Interview Vereinsgründung


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Inter­view mit der Grün­de­rin des Freun­des­krei­ses Selige aus dem KZ Dachau Frau Monika Neu­dert über die bevor­ste­hende Ver­eins­grün­dung

Das Inter­view führte Herr Kle­mens Hogen-Ostlender

Dachau, 25.10.2018

Die Arbeit des Freun­des­krei­ses Selige aus dem KZ Dachau soll durch die bevor­ste­hende Grün­dung eines Ver­eins auf eine brei­tere Basis bestellt wer­den. In die­sem Inter­view erläu­tert die Spre­che­rin des Freun­des­krei­ses, Monika Neu­dert, die Beweg­gründe dafür.

 Frau Neu­dert, seit wann gibt es den Freun­des­kreis Selige aus dem KZ Dachau, der auf Ihre Initia­tive gegrün­det wurde, und wie ist es damals dazu gekom­men?

Neu­dert: Um das Jahr 2000 hörte ich einen Vor­trag. Ich erfuhr, dass unter den poli­ti­schen Häft­lin­gen des KZ Dachau auch viele Geist­li­che waren und von ihnen damals schon fast 50 selig gespro­chen waren. Ich war erstaunt und fas­zi­niert. So nahe bei mei­nem Haus leb­ten vor ver­gleichs­weise so kur­zer Zeit Mär­ty­rer und Selige? Ich begann dar­über zu spre­chen. Zuerst mit Freun­den und Bekann­ten und bald in Vor­trä­gen, zu denen ich ein­ge­la­den wurde. Da kaum jemand von den Mär­ty­rern aus Dachau wusste und diese Män­ner immer wie­der meine Zuhö­rer beein­druck­ten, sam­melte sich bald eine Gruppe von am Thema Inter­es­sier­ten. Dar­aus ent­stand um das Jahr 2012 der Freun­des­kreis. Zuerst wollte ich eigent­lich nur die vor­han­de­nen Infor­ma­tio­nen und Initia­ti­ven der ein­zel­nen selig Gespro­che­nen zusam­men­füh­ren und ver­netz­ten. Als ich merkte, dass es zu den pol­ni­schen Seli­gen keine Infor­ma­tio­nen auf Deutsch gab und auch sonst nie­mand von den Seli­gen von Dachau wusste, wurde ich sel­ber aktiv.

Sie spre­chen von Mär­ty­rern. Was ver­ste­hen sie dar­un­ter?

Neu­dert: Die­ser Begriff ist kirch­lich defi­niert und ich über­nehme ihn in die­ser Bedeu­tung. Die ein­zel­nen Diö­ze­sen haben auf Ein­la­dung von Papst Johan­nes Paul II. ihre loka­len Mär­ty­rer des 20. Jahr­hun­dert gesam­melt. Es sind Frauen und Män­ner, die an einer Tat aus Glau­bens­hass oder an deren Fol­gen star­ben und dies inner­lich ange­nom­men haben. In Deutsch­land gibt es ein Mar­ty­ro­lo­gium von Dr. Hel­mut Moll in dem sehr viele Bio­gra­fien nach einer gründ­li­chen Prü­fung der Orts­kir­che auf­ge­nom­men wur­den. Unter den Häft­lin­gen des KZ Dachau sind viele, die von ihren Hei­mat­diö­ze­sen zu Mär­ty­rern erklärt wur­den,  meh­rere Hun­dert. Polen hat alle Geist­li­che, die unter der deut­schen Besat­zung inhaf­tiert waren, im KZ Dachau waren es 1800, zu Mär­ty­rern erklärt, auch Über­le­bende. Diese Defi­ni­tion weicht etwas von der in ande­ren Län­dern übli­chen ab. Dazu kämen noch um ihres Glau­bens wil­len getö­tete Laien, die bis­her in Polen noch gar nicht im Blick waren. Des­halb ergibt sich eine Zahl von meh­re­ren hun­dert bis meh­re­ren tau­send Mär­ty­rern aus dem KZ Dachau.

Was ist der Grund dafür, dass der Freun­des­kreis nun in die­sem Herbst in einen ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein umge­wan­delt wer­den soll?

Neu­dert: Der Freun­des­kreis als Liste an den Mär­ty­rern aus dem KZ Dachau Inter­es­sier­ten, kann par­al­lel wei­ter beste­hen. Viel­leicht möchte nicht jeder in den neu gegrün­de­ten Ver­ein „Selige Mär­ty­rer von Dachau“ ein­tre­ten. Die­ser Name greift den Titel des Gedenk­ta­ges auf, den die Erz­diö­zese Mün­chen und Frei­sing 2017 ein­ge­führt hat. Am 12.06. wird seit dem hier der Gedenk­tag Selige Mär­ty­rer von Dachau gefei­ert.

Mir scheint, die Zeit ist reif für einen wei­te­ren, grö­ße­ren Wir­kungs­kreis des Wis­sens um die Seli­gen. Dafür braucht es grö­ßere per­so­nelle und finan­zi­elle Kapa­zi­tä­ten.

Ich möchte jetzt eine grö­ßere Zahl Men­schen ein­la­den, sich zu enga­gie­ren und ihre Ideen, Fähig­kei­ten oder Ver­bin­dun­gen ein­zu­brin­gen. Ich suche auch för­dernde Ver­eins­mit­glie­der und Spen­der, um die Unkos­ten zum Bei­spiel der Inter­net­seite, zu tra­gen.

Was waren die Beweg­gründe der Men­schen, die bereits Mit­glie­der des Freun­des­krei­ses gewor­den sind, zum Bei­tritt? Leben sie alle in Dachau und der Umge­bung, oder kom­men sie auch aus grö­ße­rer Ent­fer­nung?

Neu­dert: Der Freun­des­kreis ent­stand aus einer Liste von Inter­es­sier­ten, die über Neu­ig­kei­ten infor­miert wer­den woll­ten. Je nach per­sön­li­chen Mög­lich­kei­ten und Fähig­kei­ten bekam ich dann auch unter­schied­lichste prak­ti­sche Unter­stüt­zung beim Enga­ge­ment. Man­che konn­ten mit­hel­fen beim Orga­ni­sie­ren und Durch­füh­ren von Ver­an­stal­tun­gen. Andere unter­stütz­ten durch ihre Teil­nahme, durch Zusen­den von Infor­ma­tio­nen, durch Wei­ter­er­zäh­len, wie­der andere durch Spen­den. Auch Men­schen, die weit weg wohn­ten unter­stütz­ten mich durch schrift­li­che Arbei­ten, Über­set­zun­gen, und Spen­den. Beson­ders aber tru­gen sie das Wis­sen um die Seli­gen von Dachau wei­ter. Die Mit­glie­der des Freun­des­krei­ses kom­men aus ganz Deutsch­land und dar­über hin­aus sogar aus der gan­zen Welt.

Wen möch­ten Sie für die Mit­glied­schaft im Ver­ein inter­es­sie­ren?

Neu­dert: Ich möchte alle Men­schen anspre­chen, die sich dafür begeis­tern las­sen, unab­hän­gig von Wohn­ort, Her­kunft, Alter, Bil­dung oder Kon­fes­sion. In unse­rem Land wird Men­schen, die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus wur­den, große Ach­tung ent­ge­gen gebracht. Es besteht gro­ßes Inter­esse daran, diese Per­sön­lich­kei­ten bes­ser ken­nen zu ler­nen. Die Beschäf­ti­gung mit die­sen beein­dru­cken­den Män­nern und Glau­bens­zeu­gen berei­chert jeden. Es ist ein sehr sinn­vol­les Enga­ge­ment für Men­schen unab­hän­gig von ihrer Reli­gion, beson­ders weil über diese Män­ner in der Öffent­lich­keit wenig bekannt ist. Von ihrer Men­schen­freund­lich­keit und ihrem Ein­satz für gefan­gene Kame­ra­den kön­nen wir uns alle eine Scheibe abschnei­den.

Schön ist auch die inter­na­tio­nale Zusam­men­ar­beit mit Men­schen aus den Her­kunfts­län­dern der Seli­gen. Beson­ders viele Men­schen mit pol­ni­schen Wur­zeln inter­es­sie­ren sich für die Seli­gen. Schließ­lich waren 47 von ihren Polen. Auch aus ande­ren Län­dern, wie Öster­reich, Ita­lien und den Nie­der­lan­den gibt es Selige. So bekommt das Enga­ge­ment eine sehr inter­na­tio­nale Note. Mir ist es ein gro­ßes Anlie­gen, das dadurch auch die Ver­söh­nung der ehe­mals ver­fein­de­ten Natio­nen geför­dert wird. Aus den Erfah­run­gen und Brie­fen der gefan­ge­nen Geist­li­chen spre­chen uns ihre Erfah­run­gen mit dem Glau­ben an, wert­volle spi­ri­tu­elle Impulse für uns heute. Mich erstaunt ins­be­son­dere, nicht nur von Ihren bit­te­ren Erfah­run­gen und ihrem Rin­gen mit Gott zu lesen son­dern auch von Freude, Hoff­nung und Gott­ver­trauen. Nicht zuletzt kommt es zu vie­len inter­es­san­ten Begeg­nun­gen mit ande­ren Enga­gier­ten, wenn man sich für die Seli­gen von Dachau ein­setzt.

Haben Sie schon kon­krete Pläne, wie die Akti­vi­tä­ten des Ver­eins aus­se­hen sol­len? Was sind seine Ziele?

Neu­dert: Die Ziele sind in der Sat­zung for­mu­liert.  Dazu gehört, das Wis­sen um die christ­li­chen Mär­ty­rer von Dachau. Deren Glau­bens­zeug­nis soll ver­brei­tet wer­den. Wir möch­ten uns für Ver­söh­nung zwi­schen Kon­fes­sio­nen und Natio­nen, aus denen die Geist­li­chen und beson­ders die Seli­gen des KZ Dachau stamm­ten küm­mern. Viele Details der Bio­gra­fien und der Ereig­nisse im KZ Dachau müs­sen noch erforscht wer­den. Vor allem in Polen, aber auch zum Bei­spiel in Ita­lien und den Nie­der­lan­den sind Quel­len vor­han­den, die in deutsch noch nicht zugäng­lich sind.

Unser ers­tes Enga­ge­ment als Ver­ein wird die jähr­li­che Feier des kirch­li­chen Gedenk­ta­ges Selige von Dachau am 12.06. sein. Die­ser Gedenk­tag wurde 2017 von der Erz­diö­zese Mün­chen und Frei­sing ein­ge­führt und darf jetzt nicht ver­ges­sen wer­den. Ein Got­tes­dienst und anschlie­ßend die Mög­lich­keit zu Begeg­nung und Gespräch sind geplant, viel­leicht auch wei­tere Ver­an­stal­tun­gen.

Ein beson­ders wich­ti­ger Bereich wird die Öffent­lich­keits­ar­beit sein. Die bis­he­ri­gen Akti­vi­tä­ten sol­len wei­ter­ge­hen und aus­ge­baut wer­den. Ins­be­son­dere gehört dazu das Orga­ni­sie­ren von Got­tes­diens­ten und Vor­trä­gen. Auch der Inter­net­auf­tritt (www.selige-kzdachau.de) soll fort­ge­führt werden.Die Home­page muss gepflegt und aktua­li­siert wer­den. Es gibt auch viele zusätz­li­che Ideen, die abhän­gig von per­so­nel­len und finan­zi­el­len Res­sour­cen ange­strebt wer­den sol­len. So soll die Zusam­men­ar­beit mit Schu­len und Pfar­reien geför­dert wer­den. Mög­li­cher­weise kön­nen neue Medien wie Twit­ter und Ins­ta­gram eine Rolle spie­len. Auf Wiki­pe­dia könn­ten Infor­ma­tio­nen über die Seli­gen ver­brei­tet wer­den. Auch eine wei­tere Zusam­men­ar­beit mit Hoch­schu­len und Stu­den­ten bei The­men für Arbei­ten im Bereich Kir­chen­ge­schichte, Pas­to­ral­theo­lo­gie oder ganz neue Berei­che halte ich für sinn­voll. Ich träume von der Benen­nung von Stra­ßen nach ein­zel­nen Seli­gen von Dachau und Gedenk­ta­feln an Orten der Erin­ne­rung. Ich möchte aber auch Raum las­sen für neue Ideen neuer, enga­gier­ter Mit­glie­der, die sich und ihre Fähig­kei­ten ein­brin­gen kön­nen. Gerade auf die­sen Input bin ich gespannt.

Wie könn­ten sich Ver­eins­mit­glie­der je nach ihren Inter­es­sen und Fähig­kei­ten ein­brin­gen und zum Auf­bau des Ver­eins bei­tra­gen?

Neu­dert: Bei Grün­dung eines Ver­eins ist noch vie­les offen. Die Organe des Ver­eins müs­sen besetzt wer­den. Mit­glie­der und Spen­der sol­len gewor­ben wer­den. Das Wis­sen um die Seli­gen soll auf jede mög­li­che und ange­mes­sene Art ver­brei­tet wer­den. Aber es soll kein Dre­hen um den eige­nen Bauch­na­bel wer­den.

Auch bei geist­li­chen Bezü­gen muss man ja an das rein Irdi­sche den­ken. Des­halb die Frage: Wie soll sich die Arbeit des Ver­eins finan­zie­ren?

Neu­dert: Geplant ist eine Finan­zie­rung aus Mit­glieds­bei­trä­gen und Spen­den. Ich gehe davon aus, dass der Ver­eins gemein­nüt­zig wird. Dann sind die Mit­glieds­bei­träge und Spen­den auch steu­er­lich absetz­bar.

Wel­che Bedeu­tung hat es Ihrer Ansicht nach für die Men­schen heute, dass so viele Pries­ter sich im KZ Dachau dem christ­li­chen Glau­ben treu geblie­ben sind und etli­che dafür auch ihr Leben geop­fert haben?

Neu­dert: Viele Men­schen beein­druckt das Glau­bens­zeug­nis die­ser Män­ner. In der extre­men und unmensch­li­chen Situa­tion des Lagers, in für uns unvor­stell­ba­rem Leid, Grau­sam­kei­ten, in Hun­ger und Krank­heit fan­den sie Halt und inne­ren Frie­den im Glau­ben und Kraft in Got­tes Nähe.

Diese Spi­ri­tua­li­tät könnte viel­leicht auch unser Leben rei­cher machen. Wir sind mate­ri­ell gut aus­ge­stat­tet. Wir wer­den nicht in die­ser Weise ver­folgt und wir müs­sen nicht unter die­sen Umstän­den lei­den. Wir haben es heute in Deutsch­land leich­ter und kön­nen des­halb vom Bei­spiel die­ser Män­ner ler­nen.

Die meis­ten Häft­linge im Pries­ter­block im KZ Dachau waren katho­lisch, aber auch Geist­li­che ande­rer Kon­fes­sio­nen waren dort inhaf­tiert. Kön­nen ihre Kame­rad­schaft unter­ein­an­der und der gegen­sei­tige Respekt vor den Glau­bens­in­hal­ten heute ein Vor­bild für das Bestre­ben der Chris­ten sein, wie­der zur Ein­heit zu fin­den?

Neu­dert: Davon waren schon die Geist­li­chen damals über­zeugt. Vor allem die Über­le­ben­den der Pfar­r­erblö­cke waren über­zeugt, einen wich­ti­gen öku­me­ni­schen Impuls set­zen zu kön­nen. Ihre Berichte von gemein­sa­mem Gebet und Aus­tausch sind bewe­gend. Im Freun­des­kreis Selige aus dem KZ Dachau waren von Anfang an Men­schen ver­schie­de­ner christ­li­cher Kir­chen und Deno­mi­na­tio­nen zu Hause. Das Thema Mär­ty­rer beein­druckt und bewegt alle.

Sie sind nicht in Dachau auf­ge­wach­sen. Was hat es für Sie bedeu­tet, in eine Stadt zu zie­hen, deren Name ein Syn­onym für Schre­cken und Gewalt­herr­schaft ist?

Neu­dert: Zuerst hatte ich einen ängst­lich gro­ßen Respekt davor nach Dachau zu zie­hen, obwohl mein Onkel sel­ber Häft­ling in Dachau war und ich des­halb vom Lager wusste. Berichte von Beschimp­fun­gen und Beschä­di­gun­gen von Autos mit Dach­auer Kenn­zei­chen in frü­he­ren Jah­ren erschreck­ten mich. Der Gedanke, dass das Mar­ty­rium der jüdi­schen Opfer ein kost­ba­res Erbe ist, bewegte mich aber. In Dachau ange­kom­men erfuhr ich, dass im KZ Dachau nur nur jüdi­sche Häft­linge waren, son­dern haupt­säch­lich poli­ti­sche Häft­linge, wie mein Onkel. Von der sehr gro­ßen Zahl von christ­li­chen Mär­ty­rern unter den Häft­lin­gen des KZ Dachau, wusste ich vor­her nichts. Rom ist stolz auf die früh­kirch­li­chen Mär­ty­rer. Dar­auf ist die Kir­che auf­ge­baut. Ich glaube, auch für Dachau kann es sehr viel bedeu­ten, dass Män­ner des Glau­bens hier zu Hei­li­gen wur­den und unter der unmensch­lichs­ten Grau­sam­keit inner­lich wuch­sen und im Glau­ben reif­ten bis hin zur Hei­lig­keit.

Dachau ist für mich nicht nur ein Lern­ort der Geschichte, son­dern auch die Stadt der Seli­gen! Ich hoffe, dass auch die Kir­che unse­rer Zeit an die­sem kost­ba­ren Erbe wach­sen kann. Ich zitiere gerne Ter­tul­lian, für den das Blut der Mär­ty­rer Samen für neue Chris­ten war.

Wer­den Sie von Orts­frem­den manch­mal auf die Ver­gan­gen­heit Dach­aus ange­spro­chen?

Neu­dert: Erstaun­li­cher­weise eher sel­ten. In Dachau werde ich gele­gent­lich nach dem Weg zur Gedenk­stätte des KZ Dachau gefragt. Sonst traut man sich wohl eher weni­ger das Thema anzu­spre­chen. Viele mei­nen, die Bür­ger Dach­aus hät­ten sich durch zu wenig Unter­stüt­zung der Häft­linge schul­dig gemacht. Das ist aber falsch. Unzäh­lige Dach­auer haben ihr Leben ris­kiert um die Häft­linge zu unter­stüt­zen. Die Dach­auer haben kei­nen Grund, sich zu schä­men.

Wird der Ver­ein unter einem Patro­nat ste­hen?

Neu­dert: Alle 56 Seli­gen sind zur Ehre Got­tes zur Ehre der Altäre erho­ben und uns damit zu Vor­bil­dern und Für­spre­chern gege­ben. Ich denke, wenn immer mehr Men­schen von ihnen hören, wer­den auch immer mehr auf die Idee kom­men, sie um ihre Für­spra­che zu bit­ten. Ich denke, wir wür­den viele Wun­der erle­ben. Diese Berichte zu sam­meln möchte ich auch zu einer Auf­gabe des Ver­eins machen.

Wie kön­nen sich Men­schen, die Mit­glied im Ver­ein wer­den wol­len, an sie wen­den? Gibt es schon ein Datum und einen Ort für die Grün­dungs­ver­samm­lung?

Neu­dert: Die Grün­dungs­sit­zung wird am Abend des 29.11.2018 um 20.00 Uhr im Pfarr­heim der Pfar­rei Hei­lig Kreuz, Sude­ten­land­straße 69 in Dachau sein. Alle Inter­es­sier­ten sind herz­lich ein­ge­la­den dabei zu sein und will­kom­men. Wer an die­sem Abend nicht kom­men kann, kann sich gerne schon unter der Email des Freun­des­krei­ses mel­den. (info@selige-kzdachau.de).

Ich freue mich über jede Mel­dung!

 

Hartheim

Die Tötungs­an­stalt Hart­heim

Arti­kel von Kle­mens Hogen-Ostlender

Der Bischof von St. Pöl­ten, Michael Meme­lauer, fand in sei­ner Sil­ves­ter­pre­digt am 31. Dezem­ber 1943 deut­li­che Worte gegen das, was gut 100 Kilo­me­ter ent­fernt in der „Schwach­sin­ni­gen­an­stalt“ Hart­heim  unter dem Deck­man­tel Eutha­na­sie („Gna­den­tod“) geschah: Die sys­te­ma­ti­sche Ermor­dung von Men­schen, denen die Natio­nal­so­zia­lis­ten das Lebens­recht abspra­chen. „Vor unse­rem Herr­gott gibt es kein unwer­tes Leben“ bekräf­tigte der Bischof und betonte die Morde wür­den die Strafe Got­tes her­aus­for­dern. In sechs Tötungs­an­stal­ten im gan­zen Deut­schen Reich wur­den im Rah­men der „Aktion T4“ 70 273 Män­ner und Frauen „des­in­fi­ziert“, wie die Tarn­be­zeich­nung lau­tete. Hart­heim war in zwei­er­lei Hin­sicht eine Aus­nahme. Dort ging das Töten auch wei­ter, nach­dem die Morde in den übri­gen Anstal­ten been­det wor­den waren. Hart­heim war auch die letzte Sta­tion des Lebens­we­ges für 332 Pries­ter, die aus Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern, meist aus dem KZ Dachau, dort­hin ver­schleppt wur­den. Auch das irdi­sche Leben meh­re­rer selig­ge­spro­che­ner Dach­auer Mär­ty­rer endete dort.

In Hart­heim wurde nach dem Krieg eine Sta­tis­tik ent­deckt, die mit einer Kos­ten­be­rech­nung recht­fer­ti­gen wollte, was in der Gas­kam­mer gesche­hen war. Bei einer wei­te­ren Lebens­er­war­tung der Opfer von zehn Jah­ren seien Lebens­mit­tel im Wert von ins­ge­samt 141 775 573,80 Reichs­mark ein­ge­spart wor­den.

Auf Schloss Hart­heim, das rund zehn Kilo­me­ter west­lich von Linz an der Donau liegt, hatte  der Landes-Wohltätigkeitsverein von Ober-Österreich 1898  ein Heim für „Schwach- und Blöd­sin­nige, Cre­ti­nöse und Idio­ten“ eröff­net, in dem rund 200 geis­tig und mehr­fach Behin­derte betreut wur­den. Bis in die 1930-er Jahre ent­wi­ckelte sich hier für dama­lige Ver­hält­nisse fort­schritt­li­ches Modell der Behin­der­ten­für­sorge.

„Auf­ar­tung“

Bald nach der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­über­nahme 1933 bean­spruchte das Regime in ganz Deutsch­land  die aus­schließ­li­che Kon­trolle über die gesamte Sozi­al­po­li­tik als zen­trale Vor­aus­set­zung für die Errich­tung einer „erb­ge­sun­den und ari­schen Volks­ge­mein­schaft“. Nach dem „Anschluss“ galt das ab 1938 auch für Öster­reich. Schloss Hart­heim war nun Eigen­tum des Reichs­gaus Ober­do­nau. Die Pati­en­ten wur­den teil­weise in andere Heime ver­legt. Die Insas­sen einer Taub­stum­men­an­stalt soll­ten eigent­lich nach Hart­heim kom­men. Adolf Hit­lers auf den 1. Sep­tem­ber 1939 datier­ter „Gnadentod-Erlass“ bestimmte es anders. „Geis­tig und kör­per­lich Min­der­wer­tige“ soll­ten im Rah­men der „Aktion T4“, benannt nach der Adresse Tier­gar­ten­straße 4 in Ber­lin, wo sie geplant wurde, getö­tet wer­den. Mit den Mor­den beauf­tragte Hit­ler nicht eine staat­li­che Behörde, son­dern die „Zen­t­ral­dienst­stelle T4“ seine pri­vate „Kanz­lei des Füh­rers“. Die „Aktion T4“ war Teil einer stu­fen­wei­sen Ver­wirk­li­chung der „Auf­ar­tung“ oder „Auf­nor­dung“ des deut­schen Vol­kes.  Jede „Beein­träch­ti­gung des deut­schen Volks­kör­pers“ sollte ver­hin­dert wer­den. An die Stelle des Hei­lens trat in  vie­len Fäl­len das „Ver­nich­ten“. In den Tötungs­an­stal­ten waren ins­ge­samt 20 Ärzte mit den Mor­den beauf­tragt. Plan­ziel waren 100 000 Opfer, wie aus einem Tage­buch­ein­trag von Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter Joseph Goeb­bels vom 31. Januar 1941 her­vor­geht: „40 000 sind weg, 60 000 müs­sen noch weg“. Am 24. August 1941 gab Adolf Hit­ler nach Pro­tes­ten die münd­li­che Wei­sung, die „Aktion T4“ zu been­den und damit die „Erwach­se­ne­neutha­na­sie“ ein­zu­stel­len. Das „Fach­wis­sen“ des bis­he­ri­gen Hart­hei­mer  Ver­wal­tungs­per­so­nals wurde nun für die „Aktion Rein­hardt“, die sys­te­ma­ti­sche Ermor­dung der Juden und Roma des Gene­ral­gou­ver­ne­ments, benö­tigt. Einige der Hart­hei­mer Ver­wal­tungs­be­am­ten stie­gen zu Lager­kom­man­dan­ten von dor­ti­gen Ver­nich­tungs­la­gern auf. Die meis­ten gehör­ten schließ­lich der „Son­der­ab­tei­lung Ein­satz R“ an, einer eigen­stän­di­gen Abtei­lung des SS-Polizeiapparats, in der sie in der Ope­ra­ti­ons­zone Adria­ti­sches Küs­ten­land ihr Mord­hand­werk wei­ter­be­trieb.  Als ent­schei­dend für das Ende der Aktion T4 wer­den die Pre­dig­ten des Bischofs von Müns­ter, Cle­mens August Graf von Galen, ange­se­hen.

Aktion 14f13

Die soge­nannte „Kinder-Euthanasie“ wurde jedoch ebenso fort­ge­setzt wie die dezen­trale Tötung behin­der­ter Erwach­se­ner in ein­zel­nen „Heil- und Pfle­ge­an­stal­ten“ durch Nah­rungs­ent­zug sowie Ver­ab­rei­chung von Medi­ka­men­ten. Außer­dem wur­den in drei Tötungs­an­stal­ten, dar­un­ter Hart­heim,  unter der Bezeich­nung „Aktion 14f13“ kranke bezie­hungs­weise nicht mehr arbeits­fä­hige KZ-Häftlinge, wie zum Bei­spiel zahl­rei­che Gefan­gene aus dem Pries­ter­block des KZ Dachau, ermor­det. Die Ziffern- und Buch­sta­ben­kom­bi­na­tion der neuen Mord­se­rie setzt sich zusam­men aus dem Ein­heits­ak­ten­plan der SS. „14“ kenn­zeich­net den Inspek­teur der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, „f“  stand für Todes­fälle und „13“ für die Tötung durch Gas. Nach dem Abbruch der Morde an Psych­ia­trie­pa­ti­en­ten und Behin­derte, denen allein in Hart­heim mehr als 18 000 Men­schen zum Opfer fie­len, folgte bis 1944  in Schloss Hart­heim im Rah­men der NS-Aktion 14f13 die Ermor­dung von 12 000 KZ-Häftlingen. Auch der junge deut­sche Pries­ter Her­mann Schei­pers war bereits in Dachau als „Kan­di­dat“ für Hart­heim in den Inva­li­den­block gekom­men. In sei­nen Erin­ne­run­gen berich­tete der Geist­li­che, der 2016 kurz vor sei­nem 103. Geburts­tag starb, wie seine  Zwil­lings­schwes­ter Anna, die er ver­stän­di­gen konnte, ihn ret­tete. Sie ließ im Reichs­si­cher­heits­haupt­amt in Ber­lin beim zustän­di­gen Sach­be­ar­bei­ter für die Pries­ter im KZ Dachau  durch­bli­cken, daheim im Müns­ter­land sei es  ein offe­nes Geheim­nis, dass auch Pries­ter ver­gast wer­den. Das katho­lisch geprägte Müns­ter­land drohe dann dem Ein­fluss des Regimes zu ent­glei­ten, notierte Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter Goeb­bels zu die­ser Zeit ner­vös in sein Tage­buch. Das Wort „Ver­ga­sung“ durfte auf kei­nen Fall nach außen drin­gen, wusste der Sach­be­ar­bei­ter. Noch am sel­ben Tag, dem 13. August 1942, riss jemand im KZ Dachau die Tür des Inva­li­den­blocks auf und rief: „Alle reichs­deut­schen Pfaf­fen müs­sen hier raus!“ Her­mann Schei­pers durfte von den Tod­ge­weih­ten zurück­keh­ren. Seine Schwes­ter hatte nicht nur ihn, son­dern auch zahl­rei­che  andere Pries­ter vor der Hart­hei­mer Gas­kam­mer geret­tet.

Der Kreis der Opfer wird aus­ge­dehnt

Die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, in die immer mehr Häft­linge ein­ge­wie­sen wur­den, soll­ten durch die neue Mord­ak­tion „ent­las­tet“ wer­den. Der Kreis der Opfer wurde bald erwei­tert auf  Juden und „Aso­ziale“. Nach den dama­li­gen Richt­li­nien waren damit „Zigeu­ner, Land­fah­rer, Land­strei­cher, Arbeits­scheue, Müßig­gän­ger, Bett­ler, Pro­sti­tu­ierte, Que­ru­lan­ten, Gewohn­heits­ver­bre­cher, Rauf­bolde, Ver­kehrs­sün­der und Psy­cho­pa­then“ gemeint. In Hart­heim wur­den zudem ab 1942 auch nicht mehr arbeits­fä­hige Zwangs­ar­bei­ter aus dem Osten, sowje­ti­sche Kriegs­ge­fan­gene und unga­ri­sche Juden in der Gas­kam­mer getö­tet. Die Aktion 14f13 endete mit dem letz­ten Häft­lings­trans­port nach Hart­heim am 11. Dezem­ber 1944. Die Ein­rich­tung der Gas­kam­mer wurde anschlie­ßend ent­fernt und die Spu­ren ihrer Nut­zung so weit wie mög­lich besei­tigt.

Die „Lan­des­an­stalt Hart­heim“, so die neue, offi­zi­elle Bezeich­nung, trat wäh­rend der Mord­ak­tio­nen nach außen als Insti­tu­tion der Gau-Fürsorgeverwaltung auf. Für den nöti­gen Umbau wur­den zunächst eine Art Haus­meis­ter, ein Hand­wer­ker, der spä­ter im Kre­ma­to­rium arbei­tete und ein Tisch­ler ein­ge­stellt.  Ein Raum wurde mit gas­dich­ten Türen ver­se­hen, von denen eine ein Guck­loch bekam. Ein Neben­raum diente als Lager für Gas­fla­schen.  In einem wei­te­ren Raum wur­den die Opfer vor der Ver­ga­sung foto­gra­fiert. Im spä­te­ren Kre­ma­to­rium wurde ein Ofen instal­liert. Zur Beleg­schaft gehör­ten außer den Ärz­ten Fah­rer für die Busse, die die Todes­kan­di­da­ten nach Hart­heim brach­ten, „Pflege“-Personal, Foto­gra­fen und Bren­ner für das Kre­ma­to­rium. Einer der Bren­ner, Vin­zenz Nohel, legte nach dem Krieg als Ange­klag­ter vor Gericht dar, dass er selbst und seine Kol­le­gen  über­durch­schnitt­lich bezahlt wur­den. Es gab 170 Reichs­mark im Monat plus zu 50 Mark Tren­nungs­zu­lage, freie Unter­kunft und Ver­pfle­gung, 35 Mark Erschwernis-Zulage, 35 Mark Schwei­ge­prä­mie und eine täg­li­che Schnaps­ra­tion von einem vier­tel Liter. Das war fast das Dop­pelte des übli­chen Monats­lohns eines Arbei­ters von 160 Mark, von dem noch dazu Miete und Lebens­mit­tel bezahlt wer­den muss­ten.

Frei­zeit­ge­stal­tung

Ab Juli 1941, jeden­falls aber noch vor dem Stopp der Aktion T4, tra­fen Häft­lings­trans­porte aus den nicht weit ent­fern­ten  Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern Maut­hau­sen und Gusen als Beginn der neuen Mord­se­rie in Hart­heim ein. Im Sep­tem­ber 1941 begut­ach­te­ten die T4-Ärzte 2000 Häft­linge, die „in Frage kamen“,  im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau. Die Aktion „14 f 13“ bean­spruchte ledig­lich die tech­ni­sche Infra­struk­tur in Hart­heim. Die „Ver­wal­tungs­ar­beit“ wurde von der Büro­kra­tie in Dachau und ande­ren Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern erle­digt. Eine noch­ma­lige Begut­ach­tung der Opfer vor der Ermor­dung hatte nur den Zweck, gol­de­nen Zahn­er­satz fest­zu­stel­len.  In Hart­heim brauchte es 60 bis 70 Per­so­nen für die Durch­füh­rung der „Aktion“.  Die meis­ten wohn­ten auch im Schloss. Der Mas­sen­mord war wohl in kei­ner Tötungs­an­stalt so eng mit dem All­tags­le­ben des Per­so­nals ver­floch­ten wie in Hart­heim. Allein auf­grund der räum­li­chen Gege­ben­hei­ten war Aus­wei­chen oder Weg­se­hen unmög­lich. Der Kühl­raum für Lebens­mit­tel für das Per­so­nal lag zwi­schen Aus­klei­de­raum und Auf­nah­meraum der Opfer, sodass der Koch oder die Küchen­hil­fen sich mehr als ein­mal durch eine Gruppe von Todes­kan­di­da­ten drän­gen muss­ten, um die benö­tig­ten Lebens­mit­tel aus dem Kühl­raum zu holen.  Für Aus­flugs­fahr­ten zur Stär­kung des „kame­rad­schaft­li­chen Zusam­men­halts“  wur­den die­sel­ben Auto­busse benutzt, in denen sonst die Opfer in die Tötungs­an­stalt trans­por­tiert wur­den. Der stell­ver­tre­tende ärzt­li­che Lei­ter in Hart­heim, Dr. Georg Renno, Par­tei­mit­glied seit 1930, erfreute die weib­li­che Beleg­schaft  der Tötungs­an­stalt des Öfte­ren mit Haus­mu­sik. Eine Schreib­kraft erin­nerte sich 1965 in einer Zeu­gen­aus­sage, „dass Dr. Renno manch­mal Sonn­tag vor­mit­tags im Innen­hof des Schlos­ses Hart­heim Flöte gespielt hat. Ich inter­es­sierte mich für sein Flöten- und Akkor­de­on­spiel. An man­chen Aben­den ist gesun­gen wor­den, es betei­lig­ten sich daran einige Mäd­chen.“

Der Ablauf der Morde

In der ers­ten Mai­hälfte 1940 traf der erste T4-Transport in Hart­heim ein. Es waren Pati­en­ten der Heil- und Pfle­ge­an­stalt Nie­dern­hart, unter ihnen auch ehe­ma­lige Pfleg­linge aus Hart­heim. Weil wegen der hohen Zahl von Opfern bald grö­ßere Busse ange­schafft wer­den muss­ten, die nicht durch das Tor in den Schloss­hof fah­ren konn­ten, wurde neben einem Sei­ten­ein­gang ein Holz­schup­pen errich­tet, von dem aus die Todes­kan­di­da­ten  in  den Ent­klei­dungs­raum geführt wur­den. Anfangs muss­ten sich die  Opfer im Schloss­hof aus­zie­hen. Das hatte bei den Hel­fers­hel­fern der Mör­der „immer für eine gewisse Unruhe gesorgt“, so eine Zeu­gen­aus­sage nach dem Krieg. Das dienst­ver­pflich­tete „Pfle­ge­per­so­nal“ ent­klei­dete die Opfer. Ein Pfle­ger, der aus der Heil­an­stalt Ybbs an der Donau nach Hart­heim ver­setzte  Franz Sit­ter, blieb aller­dings nur zehn Tage im Schloss. Er  ver­langte seine sofor­tige Ent­he­bung von der Dienst­ver­pflich­tung, als er sah, um was es im Schloss ging. Er wurde an sei­nen alten Arbeits­platz zurück­ver­setzt und kurz dar­auf zur Wehr­macht ein­ge­zo­gen. In Hart­heim war er vom Kriegs­dienst frei­ge­stellt gewe­sen. Sit­ter blieb das ein­zige Mit­glied der Beleg­schaft, das mit die­ser Kon­se­quenz auf die Situa­tion in Hart­heim rea­gierte. Sit­ter über­lebte den Krieg, arbei­tete danach zuerst als Pfle­ger in einem ame­ri­ka­ni­schen Mili­tär­la­za­rett und dann bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung 1967 wie­der in der Heil­an­stalt in Ybbs. Er starb 1980.

Nach Über­prü­fung der Iden­ti­tät wur­den die „medi­zi­nisch inter­es­san­ten“ Opfer foto­gra­fiert.  Dann kamen alle Todes­kan­di­da­ten, bei gro­ßen Trans­por­ten mehr als 60 Men­schen, in die Gas­kam­mer, die zur Tar­nung wie ein Dusch­raum ein­ge­rich­tet war. Eine Pfle­ge­rin sagte nach dem Krieg aus: „Wenn sie ansprech­bar waren, sagte man ihnen, sie wür­den geba­det. Viele freu­ten sich auf das Baden, auch wenn sie sonst nichts erfass­ten. Man­che woll­ten sich nicht waschen las­sen, man musste sie ins Bad zer­ren“.  Wenn die luft­dich­ten Türen ver­schlos­sen waren, ließ ein Arzt oder (vor­schrifts­wid­rig) auch einer der Bren­ner  durch Öff­nen des Gas­hahns in einem Neben­raum das Gas, farb-, geruchs- und geschmack­lo­ses Koh­len­mon­oxid, ein­strö­men. Nach zehn bis 15 Minu­ten Gas­zu­fuhr waren die Men­schen in der Gas­kam­mer tot. Nach einer Stunde wurde der Raum ent­lüf­tet, und die Lei­chen  in den Toten­raum gebracht. Die Bren­ner bra­chen alle Gold­zähne aus und ent­fern­ten gol­de­nen Zahn­er­satz. Die „medi­zi­nisch Inter­es­san­ten“ wur­den obdu­ziert, die ande­ren im Kre­ma­to­ri­ums­raum ver­brannt. Der Ofen, der für jeweils zwei Lei­chen aus­ge­legt war, war pha­sen­weise prak­tisch stän­dig in Betrieb. Der über­las­tete Kamin geriet nach eini­gen Mona­ten in Brand, was bei­nahe das ganze Schloss ein­ge­äschert hätte.  Ein Teil der Asche wurde in Urnen gefüllt, der Rest zunächst in Säcken zur nahe gele­gen Donau gebracht und dort in den Fluss gekippt. Weil die häu­fi­gen Trans­porte den Arg­wohn der Bevöl­ke­rung ver­stärk­ten, wurde die Asche bald aber im Schloss­gar­ten ver­gra­ben oder auf dem Dach­bo­den des Schlos­ses gela­gert.

Ver­tu­schung der Ver­bre­chen

In Schloss Hart­heim waren bereits bis August 1941 18.269  Men­schen ermor­det und ver­brannt wor­den. Davon sollte mög­lichst nichts an die Öffent­lich­keit drin­gen. Ein eigens  Son­der­stan­des­amt beur­kun­dete die Todes­fälle. Die Ange­hö­ri­gen wur­den zunächst regis­triert. Die Ziffern- und Buch­sta­ben­kom­bi­na­tion der neuen Mord­se­rie setzt sich zusam­men aus dem Ein­heits­ak­ten­plan der SS. Dabei kenn­zeich­nete „14“ den Inspek­teur der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, „f“  stand für Todes­fälle und „13“ für die Tötung durch Gas. Mit Zeit­ver­zö­ge­rung wur­den die Ange­hö­ri­gen von der Ver­le­gung aus der Abga­be­an­stalt nach Hart­heim infor­miert. Zu die­sem Zeit­punkt waren die Opfer oft bereits tot.  Jeweils zehn bis 20 Tage nach einem Mord beka­men die Ange­hö­ri­gen einen „Trost­brief“, der bei­spiels­weise so begann: „In Erfül­lung einer trau­ri­gen Pflicht müs­sen wir Ihnen mit­tei­len, dass Ihre Toch­ter […] uner­war­tet am 18. Juni 1940 infolge Bauch­spei­chel­drü­sen­ent­zün­dung ver­stor­ben ist. Eine ärzt­li­che Hilfe war lei­der nicht mehr mög­lich. Da jedoch bei der Art und der Schwere des Lei­dens ihrer Toch­ter mit einer Bes­se­rung und damit auch mit einer Ent­las­sung aus der Anstalt nicht mehr zu rech­nen war, kann man ihren Tod, der sie von ihrem Lei­den befreite und sie vor einer lebens­läng­li­chen Anstalts­pflege bewahrte, nur als Erlö­sung für sie anse­hen; möge Ihnen diese Gewiss­heit zum Trost gerei­chen. Um einer mög­li­chen Seu­chen­ge­fahr, die jetzt wäh­rend des Krie­ges beson­ders groß ist, vor­zu­beu­gen, musste die Ver­stor­bene auf poli­zei­li­che Anord­nung hin sofort ein­ge­äschert wer­den“. Die Briefe ende­ten jeweils mit „Heil Hit­ler!“ Auf Wunsch beka­men die Hin­ter­blie­be­nen eine Urne mit Asche zuge­sandt, die aber wahl­los ein­ge­füllt war und kei­nes­wegs die Asche des getö­te­ten Ange­hö­ri­gen ent­hielt. Auch die Ster­be­da­ten wur­den gefälscht und oben­drein  Todes­nach­rich­ten von Ermor­de­ten aus  der nähe­ren Umge­bung von Hart­heim aus einer weit ent­fern­ten Tötungs­an­stalt ver­schickt. Ein Kurier­dienst­auto wurde eigens für die Akten­ver­schie­bun­gen zwi­schen den Anstal­ten ange­schafft. Ange­hö­rige glaub­ten des­halb an ein Ver­ster­ben ihrer Lie­ben in einer jeweils sehr weit ent­fern­ten Anstalt. Per­sön­li­che Besu­che und Nach­for­schun­gen vor Ort wur­den in die Irre gelei­tet und wei­tere Rekla­ma­ti­ons­ver­su­che durch die dafür nöti­gen wei­ten Rei­sen erschwert. Zum Mord­ge­schäft kam außer­dem Sozi­al­be­trug hinzu. Den Kos­ten­trä­gern wur­den Rech­nun­gen für Quar­tier, Kost und Pflege über Wochen und Monate aus­ge­stellt, obwohl die Per­so­nen sofort bei ihrer Ankunft getö­tet wur­den. Auch das diente der Berei­che­rung der Anstal­ten durch die Ver­rech­nung der angeb­lich damit ver­bun­de­nen Kos­ten.

Die Ort­schaft Hart­heim

Die Ort­schaft Hart­heim zählte 1939 22 Häu­ser und hatte  97 Ein­woh­ner. Die meis­ten von ihnen waren in der Land­wirt­schaft beschäf­tigt. Es gab eine Gemischt­wa­ren­hand­lung, eine Bäcke­rei und ein Wirts­haus. Knapp ein Dut­zend  Mäd­chen und Frauen aus dem Ort arbei­te­ten in der „Schwach­sin­ni­gen­an­stalt“ als Wäsche­rin­nen und Putz­frauen. Ein Hand­werks­meis­ter lei­tete die arbeits­fä­hi­gen männ­li­chen Pati­en­ten beim Korb­flech­ten und Bürs­ten­bin­den an. Im Wirt­schafts­hof arbei­tete und wohn­ten die Fami­lie des Guts­ver­wal­ters und einige Land­ar­bei­ter. Mit der Ein­rich­tung der Tötungs­an­stalt ver­än­derte sich das Bezie­hungs­ge­füge grund­le­gend.  War vor 1939 eine rela­tiv große Anzahl der Orts­be­woh­ner durch ein Dienst­ver­hält­nis mit dem Schloss ver­bun­den gewe­sen, redu­zierte sich diese Anzahl 1940 auf zwei:  Eine Gar­ten­ar­bei­te­rin und eine Küchen­hilfe. Den Men­schen im Dorf  wurde ange­droht, dass eine Ver­let­zung der Geheim­hal­tungs­pflicht die Ein­wei­sung in ein Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger bedeu­te­ten würde. Die Tat­sa­che, dass immer wie­der neue voll­be­setzte Busse anka­men, aber nie jemand die Anstalt ver­ließ, die dau­ernde Rauch­ent­wick­lung und der Ver­bren­nungs­ge­ruch aus dem Kre­ma­to­rium lie­ßen voll­ends keine Zwei­fel dar­über auf­kom­men, was im Schloss geschah. Hand­wer­ker, die die Tötungs­an­la­gen ein­ge­rich­tet hat­ten oder sie repa­rie­ren muss­ten, spra­chen über ihre Beob­ach­tun­gen. Eine Bäcke­rin, die Brot ins Schloss lie­ferte, sah ein­mal  nackte Lei­chen im Hof lie­gen.  Meh­rere Hel­fer der Mord­ak­tion wohn­ten im  ein­zi­gen Gast­hof des Orts, andere bei Bau­ern der Umge­bung. Mit dem Abbruch der Aktion T4 und dem Aus­lau­fen der ers­ten Phase von „14 f 13“ wurde außer­dem nicht mehr in der alten Strikt­heit auf die Dis­tanz zum Ort geach­tet.

Wider­stand

Die Schuh­manns, deren Bau­ern­hof direkt neben dem Schloss steht, waren als Christ­lich­so­ziale Geg­ner des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Einer der Söhne, Karl, foto­gra­fierte 1941 das Schloss mit rau­chen­dem Schorn­stein. Sein Bild ist das ein­zige exis­tie­rende ein­schlä­gige Foto­do­ku­ment. Sein Bru­der Ignaz nahm 1943 Kon­takt zu einem ande­ren Regime­geg­ner auf, dem sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Eisen­bah­ner Leo­pold Hil­garth. In der Nacht des 16. Februar 1943 schrie­ben sie neben dem Ein­gangs­tor an die Wand des Wirt­schafts­trak­tes: „Öster­rei­cher! Hit­ler hat den Krieg begon­nen, Hit­lers Sturz wird ihn been­den!“  Eine Woche spä­ter stand auf einem Silo die Parole: „Nie­der mit Hit­ler! Wir wol­len einen Kai­ser von Got­tes Gna­den, aber kei­nen Mör­der aus Berch­tes­ga­den!“ Schuh­mann und Hil­garth fer­tig­ten auch Flug­blät­ter  an, in denen sie die loka­len Natio­nal­so­zia­lis­ten als Hand­lan­ger der NS-Mörder bezeich­ne­ten. Hans Kep­pel­mül­ler unter­stützte die Gruppe bei der Beschaf­fung von Papier. Anfang 1944 betei­ligte sich auch Karl Schuh­mann an den Aktio­nen. Die drei ver­viel­fäl­tig­ten Flug­blät­ter und ver­teil­ten sie in Linz und Efer­ding. Ein Gestapo-Spitzel wurde der Gruppe zum Ver­häng­nis. Im Juni 1944 wur­den Ignaz Schuh­mann, Hans Kep­pel­mül­ler, Leo­pold Hil­garth, Karl Schuh­mann und Ignaz Schuh­mann senior ver­haf­tet. Schuh­mann senior wurde nach drei Mona­ten Unter­su­chungs­haft frei­ge­las­sen, den ande­ren wurde in Wien der Pro­zess gemacht. Am 3. Novem­ber 1944 erging das Urteil: Ver­set­zung in ein Straf­kom­pa­nie für Hans Kep­pel­mül­ler, zehn Jahre schwe­ren Ker­kers für Karl Schuh­mann. Leo­pold Hil­garth und Ignaz Schuh­mann wur­den zum Tod durch das Fall­beil ver­ur­teilt und am 9. Januar 1945 hin­ge­rich­tet.

Die Morde in der Tötungs­an­stalt  beschäf­tig­ten 1940/41 auch die Straf­ver­fol­gungs­be­hörde in Linz.  Im Okto­ber 1940 zeigte ein Vater den mys­te­riö­sen Tod sei­nes Soh­nes in Hart­heim bei der Staats­an­walt­schaft an. Er hegte den Ver­dacht, dass es dabei nicht mit rech­ten Din­gen zuge­gan­gen sein könnte. Die Behör­den des Reichs­gau Ober­do­nau ersuch­ten Ober­staats­an­walt Fer­di­nand Eypeltauer das Ver­fah­ren ein­zu­stel­len. Eypeltauer, der seit 1936 NSDAP-Mitglied war, ent­schied anders. Er ord­nete an, den ver­ant­wort­li­chen Arzt auf Schloss Hart­heim aus­zu­for­schen und als Beschul­dig­ten ver­neh­men zu las­sen. Im Sep­tem­ber 1941 erhielt Eypeltauer aber die Anord­nung, das Ver­fah­ren ein­zu­stel­len. Er gehorcht, legte dann sein Amt nie­der und setzte seine Lauf­bahn als Land­ge­richts­di­rek­tor in Linz fort. In die­ser Funk­tion ver­hängte er auch drei Todes­ur­teile gegen einen Fahr­rad­dieb und zwei „Volks­schäd­linge“.

Nach Kriegs­ende

Rudolf Lonauer, ärzt­li­cher Lei­ter der Tötungs­an­stalt Hart­heim, ver­nich­tete im Früh­ling 1945 alle Unter­la­gen, die in einem Zusam­men­hang mit den Kran­ken­mord­ak­tio­nen stan­den. Am 5. Mai 1945 beging er zusam­men mit sei­ner Frau Selbst­mord, nach­dem das Ehe­paar seine bei­den Kin­der getö­tet hatte.  Nach dem Krieg ging es in zwei Pro­zes­sen in Öster­reich und einem wei­te­ren Ver­fah­ren in Deutsch­land um die Hart­hei­mer „Euthanasie“-Verbrechen. Da einige Täter nach dem Abbruch der Aktion T4 im Osten für weit­aus mehr Todes­op­fer ver­ant­wort­lich waren, wurde man­chen dafür der Pro­zess gemacht, wäh­rend ihre Mord­ta­ten in Hart­heim unge­sühnt blie­ben. Beim ers­ten Pro­zess vor dem  Volks­ge­richt Linz wur­den zwei „Pfle­ger“ 1946 zu drei­ein­halb bezie­hungs­weise zwei­ein­halb Jah­ren schwe­ren Ker­kers wegen Betei­li­gung an Mor­den und Miss­hand­lun­gen ver­ur­teilt. Sechs Pfle­ge­rin­nen, deren Tätig­keit als „not­dienst­ver­pflich­tet“ gewer­tet wurde, erhiel­ten Frei­sprü­che. Zur Vor­be­rei­tung des Haupt­ver­fah­rens  wurde gegen 61 Beschul­digte (43 Män­ner und 18 Frauen) ermit­telt. Es han­delte sich um drei Ärzte,  23 Mit­glie­der des „Pflege“personals, 16 Ver­wal­tungs­kräfte, vier Kraft­fah­rer, sechs Bren­ner sowie sechs Män­ner und drei Frauen, deren genaue Funk­tion unbe­kannt war. Im Juli 1948 begann schließ­lich die Haupt­ver­hand­lung, aller­dings gegen ledig­lich drei Ange­klagte. Zwei „Pfle­ger“ erhiel­ten fünf­ein­halb bezie­hungs­weise drei Jahre Haft, ein wei­te­rer wurde frei­ge­spro­chen. Die Staats­an­walt­schaft hatte bei 13 Beschul­dig­ten die Anklage zurück­ge­legt, weil es keine Gründe zur Straf­ver­fol­gung gebe und bei  22 wei­te­ren das Ver­fah­ren wegen Nicht­auf­find­bar­keit der Täter abge­bro­chen. 13 Beschul­digte muss­ten sich in ande­ren Ver­fah­ren  ver­ant­wor­ten und sie­ben waren nicht mehr am Leben. Bei drei wei­te­ren Per­so­nen ist der Aus­gang des Ermitt­lungs­ver­fah­rens nicht mehr nach­voll­zieh­bar. Eine Anklage erfolgte gegen sie jeden­falls nicht.

Franz Stangl, Büro­lei­ter in Schloss Hart­heim, war der „pro­mi­nen­teste“ Täter, der sich ander­wei­tig ver­ant­wor­ten musste. Wäh­rend der Aktion Rein­hardt wurde er Kom­man­dant der Ver­nich­tungs­la­ger Sobi­bor und Treb­linka. Nach dem Krieg flüch­tete er wegen der Lin­zer Hartheim-Prozesse 1948  zuerst nach Syrien und emi­grierte 1951 nach Bra­si­lien. 1967 wurde er nach Deutsch­land aus­ge­lie­fert und 1970 zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. Er legte Beru­fung ein und starb 1971 in der Haft­an­stalt an Herz­ver­sa­gen. Vin­zenz Nohel, einer der Bren­ner aus Hart­heim, wurde als ein­zi­ger der Täter 1947 hin­ge­rich­tet, nach­dem ein ame­ri­ka­ni­sches Mili­tär­ge­richt ihn im  Mauthausen-Hauptprozess in Dachau zum Tode ver­ur­teilt hatte. Von 1967 bis 1970 ver­suchte die Gene­ral­staats­an­walt­schaft Frank­furt am Main, Georg Renno des Mor­des zu über­füh­ren. Renno hatte sich bei Kriegs­ende nach Lud­wigs­ha­fen abge­setzt und unter dem Namen Georg Rei­nig  die Pra­xis eines Arz­tes über­nom­men, der sich noch in Gefan­gen­schaft befand. Er wurde außer­dem von einem Phar­ma­kon­zern als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt. Ab Januar 1955  trat er wie­der unter sei­nem rich­ti­gen Namen auf, obwohl er in Öster­reich mit Haft­be­fehl gesucht wurde.  Das Ver­fah­ren gegen ihn wurde schließ­lich  ein­ge­stellt. Die Uni­ver­si­täts­kli­nik Mainz beschei­nigte Renno wegen Gefäß­ver­kal­kung dau­er­hafte Ver­hand­lungs­un­fä­hig­keit. Renno lebte noch wei­tere 27 Jahre, bis er 1997 kurz vor sei­nem 91. Geburts­tag in Neu­stadt an der Wein­straße starb. Im Pro­zess hatte er abge­strit­ten, jemals bei einer Ver­ga­sung dabei gewe­sen zu sein. Spä­ter meinte er, es sei „keine große Sache gewe­sen, den Gas­hahn auf­zu­dre­hen“. Reue zeigte er nie. Im hohen Alter sagte er bei einem Inter­view:  „Ich selbst habe ein ruhi­ges Gewis­sen. Ich fühle mich nicht schul­dig, in dem Sinne wie – ja, wie einer, der jeman­den erschos­sen hat […] Nach­dem ich ja gese­hen habe, wie die Leute gestor­ben sind, muss ich mir sagen, das war keine Qual für die, ich möchte eher sagen, in Anfüh­rungs­zei­chen: Es war eine Erlö­sung“.

Der aus Pro­zess­un­ter­la­gen zusam­men­ge­stellte soge­nannte „Renno-Akt“ wurde aber eine der wich­tigs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len für öster­rei­chi­sche For­schungs­pro­jekte zu die­sem Thema, die oft erst Jahr­zehnte spä­ter initi­iert wur­den.

Im Schloss gibt es seit 2003 den Lern- und Gedenk­ort Schloss Hart­heim. Die bau­li­chen Spu­ren der Tötungs­an­stalt wur­den dafür wie­der frei­ge­legt und gesi­chert. Unmit­tel­bar anschlie­ßend an die Tötungs­räume wurde ein Raum der Stille gestal­tet. In den ehe­ma­li­gen Arbeits­räu­men der Täter wer­den umfas­sende his­to­ri­sche Infor­ma­tio­nen prä­sen­tiert. Bereits 2001 wurde am Donau­ufer in Höhe der Ort­schaft Gsto­cket, wo die Asche der Mord­op­fer aus Hart­heim in den Fluss geschüt­tet wurde, auf Initia­tive des Ver­eins Schloss Hart­heim ein Gedenk­stein errich­tet. Die Inschrift auf dem sehr gro­ßen Donau­kie­sel stammt von dem ober­ös­ter­rei­chi­schen Schrift­stel­ler Franz Rie­ger:  „Das Was­ser löschte die Spu­ren, die das Gedächt­nis bewahrt.“ Eine Infor­ma­ti­ons­ta­fel erläu­tert die his­to­ri­schen Zusam­men­hänge.

 

Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

Aly, Götz (Hrsg.): Aktion T4 1939–1945. Die „Euthanasie“-Zentrale in der Tier­gar­ten­straße 4. Fischer Taschen­buch, Ber­lin, 1989

Ben­zler, Susanne mit Perels, Joa­chim: Jus­tiz und Staats­ver­bre­chen – Über den juris­ti­schen Umgang mit der NS-„Euthanasie“. In: Loewy, Hanno und Win­ter, Bet­tina (Hrsg.):  NS-„Euthanasie“ vor Gericht. Campus-Verlag, Frank­furt, 1996

Burl­eigh, Michael (Hrsg.): Tod und Erlö­sung. Eutha­na­sie in Deutsch­land 1940 – 1945. Pendo Ver­lag, Zürich, 2002

Freund, Flo­rian: Der Dach­auer Maut­hau­sen­pro­zess. In: Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv des öster­rei­chi­schen Wider­stan­des (Hrsg.): Jahr­buch 2001. Wien

Fröh­lich, Elke: Joseph Goeb­bels  – Die Tage­bü­cher. Sämt­li­che Fragmente,De Gruy­ter, Ber­lin, 1987.

Gar­scha, Win­fried und Scharf, Franz: Jus­tiz in Ober­do­nau. Ober­ös­ter­rei­chi­sches Lan­des­ar­chiv, Linz,  2007.

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Klee, Ernst: „Eutha­na­sie“ im NS-Staat: die „Ver­nich­tung lebens­un­wer­ten Lebens“. Fischer-Taschenbücher,  S. Fischer, Frank­furt am Main, 2009

Klee, Ernst: Der all­täg­li­che Mas­sen­mord. Zeit online, Ver­lags­gruppe Georg von Holtz­brinck, Ham­burg, 1990. Abge­ru­fen am 13.10.2018

Kohl, Wal­ter:  „Ich fühle mich nicht schul­dig.“ Georg Renno – Eutha­na­sie­arzt. Paul Zsol­nay Ver­lag, Wien, 2000

Mat­zek, Tho­mas: Das Mord­schloss. Auf der Spur von NS-Verbrechen in Schloss Hart­heim. Kre­mayr & Sche­riau, Wien, 2002

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Morsch, Gün­ther und Perz, Bertrand:  Neue Stu­dien zu natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Mas­sen­tö­tun­gen durch Gift­gas. Metro­pol Ver­lag,  Ber­lin,  2001

Schei­pers, Her­mann: Grat­wan­de­run­gen. Pries­ter unter zwei Dik­ta­tu­ren. 3. Auf­lage. Benno-Verlag, Leip­zig. 1997

Zame­c­nik, Sta­nis­lav (Hrsg):    Das war Dachau. Die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Comité Inter­na­tio­nal de Dachau, Fischer-Taschenbücher, S. Fischer, Frank­furt am Main,  2002

 

Gründungssitzung 29.11.18

Der Ter­min für die geplante Grün­dung des Ver­eins „selige Mär­ty­rer von Dachau“ steht fest.

Die Grün­dungs­sit­zung  wird am Don­ners­tag, dem 29. Novem­ber 2018,  um 20 Uhr im Pfarr­heim der Pfar­rei Hei­lig Kreuz in der Sude­ten­land­straße 69 in Dachau begin­nen.

Unter dem Namen „Ver­ein Freun­des­kreis Selige Mär­ty­rer von Dachau“ wer­den der Ein­trag ins Ver­eins­re­gis­ter und die Aner­ken­nung der Gemein­nüt­zig­keit ange­strebt.

Der Ver­ein soll die Ver­brei­tung und Erhal­tung des Anden­kens der christ­li­chen Mär­ty­rer unter den Häft­lin­gen des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Dachau, ins­be­son­dere der kano­ni­sier­ten Mär­ty­rer, auf eine brei­tere Basis stel­len. Geplant sind unter ande­rem die Orga­ni­sa­tion von Got­tes­diens­ten, Vor­trä­gen und ande­ren Ver­an­stal­tun­gen, die Ver­net­zung mit gleich­ge­sinn­ten Orga­ni­sa­tio­nen und Initia­ti­ven, die Ver­brei­tung von Wis­sen um die Ver­fol­gung der christ­li­chen Kir­chen im Drit­ten Reich und der Ein­satz für die Ver­söh­nung zwi­schen den Völ­kern, ins­be­son­dere den Völ­kern, aus denen die selig Gespro­che­nen stam­men, im Geiste der Seli­gen von Dachau.

Alle Inter­es­sier­ten sind herz­lich zur Grün­dungs­sit­zung ein­ge­la­den.

Wer bereits jetzt sein Inter­esse an einer Mit­glied­schaft bekun­den möchte, wird gebe­ten, sich unter der E-Mail-Adresse info@selige-kzdachau.de an die Spre­che­rin des Freun­des­krei­ses, Monika Neu­dert, zu wen­den.

Kle­mens Hogen-Ostlender

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