Bischof Michal Kozal



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                                            Seliger Bischof Michal Kozal

(in deutschen Texten auch: Michael Kozal)

Geboren am 25.09.1893 in Nowy Folwark, Polen

Grundlos verhaftet zusammen mit dem ganzen Priesterseminar seiner Diözese, Dozenten und Studenten

KZ Dachau ab 25.04.1941

+ 26.01.1943 KZ Dachau

Seliggesprochen 14.06.1987

          Seliger Bischof Kozal bitte für uns!

                      Gedenktag in Polen:  14.06, (außerdem der 26.01., der Sterbetag)

Inhaltsübersicht:

Kurzbiografie

Der Selige Weibischof Michael (polnisch Michal) Kozal wurde am 25.09.1893 in Polen geboren. Seine Bischofsweihe zum Weihbischof von Włocławek (Polen) fand am 13. August 1939 statt, kurz vor der Invasion der deutschen Truppen in Polen am 01.09.1939. Von der Gestapo wurde er am 7. November 1939 verhaftet, zusammen mit vielen Priestern seiner Diözese und dem gesamten Priesterseminar mit allen Seminaristen und Professoren. In der Haftzeit wurde er wiederholt schwer geschlagen. Nach verschiedenen Stationen brachte man ihn am 25.04.1941 ins KZ Dachau. Dort war er als Häftling im Priesterblock bemüht den mitgefangenen Priestern zu helfen, als Seelsorger und sogar durch weitergeben seines eigenen wenigen Essens. Er litt sehr unter dem Glaubenshass der SS, die ihn folterte und schlug und hatte unter den Schikanen und Schlägen einiger Mithäftlinge zu leiden. Trotzdem blieb er stets bewundernswert ruhig und segnete die Mitgefangenen und sogar seine Feinde und betete für sie. Schon zu Beginn seiner Haft hatte er Gott sein Leben angeboten für die Kirche und die Befreiung seines Heimatlandes Polen. Dies vollendete er im Martyrium. Am 26. Januar 1943 wurde er am Ende seiner Kräfte auf dem Krankenrevier eingeliefert. Er war an einer Mittelohrentzündung erkrankt. Dort wurde Bischof Kozal mit einer Giftspritze getötet, als bekannt geworden war, dass er ein katholischer Bischof war.

Im Seligsprechungsprozeß bezeugte der Mörder, dass er das gütige Gesicht des Bischofs, der mit seinem Mörder Mitleid hatte, nicht vergessen konnte.Bischof Michael Kozal wurde am 14.06.1987 von Papst Johannes Paul II seliggesprochen.

Seliger Bischof Kozal bitte für uns!

 

Ausführliche Biografie
von Monika Neudert

Der selige Michael Kozal war der erste, der polnischen Priestermärtyrer aus dem KZ Dachau, der selig gesprochen wurde. Der gütige Weihbischof aus Polen verdient es in Deutschland bekannt zu werden.

Kindheit und Jugend:

Er wurde am 25.09.1893 in Nowy Folwark geboren, einem kleinen Ort in der Erzdiözese Poznan. Seine Eltern waren Bauern, arm aber sehr fromm. Das prägte auch seine Kindheit in einer großen Familie. Schon als Kind zeigte er eine besondere Liebe für alles Religiöse, er fiel aber auch durch sehr gute Noten in der Grundschule auf. Ab 1905 besuchte er für 9 Jahre das Gymnasium in Krotoszyn, wo er wieder Klassenbester war. Er konnte auch die Sympathie von Mitschülern und Lehrern gewinnen. In seinem Abiturzeugnis von 1914 wird er als „in jedem Punkt mustergültig“,1 beschrieben.

In seiner Gymnasialzeit engagierte er sich in der katholischen Organisation Thomasz-Zan-Gesellschaft, schließlich sogar als deren Präsident. Diese setzte sich gegen eine überstarke Germanisierung der Schule ein. Dort mitzuwirken war, nach seiner Meinung, die Pflicht eines jeden Katholiken2. Schon früh reifte in ihm der Mut, sich gegen bestehende politische Verhältnisse zu behaupten und dadurch für Glauben und Vaterland zu kämpfen. Um das zu verstehen, müssen wir die sehr lange Zeit der Fremdherrschaft in Polen bedenken, und das Ringen um die nationale Identität, verbunden mit dem katholischen Glauben.

Der Priester

Nach dem Abitur 1914 entschied Michal Kozal sich für den Eintritt ins Priesterseminar Leonium in Poznan. Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges kam es dort allerdings zu Schwierigkeiten, so dass das Studium in Gnesen beendet werden musste. Wieder erahnen wir nur die Probleme, die hinter so einer Information stehen.

Am 23.02.1918 empfing Michael Kozal die Priesterweihe. Gerne hätte er weiter studiert, aber sein Vater verstarb unerwartet und er war so gezwungen in der Seelsorge zu arbeiten um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Nebenberuflich studierte er trotzdem weiter, konnte aber den Doktortitel nie erreichen.

Als Kaplan wurde er an verschiedenen Stellen in raschem Wechsel eingesetzt. Zu Beginn gleich in der Pfarrei Koscielec, ab 01.10.1918 in Pobiedziska. Dort blieb er für 1,5 Jahre. Sein Pfarrer berichtete lobend von einer harmonischen Zusammenarbeit. Begeistert äußerte er sich über den Kaplan Kozal: „Das ist mein erster Vikar, der nicht sich selbst sucht, sondern die Rettung der Seelen.“3 Was für ein Seelsorgereifer und welche Selbstlosigkeit hat wohl zu solchem Lob geführt! Bedenkt man, dass der Kaplan nebenbei auch noch studierte und das mit sehr guten Ergebnissen, wächst unser Staunen weiter. Ab 06.06.1920 war Kaplan Kozal in Kostkowo eingesetzt bis 1922.

Am 29.09.1922 wurde er zum Präfekt des katholischen humanistischen Mädchengymnasiums Bromberg/Bydgoszcz ernannt. Er hatte nicht nur Leitungsfunktionen inne. Er unterrichtete auch selber als Religionslehrer.

Doch 1927 berief ihn der Bischof als Spiritual an das Priesterseminar Gnesen. Engagiert und mit Herz arbeitete er dort. Es wird berichtet: „Die Seminaristen ließ er damals wissen: „Ich stehe Ihnen Tag und Nacht zur Verfügung. Sie können jederzeit zu mir kommen.““4 Er war sehr erfolgreich in Leitung und spiritueller Führung. Obwohl er als Einziger dort keinen akademischen Grad hatte, wurde er 25.09.1929 zum Regens des Seminars in Gnesen ernannt wurde. Sein persönliches Beispiel hatte großen Einfluss auf Seminaristen.

Er war ein gütiger Seelsorger, aber auch ein an Kunst interessierter Mann der Kirche. Ein Museumswächter erinnerte sich: „Er war ein Mensch von angeborener Schlichtheit und tiefer Geisteskultur. Er liebte alles Schöne,…Es gab keine Ausstellung, die Bischof Kozal nicht besucht hätte. Er interessierte sich sehr für neue kulturelle Strömungen, besonders interessierte ihn aber die alte Malerei“5

Die wenigen Quellen und Zitate zeigen uns einen begabten und tiefreligiösen Geistlichen, der erfolgreich Karriere in der Kirche gemacht hatte.

Am 12.06.1939 wurde Regens Kozal unerwartet zum Weihbischof von Wloclawek, (auf deutsch: Leslau) an der Weichsel und zum Tituarbischof von Lappa ernannt. Nach einigen Tagen des Rückzugs zur spirituellen Vorbereitung wurde die Bischofsweihe am 13.08.1939 vollzogen. In was für gefahrvollen Tagen war dieser Mann Bischof geworden. Nur ein erstes und einziges Mal konnte er ein Pontifikalamt zelebrieren.

Nationalsozialistische Eroberer in Polen

Dieses Jahr 1939 brachte Polen im September den Einmarsch der deutschen Truppen. Der Zweite Weltkrieg brach aus. Welches vielfache Leid das polnische Volk dadurch erleiden musste, ist vielen Deutschen nicht bekannt.

Am Morgen des 01.09.39 überfiel die Deutsche Wehrmacht Polen. Weihbischof Kozal stand den Gläubigen in dieser Situation bei, wo er nur konnte. Er besuchte Verwundete, tröstete Menschen und half konkret, vor allem auch durch seine väterliche Ausstrahlung. Erstaunlicherweise verbrachte er in diesen Tagen viel Zeit im Beichtstuhl und beim Gebet. Das war seine Priorität. „Seine Güte, Ruhe und Selbstbeherrschung sowie sein geistliches Wort entfachten bei den Menschen dieser Zeit der Angst und Ausweglosigkeit einen Hoffnungsstrahl“6

Die staatlichen Behörden und das polnischen Militärs bedrängen ihn, die Stadt zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Doch Weihbischof Kozal lehnte klar ab. Er wollte als Hirte bei seinen Priestern und seinen Gläubigen bleiben. Sein Bischof reiste am 06.09.1939 ab. Dadurch lag die Verantwortung für die Führung der Diözese allein auf den Schultern des jungen Weihbischofs. Die Menschen vertrauten ihm.

Der Vormarsch der Deutsche Soldaten führte zu Besetzung von Wloclawek (Leslau) am 14.09.39. Sofort begannen systematische Maßnahmen gegen die Kirche: die katholische Presse wurde unterdrückt, Einrichtungen der Kirche und der Orden enteignet, Klöster geräumt, Geistliche und religiöse Laien verhaftet. Die Diözese Wloclawek war Teil des von den Deutschen „Warthegau“ genannten Gebietes, geworden. Hier sollte ein Musterbezirk des deutschen Reiches entstehen mit polnischen Arbeitssklaven und ohne andere störende Religionen wie dem Christentum. Hier war flächendeckend die Einführung der neuen „Hitlerreligion“ geplant. Deshalb wurde die Katholische Kirche hier auch besonders hart verfolgt. Sie sollte ausgerottet werden.

Bischof Kozal kämpfte dagegen an. Er protestierte und intervenierte mutig. Doch sein Einsatz hatte keinen Erfolg, vielmehr führte er zu einer Vorladung bei der Gestapo der Besatzungsmacht. Diese versuchte es zuerst mit Einschüchterung. Er dürfe nur noch auf Deutsch Predigen, so erfuhr er. Bischof Kozal lehnte ab. Realistisch wie er war, rechnete ab diesem Zeitpunkt mit seiner baldiger Verhaftung. Ein kleiner Koffer war schon bereitgestellt.

Sein Engagement galt auch jetzt besonders dem Priesterseminar. Er versuchte es wieder zu eröffnen, bemühte sich die dafür nötige Genehmigungen zu bekommen. Die deutschen Behörden erteilten diese überraschenderweise. Ab dem 08.11.1939 sollte das Seminar wieder eröffnet werden. Aber das war eine Lüge. Andere Pläne waren schon beschlossen worden: Am 07.11.39, dem vor der geplanten Wiedereröffnung, wurden alle Professoren und Seminaristen, insgesamt 44 Personen, verhaftet. Mit ihnen auch ihr Bischof, Weihbischof Michael Kozal. Er sagte: „Ich erkenne die Deutschen überhaupt nicht wieder, sie sind ganz anders als jene, die ich gekannt habe.“7

Kreuzweg, Leid und Gefangenschaft

Der Kreuzweg von Bischof Michael Kozal begann im Gefängnis der Stadt, in Isolierungshaft in einer kalten und feuchten Kellerzelle. Er musste auf dem bloßen Zementboden schlafen. Sonntags durfte er kurz zu den anderen Priestern, den Professoren und Seminaristen, um mit ihnen die heilige Messe zu feiern. Für nur eine halbe Stunde wurde er in die Kapelle gebracht. Was tat er zuerst? Er beichtete. Nach 30 Minuten, mitten während Messe, kam ein SS-Mann und brüllte: „Bischof raus!“. Der Bischof kommunizierte sofort und wurde abgeführt. In diesem Gefängnis in Wloclawek wurde er zum ersten Mal misshandelt. Von SS-Männern wurde er zweimal grausam ausgepeitscht.8 Das berichtete ein späterer Mithäftling aus Dachau, P. Lenz. Er vermutete auch den Grund von Bischof Kozals Verhaftung: „Sein Priestertum, seine Bischofswürde! – Sein Mut, der ihn festhielt am Ort seiner Pflicht – seine Hirtentreue! Er hatte nichts mit Politik zu tun: doch seine erhabene Persönlichkeit war eine zu mächtige Stütze der polnischen Kirche in schwerster Verfolgungszeit.“9 Das beschreibt die Situation ganz gut. Die Verachtung des deutschen Nationalsozialismus für das polnische Volk und der Hass auf die katholische Kirche entluden sich über Bischof Kozal, wie auch über tausenden anderen polnischen Geistlichen.

Am trostlosen Hl. Abend des Weihnachtsfestes 1939 durfte Bischof Kozal am Nachmittag mit seinen Priestern zusammentreffen und eine kurze Ansprache des Trosts und der Ermutigung halten.

Im Januar, am 16.01.1940 wurde die Priestergruppe zusammen mit ihrem Bischof verlegt. In Lad, an der Warthe, standen sie unter Hausarrest in einem Kloster der Salesianer.10 Dort war die Situation leichter, die SS nicht direkt anwesend, so dass ein gewisses Gemeinschaftsleben möglich war. Die Leitung des Hauses lag in der Hand eines Salesianerpaters. Dieser bürgte mit seiner persönlichen Sicherheit für die Gefangenen. Bischof Kozal beteiligte sich hier am Leben der anderen. Es war ihm möglich, eine gute Atmosphäre unter den Internierten zu schaffen. „Er greift nicht ein, ist jedoch auf diskrete weise an unserem Leben interessiert.“11 Geistliches Leben, Gebetszeiten und heilige Messe waren möglich. Er selbst nützte die Zeit und lernte Italienisch. Wichtig war ihm das Zelebrieren der täglichen Heilige Messe, lange betete er in Stille und unbeweglich vor dem Tabernakel. Für 8 Monate blieb die Gruppe in Lad.

Heimlich gelang es Bischof Kozal, Kontakt zur Diözese, der seine Sorge weiterhin galt, aufzubauen. Er versuchte, aus der Ferne heimlich dort das Priesterseminar zu reorganisieren. Die Seminaristen unter den Mithäftlingen in Lad studierten weiter und legten sogar ihre Prüfungen ab, Bischof Kozal führte dabei den Vorsitz.

Im Auftrag der Ordensleitung wurde ein deutscher Steylerpater, Eberhard Wigge SVD, nach Polen geschickt um nach den enteigneten Liegenschaften des Ordens zu sehen. Ein zusätzlicher, geheimer Auftrag des Heiligen Stuhls in Rom war, den internierten Bischof Kozal zu besuchen und ihm zu Freilassung zu verhelfen. Der Plan war, ihm den Bischofsstuhl in Lublin anzubieten um ihn so aus dem Gebiet des Warthegau herauszubringen und damit aus der direkten Gefahr. Der damalige Bischof von Lublin, Marian Fulman, war selber in Haft. Bischof Kozal misstraute dem Gesandten, der sich auf Grund der Geheimhaltung auch nicht als Gesandter des Vatikans offenbaren durfte. Bischof Kozal meinte einen Gestapospitzel vor sich zu haben. Deshalb lehnte er das Angebot mit Worten ab: „Da ich ein katholischer Bischof bin, kann ich einen Bischofsstuhl nur aus der Hand des Heiligen Vaters einnehmen.“ ab. Er wollte bei seinen Priestern bleiben. So wählte er unwissentlich das Martyrium.

Bischof Kozal war Realist. Von seinem Fenster aus hatte er wiederholt Deportationen beobachtet. Ihm war klar, diese Männer wurden weggebracht um zu leiden und zu sterben. In dieser Situation, traf er eine wichtige Entscheidung. In langen Stunden des Gebets vor dem Tabernakel bot er Gott sein Leben an. Er opferte es Gott auf für die Befreiung der Kirche und seines geliebten Heimatlandes Polens. Diese Entscheidung teilte er sogar dem Rektor des Seminars mit. Einem Seminaristen, dem späteren Bischof Majdanski, vertraue er sich an. Dieser übermittelt uns: „Er erhielt von Gott die Versicherung, dass dieses Opfer angenommen werde. Dessen war er sicher. Zu gegebener Zeit, als sich das Opfer erfüllen sollte, hat er das auf diskrete Weise offenbart.“12

Mir kam der Gedanke: hat dieses Opfer des Seligen Bischof Kozal der Kirche den Großen Papst Johannes Paul II aus Polen geschenkt? Wir werden es nie erfahren. Was wir wissen: Die inhaftierten polnischen Priester in Gefängnissen und KZ´s haben Karol Wojtyla auf dem Weg zum Priestertum geführt. Das erwähnte er am Tag der Seligsprechung von Pater Ruppert Mayer SJ in München. Könnten doch diese heiligen Priester auch uns helfen auf unserem Weg!

Körperlich litt Bischof Kozal bereits in Lad an den Folgen der harten Haft und der Mißhandlungen: Rheuma meldet sich, so dass ihm das Kniebeugen bei der Messe sichtlich schwer fällt. Dies erscheint eine Folge des Aufenthalts in der kalten und feuchten Kellerzelle in Wloclawek.

Am 26.08.1940 wurde die Mehrzahl der Priestergemeinschaft in Lad ins Konzentrationslager abtransportiert. Bischof Kozal blieb zunächst mit einer kleinen Gruppe von 7 Priestern und einem Diakon zurück. Erst am 03.04.1941 wurde die letzte Gruppe von Lad nach Inowroclaw (Hohensalza), gebracht. Danach begann eine Odysee durch verschiedene Gefängnisse und Lager. Von Poznan, nach Berlin, von dort nach Halle. Es folgte Weimar und Nürnberg und von dort kam Bischof Kozal ins KZ Dachau.13

Im KZ Dachau

Der Leidensweg ging weiter. Am 25.04.1941 wurde Bischof Kozal ins KZ Dachau gebracht, 1 Jahr und 10 Monate sollte er im KZ Dachau leiden und dort auch sein Lebensopfer darbringen. Dort waren seit Ende 1940 alle internierten Geistlichen aus dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches, auch aller eroberten Länder, zusammengefasst. Sie lebten isoliert von den übrigen Mithäftlingen in eigenen Priesterblocks, auch Pfarrerblocks genannt. Besonders die polnischen Priester waren besonderem Hass, Folter, Leid und Hunger ausgesetzt. In der Lagerhierarchie standen sie noch tiefer als die Juden. Im Jahr 1942 war die Not der gefangenen Priester am größten. Nahrung wurde ihnen absichtlich vorenthalten. Trotzdem zwang man sie zu harter Arbeit. So starben ab Sommer 1942 hunderte von ihnen. Die meisten der seliggesprochenen Priester starben in diesen Monaten.

Gleich am ersten Tag musste der Bischof lange in der Kälte Strafe stehen, ohne ausreichende Kleidung und fast barfuß, sogar ohne die sonst übliche Kappe, sie waren ausgegangen. Mit allen anderen Häftlingen teilt er das grausame Schicksal. Als Bischof wurde er immer wieder beschimpft und zusätzlich grausam behandelt, wiederholt schwer misshandelt und gefoltert. Er erlitt ernste Verletzungen am Bein und zog danach einen Fuß nach. Auch sein linkes Ohr wurde durch Schläge schmerzhaft verletzt, mit langfristigen Folgen. Er wurde vor dem Jourhaus (Eingangsgebäude des KZ) dem allgemeinen Gespött ausgesetzt, weil er ein Bischof war.

Zwei-mal musste er die grausamen 25 Doppelschläge über sich ergehen lassen. Eigentlich handelte es sich dabei um eine Lagerstrafe, die schon bei kleinsten Vergehen erteilt wurde. Doch Bischof Kozals Vergehen war: „nur weil er Bischof war“.14

Er wurde anderen zum Spott preisgegeben: Mitgefangenen, SS-Männern und sogar politischen Hoheitsträgern des Nationalsozialismus, die das KZ Dachau besuchten. Von Ihnen wurde Bischof Kozal als prominenter Gefangener vorgeführt, verlacht, verspottet und dabei misshandelt.15 Das berichtete uns ein mitgefangener Priester aus Österreich. Ein anderer berichtete von einer der regelmäßigen Kontrollen der Spinde, ein kleiner Holzschrank mit persönlichen Gegenständen im Wohnraum des Blockes. Meist war da nicht viel drin, aber extrem sauber musste er sein, sonst gab es Ärger. Bei Bischof Kozal fand einmal ein SS-Blockführer bei der Kontrolle einen Teller mit roten Rüben. Dieser Besitz war erlaubt und in der Lagerkantine legal erworben worden. „Dennoch fasste der Priesterhasser den Teller und schleuderte ihn mit voller Wucht auf den Kopf des Bischofs. Ein anderes mal im Juni 1941 brüllte er den Bischof an:„Was, du bist ein Bischof? So schaut ein Bischof aus? Sauhund, dreckiger, ich knall ´dich nieder! Und schon griff er nach seinem Revolver.“16 Er vollendete die Androhung jedoch nicht. Ein weiteres Zeugnis eines überlebenden mitgefangenen Priesters schilderte das Erlebte und die Persönlichkeit Bischof Kozals folgendermaßen:

Einst wurde er vom Blockältesten B. blutig geschlagen. Auch der Lagerälteste (ebenso ein Mitgefangener, allerdings der Ranghöchste) schlug ihn und zwang ihn rücksichtslos zum Kübeltragen. Bischof Kozal war von hoher Gestalt, aber körperlich schwach. Sehr arbeitswillig, jedoch infolge Hunger und Misshandlungen am Ende seiner Kraft. Das furchtbare Kosttragen vermochte er nur mit dem Aufgebot aller seiner Kräfte irgendwie zu leisten. – Er musste jede Arbeit verrichten – genau wie jeder andere Kamerad. Die SS hatte es verlangt und sah eifrig nach. Wehe, wenn sie jemanden traf, der dem Bischof geholfen und ihn bedient hätte!…“17

Dieses Kosttragen, auch Kesseltragen genannt, war eine Aufgabe für die Priester in der Zeit als sie offiziell von Arbeit freigestellt waren. Es galt die sehr schweren (ca. 80 kg) und heißen Metallkessel mit den Mahlzeiten aus der Küche bis zu den einzelnen Blocks der Häftlinge zu tragen. Auch Bischof Kozal wurde zu dieser schweren Arbeit gezwungen. Immer zur Eile angetrieben. Unter Beschimpfungen und Schlägen stolperte und stürzte er. Ein Blockältester schlug ihn daraufhin.

Ein Mitgefangener, der spätere Bischof Madjanski berichtete: „…So stürzt eines Tages auch der Bischof beim Kesseltragen. Die Reaktion kommt sofort: Der Blockälteste schlägt zu. Das Ohr schmerzt. So sehen die Kreuzwegstationen aus. Auf dem Weg nach Dachau wurde er schon furchtbar geschlagen. Und auch jetzt schlagen sie ihn wieder. Infolge der früheren Schläge lahmt er. Dann bekam er eine Mittelohrentzündung. Daran geht er zugrunde. So vollzieht er das Opfer..“18

Als auch die Priester zu Arbeitseinsätzen eingeteilt wurden, gelang es Bischof Kozal an einem leichteren Arbeitsplatz unterzubringen. Auf der Plantage wurden die getrockneten Kräuter und Gewürze zum Verkauf in Papiertüten gefüllt. Diese Tüten zu Falten und zu Kleben war die Aufgabe des „Tütenklebekommandos“. Dort konnte Bischof Kozal im Sitzen und unter einem Dach über dem Kopf arbeiten. Im Trockenspeicher auf der Plantage und war er nicht jedem Wetter ausgeliefert.

Ab August 1942 arbeitete Bischof Kozal dort, zusammen mit einigen anderen meist älteren Priestern. Das „Tütenklebekommando“ wurde scherzhaft von ihnen auch „Domkapitel“ genannt. Die Priester beteten bei der Arbeit Rosenkranz, mit großer Vorsicht. Aber auch Diskussionen muss es dort gegeben haben, P. Lenz berichtet vom „Domkapitel“ auch als einer „streitenden Kirche“.

Ein Heiliger

Unter diesen Bedingungen, unter Entbehrungen, Hunger und Gefahr, blieb der Bischof immer ruhig und voller Gottvertrauen. Staunend lesen wir die Berichte der überlebenden Mitgefangenen, die auch hier einen demütigen und gütigen Mann zeigen.

Bischof Kozal ist ein Heiliger!“19 sagten die anderen Priester über ihn und erzählen uns Beeindruckendes:

Seine Demut und Solidarität mit den anderen Gefangenen ließ ihn angebotene Privilegien ablehnen „Freundlich dankend lehnte er ab: „Ich will keine Sonderstellung! Ich bin hier eine Nummer wie jeder andere, und ich will mein Kreuz ehrlich mit den anderen tragen!““20

Er wurde von uns allen hochgeschätzt und geachtet wegen seiner hohen Intelligenz und Bildung, seines unerschütterlichen Idealismus, seines bescheidenen Wesens und seiner tiefen Frömmigkeit.“ Soweit das Urteil eines Priesterkameraden aus Dachau.21

Der spätere Bischof Jeż erinnert sich: „Er machte auf mich einen großen Eindruck wegen seines Ernstes und der Majestät, die seine Gestalt ausstrahlte… Er zeichnete sich aus durch sein ruhiges Wesen, seine Ausgeglichenheit und durch sein heiteres Gemüt, das sich trotz der unwürdigen Umstände, in denen er leben musste, erhielt. “22 .

Seine Charakter, seine priesterliche Haltung gaben den anderen durch ihr Vorbild Beispiel und Kraft. Bischof Majdanski sprach über ihn als jemandem, : „… der unser Leid durch seine beispielhafte priesterliche Haltung erträglicher machte.“23

Andere Mitgefangene berichteten über ihn: „Bischof Kozal wurde wegen seiner ruhigen Würde, seiner Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft von allen Häftlingen geachtet.“24 „Von seiner sehr großen Menschlichkeit wird berichtet, er versuchte Mithäftlinge zu trösten, für sie da zu sein. Er verschenkte sogar von seiner wenigen Nahrung an andere. Das führte zu weiterer Entkräftung vor Hunger.25

Soweit möglich bemühte er sich um tätige Nächstenliebe bis zur Selbstaufgabe. Aber auch Seelsorger der Mitgefangenen suchte er zu sein, soweit es in dieser Zeit möglich war. Besonders der Segen war ihm geblieben und ihn spendete er oft:

Es war der hochwürdigste Weihbischof Kozal, der durch seinen feinen Charakter uns allen ein leuchtendes Vorbild war. Jeden Abend beim Zählappell segnete er alle: uns, seine Mithäftlinge, wie auch die Feinde.“26 Das berichtet uns Caritasdirektor Carls aus Wuppertal.

Jeden Morgen feierte Bischof Kozal die heilige Messe in der Kapelle des Priesterblocks mit, wie die anderen Priestern. Selber zelebrieren durfte er nicht. Nur einem Priester, dem polnischen Pfarrer Pawel Prabucki, war das zu dieser Zeit von der Lagerleitung gestattet. Diese Messe bedeutete den gefangenen Priestern sehr viel. Sie schöpften bei Gott Kraft für den schweren Tag, der immer auch das Lebensopfer bringen konnte. Am Ende der Messe segnete der Bischof die Priester einzeln. P. Lenz erinnert sich: „Am 26. April 1941 morgens nach der heiligen Messe sah ich ihn zum ersten mal. Das Weinen stand mir nahe vor Ergriffenheit. Im Häftlingskleid, mit kahlgeschorenem Kopf, uns allen gleich, so stand er vorne am Sakristeitisch und teilte einzeln den bischöflichen Segen aus. –Es drängten sich die Priester zu ihm. Auch ich kam, die bischöfliche Hand des Märtyrers zu küssen, den bischöflichen Segen zu erbitten.- Ein denkwürdiges Erlebnis und so unvergesslich, als wäre es erst gestern geschehen.“27

Andere erinnern sich an den Abendsegen: Vor dem Einschlafen, abends im Schlafsaal, segnet Bischof Kozal nochmal jeden Abend alle Priester mit seinem bischöflichen Segen.

Ein besonderer Tag war für Bischof Kozal der zweiten Jahrestag seiner Bischofsweihe am 13.08.1941. Dieses Fest feierte er im KZ Dachau zusammen mit den anderen Priestern, in Armut. An diesem Tag bekam er eine besondere Erlaubnis selber die heilige Messe zu zelebrieren, seine einzige Messe im KZ Dachau. Die Mitbrüder bastelten für dieses Fest sogar eine Monstranz.

Sein Sterben

Körperlich nahmen die Kräfte während des Aufenthalts im KZ Dachau stetig ab. Hunger und die Folgen der Gewalt hatten ihre Wirkung getan. Aber innerlich war er gereift bis zur Heiligkeit. „Die Gestapo hatte ihr Ziel voll erreicht, aber auch Gott, der Herr.“28 resümiert P. Lenz.

Bischof Kozal vertraute dem Mitgefangenen an: „Ich habe das bestimmte Empfinden, dass ich nicht lebendig aus Dachau herauskomme. Es ist mir, als ob Gott, der Herr, das Opfer meines Lebens verlange für die Kirche in Polen“29 Wir erinnern uns: in Lad hatte Bischof Kozal Gott sein Leben angeboten. Diese Haltung gab ihm innere Freiheit, Gnade und einen großen Frieden, sodass er die Monate der Gefangenschaft im KZ durchleben konnte. Er sah sein Ende kommen. Als die Nachricht der Niederlage der deutschen Truppen in Stalingrad bei den Häftlingen angekommen war, sagte er zu polnischen Priestern: „Bald bricht die Freiheit an und ihr werdet mich nicht mehr brauchen.“

Ab Dezember 1942 brach unter den Gefangenen der KZ Dachau eine Bauchtyphus Epidemie aus. Bischof Kozal wurde am 25.01.1943 mit hohem Fieber, zusammen mit seinem Cousin P. Czeslaw Kozal, ins Kranken-Revier gebracht. Verdacht auf Typhus. Er war allerdings nicht an Typhus erkrankt, sondern an einer schmerzhaften Mittelohrentzündung, wie sich herausstellte. Am nächsten Tag bemerkte ein Arzt den Bischof unter den neuen Patienten. Daraufhin gab ihm Kapo des Reviers, der Chef der zur Pflege abgestellter Mitgefangenen, eine tödliche Giftspritze. Nach einigen Minuten war Bischof Kozal daran gestorben. Sein Cousin Czeslaw Kozal lag im Bett über dem Bischof. Er konnte später bezeugen, was er gesehen und gehört hatte: Der Pfleger gab Bischof Kozal eine Giftspritze mit den Worten: „In Ewigkeit!“ Eine andere Quelle überliefert einen hämischen Satz der Ärzte: „Jetzt wird ihm der Weg in die Ewigkeit gleich leichter fallen.“30

So starb Bischof Michael Kozal am 26.01.1943 im Konzentrationslager Dachau. Am 30.01.1943 wurde sein Leichnam im dortigen Krematorium verbrannt. Die Asche wurde in einen der angrenzenden Flüsse gestreut, um jede Verehrung eines Märtyrergrabes von vornherein unmöglich zu machen.

Vereint war er in diesem Schicksal des Martyriums mit den 220 anderen Priester aus seiner Diözese Wloclawek, die ebenfalls im KZ Dachau starben.

Seligsprechung

Schon im April 1946 wurde für Bischof Kozal das Seligsprechungsverfahren eröffnet.

Er wurde am 14.06.1987 in Warschau von Papst Johannes Paul II feierlich seliggesprochen.

Monika Neudert

Bitten wir ihn um seine Fürsprache: Seliger Bischof Michael Kozal, bitte für uns!

 

Links:

 

 

 

1 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band2/kozal.html

2 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band2/kozal.html

3 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band2/kozal.html

4 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band2/kozal.html

5 Zeugnis eines Museumswärters, MAJDANSKI, Kazi­mierz, Ihr wer­det meine Zeu­gen sein…, 1995 Mit­tel­bi­ber­ach, Maria aktu­ell, S. 71

6 Resch

7 Majdanaski, S. 39

8 LENZ, Johan­nes M, Chris­tus in Dachau, 10. Auf­lage Wien 1960, S. 106

9 Lenz, S. 237

10 Majdanski , S. 47

11 Madjdanski, S. 47

12 Majdanski, S. 48

13 F. Korszinski

14 JUST, Jus­tus, Aus der Reihe gedrängt, Das Schick­sal der KZ-Priester, Books on Demand, 2005, S. 206

15 ZEIGER, Franz, Die mit Trä­nen säen…, Johann Stein­bock – Pries­ter in Dachau, Edi­tion Kirchen-Zeit-Geschichte, Linz 2004, S. 43

16 Lenz

17 Lenz, S. 238

18Majdanski, S. 80

19 Lenz, S. 106

20 Lenz, S. 238

21 Lenz, S. 237

22 JEZ´, Ignacy, Licht und Dun­kel, prei­set den Herrn!, Als pol­ni­scher Pries­ter im KZ Dachau, Würz­burg 2007, Ech­ter Ver­lag, S. 38

23 Majdanski, S. 18

24 SCHNABEL, Rei­mund, die From­men in der Hölle,  Frank­furt am Main, 1966, Röderberg-Verlag, S. 98

25 GOEKE, Hugo, Ger­hard Hirsch­fel­der, Pries­ter und Mär­ty­rer, 2.Auflage, Müns­ter 2011, Dia­log­ver­lag, S. 160

26 CARLS, Hans, Dachau, Erin­ne­rung eines katho­li­schen Geist­li­chen aus der Zeit sei­ner Gefan­gen­schaft 1941-1945,Dokumente zur Zeit­ge­schichte II, Ver­lag J.P. Bachem Köln, 1946, S. 92

27 LENZ,  Johan­nes M., Chris­tus in Dachau, 10. Auf­lage Wien 1960, S. 237

28 Lenz

29 Lenz S. 239

30 Resch, www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html

 

 

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