Lagermonstranz

 

Dachau, 22.07.2016:

Eine unbekannte Monstranz aus dem KZ Dachau ist gefunden worden.
In der Kapelle des Priesterblocks 26 im KZ Dachau wurden zu liturgischen Zwecken im Laufe der Jahre mehrere Monstranzen heimlich hergestellt. Die erste, sehr einfache Holzmonstranz ist in der Ausstellung der Gedenkstätte des KZ Dachau zu sehen, Eine Spätere im Schaukasten des Vorhofs des Kloster Karmel in Dachau.
Die zweite Monstranz befindet sich im polnischen Wallfahrtsort Tschenstochau, bisher wenig bekannt.
Sie wurde am 14.08.1941 vom inzwischen seligen gesprochenen Bischof Michal Kozal geweiht.
Schon P. Lenz erwähnt sie in seinem Buch Christus in Dachau. (LENZ,  Johan­nes M., Chris­tus in Dachau, 10. Auf­lage Wien 1960; Link zur Literaturliste)

Diese Monstranz ist so zu einem Symbol des gemeinsamen, christlichen Glaubens geworden über die Ländergrenzen Europas hinweg, ganz wie es die internationale Priestergemeinschaft in der Gefangenschaft des KZ Dachau war.

gleich lautender Text auf der Seite der Gedenkstättenseelsorge: Link

Mit freundlicher Erlaubnis hier aus dem polnischen übersetzt:

„Die Monstranz ist 40,5 cm hoch und wurde aus Holz gefertigt. Sie ist kreuzförmig mit einem kreisförmigem verglastem Reservaculum, das sich im Schnittpunkt der Arme befindet. Zwischen den Armen sind Bündel aus je drei welligen Strahlen. Um den Behälter herum und entlang den Kreuzarmen ist ein einfaches Metallband angenagelt, das die einzige Verzierung der Monstranz darstellt. Das Ganze steht auf einem dreistufigen Sockel mit fast quadratischem Grundriss (16,5 x 17 cm). An der unteren Seite des Sockels der Monstranz befinden sich geschnitzte Buchstaben MBO, eine Art Monogramm, gebunden aus Buchstaben M und E und die Aufschrift mit Datum: Dachau, 15.VIII. A. D. 1941.

Die Monstranz entstand im Konzentrationslager Dachau. Sie wurde von zwei Häftlingen angefertigt: dem Priester Wacław Kamiński (der sich nach dem Krieg in Golin bei Jarocin niedergelassen hat) und Antoni Latocha. Nach dem eigenen Bericht der beiden Hersteller, wurde sie aus einfachsten, im Lager vorhandenen Materialien angefertigt: Ein Buchenbrett haben wir zum Preis von 2 Schachteln Tabak organisiert. Die Schmuckplättchen entstammen Heringsdosen und die Nägelchen wurden aus den Reißzwecken herausgescharrt. Das Ganze wurde mit einem Taschenmesser gefertigt. Die Monstranz wurde am 14. August 1941 von Bischof Michał Kozal, der 1943 in Dachau ermordet wurde und 1987 seliggesprochen, geweiht. Das erste Mal wurde sie benutzt am Fest der Mariä Himmelfahrt, 15. August 1941, was das Datum in der Inschrift bestätigt.

Die Monstranz wurde bis Kriegsende benutzt; ihre Hersteller haben sie dann nach Polen mitgenommen und mit eigenhändig geschriebenem Bericht über die Umstände ihrer Entstehung dem Tschenstochauer Sanktuarium übergeben. Die Monstranz zählt zu den ergreifendsten Weihegaben in den Tschenstochauer Sammlungen – neben Rosen­kränzen und Medaillons aus Brot und Gummi, die aus Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagern aus den Jahren des II Weltkrieges (u. a. aus Ravensbrück) stammen.“

Jan Golonka OSPPE und Jerzy Żmudziński

aus: JASNA GÓRA | ISSN 0239-5525, numer 3/2016 | maj – czerwiec | Dwumiesięcznik Sanktuarium Matki Bożej Jasnogórskiej, s. 9 |http://www.miesiecznik.jasnagora.pl/

Übersetzung Schwester Stefania vom  Eucharistischen Jesus, Karmel Dachau

 

Radiointerview

Dachau, 20.07.2016:  Im polnischen Radio wurde ein Interview anlässlich des Kongresses über Geistliche in den KZ Mauthausen und Gusen in Warschau am 02.06.2016, gesendet.

Unter anderem sprechen Dr. Hans-Peter Jeschke aus Linz und Monika Neudert  aus Dachau auf deutsch und werden simultan ins Polnische übersetzt. Dieser Teil ist auch für Hörer zu verstehen, die nicht der polnischen Sprache mächtig sind.

Dr. Jeschke spricht über den Rosenkranz des Lagers Mauthausen, ein bisher wenig bekanntes und beachtetes Dokument des Glaubens. Frau Neudert über die Bedeutung der Geistlichen unter den Häftlingen des KZ Dachau für uns.

Link

neuer Seliger fast von Dachau

 

Der Südtiroler Josef Mayr-Nusser, wird 2017 seliggesprochen. Er starb auf dem Weg ind KZ Dachau, wie der selige Domprobst Bernhard Lichtenberg aus Berlin.

* 27. Dezember 1910 in Bozen;

† 24. Februar 1945 bei Erlangen auf dem Weg nach Dachau

Papst Franziskus hat das Martyrium des 1945 auf dem Weg ins KZ Dachau gestorbenen Südtiroler NS-Kriegsdienstverweigerers Josef Mayr-Nusser (1901-45) bestätigt und damit den Weg zu dessen Seligsprechung freigemacht. Die Feier zur Seligsprechung von Mayr-Nusser werde am 18. März 2017 in Bozen stattfinden.

Der künftige Selige war „ein überzeugter und überzeugender Christ, der Stellung bezogen und Farbe bekannt hat“. Mayr-Nusser hat aus der biblischen Überzeugung gehandelt, „dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen“.

Bischof Muser von Bozen-Brixen: „Ich verstehe diese mutige und unbequeme Gestalt, die uns mit einem dunklen und für viele leidvollen Kapitel unserer Geschichte konfrontiert, vor allem als einen glaubwürdigen und konsequenten Zeugen, der dem eigenen Gewissen folgt; einem Gewissen, das sich ausrichtet am Evangelium und an der Lehre der Kirche.“

Josef Mayr-Nusser wurde 1910 in Bozen geboren. In einem religiösen Umfeld aufgewachsen, schloss er sich der Katholischen Jugend an. Nach dem sogenannten Optionsabkommen zwischen Hitler und Mussolini im Jahr 1939 entschloss er sich trotz des massiven Drucks der Nationalsozialisten zum Verbleib in Südtirol und trat dem Andreas-Hofer-Bund bei.

Am 26. Mai 1942 heiratete er Hildegard Straub und hatte mit ihr einen Sohn, Albert Mayr. Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten im Herbst 1943 und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde Mayr-Nusser im September 1944 zum deutschen Militär eingezogen. Er wurde dabei der Waffen-SS zugeteilt. Nachdem er am 4. Oktober 1944 in Konitz in Ostpreußen aus Gewissensgründen den SS-Eid verweigert hatte, wurde er zum Tod verurteilt. Auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau starb Josef Mayr-Nusser am 24. Februar 1945 in einem Viehwaggon bei Erlangen an den Folgen der Haft. 1958 wurde seine sterbliche Hülle nach Südtirol überführt und 1963 an der Außenmauer der Kirche von Lichtenstern am Ritten beigesetzt.

Quelle: Pfarrer Klemens Kiser, Aus kath.net,  9. Juli 2016

Neue Biografie sel. Kazimierz Grelewski

Dachau, 06.07.2016:

Über das Leben des seligen Kazimierz Grelewski wurden weitere biografische Informationen gesammelt und übersetzt.

Auf unserer Homepage steht nun eine Biografie mit Zitaten aus dem Kriegstagebuch des Seligen zur Verfügung.

Er wurde im KZ Dachau geschlagen und getötet, weil er anderen Geistlichen verbotenerweise beim grausamen Kesseltragen half.

Ein weiterer Märtyrer der Nächstenliebe.

Kazimierz litt zusammen mit seinem größeren Bruder dem seligen Stefan Grelewski im KZ Dachau. Auch er starb in diesem Lager.

Wir empfehlen die Lektüre der Biografie.

 

Monika Neudert

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