Bischof Michal Kozal



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                                            Seli­ger Bischof Michal Kozal

(in deut­schen Tex­ten auch: Michael Kozal)

Gebo­ren am 25.09.1893 in Nowy Fol­wark, Polen

Grund­los ver­haf­tet zusam­men mit dem gan­zen Pries­ter­se­mi­nar sei­ner Diö­zese, Dozen­ten und Stu­den­ten

KZ Dachau ab 25.04.1941

+ 26.01.1943 KZ Dachau

Selig­ge­spro­chen 14.06.1987

          Seli­ger Bischof Kozal bitte für uns!

                      Gedenk­tag in Polen:  14.06, (außer­dem der 26.01., der Ster­be­tag)

Inhalts­über­sicht:

Kurz­bio­gra­fie

Der Selige Wei­bi­schof Michael (pol­nisch Michal) Kozal wurde am 25.09.1893 in Polen gebo­ren. Seine Bischofs­weihe zum Weih­bi­schof von Włocła­wek (Polen) fand am 13. August 1939 statt, kurz vor der Inva­sion der deut­schen Trup­pen in Polen am 01.09.1939. Von der Gestapo wurde er am 7. Novem­ber 1939 ver­haf­tet, zusam­men mit vie­len Pries­tern sei­ner Diö­zese und dem gesam­ten Pries­ter­se­mi­nar mit allen Semi­na­ris­ten und Pro­fes­so­ren. In der Haft­zeit wurde er wie­der­holt schwer geschla­gen. Nach ver­schie­de­nen Sta­tio­nen brachte man ihn am 25.04.1941 ins KZ Dachau. Dort war er als Häft­ling im Pries­ter­block bemüht den mit­ge­fan­ge­nen Pries­tern zu hel­fen, als Seel­sor­ger und sogar durch wei­ter­ge­ben sei­nes eige­nen weni­gen Essens. Er litt sehr unter dem Glau­bens­hass der SS, die ihn fol­terte und schlug und hatte unter den Schi­ka­nen und Schlä­gen eini­ger Mit­häft­linge zu lei­den. Trotz­dem blieb er stets bewun­derns­wert ruhig und seg­nete die Mit­ge­fan­ge­nen und sogar seine Feinde und betete für sie. Schon zu Beginn sei­ner Haft hatte er Gott sein Leben ange­bo­ten für die Kir­che und die Befrei­ung sei­nes Hei­mat­lan­des Polen. Dies voll­en­dete er im Mar­ty­rium. Am 26. Januar 1943 wurde er am Ende sei­ner Kräfte auf dem Kran­ken­re­vier ein­ge­lie­fert. Er war an einer Mit­tel­ohr­ent­zün­dung erkrankt. Dort wurde Bischof Kozal mit einer Gift­spritze getö­tet, als bekannt gewor­den war, dass er ein katho­li­scher Bischof war.

Im Selig­spre­chungs­pro­zeß bezeugte der Mör­der, dass er das gütige Gesicht des Bischofs, der mit sei­nem Mör­der Mit­leid hatte, nicht ver­ges­sen konnte.Bischof Michael Kozal wurde am 14.06.1987 von Papst Johan­nes Paul II selig­ge­spro­chen.

Seli­ger Bischof Kozal bitte für uns!

 

Aus­führ­li­che Bio­gra­fie
von Monika Neu­dert

Der selige Michael Kozal war der erste, der pol­ni­schen Pries­ter­mär­ty­rer aus dem KZ Dachau, der selig gespro­chen wurde. Der gütige Weih­bi­schof aus Polen ver­dient es in Deutsch­land bekannt zu wer­den.

Kind­heit und Jugend:

Er wurde am 25.09.1893 in Nowy Fol­wark gebo­ren, einem klei­nen Ort in der Erz­diö­zese Poznan. Seine Eltern waren Bau­ern, arm aber sehr fromm. Das prägte auch seine Kind­heit in einer gro­ßen Fami­lie. Schon als Kind zeigte er eine beson­dere Liebe für alles Reli­giöse, er fiel aber auch durch sehr gute Noten in der Grund­schule auf. Ab 1905 besuchte er für 9 Jahre das Gym­na­sium in Kro­tos­zyn, wo er wie­der Klas­sen­bes­ter war. Er konnte auch die Sym­pa­thie von Mit­schü­lern und Leh­rern gewin­nen. In sei­nem Abitur­zeug­nis von 1914 wird er als „in jedem Punkt mus­ter­gül­tig“,1 beschrie­ben.

In sei­ner Gym­na­si­al­zeit enga­gierte er sich in der katho­li­schen Orga­ni­sa­tion Thomasz-Zan-Gesellschaft, schließ­lich sogar als deren Prä­si­dent. Diese setzte sich gegen eine über­starke Ger­ma­ni­sie­rung der Schule ein. Dort mit­zu­wir­ken war, nach sei­ner Mei­nung, die Pflicht eines jeden Katho­li­ken2. Schon früh reifte in ihm der Mut, sich gegen beste­hende poli­ti­sche Ver­hält­nisse zu behaup­ten und dadurch für Glau­ben und Vater­land zu kämp­fen. Um das zu ver­ste­hen, müs­sen wir die sehr lange Zeit der Fremd­herr­schaft in Polen beden­ken, und das Rin­gen um die natio­nale Iden­ti­tät, ver­bun­den mit dem katho­li­schen Glau­ben.

Der Pries­ter

Nach dem Abitur 1914 ent­schied Michal Kozal sich für den Ein­tritt ins Pries­ter­se­mi­nar Leo­nium in Poznan. Durch den Aus­bruch des ers­ten Welt­krie­ges kam es dort aller­dings zu Schwie­rig­kei­ten, so dass das Stu­dium in Gne­sen been­det wer­den musste. Wie­der erah­nen wir nur die Pro­bleme, die hin­ter so einer Infor­ma­tion ste­hen.

Am 23.02.1918 emp­fing Michael Kozal die Pries­ter­weihe. Gerne hätte er wei­ter stu­diert, aber sein Vater ver­starb uner­war­tet und er war so gezwun­gen in der Seel­sorge zu arbei­ten um sei­nen Lebens­un­ter­halt zu sichern. Neben­be­ruf­lich stu­dierte er trotz­dem wei­ter, konnte aber den Dok­tor­ti­tel nie errei­chen.

Als Kaplan wurde er an ver­schie­de­nen Stel­len in raschem Wech­sel ein­ge­setzt. Zu Beginn gleich in der Pfar­rei Koscielec, ab 01.10.1918 in Pobied­ziska. Dort blieb er für 1,5 Jahre. Sein Pfar­rer berich­tete lobend von einer har­mo­ni­schen Zusam­men­ar­beit. Begeis­tert äußerte er sich über den Kaplan Kozal: „Das ist mein ers­ter Vikar, der nicht sich selbst sucht, son­dern die Ret­tung der See­len.“3 Was für ein Seel­sor­ge­rei­fer und wel­che Selbst­lo­sig­keit hat wohl zu sol­chem Lob geführt! Bedenkt man, dass der Kaplan neben­bei auch noch stu­dierte und das mit sehr guten Ergeb­nis­sen, wächst unser Stau­nen wei­ter. Ab 06.06.1920 war Kaplan Kozal in Kost­kowo ein­ge­setzt bis 1922.

Am 29.09.1922 wurde er zum Prä­fekt des katho­li­schen huma­nis­ti­schen Mäd­chen­gym­na­si­ums Bromberg/Bydgoszcz ernannt. Er hatte nicht nur Lei­tungs­funk­tio­nen inne. Er unter­rich­tete auch sel­ber als Reli­gi­ons­leh­rer.

Doch 1927 berief ihn der Bischof als Spi­ri­tual an das Pries­ter­se­mi­nar Gne­sen. Enga­giert und mit Herz arbei­tete er dort. Es wird berich­tet: „Die Semi­na­ris­ten ließ er damals wis­sen: „Ich stehe Ihnen Tag und Nacht zur Ver­fü­gung. Sie kön­nen jeder­zeit zu mir kom­men.““4 Er war sehr erfolg­reich in Lei­tung und spi­ri­tu­el­ler Füh­rung. Obwohl er als Ein­zi­ger dort kei­nen aka­de­mi­schen Grad hatte, wurde er 25.09.1929 zum Regens des Semi­nars in Gne­sen ernannt wurde. Sein per­sön­li­ches Bei­spiel hatte gro­ßen Ein­fluss auf Semi­na­ris­ten.

Er war ein güti­ger Seel­sor­ger, aber auch ein an Kunst inter­es­sier­ter Mann der Kir­che. Ein Muse­ums­wäch­ter erin­nerte sich: „Er war ein Mensch von ange­bo­re­ner Schlicht­heit und tie­fer Geis­tes­kul­tur. Er liebte alles Schöne,…Es gab keine Aus­stel­lung, die Bischof Kozal nicht besucht hätte. Er inter­es­sierte sich sehr für neue kul­tu­relle Strö­mun­gen, beson­ders inter­es­sierte ihn aber die alte Male­rei“5

Die weni­gen Quel­len und Zitate zei­gen uns einen begab­ten und tiefre­li­giö­sen Geist­li­chen, der erfolg­reich Kar­riere in der Kir­che gemacht hatte.

Am 12.06.1939 wurde Regens Kozal uner­war­tet zum Weih­bi­schof von Wlo­cla­wek, (auf deutsch: Les­lau) an der Weich­sel und zum Tituar­bi­schof von Lappa ernannt. Nach eini­gen Tagen des Rück­zugs zur spi­ri­tu­el­len Vor­be­rei­tung wurde die Bischofs­weihe am 13.08.1939 voll­zo­gen. In was für gefahr­vol­len Tagen war die­ser Mann Bischof gewor­den. Nur ein ers­tes und ein­zi­ges Mal konnte er ein Pon­ti­fi­kal­amt zele­brie­ren.

Natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Erobe­rer in Polen

Die­ses Jahr 1939 brachte Polen im Sep­tem­ber den Ein­marsch der deut­schen Trup­pen. Der Zweite Welt­krieg brach aus. Wel­ches viel­fa­che Leid das pol­ni­sche Volk dadurch erlei­den musste, ist vie­len Deut­schen nicht bekannt.

Am Mor­gen des 01.09.39 über­fiel die Deut­sche Wehr­macht Polen. Weih­bi­schof Kozal stand den Gläu­bi­gen in die­ser Situa­tion bei, wo er nur konnte. Er besuchte Ver­wun­dete, trös­tete Men­schen und half kon­kret, vor allem auch durch seine väter­li­che Aus­strah­lung. Erstaun­li­cher­weise ver­brachte er in die­sen Tagen viel Zeit im Beicht­stuhl und beim Gebet. Das war seine Prio­ri­tät. „Seine Güte, Ruhe und Selbst­be­herr­schung sowie sein geist­li­ches Wort ent­fach­ten bei den Men­schen die­ser Zeit der Angst und Aus­weg­lo­sig­keit einen Hoff­nungs­strahl“6

Die staat­li­chen Behör­den und das pol­ni­schen Mili­tärs bedrän­gen ihn, die Stadt zu ver­las­sen und sich in Sicher­heit zu brin­gen. Doch Weih­bi­schof Kozal lehnte klar ab. Er wollte als Hirte bei sei­nen Pries­tern und sei­nen Gläu­bi­gen blei­ben. Sein Bischof reiste am 06.09.1939 ab. Dadurch lag die Ver­ant­wor­tung für die Füh­rung der Diö­zese allein auf den Schul­tern des jun­gen Weih­bi­schofs. Die Men­schen ver­trau­ten ihm.

Der Vor­marsch der Deut­sche Sol­da­ten führte zu Beset­zung von Wlo­cla­wek (Les­lau) am 14.09.39. Sofort began­nen sys­te­ma­ti­sche Maß­nah­men gegen die Kir­che: die katho­li­sche Presse wurde unter­drückt, Ein­rich­tun­gen der Kir­che und der Orden ent­eig­net, Klös­ter geräumt, Geist­li­che und reli­giöse Laien ver­haf­tet. Die Diö­zese Wlo­cla­wek war Teil des von den Deut­schen „Wart­he­gau“ genann­ten Gebie­tes, gewor­den. Hier sollte ein Mus­ter­be­zirk des deut­schen Rei­ches ent­ste­hen mit pol­ni­schen Arbeits­skla­ven und ohne andere stö­rende Reli­gio­nen wie dem Chris­ten­tum. Hier war flä­chen­de­ckend die Ein­füh­rung der neuen „Hit­ler­re­li­gion“ geplant. Des­halb wurde die Katho­li­sche Kir­che hier auch beson­ders hart ver­folgt. Sie sollte aus­ge­rot­tet wer­den.

Bischof Kozal kämpfte dage­gen an. Er pro­tes­tierte und inter­ve­nierte mutig. Doch sein Ein­satz hatte kei­nen Erfolg, viel­mehr führte er zu einer Vor­la­dung bei der Gestapo der Besat­zungs­macht. Diese ver­suchte es zuerst mit Ein­schüch­te­rung. Er dürfe nur noch auf Deutsch Pre­di­gen, so erfuhr er. Bischof Kozal lehnte ab. Rea­lis­tisch wie er war, rech­nete ab die­sem Zeit­punkt mit sei­ner bal­di­ger Ver­haf­tung. Ein klei­ner Kof­fer war schon bereit­ge­stellt.

Sein Enga­ge­ment galt auch jetzt beson­ders dem Pries­ter­se­mi­nar. Er ver­suchte es wie­der zu eröff­nen, bemühte sich die dafür nötige Geneh­mi­gun­gen zu bekom­men. Die deut­schen Behör­den erteil­ten diese über­ra­schen­der­weise. Ab dem 08.11.1939 sollte das Semi­nar wie­der eröff­net wer­den. Aber das war eine Lüge. Andere Pläne waren schon beschlos­sen wor­den: Am 07.11.39, dem vor der geplan­ten Wie­der­er­öff­nung, wur­den alle Pro­fes­so­ren und Semi­na­ris­ten, ins­ge­samt 44 Per­so­nen, ver­haf­tet. Mit ihnen auch ihr Bischof, Weih­bi­schof Michael Kozal. Er sagte: „Ich erkenne die Deut­schen über­haupt nicht wie­der, sie sind ganz anders als jene, die ich gekannt habe.“7

Kreuz­weg, Leid und Gefan­gen­schaft

Der Kreuz­weg von Bischof Michael Kozal begann im Gefäng­nis der Stadt, in Iso­lie­rungs­haft in einer kal­ten und feuch­ten Kell­er­zelle. Er musste auf dem blo­ßen Zement­bo­den schla­fen. Sonn­tags durfte er kurz zu den ande­ren Pries­tern, den Pro­fes­so­ren und Semi­na­ris­ten, um mit ihnen die hei­lige Messe zu fei­ern. Für nur eine halbe Stunde wurde er in die Kapelle gebracht. Was tat er zuerst? Er beich­tete. Nach 30 Minu­ten, mit­ten wäh­rend Messe, kam ein SS-Mann und brüllte: „Bischof raus!“. Der Bischof kom­mu­ni­zierte sofort und wurde abge­führt. In die­sem Gefäng­nis in Wlo­cla­wek wurde er zum ers­ten Mal miss­han­delt. Von SS-Männern wurde er zwei­mal grau­sam aus­ge­peitscht.8 Das berich­tete ein spä­te­rer Mit­häft­ling aus Dachau, P. Lenz. Er ver­mu­tete auch den Grund von Bischof Kozals Ver­haf­tung: „Sein Pries­ter­tum, seine Bischofs­würde! – Sein Mut, der ihn fest­hielt am Ort sei­ner Pflicht – seine Hir­ten­treue! Er hatte nichts mit Poli­tik zu tun: doch seine erha­bene Per­sön­lich­keit war eine zu mäch­tige Stütze der pol­ni­schen Kir­che in schwers­ter Ver­fol­gungs­zeit.“9 Das beschreibt die Situa­tion ganz gut. Die Ver­ach­tung des deut­schen Natio­nal­so­zia­lis­mus für das pol­ni­sche Volk und der Hass auf die katho­li­sche Kir­che ent­lu­den sich über Bischof Kozal, wie auch über tau­sen­den ande­ren pol­ni­schen Geist­li­chen.

Am trost­lo­sen Hl. Abend des Weih­nachts­fes­tes 1939 durfte Bischof Kozal am Nach­mit­tag mit sei­nen Pries­tern zusam­men­tref­fen und eine kurze Anspra­che des Trosts und der Ermu­ti­gung hal­ten.

Im Januar, am 16.01.1940 wurde die Pries­ter­gruppe zusam­men mit ihrem Bischof ver­legt. In Lad, an der Warthe, stan­den sie unter Haus­ar­rest in einem Klos­ter der Sale­sia­ner.10 Dort war die Situa­tion leich­ter, die SS nicht direkt anwe­send, so dass ein gewis­ses Gemein­schafts­le­ben mög­lich war. Die Lei­tung des Hau­ses lag in der Hand eines Sale­sia­ner­pa­ters. Die­ser bürgte mit sei­ner per­sön­li­chen Sicher­heit für die Gefan­ge­nen. Bischof Kozal betei­ligte sich hier am Leben der ande­ren. Es war ihm mög­lich, eine gute Atmo­sphäre unter den Inter­nier­ten zu schaf­fen. „Er greift nicht ein, ist jedoch auf dis­krete weise an unse­rem Leben inter­es­siert.“11 Geist­li­ches Leben, Gebets­zei­ten und hei­lige Messe waren mög­lich. Er selbst nützte die Zeit und lernte Ita­lie­nisch. Wich­tig war ihm das Zele­brie­ren der täg­li­chen Hei­lige Messe, lange betete er in Stille und unbe­weg­lich vor dem Taber­na­kel. Für 8 Monate blieb die Gruppe in Lad.

Heim­lich gelang es Bischof Kozal, Kon­takt zur Diö­zese, der seine Sorge wei­ter­hin galt, auf­zu­bauen. Er ver­suchte, aus der Ferne heim­lich dort das Pries­ter­se­mi­nar zu reor­ga­ni­sie­ren. Die Semi­na­ris­ten unter den Mit­häft­lin­gen in Lad stu­dier­ten wei­ter und leg­ten sogar ihre Prü­fun­gen ab, Bischof Kozal führte dabei den Vor­sitz.

Im Auf­trag der Ordens­lei­tung wurde ein deut­scher Stey­ler­pa­ter, Eber­hard Wigge SVD, nach Polen geschickt um nach den ent­eig­ne­ten Lie­gen­schaf­ten des Ordens zu sehen. Ein zusätz­li­cher, gehei­mer Auf­trag des Hei­li­gen Stuhls in Rom war, den inter­nier­ten Bischof Kozal zu besu­chen und ihm zu Frei­las­sung zu ver­hel­fen. Der Plan war, ihm den Bischofs­stuhl in Lub­lin anzu­bie­ten um ihn so aus dem Gebiet des Wart­he­gau her­aus­zu­brin­gen und damit aus der direk­ten Gefahr. Der dama­lige Bischof von Lub­lin, Marian Ful­man, war sel­ber in Haft. Bischof Kozal miss­traute dem Gesand­ten, der sich auf Grund der Geheim­hal­tung auch nicht als Gesand­ter des Vati­kans offen­ba­ren durfte. Bischof Kozal meinte einen Gesta­po­s­pit­zel vor sich zu haben. Des­halb lehnte er das Ange­bot mit Wor­ten ab: „Da ich ein katho­li­scher Bischof bin, kann ich einen Bischofs­stuhl nur aus der Hand des Hei­li­gen Vaters ein­neh­men.“ ab. Er wollte bei sei­nen Pries­tern blei­ben. So wählte er unwis­sent­lich das Mar­ty­rium.

Bischof Kozal war Rea­list. Von sei­nem Fens­ter aus hatte er wie­der­holt Depor­ta­tio­nen beob­ach­tet. Ihm war klar, diese Män­ner wur­den weg­ge­bracht um zu lei­den und zu ster­ben. In die­ser Situa­tion, traf er eine wich­tige Ent­schei­dung. In lan­gen Stun­den des Gebets vor dem Taber­na­kel bot er Gott sein Leben an. Er opferte es Gott auf für die Befrei­ung der Kir­che und sei­nes gelieb­ten Hei­mat­lan­des Polens. Diese Ent­schei­dung teilte er sogar dem Rek­tor des Semi­nars mit. Einem Semi­na­ris­ten, dem spä­te­ren Bischof Majd­an­ski, ver­traue er sich an. Die­ser über­mit­telt uns: „Er erhielt von Gott die Ver­si­che­rung, dass die­ses Opfer ange­nom­men werde. Des­sen war er sicher. Zu gege­be­ner Zeit, als sich das Opfer erfül­len sollte, hat er das auf dis­krete Weise offen­bart.“12

Mir kam der Gedanke: hat die­ses Opfer des Seli­gen Bischof Kozal der Kir­che den Gro­ßen Papst Johan­nes Paul II aus Polen geschenkt? Wir wer­den es nie erfah­ren. Was wir wis­sen: Die inhaf­tier­ten pol­ni­schen Pries­ter in Gefäng­nis­sen und KZ´s haben Karol Wojtyla auf dem Weg zum Pries­ter­tum geführt. Das erwähnte er am Tag der Selig­spre­chung von Pater Rup­pert Mayer SJ in Mün­chen. Könn­ten doch diese hei­li­gen Pries­ter auch uns hel­fen auf unse­rem Weg!

Kör­per­lich litt Bischof Kozal bereits in Lad an den Fol­gen der har­ten Haft und der Miß­hand­lun­gen: Rheuma mel­det sich, so dass ihm das Knie­beu­gen bei der Messe sicht­lich schwer fällt. Dies erscheint eine Folge des Auf­ent­halts in der kal­ten und feuch­ten Kell­er­zelle in Wlo­cla­wek.

Am 26.08.1940 wurde die Mehr­zahl der Pries­ter­ge­mein­schaft in Lad ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger abtrans­por­tiert. Bischof Kozal blieb zunächst mit einer klei­nen Gruppe von 7 Pries­tern und einem Dia­kon zurück. Erst am 03.04.1941 wurde die letzte Gruppe von Lad nach Ino­w­ro­claw (Hohen­salza), gebracht. Danach begann eine Ody­see durch ver­schie­dene Gefäng­nisse und Lager. Von Poznan, nach Ber­lin, von dort nach Halle. Es folgte Wei­mar und Nürn­berg und von dort kam Bischof Kozal ins KZ Dachau.13

Im KZ Dachau

Der Lei­dens­weg ging wei­ter. Am 25.04.1941 wurde Bischof Kozal ins KZ Dachau gebracht, 1 Jahr und 10 Monate sollte er im KZ Dachau lei­den und dort auch sein Lebens­op­fer dar­brin­gen. Dort waren seit Ende 1940 alle inter­nier­ten Geist­li­chen aus dem Gebiet des dama­li­gen Deut­schen Rei­ches, auch aller erober­ten Län­der, zusam­men­ge­fasst. Sie leb­ten iso­liert von den übri­gen Mit­häft­lin­gen in eige­nen Pries­ter­blocks, auch Pfar­r­erblocks genannt. Beson­ders die pol­ni­schen Pries­ter waren beson­de­rem Hass, Fol­ter, Leid und Hun­ger aus­ge­setzt. In der Lager­hier­ar­chie stan­den sie noch tie­fer als die Juden. Im Jahr 1942 war die Not der gefan­ge­nen Pries­ter am größ­ten. Nah­rung wurde ihnen absicht­lich vor­ent­hal­ten. Trotz­dem zwang man sie zu har­ter Arbeit. So star­ben ab Som­mer 1942 hun­derte von ihnen. Die meis­ten der selig­ge­spro­che­nen Pries­ter star­ben in die­sen Mona­ten.

Gleich am ers­ten Tag musste der Bischof lange in der Kälte Strafe ste­hen, ohne aus­rei­chende Klei­dung und fast bar­fuß, sogar ohne die sonst übli­che Kappe, sie waren aus­ge­gan­gen. Mit allen ande­ren Häft­lin­gen teilt er das grau­same Schick­sal. Als Bischof wurde er immer wie­der beschimpft und zusätz­lich grau­sam behan­delt, wie­der­holt schwer miss­han­delt und gefol­tert. Er erlitt ernste Ver­let­zun­gen am Bein und zog danach einen Fuß nach. Auch sein lin­kes Ohr wurde durch Schläge schmerz­haft ver­letzt, mit lang­fris­ti­gen Fol­gen. Er wurde vor dem Jour­haus (Ein­gangs­ge­bäude des KZ) dem all­ge­mei­nen Gespött aus­ge­setzt, weil er ein Bischof war.

Zwei-mal musste er die grau­sa­men 25 Dop­pel­schläge über sich erge­hen las­sen. Eigent­lich han­delte es sich dabei um eine Lager­strafe, die schon bei kleins­ten Ver­ge­hen erteilt wurde. Doch Bischof Kozals Ver­ge­hen war: „nur weil er Bischof war“.14

Er wurde ande­ren zum Spott preis­ge­ge­ben: Mit­ge­fan­ge­nen, SS-Männern und sogar poli­ti­schen Hoheits­trä­gern des Natio­nal­so­zia­lis­mus, die das KZ Dachau besuch­ten. Von Ihnen wurde Bischof Kozal als pro­mi­nen­ter Gefan­ge­ner vor­ge­führt, ver­lacht, ver­spot­tet und dabei miss­han­delt.15 Das berich­tete uns ein mit­ge­fan­ge­ner Pries­ter aus Öster­reich. Ein ande­rer berich­tete von einer der regel­mä­ßi­gen Kon­trol­len der Spinde, ein klei­ner Holz­schrank mit per­sön­li­chen Gegen­stän­den im Wohn­raum des Blo­ckes. Meist war da nicht viel drin, aber extrem sau­ber musste er sein, sonst gab es Ärger. Bei Bischof Kozal fand ein­mal ein SS-Blockführer bei der Kon­trolle einen Tel­ler mit roten Rüben. Die­ser Besitz war erlaubt und in der Lager­kan­tine legal erwor­ben wor­den. „Den­noch fasste der Priest­er­has­ser den Tel­ler und schleu­derte ihn mit vol­ler Wucht auf den Kopf des Bischofs. Ein ande­res mal im Juni 1941 brüllte er den Bischof an:„Was, du bist ein Bischof? So schaut ein Bischof aus? Sau­hund, dre­cki­ger, ich knall ´dich nie­der! Und schon griff er nach sei­nem Revol­ver.“16 Er voll­en­dete die Andro­hung jedoch nicht. Ein wei­te­res Zeug­nis eines über­le­ben­den mit­ge­fan­ge­nen Pries­ters schil­derte das Erlebte und die Per­sön­lich­keit Bischof Kozals fol­gen­der­ma­ßen:

Einst wurde er vom Blo­ck­äl­tes­ten B. blu­tig geschla­gen. Auch der Lage­räl­teste (ebenso ein Mit­ge­fan­ge­ner, aller­dings der Rang­höchste) schlug ihn und zwang ihn rück­sichts­los zum Kübel­tra­gen. Bischof Kozal war von hoher Gestalt, aber kör­per­lich schwach. Sehr arbeits­wil­lig, jedoch infolge Hun­ger und Miss­hand­lun­gen am Ende sei­ner Kraft. Das furcht­bare Kost­tra­gen ver­mochte er nur mit dem Auf­ge­bot aller sei­ner Kräfte irgend­wie zu leis­ten. – Er musste jede Arbeit ver­rich­ten – genau wie jeder andere Kame­rad. Die SS hatte es ver­langt und sah eif­rig nach. Wehe, wenn sie jeman­den traf, der dem Bischof gehol­fen und ihn bedient hätte!…“17

Die­ses Kost­tra­gen, auch Kes­sel­t­ra­gen genannt, war eine Auf­gabe für die Pries­ter in der Zeit als sie offi­zi­ell von Arbeit frei­ge­stellt waren. Es galt die sehr schwe­ren (ca. 80 kg) und hei­ßen Metall­kes­sel mit den Mahl­zei­ten aus der Küche bis zu den ein­zel­nen Blocks der Häft­linge zu tra­gen. Auch Bischof Kozal wurde zu die­ser schwe­ren Arbeit gezwun­gen. Immer zur Eile ange­trie­ben. Unter Beschimp­fun­gen und Schlä­gen stol­perte und stürzte er. Ein Blo­ck­äl­tes­ter schlug ihn dar­auf­hin.

Ein Mit­ge­fan­ge­ner, der spä­tere Bischof Madjan­ski berich­tete: „…So stürzt eines Tages auch der Bischof beim Kes­sel­t­ra­gen. Die Reak­tion kommt sofort: Der Blo­ck­äl­teste schlägt zu. Das Ohr schmerzt. So sehen die Kreuz­weg­sta­tio­nen aus. Auf dem Weg nach Dachau wurde er schon furcht­bar geschla­gen. Und auch jetzt schla­gen sie ihn wie­der. Infolge der frü­he­ren Schläge lahmt er. Dann bekam er eine Mit­tel­ohr­ent­zün­dung. Daran geht er zugrunde. So voll­zieht er das Opfer..“18

Als auch die Pries­ter zu Arbeits­ein­sät­zen ein­ge­teilt wur­den, gelang es Bischof Kozal an einem leich­te­ren Arbeits­platz unter­zu­brin­gen. Auf der Plan­tage wur­den die getrock­ne­ten Kräu­ter und Gewürze zum Ver­kauf in Papier­tü­ten gefüllt. Diese Tüten zu Fal­ten und zu Kle­ben war die Auf­gabe des „Tüten­kle­be­kom­man­dos“. Dort konnte Bischof Kozal im Sit­zen und unter einem Dach über dem Kopf arbei­ten. Im Tro­cken­spei­cher auf der Plan­tage und war er nicht jedem Wet­ter aus­ge­lie­fert.

Ab August 1942 arbei­tete Bischof Kozal dort, zusam­men mit eini­gen ande­ren meist älte­ren Pries­tern. Das „Tüten­kle­be­kom­mando“ wurde scherz­haft von ihnen auch „Dom­ka­pi­tel“ genannt. Die Pries­ter bete­ten bei der Arbeit Rosen­kranz, mit gro­ßer Vor­sicht. Aber auch Dis­kus­sio­nen muss es dort gege­ben haben, P. Lenz berich­tet vom „Dom­ka­pi­tel“ auch als einer „strei­ten­den Kir­che“.

Ein Hei­li­ger

Unter die­sen Bedin­gun­gen, unter Ent­beh­run­gen, Hun­ger und Gefahr, blieb der Bischof immer ruhig und vol­ler Gott­ver­trauen. Stau­nend lesen wir die Berichte der über­le­ben­den Mit­ge­fan­ge­nen, die auch hier einen demü­ti­gen und güti­gen Mann zei­gen.

Bischof Kozal ist ein Hei­li­ger!“19 sag­ten die ande­ren Pries­ter über ihn und erzäh­len uns Beein­dru­cken­des:

Seine Demut und Soli­da­ri­tät mit den ande­ren Gefan­ge­nen ließ ihn ange­bo­tene Pri­vi­le­gien ableh­nen „Freund­lich dan­kend lehnte er ab: „Ich will keine Son­der­stel­lung! Ich bin hier eine Num­mer wie jeder andere, und ich will mein Kreuz ehr­lich mit den ande­ren tra­gen!““20

Er wurde von uns allen hoch­ge­schätzt und geach­tet wegen sei­ner hohen Intel­li­genz und Bil­dung, sei­nes uner­schüt­ter­li­chen Idea­lis­mus, sei­nes beschei­de­nen Wesens und sei­ner tie­fen Fröm­mig­keit.“ Soweit das Urteil eines Pries­ter­ka­me­ra­den aus Dachau.21

Der spä­tere Bischof Jeż erin­nert sich: „Er machte auf mich einen gro­ßen Ein­druck wegen sei­nes Erns­tes und der Majes­tät, die seine Gestalt aus­strahlte… Er zeich­nete sich aus durch sein ruhi­ges Wesen, seine Aus­ge­gli­chen­heit und durch sein hei­te­res Gemüt, das sich trotz der unwür­di­gen Umstände, in denen er leben musste, erhielt. “22 .

Seine Cha­rak­ter, seine pries­ter­li­che Hal­tung gaben den ande­ren durch ihr Vor­bild Bei­spiel und Kraft. Bischof Majd­an­ski sprach über ihn als jeman­dem, : „… der unser Leid durch seine bei­spiel­hafte pries­ter­li­che Hal­tung erträg­li­cher machte.“23

Andere Mit­ge­fan­gene berich­te­ten über ihn: „Bischof Kozal wurde wegen sei­ner ruhi­gen Würde, sei­ner Beschei­den­heit und Hilfs­be­reit­schaft von allen Häft­lin­gen geach­tet.“24 „Von sei­ner sehr gro­ßen Mensch­lich­keit wird berich­tet, er ver­suchte Mit­häft­linge zu trös­ten, für sie da zu sein. Er ver­schenkte sogar von sei­ner weni­gen Nah­rung an andere. Das führte zu wei­te­rer Ent­kräf­tung vor Hun­ger.25

Soweit mög­lich bemühte er sich um tätige Nächs­ten­liebe bis zur Selbst­auf­gabe. Aber auch Seel­sor­ger der Mit­ge­fan­ge­nen suchte er zu sein, soweit es in die­ser Zeit mög­lich war. Beson­ders der Segen war ihm geblie­ben und ihn spen­dete er oft:

Es war der hoch­wür­digste Weih­bi­schof Kozal, der durch sei­nen fei­nen Cha­rak­ter uns allen ein leuch­ten­des Vor­bild war. Jeden Abend beim Zähl­ap­pell seg­nete er alle: uns, seine Mit­häft­linge, wie auch die Feinde.“26 Das berich­tet uns Cari­tas­di­rek­tor Carls aus Wup­per­tal.

Jeden Mor­gen fei­erte Bischof Kozal die hei­lige Messe in der Kapelle des Pries­ter­blocks mit, wie die ande­ren Pries­tern. Sel­ber zele­brie­ren durfte er nicht. Nur einem Pries­ter, dem pol­ni­schen Pfar­rer Pawel Pra­bucki, war das zu die­ser Zeit von der Lager­lei­tung gestat­tet. Diese Messe bedeu­tete den gefan­ge­nen Pries­tern sehr viel. Sie schöpf­ten bei Gott Kraft für den schwe­ren Tag, der immer auch das Lebens­op­fer brin­gen konnte. Am Ende der Messe seg­nete der Bischof die Pries­ter ein­zeln. P. Lenz erin­nert sich: „Am 26. April 1941 mor­gens nach der hei­li­gen Messe sah ich ihn zum ers­ten mal. Das Wei­nen stand mir nahe vor Ergrif­fen­heit. Im Häft­lings­kleid, mit kahl­ge­scho­re­nem Kopf, uns allen gleich, so stand er vorne am Sakristei­tisch und teilte ein­zeln den bischöf­li­chen Segen aus. –Es dräng­ten sich die Pries­ter zu ihm. Auch ich kam, die bischöf­li­che Hand des Mär­ty­rers zu küs­sen, den bischöf­li­chen Segen zu erbit­ten.- Ein denk­wür­di­ges Erleb­nis und so unver­gess­lich, als wäre es erst ges­tern gesche­hen.“27

Andere erin­nern sich an den Abend­se­gen: Vor dem Ein­schla­fen, abends im Schlaf­saal, seg­net Bischof Kozal noch­mal jeden Abend alle Pries­ter mit sei­nem bischöf­li­chen Segen.

Ein beson­de­rer Tag war für Bischof Kozal der zwei­ten Jah­res­tag sei­ner Bischofs­weihe am 13.08.1941. Die­ses Fest fei­erte er im KZ Dachau zusam­men mit den ande­ren Pries­tern, in Armut. An die­sem Tag bekam er eine beson­dere Erlaub­nis sel­ber die hei­lige Messe zu zele­brie­ren, seine ein­zige Messe im KZ Dachau. Die Mit­brü­der bas­tel­ten für die­ses Fest sogar eine Mons­tranz.

Sein Ster­ben

Kör­per­lich nah­men die Kräfte wäh­rend des Auf­ent­halts im KZ Dachau ste­tig ab. Hun­ger und die Fol­gen der Gewalt hat­ten ihre Wir­kung getan. Aber inner­lich war er gereift bis zur Hei­lig­keit. „Die Gestapo hatte ihr Ziel voll erreicht, aber auch Gott, der Herr.“28 resü­miert P. Lenz.

Bischof Kozal ver­traute dem Mit­ge­fan­ge­nen an: „Ich habe das bestimmte Emp­fin­den, dass ich nicht leben­dig aus Dachau her­aus­komme. Es ist mir, als ob Gott, der Herr, das Opfer mei­nes Lebens ver­lange für die Kir­che in Polen“29 Wir erin­nern uns: in Lad hatte Bischof Kozal Gott sein Leben ange­bo­ten. Diese Hal­tung gab ihm innere Frei­heit, Gnade und einen gro­ßen Frie­den, sodass er die Monate der Gefan­gen­schaft im KZ durch­le­ben konnte. Er sah sein Ende kom­men. Als die Nach­richt der Nie­der­lage der deut­schen Trup­pen in Sta­lin­grad bei den Häft­lin­gen ange­kom­men war, sagte er zu pol­ni­schen Pries­tern: „Bald bricht die Frei­heit an und ihr wer­det mich nicht mehr brau­chen.“

Ab Dezem­ber 1942 brach unter den Gefan­ge­nen der KZ Dachau eine Bauch­ty­phus Epi­de­mie aus. Bischof Kozal wurde am 25.01.1943 mit hohem Fie­ber, zusam­men mit sei­nem Cou­sin P. Czes­law Kozal, ins Kranken-Revier gebracht. Ver­dacht auf Typhus. Er war aller­dings nicht an Typhus erkrankt, son­dern an einer schmerz­haf­ten Mit­tel­ohr­ent­zün­dung, wie sich her­aus­stellte. Am nächs­ten Tag bemerkte ein Arzt den Bischof unter den neuen Pati­en­ten. Dar­auf­hin gab ihm Kapo des Reviers, der Chef der zur Pflege abge­stell­ter Mit­ge­fan­ge­nen, eine töd­li­che Gift­spritze. Nach eini­gen Minu­ten war Bischof Kozal daran gestor­ben. Sein Cou­sin Czes­law Kozal lag im Bett über dem Bischof. Er konnte spä­ter bezeu­gen, was er gese­hen und gehört hatte: Der Pfle­ger gab Bischof Kozal eine Gift­spritze mit den Wor­ten: „In Ewig­keit!“ Eine andere Quelle über­lie­fert einen hämi­schen Satz der Ärzte: „Jetzt wird ihm der Weg in die Ewig­keit gleich leich­ter fal­len.“30

So starb Bischof Michael Kozal am 26.01.1943 im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau. Am 30.01.1943 wurde sein Leich­nam im dor­ti­gen Kre­ma­to­rium ver­brannt. Die Asche wurde in einen der angren­zen­den Flüsse gestreut, um jede Ver­eh­rung eines Mär­ty­rer­gra­bes von vorn­her­ein unmög­lich zu machen.

Ver­eint war er in die­sem Schick­sal des Mar­ty­ri­ums mit den 220 ande­ren Pries­ter aus sei­ner Diö­zese Wlo­cla­wek, die eben­falls im KZ Dachau star­ben.

Selig­spre­chung

Schon im April 1946 wurde für Bischof Kozal das Selig­spre­chungs­ver­fah­ren eröff­net.

Er wurde am 14.06.1987 in War­schau von Papst Johan­nes Paul II fei­er­lich selig­ge­spro­chen.

Monika Neu­dert

Bit­ten wir ihn um seine Für­spra­che: Seli­ger Bischof Michael Kozal, bitte für uns!

 

Links:

 

 

 

1 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band2/kozal.html

2 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band2/kozal.html

3 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band2/kozal.html

4 www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?band2/kozal.html

5 Zeug­nis eines Muse­ums­wär­ters, MAJDANSKI, Kazi­mierz, Ihr wer­det meine Zeu­gen sein…, 1995 Mit­tel­bi­ber­ach, Maria aktu­ell, S. 71

6 Resch

7 Majda­na­ski, S. 39

8 LENZ, Johan­nes M, Chris­tus in Dachau, 10. Auf­lage Wien 1960, S. 106

9 Lenz, S. 237

10 Majd­an­ski , S. 47

11 Madjd­an­ski, S. 47

12 Majd­an­ski, S. 48

13 F. Kor­szin­ski

14 JUST, Jus­tus, Aus der Reihe gedrängt, Das Schick­sal der KZ-Priester, Books on Demand, 2005, S. 206

15 ZEIGER, Franz, Die mit Trä­nen säen…, Johann Stein­bock – Pries­ter in Dachau, Edi­tion Kirchen-Zeit-Geschichte, Linz 2004, S. 43

16 Lenz

17 Lenz, S. 238

18Majd­an­ski, S. 80

19 Lenz, S. 106

20 Lenz, S. 238

21 Lenz, S. 237

22 JEZ´, Ignacy, Licht und Dun­kel, prei­set den Herrn!, Als pol­ni­scher Pries­ter im KZ Dachau, Würz­burg 2007, Ech­ter Ver­lag, S. 38

23 Majd­an­ski, S. 18

24 SCHNABEL, Rei­mund, die From­men in der Hölle,  Frank­furt am Main, 1966, Röderberg-Verlag, S. 98

25 GOEKE, Hugo, Ger­hard Hirsch­fel­der, Pries­ter und Mär­ty­rer, 2.Auflage, Müns­ter 2011, Dia­log­ver­lag, S. 160

26 CARLS, Hans, Dachau, Erin­ne­rung eines katho­li­schen Geist­li­chen aus der Zeit sei­ner Gefan­gen­schaft 1941-1945,Dokumente zur Zeit­ge­schichte II, Ver­lag J.P. Bachem Köln, 1946, S. 92

27 LENZ,  Johan­nes M., Chris­tus in Dachau, 10. Auf­lage Wien 1960, S. 237

28 Lenz

29 Lenz S. 239

30 Resch, www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html

 

 

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