Otto Neururer


Otto Neururer

* 25.03.1882 in Piller bei Landeck, Österreich

Verhaftet wegen Warnung vor der Heirat mit einem geschiedenem SS-Mann

KZ Dachau 03.03.1939- September 1939

† 30.05.1940 KZ Buchenwald

Seliggesprochen 24.11.1996, Gedenktag: 30.05.

Seliger Otto Neururer, bitte für uns!

 

 

 

 

 

Inhaltsübersicht

Kurzbiografie

Der selige Otto Neururer wurde am 25. März 1882 in Piller, Tirol, als zwölftes Kind des Müllers Peter Neururer und dessen Ehefrau Hildegard geboren. Da er schon früh den Wunsch spürte Priester zu werden, besuchte er ab 1895 das Gymnasium in Brixen. Nach  Abitur und Theologiestudium wurde er 1907 in Brixen zum Priester geweiht. Einige Jahre arbeitete er als Religionslehrer in Innsbruck und wurde 1932 zum Pfarrer in Götzens ernannt.

Weil er einer jungen, schwangeren Frau aus seiner Pfarrei half, der Hochzeit mit einem aus der Kirche ausgetretenen, geschiedenen und gewalttätigen SS-Mann zu entgehen, wurde Otto Neururer am 15. Dezember 1938 verhaftet und nach einer Zeit im Gefängnis Innsbruck, am 3. März 1939 in das KZ Dachau gebracht. Seine Menschenfreundlichkeit und Güte fielen dort auf. Immer wieder gab er von seinem wenigen Brot hungernden Mitgefangenen. Er litt unter dem unmenschlichen System und den Launen der SS-Männern sehr. Am 26. September wurde er in das KZ Buchenwald verlegt.

Auch dort wirkte er als Seelsorger. Im April 1940 bat ihn ein Kamerad um die Taufe. Obwohl religiöse Handlungen im KZ unter Lebensgefahr verboten waren, begannen Otto Neururer und sein österreichischer Mitbruder Matthias Spanlang den vorbereitenden Unterricht. Dies wurde verraten. Zur Strafe wurde Otto Neururer kopfüber an den Füßen aufgehängt. Nach 34 Stunden wurde der Tod festgestellt, am 30.05.1940. Otto Neururer hatte sich nicht gegen das Aufhängen gewehrt. Er seufzte und betete leise, bis er das Bewusstsein verlor. Auch sein Freund Pfarrer Spanlang wurde auf diese Weise hingerichtet.

Neururers Leiche wurde verbrannt und seine Urne wurde am 30. Juni 1940 in Götzens bestattet. Die Todesanzeige für den seligen Pfarrer Otto Neururer, formuliert vom seinem Vorgesetzten, dem seligen Carl Lampert Provikar der Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch, war der letzte Auslöser für dessen Verhaftung. In ihr war der Sterbeort erwähnt und mit den Worten …sein Sterben werden wir nie vergessen, sein Martyrium angedeutet.

1996 wurde Otto Neururer von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Carl Lampert wurde 2012 seliggesprochen, vgl. Seliger Carl Lampert »

Der selige Pfarrer Otto Neururer ist Patron der Familien und Ehen.

Monika Neudert

Seliger Otto Neururer, bitte für uns!

 

Zitate

„Es heißt jetzt, gut ist, was dem deutschen Volk nützt, schlecht ist, was dem deutschen Volk schadet. Damit wird deutsches Blut und deutsche Rasse an die Stelle Gottes gesetzt, der allein die Norm für gut und schlecht ist und dem allein das zusteht. Darum ist das eine Irrlehre.“

– aus einer Predigt

„So, des is alles. Mehr hab ´i net.“

– Mit diesen Worten leerte er seinen Geldbeutel komplett auf den Küchentisch einer gerade verwitweten Mutter von 3 Kindern

„Der Herrgott hat’s geschickt, er wird es auch tragen helfen.“ [34]

– bei der Verhaftung

„Meine Herren! Machen Sie keine Umschweife! Es geht nicht so sehr gegen mich als gegen die Kirche und die Religion. Ich habe nur meine Pflicht getan. Wenn das Unrecht sein soll, dann bin ich bereit, dafür zu sterben.“ [35]

– beim Verhör durch die Gestapo

„Seien sie nicht verzagt! Was kommt, muss man nehmen als vom Herrgott geschickt!… Tun Sie fest beten, dass ich nicht kleinmütig werde; es wird allerhand kommen, aber man muss alles ertragen.“ [36]

– zu einer Besucherin im Gefängnis

„Geh, so schlecht kann ein Mensch gar nicht sein.“

– Neururer kann Warnungen der Mitgefangenen vor SS-Männern nicht glauben

„Der Herrgott hat mich auf diesen Platz gestellt, darum muss ich meine Arbeit fleißig und gewissenhaft verrichten. Ob mich der SS-Mann sieht oder nicht, darauf kommt´s nicht an. Der Herrgott sieht mich immer. Darauf kommt es an.“

– im KZ bei der Zwangsarbeit

„Ich habe dem Werkzeugwart ein Stückchen geschenkt. Sei mir nicht bös. Er hat mir mit so traurigen Augen zugesehen. Ich konnte nicht anders. Sei nicht bös. Aber schau, ich kann nicht anders; es hätte mir gar nicht geschmeckt, wenn ich dem anderen nichts gegeben hätte.“

– Ein Kamerad ermahnte ihn sein Brot selber zu essen, statt es  zu verschenken

Die angegebenen wörtlichen Zitate sind entnommen:

Pfarrer Otto Neururer, Ein Seliger aus dem KZ, Herausgegeben von der Diözese Innsbruck, 2. Auflage 1997

weitere Bücher siehe Literatur

Biografie (von Monika Neudert)

 

Der Selige Otto Neururer, 1882 -1940

Kindheit und Jugend:

Am 25.03.1882 wurde Otto Neururer als letztes von 12 Kindern einer einfachen Bauernfamilie in alter Mühle am Piller geboren. In dem kleinen Dorf auf der Pillerhöhe lebten die armen,  frommen und arbeitsamen Eltern. In einer Höhe von 1350m über dem Meeresspiegel war die  Landwirtschaft schwer. Der Bub Otto war schon bei Geburt sehr schwach. Man fürchtete um sein Leben, weshalb er die Nottaufe empfing. Die Eltern waren bei seiner Geburt nicht mehr jung. Die Mutter war 45, der Vater  schon 63 Jahre alt. Der Vater verstarb 1890. Otto war mit 8 Jahren bereits Halbwaise. Die Mutter musste mit den Kindern die Landwirtschaft (8 Kühe) alleine weiter führen. Wir erahnen Armut und schwere Arbeit. Otto hing mit Liebe an seiner fleißigen und frommen Mutter.

Schon als Knabe war Otto körperlich klein und schwach und viel krank. Der schüchterne Schüler fiel in der Volksschule durch seine besondere Intelligenz auf. Von der Dorfjugend musste es manches Hänseln ertragen wegen seiner Schwäche. Er war ein sehr guter Schüler. Mitgefühl und Hilfsbereitschaft, besonders  gegenüber Kranken, waren seine Charakterzüge. Otto war Ministrant.

Nach 7 Jahren Volksschule wechselte er 1895 an das  Gymnasium in Brixen. Bezahlt wurde dies von seinem Onkel und Vormund. Auch hier war Otto wieder einer der besten Schüler.  Er wurde von Mitschülern als ruhig, ernst, ausgeglichen und bescheiden beschrieben, aber auch als etwas gehemmt. Er war sehr hilfsbereit und kameradschaftlich und mochte gesellige Runden. Als Mitschüler war er  beliebt. Er war sehr fleißig und intelligent, aber kein Streber, eher bescheiden. Ihn zeichnete eine ruhige, stille Art und innere Ruhe aus. Schon früh erkannte Otto die Berufung zum Priester.

Nach dem Abitur 1903, folgte das Theologiestudium in Brixen. Wieder war der überdurchschnittlich begabte Student unter den Besten und Begabtesten; mit 21 Jahren zeigte seine Persönlichkeit schon ein hohes Maß an persönlicher Reife. Otto wäre gerne Jesuit geworden oder in einen Missionsorden eingetreten. Wegen seiner schwachen Gesundheit erhielt er aber Ablehnungen. Auch ein Aufbaustudium in Rom wurde deshalb verworfen. Dankbarkeit prägte seinen Charakter und eine tiefe Religiosität war ihm seit seiner Kindheit zu eigen.

Kommilitonen erinnern sich:  „ Als Theologe war er wirklich ideal. Mit Hausordnung und Studium nahm er es recht genau. „Pietas et scientia“, der über dem Seminar verewigte Spruch, war ihm Leitstern. Oft ging ich mit ihm im Seminargarten auf und ab und bewunderte seine Liebe zur heiligen Kirche und sein Interesse für die Heidenmission; dabei war er aufmerksam, wenn er von einem Priester eine neue, erfolgreiche Pastoralmethode hörte.“ ((Pfr. Anton Kirchner)[1]  „In der Theologie habe ich ihn als stillen, bescheidenen, fleißigen und frommen Theologen kennengelernt.“ (Pfr. Rauch)[1]

Im Jahr 1907 schloss Otto Neururer sein  Studium mit Auszeichnung ab und wurde am 29.06.1907 zum Priester geweiht.

Seine Primiz feierte er am 03.07.1907 in Piller. Für das Primizbild ließe er das Gebet des hl. Ignatius von Loyola drucken. Dies zeigt seine echte Frömmigkeit: „Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit; mein Gedächtnis und meinen Verstand und all meinen Willen nimm hin! Was immer ich habe und besitze, hast du mir geschenkt; dir stelle ich alles zurück und überlasse alles deinem Willen: verfüge darüber nach deinem heiligsten Wohlgefallen! Deine Liebe nur gib mir und deine Gnade, und ich bin reich genug und verlange nichts anderes.“

 

Kaplansjahre 1907-1932

Ab 23.07.1907 wurde der junge Priester Kooperator von Uderns im Zillertal. Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Voll Begeisterung trat er in die Seelsorge ein. Er war akkurat von Kopf bis zum Fuß, auch als Priester in der Kirche, in der Schule und im Verkehr. Er eiferte besonders für den Besuch der Werktagsmesse. Freilich hatten seine diesbezüglichen Predigten nicht den gewünschten Erfolg. Er vermittelte den Pfarrkindern den hohen Wert der heiligen Messe. Er war gern in priesterlicher Gesellschaft, wo es gemütlich herging, wenn er auch persönlich kein Spaßmacher war.“ [2]. Otto Neururer engagierte sich in Uderns als Prediger und brachte es auf bis zu 5 Predigten an einem Sonntag. Besonders gerne predigte er über die Bedeutung der hl. Messe.

Am 11.01.1908 wurde er als Kooperator nach Götzens, bei Innsbruck, versetzt. Dort engagierte er sich auch caritativ: für die Opfer einer Überschwemmung und eines Großbrandes sammelte er Geld. „Mit vielen Mühen, Schreibereien, Gängen, Beschwerden und Auslagen wurden die Almosen zusammengebracht; das Hauptverdienst gebührt dem hochw. Herrn Kooperator Otto Neururer.“[3]

Ab dem 26.08.1909 war sein Einsatzgebiet in Fiss (im oberen Gericht). Der dortige  Pfarrer, sein Chef, war krank; so musste Neururer oft sehr kurzfristig einspringen und  spontan predigen. Als Seelsorger soll er sehr eifrig und als Katechet sehr streng gewesen sein. Als Beichtvater gab er Jugendlichen, die lieber zum Tanzen gingen als zur Rosenkranzandacht. Bei der Beichte als Buße einen Rosenkranz auf, daher gaben die Gemeindemitglieder ihm den Spitznamen „Rosenkranz-Manndl“.

Als Anhänger der Christlich-Sozialen Partei war Otto Neururer politisch interessiert. Aber politische Streitigkeiten zwischen seiner Partei und den Anhängern der konservativen Partei und daraus folgenden Querelen verleideten es ihm. In der lokalen Presse wurde er angegriffen und als „christlichsozialer Agitator“ betitelt. Dies und andere Ungerechtigkeiten in der Berichterstattung der Presse ärgerten ihn sehr. Deshalb zog er sich aus der Politik zurück.

Der 24.11.1911 brachte für ihn daraufhin die Versetzung nach Kappl im Paznauntal. Kappl galt als weitläufigste und strengste Pfarrei. Diese neue Stelle war wohl eine „Stafversetzung“ wegen der politischen Auseinandersetzungen in Fiss. Otto Neururer wurde daraufhin nie mehr politisch aktiv. Bericht eines Zeitzeugen aus Kappl: „Trotz des Gefühls erlittenen Unrechts hat er als Kooperator ein Jahr lang mit echt priesterlichem Eifer in jeder Hinsicht seine Pflicht erfüllt. Insbesondere steht er bei mir im Andenken als ausgesuchter Katechet und Prediger. Im Privatverkehr war er höchst liebenswürdig und bescheiden und, obwohl sehr selbständig im Urteil, doch auch konziliant. Er hat in Kappl den Eindruck eines in jeder Hinsicht integren Priestercharakters hinterlassen. Seine Versetzung nach Silz war ihm eine Genugtuung und Freude.“[4]

Eine weitere Versetzung erfolgte am 25.09.1912 nach Silz. Otto Neururer war dort ab dem 6.3.1913 Provisor und leitete vorübergehend die Pfarrei, da der Pfarrer verstorben war.

Am 21.11.1913 wurde er wieder versetzt, diesmal als Pfarrprovisor nach Oberhofen bei Telfs. Dekan Sparber erinnerte sich: „Er habe Neururer „wegen seiner Gescheitheit, Klarheit und Klugheit und wegen seiner Ruhe geradezu bewundert““[5] und;  „Als Pfarrprovisor in Oberhofen, meiner Heimat, war er sehr geachtet und allgemein beliebt“.[6]

Zum 15.04.1914  wurde Otto Neururer Stadtpfarrkooperator in  Hall, ab 1917 dort auch Präses des katholischen Arbeitervereins. Er half der Bevölkerung tatkräftig in der Notzeit des Ersten Weltkrieges mit materieller Hilfe. Sein Eifer als Katechet in der Schule zeigte seine Liebe zu den Kindern. Er blieb stets geduldig bei den vielen Fragen der Kinder. Eine ehemaliger Schüler: „Er war mir der liebste unter allen Katecheten, die ich gehabt habe. Der kleine Herr mit den großen Brillen verstand es, uns Buben so in Schach zu halten, daß absolute Ruhe herrschte und alle bei ihm viel lernten“. Sein  Bemühen war ,den Schülern bei zu bringen, nur Gutes über ihre Mitmenschen zu denken. Ehemalige Schüler beschreiben dies als einen seiner  wichtigen Charakterzüge. Das wurde auch später während der Leidenszeit in den KZ´s deutlich. In der Zeit in Hall zeigte sich wieder seine Hilfsbereitschaft. Er verbrachte viel Zeit bei Krankenbesuchen. In Erinnerung blieb seine innige Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu. Er war äußerlich auffallend unbeholfen, galt als überstrenger junger Priester.

Ab dem  13.12.1917[7] wurde Otto Neururer Stadtpfarrkooperator in Innsbruck und erlebte dort das Ende des Ersten Weltkrieges, den Zerfall  Österreichs und die Abtrennung  Südtirols  an Italien. Das Gebiet des Bistums Brixen war nun geteilt auf Gebiete in Österreich und Italien .

Am 2.10.1919 legte Otto Neururer die Pfarrerprüfung mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Er erhielt jedoch keine eigene Pfarrei, sondern wurde 1918-1932 hauptsächlich als Religionslehrer für Mädchen in Innsbruck eingesetzt. Seine Schüler schätzten ihn sehr. Sie mochten seinen ruhigen, ernsten und strengen Glaubensunterricht und besonders seine einfühlsame Vorbereitung auf erste Beichte und die Erstkommunion. „Neururers Gläubigkeit, seine völlige Identifikation mit dem, was er gesagt hat und wie er gelebt hat, hat mir das Vertrauen zu ihm grundgelegt,“ berichtet ein Schüler.[8] „ Wir spürten aber allein aus seinem Gebet und seinem andächtigen  Kreuzzeichen, daß er ganz Priester  war. . .seine echte ungekünstelte Frömmigkeit sagte auch den Fernstehenden, daß wir Menschen nicht nur auf der Erde, sondern vielmehr jetzt schon irgendwie im Himmel leben.“  „ Auch in der Erinnerung als Kind ist er mir als ein tieffrommer Mann in Erinnerung geblieben.“  (Das berichtet der spätere Bischof von Innsbruck, Dr. Reinhold Stecher, er war ebenfalls ein Schüler Neururers)[9]

Weitere Berichte von Zeitzeugen aus dieser Zeit:

,,Da war vor allem die rechte Ordnung eingehalten: Glaube und Gebet an erster Stelle. Äußere Arbeit durfte nie auf Kosten der Innerlichkeit gehen. Der Pfarrer gab das Beispiel vorbildlichen Priesterlebens. Der Pfarrer  war ein sehr gesammelter Liturge am Altar, predigte kurz, aber voll geistlicher Autorität und auch in schöner Sprache. Sein Brevier pflegte er täglich auf einem einsamen Waldweg zu beten, das Studium der Psalmen vertiefte seine Liebe zum Breviergebet . . . Neururer war ein großer Herz-Jesu-Verehrer. …Seine Marienverehrung zeigte sich im täglichen  Rosenkranzgebet,  im Vertrauen zur Innsbrucker Pfarrmuttergottes Mariahilf und darin, daß er in seiner Gemeinde Wallfahrten zur Mutter Gottes von Absam anregte. Auch zu den Armen Seelen trug Neururer besonderes Vertrauen . . .“[10]

Der vorbehaltloser Glauben Otto Neururers fiel Dekan Schwaz auf, „Ich bin davon  überzeugt, dass die Tugend des Glaubens in der Zeit von Pfr. Neururers Haft im Gestapogefängnis und in den verschiedenen Konzentrationslagern einen heroischen Grad erreicht hat. Er war ein starker Charakter, manchmal stur. Ich habe an seiner Glaubensfestigkeit keinen Zweifel … Ich möchte sagen, daß sich da der Glaube erst richtig herausgeschält hat.“.[11] „Ja, er hat einen tief verwurzelten Glauben gelebt. Das kann ich vorbehaltlos sagen.“ , erinnert sich Propst Dr. Hans Weiser[12]

Neururers Predigten beeindruckten. Er sprach tief und inhaltsreich -mit  deutlicher Stimme und in ruhiger Haltung.  „Er galt als ein besonders innerlicher Prediger. Seine Predigten waren die Frucht eifrigen Glaubenslebens und voll religiösen Gehaltes“. [13]

Auch Präses zweier marianischer Kongregationen wurde Otto Neururer in Innsbruck: er betreute die marianische Kinder-Kongregation und die von ihm mitbegründete Jungmädchen-Kongregation, beide unter dem Titel „Maria Hilf“. Frau Elisabeth Hammerle berichtete: „Unsere Jungmädchen-Kongregation war eine frohe Gemeinschaft von Mädchen, in der ein blühendes Leben herrschte; Tanzveranstaltungen und Theateraufführungen wechselten mit Ausflügen und ernsten religiösen Feiern und Besinnungstagen ab … In dieser Zeit habe ich Hochwürden Otto Neururer als Kongregationspräses und als meinen Beichtvater sehr hoch zu schätzen gelernt. Er ist mir in Erinnerung als ein tief gläubiger Priester. Er betonte bei seinen Predigten und Ansprachen für uns besonders den Wert der christlichen Jungfräulichkeit; er war auch ein großer Marienverehrer und gebrauchte oft den Ausdruck: ,Mit Maria zu Jesus!‘ Es war ihm das größte Anliegen, die Mädchen zu Christus hinzuführen und ihre Liebe zu ihm immer mehr zu tiefen. Besonders ergreifend und eindrucksvoll konnte er das Leiden Christi schildern.“[14]    Schwester Margaretha Hofmann erinnerte sich: „ Wir haben den Herrn Katecheten sehr geschätzt und geliebt und gern seinem Unterricht gelauscht … Er hat uns das auch als Katechet eingeschärft, von den Mitmenschen nur Gutes zu denken . . . Ich erinnere mich auch daran, daß er bei einem Schulausflug in das Halltal, bei dem er die Klasse führte, der ganzen Klasse in seiner Großzügigkeit den Kaffee zahlte, um den Schülerinnen eine Freude zu bereiten. Die meisten Mädchen wären finanziell durchaus in der Lage gewesen, sich den Kaffee selbst zu bezahlen. „[15]

,,An eine Begebenheit erinnere ich mich, die bezeichnend war für ihn: Es war bei einem Konvent der Jungmädchenkongregation, daß Präses Neururer erwähnte, man habe ihm vorgeworfen, daß er an uns Sodalinnen zu hohe Forderungen stelle. Er aber erklärte uns: Ich muß immer eine Stufe mehr verlangen, als ihr jetzt schon erreicht, sonst würdet ihr aufhören zustreben. [Es betraf wohl das Streben nach Vollkommenheit.) Auch dieser Standpunkt war mir Vorbild bei meiner Jugendarbeit.“[16]

Persönlich war er den Mädchen gegenüber aber zurückhaltend und wirkte eher ein wenig gehemmt. Mutig sprach er jedoch mit den Mädchen auch über den antichristlichen Charakter des Nationalsozialismus. Anna Moll, eine ehemalige Schülerin berichtet:  „… und klärte uns auf über die Irrlehre des Nationalsozialismus. Es heißt jetzt, gut ist, was dem deutschen Volk nützt, schlecht ist, was dem deutschen Volk schadet. Damit wird deutsches Blut und deutsche Rasse an die Stelle Gottes gesetzt, der allein die Norm für gut und schlecht ist und dem allein das zusteht. Darum ist das eine Irrlehre…. Da war mir klar, hier geht es nicht mehr um Politik, sondern um das Bekenntnis unseres Glaubens. Darum habe ich auch 1938, als man von mir persönlich verlangte, von nun an nicht mehr auf den Papst zu hören, sondern nur mehr auf den Führer, und ihm allein zu folgen, ein überzeugtes ,Das werd ich nie tun‘ gesagt und damit auf die neuerliche Anstellung verzichtet.“[17]

Ihn zeichnete stille Sanftmut, gepaart mit gelegentlich unbeugsamer Konsequenz aus. Er war ein eifriger Seelsorger aber auch ein strenger Katechet. Davon wurde seine große Liebe und Güte zu Kindern nicht verdrängt. Das berichtet Anna Lechner, eine Verwandte Neururers. „ Er hat sich mit uns Kindern, was sonst selten war, sehr lieb abgegeben und hat sich mit uns beschäftigt. Wenn er uns Spielsachen gebracht hat, hat er uns erklärt, wie damit zu spielen ist und war sehr lieb und herzlich mit uns Kindern.“[18]

Hilfsbereit war Otto Neururer in außergewöhnlichem Maß:  „Es war nach 1918, in der ganz schlechten Zeit, als man gar nichts zu kaufen bekommen hat. Da hat Pfarrer Neururer einmal meiner Mutter zwei graue Decken aus seinem eigenen Besitz gegeben, aus denen meine Mutter dann für mich einen Mantel genäht hat. Wir waren sehr froh darum, ich hatte keinen Mantel mehr anzuziehen gehabt. . . Neururer war ein innerlicher, frommer Priester, er hätte, obwohl er selbst nichts gehabt hat, das Letzte verschenkt. Er war immer freundlich und väterlich. Dies fiel mir schon als Kind auf und tat sehr wohl.“ Soweit die Erinnerungen von Rosa Wilhelm. [19]

Maria Hupfau erzählt:  „im Jahre 1928 besuchte ich die zweite Klasse Volksschule bei den Ursulinen in Innsbruck. Hochwürden Otto Neururer war mein Katechet. In diesem Jahr starb mein Vater an Lungenschwindsucht. Nun stand meine Mutter mit drei Kindern, mein Bruder war 16, meine Schwester 13 und ich 8 Jahre alt, ziemlich unversorgt da. Weil mein Vater nur drei Versicherungsjahre bei der Angestelltenversicherung hatte, bekam meine Mutter für sich und uns drei Kinder eine Gnadenpension von S 60,-. Eines Tages besuchte uns Hochwürden Neururer, um sich nach unseren finanziellen Verhältnissen zu erkundigen und vor allem, um meiner Mutter Trost zuzusprechen. Da schilderte ihm nun Mutter unsere trostlose Situation. Plötzlich griff Hochwürden Neururer in die Hosentasche und zog ein Geldtäschchen heraus. Er öffnete es, drehte es um und leerte den ganzen Inhalt auf unseren Küchentisch. Dann sagte er: „So, des is alles. Mehr hab‘ i net!“ Meine Mutter war zutiefst gerührt, und auch ich werde dieses Bild und die Worte nie vergessen, obwohl ich damals erst 8 Jahre alt war.“[20]

Schließlich war Otto Neururer auch Mitbegründer des kath. Tiroler Mädchen-Verbandes. Als solcher gab er Anregungen zu Exerzitien und organisierte Fortbildungen auf dem Gebiet  Handarbeit und häusliches Wissen. Ärmeren Teilnehmerinnen bezahlte er auch mal die Kosten von Exerzitien.

Gegen Ende der Innsbrucker Zeit erschien Otto Neururer schwermütig und sehr ernst. Er nahm alles zu genau. Gesundheitlich war er schwach. Deshalb wollte er Seelsorger in einer Landpfarrei werden und bewarb sich  für die Pfarrstelle der Pfarrei Götzens .

Pfarrer in Götzens

Zum 01.10.1932 wurde Otto Neururer Pfarrer in Götzens, einer kleinen Pfarrei mit  748 katholischen Einwohnern, einer  Volksschule, Kindergarten und Mädchennähschule. Dort waren Franziskanerinnen eingesetzt. Pfarrer Neururer war ein Seelsorger mit Hingabe. Zunächst musste er aber auch die Verwaltung der Pfarrei in Ordnung bringen; bei seinem Dienstantritt war seine neue Pfarrei verschuldet. Als Neuerung führte er frische Blumen in der Kirche ein. Er achtete auf Sauberkeit und Schmuck der Kirche sowie auf Pünktlichkeit bei Beginn der  Gottesdienste. Die Eucharistiefeier war ihm besonders wichtig, er wünschte sich hohen Messbesuch und förderte die Anbetung und warb für die monatliche Kommunion. Pfarrer Neururer belebte die Herz-Jesu-Bruderschaft und die Franz-Xaverius-Bruderschaft neu.

Im Jahr  1933 wird eine 9 tägige Pfarrmission durchgeführt. Die Menschen seiner Pfarrei beteiligen sich zu 99%.

Pfarrer Neururers Pfarrhaus in Götzens war gastfreundlich. Oft weilten andere Geistliche dort. Priester kamen gerne zur Aushilfe. Auch Jesuiten aus Innsbruck waren darunter. Aber auch arme Leute aus dem Dorf waren Gast bei Tisch. Immer war viel los im Pfarrhaus. – „ Ich erinnere mich auch, daß in Götzens immer ziemlich viele junge Leute im Pfarrhaus beim Mittagstisch da waren. Ich war da nie allein. Das waren Leute vom Dorf, ich habe keinen gekannt; Für mich war Neururer schon damals der Heilige. Ich habe in der Schule von den Heiligen gelernt; aber wenn ich mir einen lebendigen Heiligen vorgestellt habe, dann war es Neururer.“[21]Erinnert sich Prof. Dr. Walter Schlorhaufer an seine Kinderzeit, und fügt hinzu: „Ich bin tief beeindruckt von seiner Liebe zum Kind.“

Als Lehrer und bei der Sakramentenvorbereitung war Pfarrer Neururer  besonders bemüht um arme und wenig begabte Kinder. Er brachte ihnen geduldig das für die Erstkommunion nötige Wissen mit Mühe bei. Als Beispiele erinnern sich die Dorfbewohnen an ein gelähmtes Kind und ein taubstummes Mädchen, um die er sich besonders bemühte. Auch vermittelte er Kindern aus Familien in Not Kostplätze in anderen Familien.

„Er war mit den Kindern bei Trauerfällen oder Unglücksfällen gütig und feinfühlig und  konnte sie trösten. Ich wunderte mich oft, wie väterlich lieb er, der sonst ernst und distanziert war, da sein konnte.“, berichtet Maria Elisabeth Santer[22]

Auch in Götzens war Pfarrer Neururer ein engagierter Religionslehrer: „Man hat gespürt, wie eindringlich Pfarrrer Neururer unterrichtet hat. Besonders hat er  sich durch Wiederholungen ausgezeichnet, so dass die Kinder wirklich fassen konnten, was er sagte. Besonders ist mir aufgefallen, dass er, im Unterschied zu vielen anderen Katecheten, die nur auf  Schulwissen Wert legten, zwar darauf auch Wert gelegt hat, aber er wollte, daß sie den Glauben auch ausüben . . . Um den Kindern auch  an Wochentagen den Besuch der Messe und den Kommunionempfang leichter zu ermöglichen, hat er ihnen Thermosflaschen gekauft, damit sie nach der Messe in der Schule noch die Möglichkeit hatten, vor dem Unterricht ein warmes Frühstück zu sich zu nehmen. Diese Aktion wurde nicht recht angenommen von der Bevölkerung. Es ist darüber gelächelt und gespöttelt worden. Pfarrer Neururer hat den Kindern, die nicht genug Geld hatten, auch einen Katechismus gekauft.“[23]

Der Jugend der Pfarrei galt seine besondere Liebe und Sorge. Er wollte die Jugendführer moralisch aufbauen, um dem Nationalsozialismus stand halten zu können. Für arme Studenten bezahlte er das Studium.

Seine Hilfsbereitschaft gegenüber Armen war auch in Götzens bemerkenswert. Besondere Hilfe und Zuwendung des Seelsorgers waren ihnen sicher. Auf dem Sterbebett konnte er auch „schwierige Fälle“ zur Aussöhnung mit Gott und zum Empfang der Sterbesakramente motivieren.

Der ehemalige Kaplan in Götzens, Heinz Huber,  betont die „mystische Natur“ von Otto Neururer und stellt fest: „Neururer war ja eine jener stillen Naturen, die schwer am Leben tragen; ein zur Schwermut geneigtes Gemüt bewahrte ihn davor, sich jemals durch äußeren Schein trügen zu lassen.“[24] Des weiteren schildert er Neururer als Vorbild seiner Kooperatoren. Seine persönliche Frömmigkeit und Wohltätigkeit waren so groß, dass  die Rechte nicht wusste, was die Linke tat.

Tiefer Glauben und die Frömmigkeit werden beschrieben. Der Pfarrer betete sehr viel. „Das Gebet nahm einen Großteil des Tages ein. Sehr oft war er auch außerhalf der Gottesdienste in der Kirche, um zu beten.“[25] Berichtet ein ehemaliges Pfarrkind.

„Pfarrer Neururer war nicht scheinheilig, ruhmsüchtig, hatte keine Menschenfurcht. Er hatte ein ausgeprägtes priesterliches Bewußtsein, auch für die Würde seines Amtes.“[26], beschreibt ihn der Neupriester Nikolaus Madersbacher.

Hans Hausner aus Hall war im Jahr  1936 Kooperator in Götzens. Er erzählte: „An diesem ersten Posten bei Pfarrer Neururer gefiel es mir gut; besonders im Widum herrschte eine angenehme Atmosphäre. Pfarrer Neururer war ein guter und rücksichtsvoller Prinzipal. Er war pflichteifrig und genau in der Erfüllung aller seelsorglichen Aufgaben und ging den Kooperatoren mit bestem Vorbild voran. Er war so, wie man sich einen guten und frommen Pfarrer damals vorstellte.“[27]

Konflikt mit dem Nationalsozialismus

Ab Januar 1938 zeichnete sich die Bedrohung des Nationalsozialismus ab. „In manchen abendlichen Gesprächen, die intensiv spirituell geführt wurden, deutete Pfarrer Neurur offen an, daß er sich dem weltanschaulichen Terror nicht beugen werde und als, Hirte sich vor seine Herde stellen möchte.“[28], berichtet Herr Sarg.

Starkmut und Tapferkeit bescheinigt ihm sein  Bischof Rusch[29]: „Neururer habe nie vermieden, etwas zu sagen, was gesagt werden muß, er habe aber auch nicht provoziert.“

Am 13.03.38 kam es zum Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich. In Österreich wurde das bestehende Konkordat nicht anerkannt, die Kirche war im rechtsfreien Raum von Anfang an der staatlichen Willkür und Verfolgung ausgesetzt. Bis zur Volksabstimmung am 10.04.1938 zeigte der Nationalsozialismus zunächst Wohlwollen gegenüber der Kirche. Deshalb warben die Bischöfe für die Abstimmung und die Zustimmung zum Anschluss (besonders bekannt wurde dafür  Kardinal  Innitzer aus Wien). Ab dem Sommer 1938 kam es zum Verbot kirchlicher Kindergärten und Schulen. Kirchlicher Besitz wurde rücksichtslos enteignet. Klöster und Wallfahrtskirchen wurden geplündert und gesperrt. Die Katholischen Vereine in Österreich wurden verboten. Kirchliches Vermögen, auch das aus caritativen Stiftungen, wurde von den neuen Machthabern beschlagnahmt. Katholische Jugendarbeit wurde verboten. Geistliche mussten den Schuldienst verlassen. Es gab keine Priester und Ordensleute mehr unter den Lehren. Jeder vierte Geistliche in Tirol wurde von der Gestapo bedroht. Großer psychischer Druck lastete auch auf Pfarrer Otto Neururer. Ihn erfüllten dunkle Ahnungen. Prophetisch sah er großes Unheil kommen. Er sah seinen persönlichen Kreuzweg und sein Martyrium schon in diesen Tagen voraus.

Im Sommer 1938 sagte er zu einem Freund, dem späteren  Bischof Geisler: „Betet für uns, dass wir nicht alle Märtyrer werden! Es kommen schwere Verfolgungen. Für mich beginnt jetzt der Kreuzweg. Ich bin bereit, nur bitte  ich Gott, daß er mir die Zeit abkürze.“[30] Pfarrer Anton Kirchner berichtet ebensfalls:  „Wir kamen auch auf die Nazi zu sprechen. Er sagte recht ernstlich und nachdenklich: Ich werde auch den Märtyrertod sterben.“[31]

Der Herbst 1938 brachte einen Konflikt mit dem besonders gehässigen Bezirksschulinspektor, der den Unterricht Pfarrer Neururers inspizierte. Pfarrer Neururer ließ sich dadurch von seinem Stil nicht abbringen. Er befragte die Kinder nach ihrem sonntäglichen Messbesuch. Der Inspektor wurde daraufhin wütend und drohte mit dem Verbot des Religionsunterrichtes und Versetzung nach Ostpreußen.

Die Gestapo hatte Pfarrer Neururer schon im Visier. Folgendes Ereignis führte schließlich zu seiner Verhaftung: Die Bauerstochter Elisabeth (Liese) Eigentler wurde unehelich schwanger. Der Vater des Kindes war  der 30 Jahre ältere Georg Weinrather, ein  geschiedener Mann und dazu Parteimitglied, (nach einigen Quellen SA-Mann). Er war gewalttätig und von zweifelhaftem Charakter. 1946 wurde dieser Mann tatsächlich zu 10 Jahren schwerem Kerker verurteilt). Liese jedoch sah in der geplanten Hochzeit ihre Rettung. Sie wusste nichts von der vorausgegangenen Ehe und dem Charakter des SA-Mannes. Pfarrer Neururer besuchte die Familie und klärte sie auf, dass eine kirchliche Trauung in diesem Fall nicht möglich wäre. Die naive Braut wusste nichts von der von den Nationalsozialisten neu eingeführten Zivilehe. Deshalb riet Pfarrer Neururer der  jungen Frau  dringend von der Ehe mit dem geschiedenen und aus der Kirche ausgetretenen älteren SA-Mann ab. Dieser hatte Liese zur Ehe gedrängt. Pfarrer Neururer aber wollte sie vor dem drohenden offensichtlichen Unglück bewahren. Wichtig war dem Pfarrer die Heiligkeit der Ehe zu wahren. Aus seiner Sicht war die Ehe ein Sakrament der Kirche und konnte nur bei der Bereitschaft zur gegenseitigen Hingabe gelingen.[32]  Eine standesamtlich geschlossene Ehe dagegen wäre nicht sakramental gültig und bindend vor Gott. Pfarrer Neururer empfahl erfolgreich, dem Kindsvater einen Brief zu schreiben und darin das Eheversprechen wieder zurück zu nehmen. Schließlich diktierte er diesen Brief. Die Hochzeit war damit abgesagt. Der Onkel der Braut überbrachte dieses Schreiben dem Bräutigam Weinrather, der erzürnt drohte: „Euer Pfarrer ist die längste Zeit Pfarrer gewesen und der Pfaff muss weg.“ Er zeigte Neururer bei der Gestapo an. Er heiratete kurz danach eine andere Frau, verfiel bald der Alkoholabhängigkeit und stürzte Frau und Kind in materielles Elend. Die Warnung Neururers war also richtig gewesen.

Schon der Gang zur Familie Eigentler war ihm, Übles vorausahnend, schwer gefallen. Ein anwesender Freund hatte sich angeboten, ihm diesen Gang  abzunehmen: „Nein, das muss ich als Pfarrer schon selber machen.“[33], antwortete ihm Pfarrer Neururer.

Haftzeit

Am 15.12.1938  wurde Pfarrer Otto Neururer im Pfarrhaus in Götzens verhaftet.  Als offizielle Begründung lautete: „besonders hinterhältige Verhinderung einer deutschen Ehe…“

Die damals anwesende Frau Gertrud Rohringer erinnert sich noch des Ausspruchs Neururers beim Abschied: „Für die andern muß man sich opfern, damit sie sehend werden“. Von der Häuserin Maria Geir verabschiedete er sich mit den Worten: „Der Herrgott hat’s geschickt, er wird es auch tragen helfen“.[34]

Im Gefängnis Innsbruck erwarteten ihn unflätige Beschimpfungen. Pfarrer Neururer war in großer innerer Erschütterung. Bisher war er ein geachteter Pfarrer. Jetzt wurde er „ Saupfaff“ und noch schlimmeres genannt. War er schon unter normalen Umständen ängstlich, jetzt war er einer unsicheren Zukunft völlig  rechtlos ausgeliefert.

Beim Verhör antwortete er trotzdem selbstbewusst:„Meine Herren! Machen Sie keine Umschweife! Es geht nicht sosehr gegen mich als gegen die Kirche und die Religion. Ich habe nur meine Pflicht getan. Wenn das Unrecht sein soll, dann bin ich bereit, dafür auch zu sterben“.[35]

Eine Lehrerin durfte ihn noch besuchen und ihm Lebensmittel bringen. Beim letztem Abschied, der Transport ins KZ Dachau  steht bevor, hat Neururer Tränen in den Augen. Er sagte zu ihr: „Seien sie nicht verzagt! Was kommt, muss man nehmen als vom Herrgott geschickt!… Tun Sie fest beten, dass ich nicht kleinmütig werde; es wird allerhand kommen, aber man muss alles ertragen.“[36]  Ein anderer Besucher berichtete: „Pfarrer Neururer hat unter der Verhaftung sehr gelitten, hat aber, als wir im Polizeigefängnis  „Sonne“ ohne Beaufsichtigung sprechen konnten, erklärt, daß er nichts anderes sagen konnte und auch künftig nichts sagen werde, als (daß) diese Zivilehe vor Gott ein Unrecht ist. Er hatte jedenfalls den Eindruck, allein um seines Glaubens willen in Haft zu sein. Er machte auf mich – ich erinnere mich genau – den Eindruck eines eher ängstlichen Menschen, der nur dann fest wurde, wenn es um seine seelsorgliche Haltung ging.“[37] Altdekan Praxmarer besuchte ihn ebenfalls im Gefängnis:  „Mein Eindruck von Pfarrer Neururer war der, daß er sehr ergeben war; er war an sich ein ängstlicher Mann, er war sehr gehemmt und ängstlich; aber im Augenblick, wo es um seelsorgliche Belange gegangen ist, war er ganz klar und sicher“[38]

Pfarrer Neururer wurde misshandelt. Beim Warten auf ein Verhör hörte er  vom  Turm der Stadtpfarrkirche das Angelusläuten und begann, den „Engel des Herrn“ zu beten. „Der dabeistehende Gestapo-Mann schlug Neururer zweimal unter Beschimpfungen ins Gesicht, so dass ihm die Brille zu Boden fiel. Rainer, der Neururer die Brille aufheben wollte, wurde gleichfalls bedroht. Im Polizeiauto entschuldigte sich dann Neururer bei ihm, weil er ihm Ungelegenheiten bereitet habe. „Kein böses Wort über den Mann, der ihn schlug, sondern die Ruhe und ein Gottvertrauen strahlte aus seinem Gesicht“.“[39]

In dieser Situation schreibt Pfarrer Otto Neururer am 12.01.39 im Gefängnis sein Testament. Er weiß sein Leben ist bedroht. Schließlich erhält er den Schutzhaftbefehl. Seine Verlegung ins KZ nach Dachau war beschlossen worden.

Auf der Fahrt wurde das Auto vor München angehalten. Ein Verkehrsunfall verursacht einen Stau. Es war zu Verletzten und Toten gekommen. Sofort stieg  Pfarrer Neururer aus, um den Verletzten geistlichen Beistand zu leisteten. Dafür  wurde er grob als „Saupfaff“ beschimpft und zurück ins Auto gezwungen.[40]

Im Konzentrationslager Dachau

Am 03.03.39 erreichte Pfarrer Otto Neururer das KZ Dachau. Schon bei der Aufnahme wurde er beschimpft und , wie damals alle Priester, der  Strafkompanie auf Block 15/2 zugewiesen. Der Mitgefangene Pfarrer Schelling berichtete von besonders harter Arbeit ohne Pause und großem Hunger. Otto Neururer war 56 Jahre alt, ein sensibler Mensch, klein von Gestalt, von schwächlicher Gesundheit und körperlich nicht besonders stark, in praktischen Dingen sogar ungeschickt. Das war eine schlechte Ausgangsposition im Lager. Außerdem unterschied  er sich als Brillenträger schon äußerlich von den anderen Häftlingen, was zusätzliche Gefahr bedeutet. Er fand sich in der KZ-Welt schwer zurecht, hatte aber das Glück, Mithäftlingen halfen ihm.

Otto Neururer betete viel im KZ Dachau. Das war sein Beitrag zur Wandlung des Bösen in der Welt. Persönlich litt er besonders unter Ungerechtigkeit und Bosheit der wachhabenden SS-Männer. Da er selber herzensgut war, überstieg das Böse seine Vorstellungskraft. Das verstärkte seinen Hang zur Schwermut. Er wollte nichts Schlechtes über andere Menschen denken oder sagen, auch nicht über seine Peiniger. Eher litt und zerbrach er an der Schlechtigkeit und Ungerechtigkeit im Lager. Er arbeitete fleißig, wie ihm befohlen wurde, auch wenn gerade kein SS-Mann die Häftlinge beobachtete. Die anderen Häftlinge machten in dieser Zeit Pause, um ihre Kräfte zu schonen. Als der zweite Lagerführer Kantschuster kam, waren die Kräfte Otto Neururers erschöpft. Er konnte nicht mehr so schnell weiter arbeiten. Dafür erhielt er eine Lagerstrafe: Er musste „über Mittag strafstehen, wodurch ihm das Essen entging.“[41] Fassungslos sagte er trotzdem zu seinen Kameraden, die ihn warnen wollten: „Geh, so schlecht kann ein Mensch gar nicht sein.“[42] Pfarrer Berchtold daraufhin zu Neururer:  „Otto? Glaubst Du in Dachau an Gerechtigkeit? Der Kapo ist doch gekommen, um ein Opfer zu suchen. Nun bist Du eben eines geworden. – Du glaubst nicht, dass er meint, dass ich faul bin?- Ob du faul oder fleißig bist, ist ihm ganz egal. Wenn er zu einem Arbeitskommando kommt, will er ein paar Opfer haben. Da wartet er so lange, bis einer auffällt. Dann ist er befriedigt.“[43]

Die schwere körperliche Arbeit konnte Otto Neururer nicht lange aushalten. Er tröstete trotzdem die anderen und  machte Priesterkameraden Mut.

3 Briefe aus dem KZ Dachau sind erhalten. Darin brachte Pfr. Neururer Heimweh zum Ausdruck. Er bat um Gebet, auch im Wallfahrtsort Maria Waldrast.  Er bat auch, sich für seine Freilassung einzusetzten und vergaß nicht zu danken.

Der österreichische Mithäftling P. Just berichtet von der Arbeit in der Kiesgrube: „Von Natur aus schwächlich, hatte er bei der mörderischen Arbeitsleistung, die gefordert wurde, vollauf zu tun, um mitzukommen.“[43] Zuerst war Otto Neururer bei den Schubkarren eingesetzt. P. Just half ihm dabei heimlich und unter Lebensgefahr. Dann Versetzung zur Schaufel. Otto Neururer musste Kies schaufeln. Im Sommer 1939 folgte danach leichtere Arbeit in der Ziegelei. Ab September 1939 musste er wieder in der Kiesgrube arbeiten.

Weitere Mithäftlinge zeichneten ihre Erinnerungen auf: Pfarrer Rieser aus Bramberg in Salzburg(Österreich): „Als Neururer kam, dachte ich mir, du armes kleines Pfarrerle, diese Hölle wirst du nicht aushalten.“ Ein anderer Mithäftling erinnert sich an „gute und helle Augen.“  „Wie wir alle mit dieser Welt ja schon abgeschlossen und ständig den Tod vor Augen hatten, waren wir mehr im Jenseits mit unserem Sinnen und Trachten . . . Wir haben alle viel gebetet. Neururer hat immer wieder auf die Gottesmutter hingelenkt. Er wird, wie wir alle, sich ganz ihr anempfohlen haben und aus dem Glauben und Gebet sich Kraft geholt haben“[44]

Georg Schelling: „Dieser einfache, völlig anspruchslose Mensch mit dem unschuldigsten Gesicht von der Welt imponierte doch jedem.“[45]

P. Lenz: „Klein und schmächtig von Gestalt, war er ein kluger und talentierter Mann; aber auch etwas leicht fassungslos bei den ständigen gefahrvollen Überraschungen im Lager. Doch seine übernatürliche Einstellung meisterte auch die schwersten Erlebnisse mit heiliger Geduld.“[46]

Alfred Berchtold: „Er war so zutiefst von der Güte der Menschen überzeugt, dass er immer glaubte, er müsse plötzlich aus diesem hässlichen, furchtbaren Traum erwachen. Immer wieder sagte er mit einem ungläubigen kindlichen Staunen: „Ja, können die Menschen so schlecht sein?““

Nochmals Schelling: „Dieser einfache , anspruchslose Pfarrer mit dem unschuldigsten Gesicht der Welt imponierte doch jedem . . . Otto Neururer war ein heiligmäßigger Priester von edelster Gesinnung. Auch seinen schlimmsten Feinden trug er nichts nach . … Wer 15 Monate, die Pfarrer Neururer in KZ-Halt, zubringen mußte, sein engster Kamerad sein durfte, seine echte Frömmigkeit kannte und um einen grenzenlosen Eifer für die Kirche wußte, der sieht in seinem gewaltsamen Tod die Vollendung der irdischen Laufbahn in der Verherrlichung des Martyriums“[47]

Er teilt sein Brot mit hungrigen Mithäftlingen, obwohl er selber nur sehr wenig bekommen hatte und hungerte: „Hast du alles selber gegessen?“ Fragte ihn ein Mithäftling. „ Er wird verlegen. „Ich habe dem Werkzeugwart ein Stückchen geschenkt. Sei mir nicht bös. Er hat mir mit so traurigen Augen zugesehen. Ich konnte nicht anders. Sei nicht bös. Aber schau, ich kann nicht anders; es hätte mir gar nicht geschmeckt, wenn ich dem anderen nichts gegeben hätte.“[48][49]

Kräfteverfall, Hunger mit seinen Folgeerscheinungen Abszesse und Furunkel, quälten Pfarrer Neururer. P. Just: „Neururer verfiel sichtlich bereits in Dachau. Er wurde zweimal ohnmächtig, und bald magerte er so ab, daß selbst die Lagerleitung einzuschreiten sich bemüßigte und den Pfarrer zur ärztlichen Untersuchung sandte. Dort wurde ein derartig krasser Gewichtsschwund innerhalb kurzer Zeit festgestellt, daß Neururer unverzüglich in Spitals(Revier)-Pflege überführt wurde. Nach einmonatiger Kur hatte sich Neururer wieder soweit erholt, daß er ein halbwegs menschenwürdiges Aussehen hatte. Aber bald nahmen ihn Arbeit, Hunger und klimatische Unbilden, denen wir völlig schutzlos preisgegeben waren, so her, daß er wieder arg verfiel“.[50]

Im Lager wirkte Neururer  seelsorglich, obwohl das streng verboten war. Ein Mithäftling  half ihm im Revier beim Beichte hören. „Einmal war ein Mann im Sterben; man hatte ihn in die sogenannte Sterbekammer,  in der auch Besen und Putzmittel aufbewahrt wurden, gelegt. Salchner paßte vor der Türe, während Neururer dem Mann die Beichte abnehmen konnte. Neururer blieb mehrere Wochen, annähernd zwei Monate, im Revier.“[51]  Ein andermal wurde bei der Spendung des Sakraments der Beichte erwischt und so hart zu Boden geschlagen, dass er sich nicht mehr erheben konnte. Ein Mithäftling half ihm auf, wurde dafür aber selber mit einem  Stock geschlagen.

„An Sonntagen hat er uns beim Auf- und Abgehen ganze Predigten gehalten.“ Erinnerte sich Mithäftling Peintner[52]

KZ Buchenwald

Ende Sept 1939 wurde Pfarrer Otto Neururer ins KZ  Buchenwald verlegt. Die Strapaze begann schon auf dem Weg. Der Zug fuhr nur bis Weimar. Die  letzten 12 km mussten die Häftlinge zu Fuß zurücklegen. In der Unterlagen des Lagers wurde er als „Kath. Pfarrer, hartnäckiger und hinterlistiger Gegner der NSDAP“ [53] geführt. Diese Bemerkung war einem Todesurteil gleich. Wieder wurde Otto Neururer zunächst der Strafkompanie zugeteilt. Als seine Kräfte nachließen kam er in die Invalidenkommando, dort war  zynischer weise besonders schwere Arbeit zu tun. Die Gefangenen mussten auf dem Holzhof Baumstämme roden und Wurzelstocke zerhacken oder Erde tragen  [54].

In Buchenwald gab es viele politische Häftlinge, die  wegen ihrer Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei inhaftiert waren. Unter ihnen befanden sich nach Aussage einiger ehemaliger Priesterhäftlinge auch solche, die Priester besonders hassten und Österreicher dazu: „Den größten Schmerz bereitete ihm das Zusammensein mit Häftlingen, die ihrem Gottes- und Priesterhaß die Zügel schießen ließen und denen es ein Vergnügen bereitete, den ,Pfaffen‘ zu quälen. Die Dachauer waren in ihren leichten  Sommerkleidern  gekommen. In Buchenwald aber herrschte eisige Kälte. Auch Neururer empfand die volle Bitterkeit dieser Strapazen. „[55] berichtete Mithäftling Klotz .

Der tschechische Mitgefangener Dr. Rokyta erzählte: „ Ich erinnere mich wie heute an Pfr. Neururer. . . Auch Pfarrer Neururer kam öfter in den Abendstunden zu uns, und ich erinnere mich an mehrere Gespräche mit ihm. Alle aus unserem Kreise, die ihn kennengelernt haben, waren von seinem priesterlichen Ernst und seiner tiefen Tiroler Frömmigkeit beeindruckt. Man sah ihm geradezu an, wie er auch unter allerschwersten Bedingungen seelsorglich wirksam bleiben wollte. Seine gütigen Augen waren immer von Trauer beschattet, und wohl nicht so sehr über sein eigenes Schicksal, sondern angesichts der unbeschreiblichen Grausamkeiten, die er mit uns täglich sehen mußte. Ich darf wohl sagen, daß er ein charismatischer Priester gewesen war, eine anima candida, der sicher das grausame Geschick, das ihn betroffen, als Sühne auf sich genommen hat. Es könnte der letzte Abend vor seiner Verbringung in den berüchtigten Bunker gewesen sein, als er besonders anteilnehmend bei uns auf unserer Stube gewesen war, und ich habe mich längere Zeit mit ihm unterhalten. So werde ich wohl einer der Letzten gewesen sein, der mit Pfarrer Neururer gesprochen hat.“[56]

Hölzler: „…Wir kamen also praktisch nur außerhalb der Arbeitszeit zusammen, Trotzdem habe ich Neururer in dieser Zeit als einen außerordentlich frommen, ja heiligmäßigen Priester kennengelernt. Er führte oft und mit verschiedenen Gefangenen religiöse Gespräche und hoffte, sie für den Glauben zu gewinnen. Sehr oft teilte er auch die kleine Brotration mit anderen, zu sehr hatte er Erbarmen mit den Hungernden. An sich selbst dachte er zuletzt. Ich redete ihm deshalb oft zu und suchte ihn davon abzubringen, weil er auf seine eigenen Kräfte schauen sollte. Ich warnte ihn auch, zu unvorsichtig religiöse Gespräche zu führen und sich als Seelsorger zu betätigen. Denn zu leicht konnte ihn in der so gemischten Belegschaft einer verraten. Aber auch darauf hörte er kaum…. Er hat auch seine Einkerkerung und die Leiden in den Konzentrationslagern bereitwillig hingenommen in dem Bewußtsein und mit der Bereitschaft, mit den Leiden Christi mitzuleiden. Er hat nie gejammert, sondern alles als Willen Gottes betrachtet und so eigentlich leicht ertragen. Ich habe mich selbst gewundert, wie er in allen Situationen ruhig blieb und alles in Geduld aushielt, obwohl er recht mitgenommen aussah und körperlich abgemagert war. Ich kann bezeugen, dass ich aus seinen Worten oder Handlungen niemals Anzeichen von Verzweiflung; Mutlosigkeit, Bedauern über die verlorene Freiheit oder die Absicht zu einem Fluchtversuch, der für ihn ohnedies aussichtslos gewesen wäre, bemerkt habe. Auch in verzweifelten Lagen, behielt er das Vertrauen auf Gott und seine Hilfe und richtete andere noch auf . . . Wie Otto dann den Tod angenommen hat, als er ihm im Bunker schließlich unausweichlich entgegentrat, kann ich zwar aus eigener Anschauung nicht bezeugen, aber ich bin mir gewiß, daß er ihn ruhig und gefaßt ertragen hat . . .Ich weiß, daß Otto ganz in den Willen Gottes ergeben lebte und auch zum Tod bereit war. Ich stelle mir vor, daß er Jesus auch in den Tod folgen wollte, wie er ihm bereits bereitwillig in das Leiden gefolgt war“.[57]

Wegen seiner Furunkulose mußte Otto Neururer im Revier (Krankenstation) aufgenommen werden. Auch das war wegen der barbarischen Behandlung durch die „Pfleger“, berüchtigt. Oft wurden politische Gegner mit der Giftspritze getötet. Neururer kam durch. „Dieser einfache, völlig anspruchslose Pfarrer mit dem unschuldigsten Gesicht der Welt imponierte doch jedem….“[58] „Er muß im Revier in Buchenwald schlimme Erlebnisse gehabt haben, weil, wenn die Rede darauf kam, dann wurde er ganz aufgeregt und wollte vom Revier nichts mehr wissen.“   [59] Pater Just berichtete, dass Neururer ein schwächlicher Typ war. Er sah krank aus und litt doppelt. Er kam öfters ins Revier. Er kränkelte ständig. [60]

In Buchenwald zeigte sich wieder die innere Größe Neururers. Er arbeitete pflichtbewusst und blieb immer liebenswürdig. Nie habe er geschimpft, sondern alles  geduldig ertragen und war dabei bemüht, andere zu trösten. „Er war immer sehr nett und dienstbeflissen. Pfarrer Neururer war eine „anima candida“, als solcher sehr freigiebig und etwas unbeholfen in rein irdischen Dingen. Er wurde weidlich ausgenützt von Laien. Er gab von dem Wenigen, der armseligen Hungerrationen, noch etwas ab an die Armen des Lagers.“

Im Brief vom 19.05.40 aus Buchenwald schrieb er: „…Ihr werdet mir glauben, dass ich mit meinen Gedanken immer wieder bei meinen Freunden in der Heimat weile!…“ , er bat um Gebet für ihn und sandte Grüße in die Heimat.

Der Frühling 1940 brachte Hoffnung für den gefangenen Neururer. Er hoffte auf baldige Freilassung, da  Zuhause vieles für seine Freiheit getan wurde. 1939 waren mehrere kirchliche Versuche unternommen worden, 1940 schien die tatsächliche Freilassung möglich. Zuhause erwartete man  ihn bereits; dort war seine Freilassung versprochen worden. Doch es sollte anders kommen.

Ein protestantischer Mithäftling aus Berlin bat Pfarrer Otto Neururer um die Konversion. Es ist nicht mehr zu klären, ob dieser ein Lagerspitzel war, oder ob sie von einem anderen Häftling verraten wurden. Die Mitbrüder Steinwender und Rieser warnten vor der großen Gefahr. Auf religiöse Beeinflussung stand die Todesstrafe. Glücklich, wieder als Priester arbeiten zu können, begann Neururer aber mit dem Taufunterricht. Der Mitgefangene Geistliche Spannlang sollte als Taufpate bereitstehen. (Taufe war damals bei einer Konversion üblich, für den Fall, dass  die erste Taufe nicht gültig gewesen sein sollte, wurde die Taufe unter Bedingung gespendet.)

Häftling Steinwender, Kanonikus erzählte: „Eines Sonntagsnachmittags gegen 5 Uhr kam Neururer zu mir auf den Block und fragte mich über die Vollmachten, die zur Aufnahme eines Häftlings in die Kirche und zur Spendung der Sakramente notwendig seien, sagte ihm, daß bei der ständigen Todesgefahr aller Häftlinge bezüglich der Vollmachten kein Zweifel bestände. Ich hatte nur ein Bedenken, ob der Mann, der an ihn herangetreten sei, es auch ehrlich meine, ob er etwa nur eine Unterstützung haben wolle oder ob er vielleicht gar ein Spitzel sei… Neururer, der immer zur Güte und Nachsicht  neigte und daher auch im Mitmenschen jede Falschheit ausschloß, wies diese Einwendung klar zurück und sagte, er sei sich vollkommen im Klaren und vertraue seinem Schützling in jeder Beziehung. Froh und lächelnd reichte er mir die Hand und wir verabschiedeten uns – für immer … Wir waren alle davon überzeugt, daß diese Überführung in das berüchtigte Lagergefängnis mit der seelsorglichen Tätigkeit zusammenhänge . . .“[61]

Tatsächlich wurde die Konversion durchgeführt. Auch das Sakrament der Beichte wurde gespendet. Da kam es zum Verrat.  Nach einem Verhör, bei dem Neururer sich weigerte über die Beichte zu sprechen und so das Beichtgeheimnis wahrte,  wurde er am 28. Mai 1940 zur verschärften Haft in den Bunker gebracht. „Der Arrest von Buchenwald war furchtbar. Alle sprachen mit Entsetzen von diesem schauerlichen Ort, aus dem es kein Entrinnen gab. Wir alle bangten sehr um das Leben und Schicksal der beiden (Neururer und Spannlang) uns so lieben und teuren Kameraden.“  Neururer wurde nach seiner Einlieferung in den Bunker zunächst in eine normale Zelle gebracht. Dann aber nach kurzer Zeit in die Todeszelle geführt.

Als Zeuge berichtete Kaplan Berchtold folgendes: „Neururer wurde im Bunker, völlig nackt, an beiden Füßen kopfüber aufgehängt, bis der Tod durch Gehirnschlag eingetreten war. Ab und zu musste nämlich auf Befehl aus Berlin ein Leichnam an die Angehörigen ausgeliefert werden. Pfr. Neururer war nun der erste österreichische und deutsche Priester, der in Buchenwald starb. Weil somit auch bei ihm die Gefahr der Auslieferung bestand, wurde er, wie üblich, auf solche Weise getötet, dass der Leichnam keine Spur der Todesart verraten konnte. Seine Füße wurden mit Lammfellen umwickelt, damit die Eisenketten keine Spuren hinterließen. Der heftige Blutandrang zum Kopf musste notwendigerweise zum Gehirnschlag führen…Der Bunkerwärter, ein Mithäftling, war der Henker.  Der Henker erzählte Berchtold: „Neururer…hat sich auf keine Weise gesträubt. Nachdem Aufhängen hat er einige Male tief gestöhnt und dann die Lippen ständig leise bewegt, wie wenn er bete. Lagerführer und Rapportführer blieben noch eine Zeitlang bei ihm.. Zuweilen hörte man lautes Lachen, so dass der Bunkerwärter annahm, dass sie den hilflos Hängenden verhöhnten.“ Der Wärter zeigte Berchtold Ketten und Felle und drohte dem Kaplan, er  müsse über all das Schweigen bis zum Ende des Nazismus.[62]  Berchtold weiter: „Die Aktion wurde von Schober geleitet, mitgetan hat Rapportführer Strippel und der Bunkeraufseher Martin Sommer. Diese drei blieben etwa noch zwei Stunden in der Todeszelle und beschimpften  und verhöhnten Neururer. Der Bunkerwärter (Kalfaktor) schaute in dieser Zeit immer wieder einmal in die Todeszelle hinein, ob man ihn nicht benötige. Als die drei dann die Todeszelle verließen, gab Schober dem Kalfaktor den Auftrag immer wieder in die Todeszelle zu schauen, ob Neururer noch lebt, und wenn er seinen Tod festgestellt hat, Meldung zu erstatten. Damit ist die genaueTodesstunde Neururers nicht feststellbar. Ich konnte nur erfahren, daß nach ca. 34 Stunden der Kalfaktor den Tod Neururers festgestellt hat.“[63]

So wurde  Pfarrer Otto Neururer am 30.05.1940 im KZ Buchenwald ermordet. Nach offizieller Aussage soll er an einer  akuten Herzschwäche gestorben sein. Sein Leichnam wurde am 03.06.1940 ,vermutlich im Krematorium der Stadt Weimar, eingeäschert.

Am 30.06.1940 fand in der Heimat in Götzens das feierliche Begräbnis der Urne statt. Im Namen der Diözese verfasste der mutige Provikar Carl Lampert eine Todesanzeige ,„…Sein Leben und Sterben werden wir nie vergessen….“ Dieser Text führte zu dritten und letztlich endgültigen Verhaftung Carl Lamperts, den die Kirche ebenfalls als Seligen verehrt.

Das Seligsprechungsverfahren für Pfarrer Otto Neururer wurde am 27.01.1982 eröffnet und mit der Seligsprechung am 24.11.1996 abgeschlossen.

1985 wurde in der Gedenkstätte KZ Buchenwald in der Todeszell eine Tafel angebracht (noch zu DDR-Zeit!) mit dem Text:  „In dieser Zelle wurde der katholische Pfarrer Otto Neururer, geb. am 25. 03. 1882, am 30.05. 1940 von der SS ermordet. Weil er sich unter seinen Mitgefangenen als Priester betätigt hatte, quälten ihn die faschistischen Peiniger zu Tode.“

Bis Mitte der 1990ger Jahre waren bereits mehr als 180 Gebetserhörungen, auf die Fürsprache des Seligen Otto Neururers, dokumentiert. Menschen berichteten von seinem hilfreichen Eintreten bei Gott. Von Ihnen  erfuhren 35% körperliche Heilungen, 20% Hilfe bei Familien- und Eheproblemen, 13% Hilfe bei Schulproblemen und Prüfungen, 8% berichten von Bekehrungen…[64]

Pfarrer Neururer gilt als Patron der Familien.

 Anmerkungen:

[1] Pfr. Anton Kirchner, Dokumentation, Pfarrer Otto Neururer, Ein Seliger aus dem KZ, Innsbruck 1997

[2]  Pfr Karl Mair, Doku

[3] Zeitung Tiroler Stimmen, Doku

[4] Pfr. Hörbst, Doku

[5] Doku

[6] Doku

[7] Chronik, Doku

[8] Doku

[9] Doku

[10] Pfarrer Dr. Huber, Doku

[11] Doku

[12] Doku

[13] Pfarrer Dr. Huber, Doku

[14] Doku

[15] Doku

[16] Doku

[17] Doku

[18] Doku

[19] Doku

[20] Doku

[21] Doku

[22] Doku

[23] Doku

[24] Doku

[25] Doku

[26] Doku

[27] Doku

[28] Doku

[29] Doku

[30] Doku

[31] Doku

[32] Dr. Humer in Doku

[33] Doku

[34] Doku

[35] Doku

[36] Doku

[37] Doku

[38] Doku

[39] Doku

[40] Dr. Kunzenmann, Doku

[41]  Georg Schelling, Doku

[42] Bir­git Kai­ser, Chris­tus im KZ, Glau­bens­zeug­nis im Natio­nal­so­zia­lis­mus, Sankt Ulrich Ver­lag, Augs­burg 2011

[43] Doku

[44] Doku

[45] P. Johan­nes M. Lenz, Chris­tus in Dachau, 10. Auf­lage Wien 1960

[46] Lenz a.a.O.

[47] Doku

[48] Doku

[49] Lenz a.a.O.

[50] Doku

[51] Dr. Kunzenmann, Doku

[52] Doku

[53] Doku

[54] Jus­tus Just, Aus der Reihe gedrängt, Das Schick­sal der KZ-Priester, 2005

[55] Mithäftling Klotz Doku

[56] Doku

[57] Doku

[58] Dr. Kunzenman, Doku

[59]  Just, Doku

[60] Just , Doku

[61] Doku

[62] Lenz a.a.O

[63] Berchtold,   Doku

[64] Doku

 

Dekret über das Martyrium von Otto Neururer


(Der Kongregation für die Heiligsprechung, Innsbruck betreffend, die Seligsprechung bzw. Erklärung des Martyriums des Dieners Gottes Otto Neururer, Diözesanpriester (1882- 1940))

„ Das Martyrium ist ein leuchtendes Zeichen  der Heiligkeit der Kirche: die mit dem Tod bezeugte Treue zum heiligen Gesetz Gottes ist feierliches Zeugnis und missionarischer Einsatz bis zum Tod, auf daß nicht der Glanz der sittlichen Wahrheit in den Gewohnheiten und Denkweisen der Menschen und der Gesellschaft um seine Leuchtkraft gebracht werde. Ein solches Zeugnis bietet einen außerordentlich wertvollen Beitrag, damit man nicht nur in der bürgerlichen Gesellschaft, sondern auch innerhalb der kirchlichen Gemeinschaften nicht in die gefährlichste Krise gerät, die den Menschen überhaupt heimsuchen kann: nämlich die Verwirrung in bezug auf Gut und Böse, was den Aufbau und die Bewahrung der sittlichen Ordnung des Einzelnen und der Gemeinschaften unmöglich macht“ (Johannes Paulus II. Litt. Encycl. Veritatis Splendor, 93: AAS LXXXV (1993), s. 1207).

Ein herrliches Zeugnis der Treue gegenüber der Wahrheit, dem göttlichen Gesetz und der Kirche gab der Priester Otto Neururer, indem er den Spuren des Guten Hirten folgte, treu seine priesterliche Pflicht erfüllte und schließlich aufgrund der Verteidigung der christlichen Ehe und wegen Ausübung seines priesterlichen Dienstes unter den Mithäftlingen im nationalsozialistischen Konzentrationslager Buchenwald die Krone des Martyriums erlangte.

Der Diener Gottes Otto Neururer wurde als zwölftes Kind des Ehepaares Alois Neururer und Hildegard Streng am 25. März 1882 im kleinen Ort Piller geboren, damals in der Diözese Brixen, jetzt in der von Innsbruck gelegen.

Nachdem Otto den Vater verloren hatte, sorgte seine fromme Mutter gewissenhaft für seine menschliche und christliche Erziehung. Im Jahr 1890 empfing er die Erstkommunion und zwei Jahre später das Sakrament der Firmung. Weil er den Ruf zum Priestertum verspürte, trat er nach Beendigung der Volksschule in seinem Heimatort im Jahre 1895 in das kleine Seminar „Vinzentinum“ in Brixen ein, wo er sich durch großen Studienerfolg und durch die genaue Beachtung der häuslichen Disziplin auszeichnete. Genauso befleißigte er sich trotz seiner gesundheitlichen Schwierigkeiten im Priesterseminar. Sein theologisches Wissen verband er mit Frömmigkeit und hegte eine große Liebe zur Kirche und deren Sendung. Er galt so als Beispiel für seine Altersgenossen.

Nach Empfang der Priesterweihe am 29. Juni 1907 wirkte er mit großem Eifer als Kooperator in verschieden, Pfarren. Besonders angelegen waren ihm die Erteilung des, Religionsunterrichtes und die Verkündigung des Evangeliums. Mit großem Eifer versah er den priesterlichen Dienst. Er sorgte sich um die Erziehung der Jugend und um die ständige Betreuung der Kranken, der Armen und der an den Rand der Gesellschaft Gedrängten. Im Jahre 1932 wurde er zum Pfarrer des kleinen Dorfes Götzens bei Innsbruck ernannt. Von Glaubenstiefe und Nächstenliebe geprägt, widmete er sich mit großem Eifer der Predigt, der Spendung der Sakramente und der Sorge für die Gläubigen. Andächtig feierte er die Hl. Messe, pflegte das Gebet, die Meditation und das tägliche Brevier- und Rosenkranzgebet.   Er förderte die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu, der Jungfrau Maria und der Armen Seelen. Der Mitfeier der Hl. Messe durch die Gläubigen und der Anbetung des Allerheiligsten  galt seine Sorge. Er veranstaltete Exerzitien für die Jugendlichen. Die Pfarrgüter verwaltete er getreu.

Als nach der Besetzung Österreichs durch Deutschland im Jahre 1938 in der sogenannten Naziherrschaft die Verfolgung der Kirche und ihrer Einrichtungen begann, übte der Diener Gottes seinen priesterlichen Dienst weiterhin mit der gewohnten Treue zur katholischen Lehre aus, einzig und allein auf das Wohl seiner Gemeinde bedacht. Sich der Niedertracht der Zeit und der schweren Gefahren bewußt, die dem christlichen Volke drohten, zeigte er offen seine Bereitschaft, das Leben für Christus hingeben zu wollen; er sah voraus, daß er als Märtyrer sterben werde.

Dem göttlichen Gesetz und dem pastoralen Dienst verpflichtet, hat er am 8. Dezember 1938 einem Mädchen aus der Pfarre von der Heirat eines geschiedenen Nationalsozialisten abgeraten. Dieser rächte sich, indem er den Namen dieses hervorragenden Priesters bei der Gestapo anzeigte, von der

Otto Neururer am 15. Dezember desselben Jahres festgenommen wurde. Als man ihn in das Gefängnis von Innsbruck einlieferte, leistete er keinen Widerstand, sondern bekräftigte, nur seinen priesterlichen Dienst getan zu haben und zum Sterben bereit zu sein. Im März 1939 wurde er im Konzentrationslager von Dachau eingesperrt und im darauffolgenden September in das KZ Buchenwald bei Weimar überstellt. Tapfer, geduldig und ergeben ertrug er Kränkung, Verfolgung, Schläge, Kälte und ihm aufgebürdete Schwerarbeit. Unter diesen äußerst widrigen Umständen pflegte er oft zu beten: „Wie Gott will!  Sooft er konnte, war er den Mithäftlingen behilflich und spendete ihnen die Sakramente. Er setzte sich dabei der Gefahr aus, dafür mit dem Tode bestraft zu werden. Durch seine Tätigkeit als Priester erreichte er heimlich die Konversion eines Provokateurs aus Berlin, dem er das Sakrament der Taufe spendete; dafür ist der Priester Matthias Spanlang Zeuge. Die Angelegenheit wurde bekannt. Daraufhin wurden beide Priester deshalb eines schweren Vergehens angeklagt und am 28. Mai 1940 in den Bunker des Konzentrationslagers gesperrt.

Otto Neururer wurde an den Füßen mit dem Kopf nach unten aufgehängt und hat so am 30. Mai 1940 sein Leben heroisch beendet. Er ging als Märtyrer in das ewige Leben ein. Wenige Tage später wurde nach Einäscherung des Leichnams der Pfarre Götzens die Urne mit der Asche übersandt und dort ehrenvoll bestattet. Von Anfang an galt der Diener Gottes aufgrund seines unbeirrten Dienstes als Seelsorger ganz klar als Märtyrer.

Als sich diese Überzeugung in immer weiteren Kreisen durchsetzte, leitete der Bischof von Innsbruck nach Abschluss der diözesanen Erhebungen über das Martyrium und den Ruf der Heiligkeit den Prozess für die Selig- und Heiligsprechung ein. Die Rechtmäßigkeit des Diözesanprozesses wurde von der Kongregation für die Heiligsprechung durch das am 14. Juni 1991 veröffentlichte Dekret bestätigt. Nach Erstellung der Positio folgte die Prüfung, ob der Tod des Dieners Gottes als ein echtes Martyrium zu bezeichnen ist. Am 19. Mai 1995 hat die Theologenkommission diese Frage positiv beurteilt. Die Kardinäle und Bischöfe haben in der ordentlichen Sitzung vom 21. November desselben Jahres, bei der Seine Eminenz Kardinal Alfons Maria Stickler als Berichterstatter fungierte, öffentlich erklärt, dass der Priester Otto Neururer sein Leben hingegeben hat, um die Treue zu Christus und zum pastoralen Dienst zu bezeugen.

Darüber hat der unten angeführte Pro-Präfekt als Berichterstatter Papst Johannes Paul II. unterrichtet. Dieser nahm die Voten der Kongregation für die Heiligsprechung entgegen, genehmigte sie und ordnete die rechtmäßige Ausfertigung des Dekretes über das Martyrium des Dieners Gottes an.

Nach Ausfertigung des Dekretes erklärte der Heilige Vater am heutigen Tag im Beisein des unten genannten Pro-Präfekten, ebenso des Kardinalberichterstatters und meiner Person als Sekretär, sowie im Beisein aller übrigen, die nach Brauch zusammengerufen werden müssen:

Das Martyrium des Dieners Gottes Otto Neururer, Diözesanpriester, der im Jahre 1940 ermordet wurde, ist erwiesen und steht fest hinsichtlich der theologischen Begründung und im Hinblick auf die Seligsprechung.

Seine Heiligkeit ordnete die Veröffentlichung dieses Dekretes an und dessen Hinterlegung bei den Akten der Kongregation für die Heiligsprechung.

Gegeben zu Rom am 12. Jänner 1996

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