P. Franciszek Drzewiecki


Seli­ger P. FRANCISZEK DRZEWIECKI, (1908—1942)

Ordens­pries­ter,  Orio­nist, gehörte der vom hei­li­gen Don Orione gegrün­de­ten Gemein­schaft der Klei­nen Arbei­ten der Gött­li­chen Vor­se­hung, an.

geb: 26.02.1908 in Zduny, Lódz­kie (Polen)

ver­haf­tet am 07.11.1939 in Wlo­cla­wek, danach gefan­gen in Wlo­cla­wek, Lad (Lond), KZ Sach­sen­hau­sen

ab 14.12.1940 KZ Dachau, Häft­lingsnr.: 22 666[1]

+: 10.08.1942 getö­tet auf Inva­li­den­trans­port, ver­gast in Hart­heim bei Linz, Öster­reich, 34 Jahre alt

Gedenk­tag: 10.08.

Patron der Orio­nis­ten

 Bio­gra­fie:

Fran­cis­zek wurde am 26.02.1908 in Zduny, Polen, gebo­ren, das liegt bei Lowicz. Seine Eltern Jan und Roza­lia, gebo­rene Ziol­kow­ska, waren tief reli­giöse Bau­ern. Er hatte 10 Geschwis­ter, 6 Schwes­tern und 4 Brü­der.

 Nach nur 5 Jah­ren Grund­schule musste er wegen einer Ohr­krank­heit seine Schul­zeit unter­bre­chen. Danach trat er in das Leh­rer­se­mi­nar in Lowicz ein. Schon im Jahr 1922 wech­selte er ins Pries­ter­kol­lege der Orio­nis­ten, der Kon­gre­ga­tion „der klei­nen Arbeit der gött­li­chen Vor­se­hung“ (latei­nisch Par­vum Opus Divinae Pro­vi­denza , FDP ) in Zdun­ska Wola .

 Die Ent­schei­dung ,die Schule zu wech­seln, wurde durch Gebet beglei­tet. Seine Fami­lie hatte finan­zi­elle Pro­bleme. Des­halb pil­gerte Mut­ter Roza­lia nach Tschen­sto­chau zu der Schwar­zen Madonna um Rat sowie Hilfe zu erbit­ten. Auf dem Heim­weg, erfuhr sie ganz uner­war­tet vom Col­lege der Orio­nis­ten für die Jun­gen. Nach dem Abitur blieb Fran­cis­zek wei­ter in Zdun­ska Wola und stu­dierte im Semi­nar die Phi­lo­so­phie.

 Im Jahr 1930 legte er im Orden der Orio­nis­ten die erste Pro­fess ab. 1931 wurde er zum Novi­ziat ins Mut­ter­haus die­ser Kon­gre­ga­tion nach Ita­lien, Vene­dig, ver­setzt um Theo­lo­gie zu stu­die­ren.  1934 legte er seine ewi­gen Gelübde in die Hände des inzwi­schen hei­lig gespro­che­nen Ordens­grün­ders Paters Luigi Orione ab. Im Jahre 1935 emp­fing Fran­cis­zek die nie­de­ren Wei­hen und die Dia­kon­weihe. Ein Jahr spä­ter wurde er von den Bischof Torony Egisto Mel­chi­ori zum Pries­ter geweiht. Auf sei­nem Pri­miz­bild­chen stand: „Gib mir Kraft gegen deine Feinde“.

 Die erste Pri­miz­messe fei­erte er im“ Klei­nem Cot­tel­engo “ in Genua-Castagna, in einem Insti­tut für Schwer­kranke , wo er auch als Aus­bil­der für die Spät­be­ru­fene tätig war.

 1937 kehrte er zurück nach Polen und hier begann die Zeit sei­ner täg­li­chen Arbeit als Erzie­her und Reli­gi­ons­leh­rer im Gym­na­sium der Orio­ni­nis­ten in Zdun­ska Wola. P. Fran­cis­zek war auch Prä­fekt des eucha­ris­ti­schen Kreuz­zugs.

 Im Jahr 1939 wurde er nach Wlo­cla­wek, in die Herz- Jesus Pfar­rei ver­setzt, in ein neu gegrün­de­tes Insti­tut , ähn­lich dem „Klei­nen Cot­tel­engo“ in Genua, wo er schon gear­bei­tet hatte.

 „Es wurde nicht gefragt wer kommt hier rein , nicht wie er heißt, aber nach dem Lei­den die­ses Men­schen“, wird das Haus beschrie­ben.

 Dort wurde P. Fran­cis­zek am 01.09.1939 vom Beginn des Zwei­ten Welt­krie­ges und dem Angriff der Deut­schen Trup­pen auf die Pol­ni­sche Repu­blik über­rascht. Er enga­gierte sich, jetzt zu Beginn des Krie­ges beson­ders in die Seel­sorge.

 Am Anfang erle­digte er so weit es mög­lich alles ganz „nor­mal“ , was zu sei­nem pries­ter­li­chen Dienst gehörte. Er orga­ni­sierte Exer­zi­tien, hörte Beichte und fei­erte Got­tes­dienste und Andach­ten. Aber da die Deut­schen Besat­zer Pries­ter als Teil der pol­ni­schen Elite sahen, begann rasch deren Ver­fol­gung. Bereits am 07.11.1939 wurde Pater Fran­cis­zek Drze­wiecki ver­haf­tet, zusam­men mit Pfr. Hen­ryk Dem­rych, der spä­ter im KZ Dachau Opfer pseu­do­me­di­zi­ni­scher Expe­ri­mente wurde, die Gefan­gen­schaft aber über­lebte.

 Zusam­men mit 43 ande­ren Pries­tern und Semi­na­ris­ten aus der Diö­zese Wlo­cla­wek, dar­un­ter auch der selig gespro­chene Bischof Michal Kozal, kam er ins Gefäng­nis. Von dort aus erlitt er wei­ter den Kreuz­weg eines pol­ni­schen Pries­ters in jenen Tagen.

 Über Lad, Szczy­g­lin und das KZ Sach­sen­hau­sen wurde die Gruppe am 14.12.1940 in das KZ Dachau gebracht.

 Noch in Lad hatte er die Gele­gen­heit Frei­las­sung abge­lehnt, er wollte blei­ben und für die Gefan­ge­nen da sein .

 Im KZ Dachau wurde er zusam­men mit vie­len pol­ni­schen Pries­tern und Ordens­leu­ten ( Im Dachau waren es ins­ge­samt 1780, davon star­ben 868) im Pries­ter­block 26 -30 unter­ge­bracht. Fran­cis­zek Salezy Korczyn­ski, der spä­tere Weih­bi­schof von Wlo­cla­wek erin­nerte sich : „Er war ein Mann der mit sei­ner Höf­lich­keit und Für­sorge auf­bauen und Kraft geben konnte“.

 Selbst der selige Weih­bi­schof Michal Kozol schrieb über ihn: „Unter den inter­nier­ten Patres war Fran­cis­zek der beste, er war am meis­ten hilfs­be­reit und der Barm­her­zigste; dies unter­schied ihn von den ande­ren“.

 Wie andere Häft­linge , arbei­tete Fran­cis­zek im Lager schwer. Oft ging es weit über die eige­nen Kräfte. Hung­rig und erschöpft muss­ten sie auch bei Kälte und Nässe aus­hal­ten, es ver­brei­te­ten sich Krank­hei­ten. Stän­dig unter Bewa­chung und zur Eile ange­trie­ben, wur­den die Häft­linge als bil­lige Arbeits­skla­ven miss­braucht und schi­ka­niert.“

P. Drze­wiecki arbei­tete wie die meis­ten geist­li­chen auf der Plan­tage. Dort waren die Arbeits­tage lang und anstren­gend. Oft waren die Wege bis zum Arbeits­ein­satz weit. Es wurde bei bei jedem Wet­ter gear­bei­tet , in der pral­ler Sonne, bei Regen und Wind, bei Kälte. Es gab keine ent­spre­chende Klei­dung zum Schutz vor der Wit­te­rung.

 „Ich erin­nere mich, eines Tages brachte Fran­cis­zek Kräu­ter die ich nicht kannte. Er gab sie mir und sagte: „Ess Joziu ( Josef), in Ita­lien isst man sie und sie tun auch gut “ berich­tete Pater Jozef Kubi­cki -Orio­nine.

 Pfr. Wla­dyslaw Sar­nik schrieb: „Fran­cis­zek war ein Mann des Enthu­si­as­mus, ein guter Pries­ter, ein from­mer Mann im wahrs­ten Sinne des Wor­tes, ein besorg­ter Freund. Er war fröh­lich und beschei­den. In sei­ner Demut ver­barg sich seine Größe. Er klagte nie, er ertrug alle Demü­ti­gun­gen hel­den­haft und sprach nie nega­tiv über seine Ver­fol­ger.“

 Bis zum Ende blieb er ein guter Mensch und ein Pries­ter, trotz dem Ver­such der Lager­lei­tung die Häft­linge ihrer mensch­li­chen Iden­ti­tät zu berau­ben und sie nur noch wie eine Num­mer zu sehen. Seine Häft­lings­num­mer war 22666.

Dankt der Ver­mitt­lung des Vati­kan erlebte die Gruppe der Geist­li­chen im Lager eine kurze Zeit mit gewis­sen Pri­vi­le­gien. Vom Januar 1941 bis zum 19.09.1941 konn­ten alle Pries­ter in der Kapelle des Pries­ter­bloch 26 täg­lich die Hei­lige Messe zu fei­ern, wenn auch unter Angst.

Auf Befehl der Lager­füh­rung durfte nur ein Geist­li­cher Zele­brie­ren. Zum Ver­tei­len der Kom­mu­nion war wenig Zeit, es waren über tau­send Geist­li­che im Lager, die kom­mu­ni­zie­ren woll­ten, alle hat­ten ein gro­ßes Ver­lan­gen nach dem eucha­ris­ti­schen Herrn Jesus Chris­tus, den leben­den Gott.“

Des­halb wurde eine bis dahin ein­ma­lige Pra­xis eingeführt,die es wahr­schein­lich noch nie in unse­rer Kir­che gab, erin­nerte sich Bischof Fran­cis­zek Kor­szyn­ski. Die mit­fei­ern­den Pries­ter ver­steck­ten in ihren gefal­te­ten Hän­den 2-3 Hos­tien , die bei der Wand­lung mit kon­se­kriert wur­den . So konn­ten alle Pries­ter aus eige­ner Hand kom­mu­ni­zie­ren und ande­ren nicht Pries­tern die Hos­tie rei­chen, wie Klos­ter­bru­der und Semi­na­ris­ten.

Als wir mit die­ser Art der Kom­mu­nion kon­fron­tiert waren , haben wir uns selbst gewun­dert und hat­ten ein biss­chen Angst, wir waren uns nicht sicher ob das den lit­ur­gi­schen Vor­schrif­ten unse­rer Kir­che ent­sprach. Aber der Hun­ger und die Sehn­sucht nach der hei­li­gen Kom­mu­nion waren sehr groß und wir waren glück­lich den Hei­land so emp­fan­gen zu dür­fen. Das war eine ein­ma­lige Situa­tion, ein wun­der­ba­res Bild, ähn­lich der Erfah­rung der ers­ten Chris­ten in den Katakomben.“berichtete Bischof Fr. Kor­szyn­ski.

Hos­tien und Mess­wein für den Got­tes­dienst wur­den vom Pfar­rer der Stadt Dachau ganz offi­zi­ell ins Lager gelie­fert. Manch­mal konn­ten auch in den Pake­ten von den Fami­lien Hos­tien ins Lager kom­men. Offen­bar wur­den diese Hos­tien bei den Kon­trol­len der Pakete nie ent­deckt.

Ab dem19.09.1941 durf­ten nur noch deut­sche Geist­li­che die Kapelle betre­ten und Got­tes­dienst fei­ern. Alle pol­ni­sche Geist­li­chen ent­schie­den sich auf die Frage der Lager­lei­tung zu ihrer pol­ni­schen Natio­na­li­tät und ver­lo­ren damit alle Pri­vi­le­gien.

Der selige P. Fran­cis­zek Drze­wiecki über­lebte das Lager unter die­sen unmensch­li­chen Bedin­gun­gen knapp zwei Jahre. Er wurde zu schwe­rer Feld­ar­beit auf der Plan­tage gezwun­gen; er blieb trotz­dem in unun­ter­bro­che­ner Anbe­tung des Aller­hei­ligs­ten Altar­sa­kra­ments, da er in einer klei­nen Kap­sel die Hei­lige Hos­tie bei sich trug.

Erschöpft, unter­er­nährt und mit erfro­re­nen Glied­ma­ßen war er schließ­lich nicht mehr in der Lage zu arbei­ten. Er wurde als soge­nann­ter Inva­lide aus­ge­son­dert und gemäß dem Eutha­na­sie­pro­gramm T4 am 10. 08.1942 in einem Inva­li­den­trans­port nach Schloss Hart­heim bei Linz in Öster­reich gebracht. In den Som­mer­mo­na­ten des Jah­res 1942 ver­lie­ßen fast täg­lich sol­che Trans­porte das Lager in Dachau.

 Die nicht mehr arbeits­fä­hi­gen und gequäl­ten Häft­linge wur­den dort zusam­men mit Kran­ken und Behin­der­ten durch Gift­gas ermor­det.

„Am frü­hen mor­gen… führte man sie auf der Haupt­straße des Lagers hinab, die so genann­ten Inva­li­den, um auf die Fahrt in den Tod vor­zu­be­rei­ten. Pater Fran­cis­zek, obwohl es für ihn sehr ris­kant war aus der Reihe aus­zu­sche­ren, über­querte mit letz­ter Kraft die Lager­straße und klopfte an mein Fens­ter. Ich sprang aus dem Bett und lief zum Fens­ter gelau­fen und hörte: „Joziu (Josef ) lebe wohl. Wir fah­ren fort!“ Ich war erschro­cken und konnte kein ein­zi­ges Wort des Schmer­zens aus­spre­chen.

Drze­wiecki setzte fort : „Joziu leide nicht. Heute WIR , mor­gen DU .“ Und mit gro­ßer Ruhe sagte er noch : Wir gehen weg …aber als Polen opfern wir unse­res Leben GOTT , für die KIRCHE und die HEIMAT .“ Das waren sein letz­ten Worte“, berich­tete Pfr. Jozef Kubi­cki. [2]

 Viele Jahre spä­ter sagte Erz­bi­schof Kazi­mierz Majd­an­ski ( 1916-2007 ) über den seligen P. Fran­cis­zek Drze­wiecki: „Er war eine wun­der­schöne demü­tige, beschei­dene und fröh­li­che Per­sön­lich­keit, deren „Hel­lig­keit“ kei­nen gerings­ten Ver­rat zuge­las­sen hat“.

 Wahr­schein­lich wurde Pater Fran­cis­zek im Hart­heim am 13.08.1942 ver­gast .

 Schon , am 28.04.1942 , hatte die deut­sche Besat­zung das Insti­tut „Klei­nes Cot­to­lengo “ in Wlo­cla­wek geschlos­sen, alle seine Schütz­linge wur­den ermor­det.

 Am 13.06.1999 sprach Papst Johan­nes Paul II P. Fran­cis­zek Drze­wiecki selig, zusam­men mit 107 ande­ren Mär­ty­rern aus Polen der Zeit des zwei­ten Welt­krie­ges.

 An die­sem Tag in Wars­zawa ( War­schau ) sagte Papst Johan­nes Paul II: „Freue dich Polen, durch die neuen Seli­gen will Gott uns den unbe­grenz­ten Reich­tum sei­ner Gnade zei­gen, durch das Bei­spiel der Güte dei­ner Söhne und Töch­ter in Jesus Chris­tus (Ef. 2,7 ).Hier ist der Reich­tum sei­ner Gnade,ein Fun­da­ment unse­res uner­schüt­ter­li­chen Ver­trau­ens auf die ret­tende Gegen­wart Got­tes auf den Wegen der Mensch­heit in das dritte Jahr­hun­dert . IHM sei die EHRE in aller Ewig­keit „

 Monika Neu­dert

Über­set­zung Irene Janit­zek

Quel­len:

http://orione.pl/bl-franciszek-drzewiecki/

http://www.swzygmunt.knc.pl/SAINTs/HTMs/0913blFRANCISZEKDRZEWIECKImartyr01.htm

 


[1] Daten nach WEILER, Eugen, Die Geist­li­chen in Dachau, Möd­ling 1971, S. 208

[2] Nach Sliwka, Mär­ty­rer für den Glau­ben, 1939-1945, S. 35f

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