polnische Pfadfinderwallfahrt 10.10.2015


Drei Artikel erzählen von der Wallfahrt polnischer Pfadfinder und der Enthüllung einer Gedenktafel zur Erinnerung an den seligen Stefan Wincenty Frelichowski

  • Artikel „ein Zeichen Gottes“ aus der Tagespost von Monika Neudert
  • ausführlicher Bericht von Monika Neudert
  • Artikel von Justyna Weber „70. Todestag des seligen Stefan Wincenty Frelichowski – Eine deutsch-polnische Begegnung in Dachau“

viel Freude beim Lesen

 

Artikel in der Zeitung „die Tagespost“ vom 15.10.2015

Ein „Zeichen des Sieges Gottes“

Gedenkstätte Dachau: Tafel für den seligen Stefan Wincenty Frelichowski enthüllt; Von Monika Neudert

Dachau (DT) Im Gedenkraum des früheren Konzentrationslagers Dachau ist in der vergangenen Woche zu Ehren des polnischen Kaplans Stefan Frelichowski eine Gedenktafel enthüllt worden. Frelichowski, der 1913 in Chelmza (Culmsee) zur Welt kam und im Frühjahr 1945 an den Folgen einer Typhuserkrankung starb, zählt zu den insgesamt 47 seliggesprochenen polnischen Märtyrern, die in Dachau als Häftlinge ums Leben kamen.

Den anwesenden Gästen und Pilgern aus Polen empfahl der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof den seligen Märtyrer Frelichowski als Vorbild. Dieser sei ein Priester gewesen, der aus Liebe zu Gott den Hass im KZ Dachau überwunden habe. Bischof lud die Gläubigen ein, aus diesem Geist zu leben, dem Geist der Großherzigkeit und des Friedens und erwähnte auch die anderen seliggesprochenen Märtyrer von Dachau.

Beim gemeinsamen Gottesdienst in der Kapelle des Karmel Heilig Blut, der direkt an die Gedenkstätte des KZ Dachau anschließt, hob Slawomir Oder, Postulator der Kongregation für Selig und Heiligsprechungen in Rom, hervor, dass Frelichowskis Martyrium als ein „Zeichen des Sieges Gottes“ zu verstehen sei.
Oder, in Deutschland bekanntgeworden durch das Selig- und Heiligsprechungsverfahren von Papst Johannes Paul II., erinnerte in seiner Predigt daran, dass die „Quelle der Freude und der Kraft“ Frelichowskis sein Priestertum gewesen sei, seine „Pfarrei“ die vielen gefangenen Kameraden im KZ Dachau. „Auch in schweren Zeiten konnte er ein Mensch bleiben“, so Oder, der die heilige Messe zusammen mit 12 anderen Priestern und dem polnischen Militärbischof Jozef Guzdek zelebrierte.

Die feierliche Enthüllung der Tafel fand im Rahmen einer Wallfahrt statt, die von der Polnischen Gemeinschaft (Wspólnota Polska), die sich für Polen in anderen Ländern engagiert, organisiert wurde. 150 polnische Pfadfinder aus verschiedenen Ländern, die Stefan Wincenty Frelichowski als Patron verehren, waren in Begleitung von zahlreichen Seelsorgern und Betreuern nach Dachau gereist. Am Ende des Gottesdienstes wurde ihnen eine Reliquie des Seligen als Geschenk anvertraut.

Als Ehrengast anwesend war neben dem polnischen Generalkonsul Andrzej Osiak und Max Mannheimer, einem der letzten jüdischen Überlebenden des KZ Dachau und Vertreter des internationalen Dachau Comites, auch ein Neffe des vor 70 Jahren verstorbenen Priesters. Auch einige Gläubige aus Dachau und Umgebung waren zu den Feierlichkeiten gekommen, um ihre Verehrung für den seligen Stefan Wincenty Frelichowski und ihre Verbundenheit mit den polnischen Gästen auszudrücken. Viele von ihnen gehören zum „Freundeskreis Selige aus dem KZ Dachau“, der sich für die lebendige Erinnerung an die 55 seliggesprochenen Märtyrer unter den Häftlingen aus dem KZ Dachau einsetzt.

 

Ausführlicher Bericht über die polnische Wallfahrt zum 70. Todestag des seligen Stefan Wincenty Frelichowski nach Dachau am 10.10.2015

Enthüllung einer Gedenktafel zu Ehren des seligen Stefan Wincenty Frelichowski im Gedenkraum der Gedenkstätte des KZ Dachau.

Selig, die das Wort Gottes hören und tun
Die Liebe besiegte den Hass

Dachau, 10.10.2015
Viele junge Leute sind gekommen in die kleine Kapelle des Karmel Heilig Blut in Dachau, an ihrer Kleidung als Pfadfinder zu erkennen. Vor dem Ambo ein blumengeschmücktes Bild. Es ist ein Porträt eines Häftlings des KZ Dachau, des seligen Stefan Wincenty Frelichowski. Am 23.03.1945, vor 70 Jahren, starb er im KZ Dachau. Der junge polnische Kaplan, der sich in Haft entschieden für seine Kameraden einsetzte begeistert noch heute viele Menschen. Im KZ Dachau half er unzähligen Mithäftlingen wo er nur konnte. Zuletzt pflegte er Typhuskranke in den Quarantäneblocks des Winters 1944/1945 und stand ihnen als Seelsorger verbotener Weise in ihren letzten Stunden bei. Dabei infizierte er sich ebenfalls mit der tödlichen Seuche und starb im KZ Dachau, da keine medizinische Hilfe für die Häftlinge vorgesehen war.

Ungewöhnlich war außerdem die Sprache, die man überwiegend hörte: Polnisch.
150 polnische Pfadfinder sind am 10.10.2015 morgens um 9.00 Uhr in Begleitung von zahlreichen Seelsorgern und Betreuern nach Dachau gekommen um ihren Patron, den seligen Stefan Wincenty Frelichowski zu ehren. Sie kamen nicht nur aus Polen, auch polnisch-stämmige Pfadfinder aus der Ukraine, Weißrussland und verschieden anderen Ländern Westeuropas sind unter ihnen. Den polnischen Pfadfindern in Europa wird am Ende des Gottesdienstes eine Reliquie des Seligen als Geschenk anvertraut.
Überall sah man frohe und gespannte Gesichter, Freunde begrüßten sich, es war eine frohe und familiäre Atmosphäre. Zu Beginn der Wallfahrt stand ein gemeinsamer Gottesdienst in der Kapelle des Karmel Heilig Blut, der direkt an die Gedenkstätte des KZ Dachau anschließt. Prof. Dr. Slawomir Oder, Postulator der Kongregation für Selig und Heiligsprechungen in Rom, bei uns bekanntgeworden durch das Selig- und Heiligsprechungsverfahren von Papst Johannes Paul II und der polnische Militärbischof Jozef Guzdek aus Warschau, zelebrierten die heilige Messe zusammen mit 12 anderen Priestern. Zu Beginn begrüßt der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof alle anwesenden im Namen des Münchner Erzbischofs Reinhard Kardinal Marx und überbringt Grüße. In deutscher Sprache stellte er den Seligen vor und empfahl ihn als Vorbild. Aus Liebe zu Gott überwand der junge Priester Frelichowski den Hass im KZ Dachau. Er lud die Gläubigen ein aus seinem Geist zu leben, dem Geist der Großherzigkeit, des Friedens. Bischof erwähnte auch die anderen seliggesprochenen Märtyrer von Dachau, bisher sind es mehr als 50.
Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von polnischen Liedern der Pfadfinder zu Gitarre. Pfadfinder umrahmten auch mit 5 Fahnen als Ehrengarde seitlich den Altarraum. Auch zwei Neffen des Seligen war nach Dachau gereist um die Verbundenheit mit der Familie des Seligen auszudrücken. In der ersten Reihe saß Max Mannheimer, einer der letzten jüdischen Überlebenden des KZ Dachau und Vertreter des internationalen Dachau Comites, seine Anwesenheit war eine besondere Ehre für den Seligen.
Zu Beginn des Gottesdienstes wurden die polnischen Gläubigen eingeladen die Geschichte und die Wahrheit über die christlichen Märtyrer kennenzulernen, die wie Frelichowski inmitten von Elend, Bosheit und Tod durch Liebe den Hass gesiegten. Die Liebe motivierte Frelichowski in die verbotenen Quarantäneblocks des KZ Dachau zu den typhuskranken Kameraden zu gehen und ihnen zu helfen. Die Liebe besiegte den Hass. Der Zelebrant lud ein für Frieden und Brüderlichkeit zu beten, die dem Leben Sinn geben und es schön machen. Er forderte die Gläubigen dazu auf Frelichowskis Spuren zu folgen, es sind die Spuren der Liebe Christi und wie der Selige treu das Kreuz in der Nachfolge Christi zu tragen.

In der Predigt sprach Dr. Slawomir Oder ebenfalls von Stefan Wincenty Frelichowski. Die Quelle der Freude und der Kraft war sein Priestertum. Seine Pfarrei – die vielen gefangenen Kameraden im KZ Dachau. Bewegt sei er selber heute zum ersten Mal nach Dachau gepilgert um vom Vorbild und Beispiel des Seligen inspiriert zu werden. Er zitierte Frelichowski, der vom Gott der Liebe und des Lebens sprach, dessen Liebe Hass und Rache besiegt. Sein Martyrium sei ein Zeichen des Sieges Gottes. Frelichowski hat dies selber gelebt. „Selig, die das Wort Gottes hören und tun“, dieses Wort gilt besonders für den Seligen. Auch in schweren Zeiten konnte er ein Mensch bleiben. Dachau sei bekanntlich ein Ort des Todes, Dachau ist aber auch ein Ort des Sieges Gottes. Frelichowski ist hier seiner priesterlichen Berufung treu geblieben, er hat sie tief gelebt und geliebt. Priester sein bedeutete für ihn sein Kreuz zu tragen. Die Liebe Christi hat sein Herz getroffen und ihn befähigt sein Kreuz zu tragen, wie Jesus seines getragen hat, so bekam sein Leiden einen Sinn. Er lebte dafür, anderen zu dienen und gab sein Leben wie ein Opfer. Frelichowski war voll Lebensfreude, er war froh Priester zu sein. Sein Einsatz galt den schwachen und kranken Kameraden, wie ein guter Samariter half er und teilte alles, Brot, eine warme Decke, seinen Platz am warmen Ofen, aber auch sein Wissen und seine Erfahrung. So hat er viele gestärkt und getröstet. Zu Geben wurde der Sinn seines Lebens. Selbst am Ort des Hasses und der Nacht zeigte er keine Angst sondern wurde anderen zur Quelle der Kraft durch sein inneres Licht.
Seine Menschen- und Nächstenliebe besiegte die Angst, weil die Liebe keine Angst kennt. Liebe macht stark, mutig und kann nicht zerbrechen. Frelichowski setzte ein Zeichen für das Gute und die Liebe, aus Liebe zu Christus. Das Gebet wurde für ihn zur Quelle des Lebens und der Kraft. Möge es auch zur Kraft für unser Leben werden.

Am Ende des Gottesdienstes betonte Oder nochmal: Im KZ Dachau war ein Ort ohne Gott. Doch die Wahrheit ist tiefer. Gott war gegenwärtig in Dachau. Viele Menschen fragen in unseren Tagen: wo war Gott? Es wäre besser zu fragen: Wo war der Mensch? Frelichowski war hier. Sein Leben und Martyrium der Nächstenliebe sind die Antwort auf diese Frage.

Auch einige Gläubige aus Dachau und Umgebung waren zum Gottesdienst gekommen um ihre Verehrung für den seligen Stefan Wincenty Frelichowski und ihre Verbundenheit mit den polnischen Gästen auszudrücken. Auch so kann Versöhnungsarbeit aussehen. Viele von ihnen gehören zum Freundeskreis Selige aus dem KZ Dachau, der sich einsetzt, um ein Vergessen der 55 seliggesprochenen Märtyrer unter den Häftlingen aus dem KZ Dachau bekannt zu machen. 47 dieser Seligen stammen aus Polen und sind leider noch wenig bekannt. Frelichowski ist einer von ihnen.
„Ich bewundere Frelichowski so sehr. Er ist in diese Hölle Mensch geblieben.“, sagt Justyna Weber, polnisch stämmige Dolmetscherin aus München. Seit Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich in der Gedenkarbeit und übersetzt auch heute den deutschsprachigen Gottesdienstbesuchern aus dem Polnischen.

Im Anschluss an den Gottesdienst begab sich die versammelte Festgemeinde zur Gedenkstätte des KZ Dachau. Dort in den Räumen des Museums versammelten sich alle um ein Rednerpult. Neben Max Mannheimer ergriff auch der polnische Generalkonsul Andrzej Osiak das Wort und sprach in polnischer und deutscher Sprache. Der heutige Tag sei ihm eine große Ehre und Freude. Auch einer der Neffne des Seligen sprach. Worte des Dankes für die Organisation dieser Wallfahrt waren zu hören.
Anschließend wurde im Gedenkraum der Gedenkstätte eine aus Polen mitgebrachte Tafel feierlich enthüllt.

Am Nachmittag trafen sich die Pfadfinder am Friedhof Leitenberg bei Dachau. Dort wurden in den letzten Kriegsmonaten die getöteten Häftlinge begraben. Wahrscheinlich fand auch Frelichowski hier sein Grab. Auf dem Weg beteten die Jugendlichen berührend, gesammelt und andächtig den Kreuzweg. An den Stationen des Leidens unseres Herrn wurde an Stationen aus dem Leben des seligen Stefan Wincenty Frelichowski erinnert.

Die Wallfahrt wurde von der polnischen Organisation Wspólnota Polska in Warschau organisiert, die sich für Polen in anderen Ländern engagiert.

Monika Neudert

 

70. Todestag des seligen Stefan Wincenty Frelichowski – Eine deutsch-polnische Begegnung in Dachau
Am 10.10.2015, einem kalten und grauen Oktobertag versammelten sich um 9.00 Uhr viele Junge Leute vor einem blumengeschmückten Gemälde der kleinen Kapelle des Karmel Heilig Blut in Dachau.
Sie kamen weite Wege, nicht nur aus Polen, sondern aus allen Ecken der Welt um ihren geliebten Patron den seligen Stefan Wincenty Frelichowski zum 70. Todestag zu ehren.
Unter den Versammelten waren auch der Polnische Generalkonsul in München Herr Andrzej Osiak, Weihbischof Wolfgang Bischof, Prof. Dr. Slawomir Oder, Postulator der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen in Rom und der polnische Militärbischof Jozef Guzdek aus Warschau, der Neffe von Stefan Wincenty Frelichowski Herr Zygmunt Jaczkowski und Max Mannheimer, der einer der letzten Überlebenden des KZ Dachau und Vertreter des internationalen Dachau Komitees, die eine Andachtsmesse zusammen mit 12 polnischen Priestern zelebrierten. Auch Personen, die aktiv für die Deutsch-Polnische Versöhnung arbeiten wie Frau Helga König, die Überlebende und ehemalige Häftlinge aus dem KZ Dachau in München betreut und Frau Monika Neudert aus dem Freundeskreis Selige aus dem KZ Dachau die sich für die Kultur des Erinnerns stark macht waren gekommen. Ein Drittel aller Menschen, die in Dachau ermordet wurden waren polnischer Nationalität, unter ihnen auch Menschen jüdischer Abstammung. Das Nazi-Regime hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Elite des besetzten Polens zu eliminieren. Der Verantwortliche für diese Aktion war Reinheid Heydrich. Er empfahl die Zivilbevölkerung im besetzten Polen einfach sofort zu erschießen oder zu erhängen ohne für ein Gericht und Ermittlungen Zeit zu verlieren.
Zu Beginn begrüßte der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof alle anwesenden im Namen von Kardinal Marx, der sich zu dieser Zeit auf der Familiensynode in Rom befand. In deutscher Sprache stellte er den Seligen vor. Aus Nächstenliebe überwand Frelichowski den Hass im KZ Dachau. Einem Ort in dem Menschen systematisch erniedrigt, gequält und mit enormer Härte an Körper und Seele durch Hunger und Krankheiten verletzt wurden setzte er ein anderes Zeichen, ein Zeichen der Nächstenliebe. Stefan Wincenty Frelichowski kam im Rahmen des Projektes zur Ausrottung der polnischen Intelligenz nach Dachau, das gezielt gegen die polnische Eliten gerichtet war.
Allein gegen das Böse
Frelichowski war ein enthusiastischer und fröhlicher Mensch, den Freunde und Kollegen Wicek nannten. Als Wincenty Frelichowski in das KZ Dachau kam war er so jung wie die Jugend heute, die aus der ganzen Welt kam um ihn zu ehren.
Seine ganze Jugend verbrachte er hinter Stacheldraht in diversen Konzentrationslagern: Erst in Stutthof, dann in Grenzdorf und zuletzt in Dachau. Hier beschloss er sich noch mehr als in seinem früheren für die Probleme und Bedürfnisse der anderen zu öffnen.
Er engagierte sich für die Mitgefangenen, nicht nur mit guten Worten sondern mit konkreten Aktionen wie der Gründung einer Lager Caritas um das Essen an Bedürftige vor allem an russische Gefangene zu verteilen. Stefan Wincenty Frelichowski war ein ganz gewöhnlicher Mensch mit einer außergewöhnlichen Kraft. Ein Engel in dieser brutalen Welt. Als in dem überfüllten Lager eine Typhusepidemie ausbrach und niemand die Kranken pflegen wollte engagierte er sich freiwillig in beeindruckender Weise für die heimliche Pflege typhuskranker Kameraden. Unter diesen Bedingungen brachte er den sterbenden Häftlingen Hoffnung und Menschenwürde ungeachtet ihrer Religion und Nationalität. Als Folge infizierte er sich dann selbst und starb an der Krankheit verbunden mit einer Lungenentzündung am Vorabend der Befreiung am 23.02.1945, nach 6 Jahren Gefangenschaft, davon alleine 4 Jahre im KZ Dachau. In seinem Tagebuch schrieb er „Man soll jeden Menschen, der uns auf unserem Weg begegnet unter Schutz nehmen und Interesse für seine seelischen Probleme und seine Bedürfnisse zeigen“. Ist dies nicht auch heute ist noch so aktuell wie damals?
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde in der Gedenkstätte des KZ Dachau feierlich eine kleine Tafel enthüllt. Auf der Tafel kann man Frelichowskis Bild sehen und die bewegenden Strophen seines Gedichts „Fröhlich bin ich in den Leiden“ lesen. In dem Gedicht, das er als sein Testament schrieb, war es sein letzter Wunsch, dass man sich nach dem Krieg ein wenig an ihn erinnert und gut über sein Land spricht. Vor der Enthüllung sprachen der Generalkonsul der Republik Polen Herr Andrzej Osiak, der alle Gäste herzlich begrüßte und Herr Max Mannheimer. In seiner auf Polnisch gehaltenen Rede erzählte der Zeitzeuge und Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz und Dachau wie er bei der Ankunft nach Auschwitz von polnischen Mithäftlingen hörte „Schau mal das ist der Tschechische Jude, der kann sogar Polnisch reden. Schaut bitte, dass man ihm eine leichte Arbeit gibt“. „In diesem Moment sei seine Vorstellung über den polnischen Antisemitismus doch ziemlich revidiert worden“, so Max Mannheimer. Aber es wurden auch viele Beispiele der Versöhnung zwischen Deutschen und Polen erwähnt. Gerade den deutschen Geistlichen die es schafften bei der Lagerleitung eine Sondergenehmigung zu bekommen, ist es zu verdanken, dass die Häftlinge in seinem Block sich von Wincenty Stefan Frelichowski verabschieden konnten und er nach dem Tod nicht gleich im Krematorium verbrannt wurde. Dafür bedankte sich der Neffe von Stefan Wincenty Frelichowski, Zygmunt Jaczkowski.
Wer nicht eigene Geschichte schreibt für den wird die Geschichte geschrieben, meinte der polnische Militärbischof Jozef Guzdek aus Warschau. Stefan Wincenty Frelichowski schrieb an einem Ort des Hasses eine Geschichte der Hingabe und Nächstenliebe und scheute nicht davor zurück den höchsten Preis dafür zu bezahlen: Sein Leben für das Gute zu opfern. Bei dem ihm überall umgebenden Bösen wählte er immer das Gute. Auf solch liebevolle Art kämpfte er um die Freiheit. Sein Heroismus und seine unbefangene Einstellung sollte für die heutige Jugend ein Vorbild sein, um zu lernen ein besseren Mensch zu werden und dadurch zur Versöhnung beizutragen und das Licht der Liebe in die Menschheit zu tragen und eine Zivilisation der Liebe zu bauen. Das Leben und Wirken Frelichowskis ist Beweis dafür, dass die wahre Liebe auch über den Tod siegt. Dafür wurde den polnischen Pfadfindern eine Reliquie des Seligen (ein Knochen von Daumen und Zeigefinger), die heimlich vor dem Verbrennen im Krematorium gerettet wurden, anvertraut. Die Reliquie wurde im Lager einbalsamiert, versteckt und nach dem Krieg nach Polen mitgenommen.
Die Veranstaltung und die Tafel wurden mit Mitteln der Wspólnota Polska in Warschau finanziert.
Redaktion Justyna Weber

Die Rechte an diesen Text bleiben bei Frau Justyna Weber

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