Kazimierz Gostynski


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Kazi­mierz Gos­tyn­ski, (1884—1942)

(in der deut­schen Lite­ra­tur oft als auch Kazi­mierz Gos­tyn­ski)

Pries­ter der Erz­diö­zese  Lub­lin
geb: 08. 04.1884 in War­schau (Polen)

Ver­haf­tet am 11.01.1940 in Lub­lin

KZ Dachau 14.12.1940 bis 06.05.1942, Häft­lingsnr.:  22 414
+: 06 Mai 1942  getö­tet auf einem Inva­li­den­trans­port, nach Hart­heim bei Linz, Öster­reich[1]

Gedenk­tag: 06.05.

Der selige Pfar­rer Kazi­mierz Gos­tyn­ski wurde am 08.04.1884 in War­schau in einer wohl­ha­ben­den Fami­lie gebo­ren. Sein Vater Wla­dyslaw war ein bekann­ter Indus­tri­el­ler. Er kämpfte im Auf­stand 1863-64 und wirkte danach an der Grün­dung der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät War­schau mit.
Seine Mut­ter Nata­lia sorgte als Haus­frau und Mut­ter für die fünf Kin­der und den Haus­halt.
Im Jahre 1904 been­dete Kazi­mierz mit Aus­zeich­nung das pri­vate Gym­na­sium Edward Ron­ta­ler in War­schau und trat in das Pries­ter­se­mi­nar in Lub­lin ein. Vier Jahre spä­ter, am 14.06.1908, wurde er vom dama­li­gen Bischof Fran­cis­zek Janc­zew­ski zum Pries­ter geweiht. Danach stu­dierte er Moral­theo­lo­gie in Inns­bruck. 1912 kehrte er nach Lub­lin zurück, wo er der Wie­der­auf­bau der St. Petrus Kir­che, der frü­he­ren Jesui­ten­kir­che, lei­tete. Gleich­zei­tig arbei­tete er als Prä­fekt und Leh­rer an einem pri­va­ten Gym­na­sium. Er unter­rich­tete Latein und ver­trat den Direk­tor. Zur glei­chen Zeit gab er auch Latein­un­ter­richt am Pries­ter­se­mi­nar.
Im Jahre 1915, schon nach Beginn des Ers­ten Welt­krie­ges, grün­dete er für den Leh­rer­ver­band. Dies war nur mög­lich, weil die öster­rei­chi­sche Armee die Stadt Lub­lin von der Rus­si­schen Besat­zung befreit hatte. Die­ser Ver­band grün­dete nun in Lub­lin pol­ni­sche Schu­len. Noch im glei­chen Jahr wurde eine höhere, 8-klassige Real­schule gegrün­det. Kazi­mierz Gos­tyn­ski wurde deren Direk­tor. Um diese Schule zu finan­zie­ren ver­kaufte er Immo­bi­lien der Eltern und sam­melte uner­müd­lich zusätz­li­che Gel­der. Er schaffte eine Atmo­sphäre der krea­ti­ven Arbeit und nutzte die Begeis­te­rung und Groß­zü­gig­keit von Kol­le­gen und Eltern der Schü­ler. Einer der Absol­ven­ten erin­nerte sich: „Die­je­ni­gen, die ihn kann­ten, behiel­ten ihn als liebs­ten und anspruchs­vol­len Erzie­her in Erin­ne­rung. Ich per­sön­lich ver­danke ihm sehr viel. Er küm­merte sich um mich und um meine Fami­lie in den schwie­rigs­ten Augen­bli­cken meins Lebens, weil ich sein Schü­ler war. Aber nicht nur ich habe so viele Beweise sei­nes gro­ßen Her­zens erfah­ren dür­fen. Die ande­ren Schü­ler sowie die ganze Schule ver­dan­ken die­sem Erzie­her und Sozi­al­ak­ti­vis­ten so viel. Er enga­gierte sich mit Beharr­lich­keit und unglaub­li­cher Ener­gie für den Auf- und Aus­bau.“
In der Amts­zeit von Pfar­rer Kazi­mierz im Jahr 1918 erlebte seine Schule den Besuch der Apos­to­li­schen Visi­ta­tion durch Achil­les Ratti, dem spä­te­ren Papst Pius XI.
Dank sei­ner Bemü­hun­gen wurde die­ses Gym­na­sium 1921 staat­lich, wodurch vie­len Schü­lern der kos­ten­lose Besuch und damit der Zugang zu Bil­dung ermög­licht wurde. Im sel­ben Jahr grün­dete Pfar­rer Gos­tyn­ski auch ein staat­li­ches Gym­na­sium für Mäd­chen. Er initi­ierte auch eine Küche um Mahl­zei­ten an arme Schü­ler aus­ge­ben zu kön­nen; unter­stützte die Gesell­schaft „Ler­nen der Jugend“ finan­zi­ell und orga­ni­sierte Sti­pen­dien für Abitu­ri­en­ten, die Lehr­amt stu­die­ren woll­ten. Beson­ders enga­gierte er sich für die Pfad­fin­der­ju­gend. Zusätz­lich war er Vor­stand des „Pols­kiej Nacierzy“ und betei­ligte sich an der Ent­ste­hung des Orches­ters in Lub­lin.
Sein Ein­satz blieb nicht ver­bor­gen. Im Jahr 1922 erhielt er vom neu gewähl­ten Papst Pius XI. den Titel eines päpst­li­chen Kam­mer­herrn und 1925 wurde er zum Dom­ka­pi­tu­lar von Lub­lin ernannt.
Im Jahr 1932 musste er nach 18 Jah­ren der Schul­ar­beit im J. Zamo­y­ski Gym­na­sium Abschied neh­men. Es war die Zeit der Schul­re­form. Sein Weg­gang war mit Scha­den und Schmer­zen für die Betrof­fe­nen sowie für die Schü­ler ver­bun­den. „ Pfar­rer Kazi­mierz war ein guter Mensch und ein anspruchs­vol­ler Pro­fes­sor und es war nicht immer ein­fach die Prü­fung bei ihm zu beste­hen. Er war ein guter Päd­agoge, der die Arbeit mit den jun­gen Leu­ten liebte. Das wurde auch bei der Betreu­ung der Pfad­fin­der deut­lich und wir haben ihn für das alles sehr geschätzt.“ (Pfar­rer Marian Mroc­zek)
Im sel­ben Jahr ernannte der Bischof der Diö­zese Marian Leon Full­man Pfar­rer Gos­tyn­ski zum Vize- und schließ­lich zum Direk­tor des Päpst­li­chen Gym­na­si­ums. Er arbei­tete dort ca. 2 Jahre und been­dete u.a. den Bau die­ser Schule.
1935 ver­ließ er auf eige­nen Wunsch die Schule und wurde Rek­tor der Kir­che Maria Him­mel­fahrt in Lub­lin, der ältes­ten Kir­che die­ser Stadt. Dazu gehörte auch die Seel­sorge im nahe­ste­hen­den Klos­ter der hl. Bir­gitta, in dem spä­ter Schwes­tern der Jung­frau Maria und schließ­lich Schwes­tern des Ordens der Ursu­li­nen leb­ten. in die­ser Pfar­rei mit dem Klos­ter ent­stand unter sei­ner Füh­rung ein Pas­to­ral­zen­trum für Inte­lek­tu­elle aus Lub­lin.
Der Aus­bruch des zwei­ten Welt­krie­ges beein­träch­tigte die Arbeit zunächst nicht. Am 11.11.1939, dem Tag der Natio­na­len Unab­hän­gig­keit Polens, fei­erte er in sei­ner Kir­che die hei­lige Messe für das Vater­land und in der Pre­digt kri­ti­sierte er das Ver­hal­ten der deut­schen Besat­zer. Man hatte ihn vor die­sem Ver­hal­ten gewarnt. Die Aktion zur Ver­nich­tung der pol­ni­schen Intel­li­genz, von Sei­ten der rus­si­schen und deut­schen Besat­zer in ihren jewei­li­gen Ter­ri­to­rien hat­ten schon begon­nen, aber er beschloss sich nicht zu ver­ste­cken. Am 11.01.1940 klopfte die deut­sche Geheim­po­li­zei, Gestapo an seine Tür und er wurde ver­haf­tet.

Er kam in das Gefäng­nis im ehe­ma­li­gen Schloss von Lub­lin und ver­brachte in die­ser Fol­ter­kam­mer 6 Monate. Von dort wurde er in das KZ Sachsenhausen- Ora­ni­en­burg bei Ber­lin und am 14.12.1940 ins KZ Dachau gebracht, wo er die Häft­lings­num­mer 22 414 erhielt.
Er wurde gefol­tert und zu über­mensch­li­chen Anstren­gun­gen gezwun­gen. Trotz­dem blieb er bis zum Ende ruhig und demü­tig. Er behielt seine Würde, die er aus der Tiefe des Glau­bens schöpfte.

Er sprach: „Wenn Chris­tus gelit­ten hat, dann müs­sen auch wir, sei­nem Bei­spiel nach­fol­gen und  das Lei­den anneh­men„. [2]
Im Jahre 1942 wurde er schließ­lich als arbeits­un­fä­hig aus­ge­mus­tert und im Block 29 mit ande­ren soge­nann­ten Inva­li­den iso­liert. Grund die­ser Iso­la­tion war die Aktion zur Ver­nich­tung von soge­nann­tem lebens­un­wer­ten Leben (genannt Aktion T 4), die auch ver­wen­det wurde um pol­ni­sche Geist­li­che unter den Häft­lin­gen des KZ Dachau zu liqui­die­ren. Pfar­rer Kazi­mierz Gos­tyn­ski wurde mit einem Inva­li­den­trans­port nach Öster­reich zum Schloss Hart­heim bei Linz gebracht. Dort gab es Eutha­na­sie­zen­trum in dem geis­tig Behin­derte und chro­nisch kranke Men­schen ermor­det wur­den.
In einem sol­chen Trans­port wurde Pfar­rer Gos­tyn­ski am 06.05.1942 zusam­men mit ande­ren Gefan­ge­nen depor­tiert. Er war im zwei­ten von fünf sol­cher Trans­porte des Mai 1942. Die Nach­na­men der Opfer die­ses Tages begin­nen mit den Buch­sta­ben G- K. Dar­un­ter waren 46 katho­li­sche Geist­li­che, auch der selige Hen­ryk Kaczorow­ski, erlitt das glei­che Schick­sal.
Ein Kame­rad schrieb in Erin­ne­rung an die letzte Begeg­nung mit Pfar­rer Kazi­mierz: „Er war geprägt von gro­ßer Stand­fes­tig­keit. Ende April 1942 wurde ich nach dem Abend­ap­pel benach­rich­tigt, dass jemand drau­ßen vor dem Block auf mich war­tete. Es war Pfar­rer Gos­tyn­ski. Er sah rela­tiv gut aus. Er fragte nach der Fami­lie und nach Brie­fen aus der Hei­mat. Schließ­lich sagte er, er sei gekom­men um sich zu ver­ab­schie­den, da er mor­gen mit dem Inva­li­den­trans­port abfah­ren müsse. Er sah mein Ent­set­zen und fügte hinzu: „ Ich würde lie­ber in der Hei­mat ster­ben. Aber ich bin gläu­big und wenn Gott es so will, dann soll sein Wille gesche­hen.“ Ich konnte kein Wort sagen, meine Kehle war wie zuge­schnürt. Er gab mir die Hand und ist weggegangen- für immer. (R. Fugle­wiez)
Die Züge mit den Inva­li­den fuh­ren nach Öster­reich und hiel­ten an der Sta­tion des KZ Maut­hau­sen bei Linz. Von dort wur­den die Gefan­ge­nen dicht zusam­men gedrängt in Trans­port­au­tos wei­ter zum Schloss Hart­heim gebracht. Das Ziel war das Kre­ma­to­rium in Hart­heim, denn in den Autos waren Gas­kam­mern. Die Abgas­lei­tun­gen gin­gen direkt in den Innen­raum in dem die Häft­linge trans­por­tiert wur­den. Wahr­schein­lich wurde Pfar­rer Kazi­mierz am 06.05.1942 auf diese Weise ver­gast. [3] Dies dau­erte 5- 7 Minu­ten. Die Lei­chen wur­den in Hart­heim aus­ge­la­den und im dor­ti­gen Kre­ma­to­rium ver­brannt. Die Asche auf den nahe­lie­gen­den Fel­dern ver­streut.
Pfar­rer Kazi­mierz Gos­tyn­ski wurde von Papst Johan­nes Paul II am 13.06.1999 in War­schau zusam­men mit ins­ge­samt 108 pol­ni­schen Mär­ty­rern selig gespro­chen.

Quel­len:
http://www.swzygmunt.knc.pl/SAINTs/HTMs/0506blKAZIMIERZGOSTYNSKImartyr01.htm
http://biskupiak.lublin.pl/pl/top/ks_Gosty%C5%84ski
http://prawy.pl/historia/5687-blogoslawiony-ks-kazimierz-gostynski-opiekun-m lod­ziezy
http://sciaga.pl/tekst/59423-60-bl_ks_kazimierz_gostynskiÜbersetzung aus dem Pol­ni­schen Frau Irene janit­zek


[1] Daten nach WEILER, Eugen, Die Geist­li­chen in Dachau, Möd­ling 1971, S 267

[2] SLIWKA, Euge­ni­usz (Red.), Mär­ty­rer für den Glau­ben 1939-1945, S  14

[3] Sliwka S 14

 

 

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