Br. Marcin (Jan) Oprzadek


Seli­ger Bru­der Mar­cin (Jan)  Oprz­a­dek (1884—1942)

Ordens­bru­der, Fran­zis­ka­ner (OFM), Ordens­name Mar­cin (Mar­tin)

geb: 04 03.1884 in Koscielec, Malo­pols­kie (Polen)

ver­haf­tet am 26.08.1940 in Wlo­cla­wek, gefan­gen in Szc­ze­g­lin, KZ Sach­sen­hau­sen ab 29.08.1940

KZ Dachau ab 14.12.1940, Häft­lingsnr.: 22618[1]
+: 18 05.1942 auf Inva­li­den­trans­port ver­gast in Hart­heim bei Linz, Öster­reich[2]

 Gedenk­tag: 18.05.

Seli­ger Bru­der Mar­cin Jan Oprz­a­dek

Patron der Fran­zis­ka­ner

Bio­gra­fie:

Jan Oprz­a­dek wurde am 04.03.1884 in Koscielec, einem Dorf das heute in die Stadt Chrza­now ein­ge­mein­det wor­den ist, gebo­ren. Diese Gegend gehörte damals zum König­reich Gali­zien und Lodo­me­rien, das Teil des öster­rei­chi­schen Kai­ser­rei­ches war.

 Seine Eltern waren Sta­nis­law Oprz­a­dek und Juli­anna Oprz­a­dek, gebo­rene Cup­ryan.

 Der Kleine emp­fing die Taufe in der aus dem Mit­tel­al­ter stam­men­den Dorf­kir­che, die dem Hei­li­gen Johan­nes des Täu­fers geweiht ist. Er hatte fünf Geschwis­ter.

 Auch des­halb besuchte er zunächst nur die 6- jäh­rige Volks­schule.

 Für ein armes Kind gab es damals keine Mög­lich­kei­ten eine wei­ter­füh­rende Schule zu besu­chen. Schon vom Jugend an war Jan Oprz­a­dek ein ein­fa­cher Arbei­ter und unter­stützte damit seine Fami­lie.

 Zur glei­chen Zeit führte er aber auch schon ein spi­ri­tu­el­les Leben.

 Er war „ein Bei­spiel der Hin­gabe und Fröm­mig­keit“, sagte der dama­lige Pfar­rer über ihn. Schon in die­sen jun­gen Jah­ren reifte dadurch seine Beru­fung .

 Im Jahre 1912 trat Jan Oprz­a­dek in Kra­kau in der Klos­ter­kir­che des Hl. Kasi­mier dem Orden der Fran­zis­ka­ner bei (lat. Ordo Fra­trum Mino­rum – OFM).

 Diese Ent­schei­dung erklärte er so : „Schon seid Jah­ren hatte ich den Wunsch ins Klos­ter zu gehen um dort ein hei­li­ges Leben zu füh­ren für die Erlö­sung mei­ner Seele . Aber da meine alte Mut­ter und einer mei­nen Brü­der krank waren, war mir dies unmög­lich. Jetzt nach dem Tod der bei­den, bin ich völ­lig frei über mich selbst zu ver­fü­gen und ent­scheide mich für das Klos­ter, was ich schon immer vor hatte.“ .Diese Zitat stammt aus dem Bewer­bungs­brief an den Vor­ge­setz­ten der Fran­zis­ka­ner­pro­vinz Mut­ter Got­tes der Engel (Matki Bos­kiej Ani­els­kiej).

 Für Jan war es zunächst selbst­ver­ständ­lich gewe­sen seine Mut­ter und den kran­ken Bru­der zu pfle­gen. Er sorgte für sie „mit der Demut eines Got­tes Kin­des“ und stand ihnen bis zum Tod bei. Beim Orden­s­ein­tritt wählte er der Namen des hei­li­gen Mar­tin, auf pol­nisch Mar­cin.

 Damals sagte man: „Das Klos­ter wird einen zuver­läs­si­gen und treuen Die­ner in ihm haben “ .

 Als Mit­glied der Pro­vinz der Mut­ter Got­tes der Engeln war er zuerst in Wie­liczka in der Pfar­rei des hl. Franz von Assisi und spä­ter in der Ukraine, in Sadowa Wisz­nia in der Him­mels­fahrts­kir­che ein­ge­setzt. Diese war 1730-41, zu beginn der rus­si­scher Okku­pa­tion erbaut und spä­ter dem Orden der Fran­zis­ka­ner aber weg genom­men wor­den. Heute befin­det sich dort ein Kran­ken­haus für psy­chisch kranke Frauen.

 Hier erlebte Bru­der Mar­cin Oprz­a­dek den Aus­bruch des 1. Welt­krie­ges.

 Er wurde als Sol­dat auf Sei­ten der öster­rei­chi­scher Armee ein­ge­zo­gen .

 Des­halb konnte er zunächst keine Ordens­ge­lübde able­gen.

 Er diente im 13. „Kra­kauer“ Regi­ment, das zu 82 % aus Polen bestand.

 Am 14.08.1914 mar­schierte er mit sei­ner Ein­heit an die Ost­front.

 Bereits am 23. -25.08.1914 nahm er an der sogenannten.“Galizischen Schlacht“ bei Kras­nik teil. Im Novem­ber 1941 kämpfte Mar­cin bei Trz­cianka in der ers­ten Schlacht bei Kra­kau. Wei­ter führte ihn sein Weg als Sol­dat durch die Dör­fer Zar­no­wiec, Prze­sieka und Wlod­zis­law bis nach Mot­ko­wice, wo im Dezem­ber wei­tere Aus­ein­an­der­set­zun­gen statt fan­den.

 1915 war er betei­ligt an Kämp­fen mit rus­si­schen Trup­pen in der soge­nann­ten Karpaten-Kampagne. Danach diente er an dem ita­lie­ni­schen Front und erlebte dort das Ende des 1. Welt­krie­ges.

 Die „Kra­kauer Kin­der“, so nannte man die­ses Regi­ment, kamen Anfang Novem­ber 1918 in die Hei­mat zurück, in die nun neu gegrün­dete Repu­blik Polen.

 Die­ser Krieg ver­än­derte die Ent­schei­dung in der Frage sei­ner Beru­fung nicht.

 Ein Jahr spä­ter war er wie­der zurück in sei­nem Klos­ter, dies­mal in Wlo­cla­wek, in der Aller­hei­li­gen­kir­che beim Hei­lig­tum Uns­rer Lie­ben Frau von der Gnade und der Zuver­läs­si­gen Hilfe. Nach 2 Jah­ren Novi­zi­ats in Wie­liczka, legte er im Jahr 1921 dort end­lich seine ers­ten Gelübde und nach 3 Jah­ren seine Ewige Pro­fess ab.

 Bru­der Mar­tin war in vie­len Ein­rich­tun­gen der Fran­zis­ka­ner beschäf­tigt.

 Im Kra­kauer Klos­ter des hl. Kazi­mir (Kazi­mierz ) als Pfört­ner, in Prze­mysl, in der Pfar­rei der Hl. Maria Mag­da­lena, in Lem­berg (Lwow ) in der Kir­che des Hl. Anto­nius.

 In  Kra­kau lebte er danach im Klos­ter beim Hei­lig­tum der „Ver­kün­di­gung der Jung­frau Maria“ (Kazi­mierz Dolny), anschlie­ßend aber wie­der in Wlo­cla­wek.

Mar­cin Oprz­a­dek arbei­tete ruhig, demü­tigt und beschei­den. Sein gan­zes Leben und seine ganze Beru­fung waren dem Gebet für alle ihm anver­trau­ten Men­schen gewid­met.

 In Wlo­cla­wek erlebte er den 01.09.1939, den Beginn des 2. Welt­krie­ges und die Inva­sion der Deut­schen Trup­pen. Sofort begann die Ver­fol­gung der pol­ni­scher Intel­li­genz, zu der nach der Defi­ni­tion der Besat­zer auch der Kle­rus gehörte.

 Schon am 26.08.1940 „wurde Bru­der Mar­cin zusam­men mit zwei Pries­tern und zwei Mit­brü­dern ver­haf­tet. Sie hat­ten sich frei­wil­lig bei der Gestapo gemel­det, um nach Deutsch­land in ein deut­sches Klos­ter zu kom­men. Ihr Plan war dort die deut­sche Spra­che zu ler­nen. Dabei hoff­ten Sie auf Schutz durch deut­sche Mit­brü­der ihres Ordens.

 Die­ses schien ihnen glaub­wür­dig, da ihren Vor­ge­setz­ten ver­spro­chen war unter die­ser Bedin­gung sel­ber in Frei­heit in Polen blei­ben zu dürf­ten. Das berich­tete P. Salezy Bog­dan Brzu­szek.

 Die­ser Vor­ge­setzte war Pater Nar­cyz Tur­chan, er wurde wie Bru­der Mar­cin 1942 in Dachau ermor­det und wurde mit ihm zusam­men selig gespro­chen.

 Das mutige Opfer zum Schutz der Ordens­lei­tung war ver­ge­bens.

 In die­ser Situa­tion gab sich die Pfarr­ge­meinde kei­ner Illu­sio­nen hin, sie ahn­ten dass ihre Geist­li­chen in den Tod gehen wür­den .Ein Augen­zeuge die­ses Ereig­nis­ses, erin­nerte sich spä­ter: „Die Leute stür­men auf uns zu, als wir zum Tor hin­aus­gin­gen und ver­ab­schie­de­ten sich von uns – für immer.“

 Die Fest­ge­nom­me­nen, dar­un­ter auch Pater Kry­styn Gon­dek, eben­falls ein selig­ge­spro­che­ner Mär­ty­rer, der vom KZ Dachau aus 1942 in Hart­heim durch Gift­gas ermor­det wurde, kamen zuerst nach Szc­ze­g­lin (bei Posen – Poznan ), dann ins KZ Sach­sen­hau­sen (30 km von Ber­lin).

 Dort muss­ten sie 3 Monate lang sehr schwer kör­per­lich arbei­ten.

 Schließ­lich wurde die Gruppe der pol­ni­schen Geist­li­chen am 14.12.1940 ins KZ Dachau gebracht . Ab die­sem Tag erhielt Bru­der Mar­cin Jan Oprz­a­dek die Häft­lings­num­mer 22618 und galt für die Lager­lei­tung von da an nur noch so viel wie eine Num­mer.

 Ab Sep­tem­ber 1941 wurde Bru­der Mar­tin zu sehr schwe­rer kör­per­li­cher Arbeit auf den Fel­dern der Plan­tage neben dem Lager gezwun­gen. Dabei wurde er geschla­gen, gede­mü­tigt und schi­ka­niert. Er litt stän­dig an Hun­ger. Nach dem Wil­len der Lager­lei­tung muss­ten die Geist­li­chen im Lager 1942 beson­ders Hun­ger lei­den, was vie­len das Leben kos­tete.

 Win­centy Kula , ein Über­le­ben­der und Zeuge die­ser Tage schrieb:

 „Im Lager ver­traute Bru­der Mar­tin ganz tief der Gött­li­chen Vor­se­hung …und betete , betete …“

 In einer ande­ren Über­set­zung wird es ähn­lich aus­ge­drückt: „Bis zu sei­nem Ende betete er sehr viel und hat nie die Hoff­nung auf Got­tes Vor­se­hung ver­lo­ren“. [3]

 Anfangs Mai 1942 wur­den im Lager ältere, nicht mehr arbeits­fä­hige und behin­derte Häft­linge von den ande­ren aus­ge­son­dert und iso­liert im Invaliden-Block Nr. 29 unter­ge­bracht.

 Ihnen wurde gesagt, sie könn­ten sich frei­wil­lig für ein ande­res Lager melden,in dem die Ver­hält­nisse nicht so streng wären, wie in Dachau.

 Unter den vie­len, die diese „Ein­la­dung“ annah­men waren auch Pries­ter und Ordens­leute.

 Auch Bru­der Mar­tin Oprz­a­dek war unter ihnen. Er war inzwi­schen vom Hun­ger und der schwe­ren Arbeit erschöpft.

 Ihm fehlte außer­dem ein Fin­ger an der lin­ken Hand. Seine Situa­tion im Lager Dachau war hoff­nungs­los.

 Wie wir heute wis­sen, waren diese Iso­lie­rung und „Ein­la­dung“ Teil der Eutha­na­sie­kam­pa­gne T4. Im Jahr 1942 wurde begon­nen auf die­sem Weg neben Kran­ken und Behin­derte auch nicht mehr arbeits­fä­hige oder ver­hasste Häft­linge der Lager zu ermor­den. Geist­li­che waren oft unter die­sen Opfern.

 Die Aus­ge­son­der­ten wur­den in soge­nann­ten Inva­li­den­trans­por­ten nach Öster­reich gebracht in das Eutha­na­sie Zen­trum im Schloss Hart­heim bei Linz. Dort wur­den die Opfer durch Gift­gas ermor­det.

 Einer die­ser Trans­porte ver­ließ das KZ Dachau am 18.05.1942.

 In der gro­ßen Gruppe von Gefan­ge­nen war auch Bru­der Mar­cin.

 Dies war die erste von drei auf­ein­an­der fol­gen­den Depor­ta­tio­nen in die­sen Tagen, im Mai 1942 waren die­sen aber schon einige andere vor­aus gegan­gen.

 Die Häft­linge wur­den dazu alpha­be­tisch aus der Gruppe der iso­lier­ten Inva­li­den auf­ge­ru­fen.

 An die­sem Tag waren die Anfangs­buch­sta­ben der Nach­na­men K bis P unter den Opfern.

 Unter den auf diese Weise an die­sem Tag ermor­de­ten 115 Häft­lin­gen waren 52 katho­li­sche Pries­ter.

 Die Ver­spre­chun­gen der Deut­schen auf eine ver­bes­serte Situa­tion wur­den nicht ein­ge­hal­ten, sowohl die Ver­spre­chen in Wlo­cla­wek als auch die im KZ Dachau gege­be­nen.

 Am Tag der Abreise, dem 18.05.1942 konn­ten sich nach der Bekannt­ma­chung der Namen der Betrof­fe­nen des Tages durch den Schrei­ber die Weg­zie­hen­den noch bis 13.00 Uhr von ihren Kame­ra­den ver­ab­schie­den.

 Unter ihnen waren Prä­la­ten, pro­mo­vierte Theo­lo­gen, Pfar­rer, Wis­sen­schaft­ler, Seel­sor­ger und Vikare, die eben ihre pries­ter­li­chen Tätig­kei­ten begon­nen hat­ten.

 Es war ein schö­ner und son­ni­ger Nach­mit­tag des Mai 1942.

 Inner­halb einer hal­ber Stunde müs­sen sich die Auf­ge­ru­fe­nen auf dem Appell­platz auf­stel­len. Zahl­rei­che Auf­se­her der Waffen-SS erwar­te­ten die Häft­linge.

 Das war der Moment der letz­ten Abschieds­worte für die zurück blei­ben­den Kame­ra­den.

 Eine große belas­tende Stille erfüllte dann den Platz.

 Pfr. Hen­ryk Malak ( 1916-1987 Chi­cago), berich­tete:

 „Vom Exer­zier­platz hört man die hei­sere Stimme der Sirene und die Worte: „Mit Gott, Gott möge euch füh­ren.“

 Die „Inva­li­den Trans­porte“ fuh­ren Rich­tung Öster­reich. Sie hiel­ten am Bahn­hof in Maut­hau­sen oder Linz . Von hier aus ging es wei­ter in über­füll­ten Autos in Rich­tung Schloss Hart­heim.

 Es war nur eine kurze Fahrt.

 Die Fahr­zeuge waren spe­zi­ell prä­pa­riert.

 Sie waren abge­dich­tete Gas­kam­mern.

 Das Aus­puff­rohr brachte die Abgase in den Innen­raum, in dem die Häft­linge zusam­men­ge­pfercht waren.

 Wahr­schein­lich wurde Bru­der Mar­cin in so einem Fahr­zeug am 18. Mai 1942 ver­gast .

 Dies dau­erte nur 5-7 Minu­ten, danach waren die Häft­linge ermor­det.

 Die Lei­chen wur­den im Kre­ma­to­rium der Schlos­ses Hart­heim ver­brannt, die Asche dort ver­streut oder gela­gert. Einige mensch­li­che Asche konnte nach dem Krieg in einem Hoch­grab vor der heu­ti­gen Gedenk­stätte Schloß Hart­heim gebor­gen wer­den.

 Am 13 Juni 1999 sprach der Hei­lige Johan­nes Paul II in War­schau (Wars­zawa) 108 pol­ni­sche Mär­ty­rer aus der Zeit des 2. Welt­krie­ges selig.

 Auch Bru­der Mar­cin Jan Oprz­a­dek gehört zu die­ser Gruppe, ebenso wie 44 wei­tere pries­ter­li­che Kame­ra­den aus dem KZ Dachau . Unter ihnen sind P. Kry­styn Gon­dek , P. Ana­stazy Jakub Pan­kie­wicz , Bru­der Nar­cyz Tur­chan und Bru­der Brun­non Jan Zem­bol .

 Der Papst sagte damals: „die seli­gen Mär­ty­rer rufen in unsere Her­zen hin­ein: „Glaubt , dass Gott die LIEBE ist ! GLAUBT in guten und schlech­ten Tagen.

 Erweckt in euch die HOFFNUNG! Möge diese Hoff­nung in euch Frucht brin­gen. Die Frucht der Treue in jeg­li­cher Ver­su­chung!“

 

 Seli­ger Bru­der Mar­cin Oprz­a­dek bitte für uns!

Text Monika Neu­dert

Über­set­zun­gen Irene Janit­zek

 Quel­len:

 https://pl.wikipedia.org/wiki/Marcin_Oprz%C4%85dek

 http://www.swzygmunt.knc.pl/SAINTs/HTMs/0518blMARCINJANOPRZADEKmartyr01.htm

 http://www.koscielec.org/index.php?option=com_content&view=article&id=13&Itemid=62&lang=pl

 http://www.swietyjozef.kalisz.pl/Dachau/8.html

 http://ofm.krakow.pl/cms/index.php?mact=News,cntnt01,detail,0&cntnt01articleid=48&cntnt01pagelimit=10&cntnt01returnid=59

 

 


[1] Daten nach WEILER, Eugen, Die Geist­li­chen in Dachau, Möd­ling 1971, S. 495

[2] Laut Lager­kar­tei am 22.06.1942 im KZ Dachau gestor­ben,  Wei­ler, a.a,.O.

[3] Nach SLIWKA, Euge­ni­usz (Red.), Mär­ty­rer für den Glau­ben 1939-1945, S. 29

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