P. Alojzy Liguda


 

Seli­ger P.  Alo­jzy Liguda

(im deut­schen Sprach­raum auch Alois Liguda)

Ordens­pries­ter, Stey­ler Mis­sio­nar, Gesell­schaft des  Gött­li­chen Wor­tes
geb: 23. 01. 1898 in Winów (Wienau), Opols­kie (deutsch Oppeln), Polen

Ver­haf­tet am 29.10.1939 in Górna Grupa (Ober­gruppe) bei einer „Säu­be­rungs­ak­tion“ der SS, gefan­gen in Górna Grupa, ab 05.02.1940 KZ Stutt­hof, ab 10.04.1940 KZ Sach­sen­hau­sen

Ab 14.12.1940 KZ Dachau, Häft­lingsnr.: 22 604[1]

+: 08. 12. 1942 im KZ Dachau, 44 Jahre alt

Gedenk­tag: 08.12.

 

Bio­gra­fie:

Mit Dank über­neh­men wir den fol­gen­den Text von der Inter­net­seite der Stey­ler Mis­sio­nare, wei­tere Infor­ma­tio­nen über die­sen Orden fin­den Sie dort.  http://www.steyler.eu/svd/ueber-uns/heilige-selige/alojzy-liguda.php

P. Alo­jzy Liguda SVD (1898 – 1942)

In Winow wurde am 23. Januar 1898 Alo­jzy Liguda gebo­ren. Er war das letzte von sie­ben Kin­dern. Vater Woj­ciech war nicht nur ein flei­ßi­ger und nim­mer­mü­der Arbei­ter, er nahm auch aktiv am Leben der Pfarr­ge­meinde teil.  Mut­ter Roza­lia ver­stand es, der Fami­lie durch Beschei­den­heit und Leben aus dem Glau­ben ein über­zeu­gen­des Bei­spiel zu geben.

Mit sechs Jah­ren begann Alo­jzy seine Schul- und Lern­zeit. Fleiß und sein auf­ge­weck­tes Inter­esse an allem, was für ihn neu war, brach­ten ihm gute Noten und schu­li­schen Erfolg ein. Sobald er sel­ber lesen konnte, erschloss er sich die weite Welt mit den Zeit­schrif­ten, die ins Haus Liguda kamen. Er lernte die Mis­si­ons­län­der ken­nen und begeis­terte sich sehr bald für Land und Leute im Rie­sen­reich China und auf dem schwar­zen Kon­ti­nent Afrika. So war er nicht ver­wun­der­lich, dass Alo­jzy mit 15 Jah­ren in das Kleine Semi­nar der Stey­ler Mis­sio­nare in Neiße ein­trat, um sich auf den Priester- und Mis­si­ons­be­ruf vor­zu­be­rei­ten.

Der erste Welt­krieg unter­brach 1917 seine Schul­zeit. Als Artil­le­rist kam er noch zum Schluss des Krie­ges an die West­front. Die Sol­da­ten­zeit war für ihn eine wert­volle Zeit der Prü­fung und Bestä­ti­gung sei­nes Berufs­wun­sches.

Nach­dem er 1920 sein Abitur abge­legt hatte, ging er ins Novi­ziat nach St. Gabriel in Möd­ling bei Wien. Nach dem Novi­ziat brachte ein Schul­prak­ti­kum eine erneute Unter­bre­chung sei­ner Stu­dien. Er unter­rich­tete im klei­nen Semi­nar von Pie­niezno Latein und Mathe­ma­tik.

Am 26. Mai 1927 hatte er es geschafft: Nach der Pries­ter­weihe in St. Gabriel fei­erte er seine Pri­miz­messe in der Hl. Kreuz Kir­che in Oppeln. Sein Traum, als Mis­sio­nar nach China oder nach Neu­gui­nea zu gehen, ging nicht in Erfül­lung, er erhielt seine Bestim­mung für die pol­ni­sche Pro­vinz. Seine erste „Mis­si­ons­sta­tion“ war das Pro­vin­zi­al­haus in Gorna Grupa.

Die Obe­ren hat­ten ihn für wei­tere Stu­dien bestimmt, da gro­ßer Man­gel an qua­li­fi­zier­ten Leh­rern bestand. Zunächst galt es, wei­tere Prü­fun­gen für das pol­ni­sche Abitur abzu­le­gen, um mit dem Stu­dium an der Fakul­tät der pol­ni­schen Phi­lo­lo­gie der Uni­ver­si­tät Posen begin­nen zu kön­nen. 1934 schloss er mit der Diplom­ar­beit über das Thema „Gall-Anonim als Lite­rat“ erfolg­reich ab. Wäh­rend sei­nes Stu­di­ums betä­tigte er sich auch als Kaplan und Leh­rer an der Schule der Ursu­li­nen in der Sporna-Straße.

Nach sei­ner Ankunft in Gorna Grupa wurde P. Liguda sogleich Leh­rer für Geschichte sowie für pol­ni­sche Spra­che und Lite­ra­tur. An Sonn- und Fei­er­ta­gen half er gern als Seel­sor­ger bei den Sol­da­ten in der nahe gele­ge­nen Kaserne aus und lei­tete in den Schul­fe­rien Exer­zi­ti­en­kurse und Ein­kehr­tage. In den Pfar­reien, in denen er Got­tes­dienste fei­erte, war er als Pre­di­ger sehr geschätzt.

Am 24. Juli 1939 wurde P. Liguda zum Rek­tor in Gorna Grupa ernannt. Der zweite Welt­krieg war aus­ge­bro­chen. SS-Kommandos hat­ten das Mis­si­ons­haus in ein Inter­nie­rungs­la­ger umfunk­tio­niert. Die Schule wurde geschlos­sen. Zu den inter­nier­ten Haus­be­woh­nern kamen am 28. Okto­ber 1939 etwa 80 Diözesan-Priester und Semi­na­ris­ten aus den Diö­ze­sen Chemno Wlo­cla­wek und Gniezno…

Pater Malak schreibt in sei­nem Buch „Pfaf­fen in Lagern“: „P. Rek­tor Liguda heißt uns will­kom­men. Seine hoch­ge­wach­sene Gestalt im schwar­zen Talar bewegt sich mutig und sicher unter den SS-Männern. Das gab uns Mut. In den kom­men­den Tagen und Wochen ver­stand er es, uns immer wie­der mit freund­li­chen Wor­ten und sei­nem ihm eige­nen Humor Mut zu machen. Zunächst hat­ten wir alle damit gerech­net, dass die Pries­ter und Semi­na­ris­ten bald frei­ge­las­sen wer­den. Doch es sollte anders kom­men. Am 11. Novem­ber 1939 fuhr ein Bus vor und nahm 15 Pries­ter und zwei Semi­na­ris­ten aus der Diö­zese Wlo­cla­wek mit. Pater Liguda erhob Ein­spruch, ohne den Abtrans­port ver­hin­dern zu kön­nen. Spä­ter erfuh­ren wir, dass die Ver­schlepp­ten in einem nahen Wald erschos­sen wur­den. Wie­der war es P. Liguda, der uns Trost und neuen Mut machte. Dabei ließ er kei­nen Zwei­fel, dass er sich der erns­ten Lage wohl bewusst war. Typisch für diese Situa­tion und cha­rak­te­ris­tisch für unse­ren Rek­tor ist ein Bild­chen, dass er Weih­nach­ten sei­ner Fami­lie schickte. Voran schrei­tet Chris­tus mit einem Kreuz, ihm folgt eine Schar Pries­ter: alle mit einem Kreuz.“

 

Das Mar­ty­rium

Am 05. Februar 1940 wur­den die Inter­nier­ten von Gorna Grupa nach Nowy Port in Dan­zig gebracht. Die­ses Lager war eine Filiale des KZ Stutt­hof. Inmit­ten von Dreck, Hun­ger, Zwangs­ar­beit und Prü­gel war Pater Alo­jzy Liguda wie­der der gute Engel. Es war wohl sein Ver­dienst, dass im Lager am Grün­don­ners­tag eine hei­lige Messe gefei­ert und die Oster­kom­mu­nion aus­ge­teilt wer­den konnte: für viele die Weg­zeh­rung auf dem letz­ten Abschnitt ihres Lebens­we­ges. Anfang April 1940 wurde P. Liguda mit einer grö­ße­ren Gruppe Häft­linge nach Grenz­dorf trans­por­tiert. Von dort ging es wei­ter nach Stutt­hof und wei­ter nach Sach­sen­hau­sen. Das Fege­feuer wan­delte sich ins Höl­len­feuer…

P. Liguda fand dank sei­ner guten Deutsch­kennt­nisse bald deut­li­che Erleich­te­rung. Er wurde bei der Bedie­nung ein­ge­setzt und sollte Deutsch­un­ter­richt ertei­len.

Einer sei­ner „Schü­ler“ beschrieb den Unter­richts­ab­lauf so: „Zu Beginn der Stunde wur­den an den Fens­tern Pos­ten auf­ge­stellt, die vor anrü­cken­den SS-Männern war­nen soll­ten. In sei­nen Reden streute P. Liguda immer wie­der Witze, von denen er einen unbe­grenz­ten Vor­rat zur Ver­fü­gung hatte, damit wir das Lachen nicht ver­lern­ten. Bis­wei­len hielt er Refe­rate zu bestimm­ten The­men oder einer der Pries­ter erzählte aus sei­nem Erfah­rungs­schatz…“

Trotz der sicht­ba­ren Bevor­zu­gung war P. Liguda vor Schi­ka­nen nicht sicher. Zehn Schläge mit einer Eisen­stange hatte er ein­mal hin­zu­neh­men, weil er wäh­rend der Arbeit eine Ver­schnauf­pause ein­ge­legt hatte.

Eines Tages ver­dich­tete sich die Ver­mu­tung, dass P. Liguda bald frei­ge­las­sen würde. Ein Indiz dafür war der Arzt, der zu ihm geru­fen wurde. Doch das war ein Irr­tum. Am 14. Dezem­ber wurde P. Liguda nach Dachau trans­por­tiert. Dort bekam er die Häft­lings­num­mer 22604. Erst nach dem Krieg stellte sich her­aus, dass es damals tat­säch­lich um eine Ent­las­sung ging. Die Gene­ral­lei­tung der Stey­ler Mis­sio­nare hatte zusam­men mit der Fami­lie über die Nun­tia­tur in Ber­lin eine Frei­las­sung von P. Liguda zu errei­chen ver­sucht. Die Gestapo aber lehnte ab. Die Begrün­dung lau­tete: „Der Häft­ling Liguda habe erklärt, er sei Pole und habe die Absicht, auch in Zukunft als Pole zu arbei­ten.“ Dar­auf ver­fügte die Gestapo, dass der Pater als Teil der pol­ni­schen Intel­li­genz von der bis­he­ri­gen Gruppe zu tren­nen und zu inhaf­tie­ren sei. Für seine Frei­las­sung hatte man auch gel­tend gemacht, dass seine Fami­lie die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit besaß und er selbst als Sol­dat in der deut­schen Armee gedient hatte und sein Bru­der als deut­scher Sol­dat im Ers­ten Welt­krieg gefal­len war. Auch die Tat­sa­che, dass er Deut­sche vor dem Zorn pol­ni­scher Ein­woh­ner geret­tet hatte, ver­half nicht zur Befrei­ung.

In Dachau quälte man die Häft­linge mit stun­den­lan­gen Mär­schen, bei denen unun­ter­bro­chen Lager­lie­der gesun­gen wer­den muss­ten. Ab und zu hatte Pater Liguda diese Mär­sche zu lei­ten. Ein Augen­zeuge ver­riet spä­ter, dass der Pater immer zunächst bemüht war, aus dem Blick­kon­takt des Block­füh­rers her­aus zu kom­men. Danach tat er nur noch so, als übe er Lie­der ein, statt des­sen erzählte er Witze und mun­terte mit lus­ti­gen Anek­do­ten die erschöpf­ten Häft­linge auf.

Im Januar 1941 wurde das Lager von einer Krätze-Epidemie heim­ge­sucht. Die Kran­ken wur­den in einer Bara­cke iso­liert: 1000 Mann kamen in einen Raum, wo nur für 400 Platz war. Dünne Decken, fau­les Stroh und harte Bret­ter konn­ten nur schlecht vor der klir­ren­den Kälte schüt­zen. Tags­über hat­ten die Fens­ter geöff­net zu blei­ben, nachts schütz­ten sie geschlos­sen kaum vor der Kälte. Um die Umstände in die­ser Zeit zu beschrei­ben, hier ein Bericht, der für die Lage der Häft­linge, aber auch für die Per­sön­lich­keit P. Ligu­das steht. Ein gewis­ser Rog­ler war einer der bru­tals­ten Kapos und dazu sein unmit­tel­ba­rer Vor­ge­setzte. Eines Tages wurde ein rus­si­scher Häft­ling dabei erwischt, wie er wäh­rend der Arbeit eine Ziga­rette rauchte: ein Kapi­tal­ver­bre­chen. Rog­ler war uner­war­tet erschie­nen. Zwar hatte der Häft­ling die Ziga­rette recht­zei­tig gelöscht, doch der Tabaks­qualm stand noch im Raum. Rog­ler wandte sich an P. Liguda mit der Frage: „Wer hat geraucht?“ Hätte der Ange­spro­chene gesagt: ‚Ich war es nicht‘, wären die Ande­ren die Schul­di­gen gewe­sen. Für P. Liguda blieb nichts ande­res übrig, als die Schuld auf sich zu neh­men und zu sagen: „Ich habe geraucht.“ Der Kapo nahm ihn mit auf sein Zim­mer. Das ange­schwol­lene Gesicht, der blaue Fleck unter dem lin­ken Auge waren deut­li­che Zeu­gen der Fol­ter, die P. Liguda über sich erge­hen las­sen musste. Als Rog­ler in der Klei­dung des Häft­lings keine Ziga­ret­ten fand, frage er: „Wo hast du die Ziga­ret­ten?“ „Ich habe keine“, war die Ant­wort. „Du bist ein Pfaffe und du lügst?“ „Ich habe geraucht, aber nicht heute,“ ant­wor­tet Pater Liguda. Die Tor­tur ging solange wei­ter, bis sich der wirk­li­che Rau­cher gemel­det hatte. Der Hen­ker Rog­ler war inzwi­schen so erschöpft, dass er seine Schi­ka­nen abbrach, doch den Häft­ling Liguda wollte er sich mer­ken.

Was das im Klar­text hieß, sollte sich bald zei­gen. An Tuber­ku­lose erkrankt, kam der Pater in die Kran­ken­ab­tei­lung. Die Bedin­gun­gen waren hier deut­lich bes­ser. So konnte er Pakete von der Fami­lie und Post von Wohl­tä­tern und Freun­den emp­fan­gen. Die Gene­sung gelang rela­tiv schnell und so wurde er ent­las­sen, doch nicht zu der bis­he­ri­gen Gruppe, son­dern zu den Inva­li­den und Behin­der­ten. Das bedeu­tete im Lager­all­tag das Todes­ur­teil. Er war sich des­sen bewusst. Das belegt ein Brief, den er einen Monat vor sei­nem Tod an Freunde schrieb: „Meine Mut­ter wird bald 84 Jahre alt. Wie sehr ich ihr auch ein lan­ges Leben wün­sche, so möchte ich doch nicht, dass sie ihren jüngs­ten Sohn über­lebt. Das wäre für sie eine schmerz­volle Tra­gö­die. Ich selbst trage mich mit dem Gedan­ken, dass ich bald im Hause mei­nes Vater zu mei­nen Brü­dern komme. Ich hoffe, dass mich die gött­li­che Vor­se­hung durch alles Wirr­nisse und Irrun­gen führt, um mich geist­lich und geis­tig rei­fer zu machen.“ Auf dem letz­ten Weg­stück sei­nes Lebens hat der dem Lager­se­kre­tär noch gesagt: „Wenn ihr erfahrt, dass ich tot bin, dann sollt ihr wis­sen, dass sie einen gesun­den Men­schen ermor­det haben.“

Nach dem Bericht eines Sani­tä­ters hat man die aus 10 Mann beste­hende Gruppe bes­tia­lisch ertränkt. Im Lager ver­brei­tete sich nach­träg­lich noch das Gerücht, man habe P. Liguda noch bei leben­di­gem Leib die Haut in Strei­fen geschnit­ten, bevor man ihn ertränkte. Das sei die Rache des Block­füh­rers von Block 29 dafür gewe­sen, dass der Pater ihn in aller Öffent­lich­keit ermahnt hatte, doch die Bro­tra­tio­nen gerech­ter zu ver­tei­len. Die­ser Kapo hatte auch ver­an­lasst, dass der Pater auf die Inva­li­den­liste ein­ge­tra­gen wurde, da er ver­sucht hatte, Häft­linge, die vor Hun­ger star­ben, zu ver­tei­di­gen.

In der Nacht vom 08. auf den 09. Dezem­ber 1942 voll­en­dete Pater Liguda sein Leben, befreite ihn Got­tes Ruf aus Angst und Not. In einem Brief teilte man sei­ner Mut­ter den Tod des jüngs­ten Soh­nes kurz mit: „Ihr Sohn Alo­jzy Liguda, ist am 08. Dezem­ber 1942 in der hie­si­gen Kran­ken­ab­tei­lung an Lun­gen­tu­ber­ku­lose gestor­ben!“

Im Gedächt­nis sei­ner Lei­dens­ge­nos­sen hat sich P. Liguda als ein Mensch von außer­or­dent­li­cher Glau­bens­kraft, Auf­er­ste­hungs­hoff­nung und herz­li­cher Mit­mensch­lich­keit ein­ge­prägt. Er half Bedürf­ti­gen, ermun­terte Ver­zagte und Klein­mü­tige, und wider­stand durch klare Worte den spöt­teln­den Kapos und SS-Offizieren. In sei­ner Nähe fühl­ten sich die Mit­häft­linge siche­rer, auf­ge­ho­ben wie in einer Fes­tung. Als Ord­ner in der Gefan­ge­nen­stube sorgte er für eine gerechte Ver­tei­lung von Arbeit und Brot.

Als man wäh­rend des Abend­ap­pells seine Num­mer auf­rief, war für alle klar, dass er für den nächs­ten Abtrans­port bestimmt war. Viele wein­ten vor Abschieds­schmerz und Trauer. Er aber stand ruhig und gefasst in der Reihe. Sein Blick ging in eine andere Wirk­lich­keit als er sagte. „Bleibt treu, Gott weiß alles.“

Alo­jzy Liguda SVD wurde am 13. Juni 1999 zusam­men mit den drei Stey­ler Mis­sio­na­ren Grze­gorz Frackowiak, Sta­nis­law Kubista und Lud­wik Mzyk von Papst Johannes-Paul II. selig gespro­chen.

 

Bio­gra­phie, nach Wendel-Gilliar, Das Reich des Todes hat keine Macht auf Erden, Band I, S 143 f

 Seli­ger P. Alois Liguda, ASV
„Der am 23. Januar 1898 gebo­rene Alois Liguda wird trotz sei­ner Jugend 1914 zum Mili­tär­dienst ein­ge­zo­gen und erlebt den I. Welt­krieg als Sol­dat in Frank­reich und Flan­dern. Unklar ist, ob die Ereig­nisse jener Jahre in ihm den Ruf zum Pries­ter­tum und Ordens­stand rei­fen lie­ßen. Nach Hause zurück­ge­kehrt macht er in St. Gabriel bei Wien sein Novi­ziat und legt seine ers­ten Gelübde „im Sep­tem­ber 1921″ ab.  Stu­dium und Weihe zum Pries­ter­tum, die ihm am 26. Mai 1927 in St. Gabriel erteilt wird, sind die nächs­ten Schritte. Für das Lehr­amt bestimmt, wählt er die bei­den, Fächer Lite­ra­tur und Geschichte. Das Stu­dium für diese bei­den Fächer absol­viert er, nach­dem er das pol­ni­sche Bür­ger­recht erwor­ben und das pol­ni­sche Abitur bestan­den hatte, an der Uni­ver­si­tät in Poznan.  Seine Arbeits­be­stim­mung durch den Gene­ral­su­pe­rior bekam er für das Mis­si­ons­haus in Gorna-Grunpa am 24.06.1928. Nach erfolg­rei­chem Abschluß des päd­ago­gi­schen Examens 1936 wird er nicht nur ein sehr belieb­ter Leh­rer, son­dern ein gern gese­he­ner und gehör­ter Fest­pre­di­ger. Neben sei­ner schu­li­schen Tätig­keit mit einem Wochen­pen­sum von 30 Stun­den ver­faßt er noch Pre­digt­bü­cher. Kurz vor dem Uber­fall auf Polen wird er zum Rek­tor des Mis­si­ons­hau­ses in Gorna-Grupa ernannt. Für alle ver­än­dert sich die Situa­tion gegen Ende des Okto­bers 1939. Das Haus wird beschlag­nahmt!
Als Ver­haf­tungs­grund wird in sei­ner Akte ange­ge­ben: „Kriegs­ein­wir­kun­gen zusam­men mit Säu­be­rungs­ak­tio­nen durch die SS“. Dahin­ter aber ver­birgt sich die Beset­zung des Mis­si­ons­hau­ses in Gorna-Grupa sowie die Inter­nie­rung aller Patres und Brü­der von Gorna-Grupa im eige­nen Mis­si­ons­haus. Nichts wird berich­tet, unter wel­chen Bedin­gun­gen die Inter­nie­rung ver­läuft. Am 5. Februar 1940 erfolgt die end­gül­tige Zer­schla­gung der Kom­mu­ni­tät von Gorna-Grupa. Pater Liguda wird in das KZ Stutt­hof ver­schleppt und kommt im Mai 1940 ins KZ Ora­ni­en­burg. Im Dezem­ber 1940 erfolgte seine Über­stel­lung ins KZ Dachau.

Da er sich als Pole bekennt, wird er nicht in den Block 26, d.h. in den Pries­ter­block ver­legt, son­dern kommt auf den Block 30. Da er per­fekt Deutsch sprach, macht er den Dol­met­scher und durch Mut und  Beharr­lich­keit gelingt es ihm, den gan­zen Block vor machen Unan­nehm­lich­kei­ten zu bewah­ren. Als Seel­sor­ger ist er auch unter die­sen schwie­ri­gen Umstän­den tätig und kann so man­chem hel­fen. Seine letzte Arbeit war beim Trans­port­kom­mando in der Plan­tage: Straße fegen, Hand­lan­ger­dienste bei Mau­rer­ar­bei­ten, Bal­ken schlep­pen. Hun­ger und Arbeit zeh­ren an ihm, er magert sicht­lich ab.
Ein mit­ge­fan­ge­ner Russe hatte geraucht, was streng ver­bo­ten war, so beginnt die Auf­zeich­nung über sei­nen letz­ten Lebens­ab­schnitt. Plötz­lich tauchte der Capo auf. Der Ziga­ret­ten­stum­mel ver­schwin­det, aber der Rauch bleibt. Der Capo schnauzt Pater Liguda an: „Hast du geraucht?“ Um den Mit­häft­ling nicht zu ver­ra­ten sagt er: „ja“ und er kann den Satz nicht mehr wei­ter­füh­ren, denn im glei­chen Augen­blick fällt der Capo über ihn her. Ein geschwol­le­nes Gesicht und ein blut­un­ter­lau­fe­nes
Auge sind die Fol­gen. Pater Ligu­das Kör­per­kräfte wer­den immer schwä­cher, er zer­fällt zuse­hends und kommt ins Revier, in jenen berüch­tig­ten TBC Block 29. Unklar ist, ob er selbst an TBC erkrankt war.
Nach­dem er sich etwas erholt hatte, wurde er in einem Inva­li­den­trans­port abge­führt. Den Häft­lin­gen hatte man erzählt, daß sie zur Wie­der­her­stel­lung ihrer kör­per­li­chen Kräfte in ein „bes­se­res“ Lager ver­legt wür­den. Jedem jedoch im Lager war bekannt, daß diese Inva­li­den­trans­porte nie am Ziel anka­men. Die Häft­linge wur­den ver­gast oder auf andere Weise ermor­det. Pater Liguda kam also zusam­men mit einer Gruppe von acht bis zehn Leu­ten in die­sen Inva­li­den­trans­port. Die Hen­ker ertränk­ten sie in einem Was­ser­re­ser­voir nahe beim KZ Dachau. Spä­ter wer­den zwei Hen­ker aus­sa­gen: „Sie moch­ten so etwas nicht noch ein­mal anse­hen wol­len.“ Der amtl. Bericht sagt über die Todes­ur­sa­che: „9. Dezem­ber 1942, Pater Alois Liguda ver­starb an einer Lun­gen­ent­zün­dung.“
Sein Wahl­spruch lau­tete: Man kann mich gemein behan­deln, aber nicht gemein machen!



[1] WEILER, Die Geist­li­chen in Dachau, S 413

Ster­be­da­tum am 06.12.1942 nach Wendel-Gilliar, I, S 121

 

© 2012 - 2014 Freundeskreis Selige aus dem KZ Dachau - Impressum