Alojs Andritzki


Aloijs Andritzki

* 02.07.1914 in Rati­bor

Ver­haf­tet am 21.01.1941, wegen Seel­sorge an pol­ni­schen Zwangs­ar­bei­tern und der pro­phe­ti­schen Aus­sage über die Ver­fol­gung von Chris­ten durch den Natio­nal­so­zia­lis­mus:

“ Der Kampf geht bis aufs Mes­ser, ihr müsst euch an so etwas gewöh­nen.“

KZ Dachau ab 02.10.1941

† 03.02.1943 im KZ Dachau

Selig­ge­spro­chen 13.06.2011, Gedenk­tag: 03.02.

 

Seli­ger Alojs Andritzki, bitte für uns!


Inhalts­über­sicht

Kurz­bio­gra­fie

Der Selige Alojs Andritzki wurde am 2. Juli 1914 in Radi­bor gebo­ren.  Sor­bi­scher Abstam­mung, war der katho­li­scher Pries­ter Kaplan des Bis­tums Mei­ßen. Nach dem Abitur stu­dierte er, wie seine drei Brü­der, Theo­lo­gie. Im Anschluss an seine Stu­di­en­zeit  in Pader­born war er ein Jahr am Pries­ter­se­mi­nars des Bis­tums Mei­ßen in Schmoch­titz bei Baut­zen.

Am 30. Juli 1939 wurde Alojs Andritzki im Dom zu Baut­zen zum Pries­ter geweiht. Danach erhielt er seine erste und ein­zige Stelle als Kaplan an der Hof­kir­che in Dres­den zuge­wie­sen. Er enga­gierte sich für Kinder- und Jugend­ar­beit, wurde auch zum Seel­sor­ger  der Dres­de­ner Kapell­kna­ben und der Dres­de­ner Kol­ping­fa­mi­lie ernannt.

Am 21. Januar 1941 wurde Alojs Andritzki fest­ge­nom­men. Die Anklage lau­tete: „heim­tü­cki­sche Angriffe auf Staat und Par­tei“. Zur geplan­ten Ent­las­sung nach der abge­ses­se­nen Haft­strafe am 15. August 1941 kam es nicht. Alojs Andritzki wurde wie­der ver­haf­tet und in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau abtrans­por­tiert, wo er unter der Häft­lings­num­mer 27829 geführt wurde. Auf dem Trans­port ins KZ Dachau lernte er den Bene­dik­ti­ner Pater Mau­rus Münch aus Trier ken­nen. Beide nah­men sich vor, im Lager nie­mals zu kla­gen, nie­mals ihre Ehre als Aka­de­mi­ker mit Füßen zu tre­ten und kei­nen Augen­blick ihre pries­ter­li­che Beru­fung zu ver­ges­sen. Andritzki ist die­sem Ver­spre­chen treu geblie­ben. Er unter­stützte seine Mit­häft­linge wo immer er konnte. Andritzki litt wie alle an Hun­ger und der schwe­ren Arbeit auf der Plan­tage. Zum Jah­res­wech­sel 1942/43 erkrankte er an Typhus. Am 19. Januar 1943 mel­dete er sich im Kran­ken­re­vier. Als er im Ster­ben lag, bat er um die Ster­be­sa­kra­mente. Der Pfle­ger aber erwi­derte nur: „Chris­tus will er, eine Spritze bekommt er.“.  Er ermor­dete Alojs Andritzki dar­auf­hin mit einer Gift­spritze am 3. Februar 1943.

Am 13. Juni 2011 wurde Alojs Andritzki in einem Pon­ti­fi­kal­amt vor der Hof­kir­che in Dres­den selig gespro­chen.

Bio­gra­fie

(nach Vor­trag von Monika Neu­dert am 26.01.2012, Pfar­rei Maria vom Guten Rat, Mün­chen )

Alojs Andritzki wurde 1914 in Radi­bor gebo­ren, als Sohn eines Leh­rers. Er war außer­ge­wöhn­lich sport­lich, aber auch musi­ka­lisch und künst­le­risch sehr begabt.

Als Sorbe war er gebo­ren in ein sla­wi­sches Volk, das als Min­der­heit zwei­spra­chig im heu­ti­gen Mit­tel­deutsch­land lebt. Diese Gruppe hat über Jahr­hun­derte ihre Iden­ti­tät und ihre Spra­che bewahrt. Die sor­bi­sche Iden­ti­tät ist sehr stark mit dem katho­li­schen Glau­ben ver­bun­den.

Schon in der Jugend enga­gierte sich Andritzki  als Jugend­lei­ter in Grup­pen mit sor­bi­schen Schü­lern und spä­ter auch Stu­den­ten. Er gab seine Kul­tur und den katho­li­schen Glau­ben wei­ter.

Er legte 1934 sein Abitur mit Aus­zeich­nung ab und stu­dierte Theo­lo­gie. Schon unter den Stu­den­ten fiel er auf, weil er ein ganz beson­ders fröh­li­cher und offe­ner jun­ger Mann war. Er war aber auch ein sehr tief reli­giö­ser Mensch.

Kurz vor der Pries­ter­weihe schrieb er: „… und mein gan­zes wei­te­res Leben soll ein herr­li­cher, gro­ßer Lob­preis sein auf Gott. Chris­tus mein alles. Ich schwöre mir ent­schlos­sen den Weg der Beru­fung in der Nach­folge Christi zu gehen. Nichts irdi­sches mehr kann mich begeis­tern, ganz bin ich für Gott.“

Er wurde im Juli 1939, kurz vor Kriegs­be­ginn, zum Pries­ter geweiht.

Er erhielt als erste und ein­zige Kaplan­stelle die Stelle an der Hof­kir­che in Dres­den. Das war eine beson­dere Aus­zeich­nung, gleich zu Beginn dort­hin beru­fen zu wer­den. In Dres­den war sein Auf­ga­ben­ge­biet, neben der Spen­dung der Sakra­mente, in ers­ter Linie die Jugend und auch die Kin­der. Er war dort wirk­lich glück­lich.

An seine Schwes­ter schrieb er: „ Ach wie schön ist es doch, so nahe vor Gott ste­hen zu dür­fen. Ich bin glück­lich. Dir wün­sche ich auch eine sol­che Selig­keit.“

Ein­ein­halb Jahre war Alojs Andritzki in Dres­den Kaplan und sehr beliebt bei der Jugend. Er gewann die Her­zen aller.

Ein Mit­ka­plan schreibt über ihn: „Er sorgte für die Fülle des Daseins und der Freude. Sport­lich war er, dis­kus­si­ons­freu­dig, musi­ka­lisch, künst­le­risch begabt, sowie von umwer­fen­der Hei­ter­keit und Fröh­lich­keit, die ein­fach jeden, der mit ihm zu tun hatte, begeis­tern musste. Seine bei­spiel­hafte Hilfs­be­reit­schaft machte ihn bei allen beliebt.“

In den Grup­pen­stun­den mit Jugend­li­chen wagte er es über den Natio­nal­so­zia­lis­mus zu dis­ku­tie­ren, er wollte die ihm Anver­trau­ten immun machen für diese Lehre.

Hier ein Bericht, wie der neuer Kaplan seine erste Grup­pen­stunde fröh­lich und spek­ta­ku­lär gestal­tete: „Als er als neuer Kaplan zum ers­ten Mal zu sei­ner Jugend­gruppe kam, lief er im Hand­stand über die Tische – die Jugend­li­chen stan­den im Halb­kreis um die Tische herum. Er machte einen Abgang im Salto, kam mit bei­den Füßen auf, hatte dabei die Hand schon an der Stirn, und fing dann mit dem Kreuz­zei­chen an, das Eröff­nungs­ge­bet des Tref­fens zu spre­chen. Die Jungs haben getobt vor Begeis­te­rung.“

Seine Jugend­li­chen hat­ten ihn auch echt gerne, sie sag­ten: „…  Für Alojs Andritzki wären wir alle durchs Feuer gegan­gen.“

Doch Alojs Andritzki ver­lor sich nicht in der Arbeit. Seine Seele war ganz bei Gott. „In der Seele von Alojs flammte jene heiße Liebe zu Gott und den Hei­li­gen, ein wah­res inne­res Gespräch mit Chris­tus, unse­rem Herrn, war in ihm leben­dig. So dachte und urteilte er immer vom Herrn aus, der ihm in der tief­fromm gefei­er­ten hei­li­gen Messe….und im Bre­vier­ge­bet begeg­nete…“  so wurde er beschrie­ben.

Er war voll Freude und Begeis­te­rung über sei­nen Glau­ben. Er schrieb:  „Da wir doch mit dem Quell aller Freu­den und alles Schö­nem in so enger Ver­bin­dung ste­hen,…“. Gott war die Quelle sei­ner Kraft und Begeis­te­rung.

Er kam mit den Natio­nal­so­zia­lis­ten schon sehr früh durch sein Enga­ge­ment für  sor­bi­sche Jugend­li­che in Kon­flikt. Des­halb wurde er schon in der Jugend­zeit beob­ach­tet und eine Gesta­po­akte wurde über ihn geführt. Letz­ter Aus­lö­ser für seine Ver­haf­tung 1939 war schließ­lich eine Bemer­kung, zu der er sich hin­rei­ßen ließ. Es war im Januar 1941, nach einem weih­nacht­li­chen Thea­ter­stück, das er mit sei­nen Jugend­li­chen in einer Kir­che auf­ge­führt hatte. Beim Ver­las­sen des Gebäu­des nach der Auf­füh­rung, wur­den die Namen der Teil­neh­mer von der Gestapo auf­ge­schrie­ben. Die Jugend­li­chen waren natür­lich erschro­cken und in Sorge. Andritzki sagte in die­ser Situa­tion zu ihnen: „Das ist erst der Anfang, der Kampf geht noch bis aufs Mes­ser.“

Die­ser Satz wurde der Gestapo gemel­det. Alojs Andritzki wurde gefan­gen genom­men. Ihm wurde zusätz­lich  zur Last gelegt, dass er mit pol­ni­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen Messe gefei­ert und Beichte gehört hatte. Bei den fol­gen­den Ver­hö­ren wurde ihm ange­bo­ten, für den Natio­nal­so­zia­lis­mus zu arbei­ten und die Kir­che zu ver­las­sen. Das wäre der Preis für seine Frei­heit. Die­ses Ange­bot lehnte Andritzki ab. Es folgte das Gefäng­nis. Dort im Gefäng­nis schrieb er: „…seid um mich unbe­sorgt, die Freude ist aus mei­nem Her­zen nicht geschwun­den. Mein Leben ist wegen der äuße­ren Umstände mehr nach innen gekehrt. Die Freude ist inni­ger und tie­fer.“

In ihm war auch ein tie­fes Ver­trauen zu Gott.  „Wir wis­sen ja: nichts geschieht von unge­fähr… Gott führt uns über­all! Und es ist nicht immer ein gera­der und beque­mer Weg! Doch jeder Weg führt zum guten Ziele, wenn man der Füh­rung Got­tes ver­traut ….“  Er schrieb auch: „Chris­tus trägt das Kreuz für die Kir­che, da kön­nen wir als seine Freunde nicht müßig zusehen- son­dern mittragen…So wird es mir leich­ter, ja man wird froh. Man trägt es ja nicht allein- Chris­tus trägt ja mit. Da braucht man nicht zu ver­za­gen.“

Er wurde ange­klagt, ein Pro­zess fand statt und er wurde zu einer Frei­heits­strafe ver­ur­teilt. Doch wie er nach eini­gen Mona­ten frei­ge­las­sen wer­den sollte, wurde er in Schutz­haft genom­men und ins KZ Dachau gebracht.

Am 02.10.1941 kam er im KZ  Dachau an. Er wurde mit Beschimp­fun­gen, Schlä­gen und Fuß­trit­ten emp­fan­gen. Auf der Fahrt ins KZ Dachau traf er P. Mau­rus Münch, einen Bene­dik­ti­ner­pa­ter. Sie wur­den Freunde. Wie sie zusam­men durch das Tor ins Lager fuh­ren, flüs­terte Andritzki dem Pater zu: „Domine cus­to­diat introi­tum tuum et exi­tum tuum“ (Der Herr möge dei­nen Ein­tritt hier und dei­nen Aus­gang beschüt­zen). P. Münch über­lebte das Lager. Er wurde Alojs Andritz­kis Beicht­va­ter und Freund. P. Münch berich­tete uns nach dem Krieg vie­les von Alojs Andritzki.

In der ers­ten Zeit im Lager durf­ten die bei­den Pries­ter nicht in den Pries­ter­block und in die Kapelle. In die­ser Zeit hör­ten sie sich täg­lich gegen­sei­tig die Beichte, um durch das Sakra­ment in Got­tes Gegen­wart zu blei­ben. Als Alojs Andritzki in den Pries­ter­block ver­legt wor­den war, nahm er an den Abend­zir­keln teil. Die Pries­ter lasen die Petrus­briefe und tausch­ten sich dar­über aus. Sie spra­chen auch über Lit­ur­gie und Seel­sorge. Er war einer der jüngs­ten Pries­ter in der Runde. Unter den Geist­li­chen war er sehr beliebt. Zu Weih­nach­ten 1941 malte er ein Weih­nachts­bild, das hin­ter dem Altar auf­ge­hängt wurde. Das war für die Mit­ge­fan­ge­nen eine beson­dere Freude.

Von Andritzki wird berich­tet, dass er jeder Zeit zu jedem Lie­bes­dienst bereit war. „… Abort­dienst lag sei­ner Art gar nicht; aber wenn er drau­ßen am Schrub­ben und Put­zen war, lachte sein gan­zes Gesicht, und immer hatte er ein fro­hes Wort und einen fei­nen Witz auf den Lip­pen. Kei­ner war wohl im Block so beliebt wie er. Schnei­dig, frisch, theo­lo­gisch gut gebil­det, war Alojs aber auch ein fei­ner Musi­ker und Künst­ler… Wer ihn am Mor­gen gese­hen hatte bei der Arbeit oder irgend­ei­nem Tun, der war froh für den gan­zen Tag.“ Er sel­ber schrieb: „so wol­len wir wenigs­tens das Samen­korn sein, um zur Zeit der Ernte viel­fäl­tige Frucht zu bringen…“(Brief vom 08.02.42)

Ebenso schrieb Andritzki: „Segen und Kraft soll hin­aus­ge­hen“. Damit wollte er sagen, sein Lei­den im Lager ver­stand er als Kraft, die ande­ren zum Segen wurde, auch über die Gren­zen des Lager hin­aus.

Alojs Andritzki mun­terte seine Mit­häft­linge auf: Im Hand­stand lief er abends in den Schlaf­saal und mit Sal­tos kam er in die 3. Etage des Stock­bet­tes zu sei­nem Schlaf­platz. Mit sei­nen Kunst­stü­cken brachte er alle zum Lachen und so ver­bes­serte sich die Stim­mung.  Nach Hause schrieb er: „habe ich das tiefe Ver­trauen zu mei­nem lie­ben Vater im Him­mel, dass alles gut wird…Meine jet­zige Lage führt mich auf­wärts: es ist wahr­lich eine geis­tige Erneue­rung, was könnte man als stre­ben­der und wach­sen­der Mensch mehr wün­schen?“

Alojs Andritzki musste zuerst in der Schreib­stube arbei­ten spä­ter auf der Plan­tage. Bei der schwe­ren Arbeit wurde er schwä­cher. Der Hun­ger schwächte den jun­gen Sport­ler. Schließ­lich bekam er ernste gesund­heit­li­che Pro­bleme.  Pater Münch schrieb spä­ter an Alojs´ Mut­ter: „Ihr Sohn machte ein furcht­ba­res Mar­ty­rium durch. Lange kämpfte er mit der Hun­ger­ruhr. (Durch­fall­er­kran­kung, ver­ur­sacht durch Hun­ger) Als Heil­mit­tel gab es nur ein­fa­che Kohle; sonst nichts. Dann kamen die Herz­schwä­che und die Phleg­mone an den Bei­nen, die ein ein­zi­ger roher Eiter­brand waren.“

Nach Weih­nach­ten 1942 infi­zierte Andritzki sich zusätz­lich mit Typhus.  Er musste sich ins Revier brin­gen las­sen. Auf dem Weg dort­hin traf er einen ande­ren Kaplan aus dem Bis­tum Meis­sen, der eben­falls gerade ins Revier gebracht wer­den musste, Her­man Schei­pers. Die­ser ist heute der letzte Über­le­bende der Pries­ter aus dem KZ Dachau. Heute ist er 99 Jahre alt. Bei der Selig­spre­chung Andritz­kis in Dres­den 2011 gab er sein Zeug­nis. Er erzählte über seine Freund­schaft zu Alojs Andritzki. Wie beide ins Revier getra­gen wur­den, rief Alojs Andritzki Her­man Schei­pers zu: „Du, wir wol­len schaun, dass wir zusam­men blei­ben.“ Her­man Schei­pers meinte zunächst, Alojs wollte ver­su­chen, ob sie Bet­ten neben­ein­an­der bekom­men könn­ten. Das hat aber nicht geklappt. Sie konn­ten sich nicht mehr sehen. Her­mann Schei­pers erzählte, dass er sein gan­zes Leben lang die Nähe und die Kraft der Für­spra­che sei­nes Freun­des gespürt hat. Sechs Mal ist er knapp dem Tod ent­kom­men, im KZ Dachau und bei der Flucht, oft ganz knapp.

Bei der Selig­spre­chung von Andritzki sprach Bischof Rei­nelt und ermu­tigte alle Anwe­sen­den, die­ses Ange­bot zur Freund­schaft anzu­neh­men.

Am 03.02.1943 lag Alojs im Revier. Es ging ihm so schlecht, dass er sich dem Tod nahe fühlte. Er bat den Pfle­ger den Lager­ka­plan zu rufen, das war zu die­ser Zeit von der Lager­lei­tung für ster­bende Pries­ter erlaubt. Der Pfle­ger ent­geg­nete ihm aber: „Chris­tus will er? Eine Spritze kriegt er!“ und tötete ihn mit der Todes­spritze.

Am 13. Juni 2011 wurde Alojs Andritzki in einem Pon­ti­fi­kal­amt vor der Hof­kir­che in Dres­den selig­ge­spro­chen.

Seli­ger Alojs Andritzki, bitte für uns!

 

Zitate

Chris­tus mein Alles! Ich schwöre mir, ent­schlos­sen den Weg der Beru­fung in der Nach­folge Christi zu gehen. Nichts Irdi­sches.. kann mich mehr begeis­tern. Ganz bin ich für Gott!

Exer­zi­ti­en­no­tiz Mai 1934, 20 Jahre alt

Kei­ner, der zu Gott hält, ist das, auch, wenn es schei­nen möge, als sei ich von Gott ver­las­sen wor­den und mir miss­lingt alles und ich habe Feinde und die ganze Welt hat sich gegen mich ver­schwo­ren und will mich ver­nich­ten, steht mir Gott gerade in sol­chen schwe­ren Augen­bli­cken am nächs­ten zur Seite und kämpft mit mir und gibt mir die Kraft, um nicht zu fal­len. – Ja wer mit Gott ist, über­win­det mit ihm alles.

Brief an Mut­ter, Pader­born, 1.3.37

… und mein gan­zes wei­te­res Leben soll ein herr­li­ches und gro­ßes Lob­lied sein für Gott!

Brief vom 03.06.1937

Ach, wie schön ist es doch, so nahe vor Gott ste­hen zu dür­fen!!! Ich bin glück­lich. Dir wün­sche ich auch sol­che Selig­keit.

Brief an seine Schwes­ter Novem­ber 1939

Doch Gott ist groß und mäch­tig und wird alles gut füh­ren, so dass uns, die wir auf Gott bauen, das nicht scha­den wird – son­dern im Gegen­teil wird es zu einer guten und gesun­den Nation ver­hel­fen…

– Brief an seine  Schwes­ter vom 15.12.1940

 

Es wer­den Zei­ten kom­men, da wer­den sie Euch hun­gern las­sen. Dann wer­den sie euch einen Hering zei­gen und befeh­len, Jesus zu ver­ra­ten. Dann müsst ihr stand­haft blei­ben und euch selbst ver­leug­nen

– Alojs Andritzki zu Jugend­li­chen

 

Mit­ka­plan Mar­tin Kuhn:

Er sorgte für die Fülle des Daseins und der Freude. Sport­lich war er, dis­kus­si­ons­freu­dig, musi­ka­lisch, künst­le­risch begabt, sowie von umwer­fen­der Hei­ter­keit und Fröh­lich­keit, die ein­fach jeden, der mit ihm zu tun hatte, begeis­tern musste. Seine bei­spiel­hafte Hilfs­be­reit­schaft machte ihn bei allen beliebt.

 

Ehe­ma­li­ger Kapell­knabe:

Kaplan Alojs Andritzki.. war jung und sport­lich, zu uns wie ein gro­ßer Bru­der… Mit Alojs Andritzki hätte man Pferde steh­len kön­nen… Er ging mit uns ins Stadt­frei­bad und führte dort Sprünge vom 10-m-Turm und gekonnte Turn­übun­gen an den Gerä­ten vor… Abso­lute Spitze war eine akro­ba­ti­sche Vor­füh­rung von ihm: Auf der mit Geschirr gedeck­ten Spei­se­ta­fel lief er im Hand­stand von einem Ende zum ande­ren. Für Alojs Andritzki wären wir alle durchs Feuer gegan­gen.

 

In der Seele von Alojs flammte jene heiße Liebe zu Gott und den Hei­li­gen, ein wah­res inne­res Gespräch mit Chris­tus, unse­rem Herrn, war in ihm leben­dig. So dachte und urteilte er immer vom Herrn aus, der ihm in der tief­fromm gefei­er­ten hei­li­gen Messe….und im Bre­vier­ge­bet begeg­nete…  Ich weiß, Alojs war ein jun­ger Mann, der von der Stärke sei­nes Innen­le­bens aus allen Lagen Herr wurde.

 

 

…Doch als Christ, und vor allem als Die­ner des Aller­höchs­ten, habe ich das tiefe Ver­trauen zu mei­nem lie­ben Vater im Him­mel, dass alles gut wird… Meine jet­zige Lage führt mich auf­wärts: es ist wahr­lich eine geis­tige Erneue­rung, was könnte man als stre­ben­der und wach­sen­der Mensch mehr wün­schen? Nur eine Bitte: Last uns für­ein­an­der beten.

– Brief von Alojs Andritzki vom  15.02.41, aus dem Gefäng­nis Dres­den

Zur Hei­lig­keit gehört der eigene freie und beja­hende Wille, der dem Wil­len  des Höhe­ren zuge­tan ist, und das vor allem dann, wenn damit auch Leid und Ent­sa­gung ver­bun­den ist. Nun ist mir hier ja Gele­gen­heit gebo­ten, die­sen Weg der Hei­lig­keit zu gehen. Ich will ihn gehen so froh und freu­dig, als es mir nur mög­lich ist, denn es gilt ja, mit Gott eins wer­den… Es gibt schon Stun­den der tiefs­ten Ver­las­sen­heit, aber das muss ja sein, damit umso grö­ßer die Liebe und Freude Got­tes in mir Raum gewin­nen kann. Uner­läss­lich bei die­sem Stre­ben ist das Gebet.

– Brief aus dem Gefäng­nis in Dres­den vom 09.03.1941

 

 

Seid um mich unbe­sorgt – die Freude ist aus mei­nem Her­zen nicht geschwun­den; mein Leben ist wegen der äuße­ren Umstände mehr nach innen gekehrt, die Freude ist inni­ger und tie­fer.

– Brief aus dem Gefäng­nis  Dres­den vom 23.03.41

 

Chris­tus trägt das Kreuz für die Kir­che, da kön­nen wir als seine Freunde nicht müßig zusehen- son­dern mit­tra­gen… So wird es mir leich­ter, ja man wird froh. Man trägt es ja nicht allein- Chris­tus trägt ja mit. Da braucht man nicht zu ver­za­gen. Ich habe Mut, es zu tra­gen bis auf Golgota- alles mit Chris­tus aus­kos­ten. …so erweist sich die Beja­hung des Wil­len Got­tes als das Beste; gerade das Schlimmste, was die Welt fürch­tet – das Kreuz- führt zur ewi­gen Herr­lich­keit.

– Brief aus dem Gefäng­nis in Dres­den vom 30.03.1941

 

Ich spüre tag­täg­lich die Kraft des Gebe­tes. Darin zeigt sich das Große, was der Herr uns gege­ben hat: den Frie­den; in ers­ter Linie den des Her­zens, dann aber auch nach außen hin den des Gemü­tes, ja des gan­zen Men­schen.  Grund gelegt ist natür­lich die­ser Friede durch die Aus­söh­nung mit Gott durch das Sakra­ment des Frie­dens: die hl. Beichte. Aber die­ser Friede wächst auch noch täg­lich. ..Denn man wird immer ruhi­ger und allen Din­gen gegen­über beherrsch­ter und siche­rer. Alles, was man tut oder was einem begeg­net, ist ein­ge­bet­tet in die „Für­sicht“ Got­tes. Darum kann auch wil­lent­lich und wis­sent­lich kaum noch etwas gesche­hen, was einen von Gott trennt; so sind wir wahr­haft durch Chris­tus der Sünde abge­stor­ben. Darum lasst uns Gott Dank sagen! Alle­luja

– Brief aus dem Gefäng­nis Dres­den 07.05.41

 

… Die­ses unser Bestre­ben immer wie­der an zu spor­nen und auf Gott, der die Fülle, das Wesen des Guten ist, aus­zu­rich­ten, bewirkt der Hei­lige Geist. Seine Wirk­weise ist unbe­schränkt und knüpft darum – uns völ­lig rätselhaft- seine Füh­rung an Zeit und Lager­ver­hält­nisse, die uns Men­schen frucht­los und wider­spens­tig erschei­nen. Und doch: da es gött­li­che und all­mäch­tige Geis­tes­kraft ist, wird aus der schein­bar ver­nich­ten­den Situation- ver­nich­ten­der Arbeit, schein­bar toter Zeit das Neue ent­ste­hen. Ja, der Hei­lige Geist wirkt oft­mals da am stärks­ten, wo wir ihn am wenigs­ten ahnen.

– Brief vom 04.06.41

 

Wir wis­sen ja: nichts geschieht von unge­fähr. Gott führt uns über­all … ! Und es ist nicht immer ein gera­der  und beque­mer Weg! Doch jeder Weg führt zum guten Ziele, wenn man der Füh­rung Got­tes ver­traut und nicht auf­hört, ihn zu bit­ten, die Kraft und Gnade zu geben, immer sei­nem gött­li­chen Wil­len gemäß zu den­ken, reden und zu tun…. Ich will alles gerne tun und alles auf­op­fern vor allem für unsere lei­den­den Mit­brü­der….

– Brief aus dem Gefäng­nis Dres­den, 27.07.1941

 

Die Zeit der Prü­fung ist kein Zufall: es ist der Wille des Vaters. Hier liegt unsere Lebens­auf­gabe, unser apos­to­li­sches Wir­ken, unsere Seel­sorge.

– Brief vom 17.05.42 aus dem KZ Dachau

 

In hei­li­ger, beten­der und opfern­der Gemein­schaft geden­ken wir oft unse­rer Hof­kir­chen­pfar­rei. Wenn der Herr schein­bar (in den Augen der Welt) sein Ant­litz von uns gewen­det hat,… so las­sen wir uns nicht beir­ren in der Liebe unse­res himm­li­schen Vaters…. Je grö­ßer die Not, desto mehr Gnade strömt uns zu, und nie­mals wer­den wir darum ermü­den, zum Altare Got­tes zu tre­ten, der uns erfreut von Jugend auf durch seine über­na­tür­li­che Kraft und Hilfe…

– Brief aus dem KZ Dachau vom 08.02.1942

…Wenn wir aber jetzt nicht gerade als Sämann wir­ken kön­nen, so wol­len wir wenigs­tens das Samen­korn sein, um zur Zeit der Ernte viel­fäl­tige Frucht zu brin­gen…

– Brief aus dem KZ Dachau, vom 08.02.42

Gebe Gott, dass sich aus die­sen schwe­ren Zei­ten große Men­schen bil­den, fähig, die kom­men­den Zei­ten zu füh­ren. Auch an uns ist der Bild­ner Gott tätig; sol­len wir doch dem Sohne Got­tes und Mari­ens gleich­för­mig wer­den. Drum Dank dem Herrn!

– Brief aus dem KZ Dachau vom 11.10.42

Zitat eines Mit­ge­fan­ge­nen im KZ Dachau über Alojs Andritzki:

Wer ihn am Mor­gen gese­hen hatte, bei der Arbeit oder irgend­ei­nem Tun, der war froh für den gan­zen Tag

– P. Mau­rus Münch beschrieb sei­nen Freund Alojs Andritzki

 Die ange­ge­be­nen Zitate sind ent­nom­men: (wei­tere Lite­ra­tur)

Alojs Andritzki, ein Lebens­bild, Leip­zig, 2010, Benno-Verlag

Alojs Andritzki, Briefe, Rati­bor 2011, Ver­lag Sur­sum

Alojs Andritzki, „.. dass ich mich freue, trotz allem“, Zei­chen und Zei­ten, Lusa­tia Ver­lag

 

Links:

  • Film auf youtube über Alojs Andritzki
  • Film : künst­le­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Seli­gen:  „Andritzki. Bekennt­nis – Aus­schnitte Dar­stel­ler Tomaš Kli­mann“

 

 

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