Gerhard Hirschfelder


 

Geb 17.02.1907 in Glatz, Schle­sien

Ver­haf­tet wegen einer Pre­digt:

 „Wer der Jugend Chris­tus aus dem Her­zen reißt, ist ein Ver­bre­cher.“

KZ Dachau ab 27.12.1941

+ 01.08.1942 KZ Dachau

Selig gespro­chen 19.09.2010, Gedenk­tag: 02.08.

                                                      Seli­ger Ger­hard Hirsch­fel­der, bitte für uns!

 

Inhalts­ver­zeich­nis: 

  • Zitate
  • Pre­digt (von  Prof . Dr. Hugo Goeke bei der Eucha­ris­tie­feier in Habel­schwerdt am 12. 10. 2010) 

 

Bio­gra­fie:

(von Prof. Dr. Hugo Goeke  beim Got­tes­dienst in der Gedenk­stätte des KZ Dachau am 23. 09. 2012)

 Am 17. Februar 1907 bringt die 25jährige Maria Hirsch­fel­der im schle­si­schen Glatz ihr ein­zi­ges Kind zur Welt. Der leib­li­che Vater bleibt dem Kind unbe­kannt.

Als allein­er­zie­hende Mut­ter müht sie sich als Schnei­der­meis­te­rin um den Unter­halt und die Erzie­hung ihres Kin­des Ger­hard, Fran­zis­kus, Johan­nes. Sie ermög­licht ihm sogar den Besuch der Höhe­ren Schule.

Wäh­rend sei­ner Gym­na­si­al­zeit enga­giert sich der junge Ger­hard in der kirch­li­chen Jugend­ar­beit und gewinnt so Sicher­heit und Füh­rungs­stärke. Er erkennt seine Beru­fung zum Pries­ter.

Nach der Rei­fe­prü­fung fin­det er Auf­nahme im Theo­lo­gen­kon­vikt im benach­bar­ten Bis­tum Bres­lau. Dort stu­die­ren die schle­si­schen Pries­ter­amtskan­di­da­ten sei­ner Hei­mat­diö­zese, der Erz­diö­zese Prag.

Vor den „Höhe­ren Wei­hen“, dem Sub­dia­ko­nat und dem Dia­ko­nat, ist die zu der Zeit noch not­wen­dige römi­sche Dis­pens vom Wei­he­hin­der­nis der nicht ehe­li­chen Geburt noch nicht ein­ge­trof­fen.

Ein Kol­lege sei­nes Wei­he­jahr­gangs aus dem glei­chen Hei­mat­ort Glatz, Ernst Heinze, schreibt damals: „So konnte unser lie­ber Hirsch­fel­der nur als Zuschauer die Wei­he­hand­lung sei­nes Kur­ses mit­er­le­ben; er soll bit­ter­lich geweint haben. Wir alle lit­ten mit ihm.“

In sei­nen Kreuz­weg­ge­be­ten schreibt Ger­hard Hirsch­fel­der spä­ter: „Herr, wenn man mir auch die äußere Ehre nimmt, ich bleibe doch Kind Got­tes, Kämp­fer Got­tes, Pries­ter Got­tes, das kann mir nie­mand neh­men.“
Zur Pries­ter­weihe am 31. Januar 1932 im Dom zu Bres­lau wählt er als Motto sei­nes Pri­miz­bil­des das Wort „Chris­tus, unser Oster­lamm ist geschlach­tet, Alle­luja.“ Ahnt er, was die­ses Wort in sei­ner gan­zen Fülle und Tiefe für ihn bedeu­ten kann? Denkt er daran, dass die­ser Weg der Nach­folge bis zur Hin­gabe sei­nes Lebens füh­ren kann?
Auf Grund sei­ner nicht ehe­li­chen Geburt ist es ihm nicht gestat­tet, in sei­ner schö­nen und ver­trau­ten Hei­mat­pfarr­kir­che St. Maria Him­mel­fahrt in Glatz die Pri­miz zu fei­ern. Darf man die Feier der Pri­miz in einer Klos­ter­ka­pelle im Nach­bar­ort deu­ten als Ein­übung in schmerz­li­che Ein­schrän­kun­gen, die ihm bald von außen her auf­er­legt wer­den?
Als Kaplan in Tscherbeney/ Grenz­eck und spä­ter in Habel­schwerdt gewinnt er als eif­ri­ger und belieb­ter Seel­sor­ger vor allem die Kin­der und
Jugend­li­chen. Jun­gen und Mäd­chen kom­men lie­ber zu sei­nen Grup­pen­stun­den als zu den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Jugend­ver­bän­den.

Er gerät so schnell ins Visier der Gestapo und wird als staats­ge­fähr­dend ein­ge­stuft.

Er wird über­fal­len, muss Haus­durch­su­chun­gen über sich erge­hen las­sen und wird bespit­zelt. Er wird häu­fig ver­nom­men, und es wird ihm ange­droht, er werde bei wei­te­ren Ver­stö­ßen gegen die Auf­la­gen abge­holt.

Als Jugend­li­che ihn war­nen, sagt er: „Kin­der, ich kann nicht anders, wenn ich sehe, was sich gegen die Kir­che und gegen die Men­schen­würde tut, ich muss es von Her­zen los wer­den.“

Eines Tages demo­lie­ren Mit­glie­der Hit­ler­ju­gend einen baro­cken Sand­stein­bild­stock mit dem Bild­nis der Krö­nung Mari­ens. Sie schie­ßen dem Chris­tus­bild auf dem Bild­stock beide Augen aus, schla­gen den Reli­ef­fi­gu­ren die Köpfe ab und sto­ßen dann den Bild­stock um.

Am Sonn­tag danach, am 27. Juli 1941, geht Ger­hard Hirsch­fel­der im Rah­men der Eucha­ris­tie­feier zur Pre­digt auf die Kan­zel. Er nimmt Bezug auf das Ereig­nis, und sagt: „Wer der Jugend den Glau­ben an Chris­tus aus dem Her­zen reißt, ist ein Ver­bre­cher.”

Dar­auf­hin wird Kaplan Hirsch­fel­der am Abend des 1. August 1941 wäh­rend einer Jugend­glau­bens­stunde durch die Gestapo ver­haf­tet und abge­holt: „Mädels, geht nach Hause“, sagt er zu den Ver­sam­mel­ten und zu einem der Mäd­chen: „Bete für mich.“

Er erhält im Gefäng­nis in Glatz die „Gefan­ge­nen­buch­num­mer 269/41“. Nach vier­ein­halb Mona­ten ohne Ver­hör wird er am 15. 12. 1941 zum Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau gebracht.

Er wird zur Arbeit her­an­ge­zo­gen. Auf einer Obst­plan­tage tut Dienst als Hilfs­kapo. Auch dort im KZ bleibt er Pries­ter für andere. Sein Lei­den soll andere in ihrem Leid stär­ken. Auch als Gefan­ge­ner ver­steht er sich als Werk­zeug in der Hand Got­tes. „Ich opferte alles für Euch auf,“ schreibt er Ver­wand­ten und lässt es Bekann­ten aus­rich­ten.

Und er schreibt wei­ter: „Unse­ren wirk­li­chen see­li­schen Reich­tum kann ja die Welt nicht erken­nen. Und so kann der Christ, beson­ders der Pries­ter, der immer fröh­li­che Mensch sein, weil Chris­tus, für den wir leben, nicht zu töten ist.“

Von Para­ty­phus befal­len, lässt ihn ein Auf­se­her zwei Stun­den unter der kal­ten Brause ste­hen. Sein durch die Stra­pa­zen des KZ geschwäch­ter Kör­per kann sich nicht mehr erho­len.

Im letz­ten Brief schreibt er: „Was ist doch alle Welt gegen­über der Herr­lich­keit des Him­mels, wo es kein Leid, nur Liebe ohne Hass gibt. So wol­len wir halt Got­tes Wil­len abwar­ten und ein star­kes ´Ja´ dazu spre­chen. Er wird es schon gut machen.“

Ger­hard Hirsch­fel­der bricht zusam­men, mel­det sich krank und stirbt am 1. August 1942.

Sein Grab auf dem Fried­hof unmit­tel­bar an der Kir­chen­mauer in Tscher­be­ney ist ein Ort des Frie­dens und der Ver­söh­nung vor allem zwi­schen Polen, Tsche­chen und Deut­schen.

So trägt ein muti­ger Kaplan aus der schle­si­schen Graf­schaft Glatz, unge­ach­tet sei­ner kur­zen Lebens­zeit, weit über sei­nen Tod hin­aus zu Ver­stän­di­gung und Ver­söh­nung zwi­schen Men­schen unter­schied­li­cher Staa­ten bei und wird zum Brü­cken­bauer zwi­schen den Völ­kern.

 

Text

Im Gefäng­nis schreibt Ger­hard Hirsch­fel­der noch heute sehr beden­kens­werte Gedan­ken nie­der zum Pries­ter­bild nach Pau­lus. Beson­ders beein­dru­ckend sind auch seine Gedan­ken und Gebete zu einem Kreuz­weg. In der Ein­lei­tung zu dem Kreuz­weg fin­det sich das Gebet:

 

„Chris­tus, mein Hei­land! Ehe Dein Lei­den begann, gingst Du mit Dei­nen Apos­teln auf den Ölberg. Doch Zeu­gen Dei­nes Lei­dens soll­ten nur drei von ihnen sein. Drei Worte sprachst Du zu ihnen: ,,Blei­bet hier! Wachet! Betet!“ Auch ich bin augen­blick­lich von Dir aus­er­wählt zu lei­den. Herr, ich danke Dir dafür. Weil es Dein Wille ist, will ich am Orte des Lei­dens blei­ben, solange du willst. Wachen will ich als treuer Wäch­ter mit star­ker Tap­fer­keit, beten will ich mit Dir: ,,Herr, lass die­sen Kelch an mir vor­über­ge­hen, doch nicht mein, son­dern Dein Wille geschehe!“ Zu die­ser Auf­gabe als Wäch­ter will ich mir Kraft holen in Dei­nem Kreuz­weg. Herr, stärke mich und alle Kreuz­trä­ger mit Dei­ner Tap­fer­keit!“

 

Gebet:

Guter Gott, du hast uns deine Schöp­fung geschenkt und jedem sei­nen Auf­trag für diese Welt gege­ben. Du hast Ger­hard Hirsch­fel­der zum Pries­ter in dei­ner Kir­che beru­fen. Er hat deine Liebe und Hin­gabe unter den Men­schen ver­kün­det und gelebt. In der Nach­folge dei­nes Soh­nes fand er die Kraft, sei­nen Glau­ben zu beken­nen und in mensch­li­cher Ohn­macht pries­ter­lich für andere zu leben und zu wir­ken. Auf seine Für­bitte bleibe auch uns nahe und ver­binde uns mit dei­nem Sohn Jesus Chris­tus, der mit dir lebt und uns liebt in Ewig­keit.

 

Zitate

Zu einem fro­hen Chris­ten­op­ti­mis­mus kön­nen wir wohl nur kom­men, wenn alle ande­ren Tugen­den, beson­ders das Gott­ver­trauen geübt wer­den. Man denkt, man nehme uns alles, wenn man uns irdi­sche Besitz­tü­mer raubt, aber gerade damit erwer­ben wir uns ja den größ­ten Reich­tum. Und so kann der Christ, beson­ders der Pries­ter, der immer fröh­li­che Mensch sein, weil Chris­tus, für den wir leben, nicht zu töten ist.

 

Wer der Jugend den Glau­ben an Chris­tus aus dem Her­zen reißt, ist ein Ver­bre­cher.

– wegen die­ser Aus­sage in sei­ner Pre­digt am 27.07.1941 wurde Ger­hard Hirsch­fel­der ver­haf­tet

 

Nicht die Lei­den und nicht die Miss­hand­lun­gen der Welt, die uns hasst, dür­fen wir scheuen, nicht den äuße­ren Miss­er­folg, nicht die Mühe der Klein­ar­beit an jedem Ein­zel­nen, wie es ein Vater mit sei­nen Kin­dern tut.

 

Der hl.Paulus hat das schöne Wort geprägt, wir müs­sen allen alles wer­den. Wir dür­fen den Men­schen weder Herz noch Hand ver­schlie­ßen, unsere Augen müs­sen stets voll Liebe bli­cken, auch wenn unsere Sor­gen über­groß sind, jeden mit der­sel­ben Freundlichkeit,ja wie ein Vater, wie eine Mut­ter müs­sen wir den ers­ten wie den letz­ten auf­neh­men.

 

Auch ich bin augen­blick­lich von Dir aus­er­wählt zu lei­den. Herr ich danke dir dafür.

 

Nichts dür­fen wir scheuen, selbst das eigene Opfer des Lebens nicht.

 

Herr, wenn man mir auch meine äußere Ehre nimmt, ich bleibe doch Kind Got­tes, Kämp­fer Got­tes, Pries­ter Got­tes, das kann mir nie­mand neh­men. Lass mich des­sen froh blei­ben in allem Leid.

 

Hei­land, lass es mich stets als Trost emp­fin­den, dass hin­ter jedem Leid wie­der die Freude kommt, hin­ter jeder Demü­ti­gung die Erhö­hung.

 

Chris­tus sagt: Folgt mir! Zuerst mag das leicht sein, aber irgend­wann kommt doch das Kreuz. Wenn wir ihm bis dahin gefolgt sind, haben wir auch die Gewiss­heit, dass er uns zur ewi­gen Freude mit nimmt.

 

Unse­ren wirk­li­chen see­li­schen Reich­tum kann ja die Welt nicht erken­nen.. und so kann der Christ, beson­ders der Pries­ter, der immer fröh­lichste Mensch sein, weil Chris­tus, für den wir leben, nicht zu töten ist.

 

Gott ver­lässt mich nicht, des bin ich sicher. Ich werde immer ver­su­chen meine Pflicht getreu zu erfül­len, so werde ich die schwere Zeit über­ste­hen.

– Brief aus dem Gefäng­nis Glaz vom 14.12.1941.

 

Lasst uns immer wie­der aufs Neue unser „Ja Vater“ spre­chen, wenn es auch manch­mal schwer ist….Aber all das sind immer kleine Übungs­stun­den, um rei­fer zu wer­den für alles, was Gott von uns for­dert…

– Brief aus dem KZ Dachau vom 12.02.42.

 

Gott lenkt schon unser Leben zu unse­rem Bes­ten, unser Gebet hilft.“  „Als Got­tes Kin­der ste­hen wir alle in sei­ner Hut.

– Brief aus dem KZ Dachau vom 28.06.1942

 

So wün­sche ich Dir von Her­zen die Kraft, die ich selbst schöpfe aus dem Ver­trauen auf Got­tes Vor­se­hung. Ich ver­traue auf die gött­li­che Vor­se­hung, die uns täg­lich ihre Hilfe zeigt, wenn man sich ihr anver­traut. Damit wol­len wir in die Zukunft schauen. Als Got­tes Pries­ter ist uns seine größte Liebe sicher.

– letz­ter Brief aus dem KZ Dachau vom 26.07.1942

 

So wol­len wir halt Got­tes Wil­len abwar­ten und ein star­kes Ja dazu spre­chen. Er wird es schon gut machen und unser Opfer lohnen…die Sehn­sucht nach der Ewig­keit soll wohl mehr und mehr wach­sen.

 

Was ist auch alle Welt gegen­über der Herr­lich­keit des Him­mels, wo es kein Leid, nur Liebe ohne Hass gibt. Wie trös­tet uns doch damit unsere hei­lige Reli­gion in so schwe­ren Zei­ten wie die­ser Krieg mit dem Glau­ben ans Jenseits….So wün­sche ich dir von Her­zen die Kraft, die ich schöpfe aus dem Ver­trauen auf Got­tes Vor­se­hung. Damit wol­len wir in die Zukunft schauen. Als Got­tes Pries­ter ist uns seine größte Liebe sicher.

Der ganze des Text des Kreuz­we­ges, ver­fasst von Ger­hard Hirsch­fel­der in Ein­zel­haft, ist in 3 Spra­chen nach­zu­le­sen: Link

wei­ter Zitate unter Link

Die wört­li­chen Zitate sind ent­nom­men: wei­tere Infos unter  Lite­ra­tur

Franz Jung, Marius Lin­nen­born (Hg), Ger­hard Hirsch­fel­der, Ein Seli­ger für unsere Zeit, Hoff­nungs­trä­ger, Mut­ma­cher, Brü­cken­bauer, Dia­log­ver­lag, Müns­ter 2011

Hugo Goeke, Ger­hard Hirsch­fel­der, Pries­ter und Mär­ty­rer, Dia­log­ver­lag, 2.Auflage, Müns­ter 2011

Bar­bara Franke, Johan­nes Hoff­mann, Hans Mel­chers, Kaplan Ger­hard Hirsch­fel­der, ein Mär­ty­rer aus der Graf­schaft Glatz, gest. 01.August 1942 im KZ Dachau. HrsG von Groß­de­chant Franz Jung, Selbst­ver­lag­Müns­ter 1989

 

Prof. Dr. Hugo Goeke stellte uns dan­kens­wer­ter­weise noch  wei­tere Texte über Ger­hard Hirsch­fel­der zur Ver­fü­gung:

Pre­digt in der Eucha­ris­tie­feier in Habel­schwerdt am 12. 10. 2010

 

Ver­ehrte, liebe Wall­fah­rer,

liebe Beter an die­sem Ort, an dem Ger­hard Hirsch­fel­der seine letzte Pre­digt gehal­ten hat,

lie­ber möchte ich an die­sem Ort eine lange Zeit schwei­gend ver­har­ren als zu pre­di­gen. Ich möchte im Schwei­gen Ges­ten, Worte und Stimme von Ger­hard Hirsch­fel­der in mir leben­dig wer­den zu las­sen.

Hier schritt Kaplan Hirsch­fel­der am Sonn­tag, dem 27. Juli 1941, nach dem Vor­trag des Evan­ge­li­ums zur Kan­zel, um mit Frei­mut Christi Bot­schaft zu ver­kün­den und mit deut­li­chen Wor­ten – ange­sichts einer auf Initia­tive der Nazis vor­aus gegan­ge­nen Schän­dung eines reli­giö­sen Bild­stocks – jene zu tadeln, die den christ­li­chen Glau­bens­weg jun­ger Men­schen ein­zu­schrän­ken oder zu behin­dern ver­such­ten.

Für sol­che Augen­bli­cke braucht man nicht den Rat ande­rer Men­schen. In sol­chen Augen­bli­cken ist man allein auf sich gestellt. Und es schwin­den alle Besorg­nisse um die eigene Zukunft.

Auch Ger­hard Hirsch­fel­der braucht vor fast sieb­zig Jah­ren hier an die­sem Ort nur die Über­ein­stim­mung mit sich selbst, mit sei­nem eige­nen Gewis­sen und mit sei­nem Gott in der Tiefe des eige­nen Her­zens. So ist er – wie viel­leicht nie sonst in sei­nem Leben – ganz bei sich selbst, ja er wächst über sich hin­aus und gewinnt mensch­li­che und christ­li­che Größe, an der sich nach­fol­gende Gene­ra­tio­nen mes­sen kön­nen und mes­sen müs­sen.

Den jun­gen Kaplan Ger­hard Hirsch­fel­der stelle ich mir jetzt vor. Er hat zu Beginn sei­ner Pre­digt die Gemeinde im Blick. Er sieht die vie­len jun­gen Men­schen, deren Herz für Chris­tus schlägt. Und aus der eige­nen Begeis­te­rung für Chris­tus spricht er zu den Men­schen. Dann hallt durch den Kir­chen­raum der war­nende und ankla­gende Kern­satz: „Wer der Jugend den Glau­ben an Chris­tus aus dem Her­zen reißt, der ist ein Ver­bre­cher!“

Wir kön­nen die Stille erah­nen, die den Kir­chen­raum erfüllt. Wir sehen die gelös­ten Gesich­ter derer, die Zustim­mung bekun­den und die bedenk­li­chen Gesich­ter derer, die das ver­bre­che­ri­sche Vor­ge­hen der Natio­nal­so­zia­lis­ten noch nicht durch­schaut haben.

Wir sehen die Gesich­ter derer, die sich Sor­gen machen um den muti­gen Kaplan und die ver­stei­ner­ten Gesich­ter derer, die sich ange­spro­chen füh­len und die sei­nen Weg durch­kreu­zen wer­den.

Bis­her konnte Ger­hard Hirsch­fel­der in sei­nem jun­gen und zupa­cken­den Leben viel ver­setz­ten. Wäh­rend der Schul- und Stu­di­en­zeit blieb sein Leben nicht ohne Ein­fluss auf andere junge Men­schen. Als enga­gier­ter Pries­ter konnte er seine seel­sorg­li­chen Ideen und Pläne umset­zen. Kin­dern, Jugend­li­chen und Erwach­se­nen war er ein auf­merk­sa­mer und zuge­wand­ter Beglei­ter. Er lud die Jugend­li­chen ein zu Grup­pen­stun­den und Wall­fahr­ten.

Als Diö­ze­san­ju­gend­seel­sor­ger gewann er eine unge­wöhn­lich große Zahl Jugend­li­cher für Chris­tus.

Er war Herr über sich selbst, und er war Herr im eige­nen Hause sei­nes pries­ter­li­chen Lebens und Diens­tes.

In einem Augen­blick ändert sich sein gesam­tes Leben. Kon­takte wer­den abge­bro­chen. Grau­sam der Augen­blick, als der Kaplan aus der Runde der ver­sam­mel­ten Mäd­chen abge­führt wird.

Ein letz­ter Blick in die Woh­nung, und dann hat er kein Zuhause mehr. Seine Bleibe ist  das Gefäng­nis.

Alles, was Ger­hard Hirsch­fel­der besitzt, muss er zurück­las­sen. Selbst das, was er am Kör­per trägt, ver­bleibt ihm nur noch wenige Monate wäh­rend sei­ner Zeit im Gefäng­nis in Glatz. Und dann muss er auch das bei der Ein­lie­fe­rung ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau gegen die Sträf­lings­klei­dung tau­schen.

Pries­ter­li­chen Freun­den ver­schlägt es die Spra­che, als sie ihn noch ein­mal sehen auf dem Weg zum Bahn­hof zum Abtrans­port ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger. Ein Hän­de­druck im Vor­bei­ge­hen und ein letz­ter Blick ver­sin­ken im Schmerz des Abschieds.

Ein freier Mensch, der sein Leben bis­her selbst in die Hand genom­men hat, wird den Hän­den ande­rer aus­ge­lie­fert. Ein freier Mensch wird ein Gefan­ge­ner.

Genau hier ist der Punkt, an dem viele Men­schen das Leben mit ihm tei­len und an dem er das Leben mit vie­len Men­schen teilt.

Zunächst ver­liert Ger­hard Hirsch­fel­der: Seine Mut­ter schon vor län­ge­rer Zeit, seine Ver­wand­ten, seine Mit­brü­der, die Men­schen in der Gemeinde, sein Zuhause. Sein Anse­hen und seine Per­sön­lich­keit sucht man zu zer­stö­ren.

Gelingt es ihm auch zu gewin­nen? Ja, und das ist der Grund, warum wir das Anden­ken an ihn wach­hal­ten.

Gerade im Ver­lie­ren gewinnt er. Er reift und gewinnt sich selbst. Er lebt nicht mehr mit etwas, nicht mit kraft­strot­zen­der Gesund­heit, nicht mit den bis­her ihm Ver­trau­ten, nicht mit Besitz und Frei­heit.

In rei­fem und rei­nem Mensch­sein und ganz in der Nach­folge Jesu lebt und lei­det er von jetzt an für andere. Er lebt und lei­det für seine Mit­ge­fan­ge­nen, für die Men­schen, die ihm seel­sorg­lich anver­traut waren, für die Erst­kom­mu­ni­on­kin­der in den Gemein­den, für die Kran­ken und für alle Men­schen, für die er Pries­ter gewor­den ist.

Sein pries­ter­li­ches Wir­ken bricht nicht ab, er ent­deckt eine neue ver­bor­gene Weise pries­ter­li­chen Wir­kens für die Men­schen.

Die Wende des Lebens, die sich für Ger­hard Hirsch­fel­der hier an die­sem Ort voll­zieht, erle­ben zu allen Zei­ten Men­schen auf je ihre Weise.

Bei einem ist es die Wende von der Gesund­heit zur Krank­heit, bei einem ande­ren ist es die Wende von der eige­nen Woh­nung in das Pfle­ge­heim. Wie­der ein ande­rer erlebt die Wende des Lebens, wenn der Part­ner andere Wege geht oder der Tod die Part­ne­rin von sei­ner Seite nimmt.

Von einer sol­chen Wende an erlei­den man­che Men­schen nur noch ihr Leben.

Gerade das macht Ger­hard Hirsch­fel­der nicht. Er nimmt viel­mehr seine Gefan­gen­schaft an, und selbst in die­ser Gefan­gen­schaft gelingt es ihm, sein Leben sinn­voll und frucht­bar zu leben.

Wenn Sie mich fra­gen, worin ich die eigent­li­che Größe von Ger­hard Hirsch­fel­der sehe, würde ich ant­wor­ten: Man nimmt ihm alles, aber er bewahrt seine Würde. Indem er gibt, was man ihm nimmt, reift er gera­dezu zu mensch­li­cher und christ­li­cher Größe. Das fin­det Aus­druck darin, dass er seine Zeit im Gefäng­nis und im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger nicht als eine ver­lo­rene Zeit ansieht. Auch diese Zeit ist für ihn gefüllt, erfüllt von segens­rei­chem Leben und Lei­den für andere. So reift sein mensch­li­ches Leben und Lei­den zu höchs­ter Voll­en­dung. Und er erliegt nicht sinn­lo­sem Leben und Ster­ben.

Ger­hard Hirsch­fel­ders geschun­de­ner Leib ist Aus­druck für seine Bereit­schaft, den Kreuz­weg sei­nes Lebens für andere bis zum Ende zu gehen.

So kann sein Kreuz­weg zum Erlö­sungs­weg wer­den für Men­schen, die sich an ihm auf­rich­ten. Wer wie Ger­hard Hirsch­fel­der sei­nen Lei­dens­weg annimmt und den lei­den­den Jesus an sei­ner Seite weiß, der mag in sei­nem Leid Erlö­sungs­spu­ren ent­de­cken, die ihn ermu­ti­gen, den Weg zuver­sicht­lich und tat­kräf­tig bis zum Ende zu gehen. So möge unser mensch­li­cher Lebens­weg immer auch ein wenig von einem „Hirschfelder-Weg“ an sich haben.

 

Vor­trag von Hugo Goeke auf Ein­la­dung von Bischof Dec für die Pries­ter, Mitarbeiter/innen und Gäste des pol­ni­schen Bis­tums Swid­nica (Schweidnitz) in Glatz am 22. Sep­tem­ber 2011. 

Thema: Gesell­schaft­li­che Impli­ka­tio­nen des Lebens und der Tätig­keit des Seli­gen Kaplans Ger­hard Hirsch­fel­der (hier ankli­cken)

 

Leben, Wir­ken, Lei­den und Ster­ben des Seli­gen Kaplans Ger­hard Hirsch­fel­der ent­hal­ten eine Fülle von per­sön­li­chen, für das indi­vi­du­elle Leben wert­volle  Impli­ka­tio­nen, die den Gläu­bi­gen unse­rer Zeit und vor allen heu­ti­gen jun­gen Pries­tern Lebens- und Glau­bens­per­spek­ti­ven bie­ten könn­ten. Über die würde ich auch gern reden.

Aber Sie haben gezielt nach gesell­schaft­li­chen Impli­ka­tio­nen gefragt. Daher will ich mich auf diese beschrän­ken. Und aus der Fülle gesell­schaft­li­cher Impli­ka­tio­nen möchte ich vier aus­wäh­len, um Sie anzu­re­gen, sel­ber nach wei­te­ren zu suchen.

1.     Eine erste Impli­ka­tion ergibt sich aus dem gesell­schaft­li­chen Feld, in dem Ger­hard Hirsch­fel­der gezeugt und gebo­ren wird, und in dem er auf­wächst. Eine junge, unver­hei­ra­tete Frau bringt ein Kind zur Welt, ernährt und erzieht es. Der Vater bekennt sich weder in der Fami­lie und in der Ver­wandt­schaft noch in der Öffent­lich­keit zu sei­nem Kind. Auch von einer Unter­stüt­zung ist nichts bekannt. Der Junge fin­det sei­nen Weg.

 

1.1  Eine ledige Mut­ter

In Glatz wird am 13. Dezem­ber 1881 – also im Dezem­ber die­ses Jah­res vor 130 Jah­ren – Maria Hirsch­fel­der gebo­ren. Am 17. Februar 1907 schenkt sie als ledige Mut­ter einem Kind das Leben. Sie ist 25 Jahre alt. Das Kind wird getauft auf die Namen Ger­hard, Fran­zis­kus, Johan­nes.

Die junge Frau Maria Hirsch­fel­der ist Gerede und Dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­setzt. Sie steht zu ihrem Kind. Durch beruf­li­che Tätig­keit erwirbt sie Ein­kom­men für sich und für das Kind. So macht sie eine Aus­bil­dung zur Mode­schnei­de­rin. Nach­barn und Bekannte ste­hen ihr zur Seite. Sie laden den Jun­gen zu Mahl­zei­ten ein.

Die allein­er­zie­hende Mut­ter ermög­licht ihrem Kind den Besuch der Höhe­ren Schule. So geht der Junge Ger­hard nach Been­dung des 1. Welt­kriegs im Jahre 1919 zum Staat­li­chen katho­li­schen Gym­na­sium sei­ner Hei­mat­stadt Glatz.

Im glei­chen Monat, in dem Ger­hard Hirsch­fel­der von sei­ner ers­ten Kaplan­stelle in Tscher­be­ney nach Habel­schwerdt wech­selt, fällt der tra­gi­sche Tod sei­ner Mut­ter am 16. Februar 1939. Sie nimmt sich in der Neisse das Leben.

Im Nach­lass des Kaplans fin­den sich heute nicht mehr erhal­tene letzte Briefe der Mut­ter. „Der Inhalt ist sehr ver­wor­ren, sie zit­tert gera­dezu in Angst um den Sohn“, so berich­tet der dama­lige Pfar­rer Lan­ger.

Haben Sor­gen und Nöte die allein­er­zie­hende Mut­ter erdrückt? Hat sie unter Miss­ach­tung oder unter ver­wei­ger­ter Aner­ken­nung gelit­ten? Haben unüber­wind­li­ches Leid und Angst um den Sohn sie in den Tod getrie­ben?

 

1.2 Der unehe­li­che Sohn

Er fin­det seine Lebens­chance mit Hilfe der Mut­ter, die ihm den Weg zum Gym­na­sium ermög­licht. Er gewinnt mensch­li­che Reife in der kirch­li­chen Jugend­be­we­gung „Quick­born.“ Und er kann sei­ner Beru­fung zum Pries­ter fol­gen, indem die Kir­che über ihren Schat­ten springt und ihm Dis­pens erteilt vom Wei­he­hin­der­nis der unehe­li­chen Geburt.

Der Tod der Mut­ter muss große Betrof­fen­heit bei dem Sohn aus­ge­löst haben. Die Ver­bin­dung zu sei­ner Mut­ter war sehr innig, wie aus spä­te­ren Brie­fen an Ver­wandte her­vor­geht. Ger­hard ver­liert seine fami­liäre Gebor­gen­heit. Er ver­sinkt jedoch nicht in untröst­li­che Trauer. Er fin­det Halt in sei­nem christ­li­chen Glau­ben. Dass seine Mut­ter kirch­lich beer­digt wird, mag ihm auch ein wenig Trost und Hoff­nung gege­ben haben.

Am Tag vor sei­nem Abtrans­port vom Gefäng­nis in Glatz in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau, am 14. Dezem­ber 1941, schreibt er an seine Cou­sine Maria: „Ges­tern am Geburts­tag mei­ner lie­ben Mut­ter habe ich ihr statt des hl. Mess­op­fers mein Tagesop­fer geschenkt. Ich glaube ganz fest, dass uns unsre lie­ben Ver­stor­be­nen nicht ver­las­sen. Aber es ist recht gut, dass Mut­ter jetzt die Angst um mich nicht mit­zu­er­le­ben braucht. Vom Gesichts­punkt der Ewig­keit her sieht ja alles irdi­sche Leid ganz anders aus. So ver­su­che ich auch mit mei­nem Lose fer­tig zu wer­den und es christ­lich zu tra­gen.“

Die­ser Hin­weis zeigt, wie Ger­hard Hirsch­fel­der spi­ri­tu­ell sein Leid ver­ar­bei­tet. Er erträgt es nicht im stil­len Dul­den, son­dern er akti­viert seine geis­ti­gen und geist­li­chen Kräfte, indem er „für“ die Mut­ter die Las­ten des Tages erträgt. So ver­leiht er dem stump­fen Tag Sinn und bewäl­tigt ihn.

 

1.3 Der leib­li­che Vater

Der leib­li­che Vater von Ger­hard Hirsch­fel­der ist Oswald Wolff. Er ist ein wohl­ha­ben­der Kauf­mann in Glatz. Neben einem Lebens­mit­tel­ge­schäft besitzt er noch zwei wei­tere Geschäfte. So sagte es mir die letzte sei­ner heute noch leben­den Schwie­ger­töch­ter am Tag der Selig­spre­chung von Ger­hard Hirsch­fel­der in Müns­ter bei einer ein­drucks­vol­len Begeg­nung.

Gut acht Monate nach der Geburt von Ger­hard Hirsch­fel­der hei­ra­tet der leib­li­che Vater. Das Ehe­paar Wolff bekommt zwei Töch­ter und drei Söhne. Oswald Wolff stirbt im Jahr 1963 und seine Frau Olga im Jahr 1965.

Es tau­chen viele Fra­gen auf. Haben der Vater Oswald Wolff und seine Frau Olga den Weg von Ger­hard Hirsch­fel­der mit­ver­folgt? Wie wird ihnen zumute gewe­sen sein, als sie von sei­ner Ent­schei­dung hören, dass er Pries­ter wer­den möchte? Was mag in ihnen vor­ge­gan­gen sein an den Tagen sei­ner Pries­ter­weihe und Pri­miz? Haben sie viel­leicht selbst an den Fei­er­lich­kei­ten teil­ge­nom­men? Wie wird es sie getrof­fen haben, als sie vom sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau hören? Ist der Vater viel­leicht dabei gewe­sen, als die Urne mit sei­ner Asche auf dem Fried­hof in Grenz­eck beige­setzt wird?

Nach Aus­kunft sei­ner heute noch leben­den Schwie­ger­toch­ter war ihr Schwie­ger­va­ter ein sehr gestren­ger Mann. Ihre Schwie­ger­mut­ter hat sie infor­miert über einen unehe­li­chen Sohn ihres Schwie­ger­va­ters. Die­ser sei Pries­ter gewor­den und im Zwei­ten Welt­krieg gefal­len. In der Fami­lie durfte nicht über das unehe­li­che Kind gespro­chen wer­den. Selbst ihr Mann erlaubte ihr nicht, mit ihm dar­über zu reden. Erst im Rah­men des Selig­spre­chungs­pro­zess hat sie vom Weg des unehe­li­chen Kin­des ihres Schwie­ger­va­ters erfah­ren.

Da Oswald Wolff in Glatz ein bekann­ter Kauf­mann ist, ist zu ver­mu­ten, dass Ger­hard ihn gekannt hat. Es gibt jedoch kei­ner­lei Hin­weise dar­auf, ob er wusste, dass er sein leib­li­cher Vater ist.

 

1.4  Ger­hard Hirsch­fel­ders Anfrage an Kir­che und Gesell­schaft heute

Im Hin­blick auf die Mut­ter

Der Mut einer ledi­gen Frau, ihrem Kind das Leben zu schen­ken ver­dient Aner­ken­nung und Respekt. Eine allein­er­zie­hende Mut­ter, die zu ihrem Kind steht, braucht Aner­ken­nung und Unter­stüt­zung. Müt­ter­li­che und beruf­li­che Erfül­lung erleich­tern ihr das Leben. Das mensch­li­che Umfeld kann Leben oder Tod eines Men­schen bedeu­ten.

 

Im Hin­blick auf das Kind

Jedes ein­zelne Kind die­ser Erde bedarf der Auf­merk­sam­keit. Es braucht Start­hilfe ins Leben in Ernäh­rung, Erzie­hung und Aus­bil­dung. Kin­der müs­sen die Erfah­rung machen, dass sie erwünscht sind. Nicht allein eine intakte Fami­lie ver­mit­telt die­ses posi­tive Lebens­ge­fühl. Ent­schei­dend ist auch eine kin­der­freund­li­che Gesell­schaft.

Doch alle mensch­li­che, soziale und cari­ta­tive Hilfe darf nicht die Eigen­kräfte des Kli­en­ten über­de­cken oder läh­men. Sie muss immer der Ermu­ti­gung die­nen, die eige­nen Kräfte des Kli­en­ten zur Ent­fal­tung zu brin­gen. Ger­hard Hirsch­fel­der ist ein Mus­ter­bei­spiel für den Men­schen, der Hilfe annimmt und gleich­zei­tig seine eige­nen Kräfte ziel­ge­rich­tet zur Ent­fal­tung bringt.

 

Im Hin­blick auf den Vater

Beim leib­li­chen Vater ist zu fra­gen, ob tra­di­tio­nelle und religiös-kirchliche Vor­stel­lun­gen von Ehe und Fami­lie, ihm ver­wehrt haben, sich zu dem unehe­li­chen Kind zu beken­nen und es zu unter­stüt­zen.

Natür­lich blei­ben Ehe und Fami­lie die uner­setz­ba­ren Grund­la­gen der Gesell­schaft. Wer auch immer die­sen Vor­stel­lun­gen nicht ent­spricht und guten wil­lens ist, der braucht Respekt, der ihm Leben in Würde ermög­licht. Jeder lädt in sei­nem Leben und in sei­nem Tun Ver­ant­wor­tung auf sich, der er sich zu stel­len hat. Aber auch der Schul­dige braucht eine neue Lebens­chance.

 

1.5 Über­le­gung

Es folgt gleich eine Runde zum Thema: „Der selige Ger­hard – Patron neuer sozial-religiöser Werke im Glat­zer Land“.

Wäre Ger­hard Hirsch­fel­der nicht ein guter Patron für Allein­er­zie­hende, für Kin­der, die ohne intakte Fami­lie auf­wach­sen, für Men­schen, die unter Fami­li­en­schick­sa­len lei­den?

Viel­leicht sind defi­zi­täre Kindheits- und Fami­li­en­er­fah­run­gen von Ger­hard Hirsch­fel­der mit ein Grund, dass er sich als Kaplan und Jugend­seel­sor­ger gerade Kin­dern und Jugend­li­chen zuwen­det.

 

2.     Eine zweite Impli­ka­tion ergibt sich aus der land­schaft­li­chen und geschicht­li­chen Lebens­welt, in die Ger­hard Hirsch­fel­der hin­ein­wächst und in der er lebt.

 

2.1 Die Land­schaft

Das Glat­zer Land ist von viel­fäl­ti­ger Schön­heit. Gestal­tende Hände vor­he­ri­ger Bewoh­ner haben Zeug­nisse ihres hand­werk­li­chen, wirt­schaft­li­chen, künst­le­ri­schen und kul­tu­rel­len Wir­kens hin­ter­las­sen. Land­wirt­schaft und Indus­trie mit Holz und Kohle haben den Men­schen die­ses Lan­des ein gesi­cher­tes Ein­kom­men ermög­licht. Bäder laden ein zu Kur und Erho­lung. Wall­fahrts­orte füh­ren die Men­schen im Glau­ben zusam­men.

Ger­hard Hirsch­fel­der ist durch diese Land­schaft und ihr Brauch­tum geprägt. Er hat die­ses Land geliebt. Schon als Schü­ler ver­tieft sich seine Liebe zu sei­ner  natür­li­chen Umwelt in der nach dem Zwei­ten Welt­krieg auf­blü­hen­den Jugend­be­we­gung „Quick­born.

Die Bezeich­nung Quick­born – ursprüng­lich der Titel einer damals sehr bekann­ten, im Jahr 1852 erschie­ne­nen, platt­deut­schen Gedicht­samm­lung des nie­der­deut­schen Lyri­kers und Schrifts­el­lers Klaus Groth (1819 –1899) – bringt das Leben­dige, Spru­delnde eines Brun­nens

zum Aus­druck. So ist der Name Sym­bol für „das Empor­drän­gen und Aus­strö­men ech­ten, star­ken Jugend­geis­tes und Jugend­le­bens.“ Quick­born ist eine moderne, der Schöp­fung und dem Men­schen zuge­wandte Orga­ni­sa­tion. Aus­flüge in das hei­mat­li­che Land ver­stär­ken die Ver­bun­den­heit mit der Natur und wecken die Liebe zur Hei­mat. Die Ver­bun­den­heit mit der Natur und den Men­schen sei­ner Hei­mat beglei­ten Ger­hard Hirsch­fel­der bis zu sei­nem schmerz­li­chen Ende im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger.

 

2.2            Die Geschichte

Vor­fah­ren Ger­hard Hirsch­fel­ders u. a. aus dem Fran­ken­land und aus Thü­rin­gen haben das Land besie­delt und Land­flä­chen nutz­bar gemacht. Daran erin­nern ihn Städte- und Fami­li­en­na­men wie „Fran­ken­stein“ und „Franke“.

Bereits Mitte des 9. Jahr­hun­derts wird das Land chris­tia­ni­siert und gehört zu dem von Boni­fa­tius im Jahr 739 gegrün­de­ten Bis­tum Regens­burg. Eine erste christ­li­che Kir­che und eine dazu­ge­hö­rige Gemeinde in Glatz gibt es bereits um das Jahr 995.

Der Name „Graf­schaft Glatz“ ent­steht, als im Jahr 1459 Georg von Podie­b­rad (1420 – 1471) zum König von Böh­men gewählt wird. Er über­trägt sei­nem Sohn Hein­rich das Glat­zer Gebiet. Die­ser nimmt in Glatz sei­nen Wohn­sitz, macht den Ort zur Haupt­stadt und baut die Burg um zu einem Schloss.

Im Jahr 1597 kom­men die ers­ten Jesui­ten in die Graf­schaft. Im Frie­den von Bres­lau im Jahr 1742 kommt Schle­sien mit der Graf­schaft Glatz erst­mals zu Preu­ßen. Der Natio­nal­so­zia­lis­mus sucht kon­se­quent das katho­li­sche religiös-kirchliche Leben zu unter­drü­cken.

Im Jahr 1946 müs­sen die Bewoh­ner der Graf­schaft Glatz und der übri­gen deut­schen Ost­ge­biete ihre Hei­mat ver­las­sen. Pol­ni­sche Bür­ger und Bür­ge­rin­nen aus Ost­po­len über­neh­men das Land. Orte und Städte erhal­ten pol­ni­sche Namen.

Kirch­lich gehört die Graf­schaft Glatz bis zum Jahr 1972 zum Erz­bis­tum Prag. Nach einer kur­zen Zuge­hö­rig­keit zum Erz­bis­tum Bres­lau ist die Graf­schaft Glatz seit dem Jahr 2004 Teil des neu gegrün­de­ten pol­ni­schen Bis­tums Swid­nica.

Die Geschichte die­ses Lan­des ist auch Ger­hard Hirsch­fel­ders Geschichte. Sie hat seine Lebens­li­nien mit­be­stimmt.

 

2.3 Ger­hard Hirsch­fel­ders Anfrage an Kir­che und Gesell­schaft heute

Im Hin­blick auf das Land

Wer nicht bereits als Kind die Hei­mat ver­lässt, bei dem macht auch die Land­schaft mit all ihren Aus­fä­che­run­gen in Natur, Brauch­tum, Hand­werk und Kunst, ja, da machen auch der Him­mel und der Boden einen gro­ßen Anteil sei­ner Per­sön­lich­keit aus. Einen hei­mi­schen Lebens­ort zu haben, gehört zu den Ursehn­süch­ten des Men­schen und zu sei­nen Rechts­an­sprü­chen. Der Ver­lust des Lan­des schmerzt. Der Mensch ver­liert einen Teil sei­nes Selbst.

Und die Über­nahme eines Lan­des erfor­dert ein Hin­ein­wach­sen in den neuen Lebens­ort mit all den Anfangs­schwie­rig­kei­ten, bis das neue Land zur Hei­mat wird.

 

Im Hin­blick auf die Geschichte

Auch die Geschichte eines Lan­des gehört zur Lebens­ge­schichte jedes Ein­zel­nen. Tren­nung von der Geschichte bedeu­tet Ampu­ta­tion der eige­nen Lebens­ge­schichte.

Neu­bür­ger eines Lan­des dage­gen begin­nen immer eine neue Lebens­ge­schichte. Sie tre­ten aber auch immer in Ver­bin­dung mit der Geschichte, die sich in ihrem neuen Lebens­raum abge­spielt hat.

 

2.4 Über­le­gung

Gewalt­same Aus­ein­an­der­set­zun­gen um den Lebens­ort sind tabu. Ger­hard Hirsch­fel­der hat immer sei­nen Lebens­ort geteilt. In der Seel­sorge lebt er mit Men­schen ver­schie­de­nen Stan­des und ver­schie­de­ner Her­kunft. Im Gefäng­nis und im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger teilt er sein Leben mit Men­schen, die ihm von aller­or­ten und mit je eige­ner Geschichte auf den Weg geschickt wer­den.

Soll­ten nicht im Lande Hirsch­fel­ders mensch­li­ches Mit­ein­an­der und Ver­söh­nung darin zu fin­den sein, dass sich alte und neue Bewoh­ner dem Land und sei­ner Geschichte ver­bun­den füh­len? Sie sind ver­bun­den in der Erin­ne­rung, in der Begeg­nung und in der Gast­freund­schaft. Sie sind ver­bun­den in der Liebe zum Land und sei­ner Geschichte, in der Pflege des Lan­des und in der Bewah­rung sei­ner Geschichte. Jeder hütet das, was nicht nur ihm, son­dern was auch dem ande­ren wert­voll ist. Jeder kann sich darum bemü­hen, hei­mat­li­che Ver­bun­den­heit mit­ein­an­der zu spü­ren; denn unser aller wahre „Hei­mat aber ist im Him­mel“ (Phil 3:20). Dort wer­den wir für immer „das Land besit­zen“ (Mt 5:5).

Ger­hard Hirsch­fel­der könnte Patron sein für Hei­mat­lose und für Hei­mat­su­chende. Er könnte Patron sein für Polen, Tsche­chen und Deut­sche im Hin­blick auf Frie­den und Ver­söh­nung. Er könnte Patron sein für die Völ­ker Euro­pas, die auf neuen Wegen ihre Ein­heit suchen und in Ver­bun­den­heit zu leben ver­su­chen, damit alle Gast sein kön­nen auf die­ser Erde. Er könnte Patron sein für eine Neu­mis­sio­nie­rung vor allem der Jugend Euro­pas.

 

3.     Eine dritte Impli­ka­tion ergibt sich aus der Glaubens- und Lebens­über­zeu­gung, die in Leben und Tätig­keit von Ger­hard Hirsch­fel­der Aus­druck fin­det.

 

3.1 Der Weg zum Pries­ter

Ger­hard Hirsch­fel­der erwirbt sich durch seine Mit­ar­beit in der Quick­born­be­we­gung Füh­rungs­qua­li­tä­ten. Dazu gehö­ren sicher seine Offen­heit für junge Men­schen, für Jun­gen wie für Mäd­chen, seine Zuge­wandt­heit zur Natur, sein Sinn für Lit­ur­gie, seine Gesel­lig­keit und Fröh­lich­keit und seine Liebe zur Musik und zur Gitarre. Sein Selbst­be­wusst­sein und seine Füh­rungs­stärke dürf­ten in die­ser Bewe­gung Kräf­ti­gung und Sicher­heit gefun­den haben. Als Kurs­spre­cher im Theo­lo­gen­kon­vikt in Bres­lau über­nimmt er wäh­rend des Stu­di­ums Ver­ant­wor­tung und setzt sich für seine Kurs­kol­le­gen ein.

Er weiß sich schon früh zum Pries­ter beru­fen. So führt ihn sein Weg in das Theo­lo­gen­kon­vikt in dem benach­bar­ten Bis­tum Bres­lau, in jene Stadt, in der Edith Stein, eben­falls eine Ver­folgte des Nazi­re­gimes und eine hei­lig­ge­spro­chene Mär­ty­rin, am 12. Okto­ber 1891 gebo­ren wurde.

Lange muss er auf die römi­sche Dis­pens vom Wei­he­hin­der­nis der unehe­li­chen Geburt war­ten, so dass er nicht mit den Jahr­gangs­kol­le­gen zum Sub­dia­kon und zum Dia­kon geweiht wer­den kann. Zusam­men mit sei­nen Studien- und Kurs­kol­le­gen wird er dann am 31. Januar 1932 im Dom zu Bres­lau zum Pries­ter geweiht. Auf sei­nem Pri­miz­bild ste­hen die Worte: „Chris­tus, unser Oster­lamm ist geschlach­tet, Alle­luja.“ Das Motto sei­nes Pri­miz­bil­des wird ihm Leit­wort für sein Leben und für sei­nen Dienst. Ahnt er, was die­ses Wort in sei­ner gan­zen Fülle und Tiefe für ihn bedeu­ten kann?

Nicht in sei­nem Hei­mat­ort, son­dern in der Ver­ban­nung, im einem sie­ben Kilo­me­ter ent­fern­ten Klos­ter in Bad Lan­ge­nau fei­ert er seine Pri­miz. Viel­leicht ist diese Feier sogar von grö­ße­rer und tie­fe­rer Wahr­haf­tig­keit erfüllt als jene pracht­er­füll­ten Fei­ern eini­ger sei­ner Wei­he­kol­le­gen. Darf man diese Feier auch deu­ten als unbe­wusste Ein­übung in schmerz­li­che Ein­schrän­kun­gen, die ihm bald von außen her auf­er­legt wer­den?

 

3.2 Als Kaplan

Er weiß sich von Gott „an den Platz gestellt“. Dort­hin, wo er lebt und wirkt, ist er von Gott beru­fen und geführt. Das ist der Kern sei­nes pries­ter­li­chen Selbst­ver­ständ­nis­ses. So beginnt er im land­schaft­lich reiz­vol­len Grenz­eck (bis 1938 Tscher­be­ney, tsche­chisch) seine pries­ter­li­che Tätig­keit. Hat der Kaplan „ohne Vater“ und „ohne Fami­lie“ die nötige Rei­fung? Hat er als unehe­lich Gebo­re­ner Cha­rak­ter­schwä­chen geerbt?

Nach zwei Jah­ren schreibt sein Pfar­rer an den Gene­ral­vi­kar: „Ich habe noch kei­nen Kaplan gehabt, der zu volls­ter Zufrie­den­heit und zuver­läs­sigs­ter Gewis­sen­haf­tig­keit arbei­tet wie er. Man kann ihn wie einen Bru­der gern haben. Ich bitte, mir die­sen Kaplan zu las­sen.“

Ein Jahr ist Ger­hard Hirsch­fel­der als Pries­ter tätig, als die Natio­nal­so­zia­lis­ten die Regie­rung in Deutsch­land über­neh­men. Die neuen Macht­ha­ber suchen mit ihrer Idee der Volks­ge­mein­schaft vor allem die Jugend­li­chen und auch schon die Kin­der zu beein­flus­sen und für sich zu gewin­nen. Sie sehen von Anfang an in dem Kaplan einen gefähr­li­chen Kon­kur­ren­ten. So ist der bei Kin­dern, Jugend­li­chen und Erwach­se­nen beliebte Pries­ter und Seel­sor­ger den neuen Macht­ha­bern schon bald ein Dorn im Auge sein.

Er warnt von Anfang an die gläu­bi­gen Chris­ten vor der Gefahr, die durch die brau­nen Macht­ha­ber auf sie zukommt. Er wird nach einem Unter­richts­abend über­fal­len und dabei übel zuge­rich­tet. „Kin­der, ich kann nicht anders, wenn ich sehe, was sich gegen die Kir­che und gegen die Men­schen­würde tut, ich muss es von Her­zen los wer­den“, sagt er zu Jugend­li­chen. Gesund­heit­lich pla­gen ihn  Herz­mus­kel­schwä­che und Stö­run­gen der Herz­kranz­ge­fäße.

 

3.3 Ver­folgt

„Plötz­lich und unein­ge­la­den“ kommt eines Tages der Orts­grup­pen­lei­ter zu einer Jung­män­ner­ver­samm­lung im Zim­mer des Kaplans und macht Auf­la­gen. Sodann wird ihm ein­mal auf­er­legt, den Gruß „Heil Hit­ler“ zu spre­chen selbst in den intims­ten Berei­chen der Kir­che, im Beicht- und Kom­mu­ni­onun­ter­richt im Kir­chen­raum. Seine Woh­nung wird durch­sucht. Vie­les wird beschlag­nahmt.

Ger­hard Hirsch­fel­der rea­giert nicht unkon­trol­liert und emo­tio­nal. Er bleibt beson­nen und nimmt geschickt sein Recht in Anspruch. Er holt sich Hilfe bei den Vor­ge­setz­ten.

In sei­ner zwei­ten Stelle in der grö­ße­ren Gemeinde Habel­schwerdt ab Februar 1939 wird er bald ernannt zum Diö­ze­san­ju­gend­seel­sor­ger.

 Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen spit­zen sich zu, zumal sich mehr als 2000 Jugend­li­che bei gro­ßen Wall­fahr­ten ver­sam­meln. Die Natio­nal­so­zia­lis­ten füh­len sich pro­vo­ziert und ins Abseits gestellt. Daher gehen sie immer heim­tü­cki­scher vor. Sie pro­vo­zie­ren, indem sie einen baro­cken Sand­stein­bild­stock auf der Wus­tungs­pro­me­nade zer­stö­ren.

Jetzt drängt es Ger­hard Hirsch­fel­der, in der Öffent­lich­keit den Mund auf­zu­tun. Am Sonn­tag nach der Untat, am 27. Juli 1941, besteigt er im Rah­men der Eucha­ris­tie­feier die Kan­zel zur Pre­digt. Er nimmt Bezug auf das Ereig­nis, das noch viele Got­tes­dienst­be­su­cher bewegt und sagt unter ande­ren das Wort: „Wer der Jugend den Glau­ben an Chris­tus aus dem Her­zen reißt, ist ein Ver­bre­cher.” Er bezeich­net die von den Natio­nal­so­zia­lis­ten betrie­bene gezielte Ent­frem­dung der Jugend von der Kir­che als Ver­bre­chen.

 

3.4 Gefan­gen

Es kommt, wie es kom­men musste. Die in der Jugend­ar­beit enga­gierte Inge­borg Schu­ma­cher, geb. Alt, berich­tet: „Am 1. August 1941 hat­ten wir im Ver­eins­haus Jugend­stunde. Dann ging plötz­lich die Tür auf. Zwei Her­ren in Zivil tra­ten ein und zeig­ten Pater Hirsch­fel­der eine Marke. Er sagte nur kurz: `Mädels, geht nach Hause´! Zu einem der Mäd­chen sagte er noch: `Bete für mich´.“

Etwa fünf oder sechs Mäd­chen fol­gen den Män­nern, die zu Fuß zum Pfarr­haus gehen. Sie ver­ste­cken sich in einer der Nischen der Kir­che und war­ten. Dann kom­men die bei­den Gesta­po­leute mit Pater Hirsch­fel­der aus dem Pfarr­haus. Er trägt seine Akten­ta­sche bei sich und sei­nen Man­tel über dem Arm. Sie bestei­gen einen Pkw und fah­ren davon. Die Mädels sehen ihn nie wie­der.

 

3.5 Ger­hard Hirsch­fel­ders Anfrage an Kir­che und Gesell­schaft heute

Im Hin­blick auf sein Leben und seine Tätig­keit

Die Welt braucht Men­schen, die selbst über­zeugt sind und andere über­zeu­gen. Jede Über­zeu­gung braucht jedoch einen tra­gen­den Grund. Die­ser Grund ist für Ger­hard Hirsch­fel­der Jesus Chris­tus. Wenn auch der Lebens­weg nicht immer glatt ver­läuft, der Glau­bende weiß: „Gott schreibt auch auf krum­men Zei­len grade.“

Men­schen mit christ­li­cher Über­zeu­gung braucht die Gesell­schaft. Muti­ges Ein­tre­ten für seine Lebens- und Glau­bens­über­zeu­gung ist das Ver­mächt­nis von Ger­hard Hirsch­fel­der. Jede mensch­li­che All­macht, die den Men­schen und die Gesell­schaft zu mani­pu­lie­ren ver­sucht, braucht den Wider­stand muti­ger Ver­fech­ter eines Lebens­grun­des, über den Men­schen nie­mals ver­fü­gen dür­fen. Lebens- und Glau­bens­über­zeu­gung ist nie­mals bil­lig zu haben. Sie kann den Ein­satz des Lebens for­dern.

Dabei ist blin­der Ein­satz ver­hee­rend. Beson­nen­heit und Nüch­tern­heit brin­gen wei­ter als rast­lo­ser Eifer.

 

3.6 Über­le­gung

Ger­hard Hirsch­fel­der könnte Patron sein der Men­schen, die sich in muti­ger Aus­ein­an­der­set­zung in Gesell­schaft und Poli­tik für eine bes­sere Welt ein­set­zen. Seine Beson­nen­heit und Sach­lich­keit sind Vor­bild. Seine Ein­satz­be­reit­schaft und sein Durch­hal­te­ver­mö­gen ermu­ti­gen.

4.     Eine vierte Impli­ka­tion ergibt sich aus Ger­hard Hirsch­fel­ders Opfer­gang. Er stirbt mit sich, mit Gott und mit der Welt ver­söhnt.

 

4.1 Ver­trauen im Lei­den

Was geht im Gefäng­nis in Ger­hard Hirsch­fel­der vor, des­sen Weg so plötz­lich durch­kreuzt wird? Ohne Ver­hör bleibt er bis zum 15. Dezem­ber 1941 in Glatz in Gefäng­nis­haft. Briefe wer­den zurück­ge­hal­ten mit dem Ver­merk: „Eine der­art starke Kor­re­spon­denz ist uner­wünscht.“

Dann errei­chen erste Briefe seine Ver­wand­ten. „Es sind Eure Nach­rich­ten immer kleine Freu­den­fun­ken in der Fins­ter­nis, auch – wenn sie manch­mal das Herz zuerst noch schwe­rer machen… Bitte ängs­tigt Euch nicht, Gott ver­lässt mich nicht, des bin ich sicher.“ Aus die­sen Wor­ten spricht umfas­sende Ver­söh­nung.

Am „15. Dezem­ber 1941, um 16.30 Uhr wird er nach dem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau über­führt“, so lau­tet eine Notiz im Glat­zer Gefäng­nis.

Eine letzte Begeg­nung mit zwei Mit­brü­dern auf dem Weg zum Bahn­hof. Sie berich­ten: „Kaplan Hirsch­fel­der hatte nur einen dün­nen Man­tel an. Es war sehr kalt. Wir reich­ten ihm für einen kur­zen Augen­blick die Hand. Ich streifte schnell meine wär­men­den Hand­schuhe von den Hän­den und gab sie ihm. Er nahm sie dan­kend an. Seine letz­ten Worte waren: `Nu  macht`s ock gutt.´“

Er wird unter­ge­bracht im Pries­ter­block in Dachau. Dort ist er die Num­mer  28 9 72. Die Pries­ter müs­sen die mit Suppe gefüll­ten Kübel zur Essens­stelle aus­zu­tra­gen. Als der lange Krieg immer mehr Arbeits­kräfte für die Kriegs­pro­duk­tion erfor­dert, wer­den die Pries­ter den Arbeits­kom­man­dos zuge­teilt.

Sie müs­sen die umlie­gen­den Fel­der, die „Plan­tage“, beackern oder in der „Kies­grube“ schwere Arbeit ver­rich­ten, auch bei Regen und Unwet­ter. An man­chen Tagen ste­hen sie abends  beim Appell über eine Stunde im Regen. Da ihnen keine Wäsche zum Wech­seln geblie­ben ist, geht es am nächs­ten Mor­gen in feuch­ter Klei­dung wie­der an die Arbeit.

 

4.2 Auch im Lei­den für andere dasein

Ger­hard Hirsch­fel­der wird auf­ge­tra­gen, auf einer Obst­plan­tage den Dienst als „Hilfs­kapo“ zu über­neh­men. Hirsch­fel­der pflanzt sich bei der Feld­ar­beit in der Nähe der Sträu­cher auf, und wäh­rend er uns vor dem `Miss­brauch´ die­ser Gewächse schützt, hält er die Hände auf dem Rücken und pflückt von den Bee­ren, was er errei­chen kann und gibt sie den Mit­ge­fan­ge­nen.

In vier­zehn­tä­gi­gen Brie­fen hält er die Ver­bin­dung zu sei­nen Ver­wand­ten in Sackisch und zu Pfar­rer Adolf Lan­ger auf­recht. Er trös­tet sie, und sie stär­ken ihn. Die Briefe sind Brü­cken, die ver­bin­den und auf­rich­tende Bot­schaf­ten über den tren­nen­den und unüber­wind­li­chen Gra­ben brin­gen. „Täg­lich wohl 100 mal denke ich an Euch“, schreibt er an sei­nen Mit­bru­der Pfar­rer Adolf Lan­ger:

Ich „opfere alles für Euch auf. Sagt auch allen mei­nen Wohl­tä­tern, dass sie stets in mein Tage­werk ein­ge­schlos­sen sind.“ Er lebt sein Leben für die „Erst­kom­mu­ni­on­kin­der“, für die „Pfarr­ge­meinde in Habel­schwerdt“. Er macht sich dadurch auch in die­ser erzwun­ge­nen Lage „für andere, für die Kir­che, ver­füg­bar“.

 

4.3 Ohne Ver­bit­te­rung

Ger­hard Hirsch­fel­der ver­bit­tert nicht im Lager. So wie er in sei­ner seel­sorg­li­chen Tätig­keit sich den Men­schen zuwen­det und ihre Sor­gen und Anlie­gen ver­nimmt, so lässt er auch die Not sei­ner Mit­ge­fan­gen an sich her­an­kom­men. Auch mit ihnen teilt er sein Leben, sei­nen Hun­ger und seine Bedräng­nisse.

Ger­hard Hirsch­fel­der schreibt: ,,Unse­ren wirk­li­chen see­li­schen Reich­tum kann ja die Welt nicht erken­nen. Und so kann der Christ, beson­ders der Pries­ter, der immer fröh­li­che Mensch sein, weil Chris­tus, für den wir leben, nicht zu töten ist… So wer­den wir auch nie von der Welt ver­stan­den wer­den; immer wird sie mei­nen, wir wären besiegt. In Wirk­lich­keit hat Chris­tus den Sieg errun­gen.“

Am 2. Juli 1942 schreibt er: „Es ist hier doch immer wie­der ein Trost, dass keine Stunde, ob schwer, ob freu­dig, ver­lo­ren ist, so kann man der lie­ben Gemeinde doch noch nut­zen, auch wenn man weit ent­fernt ist.“

 

4.4 Die Hin­gabe

Am 24. Juli 1942, am zwei­ten Tage nach sei­ner Krank­mel­dung, wird er in das Lager­kran­ken­re­vier ver­legt. Dort stirbt er am 1. August 1942. Ein Mit­bru­der gibt ihm beim Heim­gang zu Gott geist­li­chen Bei­stand. Leben, Lei­den und Miss­hand­lun­gen im Lager haben ihn völ­lig erschöpft.

Nüch­tern heißt es in dem Toten­schein: „Am 1. August 1942 ver­starb der 35jährige Pries­ter in Dachau an den Fol­gen einer Rip­pen­fel­l­ent­zün­dung. Die Lei­che wurde im dor­ti­gen Kre­ma­to­rium ein­ge­äschert und die Asche der Fami­lie des Ver­stor­be­nen in Sackisch über­sandt.“

Auf dem Toten­zet­tel ober­halb des Fotos von Ger­hard Hirsch­fel­der ste­hen in latei­ni­scher Spra­che die Worte aus Psalm 126: „Die in Trä­nen säen, sie wer­den ern­ten in Jubel.”

 

4.5 Über den Tod hin­aus

Ger­hard Hirsch­fel­der sel­ber hat die Anord­nung hin­ter­las­sen: „Auf mein Grab wird nur (unter­stri­chen) ein Holz­denk­mal gesetzt. Es trägt das Bild Christi des Pries­ter­kö­nigs; dar­un­ter Kaplan Ger­hard Hirsch­fel­der, geb. 17. 2. 1907, geweiht 31. 1. 1932, gest. … Das Bild Christi des Pries­ter­kö­nigs über sei­nem Grab ist Zei­chen von Ein­heit und Ver­söh­nung, die Jesus durch sein Leben, Lei­den und Ster­ben den Men­schen gebracht hat.

Nach dem Krieg eröff­net ein gro­ßes Ver­söh­nungs­er­leb­nis den Weg Ger­hard Hirsch­fel­ders in eine neue Zeit. Es ist die Fort­set­zung sei­nes Wir­kens über den Tod hin­aus.

Im Nach­kriegs­jahr bezie­hen pol­ni­sche Bür­ger und Bür­ge­rin­nen Häu­ser und Woh­nun­gen der Deut­schen. Drei Män­ner und eine Frau kom­men in ein Haus, und sie sehen im Wohn­zim­mer das Bild von Kaplan Hirsch­fel­der. Vor allem ein Mann wird plötz­lich ganz still und nach­denk­lich. Er sieht sich immer wie­der das Bild an und sagt dann: „Der Mann ist ein Hei­li­ger, mit dem war ich im KZ.“

Dann gehen sie und sagen, sie wür­den am nächs­ten Tag wie­der­kom­men. Am nächs­ten Tag kom­men sie, geben alle Schlüs­sel zurück und ste­cken die pol­ni­sche Fahne her­aus. Damit kön­nen die Bewoh­ner vor­erst noch in ihrem Haus blei­ben.

Men­schen, die sich nicht ken­nen, Men­schen ver­schie­de­ner Natio­na­li­tät, Men­schen vor­her ver­fein­de­ter Natio­nen, tref­fen auf­ein­an­der und fin­den Zugang zuein­an­der.

Soll­ten nicht sol­che kon­kre­ten Ansätze er Begeg­nung und Ver­söh­nung an vie­len Orten und bei vie­len Gele­gen­hei­ten auf­bre­chen, wach­sen und sich aus­wei­ten zu einer gro­ßen Bewe­gung?

 

4.6 Ger­hard Hirsch­fel­ders Anfrage an Kir­che und Gesell­schaft heute

Im Hin­blick auf sei­nen Opfer­gang

Ein mit sich, mit Gott und mit der Welt ver­söhn­ter Mensch wirkt Ver­söh­nung. Viele Men­schen, deren Jugend­träume sich nicht erfül­len, ver­brin­gen ihr Leben  unver­söhnt mit sich, mit Gott und mit der Welt.

Ger­hard Hirsch­fel­ders Leben wurde durch­kreuzt. Er nimmt jedoch immer wie­der die neue Situa­tion an und macht sie frucht­bar. Er ist Pries­ter und bleibt es auch in Gefan­gen­schaft und Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger. Nur die Art sei­nes Wir­kens ändert sich. Gibt er sich als jun­ger Kaplan hin für die Men­schen, vor allem für die Jugend in auf­rei­ben­der akti­ver Arbeit, so lebt er in ver­än­der­ter Lebens­si­tua­tion durch Ertra­gen und Anneh­men von Hun­ger, Krank­heit, Not und Leid für das Heil ande­rer Men­schen. Keine Minute sei­nes Lebens ist sinn­los. So fin­det er Ver­söh­nung und wird zum Boten der Ver­söh­nung.

Sein Vor­se­hungs­glaube ist unge­bro­chen, auch wenn ihm die Wege, auf die Gott ihn führt, undurch­schau­bar sind. Lange hat er sicher an seine künf­tige Frei­las­sung geglaubt. Bleibt Gott ihm auch fremd in sei­nem Vor­ha­ben mit ihm, so über­lässt er sich doch ihm ganz. In der Sohn­schaft Got­tes weiß er sich stets gehal­ten.

In der berich­te­ten Epi­sode, in der sich Polen und Deut­sche in einem Haus begeg­nen und Ver­söh­nung erle­ben, wirkt Ger­hard Hirsch­fel­der als Ver­söh­nungs­ge­stalt über sei­nen Tod hin­aus. Eine in gemein­sa­mer Bedräng­nis im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger begon­nene Ver­söh­nung setzt sich nach dem Kriege fort.

Der Pfar­rer von Czermna / Grenz­eck,  Romu­ald Brud­now­ski for­mu­liert es so: „Kaplan Ger­hard Hirsch­fel­der ist ein Deut­scher, aber wenn er selig gespro­chen wird, gehört er uns allen.“ Ins­be­son­dere gehört er den Deut­schen und Polen. Der Text in pol­ni­scher, deut­scher und tsche­chi­scher Spra­che auf der Grab­platte von Ger­hard Hirsch­fel­der ist Zei­chen dafür, dass Men­schen und Völ­ker ler­nen müs­sen, trotz je eige­ner Spra­che sich gegen­sei­tig zu ver­ste­hen. Ebenso gehört er den angren­zen­den Tsche­chen. Aber auch allen Euro­pä­ern gehört er. Denn was zwi­schen zwei oder drei Völ­kern geschieht in Europa kann zum wirk­sa­men Signal wer­den auch für andere Völ­ker. Ein gemein­sa­mes Europa kann Aus­druck dafür sein, dass die Gren­zen unse­rer Hei­mat sich gewei­tet haben und dass natio­nal­staat­li­che Gren­zen uns immer weni­ger ein­gren­zen.

Groß­de­chant Franz Jung sagt: „Wir haben den Ein­druck, dass Ger­hard Hirsch­fel­der für Europa ein Hoff­nungs­trä­ger sein kann, der die Men­schen über natio­nale Gren­zen einen kann, ein Brü­cken­bauer, der den Men­schen hilft, auf dem christ­li­chen Weg zuein­an­der zu fin­den.“ Voll­ends ein „Land besit­zen“ (Mt 5,5) wer­den wir erst im Him­mel.

 

4.7 Über­le­gung

„Ver­gebt und ver­söhnt euch mit­ein­an­der. Lebt für Frie­den und Gerech­tig­keit in der gan­zen Welt. Ent­deckt das Reich Got­tes unter euch“. So könnte Ger­hard Hirsch­fel­der uns heute auf­for­dern. Und er könnte hin­wei­sen auf Jesus Sirach 22,22: „Hast du den Mund auf­ge­tan gegen den Freund, ver­zage nicht. Es gibt Ver­söh­nung“ und auf das Wort des Apos­tels Pau­lus aus dem zwei­ten Korin­ther­brief 5,18: „Alles kommt von Gott, der uns durch Chris­tus mit sich ver­söhnt hat…und uns das Wort von der Ver­söh­nung auf­ge­tra­gen hat.“

Der kon­krete Weg heißt Aus­tausch, Begeg­nung und Gast­freund­schaft. Zuneh­men­der wirt­schaft­li­cher und kul­tu­rel­ler Aus­tausch ermög­licht und för­dert Begeg­nung und Gast­freund­schaft. So ent­steht Ver­bun­den­heit.

Ger­hard Hirsch­fel­der könnte Patron sein aller, die sich um Ver­söh­nung und Frie­den bemü­hen. Versöhnungs- und Frie­dens­or­ga­ni­sa­tio­nen könnte er Kraft und Ermu­ti­gung geben.

 

5.     Ger­hard Hirsch­fel­ders Ver­mächt­nis heute ins Leben brin­gen

Wem wegen sei­ner Über­zeu­gung das Leben ver­wehrt wird, oder wer sei­ner Über­zeu­gung bis zum Ende treu bleibt, der bleibt in sei­nen Ideen unsterb­lich und in sei­nem Wir­ken unter den Men­schen leben­dig und wirk­sam.

Am 19. Sep­tem­ber 2010 wurde Ger­hard Hirsch­fel­der im Dom zu Müns­ter selig­ge­spro­chen, an einer Stelle, nahe am Grab von Cle­mens August Kar­di­nal von Galen, dem müns­ter­schen Bischof und Wider­stands­kämp­fer, der eben­falls bereit gewe­sen wäre, für sein Ein­tre­ten für die Frei­heit des Glau­bens und für die Rechte der Men­schen sein Leben hin­zu­ge­ben.

In der Tat, sie kön­nen viele mit ihrem ver­söh­nen­den Geist anste­cken. Denn in allem erwei­sen sie sich „als Got­tes Die­ner: durch große Stand­haf­tig­keit, in Bedräng­nis, in Not, in Angst, unter Schlä­gen und in Gefäng­nis­sen“ (2 Kor 6:4f).

Sie „gel­ten als Betrü­ger und sind doch wahr­haf­tig…, wer­den ver­kannt und doch aner­kannt…, sind wie Ster­bende, und seht“: sie „leben“; sie „wer­den gezüch­tigt und doch nicht getö­tet“; ihnen „wird Leid zuge­fügt, und doch sind“ sie „jeder­zeit fröh­lich“; sie „sind arm und machen doch viele reich“ (2 Kor 6:8-10).

 

Lite­ra­tur: Goeke, Hugo. Ger­hard Hirsch­fel­der. Pries­ter und Mär­ty­rer. Ein Lebens­bild mit Glau­bens­im­pul­sen für heu­tige Chris­ten. Müns­ter 2010. Dia­log­ver­lag. 

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