Alojs Andritzki


Aloijs Andritzki

* 02.07.1914 in Ratibor

Verhaftet am 21.01.1941, wegen Seelsorge an polnischen Zwangsarbeitern und der prophetischen Aussage über die Verfolgung von Christen durch den Nationalsozialismus:

“ Der Kampf geht bis aufs Messer, ihr müsst euch an so etwas gewöhnen.“

KZ Dachau ab 02.10.1941

† 03.02.1943 im KZ Dachau

Seliggesprochen 13.06.2011, Gedenktag: 03.02.

 

Seliger Alojs Andritzki, bitte für uns!


Inhaltsübersicht

Kurzbiografie

Der Selige Alojs Andritzki wurde am 2. Juli 1914 in Radibor geboren.  Sorbischer Abstammung, war der katholischer Priester Kaplan des Bistums Meißen. Nach dem Abitur studierte er, wie seine drei Brüder, Theologie. Im Anschluss an seine Studienzeit  in Paderborn war er ein Jahr am Priesterseminars des Bistums Meißen in Schmochtitz bei Bautzen.

Am 30. Juli 1939 wurde Alojs Andritzki im Dom zu Bautzen zum Priester geweiht. Danach erhielt er seine erste und einzige Stelle als Kaplan an der Hofkirche in Dresden zugewiesen. Er engagierte sich für Kinder- und Jugendarbeit, wurde auch zum Seelsorger  der Dresdener Kapellknaben und der Dresdener Kolpingfamilie ernannt.

Am 21. Januar 1941 wurde Alojs Andritzki festgenommen. Die Anklage lautete: „heimtückische Angriffe auf Staat und Partei“. Zur geplanten Entlassung nach der abgesessenen Haftstrafe am 15. August 1941 kam es nicht. Alojs Andritzki wurde wieder verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau abtransportiert, wo er unter der Häftlingsnummer 27829 geführt wurde. Auf dem Transport ins KZ Dachau lernte er den Benediktiner Pater Maurus Münch aus Trier kennen. Beide nahmen sich vor, im Lager niemals zu klagen, niemals ihre Ehre als Akademiker mit Füßen zu treten und keinen Augenblick ihre priesterliche Berufung zu vergessen. Andritzki ist diesem Versprechen treu geblieben. Er unterstützte seine Mithäftlinge wo immer er konnte. Andritzki litt wie alle an Hunger und der schweren Arbeit auf der Plantage. Zum Jahreswechsel 1942/43 erkrankte er an Typhus. Am 19. Januar 1943 meldete er sich im Krankenrevier. Als er im Sterben lag, bat er um die Sterbesakramente. Der Pfleger aber erwiderte nur: „Christus will er, eine Spritze bekommt er.“.  Er ermordete Alojs Andritzki daraufhin mit einer Giftspritze am 3. Februar 1943.

Am 13. Juni 2011 wurde Alojs Andritzki in einem Pontifikalamt vor der Hofkirche in Dresden selig gesprochen.

Biografie

(nach Vortrag von Monika Neudert am 26.01.2012, Pfarrei Maria vom Guten Rat, München )

Alojs Andritzki wurde 1914 in Radibor geboren, als Sohn eines Lehrers. Er war außergewöhnlich sportlich, aber auch musikalisch und künstlerisch sehr begabt.

Als Sorbe war er geboren in ein slawisches Volk, das als Minderheit zweisprachig im heutigen Mitteldeutschland lebt. Diese Gruppe hat über Jahrhunderte ihre Identität und ihre Sprache bewahrt. Die sorbische Identität ist sehr stark mit dem katholischen Glauben verbunden.

Schon in der Jugend engagierte sich Andritzki  als Jugendleiter in Gruppen mit sorbischen Schülern und später auch Studenten. Er gab seine Kultur und den katholischen Glauben weiter.

Er legte 1934 sein Abitur mit Auszeichnung ab und studierte Theologie. Schon unter den Studenten fiel er auf, weil er ein ganz besonders fröhlicher und offener junger Mann war. Er war aber auch ein sehr tief religiöser Mensch.

Kurz vor der Priesterweihe schrieb er: „… und mein ganzes weiteres Leben soll ein herrlicher, großer Lobpreis sein auf Gott. Christus mein alles. Ich schwöre mir entschlossen den Weg der Berufung in der Nachfolge Christi zu gehen. Nichts irdisches mehr kann mich begeistern, ganz bin ich für Gott.“

Er wurde im Juli 1939, kurz vor Kriegsbeginn, zum Priester geweiht.

Er erhielt als erste und einzige Kaplanstelle die Stelle an der Hofkirche in Dresden. Das war eine besondere Auszeichnung, gleich zu Beginn dorthin berufen zu werden. In Dresden war sein Aufgabengebiet, neben der Spendung der Sakramente, in erster Linie die Jugend und auch die Kinder. Er war dort wirklich glücklich.

An seine Schwester schrieb er: „ Ach wie schön ist es doch, so nahe vor Gott stehen zu dürfen. Ich bin glücklich. Dir wünsche ich auch eine solche Seligkeit.“

Eineinhalb Jahre war Alojs Andritzki in Dresden Kaplan und sehr beliebt bei der Jugend. Er gewann die Herzen aller.

Ein Mitkaplan schreibt über ihn: „Er sorgte für die Fülle des Daseins und der Freude. Sportlich war er, diskussionsfreudig, musikalisch, künstlerisch begabt, sowie von umwerfender Heiterkeit und Fröhlichkeit, die einfach jeden, der mit ihm zu tun hatte, begeistern musste. Seine beispielhafte Hilfsbereitschaft machte ihn bei allen beliebt.“

In den Gruppenstunden mit Jugendlichen wagte er es über den Nationalsozialismus zu diskutieren, er wollte die ihm Anvertrauten immun machen für diese Lehre.

Hier ein Bericht, wie der neuer Kaplan seine erste Gruppenstunde fröhlich und spektakulär gestaltete: „Als er als neuer Kaplan zum ersten Mal zu seiner Jugendgruppe kam, lief er im Handstand über die Tische – die Jugendlichen standen im Halbkreis um die Tische herum. Er machte einen Abgang im Salto, kam mit beiden Füßen auf, hatte dabei die Hand schon an der Stirn, und fing dann mit dem Kreuzzeichen an, das Eröffnungsgebet des Treffens zu sprechen. Die Jungs haben getobt vor Begeisterung.“

Seine Jugendlichen hatten ihn auch echt gerne, sie sagten: „…  Für Alojs Andritzki wären wir alle durchs Feuer gegangen.“

Doch Alojs Andritzki verlor sich nicht in der Arbeit. Seine Seele war ganz bei Gott. „In der Seele von Alojs flammte jene heiße Liebe zu Gott und den Heiligen, ein wahres inneres Gespräch mit Christus, unserem Herrn, war in ihm lebendig. So dachte und urteilte er immer vom Herrn aus, der ihm in der tieffromm gefeierten heiligen Messe….und im Breviergebet begegnete…“  so wurde er beschrieben.

Er war voll Freude und Begeisterung über seinen Glauben. Er schrieb:  „Da wir doch mit dem Quell aller Freuden und alles Schönem in so enger Verbindung stehen,…“. Gott war die Quelle seiner Kraft und Begeisterung.

Er kam mit den Nationalsozialisten schon sehr früh durch sein Engagement für  sorbische Jugendliche in Konflikt. Deshalb wurde er schon in der Jugendzeit beobachtet und eine Gestapoakte wurde über ihn geführt. Letzter Auslöser für seine Verhaftung 1939 war schließlich eine Bemerkung, zu der er sich hinreißen ließ. Es war im Januar 1941, nach einem weihnachtlichen Theaterstück, das er mit seinen Jugendlichen in einer Kirche aufgeführt hatte. Beim Verlassen des Gebäudes nach der Aufführung, wurden die Namen der Teilnehmer von der Gestapo aufgeschrieben. Die Jugendlichen waren natürlich erschrocken und in Sorge. Andritzki sagte in dieser Situation zu ihnen: „Das ist erst der Anfang, der Kampf geht noch bis aufs Messer.“

Dieser Satz wurde der Gestapo gemeldet. Alojs Andritzki wurde gefangen genommen. Ihm wurde zusätzlich  zur Last gelegt, dass er mit polnischen Kriegsgefangenen Messe gefeiert und Beichte gehört hatte. Bei den folgenden Verhören wurde ihm angeboten, für den Nationalsozialismus zu arbeiten und die Kirche zu verlassen. Das wäre der Preis für seine Freiheit. Dieses Angebot lehnte Andritzki ab. Es folgte das Gefängnis. Dort im Gefängnis schrieb er: „…seid um mich unbesorgt, die Freude ist aus meinem Herzen nicht geschwunden. Mein Leben ist wegen der äußeren Umstände mehr nach innen gekehrt. Die Freude ist inniger und tiefer.“

In ihm war auch ein tiefes Vertrauen zu Gott.  „Wir wissen ja: nichts geschieht von ungefähr… Gott führt uns überall! Und es ist nicht immer ein gerader und bequemer Weg! Doch jeder Weg führt zum guten Ziele, wenn man der Führung Gottes vertraut ….“  Er schrieb auch: „Christus trägt das Kreuz für die Kirche, da können wir als seine Freunde nicht müßig zusehen- sondern mittragen…So wird es mir leichter, ja man wird froh. Man trägt es ja nicht allein- Christus trägt ja mit. Da braucht man nicht zu verzagen.“

Er wurde angeklagt, ein Prozess fand statt und er wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Doch wie er nach einigen Monaten freigelassen werden sollte, wurde er in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau gebracht.

Am 02.10.1941 kam er im KZ  Dachau an. Er wurde mit Beschimpfungen, Schlägen und Fußtritten empfangen. Auf der Fahrt ins KZ Dachau traf er P. Maurus Münch, einen Benediktinerpater. Sie wurden Freunde. Wie sie zusammen durch das Tor ins Lager fuhren, flüsterte Andritzki dem Pater zu: „Domine custodiat introitum tuum et exitum tuum“ (Der Herr möge deinen Eintritt hier und deinen Ausgang beschützen). P. Münch überlebte das Lager. Er wurde Alojs Andritzkis Beichtvater und Freund. P. Münch berichtete uns nach dem Krieg vieles von Alojs Andritzki.

In der ersten Zeit im Lager durften die beiden Priester nicht in den Priesterblock und in die Kapelle. In dieser Zeit hörten sie sich täglich gegenseitig die Beichte, um durch das Sakrament in Gottes Gegenwart zu bleiben. Als Alojs Andritzki in den Priesterblock verlegt worden war, nahm er an den Abendzirkeln teil. Die Priester lasen die Petrusbriefe und tauschten sich darüber aus. Sie sprachen auch über Liturgie und Seelsorge. Er war einer der jüngsten Priester in der Runde. Unter den Geistlichen war er sehr beliebt. Zu Weihnachten 1941 malte er ein Weihnachtsbild, das hinter dem Altar aufgehängt wurde. Das war für die Mitgefangenen eine besondere Freude.

Von Andritzki wird berichtet, dass er jeder Zeit zu jedem Liebesdienst bereit war. „… Abortdienst lag seiner Art gar nicht; aber wenn er draußen am Schrubben und Putzen war, lachte sein ganzes Gesicht, und immer hatte er ein frohes Wort und einen feinen Witz auf den Lippen. Keiner war wohl im Block so beliebt wie er. Schneidig, frisch, theologisch gut gebildet, war Alojs aber auch ein feiner Musiker und Künstler… Wer ihn am Morgen gesehen hatte bei der Arbeit oder irgendeinem Tun, der war froh für den ganzen Tag.“ Er selber schrieb: „so wollen wir wenigstens das Samenkorn sein, um zur Zeit der Ernte vielfältige Frucht zu bringen…“(Brief vom 08.02.42)

Ebenso schrieb Andritzki: „Segen und Kraft soll hinausgehen“. Damit wollte er sagen, sein Leiden im Lager verstand er als Kraft, die anderen zum Segen wurde, auch über die Grenzen des Lager hinaus.

Alojs Andritzki munterte seine Mithäftlinge auf: Im Handstand lief er abends in den Schlafsaal und mit Saltos kam er in die 3. Etage des Stockbettes zu seinem Schlafplatz. Mit seinen Kunststücken brachte er alle zum Lachen und so verbesserte sich die Stimmung.  Nach Hause schrieb er: „habe ich das tiefe Vertrauen zu meinem lieben Vater im Himmel, dass alles gut wird…Meine jetzige Lage führt mich aufwärts: es ist wahrlich eine geistige Erneuerung, was könnte man als strebender und wachsender Mensch mehr wünschen?“

Alojs Andritzki musste zuerst in der Schreibstube arbeiten später auf der Plantage. Bei der schweren Arbeit wurde er schwächer. Der Hunger schwächte den jungen Sportler. Schließlich bekam er ernste gesundheitliche Probleme.  Pater Münch schrieb später an Alojs´ Mutter: „Ihr Sohn machte ein furchtbares Martyrium durch. Lange kämpfte er mit der Hungerruhr. (Durchfallerkrankung, verursacht durch Hunger) Als Heilmittel gab es nur einfache Kohle; sonst nichts. Dann kamen die Herzschwäche und die Phlegmone an den Beinen, die ein einziger roher Eiterbrand waren.“

Nach Weihnachten 1942 infizierte Andritzki sich zusätzlich mit Typhus.  Er musste sich ins Revier bringen lassen. Auf dem Weg dorthin traf er einen anderen Kaplan aus dem Bistum Meissen, der ebenfalls gerade ins Revier gebracht werden musste, Herman Scheipers. Dieser ist heute der letzte Überlebende der Priester aus dem KZ Dachau. Heute ist er 99 Jahre alt. Bei der Seligsprechung Andritzkis in Dresden 2011 gab er sein Zeugnis. Er erzählte über seine Freundschaft zu Alojs Andritzki. Wie beide ins Revier getragen wurden, rief Alojs Andritzki Herman Scheipers zu: „Du, wir wollen schaun, dass wir zusammen bleiben.“ Herman Scheipers meinte zunächst, Alojs wollte versuchen, ob sie Betten nebeneinander bekommen könnten. Das hat aber nicht geklappt. Sie konnten sich nicht mehr sehen. Hermann Scheipers erzählte, dass er sein ganzes Leben lang die Nähe und die Kraft der Fürsprache seines Freundes gespürt hat. Sechs Mal ist er knapp dem Tod entkommen, im KZ Dachau und bei der Flucht, oft ganz knapp.

Bei der Seligsprechung von Andritzki sprach Bischof Reinelt und ermutigte alle Anwesenden, dieses Angebot zur Freundschaft anzunehmen.

Am 03.02.1943 lag Alojs im Revier. Es ging ihm so schlecht, dass er sich dem Tod nahe fühlte. Er bat den Pfleger den Lagerkaplan zu rufen, das war zu dieser Zeit von der Lagerleitung für sterbende Priester erlaubt. Der Pfleger entgegnete ihm aber: „Christus will er? Eine Spritze kriegt er!“ und tötete ihn mit der Todesspritze.

Am 13. Juni 2011 wurde Alojs Andritzki in einem Pontifikalamt vor der Hofkirche in Dresden seliggesprochen.

Seliger Alojs Andritzki, bitte für uns!

 

Zitate

Christus mein Alles! Ich schwöre mir, entschlossen den Weg der Berufung in der Nachfolge Christi zu gehen. Nichts Irdisches.. kann mich mehr begeistern. Ganz bin ich für Gott!

Exerzitiennotiz Mai 1934, 20 Jahre alt

Keiner, der zu Gott hält, ist das, auch, wenn es scheinen möge, als sei ich von Gott verlassen worden und mir misslingt alles und ich habe Feinde und die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen und will mich vernichten, steht mir Gott gerade in solchen schweren Augenblicken am nächsten zur Seite und kämpft mit mir und gibt mir die Kraft, um nicht zu fallen. – Ja wer mit Gott ist, überwindet mit ihm alles.

Brief an Mutter, Paderborn, 1.3.37

… und mein ganzes weiteres Leben soll ein herrliches und großes Loblied sein für Gott!

Brief vom 03.06.1937

Ach, wie schön ist es doch, so nahe vor Gott stehen zu dürfen!!! Ich bin glücklich. Dir wünsche ich auch solche Seligkeit.

Brief an seine Schwester November 1939

Doch Gott ist groß und mächtig und wird alles gut führen, so dass uns, die wir auf Gott bauen, das nicht schaden wird – sondern im Gegenteil wird es zu einer guten und gesunden Nation verhelfen…

– Brief an seine  Schwester vom 15.12.1940

 

Es werden Zeiten kommen, da werden sie Euch hungern lassen. Dann werden sie euch einen Hering zeigen und befehlen, Jesus zu verraten. Dann müsst ihr standhaft bleiben und euch selbst verleugnen

– Alojs Andritzki zu Jugendlichen

 

Mitkaplan Martin Kuhn:

Er sorgte für die Fülle des Daseins und der Freude. Sportlich war er, diskussionsfreudig, musikalisch, künstlerisch begabt, sowie von umwerfender Heiterkeit und Fröhlichkeit, die einfach jeden, der mit ihm zu tun hatte, begeistern musste. Seine beispielhafte Hilfsbereitschaft machte ihn bei allen beliebt.

 

Ehemaliger Kapellknabe:

Kaplan Alojs Andritzki.. war jung und sportlich, zu uns wie ein großer Bruder… Mit Alojs Andritzki hätte man Pferde stehlen können… Er ging mit uns ins Stadtfreibad und führte dort Sprünge vom 10-m-Turm und gekonnte Turnübungen an den Geräten vor… Absolute Spitze war eine akrobatische Vorführung von ihm: Auf der mit Geschirr gedeckten Speisetafel lief er im Handstand von einem Ende zum anderen. Für Alojs Andritzki wären wir alle durchs Feuer gegangen.

 

In der Seele von Alojs flammte jene heiße Liebe zu Gott und den Heiligen, ein wahres inneres Gespräch mit Christus, unserem Herrn, war in ihm lebendig. So dachte und urteilte er immer vom Herrn aus, der ihm in der tieffromm gefeierten heiligen Messe….und im Breviergebet begegnete…  Ich weiß, Alojs war ein junger Mann, der von der Stärke seines Innenlebens aus allen Lagen Herr wurde.

 

 

…Doch als Christ, und vor allem als Diener des Allerhöchsten, habe ich das tiefe Vertrauen zu meinem lieben Vater im Himmel, dass alles gut wird… Meine jetzige Lage führt mich aufwärts: es ist wahrlich eine geistige Erneuerung, was könnte man als strebender und wachsender Mensch mehr wünschen? Nur eine Bitte: Last uns füreinander beten.

– Brief von Alojs Andritzki vom  15.02.41, aus dem Gefängnis Dresden

Zur Heiligkeit gehört der eigene freie und bejahende Wille, der dem Willen  des Höheren zugetan ist, und das vor allem dann, wenn damit auch Leid und Entsagung verbunden ist. Nun ist mir hier ja Gelegenheit geboten, diesen Weg der Heiligkeit zu gehen. Ich will ihn gehen so froh und freudig, als es mir nur möglich ist, denn es gilt ja, mit Gott eins werden… Es gibt schon Stunden der tiefsten Verlassenheit, aber das muss ja sein, damit umso größer die Liebe und Freude Gottes in mir Raum gewinnen kann. Unerlässlich bei diesem Streben ist das Gebet.

– Brief aus dem Gefängnis in Dresden vom 09.03.1941

 

 

Seid um mich unbesorgt – die Freude ist aus meinem Herzen nicht geschwunden; mein Leben ist wegen der äußeren Umstände mehr nach innen gekehrt, die Freude ist inniger und tiefer.

– Brief aus dem Gefängnis  Dresden vom 23.03.41

 

Christus trägt das Kreuz für die Kirche, da können wir als seine Freunde nicht müßig zusehen- sondern mittragen… So wird es mir leichter, ja man wird froh. Man trägt es ja nicht allein- Christus trägt ja mit. Da braucht man nicht zu verzagen. Ich habe Mut, es zu tragen bis auf Golgota- alles mit Christus auskosten. …so erweist sich die Bejahung des Willen Gottes als das Beste; gerade das Schlimmste, was die Welt fürchtet – das Kreuz- führt zur ewigen Herrlichkeit.

– Brief aus dem Gefängnis in Dresden vom 30.03.1941

 

Ich spüre tagtäglich die Kraft des Gebetes. Darin zeigt sich das Große, was der Herr uns gegeben hat: den Frieden; in erster Linie den des Herzens, dann aber auch nach außen hin den des Gemütes, ja des ganzen Menschen.  Grund gelegt ist natürlich dieser Friede durch die Aussöhnung mit Gott durch das Sakrament des Friedens: die hl. Beichte. Aber dieser Friede wächst auch noch täglich. ..Denn man wird immer ruhiger und allen Dingen gegenüber beherrschter und sicherer. Alles, was man tut oder was einem begegnet, ist eingebettet in die „Fürsicht“ Gottes. Darum kann auch willentlich und wissentlich kaum noch etwas geschehen, was einen von Gott trennt; so sind wir wahrhaft durch Christus der Sünde abgestorben. Darum lasst uns Gott Dank sagen! Alleluja

– Brief aus dem Gefängnis Dresden 07.05.41

 

… Dieses unser Bestreben immer wieder an zu spornen und auf Gott, der die Fülle, das Wesen des Guten ist, auszurichten, bewirkt der Heilige Geist. Seine Wirkweise ist unbeschränkt und knüpft darum – uns völlig rätselhaft- seine Führung an Zeit und Lagerverhältnisse, die uns Menschen fruchtlos und widerspenstig erscheinen. Und doch: da es göttliche und allmächtige Geisteskraft ist, wird aus der scheinbar vernichtenden Situation- vernichtender Arbeit, scheinbar toter Zeit das Neue entstehen. Ja, der Heilige Geist wirkt oftmals da am stärksten, wo wir ihn am wenigsten ahnen.

– Brief vom 04.06.41

 

Wir wissen ja: nichts geschieht von ungefähr. Gott führt uns überall … ! Und es ist nicht immer ein gerader  und bequemer Weg! Doch jeder Weg führt zum guten Ziele, wenn man der Führung Gottes vertraut und nicht aufhört, ihn zu bitten, die Kraft und Gnade zu geben, immer seinem göttlichen Willen gemäß zu denken, reden und zu tun…. Ich will alles gerne tun und alles aufopfern vor allem für unsere leidenden Mitbrüder….

– Brief aus dem Gefängnis Dresden, 27.07.1941

 

Die Zeit der Prüfung ist kein Zufall: es ist der Wille des Vaters. Hier liegt unsere Lebensaufgabe, unser apostolisches Wirken, unsere Seelsorge.

– Brief vom 17.05.42 aus dem KZ Dachau

 

In heiliger, betender und opfernder Gemeinschaft gedenken wir oft unserer Hofkirchenpfarrei. Wenn der Herr scheinbar (in den Augen der Welt) sein Antlitz von uns gewendet hat,… so lassen wir uns nicht beirren in der Liebe unseres himmlischen Vaters…. Je größer die Not, desto mehr Gnade strömt uns zu, und niemals werden wir darum ermüden, zum Altare Gottes zu treten, der uns erfreut von Jugend auf durch seine übernatürliche Kraft und Hilfe…

– Brief aus dem KZ Dachau vom 08.02.1942

…Wenn wir aber jetzt nicht gerade als Sämann wirken können, so wollen wir wenigstens das Samenkorn sein, um zur Zeit der Ernte vielfältige Frucht zu bringen…

– Brief aus dem KZ Dachau, vom 08.02.42

Gebe Gott, dass sich aus diesen schweren Zeiten große Menschen bilden, fähig, die kommenden Zeiten zu führen. Auch an uns ist der Bildner Gott tätig; sollen wir doch dem Sohne Gottes und Mariens gleichförmig werden. Drum Dank dem Herrn!

– Brief aus dem KZ Dachau vom 11.10.42

Zitat eines Mitgefangenen im KZ Dachau über Alojs Andritzki:

Wer ihn am Morgen gesehen hatte, bei der Arbeit oder irgendeinem Tun, der war froh für den ganzen Tag

– P. Maurus Münch beschrieb seinen Freund Alojs Andritzki

 Die angegebenen Zitate sind entnommen: (weitere Literatur)

Alojs Andritzki, ein Lebensbild, Leipzig, 2010, Benno-Verlag

Alojs Andritzki, Briefe, Ratibor 2011, Verlag Sursum

Alojs Andritzki, „.. dass ich mich freue, trotz allem“, Zeichen und Zeiten, Lusatia Verlag

 

Links:

  • Film auf youtube über Alojs Andritzki
  • Film : künstlerische Auseinandersetzung mit dem Seligen:  „Andritzki. Bekenntnis – Ausschnitte Darsteller Tomaš Klimann“

 

 

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