polnische Pfadfinderwallfahrt 10.10.2015


Kollage II

Drei Arti­kel erzäh­len von der Wall­fahrt pol­ni­scher Pfad­fin­der und der Ent­hül­lung einer Gedenk­ta­fel zur Erin­ne­rung an den seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski

  • Arti­kel „ein Zei­chen Got­tes“ aus der Tages­post von Monika Neu­dert
  • aus­führ­li­cher Bericht von Monika Neu­dert
  • Arti­kel von Jus­tyna Weber „70. Todes­tag des seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski – Eine deutsch-polnische Begeg­nung in Dachau“

viel Freude beim Lesen

 

Arti­kel in der Zei­tung „die Tages­post“ vom 15.10.2015

Ein „Zei­chen des Sie­ges Got­tes“

Gedenk­stätte Dachau: Tafel für den seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski ent­hüllt; Von Monika Neu­dert

Dachau (DT) Im Gedenkraum des frü­he­ren Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Dachau ist in der ver­gan­ge­nen Woche zu Ehren des pol­ni­schen Kaplans Ste­fan Fre­li­chow­ski eine Gedenk­ta­fel ent­hüllt wor­den. Fre­li­chow­ski, der 1913 in Chelmza (Culm­see) zur Welt kam und im Früh­jahr 1945 an den Fol­gen einer Typhuser­kran­kung starb, zählt zu den ins­ge­samt 47 selig­ge­spro­che­nen pol­ni­schen Mär­ty­rern, die in Dachau als Häft­linge ums Leben kamen.

Den anwe­sen­den Gäs­ten und Pil­gern aus Polen emp­fahl der Münch­ner Weih­bi­schof Wolf­gang Bischof den seli­gen Mär­ty­rer Fre­li­chow­ski als Vor­bild. Die­ser sei ein Pries­ter gewe­sen, der aus Liebe zu Gott den Hass im KZ Dachau über­wun­den habe. Bischof lud die Gläu­bi­gen ein, aus die­sem Geist zu leben, dem Geist der Groß­her­zig­keit und des Frie­dens und erwähnte auch die ande­ren selig­ge­spro­che­nen Mär­ty­rer von Dachau.

Beim gemein­sa­men Got­tes­dienst in der Kapelle des Kar­mel Hei­lig Blut, der direkt an die Gedenk­stätte des KZ Dachau anschließt, hob Sla­wo­mir Oder, Pos­tu­la­tor der Kon­gre­ga­tion für Selig und Hei­lig­spre­chun­gen in Rom, her­vor, dass Fre­li­chow­skis Mar­ty­rium als ein „Zei­chen des Sie­ges Got­tes“ zu ver­ste­hen sei.
Oder, in Deutsch­land bekannt­ge­wor­den durch das Selig- und Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­ren von Papst Johan­nes Paul II., erin­nerte in sei­ner Pre­digt daran, dass die „Quelle der Freude und der Kraft“ Fre­li­chow­skis sein Pries­ter­tum gewe­sen sei, seine „Pfar­rei“ die vie­len gefan­ge­nen Kame­ra­den im KZ Dachau. „Auch in schwe­ren Zei­ten konnte er ein Mensch blei­ben“, so Oder, der die hei­lige Messe zusam­men mit 12 ande­ren Pries­tern und dem pol­ni­schen Mili­tär­bi­schof Jozef Guz­dek zele­brierte.

Die fei­er­li­che Ent­hül­lung der Tafel fand im Rah­men einer Wall­fahrt statt, die von der Pol­ni­schen Gemein­schaft (Wspól­nota Polska), die sich für Polen in ande­ren Län­dern enga­giert, orga­ni­siert wurde. 150 pol­ni­sche Pfad­fin­der aus ver­schie­de­nen Län­dern, die Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski als Patron ver­eh­ren, waren in Beglei­tung von zahl­rei­chen Seel­sor­gern und Betreu­ern nach Dachau gereist. Am Ende des Got­tes­diens­tes wurde ihnen eine Reli­quie des Seli­gen als Geschenk anver­traut.

Als Ehren­gast anwe­send war neben dem pol­ni­schen Gene­ral­kon­sul Andrzej Osiak und Max Mann­hei­mer, einem der letz­ten jüdi­schen Über­le­ben­den des KZ Dachau und Ver­tre­ter des inter­na­tio­na­len Dachau Comi­tes, auch ein Neffe des vor 70 Jah­ren ver­stor­be­nen Pries­ters. Auch einige Gläu­bige aus Dachau und Umge­bung waren zu den Fei­er­lich­kei­ten gekom­men, um ihre Ver­eh­rung für den seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski und ihre Ver­bun­den­heit mit den pol­ni­schen Gäs­ten aus­zu­drü­cken. Viele von ihnen gehö­ren zum „Freun­des­kreis Selige aus dem KZ Dachau“, der sich für die leben­dige Erin­ne­rung an die 55 selig­ge­spro­che­nen Mär­ty­rer unter den Häft­lin­gen aus dem KZ Dachau ein­setzt.

 

Aus­führ­li­cher Bericht über die pol­ni­sche Wall­fahrt zum 70. Todes­tag des seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski nach Dachau am 10.10.2015

Ent­hül­lung einer Gedenk­ta­fel zu Ehren des seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski im Gedenkraum der Gedenk­stätte des KZ Dachau.

Selig, die das Wort Got­tes hören und tun
Die Liebe besiegte den Hass

Dachau, 10.10.2015
Viele junge Leute sind gekom­men in die kleine Kapelle des Kar­mel Hei­lig Blut in Dachau, an ihrer Klei­dung als Pfad­fin­der zu erken­nen. Vor dem Ambo ein blu­men­ge­schmück­tes Bild. Es ist ein Por­trät eines Häft­lings des KZ Dachau, des seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski. Am 23.03.1945, vor 70 Jah­ren, starb er im KZ Dachau. Der junge pol­ni­sche Kaplan, der sich in Haft ent­schie­den für seine Kame­ra­den ein­setzte begeis­tert noch heute viele Men­schen. Im KZ Dachau half er unzäh­li­gen Mit­häft­lin­gen wo er nur konnte. Zuletzt pflegte er Typhus­kranke in den Qua­ran­tä­neblocks des Win­ters 1944/1945 und stand ihnen als Seel­sor­ger ver­bo­te­ner Weise in ihren letz­ten Stun­den bei. Dabei infi­zierte er sich eben­falls mit der töd­li­chen Seu­che und starb im KZ Dachau, da keine medi­zi­ni­sche Hilfe für die Häft­linge vor­ge­se­hen war.

Unge­wöhn­lich war außer­dem die Spra­che, die man über­wie­gend hörte: Pol­nisch.
150 pol­ni­sche Pfad­fin­der sind am 10.10.2015 mor­gens um 9.00 Uhr in Beglei­tung von zahl­rei­chen Seel­sor­gern und Betreu­ern nach Dachau gekom­men um ihren Patron, den seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski zu ehren. Sie kamen nicht nur aus Polen, auch polnisch-stämmige Pfad­fin­der aus der Ukraine, Weiß­russ­land und ver­schie­den ande­ren Län­dern West­eu­ro­pas sind unter ihnen. Den pol­ni­schen Pfad­fin­dern in Europa wird am Ende des Got­tes­diens­tes eine Reli­quie des Seli­gen als Geschenk anver­traut.
Über­all sah man frohe und gespannte Gesich­ter, Freunde begrüß­ten sich, es war eine frohe und fami­liäre Atmo­sphäre. Zu Beginn der Wall­fahrt stand ein gemein­sa­mer Got­tes­dienst in der Kapelle des Kar­mel Hei­lig Blut, der direkt an die Gedenk­stätte des KZ Dachau anschließt. Prof. Dr. Sla­wo­mir Oder, Pos­tu­la­tor der Kon­gre­ga­tion für Selig und Hei­lig­spre­chun­gen in Rom, bei uns bekannt­ge­wor­den durch das Selig- und Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­ren von Papst Johan­nes Paul II und der pol­ni­sche Mili­tär­bi­schof Jozef Guz­dek aus War­schau, zele­brier­ten die hei­lige Messe zusam­men mit 12 ande­ren Pries­tern. Zu Beginn begrüßt der Münch­ner Weih­bi­schof Wolf­gang Bischof alle anwe­sen­den im Namen des Münch­ner Erz­bi­schofs Rein­hard Kar­di­nal Marx und über­bringt Grüße. In deut­scher Spra­che stellte er den Seli­gen vor und emp­fahl ihn als Vor­bild. Aus Liebe zu Gott über­wand der junge Pries­ter Fre­li­chow­ski den Hass im KZ Dachau. Er lud die Gläu­bi­gen ein aus sei­nem Geist zu leben, dem Geist der Groß­her­zig­keit, des Frie­dens. Bischof erwähnte auch die ande­ren selig­ge­spro­che­nen Mär­ty­rer von Dachau, bis­her sind es mehr als 50.
Der Got­tes­dienst wurde musi­ka­lisch gestal­tet von pol­ni­schen Lie­dern der Pfad­fin­der zu Gitarre. Pfad­fin­der umrahm­ten auch mit 5 Fah­nen als Ehren­garde seit­lich den Altar­raum. Auch zwei Nef­fen des Seli­gen war nach Dachau gereist um die Ver­bun­den­heit mit der Fami­lie des Seli­gen aus­zu­drü­cken. In der ers­ten Reihe saß Max Mann­hei­mer, einer der letz­ten jüdi­schen Über­le­ben­den des KZ Dachau und Ver­tre­ter des inter­na­tio­na­len Dachau Comi­tes, seine Anwe­sen­heit war eine beson­dere Ehre für den Seli­gen.
Zu Beginn des Got­tes­diens­tes wur­den die pol­ni­schen Gläu­bi­gen ein­ge­la­den die Geschichte und die Wahr­heit über die christ­li­chen Mär­ty­rer ken­nen­zu­ler­nen, die wie Fre­li­chow­ski inmit­ten von Elend, Bos­heit und Tod durch Liebe den Hass gesieg­ten. Die Liebe moti­vierte Fre­li­chow­ski in die ver­bo­te­nen Qua­ran­tä­neblocks des KZ Dachau zu den typhus­kran­ken Kame­ra­den zu gehen und ihnen zu hel­fen. Die Liebe besiegte den Hass. Der Zele­brant lud ein für Frie­den und Brü­der­lich­keit zu beten, die dem Leben Sinn geben und es schön machen. Er for­derte die Gläu­bi­gen dazu auf Fre­li­chow­skis Spu­ren zu fol­gen, es sind die Spu­ren der Liebe Christi und wie der Selige treu das Kreuz in der Nach­folge Christi zu tra­gen.

In der Pre­digt sprach Dr. Sla­wo­mir Oder eben­falls von Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski. Die Quelle der Freude und der Kraft war sein Pries­ter­tum. Seine Pfar­rei – die vie­len gefan­ge­nen Kame­ra­den im KZ Dachau. Bewegt sei er sel­ber heute zum ers­ten Mal nach Dachau gepil­gert um vom Vor­bild und Bei­spiel des Seli­gen inspi­riert zu wer­den. Er zitierte Fre­li­chow­ski, der vom Gott der Liebe und des Lebens sprach, des­sen Liebe Hass und Rache besiegt. Sein Mar­ty­rium sei ein Zei­chen des Sie­ges Got­tes. Fre­li­chow­ski hat dies sel­ber gelebt. „Selig, die das Wort Got­tes hören und tun“, die­ses Wort gilt beson­ders für den Seli­gen. Auch in schwe­ren Zei­ten konnte er ein Mensch blei­ben. Dachau sei bekannt­lich ein Ort des Todes, Dachau ist aber auch ein Ort des Sie­ges Got­tes. Fre­li­chow­ski ist hier sei­ner pries­ter­li­chen Beru­fung treu geblie­ben, er hat sie tief gelebt und geliebt. Pries­ter sein bedeu­tete für ihn sein Kreuz zu tra­gen. Die Liebe Christi hat sein Herz getrof­fen und ihn befä­higt sein Kreuz zu tra­gen, wie Jesus sei­nes getra­gen hat, so bekam sein Lei­den einen Sinn. Er lebte dafür, ande­ren zu die­nen und gab sein Leben wie ein Opfer. Fre­li­chow­ski war voll Lebens­freude, er war froh Pries­ter zu sein. Sein Ein­satz galt den schwa­chen und kran­ken Kame­ra­den, wie ein guter Sama­ri­ter half er und teilte alles, Brot, eine warme Decke, sei­nen Platz am war­men Ofen, aber auch sein Wis­sen und seine Erfah­rung. So hat er viele gestärkt und getrös­tet. Zu Geben wurde der Sinn sei­nes Lebens. Selbst am Ort des Has­ses und der Nacht zeigte er keine Angst son­dern wurde ande­ren zur Quelle der Kraft durch sein inne­res Licht.
Seine Menschen- und Nächs­ten­liebe besiegte die Angst, weil die Liebe keine Angst kennt. Liebe macht stark, mutig und kann nicht zer­bre­chen. Fre­li­chow­ski setzte ein Zei­chen für das Gute und die Liebe, aus Liebe zu Chris­tus. Das Gebet wurde für ihn zur Quelle des Lebens und der Kraft. Möge es auch zur Kraft für unser Leben wer­den.

Am Ende des Got­tes­diens­tes betonte Oder noch­mal: Im KZ Dachau war ein Ort ohne Gott. Doch die Wahr­heit ist tie­fer. Gott war gegen­wär­tig in Dachau. Viele Men­schen fra­gen in unse­ren Tagen: wo war Gott? Es wäre bes­ser zu fra­gen: Wo war der Mensch? Fre­li­chow­ski war hier. Sein Leben und Mar­ty­rium der Nächs­ten­liebe sind die Ant­wort auf diese Frage.

Auch einige Gläu­bige aus Dachau und Umge­bung waren zum Got­tes­dienst gekom­men um ihre Ver­eh­rung für den seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski und ihre Ver­bun­den­heit mit den pol­ni­schen Gäs­ten aus­zu­drü­cken. Auch so kann Ver­söh­nungs­ar­beit aus­se­hen. Viele von ihnen gehö­ren zum Freun­des­kreis Selige aus dem KZ Dachau, der sich ein­setzt, um ein Ver­ges­sen der 55 selig­ge­spro­che­nen Mär­ty­rer unter den Häft­lin­gen aus dem KZ Dachau bekannt zu machen. 47 die­ser Seli­gen stam­men aus Polen und sind lei­der noch wenig bekannt. Fre­li­chow­ski ist einer von ihnen.
„Ich bewun­dere Fre­li­chow­ski so sehr. Er ist in diese Hölle Mensch geblie­ben.“, sagt Jus­tyna Weber, pol­nisch stäm­mige Dol­met­sche­rin aus Mün­chen. Seit Jah­ren enga­giert sie sich ehren­amt­lich in der Gedenk­ar­beit und über­setzt auch heute den deutsch­spra­chi­gen Got­tes­dienst­be­su­chern aus dem Pol­ni­schen.

Im Anschluss an den Got­tes­dienst begab sich die ver­sam­melte Fest­ge­meinde zur Gedenk­stätte des KZ Dachau. Dort in den Räu­men des Muse­ums ver­sam­mel­ten sich alle um ein Red­ner­pult. Neben Max Mann­hei­mer ergriff auch der pol­ni­sche Gene­ral­kon­sul Andrzej Osiak das Wort und sprach in pol­ni­scher und deut­scher Spra­che. Der heu­tige Tag sei ihm eine große Ehre und Freude. Auch einer der Neffne des Seli­gen sprach. Worte des Dan­kes für die Orga­ni­sa­tion die­ser Wall­fahrt waren zu hören.
Anschlie­ßend wurde im Gedenkraum der Gedenk­stätte eine aus Polen mit­ge­brachte Tafel fei­er­lich ent­hüllt.

Am Nach­mit­tag tra­fen sich die Pfad­fin­der am Fried­hof Lei­ten­berg bei Dachau. Dort wur­den in den letz­ten Kriegs­mo­na­ten die getö­te­ten Häft­linge begra­ben. Wahr­schein­lich fand auch Fre­li­chow­ski hier sein Grab. Auf dem Weg bete­ten die Jugend­li­chen berüh­rend, gesam­melt und andäch­tig den Kreuz­weg. An den Sta­tio­nen des Lei­dens unse­res Herrn wurde an Sta­tio­nen aus dem Leben des seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski erin­nert.

Die Wall­fahrt wurde von der pol­ni­schen Orga­ni­sa­tion Wspól­nota Polska in War­schau orga­ni­siert, die sich für Polen in ande­ren Län­dern enga­giert.

Monika Neu­dert

 

70. Todes­tag des seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski – Eine deutsch-polnische Begeg­nung in Dachau
Am 10.10.2015, einem kal­ten und grauen Okto­ber­tag ver­sam­mel­ten sich um 9.00 Uhr viele Junge Leute vor einem blu­men­ge­schmück­ten Gemälde der klei­nen Kapelle des Kar­mel Hei­lig Blut in Dachau.
Sie kamen weite Wege, nicht nur aus Polen, son­dern aus allen Ecken der Welt um ihren gelieb­ten Patron den seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski zum 70. Todes­tag zu ehren.
Unter den Ver­sam­mel­ten waren auch der Pol­ni­sche Gene­ral­kon­sul in Mün­chen Herr Andrzej Osiak, Weih­bi­schof Wolf­gang Bischof, Prof. Dr. Sla­wo­mir Oder, Pos­tu­la­tor der Kon­gre­ga­tion für Selig- und Hei­lig­spre­chun­gen in Rom und der pol­ni­sche Mili­tär­bi­schof Jozef Guz­dek aus War­schau, der Neffe von Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski Herr Zyg­munt Jacz­kow­ski und Max Mann­hei­mer, der einer der letz­ten Über­le­ben­den des KZ Dachau und Ver­tre­ter des inter­na­tio­na­len Dachau Komi­tees, die eine Andachts­messe zusam­men mit 12 pol­ni­schen Pries­tern zele­brier­ten. Auch Per­so­nen, die aktiv für die Deutsch-Polnische Ver­söh­nung arbei­ten wie Frau Helga König, die Über­le­bende und ehe­ma­lige Häft­linge aus dem KZ Dachau in Mün­chen betreut und Frau Monika Neu­dert aus dem Freun­des­kreis Selige aus dem KZ Dachau die sich für die Kul­tur des Erin­nerns stark macht waren gekom­men. Ein Drit­tel aller Men­schen, die in Dachau ermor­det wur­den waren pol­ni­scher Natio­na­li­tät, unter ihnen auch Men­schen jüdi­scher Abstam­mung. Das Nazi-Regime hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Elite des besetz­ten Polens zu eli­mi­nie­ren. Der Ver­ant­wort­li­che für diese Aktion war Rein­heid Hey­drich. Er emp­fahl die Zivil­be­völ­ke­rung im besetz­ten Polen ein­fach sofort zu erschie­ßen oder zu erhän­gen ohne für ein Gericht und Ermitt­lun­gen Zeit zu ver­lie­ren.
Zu Beginn begrüßte der Münch­ner Weih­bi­schof Wolf­gang Bischof alle anwe­sen­den im Namen von Kar­di­nal Marx, der sich zu die­ser Zeit auf der Fami­li­en­syn­ode in Rom befand. In deut­scher Spra­che stellte er den Seli­gen vor. Aus Nächs­ten­liebe über­wand Fre­li­chow­ski den Hass im KZ Dachau. Einem Ort in dem Men­schen sys­te­ma­tisch ernied­rigt, gequält und mit enor­mer Härte an Kör­per und Seele durch Hun­ger und Krank­hei­ten ver­letzt wur­den setzte er ein ande­res Zei­chen, ein Zei­chen der Nächs­ten­liebe. Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski kam im Rah­men des Pro­jek­tes zur Aus­rot­tung der pol­ni­schen Intel­li­genz nach Dachau, das gezielt gegen die pol­ni­sche Eli­ten gerich­tet war.
Allein gegen das Böse
Fre­li­chow­ski war ein enthu­si­as­ti­scher und fröh­li­cher Mensch, den Freunde und Kol­le­gen Wicek nann­ten. Als Win­centy Fre­li­chow­ski in das KZ Dachau kam war er so jung wie die Jugend heute, die aus der gan­zen Welt kam um ihn zu ehren.
Seine ganze Jugend ver­brachte er hin­ter Sta­chel­draht in diver­sen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern: Erst in Stutt­hof, dann in Grenz­dorf und zuletzt in Dachau. Hier beschloss er sich noch mehr als in sei­nem frü­he­ren für die Pro­bleme und Bedürf­nisse der ande­ren zu öff­nen.
Er enga­gierte sich für die Mit­ge­fan­ge­nen, nicht nur mit guten Wor­ten son­dern mit kon­kre­ten Aktio­nen wie der Grün­dung einer Lager Cari­tas um das Essen an Bedürf­tige vor allem an rus­si­sche Gefan­gene zu ver­tei­len. Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski war ein ganz gewöhn­li­cher Mensch mit einer außer­ge­wöhn­li­chen Kraft. Ein Engel in die­ser bru­ta­len Welt. Als in dem über­füll­ten Lager eine Typhu­se­pi­de­mie aus­brach und nie­mand die Kran­ken pfle­gen wollte enga­gierte er sich frei­wil­lig in beein­dru­cken­der Weise für die heim­li­che Pflege typhus­kran­ker Kame­ra­den. Unter die­sen Bedin­gun­gen brachte er den ster­ben­den Häft­lin­gen Hoff­nung und Men­schen­würde unge­ach­tet ihrer Reli­gion und Natio­na­li­tät. Als Folge infi­zierte er sich dann selbst und starb an der Krank­heit ver­bun­den mit einer Lun­gen­ent­zün­dung am Vor­abend der Befrei­ung am 23.02.1945, nach 6 Jah­ren Gefan­gen­schaft, davon alleine 4 Jahre im KZ Dachau. In sei­nem Tage­buch schrieb er „Man soll jeden Men­schen, der uns auf unse­rem Weg begeg­net unter Schutz neh­men und Inter­esse für seine see­li­schen Pro­bleme und seine Bedürf­nisse zei­gen“. Ist dies nicht auch heute ist noch so aktu­ell wie damals?
Im Anschluss an den Got­tes­dienst wurde in der Gedenk­stätte des KZ Dachau fei­er­lich eine kleine Tafel ent­hüllt. Auf der Tafel kann man Fre­li­chow­skis Bild sehen und die bewe­gen­den Stro­phen sei­nes Gedichts „Fröh­lich bin ich in den Lei­den“ lesen. In dem Gedicht, das er als sein Tes­ta­ment schrieb, war es sein letz­ter Wunsch, dass man sich nach dem Krieg ein wenig an ihn erin­nert und gut über sein Land spricht. Vor der Ent­hül­lung spra­chen der Gene­ral­kon­sul der Repu­blik Polen Herr Andrzej Osiak, der alle Gäste herz­lich begrüßte und Herr Max Mann­hei­mer. In sei­ner auf Pol­nisch gehal­te­nen Rede erzählte der Zeit­zeuge und Über­le­bende der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ausch­witz und Dachau wie er bei der Ankunft nach Ausch­witz von pol­ni­schen Mit­häft­lin­gen hörte „Schau mal das ist der Tsche­chi­sche Jude, der kann sogar Pol­nisch reden. Schaut bitte, dass man ihm eine leichte Arbeit gibt“. „In die­sem Moment sei seine Vor­stel­lung über den pol­ni­schen Anti­se­mi­tis­mus doch ziem­lich revi­diert wor­den“, so Max Mann­hei­mer. Aber es wur­den auch viele Bei­spiele der Ver­söh­nung zwi­schen Deut­schen und Polen erwähnt. Gerade den deut­schen Geist­li­chen die es schaff­ten bei der Lager­lei­tung eine Son­der­ge­neh­mi­gung zu bekom­men, ist es zu ver­dan­ken, dass die Häft­linge in sei­nem Block sich von Win­centy Ste­fan Fre­li­chow­ski ver­ab­schie­den konn­ten und er nach dem Tod nicht gleich im Kre­ma­to­rium ver­brannt wurde. Dafür bedankte sich der Neffe von Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski, Zyg­munt Jacz­kow­ski.
Wer nicht eigene Geschichte schreibt für den wird die Geschichte geschrie­ben, meinte der pol­ni­sche Mili­tär­bi­schof Jozef Guz­dek aus War­schau. Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski schrieb an einem Ort des Has­ses eine Geschichte der Hin­gabe und Nächs­ten­liebe und scheute nicht davor zurück den höchs­ten Preis dafür zu bezah­len: Sein Leben für das Gute zu opfern. Bei dem ihm über­all umge­ben­den Bösen wählte er immer das Gute. Auf solch lie­be­volle Art kämpfte er um die Frei­heit. Sein Hero­is­mus und seine unbe­fan­gene Ein­stel­lung sollte für die heu­tige Jugend ein Vor­bild sein, um zu ler­nen ein bes­se­ren Mensch zu wer­den und dadurch zur Ver­söh­nung bei­zu­tra­gen und das Licht der Liebe in die Mensch­heit zu tra­gen und eine Zivi­li­sa­tion der Liebe zu bauen. Das Leben und Wir­ken Fre­li­chow­skis ist Beweis dafür, dass die wahre Liebe auch über den Tod siegt. Dafür wurde den pol­ni­schen Pfad­fin­dern eine Reli­quie des Seli­gen (ein Kno­chen von Dau­men und Zei­ge­fin­ger), die heim­lich vor dem Ver­bren­nen im Kre­ma­to­rium geret­tet wur­den, anver­traut. Die Reli­quie wurde im Lager ein­bal­sa­miert, ver­steckt und nach dem Krieg nach Polen mit­ge­nom­men.
Die Ver­an­stal­tung und die Tafel wur­den mit Mit­teln der Wspól­nota Polska in War­schau finan­ziert.
Redak­tion Jus­tyna Weber

Die Rechte an die­sen Text blei­ben bei Frau Jus­tyna Weber

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