Narcyz Putz


Seli­ger NARCYZ PUTZ (1877—1942)
Pries­ter des Erz­bis­tums Poznan (Posen), Ehren­dom­ka­pi­tu­lar, Pfar­rer
geb: 28. 10. 1877 in Sier­aków, Wie­l­ko­pols­kie (Polen)

Erste Ver­haf­tung  in Wars­zawa, danach im Gefäng­nis in Wars­zawa

Zweite Ver­haf­tung am 03.11.1939 in Poznan, danach im Gefäng­nis in Poznan

Nach einem Auf­ent­halt im KZ Dachau ab 05.06.1940 im KZ Gusen

KZ Dachau wie­der ab 08.12.1940, Häft­lingsnr.: 22 064

+: 05 Dezem­ber 1942 im KZ Dachau, 65 Jahre alt[1]

Gedenk­tag: 05.12.

 

Kurz­bio­gra­fie: 

Der Selige war Pfar­rer der Pfar­rei St. Wojciech-Adalbert in Poznan.

Sein tie­fes, geis­ti­ges Leben und seine große Liebe zur Kir­che beweg­ten ihn zu einer enga­gier­ten Seel­sorge und gaben ihm ein für die Men­schen offe­nes und gutes Herz.

Die Spi­ri­tua­li­tät die­ses Pries­ters kam beson­ders zum Aus­druck wäh­rend den vie­len Ver­fol­gun­gen im Gefäng­nis

und im KZ Dachau, wo er zu einem über­zeu­gen­den Beweis wurde,

wie man sein eige­nes Lei­den mit dem Kreu­zop­fer ver­ei­nen und ver­bin­den kann.

„Der Dom­ka­pi­tu­lar Nar­cyz Putz, gehörte zum ers­ten Trans­port der pol­ni­schen Pries­ter nach Dachau.

Er war schon 65 Jahre alt, abge­ma­gert und krank, aber in sei­nem Her­zen und Geiste blieb er immer noch jung.

Er ahnte, dass er nie mehr ins Vater­land zurück keh­ren würde,  trotz­dem trös­tete er seine Brü­der und

ermu­tigte sie durch sei­nen Opti­mis­mus und durch eine bewun­derns­werte Annahme die­ser schwie­ri­gen Prü­fung Got­tes.

Alle pol­ni­schen Häft­linge haben ihn sehr gemocht“ (Ger­ard Miz­gal­ski).

Am 05.12. 1942 starb er durch Krank­hei­ten und Lei­den unter den unmensch­li­chen Lebens­be­din­gun­gen aus­ge­zehrt.[2]

 



[1] Daten nach WEILER, Eugen, Die Geist­li­chen in Dachau, Möd­ling 1971, S 547

 Bio­gra­fie von Kle­mens Hogen-Ostlender

Seli­ger NARCYZ PUTZ (1877 – 1942)

 Pries­ter des Erz­bis­tums Poznan (Posen),  Ehren­dom­ka­pi­tu­lar, Pfar­rer,  geb: 28. 10. 1877 in Sier­aków, Wie­l­ko­pols­kie (Polen)

Nar­cyz Putz  war der Sohn von Wła­dysław Putz, der Wirt war, und sei­ner Frau Jose­fina, geb. Brod­nie­wicz. Er wurde am 25. Novem­ber 1877 in Sier­aków  getauft. Das Abitur legte er 1898 in Posen ab. Er stu­dierte im dor­ti­gen Semi­nar und in Gniezno Theo­lo­gie und wurde am 15. Dezem­ber 1901 in Gniezno zum Pries­ter geweiht. Danach war er zunächst  Ver­wal­ter der Gemeinde in Borus­zyno, dann aus­hilfs­weise Vikar in Obrzycko Vikar,  Sza­mo­tuły und anschlie­ßend in Wronki und schließ­lich Pfar­rer in Strzelce.  Er war in ver­schie­de­nen pol­ni­schen Ver­ei­ni­gun­gen aktiv und hielt Vor­träge über die Geschichte Polens. Vor dem Ers­ten Welt­krieg war er Mit­glied einer Genos­sen­schafts­be­we­gung in Sza­mo­tuły. Ab Februar 1920 war Nar­cyz Putz  Ver­wal­ter der Kir­chen­ge­meinde des Hei­ligs­ten Her­zens Jesu in Byd­goszcz und wurde vier Jahre spä­ter  zum Ver­wal­ter der neu gegrün­de­ten Kir­chen­ge­meinde in Byd­goszcz ernannt. Beson­dere Auf­merk­sam­keit wid­mete er dem Wohl­er­ge­hen der bäu­er­li­chen Bevöl­ke­rung und der Kin­der.

Neben der Erfül­lung sei­ner seel­sor­ge­ri­schen Pflich­ten nahm Nar­cyz Putz  aktiv am gesell­schaft­li­chen Leben der Stadt teil.  Ab 1920 war er Mit­glied des Stadt­rats, wo er die Christlich-Nationale Arbei­ter­parte ver­trat, und auch in der Städ­ti­schen Biblio­thek, im Thea­ter, der Schule und der Wirt­schafts­kom­mis­sion tätig. Am 9. Sep­tem­ber 1925 wurde er Pfar­rer von St. Woj­ciech (St. Adal­bert) in Poznan und wurde dort 1937 zum Ehren­pries­ter des Metro­po­li­ten­ka­pi­tels ernannt. Viele Jahre war er außer­dem  Mit­glied des Ver­wal­tungs­rats der Erz­diö­zese Poznan sowie  Prä­si­dent der dor­ti­gen Priester-Union „Unitas“. Er war bekannt als guter Pre­di­ger und Beicht­va­ter und enga­gierte sich für die Grün­dung und Ent­wick­lung von katho­li­schen reli­giö­sen Zeit­schrif­ten. Wie in Byd­goszcz betei­ligte sich Nar­cyz Putz auch in Poznan aktiv am poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Leben. In den Jah­ren 1929 bis 1933 war er dort als Stadt­rat in den Finanz- und Rechnungswesen-Ausschüssen tätig und saß in den Wahl­ko­mi­tees für Stadt­räte und Par­la­ment. Bereits seit 1916 war er auch ordent­li­ches Mit­glied der Pol­ni­schen Gesell­schaft der Freunde der Wis­sen­schaft.

Beim deut­schen Über­fall auf Polen im Sep­tem­ber 1939 befand er sich in War­schau. Am 4. Okto­ber wurde er zum ers­ten Mal von der Gestapo ver­haf­tet und im berüch­tig­ten Pawiak-Gefängnis für poli­ti­sche Häft­linge ein­ge­ker­kert. Nach zwei Wochen wurde er ent­las­sen, aber bereits am 9. Novem­ber 1939 wie­der ver­haf­tet und in Fort VII  der Fes­tungs­an­la­gen inhaf­tiert. Trotz aller Schi­ka­nen und Fol­ter blieb er gedul­dig und unter­stütze seine Mit­ge­fan­ge­nen.

Am 24. April 1940 wurde Nar­cyz Putz  mit dem ers­ten Trans­port pol­ni­scher Gefan­ge­ner aus Polen nach Dachau gebracht, kam von dort aus aber am 6. Juni in das KZ Gusen in Ober-Österreich, wo er im Stein­bruch und beim Aus­bau des Lagers arbei­ten musste. Im Stein­bruch musste er große Stein­bro­cken mit einem schwe­ren Ham­mer zer­schla­gen.  Trotz sei­ner chro­mi­schen Herz­krank­heit, und obwohl er nur noch eine Niere hatte, über­lebte Nar­cyz Putz die  extrem schwie­ri­gen Bedin­gun­gen des Lager­le­bens. Heim­lich orga­ni­sierte er Gebete und Got­tes­dienste und rich­tete seine Mit­ge­fan­ge­nen geis­tig auf.  Nach einem Bericht des mit­ge­fan­ge­nen Pfar­rers  Zbigniew Spach­acz hat Nar­cyz Putz schon in Gusen „eine echte Hölle durch­ge­macht.“ SS-Männer miss­brauch­ten ihn für beson­dere Schi­ka­nen, schlu­gen ihn und bedroh­ten ihn mit Waf­fen. Aber all das, der Hun­ger und die Kälte bra­chen sei­nen Geist nicht. Er war ein spi­ri­tu­el­ler Füh­rer für andere Mit­ge­fan­gene und ein Modell des Lei­dens im Geiste der Hin­gabe an Got­tes Wil­len, nach den Wor­ten von Pfar­rer Spach­acz  „ein wah­rer Vater und spi­ri­tu­el­ler Wäch­ter ande­rer. Über­all war er, orga­ni­sierte Gebete und Andach­ten, brachte den Kame­ra­den Hoff­nung und stärkte den Wunsch zum Über­le­ben“.

Bei der erneu­ten Ver­le­gung nach Dachau am 8. Dezem­ber 1940 erhielt Nar­cyz Putz  dort die Häft­lings­num­mer 22064. Er musste  zuerst in der Plan­tage arbei­ten, einem gro­ßen Kräu­ter­gar­ten, mit dem  Deutsch­land unab­hän­gig von der Ein­fuhr aus­län­di­scher Medi­ka­mente und Gewürze gemacht wer­den sollte. Spä­ter musste er in der Her­stel­lung von  Strumpf­wa­ren arbei­ten. In den Brie­fen aus die­ser Zeit, die er sei­ner Schwes­ter, steht viel Hoff­nungs­vol­les. Am 27.Dezember 1940  schrieb er:  „Der Hei­lig­abend war ein wenig trau­rig, aber Gott wird hel­fen. Mir geht es gut. Ich hatte einen Bart, aber ich habe ich wie­der abra­siert. Ich umarme Dich. Mit Gott N.“

Für seine gefan­ge­nen Mit­brü­der orga­ni­sierte Nar­cyz Putz auch das Stun­den­ge­bet. Der eben­falls inhaf­tierte Pfar­rer  Ger­ard Miz­gal­ski nannte ihn „unse­ren See­len­füh­rer“. Czes­law Naro­cki  schil­derte seine eigene Ankunft im KZ so: „Ich erin­nere mich an den  Abend des ers­ten Tages. Ich sah einen alten Mann, der in der gro­ßen Kolonne zum Appell­platz mit­mar­schierte.  Der mir  damals noch unbe­kannte Gefan­gene, Nar­cyz Putz, beeilte sich, uns zu begrü­ßen und uns zu trös­ten. Er hat immer gelä­chelt…

Ger­ard Miz­gal­ski  schrieb spä­ter: Er war schon 65 Jahre alt, abge­ma­gert und krank, aber in sei­nem Her­zen und Geiste blieb er immer noch jung. Er ahnte, dass er nie mehr ins Vater­land zurück keh­ren würde,  trotz­dem trös­tete er seine Brü­der undermu­tigte sie durch sei­nen Opti­mis­mus und durch eine bewun­derns­werte Annahme die­ser schwie­ri­gen Prü­fung Got­tes. Alle pol­ni­schen Häft­linge haben ihn sehr gemocht“. Ger­ard Miz­gal­ski  erin­nerte sich  auch daran, dass  Nar­cyz Putz  ihn und andere Mit­ge­fan­ge­nen den Hun­ger und die Lei­den durch eine Typhu­se­pi­de­mie ver­ges­sen ließ: „Es war, als ob der Erz­en­gel Gabriel uns besucht und uns eine große Freude und Hoff­nung ankün­digt hätte.“ Das tie­fe, geis­ti­ges Leben von Nar­cyz Putz und seine große Liebe zur Kir­che beweg­ten ihn zu einer enga­gier­ten Seel­sorge und gaben ihm ein für die Men­schen offe­nes und gutes Herz. Die Spi­ri­tua­li­tät die­ses Pries­ters kam beson­ders zum Aus­druck wäh­rend der vie­len Ver­fol­gun­gen im Gefäng­nis  und im KZ, wo er zu einem über­zeu­gen­den Beweis wurde, wie man sein eige­nes Lei­den mit dem Kreu­zop­fer ver­ei­nen und ver­bin­den kann.

Seit Okto­ber 1942 durf­ten Gefan­gene in Dachau Pakete von zu Hause erhal­ten. Im sei­nem letz­ten Brief an seine Schwes­ter, die ihm Lebens­mit­tel geschickt hatte,  schrieb Nar­cyz Putz am 29. Novem­ber 1942: „Gott belohne dich. Es war ein gött­li­ches Ver­gnü­gen“. Es schien, als würde er das Lager über­le­ben. Gott jedoch wollte anders. Nar­cyz  Putz erkrankte an einer Lun­gen­ent­zün­dung, die sich wäh­rend der Appelle im Novem­ber zuge­zo­gen hatte. Diese Lun­gen­ent­zün­dung wurde auch als offi­zi­elle Todes­ur­sa­che ange­ge­ben. Mit­ge­fan­gene berich­te­ten aber, dass der schwer­kranke Pfar­rer in Wahr­heit mit einer Ben­zi­nin­jek­tion getö­tet wurde. Sein Leich­nam wurde am 8. Dezem­ber, am Fest der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis, im Lager­kre­ma­to­rium ver­brannt.

Papst Johan­nes Paul II. sprach Nar­cyz Putz und wei­tere 107 pol­ni­sche Mär­ty­rer des Zwei­ten Welt­kriegs am 13. Juni 1999 wäh­rend einer Hei­li­gen Messe in War­schau selig.

Über­set­zung der pol­ni­schen Quel­len: Kata­rina Gaeth

Quel­len:

https://pl.wikipedia.org/wiki/Narcyz_Putz

http://www.swietywojciech.archpoznan.pl/historia/putz.html

http://www.parafia.sierakow.pl/index.php?m=5

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