge­fan­ge­nen seine noch gut erhal­tene Mütze mit den Wor­ten:

„Ich komme nicht mehr zurück.

Der HERR war­tet auf mich“. Und er schloss: „Ja, ich gehe zum Gott“.

Der Pries­ter Kula erin­nerte sich an fol­gende Abschieds­worte :

„Auf Wie­der­se­hen im Him­mel“.

Jedoch erlebte P. Kry­styn den nächs­ten Inva­li­den­trans­port nach Hart­heim nicht mehr. Die­ser war für den 10.08.1942 geplant. Einige Tage zuvor, am 23.07.1942 ging er in die Ewig­keit ein.

Er starb in der “ Kran­ken­sta­tion“ an Hun­ger und Erschöp­fung . Die offi­zi­elle Todes­ur­sa­che lau­tet gemäß der Lager­kar­tei: „Diarrhoe-blutiger Durch­fall“.

Der Jesuit Pater Adam Kozlow­ski, spä­ter Kar­di­nal, schrieb in sei­ner tage­buch­ar­ti­gen Bio­gra­fie unter dem Datum 23.07.1942: „gestor­ben: Pater Woj­ciech Gon­dek. 33 Jahre alt.“

Pfar­rer Tade­usz Gaik erwähnte schon frü­her:

„In ihm starb ein Pries­ter der noch lange und frucht­bar hätte leben kön­nen.“.

Mit­häft­ling Prof. Pfar­rer Sta­nis­law Librow­ski berich­tete: „Pater Kry­styn gab sein Leben für Gott und Polen“.

 

Seine Lei­che wurde im Lager­kre­ma­to­rium ver­brannt .

Auf den Brief der ver­zwei­fel­ten Mut­ter, die ihren Sohn hatte ret­ten wol­len, kam nie eine Ant­wort .

Aber die deut­sche Gestapo kam dar­auf­hin ins Hause der Fami­lie Gon­dek und durch­ge­suchte alles. Erst ein paar Tage spä­ter kam die Nach­richt vom Tod des Soh­nes.

Pater Gon­dek hin­ter­ließ ein Bre­vier, einen Rosen­kranz und ein klei­nes Medail­lon mit dem Bild­chen der Schwar­zen Madonna aus Tschen­sto­chau.

Er wurde von hei­li­gen Papst Johan­nes Paul II am 13.06.1999 in War­schau mit 107 wei­te­ren Mär­ty­rer des Zwei­ten Welt­krie­ges selig gespro­chen.

Über­set­zung: Irene Janit­zek

Text­be­ar­bei­tung: Monika Neu­dert

 

 Quel­len: https://pl.wikipedia.org/wiki/Krystyn_Gondek

http://www.swzygmunt.knc.pl/MARTYROLOGIUM/POLISHRELIGIOUS/vPOLIS/HTMs/POLISHRELIGIOUSmartyr0740.htm

http://www.swzygmunt.knc.pl/SAINTs/HTMs/0723blKRYSTYNWOJCIECHGONDEKlmartyr01.htm

http://brewiarz.pl/czytelnia/swieci/07-23d.php3

http://www.zspig.zakliczyn.pl/index.php?id=21&option=com_content&task=view

http://gosc.pl/doc/1425762.Do-zobaczenia-w-niebiehttp://www.swietyjozef.kalisz.pl/Dachau/48.html

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