Biografie Richard Henkes

Pater Richard Henkes SAC
*26.05.1900 in Ruppach/Westerwald
verhaftet am 08.04.1943 wegen einer Predigt
ab 10.07.1943 KZ Dachau
meldete sich freiwillig zur Pflege typhuskranker Häftlinge Ende 1944
+22.02.1945
am 22.12.2018 gab der Vatikan die Anerkennung als Märtyrer bekannt
Gedenktag 22.02.

Kurzbiografie
(Übernahme mit freundlicher Genehmigung von https://pater-richardhenkes.
de/portrait.php)
Der im Jahre 1900 in Ruppach-Goldhausen/Ww. geborene Pallottinerpater Richard Henkes
strebte schon als Schüler im Studienheim Schönstatt (1912-1919) nach Wahrheit und
Freiheit. Im Jahr 1925 wurde er zum Priester geweiht und ab 1926 ein begeisternder Lehrer;
seit 1931 wirkte er in Katscher, Frankenstein und in Branitz im östlichen Teil des damaligen
Deutschen Reiches. Nach einer Predigt am 7.3.1937 in Ruppach gegen die Nazis wurde er
bei der Gestapo angezeigt und eine Untersuchung eingeleitet. Sie endete mit einer
Verwarnung. Ebenfalls 1937 wurde er wegen einer Äußerung gegen Adolf Hitler in
Katscher/Oberschlesien angezeigt. Der drohenden Verurteilung vor einem Sondergericht in
Breslau entging er wegen der Amnestie beim Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich.
Am 8. April 1943 wurde er wegen einer Predigt in Branitz/Oberschlesien verhaftet, in
Ratibor gefangen gehalten und am 10. Juli 1943 ins KZ Dachau eingeliefert. Dort ließ er
sich Ende November/Anfang Dezember 1944 freiwillig in der Zugangsbaracke 17 zur
Pflege und Seelsorge Typhuskranker einschließen, steckte sich dabei an und starb am 22.
Februar 1945 im KZ Dachau. Die Dachauer KZ-Priester und der Richard-Henkes-Kreis
haben sich seit 1982 für seine Seligsprechung eingesetzt.

Ausführliche Biografie
(teilweise Übernahme mit freundlicher Genehmigung von https://pater-richardhenkes.
de/chronik.php)
Kindheit und Ausbildung
Richard Henkes wurde am 26. Mai 1900 in dem Dorf Ruppach nahe bei Montabaur
geboren. Die Familie hatte acht Kinder, die früh im Haushalt und im Feld mitarbeiten
mussten. Sein Vater arbeitete als Steinmetz. Richard besuchte die Volksschule in Ruppach
sieben Jahre lang. Kirchlich gehörte Ruppach damals zur Pfarrei Meudt. Pallottinerpatres
aus dem nahegelegenen Limburg hielten sonntags die hl. Messe in Ruppach. Unter den
Patres waren auch Missionare aus Kamerun, die gerne aus der Mission erzählten. Richard
wollte auch gern Missionar werden. So trat er 1912 in das neu erbaute Studienheim der
Pallottiner in Vallendar ein. Pater Kentenich, der spätere Begründer der
Schönstattbewegung, wurde zur gleichen Zeit dort als Spiritual berufen. Richard Henkes trat
auch der Marianischen Kongregation bei. Bevor er 1918 zum Kriegsdienst nach Griesheim
und Darmstadt einberufen wurde, legte er am Gymnasium in Montabaur das einjährige
Examen ab.
Ende 1918 konnte er nach Vallendar zurückkehren, machte 1919 das Abitur und trat danach
bei den Pallottinern in Limburg ein. 1921 legte er die erste Profeß ab und wurde 1925 in
Limburg zum Priester geweiht. Während seiner Studienzeit durchlitt er innerliche Kämpfe
und Zweifel, doch es siegte sein Vertrauen auf seine Berufung durch Gott.

Wirken als Ordenspriester bis zur Verhaftung
Nach Abschluss des Studiums 1926 wurde er Lehrer im Studienheim Schönstatt. Knapp ein
Jahr nach Beginn der Lehrtätigkeit stellten sich bei P. Henkes Zeichen der Erschöpfung ein.
Schließlich wird eine schwere Lungentuberkulose diagnostiziert.
P. Henkes lässt in seinen Briefen erkennen, dass ihm der Aufenthalt in den Sanatorien nicht
leicht fiel. Zu den Erschwernissen gehörte auch die Überlegung seines Provinzials, ihn
eventuell in die Mission nach Südafrika zu schicken, weil dort ein günstiges Klima für
Lungenkranke sei. Der behandelnde Arzt riet jedoch von einer solchen Versetzung ab. Im
April 1928 wurde er mit vielen neuen Lebenserfahrungen in die Pallottinerschule in Drüpt
bei Alpen am Niederrhein als Lehrer versetzt und im September 1929 wieder nach
Schönstatt.
1931 wurde er nach Katscher in Oberschlesien versetzt (heute Kietrz in der polnischen
Woiwodschaft Oppeln).
Dort war eine Zubringerschule mit den drei unteren Klassen für die Schule in Frankenstein
(Ząbkowice Śląskie). Während die Pallottiner in Katscher ein erstes Schönstattkapellchen
bauten, errichteten die Nationalsozialisten in Deutschland ihr „tausendjähriges Reich“. So
wurde neben seinem Lehrerberuf für P. Richard Henkes die religiöse Auseinandersetzung
mit dem Nationalsozialismus seine zweite große Berufung. Dieser vertrat eine unchristliche
Weltanschauung, bekämpfte die christlichen Kirchen, tötete behinderte Menschen und
verfolgte vor allen Dingen in zunehmendem Maß die Juden und versuchte schließlich, sie in
seinem ganzen Herrschaftsbereich brutal auszurotten. In dieser Zeit vertrat P. Henkes mutig
und öffentlich die Werte des Christentums in der Schule, in zahlreichen Exerzitienkursen für
die Jugend und in seinen Predigten auf vielen Kanzeln Schlesiens, Oberschlesiens und des
Sudetengebietes. Bereits 1937 wurde er nach einer Predigt in seiner Heimat Ruppach bei der
Gestapo angezeigt; wegen einer angeblichen Verunglimpfung des Führers in Katscher
wurde 1937/38 gegen ihn ein Prozess am Sondergericht in Breslau durchgeführt, welcher
aufgrund des Amnestiegesetzes nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich
ohne Urteil eingestellt wurde.
Immer enger wurde seine Zusammenarbeit mit Prälat Nathan in Branitz (Bránice).
(Joseph Martin Nathan gründete die Branitzer Heil- und Pflegeanstalten, eine psychiatrische
Klinik in der zeitweise bis zu 2000 Patienten untergebracht waren. P. Nathan versuchte viele
Patienten vor der Ermordung durch das Euthanasieprogramm der Nazis zu bewahren, indem
er sie nach Hause entließ. https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Martin_Nathan
https://de.wikipedia.org/wiki/Branitzer_Heil-_und_Pflegeanstalten)
Seit 1935 hielten Pallottiner aus Katscher jedes Jahr Exerzitien für die Naturstände in
Branitz St. Josef; P. Henkes war dort für die jungen Frauen zuständig. Bekannt wurde P.
Henkes auch durch seine Fastenpredigten, die damals sehr beliebt und in Oberschlesien gut
besucht waren. 1937 wurde P. Henkes in die größere Schule nach Frankenstein versetzt. Die
Oberen nahmen den gefährdeten Mitbruder 1938 ganz aus dem Schuldienst. Danach
arbeitete er als Jugendseelsorger, Exerzitienmeister – vor allen Dingen in Branitz, wo er
1940/41 seinen Wohnsitz hatte – und als bekannter Prediger in Oberschlesien. Durch diese
Tätigkeiten und seine offene Sprache wurde er den staatlichen Machthabern immer mehr ein
Dorn im Auge. Mehrfach wurde er von der Gestapo vorgeladen und verwarnt. Als P. Henkes
gemustert wurde und trotz seiner früheren TB kv (= kriegsdienstverwendungsfähig)
geschrieben wurde, übertrug ihm Prälat Nathan die Seelsorge in dem nahegelegenen
Strandorf (Strahovice, heute Tschechien), so dass er nicht zum Militär eingezogen wurde.
Dessen tschechischer Pfarrer war von den Nazis in das sogenannte Protektorat Böhmen und
Mähren ausgewiesen worden.
P. Henkes entfaltete in Strandorf neben den üblichen Tätigkeiten eines Pfarrers wie taufen,
zur Beichte und Erstkommunion führen und beerdigen, ein reiches pastorales Programm.
So besuchte er anlässlich der Colenda alle Häuser und Familien seiner Pfarrei, führte die
Kinder mit viel Geschick in die Feier der hl. Messe ein, schrieb wie einst als Sodale in
Schönstatt den Soldaten bei der Wehrmacht Briefe, um ihre Verbindung mit der
Heimatgemeinde aufrecht zu erhalten, er kümmerte sich um Urlauber, er schrieb zu den
Festtagen den jungen Frauen, die auswärts arbeitsverpflichtet worden waren, meist
Postkarten, er beeinflusste die Mütter, ihre Töchter einen Beruf lernen zu lassen, er machte
Ministrantenarbeit, er förderte das Spielen von Instrumenten, hielt den heranwachsenden
Jugendlichen, aber auch den Erwachsenen Vorträge in der von ihm eingerichteten
Schönstattkapelle, er machte Beileidsbesuche bei den Familien, wo der Mann oder ein Sohn
im Krieg gefallen war.
In den zwei Jahren seiner Tätigkeit in Strandorf wuchs ein so enges Band zwischen Pfarrer
und Gemeinde, dass diese nach seiner Verhaftung ihren Pfarrer laufend mit
Lebensmittelpaketen im KZ Dachau versorgte, wobei seine Haushälterin und Wirtschafterin
Paula Miketta wohl eine koordinierende Rolle wahrnahm.

Haft und Tod
„Man braucht heute keine intelligenten Menschen mehr, sondern den Herdenmenschen, den
Hammel. Am liebsten hätte man für ihn eine Uniform. Im dritten Jahrhundert haben die
Leute für ihren christlichen Glauben gekämpft, haben alles hergegeben, haben ihre Existenz
aufs Spiel gesetzt, ihre Kinder, ihre Familie, sogar ihr Leben. So wird das auch wieder
werden. Wir haben heute bei der Erziehung unserer Kinder in den Schulen nichts mehr zu
sagen. Wir haben draußen nichts mehr zu sagen, und wir haben bald auch hier nichts mehr
zu sagen. Wenn ich in meiner Heimat am Rhein hinausziehe, sieht man Kirchen, die nach
römischen Legionsführern benannt sind. Die Männer waren so treu, dass man die Kirche
nach ihrem Namen benannte. Ich möchte heute den katholischen Offizier sehen, der so treu
ist, dass man auf seinen Namen eine Kirche bauen könnte.“ predigte Pater Henkes am
12.März 1943 in Branitz.
Deshalb wurde er am 8. April 1943 schließlich von der Gestapo in Ratibor/Oberschlesien
verhaftet und einige Wochen in Einzelhaft gehalten.
Dann wurde er wegen Missbrauchs der Kanzel in das KZ Dachau gebracht, wo er am 10.
Juli 1943 eintraf. Seine Häftlingsnummer war 49642. Dort musste er wie alle anderen unter
menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, zunächst auf der Plantage der SS.
Später arbeitete er im Postkommando, wahrscheinlich auch im Transportkommando und
schließlich ab dem zweiten Halbjahr 1944 als Kantinenwirt auf der Zugangsbaracke 17.
Dabei blieb er im Glauben stark, teilte seine Lebensmittelpakete mit vielen anderen und
ermutigte seine Mitgefangenen. Im KZ lernte er den späteren Prager Erzbischof und
Kardinal Beran kennen und schätzen. Trotz seiner geringen Sprachbegabung setzte er bei
ihm seine tschechischen Sprachstudien fort, weil er nach dem Krieg als Seelsorger im Osten
bleiben wollte. Begonnen hatte er damit schon in der Strandorfer Zeit bei einem
tschechischen Frisör in Chuchelna. Als das Ende des Krieges absehbar wurde, brach im KZ
Dachau die zweite große Typhusepidemie aus. Noch ehe am 11. Februar 1945 Freiwillige
unter den deutschen Priestern für die Pflege gesucht wurden, hatte sich P. Richard Henkes
im Wissen um die eigene tödliche Bedrohung bei den Typhuskranken von Block 17
einschließen lassen. Dieser war bis dahin seine Arbeitsstelle, während er weiterhin auf dem
Priesterblock 26 seine Unterkunft hatte. Nach wenigen Wochen der Seelsorge und der
Pflege infizierte er sich und innerhalb von fünf Tagen raffte ihn der Tod am 22. Februar
1945 dahin. Richard Henkes war seinem Meister Jesus Christus gefolgt, der gesagt hat: Es
gibt keine größere Liebe als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde (vgl. Joh
15,13). Es konnte erreicht werden, dass sein Leichnam einzeln verbrannt und die Asche
geborgen wurde. Sie wurde nach dem Ende des Krieges am 7. Juni 1945 unter großer
Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Pallottinerfriedhof in Limburg beigesetzt. 1990
wurde sie feierlich in die Bischofsgruft des Limburger Pallottinerfriedhofs übertragen.

Seligsprechungsverfahren
Bereits 1947 befürwortete das Generalkapitel der Pallotiner in Rom
Seligsprechungsprozesse für die polnischen und deutschen Märtyrer der Naziperiode, zu
denen auch P. Henkes namentlich gezählt wurde. Doch dieser erste Impuls versandete
völlig, weil die Seligsprechung Vinzenz Pallottis und dreizehn Jahre später seine
Heiligsprechung bald alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Ein neuer starker Impuls, P. Henkes
selig zu sprechen, kam aus den Reihen der ehemaligen Priester-Häftlinge von Dachau nach
ihrer Begegnung im Jahr 1980 mit Papst Johannes Paul II. in Fulda. Im Jahr 1985 richtete
diese Priestergruppe ein Gesuch an den Limburger Bischof, einen Seligsprechungsprozess
für P. Henkes einzuleiten. Doch die Pallottiner konnten sich noch nicht entscheiden, da sie
fünf Tote durch die Gewalt der Nazis zu beklagen hatten. Doch einige bildeten zusammen
mit Freunden und Verwandten den Richard-Henkes–Freundeskreis. Den Durchbruch bei den
Pallottinern brachten zwei Initiativen aus Tschechien. Die erste war die Teilnahme des
Bischofs von Plzen, František Radkovský, an der Gedenkfeier zum fünfzigsten Todestag
von P. Richard Henkes in der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Pallottiner in
Vallendar im Jahr 1995. Seine klare Aussage: P. Henkes sollte selig gesprochen werden. Am
17.1.2001 schrieb er im Namen der Tschechischen Bischofskonferenz einen Brief an den
Provinzial der Limburger Pallottinerprovinz, in dem diese eine Seligsprechung von P.
Richard Henkes befürwortete und ihre Unterstützung dafür versprach. Die
Provinzversammlung 2001 nahm mit großer Mehrheit einen entsprechenden Antrag der
Hochschule an.
Am 06.04.2001 beauftragte Bischof Dr. Franz Kamphaus Rechtsdirektor Dr. Schüller und
Herrn Joachim Rotberg mit der Voruntersuchung. Zum Postulator ernannte man am
03.12.2001 P. Dr. Manfred Probst SAC. Am 25.05. 2003 wurde das Bischöfliche
Erhebungsverfahren mit Bischof Dr. Franz Kamphaus in Anwesenheit von Bischof F.
Lobkowicz von Ostrava-Opava und Prälat Dr. W. Grocholl (Visitator Branitz) und sehr
vielen Gläubigen, auch aus Strahovice, eröffnet.
Schließlich fand am 23.01.2007 ein Pontifikalamt mit Bischof Dr. Franz Kamphaus zum
Abschluss des Bischöfl. Erhebungsverfahrens mit Versiegelung der Aktenkiste statt.
Am 22.12.2018 vermeldete der Vatikan die Anerkennung von Pater Richard Henkes als
Märtyrer. Die Seligsprechung wird in Limburg, vermutlich in der 2. Jahreshälfte 2019
stattfinden.

Weblinks
https://pater-richard-henkes.de/
https://bistum-augsburg.de/Heilige-des-Tages/Heilige/RICHARD-HENKES
https://glaube-hat-zukunft.de/pater-richard-henkes/biographie-p-henkes/
https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Henkes
https://de-de.facebook.com/PaterRichardHenkes/

Literatur
Manfred Probst SAC: „Der Herrgott hat das letzte Wort“. Das Leben des Pallottinerpaters
Richard Henkes (1900-1945) und sein Sterben im KZ Dachau, St. Ottilien 2003
Reitor, Georg: Glaubenszeuge im KZ. Pater Richard Henkes, Martyrer der Nächstenliebe,
Leutesdorf 1988, 49 S.
Alexander Holzbach SAC: P. Richard Henkes SAC. Ein Lebensbild, Friedberg b. Augsburg
2005, 63 S.
Wilhelm Schützeichel SAC (Hrsg.): Zeugen für Christus. Pallottiner-Opfer unter der Nazi-
Diktatur: ka + das zeichen 107 (2000)
Helmut Moll (Hg.)Zeugen für Christus Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts
ISBN: 3-506-73778-4 Bd.2 (2.durchges.Auflage 2000) Seiten 829-831

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