30. Jahrestag der Seligsprechung P. Titus Brandsma

Dachau, 16.09.2015

Am 03.11.2015 jährt sich die Selig­spre­chung des nie­der­län­di­schen Kar­me­li­ten­pa­ters Titus Brandsma zum 30. Mal. Er wurde am 03.11.1985 als ers­ter Häft­ling  aus  dem KZ Dachau als Mär­ty­rer selig gespro­chen.
Aus die­sem Anlass wird in Dachau an P. Titus Brandsma erin­nert:

Am Don­ners­tag, den 05.11.2015 fei­ern wir einen Got­tes­dienst zu  Ehren des seli­gen P. Titus Brandsma in der Pfarr­kir­che Hei­lig Kreuz Dachau. Zele­brant ist P. Cor­ne­lius Denk. Anschlie­ßend folgt ein Vor­trag über den seli­gen P. Titus Brandsma, sein Leben und seine Spi­ri­tua­li­tät.

Ort: Hei­lig Kreuz in Dachau,
Der Got­tes­dienst beginnt um 19.00 Uhr (Sude­ten­land­str. 62, 85221 Dachau)
Der Vor­trag wird im Anschluss daran im Pfarr­saal sein, (Sude­ten­land­str. 67, auf der gegen­über­lie­gen­den Stras­sen­seite, einige Schritte ent­fernt) ca. um 20.00 Uhr. Es wird Frau Monika Neu­dert, Spre­che­rin des Freun­des­krei­ses Selige aus dem KZ Dachau, refe­rie­ren.

Ver­an­stal­ter ist das Dach­auer Forum.

P. Titus Brandsma kam aus den Nie­der­lan­den ist bei uns lei­der noch wenig bekannt.
Er war Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie mit dem Fach­ge­biet Mys­tik und begut­ach­tete u.a. des­halb auch The­rese von Kon­ners­reuth.
Auf beson­ders lie­bens­wür­dige Art ver­band er ein tie­fes Gebets­le­ben mit viel­sei­ti­gem Enga­ge­ment der Nächs­ten­liebe.
Er kam früh mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus in Kon­flikt, da er auch als Jour­na­list aktiv war und dage­gen deut­lich Stel­lung bezog.
Nach der Beset­zung der Nie­der­lande durch die deut­sche Wehr­macht ver­suchte er katho­li­sche Schu­len und katho­li­schen Zei­tun­gen zu ver­tei­di­gen.
Als Regime­geg­ner ver­haf­tete ihn die Gestapo schließ­lich. Er erlebte mehr­fach Miss­hand­lun­gen und die Not ver­schie­de­ner Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger.
Dort trös­tete er Kame­ra­den und half ihnen als Seel­sor­ger. Sein Ein­satz für gelebte Fein­des­liebe ist bewe­gend.
Er wurde im KZ Dachau am 26.07.1942 durch eine Gift­spritze ermor­det.


Monika Neu­dert

neue Biografie über Dachau-Märtyrer Gerlich


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Dachau, 04.09.2015: Eine neue und emp­feh­lens­werte Bio­gra­fie über den im KZ Dachau ermor­de­ten Mär­ty­rer Fritz Ger­lich ist gerade erschie­nen. Dr. Ste­fan Meet­schen stellt den Jour­na­lis­ten Ger­lich und sein span­nen­des Leben vor. Schon in den 1930ger Jah­ren stellte sich die­ser dem nach der Macht grei­fen­den Natio­nal­so­zia­lis­mus ent­ge­gen­stellte, moti­viert durch sei­nen katho­li­schen Glau­ben. Für die­ses Enga­ge­ment wurde er 1933 ver­haf­tet, miss­han­delt und 1934 auf dem Gelände des KZ Dachau ermor­det. Er ist einer der ers­ten Glau­bens­zeu­gen im Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus in Deutsch­land.
Infor­ma­tio­nen zum Autor Ste­fan Meet­schen: Link zu kath­pe­dia

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Ein gera­der Weg

Der katho­li­sche Jour­na­list, Wider­stands­kämp­fer und Mär­ty­rer Fritz Ger­lich

von Dr. Ste­fan Meet­schen
fe-medienverlags GmbH, ISBN 978-3-86357-134-4, € 12,80
Link zum Ver­lag zum Ver­lag

Rezen­sion:

Im Buch „ein gera­der Weg, der katho­li­sche Jour­na­list, Wider­stands­kämp­fer und Mär­ty­rer Fritz Ger­lich“, ist eine span­nende Bio­gra­fie des frü­hen Geg­ners des Natio­nal­so­zia­lis­mus zu lesen. Der Jour­na­list Ste­fan Meet­schen schreibt über sei­nen Kol­le­gen aus der schwe­ren Zeit des letz­ten Jahr­hun­derts, des­sen Leben und sei­nen Kampf gegen den erstar­ken­den Natio­nal­so­zia­lis­mus bis zum Tod. Das Werk erschien im August 2015 im fe-Medienverlag.

Der Leser kann das bewegte Leben des Jour­na­lis­ten Fritz Ger­lich ken­nen­ler­nen, seine lei­den­schaft­li­che Suche nach Wahr­heit, die zu sei­ner Bekeh­rung durch die Begeg­nung mit der Mys­ti­ke­rin The­rese Neu­mann, genannt Resl von Kon­ners­reuth führt.
Aus der dabei gewon­ne­nen tie­fen und feu­ri­gen Bezie­hung zu Jesus Chris­tus, den Ger­lich „mei­nen Herrn und Hei­land“ nannte, bekam sein beruf­li­ches und poli­ti­sches Enga­ge­ment eine neue Rich­tung. Aber auch sein gan­zes Pri­vat­le­ben ver­än­derte sich, der Freun­des­kreis und sogar die Ehe­pro­bleme bes­ser­ten sich.
Ger­lich kämpfte mit mis­sio­na­ri­schem Eifer gegen die bevor­ste­hende Macht­er­grei­fung Hit­lers in sei­ner tem­pe­ra­ment­vol­len Art. Seine klare Urteils­gabe ermög­licht ihm Hit­ler, den er mit dem Satan gleich­setzte, in einem geist­li­chen Kampf durch die Feder des Jour­na­li­ten mit guten Argu­men­ten und deut­li­chen Wor­ten in sei­ner Zeit­schrift „der gerade Weg“ zu bekämp­fen. Die per­sön­li­chen Begeg­nun­gen Ger­lichs mit Hit­ler kann der Leser mit­er­le­ben, den Ger­lich schon seit den 1920ger Jah­ren kannte, durch­schaute und ver­ur­teilte.
Dabei scheut sich Meet­schen nicht neben den his­to­ri­schen Fak­ten über Ger­lichs Glau­ben zu beschrei­ben und seine Liebe zu Gott als Antrieb für sein poli­ti­sches Enga­ge­ment klar zu benen­nen.

Der Kampf mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus kos­tete Ger­lich letzt­lich seine Frei­heit, seine kör­per­li­che Unver­sehrt­heit und sein Leben. Er wurde zunächst geschmäht und schließ­lich im März 1933 unter schwe­ren kör­per­li­chen Miss­hand­lun­gen ver­haf­tet. Im Gefan­gen­schaft durch­lebte Ger­lich eine per­sön­li­che Läu­te­rung: Aus Aktion wurde Kon­tem­pla­tion, aus pole­misch tref­fen­den Angrif­fen auf die Geg­ner Demut und ruhige Ver­ge­bung. Er las reli­giöse Bücher, betrach­tete und betete. Sei­nen Tod sah er auf sich zukom­men und erkannte in ihm sein Mar­ty­rium, das er annahm.
Als einer der ers­ten Mär­ty­rer wird er 1934 nahe dem KZ Dachau ermor­det.
Zu Beginn des Buches wer­den die Sta­tio­nen Ger­lichs Lebens­weg in den ver­wir­ren­den Jahr­zehn­ten am Anfang des letz­ten Jahr­hun­derts nach­er­zählt. Im Wei­te­ren schreibt der Autor inter­es­sant und leben­dig, gera­dezu span­nend und erfreut den Leser durch tref­fende Ver­glei­che und über­ra­schend wit­zige For­mu­lie­run­gen. Oft lässt Meet­schen Ger­lich sel­ber zu Wort kom­men und zitiert aus sei­nen Zei­tungs­ar­ti­keln und ande­ren Auf­zeich­nun­gen des­sen münd­li­che Äuße­run­gen.
Der Leser bekommt alle nöti­gen Infor­ma­tio­nen zum geschicht­li­chen Hin­ter­grund in Deutsch­land und ins­be­son­dere in Mün­chen infor­ma­tiv mit­ge­lie­fert.
Die Begeg­nung mit The­rese Neu­mann wird zum Anlass genom­men auch über diese beson­ders begna­dete Frau zu infor­mie­ren. Der Autor des Buches ver­fügt auch auf die­sem Gebiet über gutes Hin­ter­grund­wis­sen, was nicht bei allen Beschäf­ti­gun­gen mit christ­li­chen Mär­ty­rern zu fin­den ist.

Ste­fan Meet­schen fin­det einen per­sön­li­chen Zugang zum Jour­na­lis­ten Fritz Ger­lich und bewun­dert sei­nen Mut und seine pro­phe­ti­sche Beur­tei­lung des Zeit­ge­sche­hens aus der Sicht des Glau­bens, mit der Ger­lich damals alleine unter den Jour­na­li­ten und Polit­kern stand.
Er scheut sich nicht, eine der Grund­aus­sa­gen Ger­lichs: „Hit­ler ist der Satan“ und den geist­li­chen Kampf Ger­lichs klar zu benen­nen. Dies freut dem christ­lich gepräg­ten Leser gut, der nicht zwi­schen den Zei­len ver­steckt nach Infor­ma­tio­nen über den Glau­ben der Han­deln­den suchen muss. In der Gedenk­kul­tur unse­rer Tage wird oft die geist­li­che Dimen­sion der christ­li­chen Mär­ty­rer ver­kürzt oder gar ganz ver­schwie­gen. Ohne diese wäre Ger­lichs Wan­del nach sei­ner Bekeh­rung, die Kon­ver­sion und seine fol­gen­den Hand­lun­gen aber nicht nach­voll­zieh­bar und es ist auch nicht mög­lich von dem vor­bild­li­chen Enga­ge­ment die­ses Glau­bens­zeu­gen zu ler­nen.

Ste­fan Meet­schen gibt uns mit sei­nem Buch unaus­ge­spro­chene Impulse nach dem Bei­spiel Ger­lichs auch unsere Zeit, die Situa­tio­nen in Kir­che und Gesell­schaft mit wachem Her­zen wahr­zu­neh­men und zu beur­tei­len. Das Zeug­nis des Mär­ty­rers kann so frucht­bar wer­den.

Es bleibt zu wün­schen, dass auch über andere christ­li­che Mär­ty­rer des 3. Rei­ches in die­ser Form berich­tet wird, damit sie dem Ver­ges­sen ent­ris­sen unser christ­li­ches Leben heute neu inspi­rie­ren.

Monika Neu­dert

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