Seliger Gerhard Hirschfelder


Inhalt

Gebet

Guter Gott, du hast uns deine Schöpfung geschenkt und jedem seinen Auftrag für diese Welt gegeben. Du hast Gerhard Hirschfelder zum Priester in deiner Kirche berufen. Er hat deine Liebe und Hingabe unter den Menschen verkündet und gelebt. In der Nachfolge deines Sohnes fand er die Kraft, seinen Glauben zu bekennen und in menschlicher Ohnmacht priesterlich für andere zu leben und zu wirken. Auf seine Fürbitte bleibe auch uns nahe und verbinde uns mit deinem Sohn Jesus Christus, der mit dir lebt und uns liebt in Ewigkeit.

Prof. Dr. Hugo Goeke

 

Gerhard-Hirschfelder-Lied

Nach der Melodie „Wohl denen, die da wandeln“ (GL 614)

1.       Wir ehr’n zu dieser Stunde

dich, Schlesiens großen Sohn.

Das Lob aus unserm Munde

preist dich vor Gottes Thron.

Du warst in gottvergessner Zeit

gehorsam Gott, dem Einen,

dem du dich ganz geweiht.

2.       Du Sel’ger, den Gott sandte

den Menschen deiner Zeit,

der Gottes Recht bekannte,

zum Zeugnis stets bereit,

du brachtest Hoffnung, machtest Mut

den Schwachen, den Verzagten,

hilfreich und herzensgut.

3.       Nicht feige sich zu tarnen

war deines Lebens Art.

Du wolltest wecken, warnen

mit Worten, klar und hart.

Du sagtest: „Wer den Glauben reißt

aus unsrer Jugend Herzen,

der ist von Teufels Geist.“

4.       Du Mann voll Geist und Glauben,

Gott selbst war dir genug.

Du ließest dir nicht rauben,

was dich im Leben trug.

Du sätest Glaubensmut im Land,

heut’ ernten wir Versöhnung,

Feindschaft ein Ende fand.

5.       Du gingst mit deinem Leben

in Christi Opfer ein.

Du wolltest dich nur geben,

ein Licht für andre sein.

Du littest Unrecht, Haft und Leid,

verfolgt ob deines Mutes,

Vorbild für jede Zeit.  (Winfried Offele)

 

Tagesgebet und Stundengebet

Tagesgebet

Allmächtiger und barmherziger Gott, du hast den seligen Priester und Märtyrer Gerhard berufen,

in den Herzen junger Menschen die Liebe zu Christus zu stärken;

gib uns auf seine Fürsprache die Kraft, den Glauben treu zu bezeugen

und uns für Versöhnung und Frieden einzusetzen.

Durch unseren Herrn Jesus Christus.

 

Seliger Gerhard Hirschfelder, Priester und Märtyrer

Der Selige Gerhard Hirschfelder, 1907 in Schlesien geboren, wurde am 31. Januar 1932 in Breslau

für die zum Erzbistum Prag gehörende Grafschaft Glatz zum Priester geweiht. Als Kaplan und Jugendseelsorger

geriet er durch seinen kompromisslosen Einsatz für die Jugend in Konflikt mit den Machthabern

seiner Zeit. Aufgrund einer Predigt, in der er unter amderen sagte: „Wer der Jugend den Glauben

an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher“, wurde er verhaftet und später ins Konzentrationslager

Dachau eingeliefert. Hier starb er am 1. August 1942 an Misshandlung, Unterernährung

und Entkräftung.

 

Commune-Texte für Märtyrer

 

LESEHORE

 

ZWEITE LESUNG

Aus dem Kommentar zu den Paulusbriefen des Seligen Gerhard Hirschfelder, geschrieben vor dem Transport ins Konzentrationslager Dachau   (Franz Jung [Hg.], Aus dem Nachlass des seligen Gerhard Hirschfelder, Münster 1999, 14-15)

Über allem aber steht die Liebe zur Gemeinde

Wo ein Priester in eine Gemeinde gestellt ist, da erwarten die Gläubigen auch von ihm, dass er wirklich

für sie da ist; zu ihm kommen sie mit soviel Sorgen und Nöten, dass oft ein Priester einer großen

Gemeinde voll besetzt ist mit Besuchern, die ihr Leid klagen und Trost und Hilfe haben wollen. Man

fühlt es deutlich, was Paulus 2 Kor 11,29 meint mit dem „täglichen Andrang“. Da heißt es, ungeheure

Geduld haben, seine Nerven beherrschen, wenn sie in der Mittagsstunde oder am späten Abend oder

sonst zu ungelegener Zeit kommen. Wie oft könnte da ein unbedachtes Wort das Leid vermehren, einen

ungeheuren Abstand schaffen zur Gemeinde. Wohl kann man mit ruhigen Worten abweisen und zu anderer

Zeit bestellen, aber Vorsicht! Der hl. Paulus hat das schöne Wort geprägt: „Allen alles zu werden.“

Wir dürfen den Menschen weder Herz noch Hand verschließen. Unsere Augen müssen stets voll

Liebe blicken, auch wenn vorher unsere eigene Sorge übergroß wurde. Jeden mit derselben Freundlichkeit,

ja wie ein Vater (1 Thess 2,12), wie eine Mutter (Gal 4,19; 1 Thess 9,7) müssen wir den Ersten wie

den Letzten aufnehmen. Ohne Vorurteil anhören, ist gewiss nicht leicht. Den Schwachen ein Schwacher

werden, ist sicher ein gutes Mittel der Seelsorge, aber hierin nicht stehen bleiben, sondern sie höher

führen, also stark machen! Wo ein Priester nicht Vater und Helfer der Armen wird, ist sein Arbeiten

fruchtlos. Das heißt nicht, für Reiche nichts übrig haben; auch sie und gerade sie haben Anspruch auf

den Priester. Kein Stand darf dem anderen vorgezogen werden, wenn wir allen alles werden sollen.

Pauli Liebe zur Gemeinde ist aber mit dem Wort „Allen alles werden“ nicht erschöpft.

Wir müssen unbedingt seine Opferbereitschaft für die Gemeinde einschließen (2 Kor 12,15; Kol 1,24).

Wohl ist mancher alt gewordene Priester bereit zum Opfer für seine Gemeinde, doch hängt nicht gerade der

junge Priester am Leben? Und wenn schweres Leid, Krankheit, Sorge ihn niederdrücken; denn auf einmal

möchte er sterben, und Paulus sagt (Phil 1,24): „Im Fleische zu bleiben ist notwendig euretwegen.“

Das ist wirklich selbstlose Liebe zur Gemeinde. Wahre Liebe zur Gemeinde schließt auch ein, dass

wir ein klares Arbeitsziel vor Augen haben, nicht nur Missstände abstellen, sondern auch ein positives

Ziel erarbeiten. Der hl. Paulus hat so eines vor Augen (Kol 2,1). Nur so kann der Priester rechte

Arbeitsfreude haben. Es wird aber auch manches ernste, strenge Wort notwendig sein, das seine Wirkung

nicht verfehlt, wenn es mit Liebe gesprochen wird (1 Kor 4,14; 2 Kor 2,4).

Wir dürfen uns als Vater der Gemeinde nicht davor scheuen.

Oft verschweigt ein Priester, der seine Gemeinde nicht beleidigen will, manches, was gesagt werden müsste.

Das ist falsch, die Gemeinde hat so den größten Schaden. Tadelnde Worte müssen freilich sehr überlegt

werden, dann werden sie zwar der Gemeinde weh tun, aber nicht verletzen.

 

RESPONSORIUM Mt 5,11-12.10

R Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise

verleumdet werdet. * Freut euch und jubelt, euer Lohn im Himmel wird groß sein.

V Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.* Freut

euch und jubelt, euer Lohn im Himmel wird groß sein.

 

ORATION

Allmächtiger und barmherziger Gott, du hast den seligen Priester und Märtyrer Gerhard berufen, in

den Herzen junger Menschen die Liebe zu Christus zu stärken; gib uns auf seine Fürsprache die Kraft,

den Glauben treu zu bezeugen und uns für Versöhnung und Frieden einzusetzen. Durch unseren Herrn

Jesus Christus.

 

Quelle: Diözese Münster, PDF

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