Franciszek Dachtera


 

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Fran­cis­zek Dach­tera (1920-44)

Pries­ter der Erz­diö­zese Gniezno (Gne­sen)

Militärpfarrer, Präfekt
geb: 22 .09. 1910 in Salno, Kujawsko-Pomorskie (Polen)

KZ Dachau ab 07.07.1942

+: 23 August 1944 im KZ Dachau fast 34 J. alt

Gedenk­tag: 23.08.

 

Der Selige arbeitete nach seiner Priesterweihe am 10.06.1933[1] als Religionslehrer an einem Mädchen-Gymnasium in Bydgoszcz, für den Unterricht verfasste er ein Lehrbuch.

Er zeichnete sich  durch seinen apostolischen Eifer als guter Jugendseelsorger von tiefer,  priesterlicher Spiritualität aus.

Als Mensch von einem, bis zu seinem tragischen Ende, immer  heiteren Gemüt, wurde er zuerst von der Jugend und später auch von seinen Mitbrüdern im Lager geliebt und geschätzt.

Im Krieg war er Militärpfarrer der polnischen Truppen.

Am 17.09.1939 kam er in deutsche Kriegsgefangenschaft  und war zuerst im Kriegsgefangenenlager interniert.

Nach dem Aufenthalt im Gefangenenlager Rotenburg, wo er seit dem 10.12.1939 festgehalten wurde, litt er, entgegen  aller internationalen Konventionen,  in Konzentrationslagern in Deutschland.  Er wurde  am 25.04.1940 ins KZ Buchenwald gebracht  und von dort  am 07.07.1942 ins KZ Dachau.[2]

Nach vielen Qualen starb er am 23 .08.1944 als Opfer  der berüchtigten Malariaversuche[3], pseudomedizinischen Experimente der Naziärzte im Lager Dachau.

Vor dem Tode sagte er zu seinem Freund:  „Grüße meine Familie.  Sie sollen nicht weinen. Gott hat es so gewollt. Ich füge mich seinem Willen,  wenn auch mein  Herz zu  den Meinen laufen möchte“.

 


[1]Wendel-Gilliar, II, S 1

[3] Wendel-Gilliar, a.a.O.

Biografie von Klemens Hogen-Ostlender

Franciszek Dachtera wurde am 22. September 1910 in Salno in der polnischen Provinz Pomorze Gdanskie (Deutsch: Westpreußen) geboren.

Er war der Sohn des Lehrers Leon Dachtera und dessen Ehefrau Hilaria, geb. Karnowski, und hatte drei Brüder und eine Schwester. Franciszek wurde von seinem Vater zunächst im benachbarten Wierzchucino Krolewski, wo der Lehrer war, unterrichtet und ab 1920, als er Leiter der Schule in Koronowo wurde, dort. 1922 zog die Familie nach Bydgoszcz, wo der Vater Rektor der Allgemeinen Schule zur Heiligen Dreifaltigkeit wurde. Franciszek setzte dann seine Ausbildung am Staatlichen Gymnasium in Bydgoszcz fort. In seiner Freizeit war er bei den Pfadfindern tätig, engagierte sich in einem Abstinenzlerkreis und der Vereinigung Philomath, die sich der Selbsterziehung in einem patriotischen Geist widmete. Schon in seiner Jugend waren seine Frömmigkeit, seine Bereitschaft, am Altar zu dienen, seine Achtung vor den Priestern und seine Hilfsbereitschaft bemerkenswert. Am 14.Mai 1928 legte er sein Abitur ab und trat einen Monat später in das Theologische Seminar in Gniezno ein. Sein drei Jahre jüngerer Bruder Leon wurde dort nach dem Zweiten Weltkrieg Professor.

Franciszek Dachtera wurde am 10. Juni 1933 in der Kathedrale St. Petrus und Paulus in Ostrow Tumski vom Primas von Polen, Augustus Kardinal Hlond, in einer Gruppe von 52 Diakonen zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er in der Pfarrkirche zum Heiligsten Herzen Jesu in Bydgoszcz. Unmittelbar darauf nahm er die Aufgaben eines Vikars in der Pfarrei Mariä Verkündigung in Inowroclaw an. Er gewann schnell die Sympathie der jungen Leute, mit denen er zu tun hatte. Er gründete und leitete eine örtliche Abteilung der Katholischen Vereinigung der weiblichen Jugend (Mlodziezy Zenskiej, KSMZ). Er bestand die Prüfung für Katecheten, die es Priestern erlaubte, Klassen in weiterführenden Schulen in Religion zu unterrichten und übte diese Tätigkeit ab dem 1. September 1935 drei Jahre lang in einem Mädchengymnasium in Bydgoszcz aus. Aufbauend auf seinen Erfahrungen und denen seines Vaters verfasste er das Lehrbuch „Den Glauben lernen“.

1937 begann er außerdem ein Studium der Kirchengeschichte an der Jan-Kazimierz-Universität in Lviv und beendete es im Juni 1939 mit einem Master-Abschluss in Theologie. Er verfasste auch die „Geschichte der Pfarrei Bydgoszcz bis 1772″, deren Manuskript heute noch in der Stadtbibliothek erhALTEN IST: Kurz vor Ausbruch des Krieges, im August 1939, wurde er zum Verwalter der Pfarrei St. Nikolaus im Dorf Lubowo bei Gniezno ernannt. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machte es jedoch unmöglich, diese Position einzunehmen.

Mit Kriegsbeginn diente er im Rang eines Hautmanns als Militärkaplan es 62. Infanterie-Regiment von Wielkopolska, das zur 15. Infanteriedivision gehörte. Am 17.September 1939 wurde er während der Schlacht von Bzura gefangengenomen und war ein halbes Jahr lang im Kriegsgefangenenlager Oflag IX A in Rotenburg an der Fulda als Häftling Nr. 176 inhaftiert.

Am 24. Aril1940 wurde Franciszek Dachtera dann unter Bruch der Genfer Konvention, da die deutschen Behörden den Offiziersrang der Militärseelsorger nicht respektierten und sie als Kriminelle behandelten, in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert, wo er Sklavenarbeit in einem Steinbruch leisten musste. Das griff seine Gesundheit an, aber vor dem völligen Zusammenbruch blieb er verschont.

Am 7. Juli 1942 wurde er in das KZ Dachau überstellt, wo er die Häftlingsnummer 31199 erhielt. Diese Zeit war die schimmste in der Geschichte des Konzentrationslagers, weil die „normalen“ Hungerrationen damals noch reduziert wurden.

Franciszek Dachtera musste in der so genannten Plantage arbeiten und litt dort wie seine Kameraden an heißen Tagen im Sommer in der sengenden Sonne sowie im Winter unter Regen, Frost und Schnee. Der ebenfalls inhaftierte Priester Francis Maczynski berichtete nach dem Krieg, dass das Gewicht der Gefangenen oft nicht über 40 Kilogramm lag, dass sie sich wegen des ständigem Hungers und ihrer Schwäche oft fragten, „warum diese Steine ​​kein Brotstücke sind“, dass sie manchmal die schlimmsten Dinge aßen, um ihren Magen mit etwas zu füllen, dass aus einem Hundenapf entwendetes Brot genauso als Delikatesse galt wie eine Handvoll Hafer, die man heimlich aus einem Schuppen stahl. Wenn der Tod nahte, bekamen Häftling Hungerödeme an den Füßen und Beinen. Wenn sie den Bauch erreichten gab es keine Hilfe mehr.

Franciszek Dachtera gewann schnell den Respekt unter den gefangenen Priestern in Block 26. Wegen der fröhlichen Erscheinung und des geistlichen Gleichgewichts die er trotz der verheerenden Arbeit, des Hungers und der Quälereien beibehielt, wurde er von ihnen „Cherub“ genannt. Er blieb zwar verschont vor dem „Invalidentransporten“, mit denen besonders schwache Gefangene angeblich in ein Lager mit besseren Lebensbedingungen gebrach wurden. In Wahrheit führten sie nach Schloss Hartheim beim österreichischen Linz und dort zum Tod in der Gaskammer. Aber das Schicksal des Priesters war nicht weniger tragisch. Der deutsche Tropenmediziner Claus Karl Schilling, der nach dem Krieg im Dachau-Hauprprozess von einem amerikanischen Militärgericht für seine Verbrechen zum Tode verurteilt und in Landsberg hingerichtet wurde, missbrauchte Franciszek Dachtera für pseudomedizinischen Experimente. Er infizierte ihn vier Mal mit Malaria- Erregern in verschiedenen Dosen, um dann die Auswirkungen zu beobachten.

Franciszek Dachtera erkrankte schwer. Leber und Milz wurden stark geschädigt. Monatelang litt er ständige Schmerzen, ohne dagegen Medikamente zu bekommen.

Vor seinem Tod empfing Franciszek Dachtera noch die Sterbesakramente.

Seine letzten Worte zu einem Freund waren „Grüße meine Fami­lie.  Sie sol­len nicht wei­nen. Gott hat es so gewollt. Ich füge mich sei­nem Wil­len,  wenn auch mein  Herz zu  den Mei­nen lau­fen möchte“.

Franciszek Dachtera starb am 22. September 1944. Die unmittelbare Todesursache war vermutlich eine Giftspritze.

Einige seiner Briefe an seine Familie sind erhalten geblieben. Sie vermittelten, unter der Zensur geschrieben, Optimismus und versuchten, den Angehörigen Mut zu machen.

Dank der hartnäckigen Bemühungen der Absolventen der ehemaligen Schule des Ermordeten in Bydgoszcz verlieh die Regierung der damals noch kommunistischen Republik Polen Franciszek Dachtera 1985 posthum die „Medaille für die Teilnahme am Verteidigungskrieg von 1939“. Nach der Befreiung von kommunistischer Herrschaft wurde ihm 1992 für Verdienste um die Pfadfinderschaft das Silberne Verdienstkreuz der Republik Polen mit Rosette verliehen. Sein Name erscheint außerdem auf Gedenktafeln, die an mehreren Orten aufstellt wurden, und im Jahr 2016 wurde in Bydgoszcz eine neue Straße nach ihm benannt.

Papst Johanns Paul II. hat Franciszek Dachtera am 13. Juni 1999 in Warschau in einer Gruppe von 108 polnischen Märtyrern des Zweiten Weltkriegs seliggesprochen. In der Positio, dem Dekret über das Martyrium dieser 108 Diener Gottes, stehen auch diese Worte: „Sie wollten den Kreuzweg nehmen, um ihre Seelen zu retten, ein Werk zur Ehre Gottes zu tun und das Reich Gottes zu erhöhen. Sie widersetzten sich den Verfolgern und hatten die unerschütterliche Hoffnung, den ewigen Preis durch Gottes Barmherzigkeit zu erhalten“.

Quellen:

https://polishbreviary.wordpress.com/2016/04/17/june-12-bls-francis-francisze

k-dachtera-anthony-anotni-swiadek-and-companions/

https://pl.wikipedia.org/wiki/Franciszek_Dachtera 

http://www.swzygmunt.knc.pl/SAINTs/HTMs/0822blFRANCISZEKDACHTERAmartyr01.htm

http://www.swietyjozef.kalisz.pl/Dachau/22.html

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