Kazimierz Grelewski


Bl. ks. Kazimierz Grelewski

Seliger Kazimierz Grelewski, (1907—1942)
Bruder des seligen Stefan Grelewski
Priester der Diözese Sandomierz (heute Radom), Präfekt
geb: 20.01.1907 in Dwikozy, Swietokrzyskie (Polen)
verhaftet am 25.01.1941 in Radom
Nach Aufenthalt in den Gefängnissen Skarzysko und KZ Auschwitz,
ab 04.05.1941 KZ Dachau, Häftlingsnr: 25 280
+: 09.01.1942 im KZ Dachau durch den Strang[1]
Gedenktag: 09.01.

Biografie:
Der selige Pfarrer Kazimierz Grelewski (1907-1942) wurde am 20.01.1907 im Dorf Dwikozy, bei Sandomierz, geboren. Zu dieser Zeit war das Gebiet von Russland besetzt. Die Eltern Michal und Eufrozyna stammten aus der Gegend um Poslaniec. Kazimierz war der Jüngste von 3 Brüdern. Sein Bruder Stefan, mit dem er eng verbunden war, war 9 Jahre älter.
Nach der Grundschule besuchte er im Alter von 10 Jahren das Gymnasium in Sandomierz, wie sein Bruder Stefan. Nach dem Abitur trat er 1923 in das Priesterseminar in Sandomierz ein, auch hier folgte er den Fußstapfen seines Bruders Stefan.
Im August 1929 wurde Kazimierz von Bischof Pawel Kubicki in der Klosterkirche St. Katharina im Heilig-Kreuz-Gebirge (Gory Swietokrzyskie) zum Priester geweiht. Als Priester der Diözese Sandomierz wurde er Kaplan in Radom, in der selben Stadt in der sein Bruder Stefan als Priester wirkte. Dort arbeitete er 10 Jahre lang als Präfekt und Erzieher der Grundschule des Jan Kochanowski Gymnasiums, wie vor ihm sein Bruder. In dieser Zeit war er auch aktiv im Kreise der Präfekten der Diözese.
„In seiner Arbeit war es sehr ruhig, ohne jegliche Popularität und als Präfekt einfach perfekt. Er liebte die Jugend und arbeitete für sie unermüdlich. Vorbildlich führte er religiöse Organisationen“ – sagte über ihn Franciszek Jap, priesterlicher Mitarbeiter der bischöflichen Kurie von Sandomierz und später Weihbischof von Sandomierz und Bischof von Opole, Jahre später.
Pfarrer Kazimierz Grelewski organisierte Sommerlager für Kinder. Er beteiligte sich an der Mädchenbildung der Vereinigung der heiligen Therese vom Kinde Jesu. Er arbeitete eng mit der Zentrale dieser Bewegung in Swider bei Warschau, zusammen als geistlicher Begleiter von mehr als 300 Mädchen.
Im Jahr 1938 konnte er am internationalen Eucharistischen Kongress in Budapest teilnehmen. Ein Jahr zuvor hatte er seine Prüfung zum Pfarrer bestanden. Er wollte als Dorfpfarrer arbeiten. Dazu kam es allerdings nicht mehr.
Am 01.09.1939 brach der erste Weltkrieg aus. Pfarrer Kazimierz Grelewski blieb in Radom, als einer der wenigen Priester.
Er schrieb über die ersten Tage des Krieges in seinem Tagebuch: „ Schrecklicher Krach erschütterte die Kirche. Bomben fielen auf die Überführung der Slowackistraße. ca. 20 Personen waren tod. An diesem Tag ging eine junge Frau zum ersten Mal zur Arbeit in die Maskenfabrik… und sie mußte sterben. Auch der Vater einer meiner Schülerinnen war tod… Blutiges Massaker. In der Kirche Panik, Geschrei. Menschen stehen Schlange an den Beichtstühlen… Wir sind des Sieges sicher (… dankt den Franzosen und Engländern). Doch am Abend, die Nachricht des Generalstabs dämpft die Stimmung: die deutschen Truppen rücken weiter vor. (03.09.1939) Unsere Bedenken haben reale Gestalt angenommen. Wieder Alarm, das Dröhnen der Motoren und die Detonationen. Trotz der Angst will ich mit den Sterbesakramenten losgehen… wieder ein Knall… 9 silberne Bomber funkeln in der Sonne über der Straße… eine Menge bewusstloser Menschen… schrecklicher Krach… die Bomben fallen. Eine Druckwelle wirft die Menge um. Für kurze Zeit verliere ich das Bewußtsein. Die Kinder weinen und beten. Stönen, nervöses Geschrei… wir fühlen uns hilflos, machtlos, wie ein Wurm, den die Laune des Riesens nicht zertrampeln kann. (=5.11.1939) In der Stadt herrscht betäubte Stille. Alle Behörden sind geschlossen, die Stadt ist ohne Hilfe… Stille… in den Ohren ein klingendes Geräusch…. und im Herzen taube Verzweiflung, Leid Schmerz und Resignation. Was passiert jetzt?… (07.09.1939)
Bomben treffen überall. Die Hölle breitet sich über der ganzen Stadt aus und die letzten Soldaten verlassen die Stadt ohne zu kämpfen. Hätten wir sie ohne Helme, ohne Nahrung, ohne bessere Waffen gesehen, hätten wir unsere Qual, Angst und Tod vergessen. Das Herz schmerzte, als wir das Elend der Soldaten sahen. Viele tausende verlieren das Leben auf den Straßen… ebenso wie die Zivilbevölkerung.
Wir haben vergessen an uns selber zu denken, wir hatten Sorgen um die anderen.
Und wieder eine „taube“ Stille in der Nacht… Flugzeuge werfen Flugblätter mit dem Bild der Gnadenkapelle (Czestochowa, schwarze Madonna) ab.Polen ist noch nicht untergegangen. (08.09.1939)“
Diese letzten Worte schrieb Pfarrer Kazimierz Grelewski am Tag, an dem die deutschen Truppen Radom besetzten. (!939 hatte die Stadt 100 000 Einwohner, nach dem Krieg 60 000)
Radom wurde zur Hauptstadt des gleichnamigen Generalgovernements der besetzten polnischen Gebiete. Da die Mittelschulen geschlossen wurden, begann Pfarrer Grelewski Religionsunterricht in geheimen Gruppen zu unterrichten, auch für Grundschulkinder. Nachdem der Rektor der Garnisonskirche St. Stanislaus vertrieben worden war, übernahm Pfr. Grelewski seine Aufgaben. Man erinnerte sich, dass nach jeder heiligen Messe das Lied „Serdeczna Matko, herzliche Mutter“ gesungen wurde. Die Melodie des Liedes war der Melodie  eines anderen Liedes „Boze cos Polske, Gott schütze Polen“, sehr ähnlich. Letzteres zu singen war verboten.
Er engagierte sich viel in der Caritas. Er kümmerte sich um das Waisenhaus. Viele Kriegswaisen aus den umliegenden Dörfern brachte man nach Radom.
Am 24.01.1941 wurde er nachts verhaftet, zusammen mit seinem Bruder Stefan und Pfarrer Jozef Sznuro von der Gemeinde der Heiligen Dorothea. Seine Wohnung neben der Pfarrkirche des heiligen Johannes des Täufers wurde von der Gestapo verwüstet. Die Gefangenen wurden in das Gefängnis in der Kosciuszkostraße in Radom gebracht, dort wurde er gefoltert.
Dies war der Beginn seines Kreuzweges. Nach ca. zwei Monaten wurde er nach Skarzysko transportiert, dort war ein vorübergehendes Lager errichtet worden. Hier wurde er geschlagen. Seine Familie bekam von dort blutbefleckte Unterwäsche ihres Sohnes geschickt.
In einem größeren Transport kam er zusammen mit seinem Bruder ins KZ Ausschwitz. Dort bekam Kazimierz Grelewski die Häftlingsnummer 10443, sein Bruder Stefan die Nummer 10444. Im Transport befanden sich auch Pfr. Sznuro und Pfr. Antoni Dworzanski, die im KZ Ausschwitz ermordet wurden.
Von Ausschwitz konnte er noch einen kurzen, zensierten Brief nach Hause schreiben. „Liebste Mama, Stefan und ich sind gesund. Ich grüsse Dich und küsse Deine Hände. Kazimierz.“
Am 04.05.1941 wurde er ins KZ Dachau gebracht. Hier erhielt er die Häftlingsnummer 25280, sein Bruder Stefan die Nr. 25281.
Stefan Grelewski überlebte das KZ Dachau kaum eine Woche. Völlig erschöpft und ausgehungert durch den Aufenthalt in den Lagern Auschwitz und Dachau und den katastrophalen Zuständen auf dem Gefangenentransport, ging er in das Haus des Herrn am 09.05.1041 ein.
Kazimierz schrieb am 14.05.1941 an seine Familie: „ Mama, Stefcio (d.h. Stefan) starb in meinen Armen.“
Das Schicksal der beiden Brüder war ein Leben lang verflochten und blieb es bis zum Ende. Kazimierz lebte nur 9 Monate länger.
Er war ein beliebter Beichtvater der Gefangenen; vertieft ins Gebet. Für seine Verfolger fand er Worte der Vergebung.
Die Zeugen seines Leidens berichteten: eines Tages schlug der Kapo (Übergeordneter Gefangener) hart zu, dass er zu zu Boden stürzte. Der Priester stand auf und machte vor dem Peiniger das Zeichen des Kreuzes, wie zum Segen und sagte: „ Möge der Herr dir verzeihen.“ Diese Worte reizten den Zorn des Kapos noch mehr, er stürzte sich wieder auf ihn, wieder schlug er ihn, wieder warf er ihn auf den Boden. Dabei rief er: „Ich schicke dich gleich zu deinem Gott!“[2] (Zeugnis des Mitgefangenen Pfr. Piotr Jaroszek)
Kazimierz Grelewski wurde daraufhin schrecklich geschlagen. Er stand auf und begann zu beten: „unter deinen Schutz…“
Am 09.01.1942 wurde Kazimierz Grelewski auf dem Appellplatz vor der Lagerküche erhängt, nach anderen Quellen erschossen, zusammen mit zwei anderen Priestern, dem Salesianer Wojciech Michalowicz und dem seligen Jòzef Pawlowski. Zeugen berichteten, auf dem Weg zum Sterben rief er seinen Henkern zu: „Liebt den Herrn euren Gott!“.[3]
Pfr. Stanislaw Makarewicz schrieb: Kazimierz und Stefans Grelewskis Mutter ging 2 Jahre lang vor das Haus um nach der Rückkehr ihres jüngeren Sohnes zu sehen. Sie konnte nicht glauben, dass er nicht mehr am Leben war. Sie starb 1948 in Dwikozy, dem Geburtsort ihres Sohnes des seligen Kazimierz Grelewski.
Die beiden Brüder Stefan und Kazimierz wurden am 13.06.1999 vom Heiligen Papst Johannes Paul II. mit insgesamt 108 anderen polnischen Märtyrern selig gesprochen.
Übersetzung der Quellen: Irene Janitzek
Bearbeitung: Monika Neudert
[1] Daten nach WEILER, Eugen, Die Geistlichen in Dachau, Mödling 1971, S. 272
[2] SLIWKA, Eugeniusz (Red.), Märtyrer für den Glauben 1939-1945, S. 20
[3] nach Sliwka, S. 20
Quellen:
www.swzygmunt.knc.pl/SAINTs/HTMs/0109blKAZIMIERZGRELEWSKImartyr01.htm
ksiegahonoru.salon24.pl/544001,bl-kazimierz-grelewski
www.swietyjozef.kalisz.pl/Dachau/32.html
 

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