P. HILARY (PAWEL) Januszewski


P. HILARY JANUSZEWSKI (PAWEL ), (1907–1945)

Beschuh­ter Kar­me­li­ter­pa­ter (OCam.), Prior des Klos­ters in Kra­kau
geb: 11.06.1907 in Kra­jenki, Kujawsko-Pomorskie (Polen)

Ver­haf­tet am 04.12.1940 in Kra­kau, im frei­wil­li­gen Aus­tausch für einen alten und kran­ken Mit­bru­der

nach einem Auf­ent­halt im KZ Sach­sen­hau­sen wurde er am 19.09.1941 ins KZ Dachau ein­ge­lie­fert. Häft­lings­num­mer: 27648

+: 25 03. 1945 im KZ Dachau, 37 J.alt, an Fleck­fie­ber, Infek­tion bei frei­wil­li­ger Pflege kran­ker Kame­ra­den

Gedenk­tag: 25.03.

Kurz­bio­gra­fie:

der selige Pries­ter und Mär­ty­rer Hil­ary Pawel Janus­zew­ski, gebo­ren in Kra­jenki, besuchte meh­rere Schu­len und legte das Abitur  schließ­lich in Kra­kau ab. Er trat 20-jährig in den Orden der Beschuh­ten Kar­me­li­ter ein. Nach der Pries­ter­weihe  stu­dierte er in Kra­kau und am St. Albert Col­leg der Kar­me­li­ter in Rom und wurde 1934 in Rom zum Pries­ter geweiht.

In Kra­kau zurück­ge­kehrt,  wurde er am ordens­ei­ge­nen Pries­ter­se­mi­nar Pro­fes­sor für Dog­ma­tik und Kir­chen­ge­schichte, 1939 auch Prior des Klos­ters. Wäh­rend der deut­schen Besat­zung wur­den einige der Kar­me­li­ten des Kra­kauer Klos­ters ver­haf­tet. Als beim zwei­ten Besuch alle anwe­sen­den Geist­li­chen ver­haf­tet wur­den, setzte sich der zufäl­lig bei der Ver­haf­tung abwe­sende Prior für die Frei­las­sung beson­ders eines alten und kran­ken Mit­bru­ders ein. Statt sei­ner wurde  P. Hil­ary Janus­zew­ski fest­ge­nom­men, im Gefäng­nis Mon­te­lu­pich in Kra­kau fest­ge­hal­ten, dann nach­ein­an­der in ver­schie­dene Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gebracht. Die let­zen Jahre, ab 1940, war er im  Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau. Dort fiel er durch seine Hilfs­be­reit­schaft auf. Er suchte auch das Gebet mit ande­ren Ange­hö­ri­gen des Ordens, aus ver­schie­de­nen Län­dern.

Als 1945 im Lager Typhus aus­brach, mel­de­ten sich über 30 Geist­li­che zur frei­wil­li­gen  Kran­ken­pflege und Seel­sorge an den Ster­bende. Nach nur 21 Tagen, infi­zierte sich P. Hil­ary Janus­zew­ski mit der töt­li­chen Krank­heit. Er starb am 25.03.1945 im KZ Dachau.

Bio­gra­fie:

Pawel Janus­zew­ski wurde am 11.06.1907 in Kra­jenki, in Pom­mern, gebo­ren und am 13.06. 1907 in der Kir­che Christ­kö­nig getauft. Von sei­nen Eltern lernte er den christ­li­chen Glau­ben. Seine Eltern Marian und Mari­anna waren arm, sie arbei­te­ten als Tage­löh­ner bei Deut­schen. Pawel hatte 9 Geschwis­ter.
1915 zog die Fami­lie nach Greb­lino, wo sein Vater und der ältere Bru­der bei einem rei­chen, deut­schen Grund­be­sit­zer arbei­te­ten. Hier, in Greb­lino ver­brachte Pawel seine Kind­heit und hier besuchte er die Grund­schule.
1922-1924 besuchte er das Gym­na­sium in Suchary, es war eine Ordens­schule der Pal­lot­ti­ner. Lei­der musste er diese Schule wegen finan­zi­el­ler Pro­bleme der Fami­lie ver­las­sen. Er kehrte zur Fami­lie zurück und lerne alleine, mit Hilfe sei­ner Schwes­ter, die Leh­re­rin war, den Stoff der 3. Klasse am Gym­na­sium.
Ein Jahr spä­ter besuchte er die Schule bei den Patres der Kon­gre­ga­tion vom Hei­li­gen Erz­en­gel Michael in Paw­li­ko­wice. Das lag weit von zuhause ent­fernt, in der Nähe von Wie­liczka (4 km ent­fernt) bei Kra­kau. Hier been­dete er die 4. Klasse des Gym­na­si­ums. Er blieb von da an in der Nähe Krakaus. Mit 19 Jah­ren musste er für sei­nen Unter­halt sel­ber sor­gen und gleich­zei­tig wei­ter­ler­nen.
1927 legte er die Abitur­prü­fung ab und ent­schied sich am 20.09.1927 für die Beru­fung zum Pries­ter. Diese Ent­schei­dung war schon lange in ihm gewach­sen und gereift. Er bewarb sich bei den Kar­me­li­tern der alten Obser­vanz (beschuhte Kar­me­li­ten) in Kra­kau Pia­sek.
In der Bewer­bung schrieb er: „Seit der Kind­heit spüre ich das unwi­der­steh­li­che Ver­lan­gen in den geist­li­chen Stand ein­zu­tre­ten. Ich ent­scheide mich, nach der Stimme des Her­zens zu han­deln und mich dem Dienst für Gott zu wid­men. Ich bin 20 Jahre alt und ab jetzt will ich nur für Gott leben.
Er bekam bei der Auf­nahme den Ordens­na­men Hil­ary (Hil­arius) und bis zum Ende sei­nes Lebens „lebte er nur für Gott.“
Das Novi­ziat ver­brachte er in Lwów (Lem­berg), wo er am 30.12.1928 die ers­ten Gelübde ablegte.
1931 schloss er das Stu­dium der Phi­lo­so­phie in Kra­kau ab und wurde wegen sei­ner beson­de­ren Fähig­kei­ten zum wei­te­ren Stu­dium der Theo­lo­gie nach Rom geschickt, an das ordens­ei­ge­nen Col­le­gio Sant´ Alberto.
Der Gene­ral­prior der Beschuh­ten Kar­me­li­ten, P. Kilian Healy, der damals im Stu­di­en­gang drei Jahre hin­ter P. Hil­ary war, war sehr beein­druckt von dem flei­ßi­gen und intel­li­gen­ten Stu­di­en­kol­le­gen, beson­ders wegen sei­ner stän­di­gen „bewuss­ten kon­tem­pla­ti­ven Hal­tung“. Er war „ruhig, zurück­hal­tend, fast unsicht­bar und sprach leise.“
Er war ein ruhi­ger, schweig­sa­mer und ein­sa­mer Junge, den man kaum wahr­nahm. Er war nur beschäf­tigt mit der Bezie­hung zu Gott. Andere erkann­ten in ihm einen stil­len und wei­sen Mann, der das Stu­dium liebte. Man konnte in ihm ein tie­fes inne­res Leben erah­nen. Beson­ders seine stän­dige bewusst kon­tem­pla­tive Hal­tung beein­druckte.
Hier lebte er in einer inter­na­tio­na­len Gemein­schaft aus der gan­zen Welt, in der die schwie­rige, poli­ti­sche Situa­tion in Europa dis­ku­tiert wurde. Er lernte eine neue Gene­ra­tion von Kar­me­li­ten ken­nen, die das Jahr­hun­dert prä­gen sollte. Seine Pro­fes­so­ren waren Män­ner, die dem Orden einen
hohen Stel­len­wert in aka­de­mi­schen Krei­sen ver­lie­hen, wäh­rend sie zugleich als enga­gierte Brü­der im Kar­mel leb­ten: Bar­tho­lomé Maria Xiberta (Dog­ma­tik), Alberto Gram­ma­tico (fun­da­men­tale Moral­theo­lo­gie und Pre­digt), John Bren­nin­ger (Spi­ri­tu­elle Theo­lo­gie), Enri­que Esteve und Euge­nius Dries­sen (Exegese), Guglielmo Jaz­zetta (Fun­da­men­tal­theo­lo­gie).

Am 03.12.1931 legte er die Ewi­gen Gelübde in Rom ab.
Sein letz­tes Jahr in Rom war haupt­säch­lich der Vor­be­rei­tung des Lek­tor­gra­des gewid­met. Er erhielt ihn durch eine Dis­ser­ta­tion über ein theo­lo­gi­sches Thema, das er vor einer Kom­mis­sion von Pro­fes­so­ren ver­tei­di­gen musste. In der Kar­mel­bi­blio­thek von St. Albert gibt es eine Kopie die­ser Dis­ser­ta­tion. Das Thema und die Art der Durch­füh­rung zei­gen viel von Hil­arius’ Cha­rak­ter: „Die Kon­se­kra­tion eines Zibo­ri­ums (mit Hos­tien), die wegen der Ver­gess­lich­keit des Pries­ters ohne Kor­po­rale geschieht.“ 106 Sei­ten lang behan­delt er die sekun­däre Frage der Moral­theo­lo­gie, ob das Zibo­rium auf dem Kor­po­rale sein muss, um gül­tig kon­se­kriert zu sein. P. Hil­arys gab in sei­nem Vor­wort durch­aus zu, dass er sich mit einer sekun­dä­ren Frage beschäf­tigt. Aber er erklärte die Wahl des The­mas mit sei­nem beharr­li­chen, soli­den pol­ni­schen Glau­ben und sei­ner tie­fen Ver­eh­rung des Altar­sa­kra­ments. Er bekannte, dass er immer schon seine erste aka­de­mi­sche Arbeit einer Frage der Eucha­ris­tie wid­men wollte, „wegen der Bedeut­sam­keit in Bezug auf die Erlö­sung der Men­schen“, und meinte, die Frage sei sehr pra­xis­nah für den täg­li­chen Dienst des Pries­ters.
Als Pole, der den Glau­ben von Vor­fah­ren über­lie­fert bekam, die oft und schwer für ihren Glau­ben gelit­ten hat­ten, zeigte Pater Hil­ary eine bedin­gungs­lose Hin­gabe an die Grund­la­gen des Glau­bens. Dazu gehört wesent­lich die Bedeu­tung der Eucha­ris­tie, die Auf­merk­sam­keit und Liebe sogar in den kleins­ten sie betref­fen­den Fra­gen ver­dient. Die­ses uns von der Kir­che als Mit­tel der Erlö­sung gege­bene Sakra­ment muss auch theo­lo­gi­sche Wert­schät­zung erfah­ren; han­delt es sich doch um die gott­ge­schenkte Begeg­nung mit der Erlö­ser­macht unse­res Herrn und Hei­lands. Pater Hil­ary sah es aus die­sen bei­den Grün­den als seine Auf­gabe an, eine Auf­fas­sung zu ver­tei­di­gen, die sich sogar gegen den ver­eh­rungs­wür­di­gen Patron der Moral­theo­lo­gen, den hl. Alfons von Liguori, wandte. Die­ser hielt ein Zibo­rium, das bei der Messe nicht auf dem Kor­po­rale steht, nicht für kon­se­kriert. Ohne die Ver­dienste diese Hei­li­gen schmä­lern zu wol­len, legte P. Hil­ary seine Mei­nung in ele­gan­tem Latein und mit theo­lo­gi­schem Scharf­sinn dar.
Mit dem Titel eines Lek­tors und einem Preis, der außer­ge­wöhn­li­chen Stu­den­ten der Römi­schen Aka­de­mie des hl. Tho­mas von Aquin vor­be­hal­ten ist, beschloss er sein Stu­dium in Rom. Am 15.08.1934 wurde er in Rom zum Pries­ter geweiht, im letz­ten Jahr sei­nes Stu­di­ums, das er mit Aus­zeich­nung als Dok­tor der Theo­lo­gie been­dete.
Als bes­ter Stu­dent ver­ließ er Rom und kehrte 1935 nach Kra­kau zurück.
Als Dozent für Dog­ma­tik und Kir­chen­ge­schichte lehrte er am Insti­tut der pol­ni­schen Pro­vinz in Kra­kau. Auch war er als Schatz­meis­ter und Sakris­tan für den Orden tätig sowie Rek­tor des Maria­ni­schen Hei­lig­tums U.L. Frau auf dem Sand bei Kra­kau. Er war auch Prä­fekt der Semi­na­ris­ten.
Ende 1939 ernannte ihn Pro­vin­zial P. Eli­seus Sánchez-Paredes zum Prior des Kar­mel­k­los­ters in Kra­kau.
Die mit ihm leb­ten, bezeug­ten seine Sorge für die Brü­der und die reli­giöse Obser­vanz. Mit sich selbst streng, war er ver­ständ­nis­voll, gerecht, gedul­dig und gütig gegen­über sei­nen Mit­brü­dern. Seine beson­dere Auf­merk­sam­keit galt den Kran­ken und Bedürf­ti­gen.

Er enga­gierte sich auch sozial: Man sagte über ihn: „Der gütige Pries­ter war eif­rig für Wai­sen­kin­der da. Immer eilte er gerne zur hei­li­gen Messe oder zum Hören der Beichte ins Wai­senheim. Ich sehe ihn immer noch vor mei­nem geis­ti­gen Auge, wie der gütige Pater in den Kra­kauer Stadt­teil Zwierzy­niec kam, um dort viele Stun­den mit den Ärms­ten zu ver­brin­gen.“
Wäh­rend der deut­schen Besat­zung nahm er im Klos­ter eine Gruppe Flücht­linge aus Poz­nań auf. Die Türen des Klos­ters ver­schloss er vor Lei­den­den nie. Er gab ihnen nicht nur Zuflucht, son­dern auch mora­li­sche Unter­stüt­zung.
Nach der Anek­tion eines Teils Polens durch das Deut­sche Dritte Reich begann die Ver­fol­gung der katho­li­schen Kir­che mit dem Ziel sie zu eli­mi­nie­ren. Die Mehr­heit der Seel­sor­ger und Ordens­leute wurde in KZ´s ins­be­son­dere im KZ Dachau inter­niert.
Im Klos­ter in Kra­kau waren zu die­ser Zeit 12 Patres, 15 Brü­der und 20 Kle­ri­ker. Bei der Gestapo ging eine Anzeige ein, in der Klos­terkir­che würde das ver­bo­tene Lied „Lieb­rei­che Mut­ter“ (Ser­deczna Matko) gesun­gen.
Am 18./19. Sep­tem­ber 1940 kam die Gestapo in den Kra­kauer Kar­mel und ver­haf­tete meh­rere Brü­der , dar­un­ter den Sub­prior P. Leon Koza und den Stu­di­en­prä­fek­ten P. Albert Urban­ski. P. Hil­ary hielt es für seine Pflicht, alles zu tun, was in sei­ner Macht stand, um ihnen zu hel­fen. Er ver­suchte mit Hilfe von Freun­den, die Mit­brü­der aus dem Mon­te­lupich Gefäng­nis zu befreien.
Am 04.12.1940 kam die Gestapo wie­der um dies­mal alle Ordens­leute bis auf P. Hil­ary zu ver­haf­ten, der zu die­ser Zeit abwe­send war. Prior P. Hil­ary Janus­zew­ski ent­schied sich mit der Gestapo zu ver­han­deln.  Er erklärte, er sei der Prior und damit der Ver­ant­wort­li­che des gan­zen Klos­ters. Er bat um die Frei­las­sung aller Fest­ge­nom­me­nen, beson­ders für den älte­ren und sehr kran­ken P. Jan Maria Knoba. „Ich bin jün­ger und werde bes­ser für euch arbei­ten kön­nen.“
Diese Bitte wurde gewährt und P. Knoba wurde frei­ge­las­sen. Dafür wurde aber P. Hil­ary fest­ge­nom­men. Zuerst wurde er im Gefäng­nis Mon­te­lupich in Kra­kau, spä­ter im KZ Sach­sen­hau­sen inhaf­tiert. Dort wurde ihm die Häft­lings­num­mer 37088 zuge­teilt.
Am 19.09.1941 wurde er ins KZ Dachau ein­ge­lie­fert. Er wurde, wie alle Häft­linge dort, mit den Wor­ten begrüßt: „ Ihr seid im KZ Dachau, von hier gibt es kei­nen Aus­weg.“ Der Mit­ge­fan­gene  Jan Domagala über­setzte, um den Kame­ra­den Mut zu machen: „Ihr seid in Dachau, von hier kann man raus. Durch­hal­ten!“
P. Hil­ary erhielt hier die Häft­ling­num­mer 27648. Er wurde der Bara­cke 28 zuge­wie­sen, einer der Pries­ter­ba­ra­cken. Hier war der Blo­ck­äl­teste (vor­ge­setz­ter Mit­häft­ling) beson­ders grau­sam.
P. Hil­ary ver­brachte 4 Jahre im KZ Dachau. Er erlebte Qua­len, unend­li­chen Hun­ger, Kälte, Krank­heit und totale Erschöp­fung. Beson­ders das Jahr 1942 brachte im KZ Dachau rund 700 pol­ni­schen Pries­tern den Tod. Er musste, wie die ande­ren Geist­li­chen, schwere kör­per­li­che Arbeit in der Plan­tage leis­ten.
Man schätzte ihn für seine Güte, Hilfs­be­reit­schaft und auf­op­fernde Hal­tung. Sein Gemüts­zu­stand war hei­ter. Er gab ein gutes Bei­spiel für das Gebets­le­bens, ermu­tigte andere und gab Ver­trauen in eine bes­sere Zukunft. Bald fiel er wegen sei­ner Liebe gegen­über den lei­den­den Mit­ge­fan­ge­nen auf. Mit gro­ßer Ein­fach­heit diente er und half den Mit­ge­fan­ge­nen, er ermu­tigte und gab Zuver­sicht und teilte alles, was er hatte. Er legte seine eigene spär­li­che Bro­tra­tion für jene bei­seite, die Hun­ger lit­ten.

„Ihr müsst nach Kra­kau zurück­keh­ren, um im Wein­berg des Herrn zu arbei­ten“, legte er sei­nen kar­me­li­ti­schen Mit­brü­dern ans Herz.

Als einige der Brü­der star­ben, war er von Kum­mer über­wäl­tigt.
Ein Mit­ge­fan­ge­ner erin­nerte sich: „Nicht nur ich hatte in ihm im KZ einen Freund gefun­den. …Er wurde für seine Güte und Hilfs­be­reit­schaft geschätzt. Nie ver­wei­gerte er Hilfe. Er hatte ein mil­des Gemüt. Viele Trost­be­dürf­tige sam­mel­ten sich um ihn.“
Alle Kar­me­li­ten im Lager tra­fen sich nach dem Appell, natür­lich heim­lich, zum gemein­sa­men Gebet. Dabei waren auch Kar­me­li­ten ande­rer Natio­na­li­tä­ten unter ande­rem der hol­län­di­sche Kar­me­li­ten­pa­ter, der selige P. Titus Brandsma.
Am Kar­mel­fest, dem 16. Juli 1942, tra­fen sich meh­rere Kar­me­li­ten aus ver­schie­de­nen Bara­cken, um ihr Patro­nats­fest zu fei­ern; unter ihnen der selige P. Titus Brandsma, Pro­fes­sor an der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Nij­me­gen, Hol­land (zehn Tage vor sei­nem Tod am 26. Juli 1942) , Bru­der Raphael Tijhuis, eben­falls aus den Nie­der­län­den, Pater Albert Urban­ski, Polen, der das Lager über­lebte und seine Erleb­nisse ver­öf­fent­lichte, drei pol­ni­sche Kar­me­li­ten die kurz dar­auf star­ben und einige andere pol­ni­sche Patres die über­leb­ten.
Bis 1945 hielt P. Hil­ary durch. Im über­füll­ten KZ Dachau herrsch­ten kata­stro­phale hygie­ni­sche Zustände, so dass Typhus aus­brach. Für die Kran­ken gab es keine Medi­ka­mente, sie wur­den ledig­lich in Qua­ran­tä­neblocks iso­liert. Täg­lich star­ben 40-70 Gefan­gene pro Block.

Alo­jzy Wie­trzy­kow­ski, im KZ Dachau gefan­ge­ner Pries­ter und Kame­rad P. Hil­arys schrieb 1946 im Pari­ser Exil: „Der Tod brachte seine Ernte ein. Eine Typhu­se­pi­de­mie war aus­ge­bro­chen. Die erschöpf­ten Häft­linge wur­den um ihre frei­wil­lige Mit­hilfe gebe­ten.“ Jeder wusste, dass die Anste­ckungs­ge­fahr groß war und der Tod drohte. Es bil­dete sich eine Gruppe hilfs­be­rei­ter Pries­ter um den seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski. Sie woll­ten als Pfle­ger in die Typhus­ba­ra­cken gehen um die Sakra­mente zu spen­den, ins­ge­samt waren es 32 Pries­ter, unter ihnen die Mär­ty­rer P. Engel­mar Unzei­tig und P. Richard Hen­kes.  P. Johan­nes Maria Lenz, P. Leon­hard Roth, die  über­leb­ten und der selige Bru­der Józef Zapata und der Jesui­tenk­le­ri­ker Jerzy Sta­ni­slaw Musial. Nach eini­gen Tagen stieß P. Hil­ary zu die­ser Gruppe.

Beim Ver­las­sen des siche­ren Teils des Lagers sagte er: „Hier wer­den wir nicht gebraucht.“
Zum Abschied sagte er zu sei­nem Freund, dem Pries­ter Fran­cis­zek Kor­szyn­ski: „Mit vol­lem Bewusst­sein treffe ich diese Ent­schei­dung, mein Leben zu opfern.“
Zu sei­nem Freund Ber­nard Czap­lin­ski, der spä­tere Bischof von Chelm, sagte er: „ Weißt du, ich komme von dort nicht zurück, aber dort wer­den wir gebraucht.“ Sein Apos­to­lat bei den Typhus­kran­ken dau­erte 21 Tagen, er infi­zierte sich mit Typhus.
P. Urban­ski berich­tete über seine letz­ten Momente: „Es war am Fest Ver­kün­di­gung des Herrn (25.03.). Ich war nach zwei Wochen mit hohem Typhus­fie­ber eben aus mei­ner Bewusst­lo­sig­keit erwacht. Ich erfuhr, dass P. Hil­ary in einer nahen Bara­cke bewusst­los danie­der­lag. Ich kroch mit gro­ßer Mühe ent­lang der Wand und kam zu sei­nem Bett. „Prior!… Pater Prior“ rief ich immer lau­ter. Aber er bewegte sich nicht, auch die Augen öff­nete er nicht. Mit Mühe atmete er lang­sam. Neben ihm Lie­gende sag­ten, die­ser Kranke, den ich mit dem komi­schen Namen „Prior“ geru­fen hatte, sei schon seit 5 Tagen bewusst­los. Das Ther­mo­me­ter zeigte seit eini­gen Tagen über 40° C (auf der Fie­ber­ta­fel am Bett ables­bar). Am nächs­ten Tag habe ich P. Hil­ary dort nicht mehr getrof­fen.”
Am Fest Ver­kün­di­gung des Herrn ging er zu Gott heim, kurz vor Ende des Krie­ges und der Befrei­ung des Lagers durch ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten am 29.04.1945.“
P. Hil­ary Janus­zew­ski starb am 25.03.1945, im Alter von 37 Jah­ren.
Vor ihm star­ben aus Polen der selige Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski, der selige Bru­der Józef Zaplata und der Mär­ty­rer Semi­na­rist Jerzy Sta­nis­law Musial, Jesuit. Alle hat­ten frei­wil­lig bei der Pflege Typhus­kran­ker gehol­fen.
„P. Hil­arius Janus­zew­ski war die große Hoff­nung der wie­der­er­stan­de­nen pol­ni­schen Kar­me­li­ten­pro­vinz. Seine Fröm­mig­keit wur­zelte in einem uner­schüt­ter­li­chen Glau­ben an die römisch-katholische Kir­che, in einer inni­gen Hin­gabe an Chris­tus, gegen­wär­tig im hei­ligs­ten Sakra­ment, und in einer beson­de­ren Liebe zur Got­tes­mut­ter.“
Der mit­ge­fan­gene Jesuit und spä­tere Kar­di­nal und Metro­po­lit von Lus­aka in Sam­bia, Afrika, Adam Kozlo­wiecki: „Heute, am 25.03. ist der Kar­me­lit P. Hil­ary Janus­zew­ski an Typhus gestor­ben. Er war einer der Hel­den, die frei­wil­lig den Kran­ken dien­ten. Es fällt mir schwer über ihre Ent­schei­dung zu schrei­ben. Ich kann es nur in einem Wort zusam­men­fas­sen: Hel­den­tum. Sie leb­ten wahre Nächs­ten­liebe. Gemein­sam mit den Typhus­kran­ken waren sie in den Iso­lier­blocks ein­ge­schlos­sen um die kran­ken Kör­per zu pfle­gen und die See­len zu ret­ten. So haben sie sich dem Tod aus­ge­setzt. Das, was wir in den 5 Jah­ren erleb­ten, konnte alle höhe­ren Ideale töten. Der rück­sichts­lose Kampf ums Über­le­ben konnte bei vie­len ein ekel­haf­ter Ego­is­mus und Gleich­gül­tig­keit erzeu­gen. Aber diese Hel­den bewie­sen, dass das Ideal der Nächs­ten­liebe, das Chris­tus vor 2 000 Jah­ren ver­kün­dete, keine Uto­pie ist, das Ideal ist real und siegt sogar dort, wo der größte Hass herrscht. Der selige P. Hil­ary ist das beste Bei­spiel, wie man das Böse mit Gutem besiegt.“
Der Leib des seli­gen P. Hil­ary Janus­zew­ski wurde nach eini­gen Quel­len im Kre­ma­to­rium des KZ Dachau ver­brannt. Da die­ses aus Man­gel an Brenn­stof­fen seit Februar 1945 nicht mehr in Betrieb war, spricht jedoch vie­les für eine Beer­di­gung im Mas­sen­grab auf dem Fried­hof auf dem Lei­ten­berg bei Dachau, wie es zu die­ser Zeit üblich war.
Die Selig­spre­chung fand am 12.06.1999 in War­schau statt. Der hei­lige Papst Johan­nes Paul II sprach ins­ge­samt 108 pol­ni­sche Mär­ty­rer, die wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus gewor­den waren, selig.
Quel­len:

www.swzygmunt.knc.pl/SAINT/HTMs/0325blHILARYpawelJANUSZEWSKImartyr01.htm
www. ocarm.org
www.karmeliten.de

 

Über­set­zung: Irene Janit­zek
Bear­bei­tung: Monika Neu­dert

Gebet:
All­mäch­ti­ger, ewi­ger Gott,
du gabst dem seli­gen Hil­ary den Mut Zeuge des Evan­ge­li­ums Christi zu sein,
bis zur Hin­gabe sei­nes Lebens.
Auf seine Für­spra­che, hilf uns alles Leid durch deine Liebe zu been­den
und zu besie­gen mit unse­ren Her­zen,
der du allein die Quelle des Lebens bist.
Darum bit­ten wir durch Chris­tus unse­ren Herrn. Amen

Texte zur Medi­ta­tion
Aus sei­ner Dis­ser­ta­tion
Ich schließe mit der Dar­le­gung mei­ner Ansicht, dass wir Got­tes sehn­li­ches Ver­lan­gen erfül­len. Er wünscht nichts so sehr, als dass Chris­tus täg­lich in uns lebt, denn er ist unser Brot des Lebens und das Brot vom Him­mel (hl. Hil­arius, Frag­mente VIII). In die­ser Absicht kön­nen nicht nur wir uns täg­lich von die­sem Him­mels­brot näh­ren, son­dern auch all die Gläu­bi­gen, die unse­rer Obhut anver­traut sind.

Die­ses Brot gibt uns Kraft und gewährt uns Hilfe in dem Kampf, den wir gezwun­gen sind zu füh­ren auf unse­rem Pil­ger­weg zum Him­mel, so dass wir mit Got­tes Hilfe den drei­fa­chen Feind unse­rer Erlö­sung besie­gen. Und wir wer­den
fähig, den Herrn zu sehen, den wir jetzt unter die­ser ande­ren Gestalt kos­ten – ihn zu sehen, wie er ist im himm­li­schen Jeru­sa­lem, und wir kön­nen ihm ewig einen süßen Gesang dar­brin­gen, gemein­sam mit unse­rer gelieb­tes­ten Mut­ter.  (Quelle:   www.karmeliten.de)

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