Info zur Seligsprechung P. Girotti

21.04.2014

Zur Vorbereitung der Seligsprechung von P. Giuseppe Girotti am 26.04.2014 in seiner Geburtstadt Alba, Italien

und zum gleichzeitigen Gottesdienst an seinem Grab in Dachau, Regina Pacis, Leitenberg,

hier neue Informationen.

unsere Seite über P. Giuseppe Girotti

Artikel über P. Giuseppe Girotti bei Zenit

Dokumentations-Film „il triangolo rosso“, in italienischer Sprache u.a. mit Interviews von Zeitzeugen

 

Informationen zum Gottesdienst am 26.04.2014, 16.00 Uhr, Dachau, Leitenberg

Einladung an alle Interessierten diesen Tag der Gnade am Grab des neuen Seligen mitzufeiern.

Biographie über den seligen Frelichowski


Erstmals in deutscher Sprache: ausführliche Biographie über den seligen Stefan Wincenty Frelichowski
09.04.2014

Es steht Ihnen jetzt auf unserer Seite eine ausführliche Biographie über den seligen Stefan Wincenty Frelichowski zu Verfügung.
Bisher wurde über sein beeindruckendes Leben wenig in deutscher Sprache veröffentlicht.
Wir laden ein diesen engagierten jungen Kaplan aus Polen näher kennen zu lernen.
Er starb kurz vor Kriegsende  im KZ Dachau an einer Typhusinfektion, die er sich bei der heimlichen Pflege und seelsorglichen Betreuung kranker Kameraden zugezogen hatte.
(vgl auch http://www.selige-kzdachau.de/portfolio/stefan-wincenty-frelichowski)

aus­führ­li­che Bio­gra­phie

Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski wurde am 22.01.1913 in Chelmza (auf Deutsch Kulm­see), klei­nem Städt­chen in der Nähe von Torun, im Nor­den Polens gebo­ren.

Kind­heit und Jugend

Er kam in eine kin­der­rei­che, christ­lich geprägte Fami­lie mit ins­ge­samt 6 Kin­dern, es gab 2 ältere Brü­der, 3 jün­gere Schwes­tern. Getauft wurde er am 29.01.1913 in der Pfarr­kir­che, auf den Namen Ste­fan Win­centy, jedoch sein Ruf- und Spitz­name in der Fami­lie und bei Freun­den war Wicek. In der Fami­lie herrschte Froh­sinn und  gegen­sei­ti­ges Wohl­wol­len, christ­li­che Werte wur­den hoch gehal­ten. „Die Fre­li­chow­skis haben ihren Kin­dern sehr viel mit auf den Lebens­weg gege­ben, sie brach­ten ihnen unei­gen­nüt­zige Liebe und Opfer­be­reit­schaft sowie Ach­tung für die Arbeit bei. Sie ver­stan­den es, ihren Kin­dern die Werte zu über­tra­gen, denen sie selbst treu geblie­ben sind.“[1]

„Wun­der­bare Eltern“[2], hat­ten sie, das berich­tete die Schwes­ter spä­ter. Vater Lud­wik (1883-1957) war Bäcker­meis­ter und Kon­di­tor mit eige­nem Geschäft. Er hatte immer ein offe­nes Ohr und war hilfs­be­reit. Die Mut­ter Marta (1886-1965), geb. Ols­zew­ska, war eine beschei­dene und gast­freund­li­che Frau. Sie arbei­tete neben der Erzie­hung der Kin­der im Bäcker­la­den und half bei der Arbeit des Vaters.[3] Sie hatte wenig Schul­bil­dung, aber viel Weis­heit, so hielt sie das ganze Haus in Ord­nung. 

Viel Zeit ver­brachte die Fami­lie auch bei den Groß­el­tern in ihrem Haus mit Gar­ten am See. Es gab fröh­li­che Fami­li­en­tref­fen und Feste im Leben die­ser Groß­fa­mi­lie. Wicek liebte seine Groß­mut­ter beson­ders[4]. Abends saß man zusam­men bei Musik und Gesang, aber auch Gebet.

Vor dem Herz-Jesu-Bild der Fami­lie brannte immer eine kleine Öllampe.[5] Im Okto­ber wurde zusam­men Rosen­kranz gebe­tet. Auch die Lehr­linge des Vaters bete­ten mit. In der gro­ßen Fami­lie waren sich alle sehr nahe.

Der kleine Wicek war ein sehr leb­haf­tes Kind, viel unru­hi­ger als seine bei­den älte­ren Brü­der. Jede freie Minute nutzte er zum Spie­len. Er war ein neu­gie­ri­ges Kind.

Chelmza liegt an einem See, die Fami­lie besaß dort 3 Ruder­boote, selbst­ver­ständ­lich war Wicek wie seine Brü­der Mit­glie­der im ört­li­chen Ruder­ver­ein. Im Win­ter  „… ver­brachte er wohl viel Zeit auf dem zuge­fro­re­nen See in Chelmza. Er war näm­lich ein sehr leben­di­ger und akti­ver Knabe. Er war es eben, der seine älte­ren Geschwis­ter zu ver­schie­de­nen Kin­der­strei­chen und – spie­len ani­mierte. Er kam oft ver­schmutzt, mit zer­ris­se­nen Hosen und wun­den Knien nach Hause.“[6] Seine Mut­ter erzählte, dass sie die größ­ten Erzie­hungs­pro­bleme mit ihm hatte. Seine Schwes­tern erin­ner­ten sich spä­ter „ wie er, noch nicht sechs Jahre alt, auf dem brei­ten Fens­ter­sims im ers­ten Stock her­um­ge­turnt ist und die Eltern alle Ängste aus­stan­den“[7], dass er stür­zen könnte. Wicek viel herab und wurde bewusst­loss. Der geru­fene Arzt stellte erstaunt fest, dass ihm nichts pas­siert war, außer einer leich­ten Wunde am Kopf. Die mit dem Arzt gekom­mene Kran­ken­schwes­ter behan­delte die Wunde und sagte zu ihm: „Du, Rotz­nase, immer hast Du Glück!“(Nach Erin­ne­run­gen sei­ner Schwes­ter Mar­c­j­anna). 

Schon mit 9 Jah­ren[8] wurde Wicek Minis­trant, fast täg­lich diente er treu und eif­rig am Altar[9]. Die Mut­ter erzählte, er fehlte nie bei der hl. Messe.

In den Jah­ren 1919 bis 1923 besuchte der kleine Fre­li­chow­ski die Grund­schule in Chelmza. In diese Zeit fällt auch seine Erst­kom­mu­nion 1922. Wicek war ein pflicht­be­wuss­tes Kind, er betete gerne, auch den Rosen­kranz, gerne auch in der stil­len Kir­che. Ein­mal ist er dabei ein­ge­schla­fen, wurde ver­se­hent­lich ein­ge­sperrt. Erst nach lan­gem Klop­fen wurde er gefun­den und befreit.[10]

Danach besuchte er 1923 bis zum Abitur 1931 das huma­nis­ti­sche Kna­ben­gym­na­sium in Chelmza.

Diese Schul­zeit prägte ihn fürs Leben, denn in die­ser Schule arbei­te­ten meh­rere Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen, dar­un­ter die Maria­ni­sche Kon­gre­ga­tion, in die er am 26.05.1927 auf­ge­nom­men wurde. Er war sehr aktiv, wurde schließ­lich Vor­sit­zen­der der Soda­len in sei­ner Schule gewählt. Er konnte der Gruppe ein Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl geben[11]. In sei­nem Tage­buch erfah­ren wir auch, warum er sich ent­schlos­sen hatte der Maria­ni­schen Kon­gre­ga­tion bei­zu­tre­ten. Er hatte beschlos­sen sich zu ändern und seine Schwä­chen zu bekämp­fen.[12] Welch reife Ent­schei­dung für einen 14-Jährigen.

Auch dem päpst­li­chen Mis­si­ons­werk vom Kinde Jesu trat er im Alter von 12 Jah­ren bei, die Liebe zur Mis­sion wuchs von da an in ihm und prägte sein wei­te­res Leben.

Am 21.03.1927 wurde er im Alter von 14 Jah­ren Pfad­fin­der[13], sein Pfad­fin­der­ver­spre­chen als Mit­glied des 2. Pom­meri­schen Pfad­fin­der­stam­mes legte er am 26.06.1927 ab. Das sollte sein Leben ver­än­dern. Unter die­sem Ein­fluss  begann er hart an sich und sei­nem Cha­rak­ter zu arbei­ten und ver­än­derte sich stark. Er lernte dort für andere da zu sein, ihnen zu die­nen.[14] Pfad­fin­der­tum und Reli­gion waren die bei­den Säu­len sei­ner Jugend. Ent­spre­chend den Idea­len der Pfad­fin­der stellte Wicek hohe Ansprü­che an sich selbst: er wollte gegen­über Gott und dem Vater­land seine Pflich­ten erfül­len, pflicht­be­wusst und recht­schaf­fen leben.   Ent­spre­chend einem geschul­ten Gewis­sen wollte er unei­gen­nüt­zig ande­ren die­nen.[15] Im Tage­buch erken­nen wir seine Sorge und Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl für andere Jugend­li­che, ver­ant­wor­tungs­be­wusst und gerecht, so wollte er sein.

Pfad­fin­der­ka­me­ra­den kamen auch oft zu sei­ner Fami­lie nach Hause. 

Schnell erklomm er die Stu­fen der Pfad­fin­der. Fre­li­chow­ski ließ sich gerne zum Enga­ge­ment begeis­tern und über­nahm auch Lei­tungs­funk­tio­nen. Er lei­tete ver­ant­wort­lich Grup­pen­tref­fen mit Musik und hielt dort selbst Vor­träge, erzählte Sagen und lei­tete den Gesang bei den Pfad­fin­der­aben­den. Sogar noch im Pries­ter­se­mi­nar endete sein Enga­ge­ment nicht, er war dort Mit­glied des Krei­ses der altern Pfad­fin­der (1933-1936) und führte auch diese Gruppe.[16]Im Som­mer 1935 orga­ni­sierte Fre­li­chow­ski eine Fahrt in das Som­mer­la­ger der Pfad­fin­der in Spale, für seine Mit­semi­na­ris­ten, alte Pfad­fin­der.[17] Im Jahr 1935 wurde er sogar zum Pfad­fin­der der Nation ernannt.

Zu Weih­nach­ten 1929 schenkte die Mut­ter dem 16-Jährigen ein Tage­buch. Fortan schrieb er viel darin und wir kön­nen eini­ges dort erfah­ren über die Ereig­nisse, Gefühle und Kämpfe des jun­gen Man­nes. Am 28.12.1929 schrieb er: „End­lich ist mein Wunsch erfüllt, am Christ­abend habe ich von mei­nen lie­ben Eltern die­ses Tage­buch bekom­men. Wie war ich von die­sem Geschenk beein­druckt. Ich konnte über­haupt nicht meine Rüh­rung begrei­fen. … Obwohl der Weih­nachts­mann nicht reich war, weil die Geschäfte nicht so gut gehen, war trotz­dem zwi­schen uns eine sehr nette brü­der­li­che Atmo­sphäre.“[18]

Im Tage­buch vom 16.01.1930 lesen wir fol­gen­den Ein­trag, der uns tie­fer in seine Gedan­ken hin­ein­se­hen lässt: „Meine Tage sind jetzt ganz mit Arbeit über­las­tetund dazu noch diese Ämter! In der Maria­ni­schen Kon­gre­ga­tion bin ich als Kan­di­dat für den Pos­ten des Prä­ses auf­ge­stellt, und in der Pfad­fin­der­schaft soll ich Grup­pen­füh­rer sein. Was tun? Ich werde auf die Ergeb­nisse war­ten. Ich fühle, dass ich die Kon­gre­ga­tion gut füh­ren kann, aber bei der Pfad­fin­der­gruppe hier habe ich etwas Beden­ken. 

Ich fühle, dass das Pfad­fin­der­tum sehr ideale Gesetzte und Ideen hat. Um sie zu füh­ren und zu erfül­len, muss man diese erst gut beherr­schen, … aber ich weiß nicht wann ich sie besit­zen werde. … Die gegen­wär­tige Arbeit in der Gruppe ist das erste Jahr. Wenn es so wei­ter­geht, besteht Hoff­nung, dass die Mann­schaft eine wirk­li­che wahre Pfad­fin­der­schaft wird, die ihre Auf­gabe in jeder Hin­sicht im Pfad­fin­der­tum und Vater­land erfüllt. … Ich selbst glaube sehr stark, dass der Staat, indem alle Bür­ger Pfad­fin­der wären, der mäch­tigste Staat von allen wird. Denn das Pfad­fin­der­tum und beson­ders das Pol­ni­sche, hat die Mit­tel und die Hilfe, sodass jemand der durch diese Schule gegan­gen ist, der Typ Mensch ist, den wir heute brau­chen. Aber das Erstaun­lichste und die beste Idee des Pfad­fin­der­tums ist: die Erzie­hung der Jugend durch die Jugend. Und ich will, solange ich es nur kann – Gott gebe, dass es immer so wäre – ein Pfad­fin­der sein und immer dafür arbei­ten.[19],[20], [21]

Am 04.03.1930, Wicek war 17 Jahre alt, starb sein 20 jäh­ri­ger Bru­der Czes­law, Jura­stu­dent in Poznan, uner­war­tet. Er war begeis­ter­ter Rude­rer, beim Tra­gen eines Boo­tes zog er sich eine schmerz­hafte Bauch­fell­ent­zün­dung zu, eine Ope­ra­tion am Blind­darm miss­lang. Aus Wiceks Tage­buch­ein­tra­gun­gen kön­nen wir erah­nen, wie die ganze Fami­lie in Sorge war. „Ich bin an die­sem Tag zu den hei­li­gen Sakra­men­ten gegan­gen und habe Jesus ein Gelübde gemacht, dass ich, wenn Czech gesund würde, auf nichts Rück­sicht neh­men würde, son­dern Pries­ter wer­den würde. Gott hat anschei­nend unsere Gebete erhört. Am Frei­tag wurde das Herz stark, und er hat nur wenig Fie­ber. …“[22] Jedoch nur vor­rü­ber­ge­hend. Wenige Tage spä­ter ver­schlech­terte sich der Zustand des Bru­ders. Er ver­ab­schie­dete sich von den Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen mit den Wor­ten „Bleibt mit Gott!“[23]

Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski trau­erte sehr. Die­ses Ereig­nis wurde zum Wen­de­punkt in sei­nem kur­zen Leben. Der Gedanke Pries­ter zu wer­den ließ ihn nicht mehr los, obwohl sein Bru­der gestor­ben war und er nicht an das Gelübde gebun­den war. Als er seine Gedan­ken mit der Mut­ter besprach, ermu­tigte sie ihn diese wich­tige Lebens­ent­schei­dung nicht unter dem Ein­fluss der Emo­tio­nen zu tref­fen, son­dern über sei­nen wei­te­ren Lebens­weg nach reif­li­cher per­sön­li­cher Über­le­gung und tie­fem Gebet zu ent­schei­den. „Man sieht daran, wie klug Marta Fre­li­chow­ski war, und welch gro­ßen Ein­fluss sie auf Wicek hatte.“[24]

Einige Monate nach dem Tod des Bru­ders schrieb Wicek am 16.10.1930 in sein Tage­buch: „Ob ich weiß, wie mein Leben sein wird? Mein Gott, das ist schon fast ein Leben von 18 Jah­ren. Wie das sein wird? So, das hängt von Gott und von mei­nem Wil­len ab, vom Cha­rak­ter. Ich muss in mir einen star­ken Cha­rak­ter bauen, einen unbeug­sa­men Wil­len. Ich werde hart­nä­ckig sein, so hart­nä­ckig, wie es die Hei­li­gen waren. Ich muss nach ein Teil­chen Hei­lig­keit stre­ben, ein guter Christ sein.[25]

Kurz vor dem Abitur wusste er schon etwas mehr, am 15.02.31 notierte er: „Die Zeit des Abiturs kommt bald. Ich will es able­gen… Aber was dann? Was soll ich dann machen, was soll ich wer­den?… Meine inne­ren Über­zeu­gun­gen, Wün­sche und die Wün­sche mei­ner Eltern und Ver­wand­ten wie ich glaube, alles das spricht dafür, dass ich Pries­ter werde. Und ich selbst fühle es in mir. In die­sem Beruf werde ich glück­lich. Ich will Füh­rer mei­nes Vol­kes sein. Ich will ihm die gött­li­che Wahr­heit ver­kün­den und es die gött­li­che Liebe leh­ren.[26]Ich möchte als Pries­ter in der Lage sein zu beten, Gott nahe zu sein. Von einem Pries­ter wer­den viele Opfer gefor­dert um das Beson­dere zu erhal­ten: das Hei­lige Opfer dar­zu­brin­gen, Jesus in den Hän­den hal­ten zu dür­fen…. Die­sen Dienst für Gott zu erfül­len, ist mein größ­ter Wunsch, ein Traum seit mei­ner Kind­heit! Und jetzt stehe ich an der Schwelle der Schul­zeit…  und frage mich,ob ich in der Lage bin, die­sen Ruf Got­tes, diese Stimme Got­tes die meine Seele ruft, zu beant­wor­ten. Oder soll ich einen ande­ren Beruf wäh­len? Viel­leicht wäre ich in einem ande­ren Beruf nütz­li­cher, könnte ihn bes­ser erfül­len?“[27]

Nach dem Abitur hatte er end­lich Klar­heit gefun­den und schrieb die beein­dru­cken­den Worte: „Und wenn es um die unsterb­li­che Seele gehen wird, ob meine eigene oder jeman­des ande­ren, dann soll es nie Anstren­gun­gen und Bemü­hun­gen genug sein…Wie gerne will ich… nur Gott die­nen. Ich will Gott ein rei­nes und hei­li­ges und gro­ßes Opfer geben. Ich will ein gro­ßer Pries­ter wer­den, mit einem Her­zen, das bereit ist zu Opfern. Meine Arbeit soll immer gute Frucht brin­gen und für alle Men­schen von Nut­zen sein. Jetzt werde ich so arbei­ten, dass ich am Ende sagen kann: Ich habe so viel getan, wie ich nur konnte.“[28]

Semi­na­rist:  1931 legte Wicek das Abitur mit gutem Erfolg ab[29] und trat nach kur­zem Kampf im Herbst 1931 ins Pries­ter­se­mi­nar sei­ner Hei­mat­diö­zese Chelmno in Pel­plin ein, nach­dem er in Exer­zi­tien bei der schwar­zen Madonna in Tschen­sto­chau seine Ent­schei­dung noch­mal bestä­tigt fand.[30] Es war für ihn nicht leicht, alles zu ver­las­sen.  Die Ent­schei­dung war nach tie­fem Nach­den­ken und Gebet getrof­fen wor­den. Ent­schluss wurde „kurz­fris­tig, sol­da­tisch und unwi­der­ruf­lich gefasst“[31].

Diese Ent­schei­dung bedeu­tete auch auf das geliebte Mäd­chen zu ver­zich­ten, das er hei­ra­ten wollte. Eigent­lich hatte er geplant Arzt (Chir­urg) und Vater einer kin­der­rei­chen Fami­lie zu wer­den.[32]Die gan­zen Jahre im Semi­nar hatte er noch wei­tere innere Kämpfe um die Beru­fung zum Pries­ter, das Tage­buch ist Zeuge von sei­nem Rin­gen und Zwei­feln. Er musste sich immer wie­der neu dafür ent­schei­den.

Im Jahr 1934 schei­nen Fre­li­chow­skis Zwei­fel an sei­ner Beru­fung zum Pries­ter einen Höhe­punkt erreicht zu haben. Er über­legte, eine Aus­zeit zu neh­men und an der  Uni­ver­si­tät  War­schau Geschichte zu stu­die­ren. Er war schon fest dazu ent­schlos­sen. Am Ende des 3. Kur­ses im Semi­nar war ein Pas­to­ral­prak­ti­kum vor­ge­schrie­ben. Er ent­schied sich trotz der Zwei­fel das Prak­ti­kum anzu­tre­ten. Er leis­tete es bei einem befreun­de­ten Pries­ter Piotr Sos­now­ski in Byslaw bei Tuchola. Es wird ver­mu­tet, dass diese Zeit und der Ein­fluss die­ses Pries­ters Wiceks Beru­fung ret­tete. (Sos­now­ski hatte einen sehr gro­ßen posi­ti­ven Ein­fluss auf Wicek, schon von Kin­der­beinen an.) Aller­dings schrieb Wicek in die­ser Zeit nichts in sei­nem Tage­buch, so kön­nen wir seine Ent­wick­lung nur erah­nen und des­halb bleibt dies für uns nur eine Ver­mu­tung.

Für Piotr Sos­now­ski läuft der­zeit ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren. Sein Name ist unter den 112 pol­ni­schen Kan­di­da­ten im neuen Sam­mel­ver­fah­ren von Opfern des zwei­ten Welt­krie­ges zu fin­den. Er wurde schon im Okto­ber 1939 in einem Wald in Polen erschos­sen.

Einen wei­te­ren Ein­fluß hatte wohl auch Wiceks große Freude an der Arbeit mit Kin­dern, die er wäh­rend die­ses Prak­ti­kums erlebte.

Zurück im Pries­ter­se­mi­nar notiert er, nach 7-monatigen Pause erst­mals wie­der in sei­nem Tage­buch: „Offen­sicht­lich hat Gott mei­nen Geist auf­ge­klärt. Offen­sicht­lich sind meine Lebens­wege anders. Ich habe jetzt andere Gedan­ken. Bis zu einem gewis­sen Grade sind sie jetzt kla­rer. Ich bin nun anders. Ruhi­ger.“[33] Doch gegen Ende der glei­chen Notiz schreibt er wei­ter: „Warum will ich Pries­ter wer­den? …mir steht der Grund nicht klar vor Augen, warum ich Pries­ter wer­den will.“

Es war offen­sicht­lich nicht Got­tes Wille, dass er aus Semi­nar aus­trat.

Er war ein lei­den­schaft­li­cher jun­ger Mann und hatte sehr zu kämp­fen mit Ver­su­chun­gen gegen die Keusch­heit, die gan­zen 6 Jahre des Pries­ter­se­mi­nars. Seine Beru­fung war schwer erkämpft. Von sei­nem inner­li­chen Kampf erzählt sein Tage­buch, ebenso wie einige Briefe. Das Tage­buch und die Briefe sind heute unge­wöhn­lich inter­es­sante, inten­siv inspi­rie­rende und auf­schluss­rei­che Doku­mente, die den Weg zur Hei­lig­keit auf­zei­gen.

Er fand schließ­lich die Lösung sei­ner inne­ren Kon­flikte: Er ent­schied sich Gott zu lie­ben und aus Liebe zu ihm sei­nen gro­ßen Wunsch nach eige­nen Kin­dern zurück­zu­stel­len und statt­des­sen ganz für die Kin­der Ande­rer da zu sein. Mit gan­zer Kraft wollte er Kin­der und Jugend­li­che zu Gott füh­ren. Die­ser Wunsch wurde Wirk­lich­keit, er wurde ein außer­ge­wöhn­lich cha­ris­ma­ti­scher und erfolg­rei­cher Jugend­seel­sor­ger. Die Erfah­run­gen sei­ner eige­nen Jugend­zeit in der Pfad­fin­der­be­we­gung qua­li­fi­zier­ten ihn dafür beson­ders. So wurde er Apos­tel des Fami­li­en­le­bens, Vater sehr vie­ler Kin­der als Seel­sor­ger. Er lehrte gegen­sei­tige Ach­tung und Liebe, Fami­lien zu ver­bes­sern mit dem Ziel: „Die Liebe unter den Men­schen ist Spie­gel­bild der Liebe Got­tes. Ich will das vor allem jun­gen Men­schen mit allen Mit­teln ver­kün­den, damit sie die wahre Liebe ken­nen.[34] 

In Erin­ne­rung an seine erste Jugend­liebe schreibt er am 1.10.1935: „Ich danke Gott dafür, heute ruht sie am Grund mei­nes Her­zens. Von gan­zem Her­zen will ich dich, nur dich. Ich gebe sie dir als Opfer….“

 Eine wei­tere Ursa­che sei­ner Zwei­fel an sei­ner Beru­fung war das Pries­ter­bild sei­ner Zeit. Er erlebte Pries­ter oft als wenig anzie­hend. Damals bestand oft eine große Dis­tanz zwi­schen Pries­tern und Laien. Die Geist­li­chen hat­ten viele Pri­vi­le­gien. So ein Pries­ter wollte Fre­li­chow­ski nicht wer­den, dann lie­ber gar kei­ner. Von die­sen Zwei­feln her­aus­ge­for­dert setzte er sich schon früh inten­siv mit der Bedeu­tung Pries­ter zu sein aus­ein­an­der. Seine gewon­ne­nen Ein­sich­ten gab er spä­ter im KZ an seine Schü­ler wei­ter und prägte sie tief­grei­fend und dau­er­haft.

 Der Tage­buch­ein­trag vom 19.06.1935 spricht zu uns von den Kämp­fen, Fre­li­chow­ski selbst benutzt das Wort Depres­sion: “Ich bin nicht so, wie ich sein soll und sein möchte, aber ich habe keine Lust dazu. Heute schreibe ich die Worte in der schwers­ten Depres­sion des Geis­tes. Ich will von die­sem Zustand erwa­chen, in dem ich bin. Mich von ihm befreien. Ein Mensch wer­den und nütz­lich sein. Meine Kräfte schaf­fen es nicht. In tiefs­ter Demut knie ich vor Dir, o Gott. Ich spüre all mein Nichts-sein und meine Schwä­che. Ich wende mich an Dich, der Du mich lei­test. Mein Gott, befreie mich von die­sem Zustand, in dem ich heute bin. Ich will ein ande­rer Mensch sein. Ich will ein wah­rer Pfad­fin­der sein. Mich so im Leben beneh­men, wie es mir meine Gedan­ken und mein Gewis­sen sagt. Gib mir Deine Gnade. Ich werde mit ihr zusam­men­ar­bei­ten und möchte mich aus die­sem geis­ti­gen Ver­fall auf pfad­fin­de­ri­sche Weise erhe­ben. Gib mir das Selbst­ver­trauen. Aber nicht nur das sug­ges­tive Gefühl, son­dern ich will in mir einen wah­ren Wert erar­bei­ten. Gott, ich gebe mich ganz in Deine Hände. Gib mir, dass ich Schritt für Schritt hin­auf gehe. Der hei­li­gen Georg, hilf mir über mich selbst sie­gen.”, [35], [36]

In der Zeit im Semi­nar schrieb Fre­li­chow­ski einige Medi­ta­tio­nen über das Luka­sevan­ge­lium. Darin kön­nen wir noch heute sei­nen Kampf um die Pries­ter­be­ru­fung erah­nen. Hof­fent­lich wird es bald dem deut­schen Leser zugäng­lich gemacht.

 Nur seine Eltern beob­ach­te­ten, er ist bedrückt, sie ahn­ten sei­nen schwe­ren Kampf um Beru­fung und Zöli­bat. Bewusst dräng­ten die Eltern ihn nicht. Er sollte sich frei ent­schei­den kön­nen für die Treue zu Gott.

Nie­mand ahnte sonst seine Kämpfe. Trotz die­ses inne­ren Tobens ver­lor er seine natür­li­che Fröh­lich­keit nicht, die er wei­ter­hin in sei­ner Umge­bung aus­strahlte. So schrieb er: „Und ich will mich Gott anglei­chen. Des­we­gen muss ich immer und für jeden freund­lich sein.”(Tage­buch, den 3. Okto­ber 1936)[37]

Dies beob­ach­te­ten die ande­ren Semi­na­ris­ten. Er wurde viel­mehr als immer fröh­lich beschrie­ben. „Wicek war ein sehr fröh­li­cher Semi­na­rist. Er gewann Kame­ra­den für sich mit sei­nem herz­li­chen Lächeln und mit sei­ner unei­gen­nüt­zi­gen Hilfe, mit der er allen half. Im Semi­nar nannte man ihn Spaß­vo­gel.“[38]

Fre­li­chow­ski stu­dierte mit gro­ßer Sorg­falt und Erfolg, wie­der gehörte er zu den Bes­ten des Jahr­gangs. Er lernte flei­ßig und mit gro­ßer Sorg­falt, er wusste, das Stu­dium ist die Grund­lage für den spä­te­ren pries­ter­li­chen Dienst. Trotz­dem war er kein „Stre­ber“, er liebte Sport und trieb täg­lich Gym­nas­tik, um sich fit zu hal­ten.[39] Und er wollte gut vor­be­rei­tet sein. Im Semi­nar ent­deckte er seine Liebe zur Wis­sen­schaft und zur Phi­lo­so­phie. Auch einem Lit­ur­gie­zir­kel gehörte er an.

Schon als Theo­lo­gie­stu­dent enga­gierte er sich in der Diö­ze­san­or­ga­ni­sa­tion der Cari­tas, in lei­ten­der Posi­tion einer Gruppe von Semi­na­ris­ten in den Jah­ren 1933-1936[40]. Die weni­gen freien Tage, an denen Semi­na­ris­ten Aus­gang gewährt wurde, nutzte er zum Besuch alter, ein­sa­mer und kran­ker Men­schen, die ihm anver­traut wor­den waren. Ihnen brachte er Trost, Gesell­schaft und Lebens­mit­tel.

Außer­dem  war er ein akti­ves Mit­glied des Mis­si­ons­ver­eins, wie in sei­ner Schul­zeit. Gerne wäre er in die Mis­sion gegan­gen und  träumte von einer Mis­si­ons­reise.[41] 

Mit sei­ner jugend­li­chen Begeis­te­rung  enga­gierte sich  Wicek in der Absti­nenz­ler­be­we­gung. Er ent­schied sich 1935 sein Leben lang absti­nent zu blei­ben, um Alko­hol­ab­hän­gi­gen damit zu hel­fen. Den Impuls hatte er in der Runde des katho­li­schen Ver­eins Jun­ger Män­ner bekom­men.[42] Die­ser Ent­schluss wird umso erstaun­li­cher, wenn wir erfah­ren, dass Fre­li­chow­ski in den Jah­ren davor rauchte und gerne Wein trank. In sei­nem­Ta­ge­buch notierte er, dass er Wein sehr gerne mochte und ihn auch in gro­ßen Men­gen trin­ken würde. Fre­li­chow­ski hielt sich an die­sen Vor­satz ein Leben lang. Er trank nie wie­der Alko­hol und rauchte keine Ziga­rette mehr, nicht mal im KZ, wo ande­ren Häft­linge mit Rau­chen anfin­gen, um den Hun­ger nicht mehr so deut­lich spü­ren zu müs­sen.[43]

Wicek ver­nach­läs­sigte bei all die­sen Akti­vi­tä­ten das Gebet nicht. Oft sah man ihn in der Kapelle beim stil­len Gebet.[44]

 Fre­li­chow­ski spürte eine große innere Kraft. Was sollte er damit anfan­gen? Er fürch­tete schon als Semi­na­rist er könnte sich durch sein Enga­ge­ment per­sön­lich wich­tig machen und etwas gel­ten wol­len. Dage­gen wollte er ankämp­fen. Des­halb war er stets bemüht demü­tig zu blei­ben und sel­ber nicht mit Mit­tel­punkt zu ste­hen, viel­mehr bewusst im Hin­ter­grund zu blei­ben. Dies behielt er sein wei­te­res Leben lang bei.

 Tage­buch­auf­zeich­nun­gen aus der Zeit des Pries­ter­se­mi­nars:

„Ich möchte den Glau­ben des Hl. Petrus haben, die Weis­heit des Hl. Pau­lus, aber das Herz des Hl. Johan­nes. Ein rei­nes und unschul­di­ges Herz. Ich muss ein Pries­ter, nach dem Her­zen Christi wer­den.“[45]

„Ich will ein rich­ti­ger Pfad­fin­der sein. Mich im Leben füh­ren, wie es mir meine Gedan­ken und das Gewis­sen befeh­len.“ 19.06.1935

 Indem ich mit gan­zer Demut mein Unver­mö­gen aner­kenne, bitte ich Dich Hei­li­ger Geist wie der junge Mann, dass mein wei­te­res Leben, sei es noch so kurz, ebenso ist. Gib mir kei­nen Reich­tum, son­dern nur deine Gnade. Gib mir Kreuze und Lei­den, aber gib mir auch Glau­ben und Liebe. Bitte tu das Wun­der in mir. Gib mei­nem Her­zen und mei­nem Mund eine Liebe wie Feuer und einen kla­ren, muti­gen Glau­ben.“[46]

Auf das Ver­ständ­nis des Wor­tes „ich will” ver­weist auch ein ande­res Tage­buch­frag­ment: „Es ist kein Platz für „ich möchte”, son­dern „ich will”. Das zweite ist schwie­ri­ger zu sagen, denn es beinhal­tet in sich bereits das Voll­brin­gen des­sen, was man will. Des­we­gen spricht man das Wort nicht in einer Men­schen­menge, nicht exal­tiert aus. In die­sem Falle bedeu­tet es nur „ich möchte”. Das Wort „ich will” muss am abge­schie­de­nen Ort aus­ge­spro­chen wer­den“ 3. 10.1932[47]

„Gott, hilf mir und lass mich in den Him­mel kom­men, gib mir einen guten Tod und lass mich im Ster­ben mit dir ver­söhnt sein. Mein Gott, ich wün­sche so sehr dich zu lie­ben, ich wün­sche so sehr dein zu sein, ich wün­sche so sehr dein Hei­li­ger zu sein, weil ich dir nahe sein will, dich ken­nen ler­nen will, mein Gott.“[48] 

„Herr schenke mir die Gnade, dei­nen Wil­len rasch zu bewer­ten, um klar zu erken­nen, ob ich beru­fen bin. Gib mir die Gnade, um die ich seit Jah­ren bete. Lass mich eine klare Ent­schei­dung für mein Leben tref­fen. Gib mir einen kla­ren Ver­stand. … Dein Reich komme. Ehre sei dir, lass das mein leben­di­ges Ideal sein, das Ziel mei­ner Arbeit…Gib mir die Gnade, ein Pries­ter zu wer­den. Rufe mich dazu. Nimm all mei­nen Wil­len und ziehe mich zu dir. Herr ich öffne mein Herz für deine Gnade. Immer und in jedem Augen­blick. Ich erwarte dich, Herr, und gebe mich dei­nem Wil­len völ­lig hin. Ruf mich in dei­nen Wein­berg als Arbei­ter.“, [49] 17.5.1935

Er erkennt den Wil­len Got­tes in den Vor­ge­setz­ten, die gött­li­che Vor­se­hung,  „also werde ich Vor­ge­setzte nicht kri­ti­sie­ren, oder ihre Vor­schrif­ten, weil sie dein hei­li­ger Wille sind. Ihre gewis­sen­hafte Ein­hal­tung ist eine rei­che Quelle der Hei­li­gung.“[50]

Die  Semes­ter­fe­rien gaben ihm Zeit für Pfad­fin­der­la­ger, er orga­ni­sierte für ältere Pfad­fin­der selbst ein Tref­fen. Er war auch ein akti­ves Mit­glied des Kle­ri­ker­pfad­fin­der­krei­ses und in den Jah­ren 1933 bis 1936 sogar der Vor­sit­zende.

Er stellte hohe Ansprü­che an sich. Recht­schaf­fen­heit der Gedan­ken und des Gewis­sens, Echt­heit des Han­delns, unei­gen­nüt­zige Ein­stel­lung im Sinn des Diens­tes für Andere.[51] Er bleib das ganze Leben lang dem Pfad­fin­der­grund­sät­zen treu. Pflicht­er­fül­lung und Nächs­ten­liebe präg­ten ihn.

 Die Zeit als Semi­na­rist schloss mit den nie­de­ren Wei­hen. Fre­li­chow­ski emp­fing am 05.04.1936 nach Exer­zi­tien die Sub­dia­kon­weihe[52] und am 26.04.1936 die Dia­kon­weihe.

Schon als Dia­kon wurde Wicek zum per­sön­li­chen Sekre­tär des Bischofs St. W. Oko­niew­ski ernannt. Dies bedeu­tete für einen Semi­na­ris­ten eine große Aus­zeich­nung, es hätte genug Pries­ter für die­ses Amt gege­ben.  Semi­nar­pro­fes­so­ren hat­ten ihn vor­ge­schla­gen, weil er einer der bes­ten Semi­na­ris­ten war.

Die Krö­nung Wiceks Weges zum Pries­ter­turm waren die Pries­ter­weihe 14.03.1937 in Pel­pli­ner Dom. Durch die Hän­den Bischofs Sta­nis­law Woj­ciech Oko­niew­ski emp­fing er die­ses Sakra­ment, das ihm so viel bedeu­tete. Er kannte den Bischof sehr gut durch sei­nen Dienst als des­sen Sekre­tär. Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski wirkte als Pries­ter nicht ein­mal 3 Jahre in Frei­heit. In Gefan­gen­schaft 5 Jahre und 4 Monate. Ins­ge­samt war er nur knapp 8 Jahre Pries­ter, davon 2/3 in KZ…

Das große Fest der Pri­miz fei­erte die Groß­fa­mi­lie und die ganze Stadt am 15.03.1937 in der Drei­fal­tig­keits­kir­che in Chelmza. Als  Pri­miz­spruch wählte er gera­dezu pro­phe­tisch: „Durch das Kreuz des Lei­dens und des grauen All­tags – mit Chris­tus zur Auf­er­ste­hung.“[53]

Der Pries­ter

Fre­li­chow­ski hatte sich viele Gedan­ken über das Pries­ter­tum gemacht, jetzt lebte er danach. Er wollte radi­kal das Evan­ge­lium ver­wirk­li­chen, ein „alter Chris­tus“ (lat. ande­rer Chris­tus) wollte er sein. Ihm ähn­lich wer­den. „… es ist Chris­tus selbst, den ich ersetzte. So habe ich wie Chris­tus zu sein.  Die Wahr­heit sein, der Weg und das Leben sein.“

Wicek wusste, dass Pries­ter sein, Auf­op­fe­rung und Hin­gabe, sich zur Opfer­gabe machen, erfor­dert. Chris­tus fol­gen, bedeu­tete auch Jesu Lei­dens­weg gehen. Schon der Semi­na­rist schrieb: „Ich bin über­zeugt, dass das bis­he­ri­gen Mühen nichts bedeu­ten, dass das wahre Lei­den erst kom­men wird. Wenn der Meis­ter gelit­ten hat, kann der Die­ner auch nicht lei­den? Ich weiß nicht, wie mein Lei­den sein wird, aber ich weiß, dass es kommt. Dir o Herr, gebe ich es jetzt als Opfer und für Dich will ich lei­den, um meine Auf­gabe auf Erden zu erfül­len.“[54]

Ein Pries­ter soll See­len gewin­nen, sie an sich her­an­zie­hen, für Chris­tus gewin­nen, er soll auf die Suche nach den See­len gehen, sie in Win­keln der Stra­ßen und Sou­ter­rains suchen, in den Salons und Paläs­ten, in den Häu­sern der Bür­gern und Bau­ern, er soll sie suchen und zum Herrn füh­ren.“[55]

Eine Flucht vor dem Leben, das wollte er nie, er liebte das Leben und die Freude. Er wollte immer froh sein und betete sogar um Freude! „Ein trau­ri­ger, nie­der­ge­schla­ge­ner Pries­ter zeigt, dass er ent­we­der seine Beru­fung nicht ver­steht, oder sich auf einem Irr­weg befin­det.“[56]

Die Quelle die­ser sei­ner Freude war Chris­tus, die Gnade des Pries­ter­charis­mas. Er wollte allen Ego­is­mus able­gen, um in der Ver­ei­ni­gung mit Gott zu leben. Die­ser Freude blieb er bis an sein Lebens­ende treu, selbst  in  Augen­bli­cken des größ­ten Lei­dens, als Häft­ling im Ver­nich­tungs­la­ger Dachau schriebt er ein Gedicht unter dem kenn­zeich­nen­den Titel: „Ich bin froh, o Herr!”[57]

Nach der Pries­ter­weihe blieb er zunächst wei­ter­hin im Amt des per­sön­li­chen Sekre­tärs und Kaplan des Bischofs St. W. Oko­niew­ski. Zu sei­nen Auf­ga­ben gehörte das Orga­ni­sie­ren von vie­len Rei­sen und Got­tes­diens­ten. Ihm lag diese Auf­gabe nicht. Ihn zog es in eine Pfar­rei um dort  seel­sor­ge­risch mit den Men­schen arbei­ten zu kön­nen. Er wollte gerne mit Jugend­li­chen arbei­ten.[58] Aber er ahnte schon vor der Weihe, dass er auch noch nach der Weihe beim Bischof würde blei­ben müs­sen. In Geist des Gehor­sams nahm er diese Ent­schei­dung an und bemühte sich dem Bischof sehr gut zu die­nen, der einen schwie­ri­gen Cha­rak­ter hatte. Nach eini­ger Zeit wurde er, auf seine Bitte hin, als Beloh­nung in eine Pfar­rei ver­setzt, zuerst für ein paar Monate in eine kleine Pfar­rei in Wejhe­rowo (1.1.1938-28.4.1938) um dort als Aus­hilfe tätig zu sein. Im Mai 1938 fuhr dann Wicek als Sekre­tär mit sei­nem Bischof zum Eucha­ris­ti­schen Kon­gress nach Ungarn. Danach erhielt er zum 01.07.1938 die erbe­tene Stelle als Kaplan, dies­mal in einer gro­ßen Pfar­rei in Torun. Dort blieb er bis zu seine Ver­haf­tung, es waren nur 15 ein halb Monate.

Kaplan der Mari­en­ge­meinde in Torun.

Hier als Kaplan wir­ken zu kön­nen war eine Aus­zeich­nung, es war eine der größ­ten Pfar­reien der Diö­zese. Schnell gewann Fre­li­chow­ski die Wert­schät­zung, das Ver­trauen und die Her­zen der Men­schen, er wurde der beste Kaplan in Torun gelobt.[59]

In der doch kur­zen Zeit in die­ser Pfar­rei konnte Fre­li­chow­ski beein­dru­ckend wir­ken. Per­sön­lich führte er ein Leben in Ein­fach­heit, doch sein Enga­ge­ment war beacht­lich. Als vor­bild­li­cher Pries­ter, belieb­ter Pre­di­ger, konnte er die Men­schen errei­chen. Er war sehr beliebt als Seel­sor­ger, ein cha­ris­ma­ti­scher Pries­ter. Beson­ders Kin­der und Jugend­li­che, aber auch Alte und kranke Men­schen lieb­ten ihn. Diese bei­den Grup­pen waren die Schwer­punkte sei­ner Seel­sor­ge­ar­beit. Eine Sorge um das spi­ri­tu­elle Leben galt allen in der Pfar­rei.[60] Er war allen ein Freund. Men­schen klam­mer­ten sich ein­fach an Fre­li­chow­ski weil er jeden rich­tig behan­deln konnte.

Der dama­lige Pfar­rer schrieb über ihn: (Hier ist das Zeug­nis des Pfar­rers wört­lich): „Sein Blick hatte etwas Ande­res, über­durch­schnitt­li­ches. Wenn er wäh­rend eines sogar völ­lig all­täg­li­chen und unge­zwun­ge­nen Gesprächs mich mit sei­nen hel­len Augen anblickte, hatte ich immer den Ein­druck gehabt, als ob er weit außer­halb mir schaue, trotz gan­zer Kon­zen­tra­tion auf das Thema des Gesprächs. Er besaß eine fröh­li­che Wesens­art, in Gespräch war er auf­rich­tig und hei­ter, hatte aber eine zart­füh­lende und dezente Art sich aus­zu­drü­cken und urtei­len. Als ein begeis­ter­ter Pfad­fin­der hatte er den schö­nen, freund­li­chen Umgang mit der Umwelt, der sich in der Hilfs­be­reit­schaft aus­drückte… Wäh­rend die­ser gan­zen 16-monatigen Zeit unse­rer gemein­sa­men Arbeit habe ich nie­mals bemerkt, dass er unbe­schäf­tigt gewe­sen wäre oder irgend­ein träges Sich-Erholen treibe. Bei der Arbeit war er vor­bild­lich gewis­sen­haft und eif­rig, aber nie unge­dul­dig und er recht­fer­tigte sich nie, wenn man ihn von einer Beschäf­ti­gung abbe­ru­fen hat um was ande­res tun auf­zu­tra­gen. … Für jeden und zu jeder Zeit hatte Wicek ein net­tes Wort.[61]

Kinder- und Jugend­seel­sor­ger: Beson­ders gerne war er bei Kin­dern. Seine Erfah­rung aus der Pfad­fin­der­ar­beit berei­cherte seine Kin­der­pas­to­ral und Jugend­ar­beit. Jugend­li­che schlos­sen Freund­schaft sogar mit ihm. Er war ein sehr guter und erfolg­rei­cher Päd­agoge. Bei der Sakra­men­ten­vor­be­rei­tung konnte er Wich­ti­ges gut ver­mit­teln, er wirkte ver­ant­wor­tungs­voll und sym­pa­thisch. 

Er führte zum Fest der Erst­kom­mu­nion glei­che Klei­dung für alle Kin­der ein,[62] um ärmere Kin­der nicht zu beschä­men. Er konnte Frauen aus der Pfar­rei gewin­nen, die diese Klei­dung für alle Kin­der näh­ten.

Gleich nach der hei­li­gen Messe zog der Kaplan sich um und trug­Sport­klei­dung, um nach der Messe mit den Minis­tran­ten Fuß­ball spie­len, oder einen Fahr­rad­aus­flug machen zu kön­nen. Für den Sonn­tag­nach­mit­tag orga­ni­sierte er Aus­flüge mit den Kin­dern; Ball­spiele, Fahr­rad­tou­ren, sogar einen Aus­flug in den Tier­park. „Er war ein Pries­ter in ihrer Nähe, nicht nur am Altar.“[63] Die Jugend­li­chen wünsch­ten sich: „Sol­che Pries­ter sollte es mehr geben.“

Er hörte oft Beichte, auch bei Kin­dern war er als Beicht­va­ter sehr beliebt. Als Buße gab er, ganz unge­wöhn­lich, gute Taten auf.

Seel­sorge bei kran­ken und Ster­ben­den: Diese Men­schen konn­ten sich der beson­de­ren Zuwen­dung ihres Kaplans sicher sein. Er hatte eine beson­dere Gabe bei ihnen zu wir­ken. Er besuchte Kranke häu­fig zuhause, des­halb war er sehr viel in der Pfar­rei unter­wegs. Die Kran­ken ver­lang­ten aus­drück­lich nach ihm, so dass er Ster­bende und Kran­ken auch besuchte, wenn andere Kap­läne zu die­sem Dienst ein­ge­teilt waren und er sel­ber eigent­lich Frei­zeit haben und sich erho­len sollte. Fre­li­chow­ski konnte auf selt­same Weise  ihnen inne­ren Frie­den brin­gen, vor allem die­je­ni­gen, die auf dem Ster­be­bett waren.[64] Bei den Beer­di­gun­gen fand er Worte des Tros­tes, die alle berühr­ten.

Cari­tas: Nicht nur Kranke, auch bedürf­tige Men­schen besuchte Kaplan Fre­li­chow­ski. Die Pfar­rei in Torun war eine rei­che Pfar­rei. Doch auch hier leb­ten Arme. Diese besuchte er häu­fig und gerne in ihren bil­li­gen und armen Kel­ler­woh­nun­gen zuhause.

Gebet: Er betete fort­wäh­rend, denn sein Dienst für Gott und sein Gebet war Dienst  für die Men­schen. Sein Pfar­rer sah ihn sehr oft abends in geschlos­se­ner Kir­che kni­end mit Bre­vier vor dem Taber­na­kel beten.

Er fühlte sich immer zutiefst mit Gott ver­bun­den, in jeder Akti­vi­tät. Trotz sei­nes enor­men Enga­ge­ments drohte ihm nie ein Ver­fal­len in lee­ren Akti­vis­mus. Seine viel­fäl­tige Akti­vi­tä­ten hat­ten seine inner­li­che Fülle zur Quelle. Sein außer­ge­wöhn­li­ches Enga­ge­ment und alles, was er tat, war ver­wur­zelt in einem Ent­schluss, den wir in sei­nem Tage­buch am 11.08.1931 nie­der­ge­schrie­ben fin­den. Nach sei­nem Abitur, aber noch vor dem Ein­tritt ins Pries­ter­se­mi­nar, stellte er näm­lich fest, dass er zu viel Zeit im bis­he­ri­gen Leben ver­geu­det hat und nicht mit vol­ler Kraft und vol­lem Enga­ge­ment allen sei­nen Pflich­ten nach­ge­gan­gen war und hat sich ent­schlos­sen „künf­tig in jede Arbeit, ob geis­tige, ob kör­per­li­che, so viel wie nur mög­lich Anstren­gung zu inves­tie­ren, ohne Rück­sicht auf das Kräf­te­spa­ren für was ande­res.“ Und die­ser Ent­schei­dung, die er mit 18 Jah­ren traf, blieb er offen­sicht­lich sein gan­zes Leben treu.

Moder­ner Lit­ur­gie: Als jun­ger, begeis­ter­ter Pries­ter war er sei­ner Zeit vor­aus. Er zele­brierte die hei­lige Messe mit einem über­ra­schen­den Eifer. Er war nur 16 Monate Kaplan in die­ser Pfar­rei, doch die kurze Zeit reichte aus, um Neue­run­gen in der Lit­ur­gie ein­zu­füh­ren. Heute noch lebende Kin­der jener Zeit erin­nern sich an Fre­li­chow­ski. Seine größte Sorge war, dass alle die an der Lit­ur­gie teil­nah­men, sie auch ver­ste­hen und tief mit­fei­ern konn­ten. Wicek gestal­tete aller­lei Bild­chen, oft mit selbst­ge­mal­ten Moti­ven, mit ent­spre­chen­den Tex­ten, die er an Gläu­bi­gen, beson­ders an Kin­der ver­teilte, um ihnen ein bes­se­res Ver­ständ­nis der Lit­ur­gie zu ermög­li­chen. Schon vor dem 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zil, als die Lit­ur­gie noch ganz in latei­ni­scher Spra­che gefei­ert wurde, über­setzte und erklärte er Kin­dern die Lit­ur­gie in pol­ni­scher Spra­che, damit sie den Hand­lun­gen am Altar wäh­rend der hei­li­gen Messe gut fol­gen konn­ten. Von der Kan­zel erklärte er den Kin­dern die Bedeu­tung jeder ein­zel­ner Hand­lung der latei­ni­schen Lit­ur­gie wäh­rend ein ande­rer Kaplan hl. Messe las, dies war in sei­ner Zeit ganz neu und nahezu revo­lu­tio­när.

In sei­nen Pre­dig­ten sprach Kaplan Fre­li­chow­ski über seine eigene Glau­bens­er­fah­rung. Er sprach mit ein­fa­chen Wor­ten über selbst­ver­ständ­li­che und all­täg­li­che Dinge, bezog diese aber über­zeu­gend auf Gott. Die Leute kamen aus der gan­zen Stadt um seine Pre­dig­ten zu hören. Wäh­rend er sprach, blie­ben die Beicht­stühle in der Kir­che leer, kei­ner wollte Fre­li­chow­skis Pre­digt ver­pas­sen.

Die Mis­sion war ihm wich­tig[65]. Er träumte davon nach 5 Jah­ren Kaplans­zeit als Mis­sio­nar ins Aus­land zu rei­sen um Aus­sät­zi­gen zu die­nen. Einst­wei­len enga­gierte er sich als Vor­sit­zen­der des Mis­si­ons­ver­eins und betreute die Kin­der­gruppe des Mis­si­ons­ver­eins[66].

Medi­en­ar­beit: auch das gedruckte Wort war Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski wich­tig. Er ver­öf­fent­lichte 1939 36 Arti­kel in der kirch­li­chen Wochen­zei­tung. Er schrieb Bei­träge für Geist­li­che und warb für den gegen­sei­ti­gen, geist­li­chen und pas­to­ra­len Aus­tausch jun­ger Pries­ter unter­ein­an­der. (Sein Pfar­rer sagte über ihn, dass Kaplan Fre­li­chow­ski ein Freund aller Kap­läne in der Stadt sei.) Und er meinte, Pries­ter soll­ten näher bei den Men­schen sein. Auch das Pfarr­blatt gehörte zu sei­nen Auf­ga­ben. In den Leit­ar­ti­keln konnte er seine theo­lo­gi­sche und mensch­li­che Bil­dung zei­gen.[67], [68]

Kaplan Fre­li­chow­ski hatte vor, ab Herbst 1939 an der Uni­ver­si­tät Lwow (Lem­berg) Theo­lo­gie­fort­bil­dung zu machen. Doch diese Pläne durch­kreuzte der Beginn des Krie­ges.

Auch als Kaplan blieb er sei­ner Ent­schei­dung lebens­lang Pfad­fin­der zu blei­ben, treu.  Als  Kaplan des pom­mer­schen Pfad­fin­der­ver­band und Redak­teur einer christ­li­chen Jugend­zeit­schrift für Pfad­fin­der „Der Ruf“[69] enga­gierte er sich. Er betreute in Torun auch eine Gruppe der erwach­se­nen Alt­pfad­fin­der. Er orga­ni­sierte wei­ter­hin Zelt­la­ger und Fahr­ten für Pfad­fin­der. Glück­lich war er über die Begeis­te­rung der jun­gen Män­ner, die viele Arbeit war nicht um sonst, son­dern brachte Frucht. „Messe deine Kräfte nach dei­nen Vor­ha­ben.“ [70]

In sei­nem letz­ter Ein­trag vom 15.03.1939 fin­den wir fol­gende Worte: „Heute ist der zweite Jah­res­tag mei­ner Pri­miz. Ich danke Dir, o Herr, dafür was ich wäh­rend die­ser zwei Jahre erlebt habe. Selbst für Feh­ler und Abwei­chun­gen von Dei­nem Wil­len danke ich Dir. Ich kehre nun, o Herr um zu Dir, um Dir wirk­lich zu die­nen. Ich habe mir viel­leicht die Flü­gel etwas ange­brannt, doch, o Herr, ich knie in tie­fer Demut vor Dir und bitte Dich: lass mich mein Leben auf­rich­tig füh­ren und nie zu einem Lebens­schau­spie­ler[71] wer­den. Gib mir den Mut zu einem Leben nach dei­nen Wei­sun­gen. Ich knie tie­fer, als sonst. Du bist mein Herr. Und bist mir zu Vater gewor­den. Herr, ich gebe dir mein Leben. Ich kann nicht meine jet­zige Gedan­ken aus­drü­cken. Lass die Momen­ten mei­ner Lebens­un­ent­schlos­sen­heit und mei­nes Weg­ge­hens von dir nun zu mei­ner Kraft wer­den. O Gott! Ich will wirk­lich ein Pries­ter wer­den.“[72]

Da sind die letz­ten Worte im Tage­buch: „Ich will wirk­lich ein Pries­ter wer­den“.[73]

Bischof Suski inter­pre­tiert das so, Fre­li­chow­ski wollte wirk­lich ein Hei­li­ger sein und mit die­ser Hal­tung ging er in die Gefan­gen­schaft.[74]

Gefan­gen­schaft  Im Som­mer 1939 ahnte und erwar­tete die pol­ni­sche Bevöl­ke­rung den nahen­den Krieg. Es wur­den Vor­be­rei­tun­gen zum Schutz der Bevöl­ke­rung getrof­fen, die Pfad­fin­der der Stadt hal­fen natür­lich kräf­tig mit und Kaplan Fre­li­chow­ski war dabei.[75]

Am 01.09.1939 mar­schierte die deut­sche Wehr­macht in Polen ein. Wicek kam an die­sem Tag nach Hause. Es war ein Herz-Jesu-Freitag, der in der Fami­lie immer beson­ders began­gen wurde. Alle waren mor­gens in der hei­li­gen Messe und bei der Beichte gewe­sen. Die ganze Fami­lie betet anschlie­ßend vor dem Herz-Jesu-Bild[76]. Es wur­den schwere Jahre für Polen.

Die Stadt Torun wurde am 7.09.1939 von deut­schen Trup­pen besetzt. Sie zöger­ten nicht ihre Ziele durch zu setz­ten und des­halb wur­den schon am 11.09.1939 alle Pries­ter durch die Gestapo ver­haf­tet, auch Fre­li­chow­ski zusam­men mit den 4 ande­ren Pries­tern sei­ner Pfar­rei. Nach einer Nacht im Gefäng­nis wur­den die Pries­ter wie­der ent­las­sen, nur der Kaplan Fre­li­chow­ski wurde noch fest­ge­hal­ten. Seine Akti­vi­tä­ten bei den Pfad­fin­dern waren der Gestapo schon bekannt, er war „gefähr­lich“. Schließ­lich wurde auch er frei­ge­las­sen. (Am fol­gen­den[77], dem  über­nächs­ten Tag,[78] oder laut einer ande­ren Quelle nach ein paar Tagen[79])

Voll Sorge suchte die Fami­lie in die­ser Zeit sei­nen Woh­nungs­schlüs­sel und fand die­sen schließ­lich bei Wicek, der bezeich­nen­der Weise im Beicht­stuhl saß.[80]

Nach der Ent­las­sung aus dem Gefäng­nis blieb Fre­li­chow­ski tap­fer wei­ter in sei­ner Woh­nung und erfüllte seine Pflich­ten als Seel­sor­ger und Pfad­fin­der.[81] Gläu­bige  hat­ten ihn vor wei­te­ren Ver­haf­tun­gen gewarnt und zur Flucht zu drän­gen ver­sucht. Er jedoch gab nicht nach und wollte auf sei­nem Pos­ten blei­ben, anders als die ande­ren Lei­ter der Pfad­fin­der der Stadt, die alle geflo­hen waren. Er lebte in die­sen Tagen in einem gro­ßen inne­ren Frie­den und half den Flücht­lin­gen, die nach Torun gekom­men waren.Am 18.10.1939 wurde Fre­li­chow­ski schließ­lich wie­der ver­haf­tet, zusam­men mit 700 ande­ren Bür­gern aus Torun. Er sollte nicht mehr frei­kom­men, er war 26 Jahre alt, 5 ½ Jahre Haft und der Tod im KZ Dachau war­te­ten auf ihn. Er ließ sich jedoch nicht ent­mu­ti­gen.

Zuerst wurde Fre­li­chow­ski, noch in Torun, im Gefäng­nis Fort VII fest­ge­hal­ten. Diese alte preu­ßi­sche Fes­tungs­an­lage glich schon damals einem KZ. Dort wur­den die katho­li­schen Pries­ter kör­per­lich und see­lisch gequält. Sie muss­ten anstren­gende und „schwie­rige gym­nas­ti­sche Übun­gen machen“[82], damit könnte Straf­ex­er­zie­ren gemeint sein. Erbärm­li­che hygie­ni­sche Bedin­gun­gen herrsch­ten an die­sem Ort. Wicek besorgte irgend­wie die nöti­gen Uten­si­lien orga­ni­sierte eine „Fri­seur­werk­statt“ für die älte­ren Pries­ter. Damit half er ihnen die per­sön­li­che Hygiene und damit Selbst­wert­ge­fühl und Selbst­ach­tung auf­recht zu erhal­ten. Als Zube­hör zum Rasie­ren fehlte, orga­ni­sierte er Rasier­zeug, damit sich die Kame­ra­den wei­ter­hin wie gepflegte Men­schen füh­len konn­ten.

End­lose Ver­höre und Miss­hand­lun­gen muss­ten sie über sich erge­hen las­sen. Zusätz­lich quälte die Unge­wiss­heit über die Zukunft. Fre­li­chow­ski bewahrte in die­ser Zeit der Prü­fung eine wür­de­volle Hal­tung. Er pflegte respekt­vol­len Umgang mit den älte­ren Pries­ter­ka­me­ra­den und mit den Jün­ge­ren Freund­schaft.[83]

Schon zu Beginn der Gefan­gen­schaft ent­schied er sich seine Beru­fung als Pries­ter auch hier zu leben, jetzt wollte er für die Mit­ge­fan­ge­nen da zu sein. Er half ihnen die Hoff­nung nicht zu ver­lie­ren. Schon in dem ers­ten Tag im Gefäng­nis, wie auch spä­ter, half er über­all wo er nur konnte. Fre­li­chow­ski über­nahm frei­wil­lig ver­schie­dene Dienste im Gefäng­nis, nur um eine grö­ßere Bewe­gungs­frei­heit zu bekom­men und so den Kame­ra­den bes­ser bei­ste­hen zu kön­nen. Er ermu­tigte die Kame­ra­den und half ein geist­li­ches Leben zu füh­ren.[84]Er stärkte ihren Glau­ben und Ver­trauen in Gott. Er wirkte so den Bestre­bun­gen ent­ge­gen die Häft­linge inner­lich zu bre­chen. Er ris­kierte sein Leben um mit den Kame­ra­den Abend­ge­bete und Rosen­kranz zu beten. Seine reli­giöse Hal­tung war allen ein Vor­bild. Jeden Sonn­tag orga­ni­sierte er eine „tro­ckene“ hl. Messe, die Pries­ter bete­ten die Meß­texte und luden Kame­ra­den im Lai­en­stand dazu ein, sich mit der Messe in ihren Hei­mat­pfar­reien geis­tig zu ver­ei­nen. Fre­li­chow­ski orga­ni­sierte heim­li­che Beich­ten und Vor­träge über reli­giöse, soziale und his­to­ri­sche The­men. Wie der gute Sama­ri­ter küm­merte er sich um kranke, miss­han­delte und schwa­che Kame­ra­den. Trau­ri­gen und Nie­der­ge­schla­ge­nen begeg­nete er mit gro­ßer Zunei­gung und suchte sie. So öff­nete er auch ver­schlos­sene Her­zen.[85]

Stets ermun­terte er Mit­ge­fan­gene zu Ver­trauen in Gott und in die gött­li­che Vor­se­hung.

Ein neuer Schre­cken erfasste die Gefan­ge­nen: Häft­linge wur­den zu angeb­li­chen Ver­hö­ren weg­ge­bracht, in Wirk­lich­keit aber im Wald erschos­sen. Als dies bekannt wurde, konnte Kaplan Fre­li­chow­ski viele durch ille­gale Beichte auf den Tod vor­be­rei­ten.

Der Fami­lie wurde es erlaubt den Gefan­ge­nen Pakete mit fri­scher Wäsche ins Gefäng­nis zu brin­gen. Sie durf­ten ihre Ange­hö­ri­gen nicht spre­chen, sahen sie aber von wei­tem. Wicek nutzte die Gele­gen­heit und schrie­s­ei­ner klei­nen Schwes­ter zu: „Und du, Marylka, sei Freude für die Eltern!“ Dies waren seine letz­ten Worte für die Fami­lie. Danach wuss­ten die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen lange sei­nen Auf­ent­halts­ort nicht. Erst aus dem KZ Sach­sen­hau­sen erreichte sie wie­der ein Lebens­zei­chen.

Im Januar 1940 wurde Fre­li­chow­ski in das Durch­gangs­la­ger Nowy Port, Neu­fahr­was­ser, bei Dan­zig gebracht. Einen Monat lang wurde er dortbei Auf­räum­ar­bei­ten zur Besei­ti­gung der Ver­wüs­tung des Krie­ges ein­ge­setzt.

Auch hier betete er mit Kame­ra­den den Rosen­kranz und orga­ni­sierte Abend­ge­bete in den Zel­len. Auch hier bestärkt er sie durch geheime Beich­ten und Seelsorgs-Gespräche im Fest­hal­ten an ihrem christ­li­chen Glau­ben und im Ver­trauen in die gött­li­che Vor­se­hung. Regel­mä­ßig ver­sorgte er erkrankte Kame­ra­den.

Anfang Februar 1940 wurde Fre­li­chow­ski ins KZ Stutt­hof gebracht. Der Trans­port der inhaf­tier­ten Pries­ter bei gro­ßer Kälte war eine Qual.[86] Im Lager wurde es nicht bes­ser. Auch in die­sem Lager war die Gruppe des pol­ni­schen Kle­rus die am meis­ten unter­drückte Gruppe im Lager.[87]Hunde wur­den auf die Häft­linge gehetzt und bis­sen sie. Die Bara­cken waren stark über­be­legt. Häft­linge muss­ten auf dem Boden nur auf  hin­ge­wor­fe­nem Stroh schla­fen. Es herrschte Hun­ger. Fre­li­chow­ski rea­gierte auf diese schreck­li­che Situa­tion und teilte sein Brot mit hun­gern­den Kame­ra­den. 

Die Gefan­ge­nen muss­ten sehr schwer arbei­ten, Bäume fäl­len, das Rei­ni­gen der Latri­nen­gru­ben, Arbeit bei Aus­hub­ar­bei­ten, Schnee­räu­men. Bru­tale Kapos miss­han­del­ten sie. Wer keine Kraft mehr hatte wurde ermor­det.[88]

Der Win­ter 1940 brachte sehr viel Schnee, zum Räu­men wur­den Pries­ter gezwun­gen, diese schwere Arbeit brachte die meist älte­ren Pries­ter an die Gren­zen ihrer Kraft, sie konn­ten ein­fach nicht so schnell wie gefor­dert arbei­ten. Dar­auf­hin wur­den sie als Strafe für ihre „Faul­heit“ aus­ge­peitscht. Sie soll­ten sich alle in einer Reihe auf­stel­len. Vor Angst lie­ßen sie den Mut sin­ken. Doch Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski stellte sich frei­wil­lig an den ers­ten Platz der Reihe und ließ sich schla­gen, um den ande­ren Mut zu machen. Nach einem ande­ren Bericht flüs­terte er den Kame­ra­den in der Schlange Worte der Zuver­sicht und des Mutes zu und bemühte sich ihnen in ihrer Angst zu hel­fen, bevor er sich schla­gen ließ, wie Augen­zeu­gen berich­te­ten.[89]

Wicek wurde viel geschla­gen und schi­ka­niert. Ertrug alles erstaun­lich gedul­dig und ruhig, er wollte es als Wil­len Got­tes für sich anneh­men. Er wirkte inner­lich stille und  aus­ge­gli­chen, strahlte Gelas­sen­heit aus. Bei jeder Arbeit sah man ein Lächeln in sei­nem Gesicht, er blieb auch in die­ser Situa­tion hei­ter.

Jede reli­giöse Betä­ti­gung im Lager war unter Todes­strafe ver­bo­ten. Trotz­dem war Fre­li­chow­ski mutig. In die­ser Situa­tion orga­ni­sierte er heim­li­che Morgen- und Abend­ge­bete zu ehren Unse­rer Lie­ben Frau von den Betrüb­ten. Er pflegte sel­ber erkrankte Kame­ra­den, vor allem ältere Pries­ter. Kranke und Jun­gend­li­che waren wie­der das Haupt­ziel sei­ner gehei­men Aktio­nen.

Doch er wollte noch wei­ter gehen. Er hatte einen gefähr­li­chen Plan. In gro­ßer Heim­lich­keit ver­han­delte er mit einer Gruppe jüdi­scher Gefan­ge­ner, die das Lager zu Rodungs­ar­bei­ten täg­lich ver­lie­ßen. Diese konn­ten im gehei­men für Fre­li­chow­ski 2 Wei­zen­bröt­chen in einem Lei­nen­tuch ins Lager schmug­geln. Den Kame­ra­den war auf­ge­fal­len, dass Fre­li­chow­ski täg­lich nach den heim­keh­ren­den Juden Aus­schau hielt. Sie frag­ten, warum er ein Glas putzte. War er ver­rückt gewor­den? Nein, er plante heim­lich eine hei­lige Messe zu fei­ern. Mess­wein und sogar Hos­tien hatte ein ande­rer Pries­ter bei sei­ner Ver­haf­tung bei sich getra­gen und hatte die­sen Schatz, wie durch ein Wun­der, durch alle Kon­trol­len ret­ten kön­nen. Nach einer ande­ren Quelle konnte Wicek sogar Hos­tien und Wein orga­ni­sie­ren.[90]

Am Grün­don­ners­tag, den 21.03.1940 orga­ni­sierte Fre­li­chow­ski vor dem Weck­ruf mor­gens eine heim­li­che hei­lige Messe. Wäh­rend die Kame­ra­den noch auf dem Stroh lagen, wo sie geschla­fen hat­ten, wurde das hei­lige Opfer hin­ter einer Decke ver­bor­gen dar­ge­bracht. Nur der Zele­brant und Fre­li­chow­ski als Minis­trant befan­den sich unter der Decke. Dort war so wenig Luft, dass Fre­li­chow­ski die Decke anhe­ben musste um dem klei­nen bren­nen­den Ker­zen­stum­mel genug Luft zum Bren­nen zu ver­schaf­fen. Fre­li­chow­ski kam immer wie­der unter der Decke her­vor zu den Kame­ra­den, um ihnen zu beschrei­ben, wie weit die hl. Messe fort­ge­schrit­ten war. Diese Messe war für die bedräng­ten Geist­li­chen die erste seit Mona­ten. Alle im Block konn­ten kom­mu­ni­zie­ren. Das Aller­hei­ligste ver­steckte er in einem Regal und ermun­terte seine Kame­ra­den zur lie­be­vol­len eucha­ris­ti­schen Anbe­tung. Spä­ter an die­sem Tag brachte er Kran­ken die hei­lige Kom­mu­nion.

Wir kön­nen uns die Freude der gefan­ge­nen Pries­ter und den Trost der Gegen­wart ihres Her­ren kaum vor­stel­len. Einer der anwe­sen­den Geist­li­chen berich­tete, dass einige Tagen vor­her alle Pries­ter auf dem Prü­gel­bock geschla­gen wur­den. Dabei weinte kei­ner die­ser tap­fe­ren Män­ner. Aber wäh­rend die­ser Hl. Messe wein­ten sie alle und kei­ner schämte sich sei­ner Trä­nen. Diese Messe war eine große Stär­kung in die­sen Tagen bis Ostern, für einige pries­ter­li­che Kame­ra­den die Weg­zeh­rung kurz vor ihrem Tod.

Denn der Kar­frei­tag 1940 wurde für die Geist­li­chen ein Tag des Grau­ens. Die inzwi­schen selig­ge­spro­che­nen Pries­ter Marian Gor­ecki und Bro­nis­law Komo­row­ski wur­den erschos­sen, alle ande­ren Pries­ter wur­den grau­sam gequält. Sie muss­ten sich auf den Boden legen und wur­den mit Füßen getre­ten und Stö­cken geschla­gen. Fre­li­chow­ski sel­ber trös­tete die Pries­ter und erin­nerte sie an die Lei­den Christi.[91]

Am Oster­sonn­tag konnte noch­mal eine Hei­lige Messe gefei­ert wer­den, dies­mal über­re­de­ten die Kame­ra­den Fre­li­chow­ski sel­ber zu zele­brie­ren. Am Grün­don­ners­tag Fre­li­chow­ski hatte zunächst bewusst einem ande­ren Pries­ter den Vor­tritt gelas­sen und war sel­ber zurück­ge­stan­den, wie es stets sein Ansin­nen war im Hin­ter­grund zu blei­ben.

Fre­li­chow­ski gelang es sogar reli­giöse Bücher für die Pries­ter zu besor­gen. Diese wur­den unter dem Stroh ver­steckt gehal­ten und heim­lich ver­brei­tet. Kei­ner wusste woher sie kamen. Fre­li­chow­ski erzählte nie wo seine Quel­len waren, weder von den äuße­ren Quel­len noch von sei­nen inne­ren Kraft­quel­len sprach er zu den Kame­ra­den.  Sie sag­ten über ihn: „Er ging nur ihm allein bekannte Wege.“ So blieb es in allen Lagern, in die er noch kom­men sollte. Alle Kame­ra­den schätz­ten und lieb­ten Fre­li­chow­ski.

Im Lager Stutt­hof gab es noch keine gestreifte Häft­lings­klei­dung. Die Pries­ter tru­gen hier wei­ter­hin ihre Sou­tane, wie zum Zeit­punkt der Ver­haf­tung. Darin waren sie jeder­zeit als Pries­ter zu erken­nen und Ziel­scheibe von Grau­sam­kei­ten. Eines Nachts kam einer der Pries­ter, Jan Les­in­ski, sein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren läuft der­zeit zusam­men mit ande­ren ins­ge­samt 112 pol­ni­schen Märtyrern,nicht zur Gruppe zurück. Sein Ver­schwin­den ver­such­ten besorgte Kame­ra­den der Lager­lei­tung zu mel­den, sie ern­te­ten jedoch nur Spott und Hohn. Schließ­lich wurde die Lei­che gefun­den. Der Pries­ter war nachts ange­grif­fen und erschos­sen wor­den. Sein toter Leib war danach ver­ge­wal­tigt wor­den. Die Gruppe der Geist­li­chen war unter Schock. In die­ser Situa­tion ergriff Fre­li­chow­ski das Wort: „Betet nicht für die Gefol­ter­ten und Getö­te­ten, son­dern zu unse­ren Brü­dern, den Mär­ty­rern.“ Dadurch gelang es ihm die Gedan­ken der pries­ter­li­chen Kame­ra­den in eine neue Rich­tung zu len­ken. Sie fan­den den Mut unter Gesang einen Lei­chen­zug zu bil­den und den ermor­de­ten und geschän­de­ten Mit­bru­der zur Lei­chen­halle zu tra­gen. Abends, vor dem Schlaf­ge­hen, bete­ten sie: „Jan Les­in­ski, bitte für uns!“

Fre­li­chow­ski sagte oft zu sei­nen Kame­ra­den: „Beten wir nicht für die Ermor­de­ten, son­dern zu unse­ren Brüder-Märtyrer.Brü­der, betet! Betet in euren Zwei­feln! Betet, obwohl es euch so scheint, als ob alles umsonst sei und sogar Gott selbst euch nicht mehr hel­fen würde. Betet für­ein­an­der, betet für eure Lager­brü­der, die bedroht sind durch Tod, betet immer und über­all!

„Die Güte siegt, der Satan wird uns nicht knech­ten, wir wer­den durch­hal­ten!“ So ermu­tigte Wicek seine Kame­ra­den.

 Der März 1940 brachte die Ver­le­gung aus dem KZ Stutt­hof, ins Außen­la­ger Grenz­dorf. Vom 28.3.40 – 6.4.40[92]musste eine Gruppe von 100 Pries­tern in Außen­la­ger Grenz­dorf, 20 km von Dan­zig im Stein­bruch und Kies­grube schuf­ten.  Nur junge Häft­linge wur­den nach Grenz­dorf ver­legt, da die Arbeit sehr anstren­gend war. In der Regel gab es keine Über­le­ben­den die­ser Stra­pa­zen. Völ­lig uner­war­tet und schein­bar grund­los wur­den die Pries­ter nach kur­zer Zeit, am 06.04.1940, ins Stamm­la­ger Stutt­hof zurück­ge­schickt. Nach dem Krieg erklär­ten Freunde dies als ein Ein­grei­fen Gottes,denn so konn­ten die Pries­ter wei­ter­le­ben und Fre­li­chow­skis Mis­sion unter den Gefan­ge­nen konnte wei­ter­ge­hen.

KZ Sach­sen­hau­sen:

Wenig spä­ter, am 9.4.40 ging ein Trans­port mit Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski ins KZ Sach­sen­hau­sen ab. Am 10.4.40 erreichte die Gruppe die­ses Lager.[93] Eine grö­ßere Gruppe von eini­gen hun­dert Pries­tern war dort inhaf­tiert, Geist­li­chen aus ganz Europa, beson­ders aus Polen. In völ­li­gem Ver­trauen in Gott, ertrug Fre­li­chow­ski das  Lager­le­ben. Nie ver­lor er sei­nen Glau­ben, trotz der schwe­ren kör­per­li­chen Arbeit, die auch für Pries­ter zu leis­ten war.[94] Wäh­rend der schwe­ren Zwangs­ar­beit trös­tete er sogar noch die Mit­häft­lin­gen.

Zuerst wurde Fre­li­chow­ski dem Qua­ran­tä­neblock Nr. 20 zuge­teilt. Die­ser stand unter der Lei­tung eines sehr grau­sa­men und berüch­tig­ten Blo­ck­äl­tes­ten, des Berufs­ver­bre­chers Hugo Krey. Ihm wurde nach­ge­sagt, er habe Freude daran Kame­ra­den zu ermor­den. Beson­ders Pries­ter hasste er sehr. Sobald er unter den Gefan­ge­nen einen Pries­ter ent­deckte, trach­tete er danach die­sen zu töten. Fre­li­chow­ski wurde von ihm im KZ Sach­sen­hau­sen geschla­gen und gefol­tert.

Er war Hugo Krey in Sach­sen­hau­sen fol­gen­der­ma­ßen auf­ge­fal­len: Eines Tages for­derte Krey, von den Gefan­ge­nen sei­ner ganze Bara­cke auf dem Sta­chel­draht der Begren­zung zu krie­chen. Alle befolg­ten den Befehl, eine Ver­wei­ge­rung hätte den Tod bedeu­tet. Der Grenze zu nahe zu kom­men, bedeu­tete aber eben­falls den Tod, unter dem Vor­wand eines Flucht­ver­suchs wur­den alle Häft­linge durch Wachen dort erschos­sen. Alle kro­chen dar­auf zu. Als sie schon ganz nahe am Ende der neu­trale Zone und bei dem Sta­chel­draht ange­kom­men waren, fragte Krey: „Wer von euch ist ein Pries­ter?“ Fre­li­chow­ski lag vorne, er sprang sofort mutig auf und mel­dete sich deut­lich: „Ich bin ein katho­li­scher Pries­ter.“ Dar­auf Krey: „Also, segne sie diese, weil sie alle auf die­sem Sta­chel­draht gleich ster­ben wer­den.“ Ein Zeuge beschreibt die fol­gende Szene: „Man musste in diese Sekunde Wicek anse­hen: es exis­tierte für ihn kein Lager, kei­ner Blo­ck­äl­tes­ter, kein Maschi­nen­ge­wehr und kein Sta­chel­draht, son­dern nur die Freunde und Lei­dens­ge­fähr­ten, die im Dreck da lagen und denen der Segen Got­tes durch die Hände eines Pries­ters in diese Minute neue Kraft ein­gie­ßen konnte. Als er mit dem fei­er­li­chen Segen fer­tig war, ant­wor­tete Krey: „Amen“ und begann ihn so unmensch­lich zu schla­gen und zu tre­ten, dass er wie ein Toter da lag. Aber Wicek war froh, dass Gott ihn als Sein Werk­zeug in diese Minute benutzt hatte. Seit die­sem Ereig­nis ließ Krey ihn nicht mehr in Ruhe. Äuße­res Zei­chen dafür wurde die Fri­sur. Alle Häft­linge hat­ten kahl­ge­scho­rene Köpfe. Krey ließ Fre­li­chow­ski beim vor­ge­schrie­be­nen Rasie­ren der Kopf­haare aus Spott einige Haare in der Mitte des Kop­fes ste­hen, dort wo frü­her eine Ton­sur her­aus­ge­schnit­ten wurde. Dadurch fiel er unter den ande­ren Kame­ra­den sofort auf, was große Gefahr bedeu­tete. Fre­li­chow­ski musste mit die­ser ent­stel­len­den Spott­fri­seur lange Zeit im Lager leben. Er tat das mit sol­cher Würde, dass Krey schließ­lich auf­gab und Fre­li­chow­ski wie­der den Kopf so rasie­ren ließ, wie allen ande­ren Häft­lin­gen.

Um ihn an sei­ner Seel­sorge und dem guten Ein­fluss auf seine Kame­ra­den zu hin­dern orga­ni­sierte Krey dar­auf­hin Fre­li­chow­skis Ver­set­zung zu den Lei­chen­trä­gern. Er sollte nur noch Toten begeg­nen kön­nen. Doch Got­tes Vor­se­hung hatte andere Pläne. Auch in der Toten­halle waren einige noch am Leben und die Ster­ben­den waren glück­lich über die Begeg­nung mit einem Pries­ter. Fre­li­chow­ski, der schon als Kaplan eine beson­dere Liebe für Ster­bende gehabt hatte, beglei­tete sie auf dem Weg in die Ewig­keit.[95]

So hielt er es immer, immer ver­suchte er aus der schlimms­ten Situa­tion, die auf den ers­ten Blick als Werk des Teu­fels erschien, etwas Gutes zu machen und Got­tes Werk zu tun.

Nach eini­ger Zeit gewann Fre­li­chow­ski sogar das Wohl­wol­len des grau­sa­men Blo­ck­äl­tes­tern durch seine Freund­lich­keit und durch Gebet. Er war der ein­zige im Block 20, der nun nicht mehr miss­han­delt wurde. Hugo Krey wurde schließ­lich von der SS ver­haf­tet und in den Bun­ker ver­schleppt, wo diese ihn schließ­lich erhäng­ten. Danach wurde die Situa­tion für alle leich­ter und Wicek konnte jetzt an wei­tere pas­to­rale Tätig­keit den­ken. Er orga­ni­sierte reli­giöse Vor­träge, Gesprä­che und begeis­ternde und ermu­ti­gende Lit­ur­gien wur­den orga­ni­siert.[96]

Im KZ Sach­sen­hau­sen herrschte eine depri­mie­rende Stim­mung. Fre­li­chow­ski  ermu­tigte und half, wo er nur konnte, wie immer mit einem Lächeln und Freude.[97] Er führte wei­ter dis­kret sei­nen apos­to­li­scher Dienst an Kran­ken, Schwa­chen, Älte­ren und Jugend­li­chen fort, sprach Worte des Tros­tes und der Hoff­nung. Er half auch Kame­ra­den in ande­ren Blocks. Sein Eifer als Seel­sor­ger blühte auch hier. Obwohl  jede reli­giöse Betä­ti­gung unter Todes­strafe ver­bo­ten war, stärkte er seine Kame­ra­den durch Gebet, mit dem Sakra­ment der Beichte und der Hei­li­gen Kom­mu­nion. Im Gehei­men lei­tete er Gebete um den Glau­ben der Kame­ra­den zu stär­ken.

In Sach­sen­hau­sen leb­ten die Pries­ter abge­son­dert in einem Qua­ran­tä­nela­ger, dem  soge­nann­tem Klei­nem Lager. Nur zum Kes­sel­t­ra­gen kamen ins sog. Grosse Lager, dabei muss­ten sie schwere Metall­kü­bel mit den Mahl­zei­ten aus der Küche zu den Bara­cken des Klei­nen Lagers tra­gen und anschlie­ßend leer wie­der zurück. Diese Gele­gen­heit nutzte Fre­li­chow­ski geschickt aus, um den gefan­ge­nen Kame­ra­den des Gro­ßen Lagers den Emp­fang des Sakra­men­tes der Beichte zu ermög­li­chen. Da jeder  Kes­sel von zwei Per­so­nen getra­gen wer­den musste, wurde geschickt ein­ge­teilt, dass diese von je einem Pries­ter und einem Häft­ling, der beich­ten wollte, getra­gen wur­den. Auf dem Weg zurück zur Küche mit den lee­ren Kes­seln, konn­ten Pries­tern den mit­tra­gen­den Laien die Beichte spen­den. Und so konn­ten viele Men­schen, die kurz danach auf Trans­porte ins Unbe­kannte gin­gen, auf ihren Tod vor­be­rei­tet wer­den.

Im Herbst 1939 war auch Wiceks älte­rer Bru­der Les­zek ver­haf­tet wor­den, wegen Zuge­hö­rig­keit zu einer Wehr­sport­gruppe. Er war in Byd­goszcz und Torun inhaf­tiert und dort schwer miss­han­delt wor­den. Den Eltern gelang es seine Befrei­ung zu erwir­ken. Les­zek starb jedoch am 11.5.1940, wenige Tage nach sei­ner Ent­las­sung, an den Fol­gen der Miss­hand­lun­gen und an einer Lun­gen­ent­zün­dung.[98] Wicek sel­ber erfuhr diese schreck­li­che Nach­richt durch einen Brief von zuhause, erst Monate spä­ter.[99] Die Fami­lie hatte so von ihren 3 Söh­nen schon zwei ver­lo­ren und Wicek war in Deutsch­land im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gefan­gen.

KZ Dachau, das  Inter­nie­rungs­la­ger für alle Geist­li­chen aus dem gan­zen Reich ein­schließ­lich aller erober­ten Län­der, also nahezu aus ganz Europa.

In Ver­hand­lun­gen der deut­schen Bischofs­kon­fe­renz und des Hei­li­gen Stuhls, ver­tre­ten durch den Nun­tius, mit Ber­lin, war im Jahr 1940 die Ent­schei­dung getrof­fen wor­den alle Geist­li­chen in einem Lager zusam­men­zu­füh­ren. Dort soll­ten sie von Arbeit befreit sein und täg­lich Messe fei­ern dür­fen. Die Umset­zung zog sich aller­dings bis Ende 1940 hin.

Als Fre­li­chow­ski am 14.12.1940 mit einer grö­ße­ren Gruppe pol­ni­sche Pries­ter im KZ Dachau ankam, begann für die Geist­li­chen dort eine beson­dere Zeit. Anfang des Jah­res 1941 wur­den die Geist­li­chen von den ande­ren Häft­lin­gen abge­trennt und beka­men eine Lager­ka­pelle und die Mög­lich­keit Messe zu fei­ern.

Lit­ur­gie: Fre­li­chow­ski berei­tete es auch im Lager große Freude die Lit­ur­gie zu gestal­ten. Treu und gewis­sen­haft erfüllte Wicek sei­nen Dienst. Als Minis­trant oder Zere­mo­niar diente er am Altar. Nur der pol­ni­sche Lager-Kaplan Pra­bucki durfte zele­brie­ren, weil er im ers­ten Welt­krieg als Artil­le­rie­of­fi­zier der deut­schen Armee sich Ver­dienste erwor­ben und Aus­zeich­nun­gen, Ver­dienst­kreuze bekom­men hatte. Für Pra­bucki läuft der­zeit auch ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren, in der Gruppe der 112 pol­ni­schen Mär­ty­rer ist er ent­hal­ten. 

In die­ser Zeit soll­ten die Geist­li­chen keine Zwangs­ar­beit leis­ten und bes­se­res Essen erhal­ten, als die ande­ren Häft­linge. Dies ver­stärkte die Kluft zwi­schen den Geist­li­chen und den nei­di­schen ande­ren Gefan­ge­nen, ganz wie von der Lager­lei­tung beab­sich­tigt. In die­ser Zeit wur­den die Geist­li­chen aber zum Schnee­räu­men und Schlep­pen der Essens­kes­sel gezwun­gen, ver­spot­tet, miss­han­delt und auf viel­fäl­tige Weise gequält.

Schon im Sep­tem­ber 1941 wur­den die „Pri­vi­le­gien“ für die pol­ni­schen Geist­li­chen (ab Früh­ling 1942 für alle Geist­li­chen) abge­schafft. Alle pol­ni­schen Geist­li­chen wur­den vor die Ent­schei­dung gestellt, auf ihre pol­ni­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit zu ver­zich­ten. Dazu konn­ten sie sich in die soge­nannte „Volks­deut­sche Liste“ ein­tra­gen las­sen. Es wurde ihnen dafür die Frei­heit ver­spro­chen, wenigs­tens aber die Pri­vi­le­gien der deut­schen Pries­ter, wie die Mög­lich­keit in der Kapelle Messe zu fei­ern. Wie alle ande­ren pol­ni­schen Pries­ter, sogar die, wel­che wirk­lich deut­scher Abstam­mung gewe­sen waren, ent­schied sich Fre­li­chow­ski dage­gen und erdul­dete wei­ter­hin das grau­same KZ und Wut der Lager­lei­tung. Diese behan­delte die pol­ni­schen Pries­ter nach die­ser Wei­ge­rung wütend mit grau­sa­men Repres­sa­lien[100], so wie ange­droht, „wie gewöhn­li­che Ver­bre­cher“. Fre­li­chow­ski wurde in Dachau von den Wachen phy­sisch und psy­chisch miss­han­delt und ver­spot­tet.[101]

Fre­li­chow­ski bekämpfte Kon­flikte, die zwi­schen ein­zel­nen Par­teien unter den pol­ni­schen Pries­tern ent­stan­den waren.[102] Ein Kon­flikt­punkt war die Gestal­tung des Abends. Tod­müde lagen die Geist­li­chen auf den Stroh­sä­cken, froh wie­der einen Tag über­lebt zu haben. Einige woll­ten noch reden, andere beten und schla­fen. Fre­li­chow­ski setzte sich dafür ein nach dem Abend­ge­bet das Still­schwei­gen (in Klös­tern wird nachts geschwie­gen) zu hal­ten. Er konnte nicht alle über­zeu­gen.

Einige Kame­ra­den ver­spot­te­ten ihn und sei­nen Seel­sor­ge­ei­fer. Er ertrug Sti­che­leien und Hän­se­leien mit Würde und inne­rem Frie­den. Nicht alle ver­stan­den ihn. Er wurde als „komi­scher Hei­li­ger“ aus­ge­lacht. Aber auch diese Spöt­ter wein­ten bei sei­nem Tod.

Ab Herbst 1941 war den pol­ni­schen geist­li­chen das Betre­ten der Lager­ka­pelle nicht mehr gestat­tet, nur noch deut­sche Geist­li­che durf­ten dort beten und Messe fei­ern, erst gegen Ende des Krie­ges wurde die­ses Ver­bot gelo­ckert und alle Natio­nen durf­ten in die Kapelle kom­men. Für pol­ni­sche Geist­li­che zog schon der Besitz eines Mess­bu­ches, Rosen­kranz oder einer Medaille schwerste Stra­fen nach sich. Seel­sorge war grund­sätz­lich bei Lebens­ge­fahr ver­bo­ten.

Seel­sor­ger:

Fre­li­chow­ski war auch im Lager mit gan­zem Her­zen Seel­sor­ger. Er ließ sich von den stren­gen Ver­bo­ten nicht ent­mu­ti­gen oder gar abhal­ten. Er begann heim­lich wie­der seine inten­si­ven pas­to­ra­len Akti­vi­tä­ten.[103] Schon zu Beginn der Gefan­gen­schaft ver­stand er seine Beru­fung als Pries­ter neu, er wollte jetzt für die Mit­ge­fan­ge­nen da zu sein. Trotz extre­mer Lebens­be­din­gun­gen im Lager führte er sei­nen seel­sorg­li­chen Dienst des­halb wei­ter. Er gönnte sich keine Pause. Er war über­all und half wo er konnte. Stän­dig war er unter­wegs, in den Erho­lungs­pau­sen, abends, nachts. Trotz stren­ger Ver­bote schlich er sich auf andere Blocks um Kame­ra­den zu hel­fen. Dies ent­sprach sei­ner eige­nen Vor­stel­lung vom Pries­ter­sein. Er half allen die Hoff­nung nicht zu ver­lie­ren. Er hörte so oft wie mög­lich Beichte und zele­brierte heim­lich im Block der pol­ni­schen Pries­ter, aber auch auf den Blocks pol­ni­scher Laien die hl. Messe. Beson­ders auch für Jugend­li­che war er ein geist­li­cher Leh­rer.[104] Über­le­bende Kame­ra­den berich­te­ten, dass es genügte ihn zu tref­fen, ihm ein­fach in seine Augen zu bli­cken, um im KZ Kraft zum Über­le­ben zu fin­den. Andere Häft­linge hat­ten mehr­heit­lich leere und trost­lose Augen voll Ver­zweif­lung, Tod, Schmerz und Resi­gna­tion, in Wiceks Augen war Sinn und Frie­den. Ein Kame­rad berich­tet, Fre­li­chow­ski war die ein­zige Stütze, an der man sich fest­hal­ten und auf­rich­ten konnte. Hun­derte, tau­sende Men­schen haben ihm das Leben zu ver­dan­ken.

Im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau schrieb Wicek ein Gedicht, mit dem Titel „Ich bin froh, o Herr!”[105] Das zeigt, auch in der schein­bar gott­lo­sen Hölle konnte er seine Freude und sei­nen Glau­ben bewah­ren und darin ande­ren ein Vor­bild sein. Auch Men­schen mit Glau­bens­zwei­feln konn­ten sich sei­ner Liebe und Zuwen­dung sicher sein. Er küm­merte sich auch um Men­schen, die sich weit weg von Gott fühl­ten, half ihnen wie­der einen neuen Zugang zum Glau­ben zu fin­den.

Er betete viel mit den Kame­ra­den, sowohl Geist­li­chen als auch Laien. Vor allem abends sprach er in der Schlaf­stube das Abend­ge­bet. Es wird berich­tet, dass seine Worte den ande­ren Geist­li­chen viel Trost gaben. Oft waren Ver­zweif­lung und Selbst­mord­ge­dan­ken danach ver­schwun­den. Viele Gefan­gene spiel­ten mit dem Gedan­ken voll Ver­zweif­lung in den elek­tri­schen Zaun zu lau­fen, um ihr Leben und damit den Lei­dens­weg zu been­den.

„Es genügt ihm ein­mal in die Augen zu schauen und die Todes­ge­dan­ken waren dahin.“ „In sei­nen Augen konn­ten die Kame­ra­den Ruhe, Freude und Got­tes Gegen­wart sehen.“ Kar­di­nal Adam Kozlo­wiecki, eben­falls im KZ Dachau inter­niert, erin­nerte sich: „Fre­li­chow­ski war immer gelas­sen. In sei­ner Ruhe spür­ten wir: hier ist Gott gegen­wär­tig, der gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Diese Beob­ach­tung ist noch erstaun­li­cher, da Kozlo­wiecki mit Fre­li­chow­ski sel­ber im Lager nie gespro­chen hat, er gehörte nicht zu des­sen Freun­des­kreis.  

Fre­li­chow­ski schien den Kame­ra­den wie eine Säule im Feld, an der man sich stüt­zen konnte. Er wollte so viele Leben wie nur mög­lich ret­ten. Dabei war er aber immer nur der Initia­tor sei­ner Aktio­nen, andere stan­den spä­ter an der Spitze sei­ner Werke, er trat sel­ber zurück in den Hin­ter­grund.

Spi­ri­tua­li­tät: Woher hatte die­ser Mann so viel Kraft? Fre­li­chow­ski lebte aus der Kraft der Eucha­ris­tie, daher ver­ständ­lich auch, dass er alles ris­kierte um die hl. Messe zu fei­ern und die hl. Kom­mu­nion den Kame­ra­den zu spen­den.

In ihm war ein sehr gro­ßes Ver­trauen in Got­tes gute Vor­se­hung. Sei­nen Wil­len wollte er erfül­len, danach wollte er stre­ben. In der ers­ten Zeit der Gefan­gen­schaft bat er die Fami­lie alles nur Mög­li­che für seine Frei­las­sung zu unter­neh­men. Schließ­lich konnte er sogar seine Haft als Got­tes Wil­len akzep­tie­ren und wollte keine Bemü­hun­gen um Frei­las­sung mehr. Er ermun­terte auch andere zu Ver­trauen und zum Glau­ben an die gött­li­che Vor­se­hung.

Eine wei­tere Basis sei­ner Spi­ri­tua­li­tät war die Liebe zur Got­tes­mut­ter Maria. Schon als Schü­ler war er Mit­glied der Maria­ni­schen Kon­gre­ga­tion gewor­den. Zusam­men mit dem Pfad­fin­der­sein prägte ihn die inten­sive Bezie­hung zu Maria, die er dort gelernt hatte. Er besuchte im Lager Dachau auch Vor­träge von P. Ken­te­nich, dem Grün­der der Schön­statt­be­we­gung. Auch er war maria­nisch geprägt, und Fre­li­chow­ski hörte ihm gerne über die drei­mal wun­der­bare Mut­ter spre­chen.

Gebet: Im Pries­ter­block betete Wicek täg­lich den Kame­ra­den vor und lehrte sie, dass beten nicht bedeu­tet aus­wen­dig gelernte Gebete auf zu sagen, son­dern eine echte Bezie­hung zu Gott zu füh­ren. Oft kniete er kon­zen­triert unter den Gefan­ge­nen und betete. Seine inten­sive Bezie­hung zu Gott wurde zum Vor­bild und Zeug­nis, die Men­schen folg­ten sei­nem anste­cken­den Bei­spiel.[106] Gemein­same Gebete waren im Lager, außer­halb der Kapelle, streng ver­bo­ten, des­halb konn­ten die Gefan­ge­nen nur  leise beten. Fre­li­chow­ski ver­stand das Gebe­tes als Kraft­quelle um aus dem Teu­fels­kreis des Has­ses und des Bösen aus­zu­stei­gen und das lehrte er auch seine Freunde und Schü­ler. Auch Gebet für Ver­stor­bene Kame­ra­den und Kranke war ihm wich­tig.

Kranke: Schon recht früh ver­schaffte er sich Zugang zum Kran­ken­re­vier, durch Ver­mitt­lung eines pol­ni­schen Arz­tes, der ihm erlaubte einen TBC-Kranken zu besu­chen.[107] Dort konnte er heim­lich Kranke seel­sorg­lich betreuen. Sein Enga­ge­ment zum heim­li­chen Beichte hören, Spen­den der Hl. Kom­mu­nion, Besuch der Kran­ken und deren Beglei­tung im Ster­ben war sehr groß und bewun­derns­wert. Viele hat Fre­li­chow­ski auf den Tod vor­be­rei­tet.

Auch kon­kret wollte Fre­li­chow­ski hel­fen. Er stahl sich ins Revier, um erkrank­ten Kame­ra­den hel­fen zu kön­nen, wusch Kranke und gab Hun­gern­den zu essen.[108]

Zur Zwangs­ar­beit war Wicek zuerst, wie alle Geist­li­chen, in der Plan­tage ein­ge­teilt. Ab 1942 könnte er ein weni­ger anstren­gen­des Kom­mando mit einer Arbeit unter Dach fin­den, dort musste er etwas in Papier­tü­ten ver­pa­cken. Nach sei­ner Erkran­kung mit Auf­ent­halt im Revier konnte er in die­ses Kom­mando zurück­keh­ren. (Den Scho­nungs­schein aus dem Revier, der ihn ähn­lich wie eine Krank­schrei­bung noch einige Zeit vor schwe­rer kör­per­li­cher Arbeit schüt­zen sollte, gab er an einen ande­ren Geist­li­chen wei­ter, der so nicht mehr zur Arbeit in die Plan­tage aus­rü­cken musste. Fre­li­chow­ski hatte ihm damit das Leben geret­tet.) Gegen Kriegs­ende war sein Arbeits­platz im Luft­schutz­kel­ler beim prä­pa­rie­ren von Anzün­der­koh­len. 

Jede Arbeits­stelle nutzte Fre­li­chow­ski um dort mit den Kame­ra­den über den Glau­ben zu spre­chen, sie auf­zu­bauen und zu trös­ten.

Wie in den bis­he­ri­gen Lagern scheute er auch in Dachau kein Risiko um seine Kame­ra­den auf­zu­rich­ten und ihren Glau­ben zu stär­ken. Als Pries­ter tat er alles, um die Sakra­mente spen­den zu kön­nen.

Fre­li­chow­ski war die Eucha­ris­tie beson­ders wich­tig. Aus die­ser Quelle schöpfte er seine schein­bar uner­schöpf­li­chen Kräfte, des­halb wollte er mög­lichst vie­len Kame­ra­den die Teil­nahme an heim­li­chen Hl. Mes­sen ermög­li­chen und die Kom­mu­nion aus­tei­len, beson­ders Kran­ken und Ster­ben­den. Dafür ging er jedes Risiko ein. Er orga­ni­sierte gemein­same Gebete, hei­lige Mes­sen, teilte täg­lich Kom­mu­nion aus (die Par­ti­kel waren so klein wie ein Wei­zen­korn, um für mög­lichst viele zu rei­chen) und half ein geist­li­ches Leben zu füh­ren. Schon 1 Monat vor Eröff­nung der Kapelle hatte er sich das Aller­hei­ligste besor­gen kön­nen, um es Ster­ben­den im Lager zu rei­chen.[109]

Schon früh war es ihm gelun­gen ille­gal in die Kapelle auf Block 26 zu gelan­gen, dies war ab Sep­tem­ber 1941 nur noch deut­schen Geist­li­chen erlaubt und wurde aus Angst auch streng kon­trol­liert. Offen­sicht­lich hatte er auch hier bei den deut­schen Geist­li­chen Freunde, die ihm heim­lich hal­fen. So hatte er auch die Mög­lich­keit an Hos­tien zu gelan­gen um diese an ster­bende pol­ni­sche Pries­ter­ka­me­ra­den zu ver­tei­len. Er konnte aber auch andere pol­ni­sche Pries­ter zur Messe in die Kapelle hin­ein­schmug­geln.

Um noch mehr Kame­ra­den die Teil­nahme an der Eucha­ris­tie zu ermög­li­chen orga­ni­sierte er und fei­erte auch sel­ber heim­lich die Hl. Messe auf den pol­ni­schen Wohn­blocks der Pries­ter und sogar auf den Wohn­blocks pol­ni­scher Laien. Wenn er keine Hos­tien und Wein orga­ni­sie­ren konnte, waren es „tro­ckene“ Mes­sen, nur beste­hend aus den Meß­tex­ten und Gebe­ten um sich geist­lich mit dem Herrn zu ver­ei­nen. Oft waren seine Bemü­hun­gen beim Orga­ni­sie­ren aber auch erfolg­reich. Hos­tien und Wein hatte er sich ver­steckt und getarnt in Pake­ten von zuhause schi­cken las­sen[110] oder von den deut­schen Geist­li­chen bekom­men. Teil­weise ver­wen­dete er auch Brot­krü­mel als Hos­tien.[111]

Hin­ter dem Ofen ver­steckt oder auf den Blocks der pol­ni­schen Laien zwi­schen den Bet­ten ver­steckt, sit­zend oder lie­gend, fei­erte er heim­lich die hei­lige Messe. Er hatte dabei andere pol­ni­sche Pries­ter mit­ge­bracht, um ihren Glau­ben und ihre Beru­fung zu stär­ken durch das Erleb­nis der heim­li­chen Mes­sen und die Erfah­rung des gro­ßen geist­li­chen Hun­gers der Kame­ra­den. So konnte er ande­ren Pries­ter zei­gen wie sehr Pries­ter gebraucht wur­den, wenn auch unter Lebens­ge­fahr. Nach dem Got­tes­dienst wagte er sogar das Aller­hei­ligs­tes in einem Schrank auf­zu­be­wah­ren.[112]

Er gewann Hel­fer für ver­tei­len der Eucha­ris­tie, der unend­li­che Liebe Christi.[113] Beim Aus­tei­len der Kom­mu­nion waren seine Beicht­kin­der und befreun­dete Semi­na­ris­ten behilf­lich.

Beichte: Fre­li­chow­ski stand sei­nen Kame­ra­den heim­lich sehr oft zur Ver­fü­gung um ihnen das Sakra­ment der Beichte zu spen­den. Er ging zu Kran­ken, traf Kame­ra­den auf der Lager­strasse oder in ihren Wohn­blocks. Heim­lich hörte er sogar auf dem Weg zur Arbeit Beichte.[114]

Um auch mit den fran­zö­si­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen spre­chen, ihnen hel­fen und Beichte hören zu kön­nen, bat er die Mut­ter in der Hei­mat ihm eine fran­zö­si­sche Gram­ma­tik zu schi­cken. Er wollte sogar noch im Lager sein Fran­zö­sisch ver­bes­sern.  Außer Pol­nisch und Latein sprach Fre­li­chow­ski auch Deutsch und Fran­zö­sisch.

Okto­ber 1941: Ein Trans­port kam aus der Erz­diö­zese Poznan an mit einer Gruppe älte­ren Pries­tern. Ängst­lich, depres­siv, ein­ge­schüch­tert, mit wenig Selbst­ver­trauen hat­ten sie Pro­bleme sich im Lager zurecht zu fin­den. Fre­li­chow­ski ging in ihren Block, kniete sich abends mit ihnen auf den Boden und betete. So gestärkt konn­ten sie die Angst vor dem Lager über­win­den. Er gab auch prak­ti­sche Tips über das Lager­le­ben und unter­stütze diese Män­ner auch nach Kräf­ten kon­kret, z. B. beim „Bet­ten­bau“.[115]

Das Jahr 1942 war das Jahr des Hun­gers für die Pries­ter im KZ Dachau. Viele Geist­li­che ver­fie­len kör­per­lich und see­lisch rasch, in der Lager­spra­che nannte man diese Häft­linge „Musel­män­ner“. Fre­li­chow­ski kam nie in die­ses gefähr­li­che Sta­dium, obwohl auch er sehr abma­gerte und schließ­lich nur noch 57 kg wog. Nur noch aus Haut und Kno­chen beste­hend, hatte er trotz­dem die Kraft von sei­nem weni­gen Essen noch an Kame­ra­den abzu­ge­ben, die noch mehr hun­ger­ten als er. Hun­gernde hat­ten sehr gegen die Ver­su­chung zu kämp­fen, ande­ren Kame­ra­den Brot zu steh­len. Dies kam sogar unter den Geist­li­chen vor. Brot­dieb­stahl wurde sofort mit dem Tode bestraft, oft schon vor einer offi­zi­el­len Mel­dung durch Lynch­jus­tiz von Kame­ra­den. Wir Sat­ten unse­rer Tage soll­ten uns jeder Ver­ur­tei­lung ent­hal­ten, wenn wir sol­che Berichte hören. Kei­ner von uns kann nach­voll­zie­hen, wie es sich anfühlt zu ver­hun­gern.

Aus der Zeit im KZ Dachau wird fol­gende Bege­ben­heit berich­tet: Es hatte sich ein Brot­dieb­stahl ereig­net (in Block 28 Stube 4, bei den älte­ren pol­ni­schen Pries­tern). Der Stu­benäl­teste for­derte den Dieb auf sich zu mel­den. Als das nicht geschah (weil es das Todes­ur­teil des­je­ni­gen gewe­sen wäre), drohte der Älteste der gan­zen Stube Straf­ex­er­zie­ren an, bis der Dieb sich mel­den würde. Diese „Gym­nas­tik­übun­gen“ hät­ten für viele der älte­ren pol­ni­schen Geist­li­chen aber eben­falls den Tod bedeu­tet. Um das zu ver­hin­dern, mel­dete Fre­li­chow­ski, der zufäl­lig als Besu­cher anwe­send war, sich an Stelle des Schul­di­gen. Der Stu­benäl­teste glaubte ihm jedoch nicht. Jedem ande­ren hätte er diese Tat geglaubt, aber nicht Wicek. Aber tief beein­druckt von die­sem Mut und die­ser Selbst­lo­sig­keit erließ er allen das Straf­ex­er­zie­ren. Fre­li­chow­ski hatte wie­der viele Leben sei­ner Kame­ra­den geret­tet. Auch bei ande­ren Gele­gen­hei­ten nahm er die Schuld ande­rer auf sich und wurde an ihrer statt zur Strafe geschla­gen.

Revier: Im Früh­ling 1942 wurde Fre­li­chow­ski sel­ber krank. Vom  März bis Juli 1942 war er im Kran­ken­re­vier, wo er vor­her heim­lich Kame­ra­den gehol­fen hatte. Es war wie ein Wun­der, dass er dort auf­ge­nom­men wurde, als pol­ni­scher Pries­ter. Ihnen war 1942 der Zugang zum Revier ver­wehrt. Sicher hal­fen Wicek seine guten Bezie­hun­gen zum Pfle­ge­per­so­nal im Revier, die ihm bis­her den Besuch bei Kran­ken ermög­licht hat­ten. So war Fre­li­chow­ski vor den Grau­sam­kei­ten des Jah­res 1942 bewahrt, das viele Geist­li­che nicht über­leb­ten. Beson­ders grau­sam waren die Schi­ka­nen der Kar­wo­che 1942 für die pol­ni­schen Geist­li­chen, die viele sehr  schwächte, das Leben kos­tete. Aber sogar diese Zeit sei­ner Krank­heit im Revier nützte er um ande­ren Kran­ken dort zu hel­fen

Fre­li­chow­ski musste sich einer Ope­ra­tion unter­zie­hen, eine Eiter­ge­schwulst wurde aus sei­ner Brust her­aus­ope­riert. Da die Wunde nur sehr lang­sam ver­heilte, musste er lange auf der Kran­ken­sta­tion blei­ben und war dadurch geschützt. Nor­ma­ler­weise bedeu­tete ein Auf­ent­halt im Revier, der län­ger als 4 Wochen dau­erte, einen Ein­trag auf die Liste eines Inva­li­den­trans­por­tes und den siche­ren Tod. Wie ein Wun­der konn­ten ihn die Kame­ra­den davor bewah­ren. 

Schließ­lich wurde Wicek wie­der gesund und konnte noch einige Zeit im Revier als Stu­ben­dienst blei­ben. Auch das war zu die­ser Zeit für pol­ni­sche Pries­ter eigent­lich völ­lig unmög­lich. Er konnte sich dort nun auch offi­zi­ell frei bewe­gen und seel­sorg­lich arbei­ten. Er half allen Kran­ken, unab­hän­gig von Natio­na­li­tät, Glaube, als Pfle­ger und Seel­sor­ger. Aber auch für die ande­ren Pfle­ger, junge Gefan­gene war er in beson­de­rer Weise da.

Sel­ber war Fre­li­chow­ski oft krank und wie­der­holt als Pati­ent im Revier. Es war wie ein zwei­tes Zuhause für Ihn. Unter den Kran­ken erfüllte er seine haupt­säch­li­che Mis­sion. Er stand Ster­ben­den bei. Alle lieb­ten ihn im Revier, Pati­en­ten und Pfle­ger. Wenn Fre­li­chow­ski wie­der ent­las­sen wurde, ver­miss­ten ihn die Freunde im Revier sehr. Des­halb besuchte er sie und die Kran­ken dort täg­lich. Ein­tritt ver­schaffte er sich heim­lich durch die Pforte der Toten­kam­mer, wo ein Freund ihn ein­ließ. Von dort gelangte er durch die Ver­bin­dungs­gänge in alle Berei­che des Reviers und konnte dort als Apos­tel der Kran­ken wir­ken.

Jugend­seel­sor­ger: Wie vor der Gefan­gen­nahme küm­merte sich Wicek auch im Lager beson­ders um Jugend­li­che. Im Lager waren Jugend­li­che beson­ders gefähr­det und in der Unschuld ihrer Jugend bedroht und beson­de­rer Per­ver­sion aus­ge­lie­fert. Einige waren so trau­ma­ti­siert, dass sie nie­man­dem mehr ver­trauen konn­ten. Auch pro­mi­nente Mit­häft­linge nutz­ten ihren Hun­ger und ihre Schutz­lo­sig­keit scham­los aus. Es gab nie­mand, der ihnen Auto­ri­tät und Halt gege­ben hätte kön­nen, nur auf Wicek hör­ten sie. Die ande­ren Erwach­se­nen ver­ach­te­ten sie. Fre­li­chow­ski gelang es mit klei­nen Ges­ten ihr Ver­trauen zu gewin­nen und er wurde ihnen zum ech­ten Freund. So konnte er sie ermu­ti­gen und wurde ihr geist­li­cher Füh­rer. Er war immer hei­ter, so dass er andere nach­hal­tig auf­mun­terte. Er war ein lie­ber Freund für junge Men­schen im Revier. Schützte sie und unter­stützte sie im schwie­ri­gen Lager­le­ben. Wicek war locker und lus­tig, er unter­hielt sich mit ihnen auch ganz natür­lich und fröh­lich über All­täg­li­ches, so dass sie nicht abwehr­ten, als er das Gespräch auf geist­li­che Dinge und die Seele lenkte. “Viele von ihnen erin­ner­ten sich noch nach Jah­ren, dass er ein wah­rer Freund für sie war. Er konnte ihnen mit gro­ßer Begeis­te­rung über Gott und Reli­gion erzäh­len.“[116]  Viele die­ser Jugend­li­chen arbei­te­ten im Revier. Sie ver­schaff­ten ihm Ein­lass in alle Berei­che des Reviers, sogar auf die Qua­ran­tä­ne­sta­tio­nen konnte er so gelan­gen um die Sakra­mente Beichte und Kom­mu­nion zu spen­den.

Er traf sich mit den Jugend­li­chen heim­lich in der Patho­lo­gie die sie für ihn heim­lich öff­ne­ten, und sie hör­ten ihm zu.[117] Aber auch bei Spa­zier­gän­gen auf der Lager­strasse oder hin­ter den letz­ten Bara­cken, Nr. 30,  hör­ten sie auf sei­nen Rat. Dort orga­ni­sierte Fre­li­chow­ski für die Jugend­li­chen auch Mathe­ma­tik­un­ter­richt durch einen Mit­bru­der. Dafür erbat er sich von zuhause die Mathe­ma­tik­lehr­bü­cher sei­ner Schwes­ter. Inter­es­sant ist, dass er mehr­mals beharr­lich in sei­nen Brie­fen um diese Mathe­ma­tik­lehr­bü­cher bat, bis er sie end­lich in einem Paket erhielt, wofür er in einem ande­ren Brief dankte.

Kon­krete Hilfe: Fre­li­chow­ski war nicht nur um das See­len­heil sei­ner Kame­ra­den besorgt. Er erkannte in bedürf­ti­gen Mit­ge­fan­ge­nen den lei­den­den Chris­tus. Ihm zu die­nen war er jeder­zeit bereit. In der größ­ten Hun­gers­zeit zögerte er nicht Mit­häft­lin­gen sein weni­ges Brot zu schen­ken und sel­ber zu hun­gern.

Er half auch bei kon­kre­ten Nöten, wo er nur konnte. Er half mit Lebens­mit­teln und Medi­ka­men­ten. Vie­les wusste er zu besor­gen. Er konnte sogar eine neue Brille orga­ni­sie­ren. Er half auch prak­tisch.

Je schwie­ri­ger die Situa­tion war, desto akti­ver war Wicek. Er half wie­der­holt Kame­ra­den in gefähr­li­chen Situa­tio­nen und ret­tete sie.

Ihm half ab Herbst 1942 die Mög­lich­keit Pakete von zuhause emp­fan­gen zu kön­nen. Wie bei den deut­schen beka­men auch viele pol­ni­sche Geist­li­che zahl­rei­che Pakete, von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, Freun­den und ihren Hei­mat­pfar­reien, des­we­gen ver­brei­te­ten die SS-Wachen  Gerüchte, dass bei den „bösen“ Geist­li­chen Lebens­mit­tel ver­dar­ben, wäh­rend nebenan Kame­ra­den ver­hun­ger­ten. Sie fan­den aber in ihren Spin­den keine Lebens­mit­tel­vor­räte. Alles war ver­schenkt wor­den.

In sei­nen Brie­fen an die Fami­lie daheim bat Fre­li­chow­ski um Pakete mit Medi­ka­men­ten, Lebens­mit­teln, Gebrauchs­ge­gen­stän­den… Genau zählte er das Not­wen­dige auf, aber die emp­fan­ge­nen Geschenke waren alle für seine Kame­ra­den bestimmt.

Er bat die Fami­lie sogar Geld an deut­sche Mit­ge­fan­gene zu schi­cken. Dafür über­mit­telte er ihnen Namen, Geburts­da­ten und Blo­ck­adres­sen von Kame­ra­den. Da das unter Todes­strafe ver­bo­ten war, ver­wen­dete er unter­schied­li­che Chif­fren, die seine Mut­ter zu ent­zif­fern wusste. Durch seine Post gelang­ten viele Namen Mit­ge­fan­ge­ner und Ver­stor­be­ner aus dem Lager. Die Mut­ter bat er Rei­sen zu unter­neh­men um alle Bot­schaf­ten den betrof­fe­nen Ange­hö­ri­gen aus­zu­rich­ten. Auf seine Fami­lie konnte Wicek sich ver­las­sen, er ver­traute sehr auf ihre Hilfe. Nach Gott war seine Fami­lie die wich­tigste Kraft­quelle für ihn.

Um die Hilfe bes­ser orga­ni­sie­ren zu kön­nen, wurde auf Wiceks Initia­tive hin auf Block 28, dem Block der pol­ni­schen Geist­li­chen, eine Cari­tas­or­ga­ni­sa­tion gegrün­det. Die­ses Werk war sein „Lieb­lings­kind“, die Lei­tung jedoch lag immer in den Hän­den eines ande­ren Pries­ters. So eine Orga­ni­sa­tion unter den Häft­lin­gen, auch zur gegen­sei­ti­gen Hilfe, war streng ver­bo­ten. Den Vor­sitz führ­ten 4 Pries­ter, aus jeder Stube des Blo­ckes 28 einer. Sie tra­fen sich wöchent­lich auf der Stube Fre­li­chow­skis zur Arbeits­be­spre­chung. Dabei wur­den bewusst keine Schrift­stü­cke oder schrift­li­chen Noti­zen gemacht, um keine Spu­ren zu hin­ter­las­sen. Es wur­den die Namen Bedürf­ti­ger aus den pol­ni­schen Blocks 16 und 18 gesam­melt. Wer bekam keine Pakete von zuhause. Auch rus­si­schen und ita­lie­ni­schen Kame­ra­den wurde gehol­fen, die keine Pakete erhiel­ten. Er konnte dafür viele Hel­fer moti­vie­ren, beson­ders Jugend­li­che begeis­terte er. Nie­mand wusste, wie er all das tun konnte. Inhalt der Pakete, Lebens­mit­tel und Medi­ka­mente wur­den geteilt, ver­teilt an Kame­ra­den, die keine Pakete beka­men. So ret­tete er Leben; und Glau­ben an die Mensch­lich­keit und Glau­ben an Chris­tus und die Kraft des Evan­ge­li­ums. Auch eigene Pakete ver­schenkte er völ­lig.[118]Das für die pol­ni­schen Pries­ter bestimmte Lager­es­sen ver­schenk­ten sie eben­falls, da sie vom Inhalt ihrer Pakete leben konn­ten. So wur­den ganze Kes­sel mit Suppe und große Men­gen Brot an andere Blö­cke und an das Kran­ken­re­vier ver­schenkt. Dies geschah übri­gens genauso im Block der deut­schen Pries­ter, Nr. 26. 

Ver­hält­nis zu Kame­ra­den: Wicek hatte im Lager viele sehr gute Freunde, die bereit waren ihm zu hel­fen und zu unter­stüt­zen. Viele ris­kier­ten dafür sehr viel.

Fre­li­chow­skis Auto­ri­tät wurde von allen aner­kannt. Laien und Geist­li­che folg­ten sei­ner Füh­rung.[119] Wie ein Bischof wurde er geach­tet, obwohl er viel jün­ger war als die meis­ten ande­ren Geist­li­chen. Er hatte sel­ber nicht ein­mal 3 Jahre Erfah­run­gen als Pries­ter in Frei­heit, doch führte er viele erfah­re­nere Geist­li­che. Er wurde als geis­ti­ger Lei­ter der Pries­ter und Laien aner­kannt. Er tat alles um die Hoff­nung der Mit­häft­linge zu näh­ren, die Mit­häft­linge erkann­ten in ihm einen Pries­ter, der sei­ner Beru­fung treu geblie­ben war, das gab Hoff­nung.[120] Aber nicht nur bei den Geist­li­chen war sein Ein­fluss groß. Mit den schlimms­ten Mör­dern konnte er spre­chen, er wusste mit ihnen umzu­ge­hen.

Fre­li­chow­ski war als geist­li­che Füh­rungs­ge­stalt im Lager tätig. Er war dabei der „Ide­en­ge­ber“, gab den Anstoß und orga­ni­sierte, zog sich danach aber zurück und über­nahm sel­ber nie den Vor­stand einer Orga­ni­sa­tion. Ihm war es sehr wich­tig demü­tig zu blei­ben und sel­ber nicht mit Mit­tel­punkt zu ste­hen. Schon im Pries­ter­se­mi­nar hatte er sich dafür ent­schie­den demü­tig und im Hin­ter­grund zu blei­ben. Im KZ Dachau grün­dete Fre­li­chow­ski 3 Orga­ni­sa­tio­nen: die pol­ni­sche Cari­tas, das pol­ni­sche Pries­ter­se­mi­nar und die Legion Christi.

Legion Christi, auch hei­li­ger Bund oder Ver­schwö­rung genannt grün­dete sich 1943 heim­lich aus einer Gruppe von jun­gen Pries­tern und Semi­na­ris­ten aus dem Kreis Fre­li­chow­skis Schü­ler. „Fre­li­chow­ski traf sich auch mit den Semi­na­ris­ten um ihnen die Kraft ein­zu­flö­ßen, damit sie in ihrer Beru­fung aus­har­ren. Gemein­sam mit ihnen hat er den Plan der sog. Legion Christi erar­bei­tet.“[121]

Zu den Zie­len die­ser Gruppe gehörte die Arbeit an sich sel­ber, um sogar in der schwie­ri­gen Situa­tion des Lagers gute und hei­lige Pries­ter sein zu kön­nen. Dies sahen sie als Vor­be­rei­tung auf das pries­ter­li­che Leben und das seel­sorg­li­che Enga­ge­ment nach dem Krieg.

1944 gab sich die Gruppe Sta­tu­ten. Darin leg­ten sie fest, was sie am leben­di­gen Vor­bild Fre­li­chow­ski able­sen konn­ten. Er war ihr Vor­bild, ihn bewun­der­ten diese jun­gen Geist­li­chen. Fre­li­chow­ski wollte hei­lige Pries­ter her­an­bil­den, sie soll­ten die christ­li­che Idee in die Gesell­schaft tra­gen und das Reich Got­tes durch die Medien ver­brei­ten.

Diese Sta­tu­ten waren geprägt von der beson­de­ren Situa­tion der Geist­li­chen im Lager. Wie befürch­tet zer­streute sich die Gruppe nach der Befrei­ung im April 1945. Der Ziel der Gruppe, die Cha­rak­ter­schu­lung der Semi­na­ris­ten und jun­gen Pries­ter im Lager war erfüllt wor­den und prägte die Män­ner ein Leben lang.

Bischof Majd­an­ski, damals ein jun­ger Geist­li­cher in die­ser Gruppe, erzählt: „Eine Gruppe jun­ger Leute schließt  einen „hei­li­gen Bund“, eine geis­tige Gemein­schaft all jener, die dazu gehö­ren wol­len. Der Kern die­ser Gemein­schaft ist eine Gruppe von Jesuiten-Klerikern, beson­ders Kazi­mierz Chudy und Julian Pla­we­cki. Die Seele des Gan­zen ist Pater Win­centy Fre­li­chow­ski, der von Pater Bole­s­law Burian, dem spä­te­ren Spi­ri­tual des pol­ni­schen Pries­ter­se­mi­nars in Paris, unter­stützt wird. Der „hei­lige Bund” hat vor allem zwei Prin­zi­pien: 1. aus Liebe zu Gott jeden Augen­blick und alles, was geschieht und was man sel­ber tut, so inten­siv wie nur mög­lich zu leben, 2. sich jeden Abend um 21 Uhr geis­tig mit der gan­zen Gemein­schaft zum Gebet vor der Got­tes­mut­ter zu ver­ei­nen.“[122]

Abends um 21.00 Uhr ist in Polen ein beson­de­rer Zeit­punkt. Zum  „Appell von Tschen­sto­chau“ tref­fen sich alle Katho­li­ken Polens geis­tig vor dem Gna­den­bild in Tschen­sto­chau zum Gebet bei der Mut­ter der Nation. Um 21.00 Uhr wird in die­sem Wall­fahrts­ort das letzte Gebet der Pil­ger gefei­ert. Daran betei­lig­ten sich auch die Mit­glie­der der Legion Christi im KZ Dachau.

„In die­ser „Maschine des Todes“ waren die Pries­ter zum Opfer des Lebens geru­fen, treu zu sein bis zum Tod. P. Ste­fan Fre­li­chow­ski hat zusam­men mit P. Bole­s­law Burian eine Art von Gemein­schaft gegrün­det, deren Mit­glie­der sich zur Auf­gabe mach­ten, alle Demü­ti­gun­gen und Lei­den im Lager auf eine dem Geist des Evan­ge­li­ums ent­spre­chende Weise zu ertra­gen, und alles jeden Abend um 21 Uhr Maria zu über­ge­ben. …“[123]

Am 05.03.1944 weih­ten sich die Mit­glie­der der Gruppe dem hei­ligs­ten Her­zen Jesu.

Fre­li­chow­ski grün­dete auch ein gehei­mes pol­ni­sches Pries­ter­se­mi­nar auf Block 28. Um die Beru­fung der anwe­sen­den pol­ni­schen Semi­na­ris­ten zu stär­ken, und dafür zu sor­gen, dass die Beru­fung im Lager nicht ver­lo­ren ging, die jun­gen Män­ner soll­ten auch die Jahre in der Lager­haft nicht unge­nützt zu ver­lie­ren. Unter den gefan­ge­nen Pries­tern befan­den sich zahl­rei­che Pro­fes­so­ren aus Pries­ter­se­mi­na­ren, diese unter­rich­te­ten 53 Stu­den­ten Theo­lo­gie und spä­ter gab es auch einen Phi­lo­so­phie­kurs für 17 Stu­den­ten. Zu den Unter­richts­stun­den in die­sem Pries­ter­se­mi­nar tra­fen sich die Teil­neh­mer täg­lich nach dem Abend­ap­pell. Fre­li­chow­ski orga­ni­sierte des­halb im KZ geheime Zusam­men­künfte,[124] Vor­träge, reli­giöse Dis­kus­sio­nen, Got­tes­dienste und gemein­sa­mes Gebet.

Ende 1944 brach im KZ Dachau Fleck­ty­phus aus. Es war kaum Hilfe für die Kran­ken von Sei­ten der Lager­lei­tung zu erwar­ten, sie sperr­ten die Kran­ken in abge­rie­gelte Quarantäne-Baracken, mit Sta­chel­draht umge­ben, um dort völ­lig auf sich allein gestellt und unver­sorgt ster­ben zu las­sen. Nie­mand durfte dort­hin gehen und ihnen hel­fen und nie­mand wollte das, wegen der hohen Anste­ckungs­ge­fahr bestand Lebens­ge­fahr. Anfang 1945 star­ben täg­lich weit über 100 Häft­linge, 3000/ Monat, allein imFe­bruar 1945 star­ben laut Lager­kar­tei 3977 und in März 3668 Häft­linge. Ver­mut­lich ist die wirk­li­che Zahl der Opfer noch höher.„Die kran­ken Men­schen wur­den in Bara­cken­räume hin­ein­ge­wor­fen und waren von der Welt iso­liert. Sie star­ben auf dem nack­ten völ­lig durch­ge­fro­re­nen Beton­fuß­bo­den ohne jede Hilfe. In sol­chen Räu­men herrschte eine wahre Hölle, auch weil die Kran­kenauch unter Darm­ruhr lit­ten, und ihre Not­durft an Ort und Stelle ver­rich­te­ten.“[125]

Wie schon zuvor, ging Fre­li­chow­ski trotz des Ver­bo­tes und der Anste­ckungs­ge­fahr ab Okto­ber 1944 vier Monate lang allein und heim­lich in die Qua­ran­tä­neblocks. Auch der Block 30 war von Geist­li­chen geräumt und mit Typhus­kran­ken belegt wor­den. Diese Män­ner lagen nackt und schmut­zig dort auf den Bret­tern. Es herrsch­ten unvor­stell­bare hygie­ni­sche Ver­hält­nisse. Keine Kran­ken­pfle­ger ver­sorg­ten sie, nicht mal die Lei­chen wur­den her­aus­ge­tra­gen. Fre­li­chow­ski kroch trotz Wachen mit Maschinen-Gewehren über oder unter dem Sta­chel­draht zu den Blocks und klet­terte durchs Fens­ter.[126] Er gab Ster­ben­den, die völ­lig sich selbst über­las­sen waren, Brot, zu trin­ken, wusch Kot ab, hörte die Beichte der Ster­ben­den und reichte ihnen die Eucha­ris­tie. Er ver­teilte Medi­ka­mente. Seine Worte beru­hig­ten die Kran­ken aller Natio­na­li­tä­ten.[127] Ster­bende aller Natio­nen woll­ten beich­ten. Alle Kran­ken woll­ten einen katho­li­schen Pries­ter spre­chen, sogar die evan­ge­li­schen Kame­ra­den. Er gab allen Ster­ben­den die hei­lige Kom­mu­nion, Kame­ra­den aus allen Natio­nen und Kon­fes­sio­nen.[128]

Nie­mand wusste von die­ser gehei­men Tätig­keit als Sama­ri­ter, nur einige der engs­ten Freunde ahn­ten etwas. Wohl wun­der­ten sich die ande­ren Pries­ter, weil er spät in der Nacht erst auf sei­nen Block zurück­kehrte und dann seine Klei­dung nach Läu­sen absuchte, die den Typhus über­tra­gen, um die gesun­den Kame­ra­den und sich selbst vor Anste­ckung zu bewah­ren.

Die Lager­lei­tung hatte sei­nen Dienst in der Zwi­schen­zeit still­schwei­gend akzep­tiert und Fre­li­chow­ski den Auf­trag erteilt die Toten der Qua­ran­tä­neblocks zu zäh­len. So kam er schon halb­of­fi­zi­ell zu den Ster­ben­den und brachte Sta­tis­ti­ken mit.

Die­ses Enga­ge­ment über­stieg schließ­lich seine Kräfte. Des­halb bat er befreun­dete Pries­ter um Mit­hilfe. Er ließ ihnen alle Frei­heit ihre Ent­schei­dung sel­ber zu tref­fen, denn alle wuss­ten, dass die Befrei­ung bei Kriegs­ende nahe war und kei­ner wollte jetzt noch an Typhus ster­ben. Aber der Ein­fluss des geist­li­chen Füh­rers Fre­li­chow­ski war so groß, dass einige der jün­ge­ren Pries­ter sei­nem Bei­spiel folg­ten und in die Typhus­ba­ra­cken gin­gen. P. Zenon Albert Urban­ski OCarm und  Wla­dyslaw Swo­boda aus Poznan, waren unter ihnen.

Ende Januar 1945 begann Fre­li­chow­ski drei pol­ni­sche Pries­ter in die Arbeit auf den Typhus­blocks ein­zeln ein­zu­füh­ren, nach­dem sie sich mit sei­ner Hilfe die Erlaub­nis dazu bei Lager­lei­tung besorgt hatten.Ihre Bitte wurde zunächst abge­lehnt, am nächs­ten Tag erhiel­ten sie jedoch die Geneh­mi­gung für die Besu­che bei den Typhus­kran­ken. Der über­große Gestank von Lei­chen und Kot ver­schlug ihnen den Atem, sie konn­ten sich zuerst nur Über­win­den in einer Ecke zu sit­zen und Beichte zu hören. Wer noch gehen konnte kam zu ihnen. Fre­li­chow­ski kroch in die­ser Zeit auf die Bet­ten zu den Ster­ben­den. „Er legte sich neben einem Ster­ben­den, hielt seine Hand, trös­tete ihn und nahm Beichte ab. Er wid­mete sich ganz den ster­ben­den Mit­häft­lin­gen. Er wusste, dass der Krieg schon bald zu Ende ist, dass er sein Leben ris­kiert, dass er viel­leicht seine Nächs­ten nicht mehr sehen würde. Jedoch das Fle­hen der Lei­den­den um sein Bei­sein in ihrer Ago­nie war für ihn wich­ti­ger.“[129]

Schließ­lich trat die Lager­lei­tung offi­zi­ell an die Pries­ter­ge­mein­schaft heran und bat um Frei­wil­lige zur Pflege der Typhus­kran­ken. In der Kapelle des Pries­ter­blocks 26 rief der Lager­ka­plan Schel­ling zu frei­wil­li­gen Mel­dun­gen auf. Mit Fre­li­chow­ski mel­de­ten sich 32[130] ande­ren Pries­ter frei­wil­lig zur Pflege der Kran­ken, sogar für die Pflege rus­si­scher Gefan­ge­ner, eigent­lich Erz­feinde Polens, waren pol­ni­sche Pries­ter bereit.

Fre­li­chow­ski konnte dies­mal aber sel­ber nicht mehr mit zu den Typhus­kran­ken gehen. Als die Aktion am 14.02.1945 anlief lag er sel­ber, bereits seit 3 Tagen, im Revier. Er hatte alles ihm Mög­li­che getan, um zu hel­fen, jetzt muss­ten andere sein Werk fort­set­zen.

Freunde hat­ten ihn vor der gro­ßen Anste­ckungs­ge­fahr gewarnt, er jedoch hatte sein eige­nes Leben nicht geschont. Am 11.02.1945 brach Fre­li­chow­ski auf sei­nem Wohn­block bewusst­los zusam­men. Freunde tru­gen ihn aufs Revier. Dort, wo er so vie­len gehol­fen hatte, lag er nun sel­ber schwer krank. Die Pfle­ger unter­nah­men alles ihnen nur Mög­li­che, um sein Leben zu ret­ten. Im Fie­ber­wahn ent­wischte er jedoch sei­nen Pfle­gern und lief fie­bernd und nackt auf die kalte Lager­strasse. Wollte er auch jetzt noch ster­ben­den Kame­ra­den hel­fen? Wie­der­ge­fun­den wurde er zurück gebracht und zu sei­ner Sicher­heit ans Bett gefes­selt. Doch die­ser Aus­flug hatte Fol­gen: Wicek bekam eine Lun­gen­ent­zün­dung, zusätz­lich zur Typhuser­kran­kung. Jedes Bemü­hen ihn gesund zu pfle­gen, war nun ver­geb­lich.[131] Bis auf die Kno­chen abge­ma­gert konnte sein Kör­per nicht mehr die nötige Kraft auf­brin­gen um die Lun­gen­ent­zün­dung zu über­ste­hen. Seine letz­ten Lebens­tage waren Momente der Qual. Mehr­mals täg­lich besuch­ten ihn Kame­ra­den, viele von ihnen waren zur glei­chen Zeit auch als Typhus­kran­ken im Revier. Er aber erkannte nie­mand mehr und fühlte sich in Fiber­wahn allein und von allen ver­las­sen. Dazu kamen die gro­ßen Schmer­zen.

„Die Krank­heit des Pries­ters Fre­li­chow­ski war sehr kurz, aber schwer… Er starb in der Nacht vom 22. zum 23. Februar 1945, ein klei­nes Kreuz­chen in den Hän­den hal­tend “[132]Er starb in vol­lem Bewusst­sein und konnte sogar noch aus­spre­chen, dass er sei­nen Tod als Got­tes Wil­len anneh­men konnte. Seine letz­ten Worte im Ster­ben waren: „Jesus, Maria, ret­tet mich.“

Fre­li­chow­ski starb für seine Kame­ra­den völ­lig uner­war­tet, als letz­ter besuchte ihn Sta­nis­law Benka, sein Freund aus der Toten­kam­mer, am Abend des 22. Februar 1945. Er merkte nicht, dass Wicek sich kurz vor sei­nem Able­ben befand. Beru­higt ver­ließ er ihn an die­sem Abend und war des­halb sehr über­rascht, als die Pfle­ger Wiceks Leib am nächs­ten Mor­gen in die Toten­kam­mer brachten.Nur 32 Jahre war Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski alt gewor­den, die 6 letz­ten Jahre, oder 64 Monate, hatte er in Gefan­gen­schaft ver­bracht. Er starb im Kran­ken­re­vier des KZ Dachau auf Block 7, Stube 2. Dort lag er in der unters­ten Etage eines 3-stöckigen Bet­tes, irgendwo dicht beim Fens­ter.

Er opferte sein Pries­ter­le­ben um Frie­den in die Her­zen, der in der in Ein­sam­keit Ster­ben­den zu brin­gen, die sich dank sei­nes auf­op­fe­rungs­vol­len Diens­tes mit Gott ver­söhnt haben. Auch er hatte von der Frei­heit geträumt, aber die Mis­sion sei­nes Lebens war schon erfüllt.

Papst Johan­nes Paul II wür­digte ihn mit den Wor­ten: „Er teilte die­sen Frie­den mit ande­ren, denn seine Seele schöpfte die Kraft aus dem Frie­den Christi.“[133]

In die­sen letz­ten Tagen des Krie­ges herrschte Chaos im KZ Dachau. Nie­mand wusste mehr ob seine Freunde noch leb­ten, wer krank war und wer noch gesund. Die Kräfte reich­ten oft nur noch für die Sorge um das eigene Leben und für den ein­zel­nen Tag. Trotz­dem erschüt­terte der Tod Fre­li­chow­skis viele Kame­ra­den. So geschah etwas noch nie Dage­we­se­nes:

Sein Freund, der Medi­zin­stu­dent Sta­nis­law Benka, hatte von Fre­li­chow­ski viel Hilfe emp­fan­gen. (Als Benka krank im Revier lag, hatte Fre­li­chow­ski ihn seel­sorg­lich beglei­tet. Da Benka in der Toten­kam­mer arbei­tete, konnte er Fre­li­chow­ski und die Jugend­li­chen zu den gehei­men Tref­fen dort die Türe öff­nen). Durch Ver­mitt­lung der deut­schen Geist­li­chen gelang es ihm von der Lager­lei­tung die Erlaub­nis für die Auf­bah­rung des Ver­stor­be­nen zu erhal­ten.

Dies war ein beson­de­res Ereig­nis im KZ Dachau. Einen Tag lang wurde der Leich­nam von Sta­nis­law Benka vor­be­rei­tet. Abends, nach dem Appell, kamen dann ca. 100 Kame­ra­den in den klei­nen Raum, um sich zu bedan­ken und zu ver­ab­schie­den. Der Leich­nam Fre­li­chow­skis lag in einem offe­nen Sarg in einem Meer von wei­ßen Blu­men gebet­tet. Obwohl es im Februar viel zu kalt für Blu­men war, hat­ten die Kame­ra­den sie Blüte für Blüte unter gro­ßer Gefahr heim­lich aus den Gewächs­häu­sern­der Plan­tage ins Lager geschmug­gelt. Blu­men lagen dabei. Dies war eine Mani­fes­ta­tion des Glau­bens und ein Zei­chen der Liebe und Ver­eh­rung für den Ver­stor­be­nen.

Ein Augen­zeuge erin­nert sich: „Schwei­gend und… im Gebet bewegte sich der Zug der Gefan­ge­nen in der Lei­chen­halle. Junge wie Alte, Polen wie Aus­län­der zogen am Leich­nam vor­bei. Alle kann­ten ihn. In die­sem Augen­blick wur­den viele innige Gebete für ihn an den Schöp­fer gerich­tet, unzäh­lige Trä­nen roll­ten über die Gesich­ter. Ein gelieb­ter und hei­lig­mä­ßi­ger Pries­ter war von ihnen gegan­gen. Es war ein Mensch gestor­ben, der sein Leben auf dem Altar der Liebe und Barm­her­zig­keit dem Nächs­ten gegen­über geop­fert hatte.” [134]

Alle wuss­ten: hier ist ein Hei­li­ger gestor­ben. Des­halb wurde alles nur Mög­li­che getan um Reli­quien und Spu­ren zu sichern. Der Medi­zin­stu­dent Sta­nis­law Bienka, (die­ser lebte bei Wiceks Selig­spre­chung noch und brachte beim Got­tes­dienst ein Reli­quiar zum Papst [135]) , fand zufäl­lig Kalk in der Kran­ken­ba­ra­cke und nahm dem Toten eine Toten­maske ab. Bienka trennte auch heim­lich zwei Fin­ger der rech­ten Hand ab, um Reli­quien zu sichern. Einen der Fin­ger ver­steckte er im Gips der Toten­maske, der andere  wurde mit einer Kalk­schicht bedeckt, so dass er aus­sah „wie ein Stück Kreide“[136]. So ist Fre­li­chow­sky der ein­zige im KZ Dachau ermor­dete Selige, von dem es Reli­quien gibt.

Vor der Bestat­tung fer­tigte ein Mit­häft­ling, (der Semi­na­rist, Wla­dyslaw Sar­nik aus Wlo­cla­wek, er hatte malen gelernt),eine Zeich­nung des Gesich­tes des Ver­stor­be­nen und eine Zeich­nung der Toten­maske. Dazu muss man wis­sen, dass die Gesich­ter der Typhus­to­ten alle ver­zerrt waren.[137]

Am Abend des Ster­be­ta­ges bete­ten Pries­ter für ihn und ent­schlos­sen sich ihre Erin­ne­run­gen auf­zu­schrei­ben. Dazu gin­gen sie nachts auf die dunkle Toi­lette, dem ein­zi­gen ruhi­gen Ort. Die Samm­lung war mit Zeich­nun­gen und ein­ge­kleb­ten Bil­dern ergänzt, in rotes Leder gebun­den. Sie wurde zusam­men mit der Toten­maske auf der Plan­tage ver­gra­ben und spä­ter nur mit Mühe wie­der­ge­fun­den. Diese Gegen­stände brachte der über­le­bende Mit­ge­fan­gene und spä­tere Bischof Bern­hard Czap­lin­ski nach dem Krieg nach Polen und über­gab sie der Mut­ter.[138]

Heute wer­den die Reli­quie in der Mari­en­kir­che in Torun auf­be­wahrt.[139]

Der in der Toten­maske ein­ge­gipste Fin­ger befin­det sich noch dort. Vom zwei­ten Fin­ger, der in einem Kalk­stück ver­bor­gen war, wur­den einige kleine Teile abge­schnit­ten und in Reli­qui­a­ren ver­brei­tet. Ca. 13 sol­cher Reli­quiare exis­tie­ren und kön­nen heute die Ver­eh­rung des Seli­gen bezeu­gen. Auch ein Denk­mal wür­digt den Seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski. Im Gar­ten des Pries­ter­se­mi­nars in Torun ist es auf­ge­stellt. Die Figur Wiceks trägt einen Ster­ben­den, der Chris­tus sym­bo­li­siert. Eine kleine Kopie die­ses Denk­mals befin­det sich in dem Gedenkraum der Gedenk­stätte des KZ Dachau.

Die sterb­li­chen Über­reste Fre­li­chow­skis wur­den nach der Über­zeu­gung sei­ner noch leben­den Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen im Kre­ma­to­rium des KZ Dachau ver­brannt. Dies soll heim­lich orga­ni­siert wor­den sein um eine wür­de­volle Bestat­tung sicher zu stel­len. In die­sem Fall wäre das Grab des Seli­gen auf dem Gebiet des Kre­ma­to­ri­ums in der Gedenk­stätte des KZ Dachau.

Es beste­hen jedoch Zwei­fel an die­ser Ein­schät­zung. Nach ande­ren Aus­sa­gen war das Kre­ma­to­rium Ende Februar 1945 aus Brenn­stoff­man­gel nicht mehr in Betrieb. In die­sem Fall wäre keine Feu­er­be­stat­tung mög­lich gewe­sen und Fre­li­chow­ski wäre in einem Mas­sen­grab auf dem Fried­hof auf dem Lei­ten­berg in Dachau, Etzen­hau­sen bestat­tet wor­den.

Wo fin­den wir Fre­li­chow­skis Spu­ren im KZ Dachau? In der ers­ten Zeit wohnte Fre­li­chow­ski in Bara­cke Nr. 28[140], Stube 4. Als am 31.10.1941 ein Trans­port älte­rer pol­ni­scher Geist­li­cher im Lager ankam, wur­den diese in seine Stube in Block 28 ein­quar­tiert und Fre­li­chow­ski auf Block 30, Stube 4 ver­legt. Spä­ter besuchte er täg­lich seine alte Stube im Block 28 um den alten Pries­tern zu hel­fen. Sie waren zu schwach und konn­ten jede Hilfe brau­chen, z.B. beim „Bet­ten­bau“. Alle diese älte­ren Pries­ter wur­den  schließ­lich als arbeits­un­fä­hig aus­sor­tiert, auf einem Inva­li­den­trans­port ermor­det.

In Block 30 wurde Fre­li­chow­ski der geist­li­che Vater der 1. Stube, wohin er nach kur­zer Zeit aus der 4. Stube ver­legt wor­den war. Nach sei­ner Kran­ken­zeit im Revier März bis Juli 1942 wurde er ab Herbst 1942 in Block 28, Stube 1 ver­legt und auch dort zum geist­li­chen Vater der Pries­ter­ka­me­ra­den. Hier im Block 28, Stube 1 grün­dete er die Cari­tas­or­ga­ni­sa­tion unter den pol­ni­schen Geist­li­chen und die Legion Christi (s.o.). Hier brach er schließ­lich im Februar 1945 bewusst­los zusam­men und wurde schwer­krank ins Revier gebracht. Block 7, Stube 2 war seine letzte Adresse, dort starb er.

Über­all auf dem Gelände war er unter­wegs um sei­nen Kame­ra­den zu begeg­nen und zu hel­fen. Beson­ders oft war er auch in den pol­ni­schen Wohn­blocks 16 und 18, wo er heim­lich Hl. Mes­sen fei­erte und Freunde besuchte. In den ers­ten unge­ra­den Blocks des Reviers und in den letz­ten Mona­ten auch in den Qua­ran­tä­neblocks 21, 23, 25, 27, 29 und 30, half er kran­ken Kame­ra­den und diente Ihnen als Seel­sor­ger.

Einige Schü­ler aus dem Bund „Legion Christi“ über­leb­ten das KZ Dachau und führ­ten Fre­li­chow­skis Ideale wei­ter, sie wur­den beseelt von sei­nen Visio­nen des Pries­ter­tums, beson­ders gute Pries­ter. Drei katho­li­sche Bischöfe: Majd­an­ski, Jez und Czap­lin­ski, ent­stam­men sei­nem Schü­ler­kreis. Als Czap­lin­ski 1948 zum Bischof geweiht wurde, sagte er, an sei­ner Stelle sollte jetzt eigent­lich Fre­li­chow­ski ste­hen. Ein ande­rer enger Schü­ler war Pater Marian Zelazek, damals Semi­na­rist der Stey­ler Mis­sio­nare. Er ging nach dem Krieg nach Indien und ver­wirk­lichte Fre­li­chow­skis Ideale in sei­ner Arbeit mit Aus­sät­zi­gen. Für sie grün­dete er Schu­len und Werk­stät­ten. Sogar für den Frie­dens­no­bel­preis wurde P. Marian Zelazek nomi­niert. Obwohl erst 2006 ver­stor­ben, wurde schon ein Selig­spre­chungs­pro­zess in Indien für P. Marian Zelazek ein­ge­lei­tet.

Fre­li­chow­skis Selig­spre­chungs­pro­zess wurde 1964 ein­ge­lei­tet, seine Ver­eh­rung ver­brei­tete sich in Polen. Jähr­lich fan­den Got­tes­dienste mit Gebet um seine Selig­spre­chung statt. Sogar Stra­ßen wur­den nach ihm benannt.[141]

Im Februar 1995 konnte sein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren auf diö­ze­sa­ner Ebene abge­schlos­sen wer­den. Noch wäh­rend des Ver­fah­rens wurde auf seine Für­spra­che Joanna Grod­zi­cka durch ein Wun­der geheilt. Sie trat in den Kar­mel ein.

Die Selig­spre­chung wurde am 07.06.1999 in Torun von Papst Johan­nes Paul II gefei­ert, einige Tage vor der Selig­spre­chung der 108 pol­ni­schen Mär­ty­rer, Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Fre­li­chow­skis Schwes­ter Mar­c­j­anna Jacz­kow­ska durfte, als letzte Über­le­bende der Fami­lie, dem Papst den Reli­qui­en­schrein ihres Bru­ders über­rei­chen. Papst Johan­nes Paul nannte ihn „Zeuge einer gro­ßen Sache“.[142]

Wei­ter for­derte der Papst die Kir­che von Torun auf, sein Geden­ken zu wah­ren, um an die gro­ßen Werke Got­tes zu erin­nern, die Gott im kur­zen Leben die­ses Pries­ters voll­zo­gen hat.[143]

Aus der Pre­digt von Papst Johan­nes Paul II: „Die­ser Tor­u­ner Pries­ter, der den seel­sor­ge­ri­schen Dienst nur knapp 8 Jahre lang getan hat, gab ein gut les­ba­res Zeug­nis sei­ner Hin­gabe an Gott und Men­schen. Mit Gott im Her­zen, ging er seit den ers­ten Jah­ren sei­nes Pries­ter­le­bens, mit dem Reich­tum sei­nes Pries­ter­charis­mas, über­all dort hin, wo die Gnade der Erlö­sung benö­tigt wurde. Er lernte die Geheim­nisse der mensch­li­chen Seele ken­nen und passte seel­sor­ge­ri­sche Metho­den an Bedürf­nisse eines jeden Men­schen an, dem er begeg­nete. Diese Fer­tig­keit erlernte er wäh­rend des Pfad­fin­der­diens­tes – Schule der Sen­si­bi­li­sie­rung auf Bedürf­nisse der Ande­ren und ent­wi­ckelte sie stän­dig im Sinne des Gleich­nis­ses vom guten Hir­ten…. 

Das soge­nannte Fort VII, Stutt­hof, Grenz­dorf, Oranienburg-Sachsenhausen und schließ­lich Dachau – das sind die Sta­tio­nen sei­nes Kreuz­we­ges, auf denen er unver­än­dert blieb: uner­schro­cken bei der Erfül­lung sei­nes seel­sor­ge­ri­schen Diens­tes. Er ging vor allem zu Men­schen, die ihn am meis­ten brauch­ten – zu den mas­sen­weise an Typhus ster­ben­den, des­sen Opfer er selbst schließ­lich wurde. Er hat sein Pries­ter­le­ben Gott und den Men­schen gewid­met, indem er den Kriegs­op­fern Frie­den ver­kün­dete. …  Wir neh­men mit gro­ßer Dank­bar­keit das Lebens­zei­chen des seli­gen Pries­ters Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski an, eines Hel­den unse­rer Zeit, Pries­ter und Frie­dens­men­schen, als einen Appell an unsere Gene­ra­tion.“[144]

Zum Schluss sei­ner Homi­lie sagte der Hei­lige Vater: „Ich wende mich an die gesamte Fami­lie der pol­ni­schen Pfad­fin­der mit der der neue Selige zutiefst ver­bun­den war. Er soll für Euch zum Patron wer­den, ein Leh­rer des Edel­mu­tes, Für­spre­cher des Frie­dens und der Ver­söh­nung.“[145]

 

Seit dem ver­brei­tet sich seine Ver­eh­rung auf wei­tere Teile der Welt. In die­sen Tagen (April 2014)  pil­gern seine Reli­quien um die Welt: Eng­land, Frank­reich, USA, Kanada, Aus­tra­lien. In Afrika (Sam­bia) war schon früh eine Fre­li­chow­ski­ka­pelle  geweiht wor­den, diese wird jetzt durch eine grö­ßere Fre­li­chow­ski­kir­che ersetzt.

Am 23.03.2008 konn­ten ent­spre­chend die­ser Auf­for­de­rung des Paps­tes, deut­sche und pol­ni­sche Pfad­fin­der eine gemein­same Gedenk­feier bege­hen.[146]

Anläss­lich des 100. Geburts­ta­ges des Seli­gen fand am 06.-12.08.2013 in Toruń ein inter­na­tio­na­les Pfad­fin­der­tref­fen mit dem Titel “Wicek 2013″ statt.[147]

Auch zum 100. Geburts­tag des Patrons der Pfad­fin­der fand am 14.-15.12.2013 in Dachau und Mün­chen eine Wall­fahrt pol­ni­scher Pfad­fin­der statt.[148] (auch wir berich­te­ten dar­über)

 Zitate aus Brie­fen aus dem KZ Dachau in deut­scher Spra­che!:

 Brief vom 28.11.1943:  „Teure Eltern es ist gerade der erste Advents­sonn­tag… Die tiefe Hoff­nung auf Frie­den durch­schwebt (sic) alle Her­zen. Ich kann nicht mehr schrei­ben, aber ich bin davon über­zeugt. Jedes Opfer hat sei­nen Sinn. Die­sen Sinn kennt Gott am bes­ten. Es sind Zei­ten, in denen die Schick­sale ein­zel­ner Men­schen dem Schick­sal gan­zer Völ­ker und grö­ße­rer Ideen unter­ge­ord­net wer­den müs­sen. Und trotz­dem hat auch das Schick­sal jedes ein­zel­nen Men­schen Wert und Sinn. Aber nur in Got­tes Hän­den. Er ist unser und aller Vater. Und er ist die Liebe. … Und die Liebe möchte als Abbild des Vaters in allen Her­zen sein. Denn trotz allen Krie­gen, Ver­wirr­nis­sen, Lei­den und Bösen, nur die Liebe wird sie­gen. Und alles ver­geht, nur die Liebe bleibt. Sie ist das kost­barste, was alle Men­schen unter sich bin­den kann.… Was nutzt es Hass oder Gleich­gül­tig­keit für Men­schen zu emp­fin­den? Wer liebt, der hat auch Ver­trauen, in Men­schen und in Gott. Weih­nach­ten ist das Fest der Fami­li­en­liebe und der Liebe, die Gott den Men­schen als Sich selbst schenkt. (sic)

 22.01.1944 (an sei­nem 31. Geburts­tag) :  „Teure Eltern es sind jetzt wirk­lich schwere Schick­sals­stun­den. Aber die Lage ist kei­nes­wegs hoff­nungs­los. Wir kön­nen nur durch Opfer des täg­li­chen Lebens und Gebete hel­fen, damit die Sonne leuch­ten möge. Aber leuch­ten wird sie dann bestimmt. Glaube und Kraft ist und wird in uns sein… Der Krieg nähert sich sei­nem Ende, das ja. Aber wel­che schwe­ren Stun­den kön­nen noch sein! Ver­trauen auf Gott und in seine Gnade möge Euch und allen Kraft geben! Auf Wie­der­se­hen meine innig gelieb­ten Eltern und Geschwis­ter und Ihr alle. Ste­fan“

 22.10.1944:  „Man muss wirk­lich Mut haben um rich­tig zu leben in sol­chen Zei­ten. Und es freut mich, dass Du sol­chen Mut hast und ich bin über­zeugt, dass Du es wei­ter fin­den wirst. Keine Bigot­te­rie, aber ein­fa­che Zuver­sicht in Got­tes Vor­se­hung. Die Quel­len des ewi­gen Lebens kennst Du doch. Mehr brau­che ich nicht zu schrei­ben. Wenn Du es wirk­lich tust, genügt es auch für die noch schwe­re­ren und unsi­che­re­ren Zei­ten, wel­che vor uns allen ste­hen und wel­che wir erwar­ten müs­sen durch alle, in allen Krei­sen. Also liebe Stasia hab nur Mut, des­senQuelle kennst Du. Und immer, aber auch immer denen zu hel­fen, die es noch schlim­mer haben, denen aus Dei­ner nächs­ten Umge­bung. Nur hel­fen wol­len, nur trös­ten wol­len, und um sich wach zu schauen und die Gele­gen­heit zur guten Tat steht schon vor uns. Jeder hat in sich selbst ein grö­ße­ren Schatz, als nur im Essen und Trin­ken oder sich zu Beklei­den, um das Ziel des Stre­bens der Tages­mühe zu sehen. Des­we­gen wün­sche ich Dir, dass Deine Tage wert­volle seien, dass sie Dir und den ande­ren das gütige und dank­bare Lachen brin­gen mögen. Und so wie das Has­sen, das Grol­len, das Brum­men die­je­nige, die auf sie sto­ßen, zu Trä­gern und Anste­cker der glei­chen Krank­heit  machen, so aber auch das Gute, das sich Gebende, das brü­der­lich und mit­lei­dig Lie­bende.Nur das kann die Tage auch jedes beschei­de­nen Men­schen erhel­len und mit Sonne erfül­len. Nicht nur das Emp­fan­gen, son­dern  noch mehr das Geben. Und nur das gibt einem, der nach dem Ver­lust eines innig gelieb­ten Men­schen wie zer­stört ist – Leben wie­der immer auf Neue, sei­nen Inhalt, sei­nen Wert und end­lich sein Glück. … Dann braucht Ihr nicht täg­lich die Gele­gen­heit zur beglü­cken­den guten Tat suchen. Dann, nach einem ent­schei­den­den Beschluss ob Du schon willst oder nicht, ruft jeder Tag zur Erfül­lung sei­nen, Dich beglü­cken­den Pflich­ten.

…Mit Grü­ßen von gan­zem Her­zen für Dich, für die lie­ben Eltern, … sende ich Dir diese paar brü­der­li­chen Worte zum bal­digs­ten Wie­der­se­hen. Euer Ste­fan 

 

Gebet:   All­mäch­ti­ger und barm­her­zi­ger Gott, Du gibst uns Hir­ten nach Dei­nem Her­zen, indem Du sie zur selbst­lo­sen Liebe nach dem Vor­bild Jesu Christi, des Guten Hir­ten befä­higst.

Von die­ser Liebe erfüllt, starb der Pries­ter Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski, der an Christi Lei­den Anteil hatte,den Mär­ty­rer­tod im Dienst an den Mit­men­schen, die das Über­maß an Leid, Schmerz und Ver­las­sen­heit erlit­ten hat­ten.

Im fins­te­ren Tal fürch­tete er das Böse nicht, son­dern besiegte das Böse mit dem Guten.

Gewähre mir, Herr, auf Für­spra­che des seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski die Gnade …, um die ich bitte.

Bewirke in Dei­ner Güte, dass der heroi­sche Zeuge der Hir­ten­liebe bald zur

Ehre der Hei­li­gen erho­ben werde, der Du lebst und herrschst in Ewig­keit. Amen.

 

Über jedes erhörte Gebet auf die Für­spra­che des sel. Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski

infor­mie­ren Sie bitte: Thor­neer Diö­ze­san­ku­rie, Ul. Łazi­enna 18,

PL.- 87-100 Torun, Tel. 0-56/6223530; Fax: 0-56/ 6210902.


[1 Zadura, Robert Zadura, Der selige Pries­ter Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­sky, Torun 2009,  S. 28

 [2] Bericht der jün­ge­ren Schwes­ter Fle­li­chow­skis, Mar­c­j­anna, www.brewiarz.pl

 [3] Zadura, S. 26

 [4] Zadura, S. 19f

[5] Zadura, S. 27

 [6] Zadura,  S. 36

 [7] Holz­ap­fel Hel­mut, Pfad­fin­der zu Gott, Bau­nach 1988, S. 12

 [8] Zadura, S. 12

 [9] Holz­ap­fer, S. 14

 [10] Schwes­ter s.o.

 [11] Zadura, S. 45

 [12] Zadura, S. 43

 [13] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [14] Zadura, S. 12

 [15] Zadura, S. 12

 [16] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [17] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [18] Holzapfe,l S. 16

 [19] Holz­ap­fel, S. 19f

 [20] Zadura, S. 12

 [21] Andere Über­set­zung nach pl.wikiquote.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowsky; beide zusam­men in die­sem Zitat ver­ar­bei­tet

 [22] Holz­ap­fel, S. 17

 [23]Holz­ap­fel, S. 17

[24] Zadura, S. 31

 [25] Holz­ap­fel, S. 21

 [26] Holz­ap­fel, S. 21

 [27] P. Joseph Augus­tine SJ, Kon­fe­renz Natio­nal­kon­gress der Beru­fun­gen, Jasna Gora, Mai 2000

[28] Holz­ap­fel, S. 21

 [29] Zadura, S. 50

 [30] Schwes­ter s.o.

 [31] Zadura, S. 13

[32] Zadura, S. 51

[33] Zadura, S. 65

 [34]P. Augus­tin, a.a.O.

 [35] http://de.zhr.pl/index.php?id=4

 [36] www.pfadfinder-treffpunkt.de

[37] http://de.zhr.pl/index.php?id=4

 [38] Zadura, S. 63

 [39] Holz­ap­fel, S. 23

 [40] http://pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [41] Zadura, S.13

 [42] Zadura, S. 62

[43] Holz­ap­fel, S. 23

 [44]Holz­ap­fel, S. 23

 [45] Pl.wikiquote.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowsky

 [46] Zadura, S. 13

[47] Zadura, S. 12

 [48] P. Augus­tine, a.a.O.

 [49] P. Augus­tine, a.a.O.

[50]  P. Augus­tine, a.a.O.

[51] Zadura, S. 13

[52] Zadura, S. 67

 [53] Zadura, S. 14

[54] Zadura, S. 13

 [55] Zadura, S. 13

 [56] Zadura, S. 13

 [57] Zadura, S. 13

 [58] Zadura, S. 80

 [59] www.igw-resch-verlag.at

 [60] www.igw-resch-verlag.at

 [61] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [62] Zadura, S. 87

 [63]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[64]Zadura, S. 89

[65] Poln. Inter­net­seite: sciaga.pl

 [66] Zadura, S. 89

 [67] Holzapfe,l S. 25

 [68] Zadura, S. 92

 [69] Wiki­pe­dia

 [70] P. Augus­tine, a.a.O

[71] hwww.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [72] Zadura, S. 13f

[73] Inter­net: www.wnmptorun.diecezja.toun.pl

 [74] www.niedziela.pl

 [75] Zadura, S. 91

 [76] Inter­view mit sei­ner Schwes­ter s.o.

 [77] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [78]Wiki­pe­dia

[79]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [80]Inter­view mit der Schwes­ter www.kath.net/detail.php?id=7576

 [81] Zadura, S. 97

 [82] Zadura S. 102

[83] Resch, www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [84] Zadura . S. 103

 [85]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[86] Zadura, S. 106

 [87] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [88] Zadura, S. 107f

[89] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [90] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [91] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[92] Zadura

 [93] Zadura, S. 111

 [94]Zadura, S. 114

 [95] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [96] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [97]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [98] Zadura, S. 33

 [99] Schwes­ter

[100] http://theblackcordelias.wordpress.com/2009/02/23/blessed-wincenty-stefan-frelichowski-february-23/

[101] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [102] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [103] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [104]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[105]Zadura, S. 13

[106] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [107]www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [108] Zadura, S. 114

 [109] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [110] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [111] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [112] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [113] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [114] Zadura,  S. 121

[115] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[116] Zadura, S. 119

[117]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[118]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [119] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [120] Zadura, S. 14

 [121] Zadura, S. 122

 [122] Majd­an­ski, Kazi­mierz, Ihr wer­det meine Zeu­gen sein… Meine Zeit im KZS. 113

[123] Majd­an­ski, a.a.O.

[124] Zadura, S. 14

 [125] Zadura, S.125

 [126] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

[127] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[129] Zadura S. 126

 [131] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [132] Zadura, S. 126

 [133] Zadura, S.14

 [134] http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [135] Zadura. S 139

 [136] www.sciaga.pl

 [137] Rost, Nico, Goe­the in Dachau,  S. 257

 [138]Zadura,.S. 130

 [139] Zadura, S. 143

 [140] Zadura,  S. 117,  www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [141] Zadura s 12

 [142] Zadura

 [143] Zadura, S. 12

 [144] Zadura, S. 14

 [145] Zadura, S. 13

 [146] Scout-o-wiki.de

 [147] http://pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [148] Monachium.msz.gov.pl

 

 


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