Info zur Seligsprechung P. Girotti

21.04.2014

Zur Vor­be­rei­tung der Selig­spre­chung von P. Giu­seppe Girotti am 26.04.2014 in sei­ner Geburt­stadt Alba, Ita­lien

und zum gleich­zei­ti­gen Got­tes­dienst an sei­nem Grab in Dachau, Regina Pacis, Lei­ten­berg,

hier neue Infor­ma­tio­nen.

unsere Seite über P. Giu­seppe Girotti

Arti­kel über P. Giu­seppe Girotti bei Zenit

Dokumentations-Film „il trian­golo rosso“, in ita­lie­ni­scher Spra­che u.a. mit Inter­views von Zeit­zeu­gen

 

Infor­ma­tio­nen zum Got­tes­dienst am 26.04.2014, 16.00 Uhr, Dachau, Lei­ten­berg

Ein­la­dung an alle Inter­es­sier­ten die­sen Tag der Gnade am Grab des neuen Seli­gen mit­zu­fei­ern.

Biographie über den seligen Frelichowski


Stefan Fincenty Frelichowski

Erst­mals in deut­scher Spra­che: aus­führ­li­che Bio­gra­phie über den seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski
09.04.2014

Es steht Ihnen jetzt auf unse­rer Seite eine aus­führ­li­che Bio­gra­phie über den seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski zu Ver­fü­gung.
Bis­her wurde über sein beein­dru­cken­des Leben wenig in deut­scher Spra­che ver­öf­fent­licht.
Wir laden ein die­sen enga­gier­ten jun­gen Kaplan aus Polen näher ken­nen zu ler­nen.
Er starb kurz vor Kriegs­ende  im KZ Dachau an einer Typhus­in­fek­tion, die er sich bei der heim­li­chen Pflege und seel­sorg­li­chen Betreu­ung kran­ker Kame­ra­den zuge­zo­gen hatte.
(vgl auch http://www.selige-kzdachau.de/portfolio/stefan-wincenty-frelichowski)

aus­führ­li­che Bio­gra­phie

Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski wurde am 22.01.1913 in Chelmza (auf Deutsch Kulm­see), klei­nem Städt­chen in der Nähe von Torun, im Nor­den Polens gebo­ren.

Kind­heit und Jugend

Er kam in eine kin­der­rei­che, christ­lich geprägte Fami­lie mit ins­ge­samt 6 Kin­dern, es gab 2 ältere Brü­der, 3 jün­gere Schwes­tern. Getauft wurde er am 29.01.1913 in der Pfarr­kir­che, auf den Namen Ste­fan Win­centy, jedoch sein Ruf- und Spitz­name in der Fami­lie und bei Freun­den war Wicek. In der Fami­lie herrschte Froh­sinn und  gegen­sei­ti­ges Wohl­wol­len, christ­li­che Werte wur­den hoch gehal­ten. „Die Fre­li­chow­skis haben ihren Kin­dern sehr viel mit auf den Lebens­weg gege­ben, sie brach­ten ihnen unei­gen­nüt­zige Liebe und Opfer­be­reit­schaft sowie Ach­tung für die Arbeit bei. Sie ver­stan­den es, ihren Kin­dern die Werte zu über­tra­gen, denen sie selbst treu geblie­ben sind.“[1]

„Wun­der­bare Eltern“[2], hat­ten sie, das berich­tete die Schwes­ter spä­ter. Vater Lud­wik (1883-1957) war Bäcker­meis­ter und Kon­di­tor mit eige­nem Geschäft. Er hatte immer ein offe­nes Ohr und war hilfs­be­reit. Die Mut­ter Marta (1886-1965), geb. Ols­zew­ska, war eine beschei­dene und gast­freund­li­che Frau. Sie arbei­tete neben der Erzie­hung der Kin­der im Bäcker­la­den und half bei der Arbeit des Vaters.[3] Sie hatte wenig Schul­bil­dung, aber viel Weis­heit, so hielt sie das ganze Haus in Ord­nung. 

Viel Zeit ver­brachte die Fami­lie auch bei den Groß­el­tern in ihrem Haus mit Gar­ten am See. Es gab fröh­li­che Fami­li­en­tref­fen und Feste im Leben die­ser Groß­fa­mi­lie. Wicek liebte seine Groß­mut­ter beson­ders[4]. Abends saß man zusam­men bei Musik und Gesang, aber auch Gebet.

Vor dem Herz-Jesu-Bild der Fami­lie brannte immer eine kleine Öllampe.[5] Im Okto­ber wurde zusam­men Rosen­kranz gebe­tet. Auch die Lehr­linge des Vaters bete­ten mit. In der gro­ßen Fami­lie waren sich alle sehr nahe.

Der kleine Wicek war ein sehr leb­haf­tes Kind, viel unru­hi­ger als seine bei­den älte­ren Brü­der. Jede freie Minute nutzte er zum Spie­len. Er war ein neu­gie­ri­ges Kind.

Chelmza liegt an einem See, die Fami­lie besaß dort 3 Ruder­boote, selbst­ver­ständ­lich war Wicek wie seine Brü­der Mit­glie­der im ört­li­chen Ruder­ver­ein. Im Win­ter  „… ver­brachte er wohl viel Zeit auf dem zuge­fro­re­nen See in Chelmza. Er war näm­lich ein sehr leben­di­ger und akti­ver Knabe. Er war es eben, der seine älte­ren Geschwis­ter zu ver­schie­de­nen Kin­der­strei­chen und – spie­len ani­mierte. Er kam oft ver­schmutzt, mit zer­ris­se­nen Hosen und wun­den Knien nach Hause.“[6] Seine Mut­ter erzählte, dass sie die größ­ten Erzie­hungs­pro­bleme mit ihm hatte. Seine Schwes­tern erin­ner­ten sich spä­ter „ wie er, noch nicht sechs Jahre alt, auf dem brei­ten Fens­ter­sims im ers­ten Stock her­um­ge­turnt ist und die Eltern alle Ängste aus­stan­den“[7], dass er stür­zen könnte. Wicek viel herab und wurde bewusst­loss. Der geru­fene Arzt stellte erstaunt fest, dass ihm nichts pas­siert war, außer einer leich­ten Wunde am Kopf. Die mit dem Arzt gekom­mene Kran­ken­schwes­ter behan­delte die Wunde und sagte zu ihm: „Du, Rotz­nase, immer hast Du Glück!“(Nach Erin­ne­run­gen sei­ner Schwes­ter Mar­c­j­anna). 

Schon mit 9 Jah­ren[8] wurde Wicek Minis­trant, fast täg­lich diente er treu und eif­rig am Altar[9]. Die Mut­ter erzählte, er fehlte nie bei der hl. Messe.

In den Jah­ren 1919 bis 1923 besuchte der kleine Fre­li­chow­ski die Grund­schule in Chelmza. In diese Zeit fällt auch seine Erst­kom­mu­nion 1922. Wicek war ein pflicht­be­wuss­tes Kind, er betete gerne, auch den Rosen­kranz, gerne auch in der stil­len Kir­che. Ein­mal ist er dabei ein­ge­schla­fen, wurde ver­se­hent­lich ein­ge­sperrt. Erst nach lan­gem Klop­fen wurde er gefun­den und befreit.[10]

Danach besuchte er 1923 bis zum Abitur 1931 das huma­nis­ti­sche Kna­ben­gym­na­sium in Chelmza.

Diese Schul­zeit prägte ihn fürs Leben, denn in die­ser Schule arbei­te­ten meh­rere Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen, dar­un­ter die Maria­ni­sche Kon­gre­ga­tion, in die er am 26.05.1927 auf­ge­nom­men wurde. Er war sehr aktiv, wurde schließ­lich Vor­sit­zen­der der Soda­len in sei­ner Schule gewählt. Er konnte der Gruppe ein Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl geben[11]. In sei­nem Tage­buch erfah­ren wir auch, warum er sich ent­schlos­sen hatte der Maria­ni­schen Kon­gre­ga­tion bei­zu­tre­ten. Er hatte beschlos­sen sich zu ändern und seine Schwä­chen zu bekämp­fen.[12] Welch reife Ent­schei­dung für einen 14-Jährigen.

Auch dem päpst­li­chen Mis­si­ons­werk vom Kinde Jesu trat er im Alter von 12 Jah­ren bei, die Liebe zur Mis­sion wuchs von da an in ihm und prägte sein wei­te­res Leben.

Am 21.03.1927 wurde er im Alter von 14 Jah­ren Pfad­fin­der[13], sein Pfad­fin­der­ver­spre­chen als Mit­glied des 2. Pom­meri­schen Pfad­fin­der­stam­mes legte er am 26.06.1927 ab. Das sollte sein Leben ver­än­dern. Unter die­sem Ein­fluss  begann er hart an sich und sei­nem Cha­rak­ter zu arbei­ten und ver­än­derte sich stark. Er lernte dort für andere da zu sein, ihnen zu die­nen.[14] Pfad­fin­der­tum und Reli­gion waren die bei­den Säu­len sei­ner Jugend. Ent­spre­chend den Idea­len der Pfad­fin­der stellte Wicek hohe Ansprü­che an sich selbst: er wollte gegen­über Gott und dem Vater­land seine Pflich­ten erfül­len, pflicht­be­wusst und recht­schaf­fen leben.   Ent­spre­chend einem geschul­ten Gewis­sen wollte er unei­gen­nüt­zig ande­ren die­nen.[15] Im Tage­buch erken­nen wir seine Sorge und Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl für andere Jugend­li­che, ver­ant­wor­tungs­be­wusst und gerecht, so wollte er sein.

Pfad­fin­der­ka­me­ra­den kamen auch oft zu sei­ner Fami­lie nach Hause. 

Schnell erklomm er die Stu­fen der Pfad­fin­der. Fre­li­chow­ski ließ sich gerne zum Enga­ge­ment begeis­tern und über­nahm auch Lei­tungs­funk­tio­nen. Er lei­tete ver­ant­wort­lich Grup­pen­tref­fen mit Musik und hielt dort selbst Vor­träge, erzählte Sagen und lei­tete den Gesang bei den Pfad­fin­der­aben­den. Sogar noch im Pries­ter­se­mi­nar endete sein Enga­ge­ment nicht, er war dort Mit­glied des Krei­ses der altern Pfad­fin­der (1933-1936) und führte auch diese Gruppe.[16]Im Som­mer 1935 orga­ni­sierte Fre­li­chow­ski eine Fahrt in das Som­mer­la­ger der Pfad­fin­der in Spale, für seine Mit­semi­na­ris­ten, alte Pfad­fin­der.[17] Im Jahr 1935 wurde er sogar zum Pfad­fin­der der Nation ernannt.

Zu Weih­nach­ten 1929 schenkte die Mut­ter dem 16-Jährigen ein Tage­buch. Fortan schrieb er viel darin und wir kön­nen eini­ges dort erfah­ren über die Ereig­nisse, Gefühle und Kämpfe des jun­gen Man­nes. Am 28.12.1929 schrieb er: „End­lich ist mein Wunsch erfüllt, am Christ­abend habe ich von mei­nen lie­ben Eltern die­ses Tage­buch bekom­men. Wie war ich von die­sem Geschenk beein­druckt. Ich konnte über­haupt nicht meine Rüh­rung begrei­fen. … Obwohl der Weih­nachts­mann nicht reich war, weil die Geschäfte nicht so gut gehen, war trotz­dem zwi­schen uns eine sehr nette brü­der­li­che Atmo­sphäre.“[18]

Im Tage­buch vom 16.01.1930 lesen wir fol­gen­den Ein­trag, der uns tie­fer in seine Gedan­ken hin­ein­se­hen lässt: „Meine Tage sind jetzt ganz mit Arbeit über­las­tetund dazu noch diese Ämter! In der Maria­ni­schen Kon­gre­ga­tion bin ich als Kan­di­dat für den Pos­ten des Prä­ses auf­ge­stellt, und in der Pfad­fin­der­schaft soll ich Grup­pen­füh­rer sein. Was tun? Ich werde auf die Ergeb­nisse war­ten. Ich fühle, dass ich die Kon­gre­ga­tion gut füh­ren kann, aber bei der Pfad­fin­der­gruppe hier habe ich etwas Beden­ken. 

Ich fühle, dass das Pfad­fin­der­tum sehr ideale Gesetzte und Ideen hat. Um sie zu füh­ren und zu erfül­len, muss man diese erst gut beherr­schen, … aber ich weiß nicht wann ich sie besit­zen werde. … Die gegen­wär­tige Arbeit in der Gruppe ist das erste Jahr. Wenn es so wei­ter­geht, besteht Hoff­nung, dass die Mann­schaft eine wirk­li­che wahre Pfad­fin­der­schaft wird, die ihre Auf­gabe in jeder Hin­sicht im Pfad­fin­der­tum und Vater­land erfüllt. … Ich selbst glaube sehr stark, dass der Staat, indem alle Bür­ger Pfad­fin­der wären, der mäch­tigste Staat von allen wird. Denn das Pfad­fin­der­tum und beson­ders das Pol­ni­sche, hat die Mit­tel und die Hilfe, sodass jemand der durch diese Schule gegan­gen ist, der Typ Mensch ist, den wir heute brau­chen. Aber das Erstaun­lichste und die beste Idee des Pfad­fin­der­tums ist: die Erzie­hung der Jugend durch die Jugend. Und ich will, solange ich es nur kann – Gott gebe, dass es immer so wäre – ein Pfad­fin­der sein und immer dafür arbei­ten.[19],[20], [21]

Am 04.03.1930, Wicek war 17 Jahre alt, starb sein 20 jäh­ri­ger Bru­der Czes­law, Jura­stu­dent in Poznan, uner­war­tet. Er war begeis­ter­ter Rude­rer, beim Tra­gen eines Boo­tes zog er sich eine schmerz­hafte Bauch­fell­ent­zün­dung zu, eine Ope­ra­tion am Blind­darm miss­lang. Aus Wiceks Tage­buch­ein­tra­gun­gen kön­nen wir erah­nen, wie die ganze Fami­lie in Sorge war. „Ich bin an die­sem Tag zu den hei­li­gen Sakra­men­ten gegan­gen und habe Jesus ein Gelübde gemacht, dass ich, wenn Czech gesund würde, auf nichts Rück­sicht neh­men würde, son­dern Pries­ter wer­den würde. Gott hat anschei­nend unsere Gebete erhört. Am Frei­tag wurde das Herz stark, und er hat nur wenig Fie­ber. …“[22] Jedoch nur vor­rü­ber­ge­hend. Wenige Tage spä­ter ver­schlech­terte sich der Zustand des Bru­ders. Er ver­ab­schie­dete sich von den Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen mit den Wor­ten „Bleibt mit Gott!“[23]

Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski trau­erte sehr. Die­ses Ereig­nis wurde zum Wen­de­punkt in sei­nem kur­zen Leben. Der Gedanke Pries­ter zu wer­den ließ ihn nicht mehr los, obwohl sein Bru­der gestor­ben war und er nicht an das Gelübde gebun­den war. Als er seine Gedan­ken mit der Mut­ter besprach, ermu­tigte sie ihn diese wich­tige Lebens­ent­schei­dung nicht unter dem Ein­fluss der Emo­tio­nen zu tref­fen, son­dern über sei­nen wei­te­ren Lebens­weg nach reif­li­cher per­sön­li­cher Über­le­gung und tie­fem Gebet zu ent­schei­den. „Man sieht daran, wie klug Marta Fre­li­chow­ski war, und welch gro­ßen Ein­fluss sie auf Wicek hatte.“[24]

Einige Monate nach dem Tod des Bru­ders schrieb Wicek am 16.10.1930 in sein Tage­buch: „Ob ich weiß, wie mein Leben sein wird? Mein Gott, das ist schon fast ein Leben von 18 Jah­ren. Wie das sein wird? So, das hängt von Gott und von mei­nem Wil­len ab, vom Cha­rak­ter. Ich muss in mir einen star­ken Cha­rak­ter bauen, einen unbeug­sa­men Wil­len. Ich werde hart­nä­ckig sein, so hart­nä­ckig, wie es die Hei­li­gen waren. Ich muss nach ein Teil­chen Hei­lig­keit stre­ben, ein guter Christ sein.[25]

Kurz vor dem Abitur wusste er schon etwas mehr, am 15.02.31 notierte er: „Die Zeit des Abiturs kommt bald. Ich will es able­gen… Aber was dann? Was soll ich dann machen, was soll ich wer­den?… Meine inne­ren Über­zeu­gun­gen, Wün­sche und die Wün­sche mei­ner Eltern und Ver­wand­ten wie ich glaube, alles das spricht dafür, dass ich Pries­ter werde. Und ich selbst fühle es in mir. In die­sem Beruf werde ich glück­lich. Ich will Füh­rer mei­nes Vol­kes sein. Ich will ihm die gött­li­che Wahr­heit ver­kün­den und es die gött­li­che Liebe leh­ren.[26]Ich möchte als Pries­ter in der Lage sein zu beten, Gott nahe zu sein. Von einem Pries­ter wer­den viele Opfer gefor­dert um das Beson­dere zu erhal­ten: das Hei­lige Opfer dar­zu­brin­gen, Jesus in den Hän­den hal­ten zu dür­fen…. Die­sen Dienst für Gott zu erfül­len, ist mein größ­ter Wunsch, ein Traum seit mei­ner Kind­heit! Und jetzt stehe ich an der Schwelle der Schul­zeit…  und frage mich,ob ich in der Lage bin, die­sen Ruf Got­tes, diese Stimme Got­tes die meine Seele ruft, zu beant­wor­ten. Oder soll ich einen ande­ren Beruf wäh­len? Viel­leicht wäre ich in einem ande­ren Beruf nütz­li­cher, könnte ihn bes­ser erfül­len?“[27]

Nach dem Abitur hatte er end­lich Klar­heit gefun­den und schrieb die beein­dru­cken­den Worte: „Und wenn es um die unsterb­li­che Seele gehen wird, ob meine eigene oder jeman­des ande­ren, dann soll es nie Anstren­gun­gen und Bemü­hun­gen genug sein…Wie gerne will ich… nur Gott die­nen. Ich will Gott ein rei­nes und hei­li­ges und gro­ßes Opfer geben. Ich will ein gro­ßer Pries­ter wer­den, mit einem Her­zen, das bereit ist zu Opfern. Meine Arbeit soll immer gute Frucht brin­gen und für alle Men­schen von Nut­zen sein. Jetzt werde ich so arbei­ten, dass ich am Ende sagen kann: Ich habe so viel getan, wie ich nur konnte.“[28]

Semi­na­rist:  1931 legte Wicek das Abitur mit gutem Erfolg ab[29] und trat nach kur­zem Kampf im Herbst 1931 ins Pries­ter­se­mi­nar sei­ner Hei­mat­diö­zese Chelmno in Pel­plin ein, nach­dem er in Exer­zi­tien bei der schwar­zen Madonna in Tschen­sto­chau seine Ent­schei­dung noch­mal bestä­tigt fand.[30] Es war für ihn nicht leicht, alles zu ver­las­sen.  Die Ent­schei­dung war nach tie­fem Nach­den­ken und Gebet getrof­fen wor­den. Ent­schluss wurde „kurz­fris­tig, sol­da­tisch und unwi­der­ruf­lich gefasst“[31].

Diese Ent­schei­dung bedeu­tete auch auf das geliebte Mäd­chen zu ver­zich­ten, das er hei­ra­ten wollte. Eigent­lich hatte er geplant Arzt (Chir­urg) und Vater einer kin­der­rei­chen Fami­lie zu wer­den.[32]Die gan­zen Jahre im Semi­nar hatte er noch wei­tere innere Kämpfe um die Beru­fung zum Pries­ter, das Tage­buch ist Zeuge von sei­nem Rin­gen und Zwei­feln. Er musste sich immer wie­der neu dafür ent­schei­den.

Im Jahr 1934 schei­nen Fre­li­chow­skis Zwei­fel an sei­ner Beru­fung zum Pries­ter einen Höhe­punkt erreicht zu haben. Er über­legte, eine Aus­zeit zu neh­men und an der  Uni­ver­si­tät  War­schau Geschichte zu stu­die­ren. Er war schon fest dazu ent­schlos­sen. Am Ende des 3. Kur­ses im Semi­nar war ein Pas­to­ral­prak­ti­kum vor­ge­schrie­ben. Er ent­schied sich trotz der Zwei­fel das Prak­ti­kum anzu­tre­ten. Er leis­tete es bei einem befreun­de­ten Pries­ter Piotr Sos­now­ski in Byslaw bei Tuchola. Es wird ver­mu­tet, dass diese Zeit und der Ein­fluss die­ses Pries­ters Wiceks Beru­fung ret­tete. (Sos­now­ski hatte einen sehr gro­ßen posi­ti­ven Ein­fluss auf Wicek, schon von Kin­der­beinen an.) Aller­dings schrieb Wicek in die­ser Zeit nichts in sei­nem Tage­buch, so kön­nen wir seine Ent­wick­lung nur erah­nen und des­halb bleibt dies für uns nur eine Ver­mu­tung.

Für Piotr Sos­now­ski läuft der­zeit ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren. Sein Name ist unter den 112 pol­ni­schen Kan­di­da­ten im neuen Sam­mel­ver­fah­ren von Opfern des zwei­ten Welt­krie­ges zu fin­den. Er wurde schon im Okto­ber 1939 in einem Wald in Polen erschos­sen.

Einen wei­te­ren Ein­fluß hatte wohl auch Wiceks große Freude an der Arbeit mit Kin­dern, die er wäh­rend die­ses Prak­ti­kums erlebte.

Zurück im Pries­ter­se­mi­nar notiert er, nach 7-monatigen Pause erst­mals wie­der in sei­nem Tage­buch: „Offen­sicht­lich hat Gott mei­nen Geist auf­ge­klärt. Offen­sicht­lich sind meine Lebens­wege anders. Ich habe jetzt andere Gedan­ken. Bis zu einem gewis­sen Grade sind sie jetzt kla­rer. Ich bin nun anders. Ruhi­ger.“[33] Doch gegen Ende der glei­chen Notiz schreibt er wei­ter: „Warum will ich Pries­ter wer­den? …mir steht der Grund nicht klar vor Augen, warum ich Pries­ter wer­den will.“

Es war offen­sicht­lich nicht Got­tes Wille, dass er aus Semi­nar aus­trat.

Er war ein lei­den­schaft­li­cher jun­ger Mann und hatte sehr zu kämp­fen mit Ver­su­chun­gen gegen die Keusch­heit, die gan­zen 6 Jahre des Pries­ter­se­mi­nars. Seine Beru­fung war schwer erkämpft. Von sei­nem inner­li­chen Kampf erzählt sein Tage­buch, ebenso wie einige Briefe. Das Tage­buch und die Briefe sind heute unge­wöhn­lich inter­es­sante, inten­siv inspi­rie­rende und auf­schluss­rei­che Doku­mente, die den Weg zur Hei­lig­keit auf­zei­gen.

Er fand schließ­lich die Lösung sei­ner inne­ren Kon­flikte: Er ent­schied sich Gott zu lie­ben und aus Liebe zu ihm sei­nen gro­ßen Wunsch nach eige­nen Kin­dern zurück­zu­stel­len und statt­des­sen ganz für die Kin­der Ande­rer da zu sein. Mit gan­zer Kraft wollte er Kin­der und Jugend­li­che zu Gott füh­ren. Die­ser Wunsch wurde Wirk­lich­keit, er wurde ein außer­ge­wöhn­lich cha­ris­ma­ti­scher und erfolg­rei­cher Jugend­seel­sor­ger. Die Erfah­run­gen sei­ner eige­nen Jugend­zeit in der Pfad­fin­der­be­we­gung qua­li­fi­zier­ten ihn dafür beson­ders. So wurde er Apos­tel des Fami­li­en­le­bens, Vater sehr vie­ler Kin­der als Seel­sor­ger. Er lehrte gegen­sei­tige Ach­tung und Liebe, Fami­lien zu ver­bes­sern mit dem Ziel: „Die Liebe unter den Men­schen ist Spie­gel­bild der Liebe Got­tes. Ich will das vor allem jun­gen Men­schen mit allen Mit­teln ver­kün­den, damit sie die wahre Liebe ken­nen.[34] 

In Erin­ne­rung an seine erste Jugend­liebe schreibt er am 1.10.1935: „Ich danke Gott dafür, heute ruht sie am Grund mei­nes Her­zens. Von gan­zem Her­zen will ich dich, nur dich. Ich gebe sie dir als Opfer….“

 Eine wei­tere Ursa­che sei­ner Zwei­fel an sei­ner Beru­fung war das Pries­ter­bild sei­ner Zeit. Er erlebte Pries­ter oft als wenig anzie­hend. Damals bestand oft eine große Dis­tanz zwi­schen Pries­tern und Laien. Die Geist­li­chen hat­ten viele Pri­vi­le­gien. So ein Pries­ter wollte Fre­li­chow­ski nicht wer­den, dann lie­ber gar kei­ner. Von die­sen Zwei­feln her­aus­ge­for­dert setzte er sich schon früh inten­siv mit der Bedeu­tung Pries­ter zu sein aus­ein­an­der. Seine gewon­ne­nen Ein­sich­ten gab er spä­ter im KZ an seine Schü­ler wei­ter und prägte sie tief­grei­fend und dau­er­haft.

 Der Tage­buch­ein­trag vom 19.06.1935 spricht zu uns von den Kämp­fen, Fre­li­chow­ski selbst benutzt das Wort Depres­sion: “Ich bin nicht so, wie ich sein soll und sein möchte, aber ich habe keine Lust dazu. Heute schreibe ich die Worte in der schwers­ten Depres­sion des Geis­tes. Ich will von die­sem Zustand erwa­chen, in dem ich bin. Mich von ihm befreien. Ein Mensch wer­den und nütz­lich sein. Meine Kräfte schaf­fen es nicht. In tiefs­ter Demut knie ich vor Dir, o Gott. Ich spüre all mein Nichts-sein und meine Schwä­che. Ich wende mich an Dich, der Du mich lei­test. Mein Gott, befreie mich von die­sem Zustand, in dem ich heute bin. Ich will ein ande­rer Mensch sein. Ich will ein wah­rer Pfad­fin­der sein. Mich so im Leben beneh­men, wie es mir meine Gedan­ken und mein Gewis­sen sagt. Gib mir Deine Gnade. Ich werde mit ihr zusam­men­ar­bei­ten und möchte mich aus die­sem geis­ti­gen Ver­fall auf pfad­fin­de­ri­sche Weise erhe­ben. Gib mir das Selbst­ver­trauen. Aber nicht nur das sug­ges­tive Gefühl, son­dern ich will in mir einen wah­ren Wert erar­bei­ten. Gott, ich gebe mich ganz in Deine Hände. Gib mir, dass ich Schritt für Schritt hin­auf gehe. Der hei­li­gen Georg, hilf mir über mich selbst sie­gen.”, [35], [36]

In der Zeit im Semi­nar schrieb Fre­li­chow­ski einige Medi­ta­tio­nen über das Luka­sevan­ge­lium. Darin kön­nen wir noch heute sei­nen Kampf um die Pries­ter­be­ru­fung erah­nen. Hof­fent­lich wird es bald dem deut­schen Leser zugäng­lich gemacht.

 Nur seine Eltern beob­ach­te­ten, er ist bedrückt, sie ahn­ten sei­nen schwe­ren Kampf um Beru­fung und Zöli­bat. Bewusst dräng­ten die Eltern ihn nicht. Er sollte sich frei ent­schei­den kön­nen für die Treue zu Gott.

Nie­mand ahnte sonst seine Kämpfe. Trotz die­ses inne­ren Tobens ver­lor er seine natür­li­che Fröh­lich­keit nicht, die er wei­ter­hin in sei­ner Umge­bung aus­strahlte. So schrieb er: „Und ich will mich Gott anglei­chen. Des­we­gen muss ich immer und für jeden freund­lich sein.”(Tage­buch, den 3. Okto­ber 1936)[37]

Dies beob­ach­te­ten die ande­ren Semi­na­ris­ten. Er wurde viel­mehr als immer fröh­lich beschrie­ben. „Wicek war ein sehr fröh­li­cher Semi­na­rist. Er gewann Kame­ra­den für sich mit sei­nem herz­li­chen Lächeln und mit sei­ner unei­gen­nüt­zi­gen Hilfe, mit der er allen half. Im Semi­nar nannte man ihn Spaß­vo­gel.“[38]

Fre­li­chow­ski stu­dierte mit gro­ßer Sorg­falt und Erfolg, wie­der gehörte er zu den Bes­ten des Jahr­gangs. Er lernte flei­ßig und mit gro­ßer Sorg­falt, er wusste, das Stu­dium ist die Grund­lage für den spä­te­ren pries­ter­li­chen Dienst. Trotz­dem war er kein „Stre­ber“, er liebte Sport und trieb täg­lich Gym­nas­tik, um sich fit zu hal­ten.[39] Und er wollte gut vor­be­rei­tet sein. Im Semi­nar ent­deckte er seine Liebe zur Wis­sen­schaft und zur Phi­lo­so­phie. Auch einem Lit­ur­gie­zir­kel gehörte er an.

Schon als Theo­lo­gie­stu­dent enga­gierte er sich in der Diö­ze­san­or­ga­ni­sa­tion der Cari­tas, in lei­ten­der Posi­tion einer Gruppe von Semi­na­ris­ten in den Jah­ren 1933-1936[40]. Die weni­gen freien Tage, an denen Semi­na­ris­ten Aus­gang gewährt wurde, nutzte er zum Besuch alter, ein­sa­mer und kran­ker Men­schen, die ihm anver­traut wor­den waren. Ihnen brachte er Trost, Gesell­schaft und Lebens­mit­tel.

Außer­dem  war er ein akti­ves Mit­glied des Mis­si­ons­ver­eins, wie in sei­ner Schul­zeit. Gerne wäre er in die Mis­sion gegan­gen und  träumte von einer Mis­si­ons­reise.[41] 

Mit sei­ner jugend­li­chen Begeis­te­rung  enga­gierte sich  Wicek in der Absti­nenz­ler­be­we­gung. Er ent­schied sich 1935 sein Leben lang absti­nent zu blei­ben, um Alko­hol­ab­hän­gi­gen damit zu hel­fen. Den Impuls hatte er in der Runde des katho­li­schen Ver­eins Jun­ger Män­ner bekom­men.[42] Die­ser Ent­schluss wird umso erstaun­li­cher, wenn wir erfah­ren, dass Fre­li­chow­ski in den Jah­ren davor rauchte und gerne Wein trank. In sei­nem­Ta­ge­buch notierte er, dass er Wein sehr gerne mochte und ihn auch in gro­ßen Men­gen trin­ken würde. Fre­li­chow­ski hielt sich an die­sen Vor­satz ein Leben lang. Er trank nie wie­der Alko­hol und rauchte keine Ziga­rette mehr, nicht mal im KZ, wo ande­ren Häft­linge mit Rau­chen anfin­gen, um den Hun­ger nicht mehr so deut­lich spü­ren zu müs­sen.[43]

Wicek ver­nach­läs­sigte bei all die­sen Akti­vi­tä­ten das Gebet nicht. Oft sah man ihn in der Kapelle beim stil­len Gebet.[44]

 Fre­li­chow­ski spürte eine große innere Kraft. Was sollte er damit anfan­gen? Er fürch­tete schon als Semi­na­rist er könnte sich durch sein Enga­ge­ment per­sön­lich wich­tig machen und etwas gel­ten wol­len. Dage­gen wollte er ankämp­fen. Des­halb war er stets bemüht demü­tig zu blei­ben und sel­ber nicht mit Mit­tel­punkt zu ste­hen, viel­mehr bewusst im Hin­ter­grund zu blei­ben. Dies behielt er sein wei­te­res Leben lang bei.

 Tage­buch­auf­zeich­nun­gen aus der Zeit des Pries­ter­se­mi­nars:

„Ich möchte den Glau­ben des Hl. Petrus haben, die Weis­heit des Hl. Pau­lus, aber das Herz des Hl. Johan­nes. Ein rei­nes und unschul­di­ges Herz. Ich muss ein Pries­ter, nach dem Her­zen Christi wer­den.“[45]

„Ich will ein rich­ti­ger Pfad­fin­der sein. Mich im Leben füh­ren, wie es mir meine Gedan­ken und das Gewis­sen befeh­len.“ 19.06.1935

 Indem ich mit gan­zer Demut mein Unver­mö­gen aner­kenne, bitte ich Dich Hei­li­ger Geist wie der junge Mann, dass mein wei­te­res Leben, sei es noch so kurz, ebenso ist. Gib mir kei­nen Reich­tum, son­dern nur deine Gnade. Gib mir Kreuze und Lei­den, aber gib mir auch Glau­ben und Liebe. Bitte tu das Wun­der in mir. Gib mei­nem Her­zen und mei­nem Mund eine Liebe wie Feuer und einen kla­ren, muti­gen Glau­ben.“[46]

Auf das Ver­ständ­nis des Wor­tes „ich will” ver­weist auch ein ande­res Tage­buch­frag­ment: „Es ist kein Platz für „ich möchte”, son­dern „ich will”. Das zweite ist schwie­ri­ger zu sagen, denn es beinhal­tet in sich bereits das Voll­brin­gen des­sen, was man will. Des­we­gen spricht man das Wort nicht in einer Men­schen­menge, nicht exal­tiert aus. In die­sem Falle bedeu­tet es nur „ich möchte”. Das Wort „ich will” muss am abge­schie­de­nen Ort aus­ge­spro­chen wer­den“ 3. 10.1932[47]

„Gott, hilf mir und lass mich in den Him­mel kom­men, gib mir einen guten Tod und lass mich im Ster­ben mit dir ver­söhnt sein. Mein Gott, ich wün­sche so sehr dich zu lie­ben, ich wün­sche so sehr dein zu sein, ich wün­sche so sehr dein Hei­li­ger zu sein, weil ich dir nahe sein will, dich ken­nen ler­nen will, mein Gott.“[48] 

„Herr schenke mir die Gnade, dei­nen Wil­len rasch zu bewer­ten, um klar zu erken­nen, ob ich beru­fen bin. Gib mir die Gnade, um die ich seit Jah­ren bete. Lass mich eine klare Ent­schei­dung für mein Leben tref­fen. Gib mir einen kla­ren Ver­stand. … Dein Reich komme. Ehre sei dir, lass das mein leben­di­ges Ideal sein, das Ziel mei­ner Arbeit…Gib mir die Gnade, ein Pries­ter zu wer­den. Rufe mich dazu. Nimm all mei­nen Wil­len und ziehe mich zu dir. Herr ich öffne mein Herz für deine Gnade. Immer und in jedem Augen­blick. Ich erwarte dich, Herr, und gebe mich dei­nem Wil­len völ­lig hin. Ruf mich in dei­nen Wein­berg als Arbei­ter.“, [49] 17.5.1935

Er erkennt den Wil­len Got­tes in den Vor­ge­setz­ten, die gött­li­che Vor­se­hung,  „also werde ich Vor­ge­setzte nicht kri­ti­sie­ren, oder ihre Vor­schrif­ten, weil sie dein hei­li­ger Wille sind. Ihre gewis­sen­hafte Ein­hal­tung ist eine rei­che Quelle der Hei­li­gung.“[50]

Die  Semes­ter­fe­rien gaben ihm Zeit für Pfad­fin­der­la­ger, er orga­ni­sierte für ältere Pfad­fin­der selbst ein Tref­fen. Er war auch ein akti­ves Mit­glied des Kle­ri­ker­pfad­fin­der­krei­ses und in den Jah­ren 1933 bis 1936 sogar der Vor­sit­zende.

Er stellte hohe Ansprü­che an sich. Recht­schaf­fen­heit der Gedan­ken und des Gewis­sens, Echt­heit des Han­delns, unei­gen­nüt­zige Ein­stel­lung im Sinn des Diens­tes für Andere.[51] Er bleib das ganze Leben lang dem Pfad­fin­der­grund­sät­zen treu. Pflicht­er­fül­lung und Nächs­ten­liebe präg­ten ihn.

 Die Zeit als Semi­na­rist schloss mit den nie­de­ren Wei­hen. Fre­li­chow­ski emp­fing am 05.04.1936 nach Exer­zi­tien die Sub­dia­kon­weihe[52] und am 26.04.1936 die Dia­kon­weihe.

Schon als Dia­kon wurde Wicek zum per­sön­li­chen Sekre­tär des Bischofs St. W. Oko­niew­ski ernannt. Dies bedeu­tete für einen Semi­na­ris­ten eine große Aus­zeich­nung, es hätte genug Pries­ter für die­ses Amt gege­ben.  Semi­nar­pro­fes­so­ren hat­ten ihn vor­ge­schla­gen, weil er einer der bes­ten Semi­na­ris­ten war.

Die Krö­nung Wiceks Weges zum Pries­ter­turm waren die Pries­ter­weihe 14.03.1937 in Pel­pli­ner Dom. Durch die Hän­den Bischofs Sta­nis­law Woj­ciech Oko­niew­ski emp­fing er die­ses Sakra­ment, das ihm so viel bedeu­tete. Er kannte den Bischof sehr gut durch sei­nen Dienst als des­sen Sekre­tär. Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski wirkte als Pries­ter nicht ein­mal 3 Jahre in Frei­heit. In Gefan­gen­schaft 5 Jahre und 4 Monate. Ins­ge­samt war er nur knapp 8 Jahre Pries­ter, davon 2/3 in KZ…

Das große Fest der Pri­miz fei­erte die Groß­fa­mi­lie und die ganze Stadt am 15.03.1937 in der Drei­fal­tig­keits­kir­che in Chelmza. Als  Pri­miz­spruch wählte er gera­dezu pro­phe­tisch: „Durch das Kreuz des Lei­dens und des grauen All­tags – mit Chris­tus zur Auf­er­ste­hung.“[53]

Der Pries­ter

Fre­li­chow­ski hatte sich viele Gedan­ken über das Pries­ter­tum gemacht, jetzt lebte er danach. Er wollte radi­kal das Evan­ge­lium ver­wirk­li­chen, ein „alter Chris­tus“ (lat. ande­rer Chris­tus) wollte er sein. Ihm ähn­lich wer­den. „… es ist Chris­tus selbst, den ich ersetzte. So habe ich wie Chris­tus zu sein.  Die Wahr­heit sein, der Weg und das Leben sein.“

Wicek wusste, dass Pries­ter sein, Auf­op­fe­rung und Hin­gabe, sich zur Opfer­gabe machen, erfor­dert. Chris­tus fol­gen, bedeu­tete auch Jesu Lei­dens­weg gehen. Schon der Semi­na­rist schrieb: „Ich bin über­zeugt, dass das bis­he­ri­gen Mühen nichts bedeu­ten, dass das wahre Lei­den erst kom­men wird. Wenn der Meis­ter gelit­ten hat, kann der Die­ner auch nicht lei­den? Ich weiß nicht, wie mein Lei­den sein wird, aber ich weiß, dass es kommt. Dir o Herr, gebe ich es jetzt als Opfer und für Dich will ich lei­den, um meine Auf­gabe auf Erden zu erfül­len.“[54]

Ein Pries­ter soll See­len gewin­nen, sie an sich her­an­zie­hen, für Chris­tus gewin­nen, er soll auf die Suche nach den See­len gehen, sie in Win­keln der Stra­ßen und Sou­ter­rains suchen, in den Salons und Paläs­ten, in den Häu­sern der Bür­gern und Bau­ern, er soll sie suchen und zum Herrn füh­ren.“[55]

Eine Flucht vor dem Leben, das wollte er nie, er liebte das Leben und die Freude. Er wollte immer froh sein und betete sogar um Freude! „Ein trau­ri­ger, nie­der­ge­schla­ge­ner Pries­ter zeigt, dass er ent­we­der seine Beru­fung nicht ver­steht, oder sich auf einem Irr­weg befin­det.“[56]

Die Quelle die­ser sei­ner Freude war Chris­tus, die Gnade des Pries­ter­charis­mas. Er wollte allen Ego­is­mus able­gen, um in der Ver­ei­ni­gung mit Gott zu leben. Die­ser Freude blieb er bis an sein Lebens­ende treu, selbst  in  Augen­bli­cken des größ­ten Lei­dens, als Häft­ling im Ver­nich­tungs­la­ger Dachau schriebt er ein Gedicht unter dem kenn­zeich­nen­den Titel: „Ich bin froh, o Herr!”[57]

Nach der Pries­ter­weihe blieb er zunächst wei­ter­hin im Amt des per­sön­li­chen Sekre­tärs und Kaplan des Bischofs St. W. Oko­niew­ski. Zu sei­nen Auf­ga­ben gehörte das Orga­ni­sie­ren von vie­len Rei­sen und Got­tes­diens­ten. Ihm lag diese Auf­gabe nicht. Ihn zog es in eine Pfar­rei um dort  seel­sor­ge­risch mit den Men­schen arbei­ten zu kön­nen. Er wollte gerne mit Jugend­li­chen arbei­ten.[58] Aber er ahnte schon vor der Weihe, dass er auch noch nach der Weihe beim Bischof würde blei­ben müs­sen. In Geist des Gehor­sams nahm er diese Ent­schei­dung an und bemühte sich dem Bischof sehr gut zu die­nen, der einen schwie­ri­gen Cha­rak­ter hatte. Nach eini­ger Zeit wurde er, auf seine Bitte hin, als Beloh­nung in eine Pfar­rei ver­setzt, zuerst für ein paar Monate in eine kleine Pfar­rei in Wejhe­rowo (1.1.1938-28.4.1938) um dort als Aus­hilfe tätig zu sein. Im Mai 1938 fuhr dann Wicek als Sekre­tär mit sei­nem Bischof zum Eucha­ris­ti­schen Kon­gress nach Ungarn. Danach erhielt er zum 01.07.1938 die erbe­tene Stelle als Kaplan, dies­mal in einer gro­ßen Pfar­rei in Torun. Dort blieb er bis zu seine Ver­haf­tung, es waren nur 15 ein halb Monate.

Kaplan der Mari­en­ge­meinde in Torun.

Hier als Kaplan wir­ken zu kön­nen war eine Aus­zeich­nung, es war eine der größ­ten Pfar­reien der Diö­zese. Schnell gewann Fre­li­chow­ski die Wert­schät­zung, das Ver­trauen und die Her­zen der Men­schen, er wurde der beste Kaplan in Torun gelobt.[59]

In der doch kur­zen Zeit in die­ser Pfar­rei konnte Fre­li­chow­ski beein­dru­ckend wir­ken. Per­sön­lich führte er ein Leben in Ein­fach­heit, doch sein Enga­ge­ment war beacht­lich. Als vor­bild­li­cher Pries­ter, belieb­ter Pre­di­ger, konnte er die Men­schen errei­chen. Er war sehr beliebt als Seel­sor­ger, ein cha­ris­ma­ti­scher Pries­ter. Beson­ders Kin­der und Jugend­li­che, aber auch Alte und kranke Men­schen lieb­ten ihn. Diese bei­den Grup­pen waren die Schwer­punkte sei­ner Seel­sor­ge­ar­beit. Eine Sorge um das spi­ri­tu­elle Leben galt allen in der Pfar­rei.[60] Er war allen ein Freund. Men­schen klam­mer­ten sich ein­fach an Fre­li­chow­ski weil er jeden rich­tig behan­deln konnte.

Der dama­lige Pfar­rer schrieb über ihn: (Hier ist das Zeug­nis des Pfar­rers wört­lich): „Sein Blick hatte etwas Ande­res, über­durch­schnitt­li­ches. Wenn er wäh­rend eines sogar völ­lig all­täg­li­chen und unge­zwun­ge­nen Gesprächs mich mit sei­nen hel­len Augen anblickte, hatte ich immer den Ein­druck gehabt, als ob er weit außer­halb mir schaue, trotz gan­zer Kon­zen­tra­tion auf das Thema des Gesprächs. Er besaß eine fröh­li­che Wesens­art, in Gespräch war er auf­rich­tig und hei­ter, hatte aber eine zart­füh­lende und dezente Art sich aus­zu­drü­cken und urtei­len. Als ein begeis­ter­ter Pfad­fin­der hatte er den schö­nen, freund­li­chen Umgang mit der Umwelt, der sich in der Hilfs­be­reit­schaft aus­drückte… Wäh­rend die­ser gan­zen 16-monatigen Zeit unse­rer gemein­sa­men Arbeit habe ich nie­mals bemerkt, dass er unbe­schäf­tigt gewe­sen wäre oder irgend­ein träges Sich-Erholen treibe. Bei der Arbeit war er vor­bild­lich gewis­sen­haft und eif­rig, aber nie unge­dul­dig und er recht­fer­tigte sich nie, wenn man ihn von einer Beschäf­ti­gung abbe­ru­fen hat um was ande­res tun auf­zu­tra­gen. … Für jeden und zu jeder Zeit hatte Wicek ein net­tes Wort.[61]

Kinder- und Jugend­seel­sor­ger: Beson­ders gerne war er bei Kin­dern. Seine Erfah­rung aus der Pfad­fin­der­ar­beit berei­cherte seine Kin­der­pas­to­ral und Jugend­ar­beit. Jugend­li­che schlos­sen Freund­schaft sogar mit ihm. Er war ein sehr guter und erfolg­rei­cher Päd­agoge. Bei der Sakra­men­ten­vor­be­rei­tung konnte er Wich­ti­ges gut ver­mit­teln, er wirkte ver­ant­wor­tungs­voll und sym­pa­thisch. 

Er führte zum Fest der Erst­kom­mu­nion glei­che Klei­dung für alle Kin­der ein,[62] um ärmere Kin­der nicht zu beschä­men. Er konnte Frauen aus der Pfar­rei gewin­nen, die diese Klei­dung für alle Kin­der näh­ten.

Gleich nach der hei­li­gen Messe zog der Kaplan sich um und trug­Sport­klei­dung, um nach der Messe mit den Minis­tran­ten Fuß­ball spie­len, oder einen Fahr­rad­aus­flug machen zu kön­nen. Für den Sonn­tag­nach­mit­tag orga­ni­sierte er Aus­flüge mit den Kin­dern; Ball­spiele, Fahr­rad­tou­ren, sogar einen Aus­flug in den Tier­park. „Er war ein Pries­ter in ihrer Nähe, nicht nur am Altar.“[63] Die Jugend­li­chen wünsch­ten sich: „Sol­che Pries­ter sollte es mehr geben.“

Er hörte oft Beichte, auch bei Kin­dern war er als Beicht­va­ter sehr beliebt. Als Buße gab er, ganz unge­wöhn­lich, gute Taten auf.

Seel­sorge bei kran­ken und Ster­ben­den: Diese Men­schen konn­ten sich der beson­de­ren Zuwen­dung ihres Kaplans sicher sein. Er hatte eine beson­dere Gabe bei ihnen zu wir­ken. Er besuchte Kranke häu­fig zuhause, des­halb war er sehr viel in der Pfar­rei unter­wegs. Die Kran­ken ver­lang­ten aus­drück­lich nach ihm, so dass er Ster­bende und Kran­ken auch besuchte, wenn andere Kap­läne zu die­sem Dienst ein­ge­teilt waren und er sel­ber eigent­lich Frei­zeit haben und sich erho­len sollte. Fre­li­chow­ski konnte auf selt­same Weise  ihnen inne­ren Frie­den brin­gen, vor allem die­je­ni­gen, die auf dem Ster­be­bett waren.[64] Bei den Beer­di­gun­gen fand er Worte des Tros­tes, die alle berühr­ten.

Cari­tas: Nicht nur Kranke, auch bedürf­tige Men­schen besuchte Kaplan Fre­li­chow­ski. Die Pfar­rei in Torun war eine rei­che Pfar­rei. Doch auch hier leb­ten Arme. Diese besuchte er häu­fig und gerne in ihren bil­li­gen und armen Kel­ler­woh­nun­gen zuhause.

Gebet: Er betete fort­wäh­rend, denn sein Dienst für Gott und sein Gebet war Dienst  für die Men­schen. Sein Pfar­rer sah ihn sehr oft abends in geschlos­se­ner Kir­che kni­end mit Bre­vier vor dem Taber­na­kel beten.

Er fühlte sich immer zutiefst mit Gott ver­bun­den, in jeder Akti­vi­tät. Trotz sei­nes enor­men Enga­ge­ments drohte ihm nie ein Ver­fal­len in lee­ren Akti­vis­mus. Seine viel­fäl­tige Akti­vi­tä­ten hat­ten seine inner­li­che Fülle zur Quelle. Sein außer­ge­wöhn­li­ches Enga­ge­ment und alles, was er tat, war ver­wur­zelt in einem Ent­schluss, den wir in sei­nem Tage­buch am 11.08.1931 nie­der­ge­schrie­ben fin­den. Nach sei­nem Abitur, aber noch vor dem Ein­tritt ins Pries­ter­se­mi­nar, stellte er näm­lich fest, dass er zu viel Zeit im bis­he­ri­gen Leben ver­geu­det hat und nicht mit vol­ler Kraft und vol­lem Enga­ge­ment allen sei­nen Pflich­ten nach­ge­gan­gen war und hat sich ent­schlos­sen „künf­tig in jede Arbeit, ob geis­tige, ob kör­per­li­che, so viel wie nur mög­lich Anstren­gung zu inves­tie­ren, ohne Rück­sicht auf das Kräf­te­spa­ren für was ande­res.“ Und die­ser Ent­schei­dung, die er mit 18 Jah­ren traf, blieb er offen­sicht­lich sein gan­zes Leben treu.

Moder­ner Lit­ur­gie: Als jun­ger, begeis­ter­ter Pries­ter war er sei­ner Zeit vor­aus. Er zele­brierte die hei­lige Messe mit einem über­ra­schen­den Eifer. Er war nur 16 Monate Kaplan in die­ser Pfar­rei, doch die kurze Zeit reichte aus, um Neue­run­gen in der Lit­ur­gie ein­zu­füh­ren. Heute noch lebende Kin­der jener Zeit erin­nern sich an Fre­li­chow­ski. Seine größte Sorge war, dass alle die an der Lit­ur­gie teil­nah­men, sie auch ver­ste­hen und tief mit­fei­ern konn­ten. Wicek gestal­tete aller­lei Bild­chen, oft mit selbst­ge­mal­ten Moti­ven, mit ent­spre­chen­den Tex­ten, die er an Gläu­bi­gen, beson­ders an Kin­der ver­teilte, um ihnen ein bes­se­res Ver­ständ­nis der Lit­ur­gie zu ermög­li­chen. Schon vor dem 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zil, als die Lit­ur­gie noch ganz in latei­ni­scher Spra­che gefei­ert wurde, über­setzte und erklärte er Kin­dern die Lit­ur­gie in pol­ni­scher Spra­che, damit sie den Hand­lun­gen am Altar wäh­rend der hei­li­gen Messe gut fol­gen konn­ten. Von der Kan­zel erklärte er den Kin­dern die Bedeu­tung jeder ein­zel­ner Hand­lung der latei­ni­schen Lit­ur­gie wäh­rend ein ande­rer Kaplan hl. Messe las, dies war in sei­ner Zeit ganz neu und nahezu revo­lu­tio­när.

In sei­nen Pre­dig­ten sprach Kaplan Fre­li­chow­ski über seine eigene Glau­bens­er­fah­rung. Er sprach mit ein­fa­chen Wor­ten über selbst­ver­ständ­li­che und all­täg­li­che Dinge, bezog diese aber über­zeu­gend auf Gott. Die Leute kamen aus der gan­zen Stadt um seine Pre­dig­ten zu hören. Wäh­rend er sprach, blie­ben die Beicht­stühle in der Kir­che leer, kei­ner wollte Fre­li­chow­skis Pre­digt ver­pas­sen.

Die Mis­sion war ihm wich­tig[65]. Er träumte davon nach 5 Jah­ren Kaplans­zeit als Mis­sio­nar ins Aus­land zu rei­sen um Aus­sät­zi­gen zu die­nen. Einst­wei­len enga­gierte er sich als Vor­sit­zen­der des Mis­si­ons­ver­eins und betreute die Kin­der­gruppe des Mis­si­ons­ver­eins[66].

Medi­en­ar­beit: auch das gedruckte Wort war Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski wich­tig. Er ver­öf­fent­lichte 1939 36 Arti­kel in der kirch­li­chen Wochen­zei­tung. Er schrieb Bei­träge für Geist­li­che und warb für den gegen­sei­ti­gen, geist­li­chen und pas­to­ra­len Aus­tausch jun­ger Pries­ter unter­ein­an­der. (Sein Pfar­rer sagte über ihn, dass Kaplan Fre­li­chow­ski ein Freund aller Kap­läne in der Stadt sei.) Und er meinte, Pries­ter soll­ten näher bei den Men­schen sein. Auch das Pfarr­blatt gehörte zu sei­nen Auf­ga­ben. In den Leit­ar­ti­keln konnte er seine theo­lo­gi­sche und mensch­li­che Bil­dung zei­gen.[67], [68]

Kaplan Fre­li­chow­ski hatte vor, ab Herbst 1939 an der Uni­ver­si­tät Lwow (Lem­berg) Theo­lo­gie­fort­bil­dung zu machen. Doch diese Pläne durch­kreuzte der Beginn des Krie­ges.

Auch als Kaplan blieb er sei­ner Ent­schei­dung lebens­lang Pfad­fin­der zu blei­ben, treu.  Als  Kaplan des pom­mer­schen Pfad­fin­der­ver­band und Redak­teur einer christ­li­chen Jugend­zeit­schrift für Pfad­fin­der „Der Ruf“[69] enga­gierte er sich. Er betreute in Torun auch eine Gruppe der erwach­se­nen Alt­pfad­fin­der. Er orga­ni­sierte wei­ter­hin Zelt­la­ger und Fahr­ten für Pfad­fin­der. Glück­lich war er über die Begeis­te­rung der jun­gen Män­ner, die viele Arbeit war nicht um sonst, son­dern brachte Frucht. „Messe deine Kräfte nach dei­nen Vor­ha­ben.“ [70]

In sei­nem letz­ter Ein­trag vom 15.03.1939 fin­den wir fol­gende Worte: „Heute ist der zweite Jah­res­tag mei­ner Pri­miz. Ich danke Dir, o Herr, dafür was ich wäh­rend die­ser zwei Jahre erlebt habe. Selbst für Feh­ler und Abwei­chun­gen von Dei­nem Wil­len danke ich Dir. Ich kehre nun, o Herr um zu Dir, um Dir wirk­lich zu die­nen. Ich habe mir viel­leicht die Flü­gel etwas ange­brannt, doch, o Herr, ich knie in tie­fer Demut vor Dir und bitte Dich: lass mich mein Leben auf­rich­tig füh­ren und nie zu einem Lebens­schau­spie­ler[71] wer­den. Gib mir den Mut zu einem Leben nach dei­nen Wei­sun­gen. Ich knie tie­fer, als sonst. Du bist mein Herr. Und bist mir zu Vater gewor­den. Herr, ich gebe dir mein Leben. Ich kann nicht meine jet­zige Gedan­ken aus­drü­cken. Lass die Momen­ten mei­ner Lebens­un­ent­schlos­sen­heit und mei­nes Weg­ge­hens von dir nun zu mei­ner Kraft wer­den. O Gott! Ich will wirk­lich ein Pries­ter wer­den.“[72]

Da sind die letz­ten Worte im Tage­buch: „Ich will wirk­lich ein Pries­ter wer­den“.[73]

Bischof Suski inter­pre­tiert das so, Fre­li­chow­ski wollte wirk­lich ein Hei­li­ger sein und mit die­ser Hal­tung ging er in die Gefan­gen­schaft.[74]

Gefan­gen­schaft  Im Som­mer 1939 ahnte und erwar­tete die pol­ni­sche Bevöl­ke­rung den nahen­den Krieg. Es wur­den Vor­be­rei­tun­gen zum Schutz der Bevöl­ke­rung getrof­fen, die Pfad­fin­der der Stadt hal­fen natür­lich kräf­tig mit und Kaplan Fre­li­chow­ski war dabei.[75]

Am 01.09.1939 mar­schierte die deut­sche Wehr­macht in Polen ein. Wicek kam an die­sem Tag nach Hause. Es war ein Herz-Jesu-Freitag, der in der Fami­lie immer beson­ders began­gen wurde. Alle waren mor­gens in der hei­li­gen Messe und bei der Beichte gewe­sen. Die ganze Fami­lie betet anschlie­ßend vor dem Herz-Jesu-Bild[76]. Es wur­den schwere Jahre für Polen.

Die Stadt Torun wurde am 7.09.1939 von deut­schen Trup­pen besetzt. Sie zöger­ten nicht ihre Ziele durch zu setz­ten und des­halb wur­den schon am 11.09.1939 alle Pries­ter durch die Gestapo ver­haf­tet, auch Fre­li­chow­ski zusam­men mit den 4 ande­ren Pries­tern sei­ner Pfar­rei. Nach einer Nacht im Gefäng­nis wur­den die Pries­ter wie­der ent­las­sen, nur der Kaplan Fre­li­chow­ski wurde noch fest­ge­hal­ten. Seine Akti­vi­tä­ten bei den Pfad­fin­dern waren der Gestapo schon bekannt, er war „gefähr­lich“. Schließ­lich wurde auch er frei­ge­las­sen. (Am fol­gen­den[77], dem  über­nächs­ten Tag,[78] oder laut einer ande­ren Quelle nach ein paar Tagen[79])

Voll Sorge suchte die Fami­lie in die­ser Zeit sei­nen Woh­nungs­schlüs­sel und fand die­sen schließ­lich bei Wicek, der bezeich­nen­der Weise im Beicht­stuhl saß.[80]

Nach der Ent­las­sung aus dem Gefäng­nis blieb Fre­li­chow­ski tap­fer wei­ter in sei­ner Woh­nung und erfüllte seine Pflich­ten als Seel­sor­ger und Pfad­fin­der.[81] Gläu­bige  hat­ten ihn vor wei­te­ren Ver­haf­tun­gen gewarnt und zur Flucht zu drän­gen ver­sucht. Er jedoch gab nicht nach und wollte auf sei­nem Pos­ten blei­ben, anders als die ande­ren Lei­ter der Pfad­fin­der der Stadt, die alle geflo­hen waren. Er lebte in die­sen Tagen in einem gro­ßen inne­ren Frie­den und half den Flücht­lin­gen, die nach Torun gekom­men waren.Am 18.10.1939 wurde Fre­li­chow­ski schließ­lich wie­der ver­haf­tet, zusam­men mit 700 ande­ren Bür­gern aus Torun. Er sollte nicht mehr frei­kom­men, er war 26 Jahre alt, 5 ½ Jahre Haft und der Tod im KZ Dachau war­te­ten auf ihn. Er ließ sich jedoch nicht ent­mu­ti­gen.

Zuerst wurde Fre­li­chow­ski, noch in Torun, im Gefäng­nis Fort VII fest­ge­hal­ten. Diese alte preu­ßi­sche Fes­tungs­an­lage glich schon damals einem KZ. Dort wur­den die katho­li­schen Pries­ter kör­per­lich und see­lisch gequält. Sie muss­ten anstren­gende und „schwie­rige gym­nas­ti­sche Übun­gen machen“[82], damit könnte Straf­ex­er­zie­ren gemeint sein. Erbärm­li­che hygie­ni­sche Bedin­gun­gen herrsch­ten an die­sem Ort. Wicek besorgte irgend­wie die nöti­gen Uten­si­lien orga­ni­sierte eine „Fri­seur­werk­statt“ für die älte­ren Pries­ter. Damit half er ihnen die per­sön­li­che Hygiene und damit Selbst­wert­ge­fühl und Selbst­ach­tung auf­recht zu erhal­ten. Als Zube­hör zum Rasie­ren fehlte, orga­ni­sierte er Rasier­zeug, damit sich die Kame­ra­den wei­ter­hin wie gepflegte Men­schen füh­len konn­ten.

End­lose Ver­höre und Miss­hand­lun­gen muss­ten sie über sich erge­hen las­sen. Zusätz­lich quälte die Unge­wiss­heit über die Zukunft. Fre­li­chow­ski bewahrte in die­ser Zeit der Prü­fung eine wür­de­volle Hal­tung. Er pflegte respekt­vol­len Umgang mit den älte­ren Pries­ter­ka­me­ra­den und mit den Jün­ge­ren Freund­schaft.[83]

Schon zu Beginn der Gefan­gen­schaft ent­schied er sich seine Beru­fung als Pries­ter auch hier zu leben, jetzt wollte er für die Mit­ge­fan­ge­nen da zu sein. Er half ihnen die Hoff­nung nicht zu ver­lie­ren. Schon in dem ers­ten Tag im Gefäng­nis, wie auch spä­ter, half er über­all wo er nur konnte. Fre­li­chow­ski über­nahm frei­wil­lig ver­schie­dene Dienste im Gefäng­nis, nur um eine grö­ßere Bewe­gungs­frei­heit zu bekom­men und so den Kame­ra­den bes­ser bei­ste­hen zu kön­nen. Er ermu­tigte die Kame­ra­den und half ein geist­li­ches Leben zu füh­ren.[84]Er stärkte ihren Glau­ben und Ver­trauen in Gott. Er wirkte so den Bestre­bun­gen ent­ge­gen die Häft­linge inner­lich zu bre­chen. Er ris­kierte sein Leben um mit den Kame­ra­den Abend­ge­bete und Rosen­kranz zu beten. Seine reli­giöse Hal­tung war allen ein Vor­bild. Jeden Sonn­tag orga­ni­sierte er eine „tro­ckene“ hl. Messe, die Pries­ter bete­ten die Meß­texte und luden Kame­ra­den im Lai­en­stand dazu ein, sich mit der Messe in ihren Hei­mat­pfar­reien geis­tig zu ver­ei­nen. Fre­li­chow­ski orga­ni­sierte heim­li­che Beich­ten und Vor­träge über reli­giöse, soziale und his­to­ri­sche The­men. Wie der gute Sama­ri­ter küm­merte er sich um kranke, miss­han­delte und schwa­che Kame­ra­den. Trau­ri­gen und Nie­der­ge­schla­ge­nen begeg­nete er mit gro­ßer Zunei­gung und suchte sie. So öff­nete er auch ver­schlos­sene Her­zen.[85]

Stets ermun­terte er Mit­ge­fan­gene zu Ver­trauen in Gott und in die gött­li­che Vor­se­hung.

Ein neuer Schre­cken erfasste die Gefan­ge­nen: Häft­linge wur­den zu angeb­li­chen Ver­hö­ren weg­ge­bracht, in Wirk­lich­keit aber im Wald erschos­sen. Als dies bekannt wurde, konnte Kaplan Fre­li­chow­ski viele durch ille­gale Beichte auf den Tod vor­be­rei­ten.

Der Fami­lie wurde es erlaubt den Gefan­ge­nen Pakete mit fri­scher Wäsche ins Gefäng­nis zu brin­gen. Sie durf­ten ihre Ange­hö­ri­gen nicht spre­chen, sahen sie aber von wei­tem. Wicek nutzte die Gele­gen­heit und schrie­s­ei­ner klei­nen Schwes­ter zu: „Und du, Marylka, sei Freude für die Eltern!“ Dies waren seine letz­ten Worte für die Fami­lie. Danach wuss­ten die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen lange sei­nen Auf­ent­halts­ort nicht. Erst aus dem KZ Sach­sen­hau­sen erreichte sie wie­der ein Lebens­zei­chen.

Im Januar 1940 wurde Fre­li­chow­ski in das Durch­gangs­la­ger Nowy Port, Neu­fahr­was­ser, bei Dan­zig gebracht. Einen Monat lang wurde er dortbei Auf­räum­ar­bei­ten zur Besei­ti­gung der Ver­wüs­tung des Krie­ges ein­ge­setzt.

Auch hier betete er mit Kame­ra­den den Rosen­kranz und orga­ni­sierte Abend­ge­bete in den Zel­len. Auch hier bestärkt er sie durch geheime Beich­ten und Seelsorgs-Gespräche im Fest­hal­ten an ihrem christ­li­chen Glau­ben und im Ver­trauen in die gött­li­che Vor­se­hung. Regel­mä­ßig ver­sorgte er erkrankte Kame­ra­den.

Anfang Februar 1940 wurde Fre­li­chow­ski ins KZ Stutt­hof gebracht. Der Trans­port der inhaf­tier­ten Pries­ter bei gro­ßer Kälte war eine Qual.[86] Im Lager wurde es nicht bes­ser. Auch in die­sem Lager war die Gruppe des pol­ni­schen Kle­rus die am meis­ten unter­drückte Gruppe im Lager.[87]Hunde wur­den auf die Häft­linge gehetzt und bis­sen sie. Die Bara­cken waren stark über­be­legt. Häft­linge muss­ten auf dem Boden nur auf  hin­ge­wor­fe­nem Stroh schla­fen. Es herrschte Hun­ger. Fre­li­chow­ski rea­gierte auf diese schreck­li­che Situa­tion und teilte sein Brot mit hun­gern­den Kame­ra­den. 

Die Gefan­ge­nen muss­ten sehr schwer arbei­ten, Bäume fäl­len, das Rei­ni­gen der Latri­nen­gru­ben, Arbeit bei Aus­hub­ar­bei­ten, Schnee­räu­men. Bru­tale Kapos miss­han­del­ten sie. Wer keine Kraft mehr hatte wurde ermor­det.[88]

Der Win­ter 1940 brachte sehr viel Schnee, zum Räu­men wur­den Pries­ter gezwun­gen, diese schwere Arbeit brachte die meist älte­ren Pries­ter an die Gren­zen ihrer Kraft, sie konn­ten ein­fach nicht so schnell wie gefor­dert arbei­ten. Dar­auf­hin wur­den sie als Strafe für ihre „Faul­heit“ aus­ge­peitscht. Sie soll­ten sich alle in einer Reihe auf­stel­len. Vor Angst lie­ßen sie den Mut sin­ken. Doch Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski stellte sich frei­wil­lig an den ers­ten Platz der Reihe und ließ sich schla­gen, um den ande­ren Mut zu machen. Nach einem ande­ren Bericht flüs­terte er den Kame­ra­den in der Schlange Worte der Zuver­sicht und des Mutes zu und bemühte sich ihnen in ihrer Angst zu hel­fen, bevor er sich schla­gen ließ, wie Augen­zeu­gen berich­te­ten.[89]

Wicek wurde viel geschla­gen und schi­ka­niert. Ertrug alles erstaun­lich gedul­dig und ruhig, er wollte es als Wil­len Got­tes für sich anneh­men. Er wirkte inner­lich stille und  aus­ge­gli­chen, strahlte Gelas­sen­heit aus. Bei jeder Arbeit sah man ein Lächeln in sei­nem Gesicht, er blieb auch in die­ser Situa­tion hei­ter.

Jede reli­giöse Betä­ti­gung im Lager war unter Todes­strafe ver­bo­ten. Trotz­dem war Fre­li­chow­ski mutig. In die­ser Situa­tion orga­ni­sierte er heim­li­che Morgen- und Abend­ge­bete zu ehren Unse­rer Lie­ben Frau von den Betrüb­ten. Er pflegte sel­ber erkrankte Kame­ra­den, vor allem ältere Pries­ter. Kranke und Jun­gend­li­che waren wie­der das Haupt­ziel sei­ner gehei­men Aktio­nen.

Doch er wollte noch wei­ter gehen. Er hatte einen gefähr­li­chen Plan. In gro­ßer Heim­lich­keit ver­han­delte er mit einer Gruppe jüdi­scher Gefan­ge­ner, die das Lager zu Rodungs­ar­bei­ten täg­lich ver­lie­ßen. Diese konn­ten im gehei­men für Fre­li­chow­ski 2 Wei­zen­bröt­chen in einem Lei­nen­tuch ins Lager schmug­geln. Den Kame­ra­den war auf­ge­fal­len, dass Fre­li­chow­ski täg­lich nach den heim­keh­ren­den Juden Aus­schau hielt. Sie frag­ten, warum er ein Glas putzte. War er ver­rückt gewor­den? Nein, er plante heim­lich eine hei­lige Messe zu fei­ern. Mess­wein und sogar Hos­tien hatte ein ande­rer Pries­ter bei sei­ner Ver­haf­tung bei sich getra­gen und hatte die­sen Schatz, wie durch ein Wun­der, durch alle Kon­trol­len ret­ten kön­nen. Nach einer ande­ren Quelle konnte Wicek sogar Hos­tien und Wein orga­ni­sie­ren.[90]

Am Grün­don­ners­tag, den 21.03.1940 orga­ni­sierte Fre­li­chow­ski vor dem Weck­ruf mor­gens eine heim­li­che hei­lige Messe. Wäh­rend die Kame­ra­den noch auf dem Stroh lagen, wo sie geschla­fen hat­ten, wurde das hei­lige Opfer hin­ter einer Decke ver­bor­gen dar­ge­bracht. Nur der Zele­brant und Fre­li­chow­ski als Minis­trant befan­den sich unter der Decke. Dort war so wenig Luft, dass Fre­li­chow­ski die Decke anhe­ben musste um dem klei­nen bren­nen­den Ker­zen­stum­mel genug Luft zum Bren­nen zu ver­schaf­fen. Fre­li­chow­ski kam immer wie­der unter der Decke her­vor zu den Kame­ra­den, um ihnen zu beschrei­ben, wie weit die hl. Messe fort­ge­schrit­ten war. Diese Messe war für die bedräng­ten Geist­li­chen die erste seit Mona­ten. Alle im Block konn­ten kom­mu­ni­zie­ren. Das Aller­hei­ligste ver­steckte er in einem Regal und ermun­terte seine Kame­ra­den zur lie­be­vol­len eucha­ris­ti­schen Anbe­tung. Spä­ter an die­sem Tag brachte er Kran­ken die hei­lige Kom­mu­nion.

Wir kön­nen uns die Freude der gefan­ge­nen Pries­ter und den Trost der Gegen­wart ihres Her­ren kaum vor­stel­len. Einer der anwe­sen­den Geist­li­chen berich­tete, dass einige Tagen vor­her alle Pries­ter auf dem Prü­gel­bock geschla­gen wur­den. Dabei weinte kei­ner die­ser tap­fe­ren Män­ner. Aber wäh­rend die­ser Hl. Messe wein­ten sie alle und kei­ner schämte sich sei­ner Trä­nen. Diese Messe war eine große Stär­kung in die­sen Tagen bis Ostern, für einige pries­ter­li­che Kame­ra­den die Weg­zeh­rung kurz vor ihrem Tod.

Denn der Kar­frei­tag 1940 wurde für die Geist­li­chen ein Tag des Grau­ens. Die inzwi­schen selig­ge­spro­che­nen Pries­ter Marian Gor­ecki und Bro­nis­law Komo­row­ski wur­den erschos­sen, alle ande­ren Pries­ter wur­den grau­sam gequält. Sie muss­ten sich auf den Boden legen und wur­den mit Füßen getre­ten und Stö­cken geschla­gen. Fre­li­chow­ski sel­ber trös­tete die Pries­ter und erin­nerte sie an die Lei­den Christi.[91]

Am Oster­sonn­tag konnte noch­mal eine Hei­lige Messe gefei­ert wer­den, dies­mal über­re­de­ten die Kame­ra­den Fre­li­chow­ski sel­ber zu zele­brie­ren. Am Grün­don­ners­tag Fre­li­chow­ski hatte zunächst bewusst einem ande­ren Pries­ter den Vor­tritt gelas­sen und war sel­ber zurück­ge­stan­den, wie es stets sein Ansin­nen war im Hin­ter­grund zu blei­ben.

Fre­li­chow­ski gelang es sogar reli­giöse Bücher für die Pries­ter zu besor­gen. Diese wur­den unter dem Stroh ver­steckt gehal­ten und heim­lich ver­brei­tet. Kei­ner wusste woher sie kamen. Fre­li­chow­ski erzählte nie wo seine Quel­len waren, weder von den äuße­ren Quel­len noch von sei­nen inne­ren Kraft­quel­len sprach er zu den Kame­ra­den.  Sie sag­ten über ihn: „Er ging nur ihm allein bekannte Wege.“ So blieb es in allen Lagern, in die er noch kom­men sollte. Alle Kame­ra­den schätz­ten und lieb­ten Fre­li­chow­ski.

Im Lager Stutt­hof gab es noch keine gestreifte Häft­lings­klei­dung. Die Pries­ter tru­gen hier wei­ter­hin ihre Sou­tane, wie zum Zeit­punkt der Ver­haf­tung. Darin waren sie jeder­zeit als Pries­ter zu erken­nen und Ziel­scheibe von Grau­sam­kei­ten. Eines Nachts kam einer der Pries­ter, Jan Les­in­ski, sein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren läuft der­zeit zusam­men mit ande­ren ins­ge­samt 112 pol­ni­schen Märtyrern,nicht zur Gruppe zurück. Sein Ver­schwin­den ver­such­ten besorgte Kame­ra­den der Lager­lei­tung zu mel­den, sie ern­te­ten jedoch nur Spott und Hohn. Schließ­lich wurde die Lei­che gefun­den. Der Pries­ter war nachts ange­grif­fen und erschos­sen wor­den. Sein toter Leib war danach ver­ge­wal­tigt wor­den. Die Gruppe der Geist­li­chen war unter Schock. In die­ser Situa­tion ergriff Fre­li­chow­ski das Wort: „Betet nicht für die Gefol­ter­ten und Getö­te­ten, son­dern zu unse­ren Brü­dern, den Mär­ty­rern.“ Dadurch gelang es ihm die Gedan­ken der pries­ter­li­chen Kame­ra­den in eine neue Rich­tung zu len­ken. Sie fan­den den Mut unter Gesang einen Lei­chen­zug zu bil­den und den ermor­de­ten und geschän­de­ten Mit­bru­der zur Lei­chen­halle zu tra­gen. Abends, vor dem Schlaf­ge­hen, bete­ten sie: „Jan Les­in­ski, bitte für uns!“

Fre­li­chow­ski sagte oft zu sei­nen Kame­ra­den: „Beten wir nicht für die Ermor­de­ten, son­dern zu unse­ren Brüder-Märtyrer.Brü­der, betet! Betet in euren Zwei­feln! Betet, obwohl es euch so scheint, als ob alles umsonst sei und sogar Gott selbst euch nicht mehr hel­fen würde. Betet für­ein­an­der, betet für eure Lager­brü­der, die bedroht sind durch Tod, betet immer und über­all!

„Die Güte siegt, der Satan wird uns nicht knech­ten, wir wer­den durch­hal­ten!“ So ermu­tigte Wicek seine Kame­ra­den.

 Der März 1940 brachte die Ver­le­gung aus dem KZ Stutt­hof, ins Außen­la­ger Grenz­dorf. Vom 28.3.40 – 6.4.40[92]musste eine Gruppe von 100 Pries­tern in Außen­la­ger Grenz­dorf, 20 km von Dan­zig im Stein­bruch und Kies­grube schuf­ten.  Nur junge Häft­linge wur­den nach Grenz­dorf ver­legt, da die Arbeit sehr anstren­gend war. In der Regel gab es keine Über­le­ben­den die­ser Stra­pa­zen. Völ­lig uner­war­tet und schein­bar grund­los wur­den die Pries­ter nach kur­zer Zeit, am 06.04.1940, ins Stamm­la­ger Stutt­hof zurück­ge­schickt. Nach dem Krieg erklär­ten Freunde dies als ein Ein­grei­fen Gottes,denn so konn­ten die Pries­ter wei­ter­le­ben und Fre­li­chow­skis Mis­sion unter den Gefan­ge­nen konnte wei­ter­ge­hen.

KZ Sach­sen­hau­sen:

Wenig spä­ter, am 9.4.40 ging ein Trans­port mit Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski ins KZ Sach­sen­hau­sen ab. Am 10.4.40 erreichte die Gruppe die­ses Lager.[93] Eine grö­ßere Gruppe von eini­gen hun­dert Pries­tern war dort inhaf­tiert, Geist­li­chen aus ganz Europa, beson­ders aus Polen. In völ­li­gem Ver­trauen in Gott, ertrug Fre­li­chow­ski das  Lager­le­ben. Nie ver­lor er sei­nen Glau­ben, trotz der schwe­ren kör­per­li­chen Arbeit, die auch für Pries­ter zu leis­ten war.[94] Wäh­rend der schwe­ren Zwangs­ar­beit trös­tete er sogar noch die Mit­häft­lin­gen.

Zuerst wurde Fre­li­chow­ski dem Qua­ran­tä­neblock Nr. 20 zuge­teilt. Die­ser stand unter der Lei­tung eines sehr grau­sa­men und berüch­tig­ten Blo­ck­äl­tes­ten, des Berufs­ver­bre­chers Hugo Krey. Ihm wurde nach­ge­sagt, er habe Freude daran Kame­ra­den zu ermor­den. Beson­ders Pries­ter hasste er sehr. Sobald er unter den Gefan­ge­nen einen Pries­ter ent­deckte, trach­tete er danach die­sen zu töten. Fre­li­chow­ski wurde von ihm im KZ Sach­sen­hau­sen geschla­gen und gefol­tert.

Er war Hugo Krey in Sach­sen­hau­sen fol­gen­der­ma­ßen auf­ge­fal­len: Eines Tages for­derte Krey, von den Gefan­ge­nen sei­ner ganze Bara­cke auf dem Sta­chel­draht der Begren­zung zu krie­chen. Alle befolg­ten den Befehl, eine Ver­wei­ge­rung hätte den Tod bedeu­tet. Der Grenze zu nahe zu kom­men, bedeu­tete aber eben­falls den Tod, unter dem Vor­wand eines Flucht­ver­suchs wur­den alle Häft­linge durch Wachen dort erschos­sen. Alle kro­chen dar­auf zu. Als sie schon ganz nahe am Ende der neu­trale Zone und bei dem Sta­chel­draht ange­kom­men waren, fragte Krey: „Wer von euch ist ein Pries­ter?“ Fre­li­chow­ski lag vorne, er sprang sofort mutig auf und mel­dete sich deut­lich: „Ich bin ein katho­li­scher Pries­ter.“ Dar­auf Krey: „Also, segne sie diese, weil sie alle auf die­sem Sta­chel­draht gleich ster­ben wer­den.“ Ein Zeuge beschreibt die fol­gende Szene: „Man musste in diese Sekunde Wicek anse­hen: es exis­tierte für ihn kein Lager, kei­ner Blo­ck­äl­tes­ter, kein Maschi­nen­ge­wehr und kein Sta­chel­draht, son­dern nur die Freunde und Lei­dens­ge­fähr­ten, die im Dreck da lagen und denen der Segen Got­tes durch die Hände eines Pries­ters in diese Minute neue Kraft ein­gie­ßen konnte. Als er mit dem fei­er­li­chen Segen fer­tig war, ant­wor­tete Krey: „Amen“ und begann ihn so unmensch­lich zu schla­gen und zu tre­ten, dass er wie ein Toter da lag. Aber Wicek war froh, dass Gott ihn als Sein Werk­zeug in diese Minute benutzt hatte. Seit die­sem Ereig­nis ließ Krey ihn nicht mehr in Ruhe. Äuße­res Zei­chen dafür wurde die Fri­sur. Alle Häft­linge hat­ten kahl­ge­scho­rene Köpfe. Krey ließ Fre­li­chow­ski beim vor­ge­schrie­be­nen Rasie­ren der Kopf­haare aus Spott einige Haare in der Mitte des Kop­fes ste­hen, dort wo frü­her eine Ton­sur her­aus­ge­schnit­ten wurde. Dadurch fiel er unter den ande­ren Kame­ra­den sofort auf, was große Gefahr bedeu­tete. Fre­li­chow­ski musste mit die­ser ent­stel­len­den Spott­fri­seur lange Zeit im Lager leben. Er tat das mit sol­cher Würde, dass Krey schließ­lich auf­gab und Fre­li­chow­ski wie­der den Kopf so rasie­ren ließ, wie allen ande­ren Häft­lin­gen.

Um ihn an sei­ner Seel­sorge und dem guten Ein­fluss auf seine Kame­ra­den zu hin­dern orga­ni­sierte Krey dar­auf­hin Fre­li­chow­skis Ver­set­zung zu den Lei­chen­trä­gern. Er sollte nur noch Toten begeg­nen kön­nen. Doch Got­tes Vor­se­hung hatte andere Pläne. Auch in der Toten­halle waren einige noch am Leben und die Ster­ben­den waren glück­lich über die Begeg­nung mit einem Pries­ter. Fre­li­chow­ski, der schon als Kaplan eine beson­dere Liebe für Ster­bende gehabt hatte, beglei­tete sie auf dem Weg in die Ewig­keit.[95]

So hielt er es immer, immer ver­suchte er aus der schlimms­ten Situa­tion, die auf den ers­ten Blick als Werk des Teu­fels erschien, etwas Gutes zu machen und Got­tes Werk zu tun.

Nach eini­ger Zeit gewann Fre­li­chow­ski sogar das Wohl­wol­len des grau­sa­men Blo­ck­äl­tes­tern durch seine Freund­lich­keit und durch Gebet. Er war der ein­zige im Block 20, der nun nicht mehr miss­han­delt wurde. Hugo Krey wurde schließ­lich von der SS ver­haf­tet und in den Bun­ker ver­schleppt, wo diese ihn schließ­lich erhäng­ten. Danach wurde die Situa­tion für alle leich­ter und Wicek konnte jetzt an wei­tere pas­to­rale Tätig­keit den­ken. Er orga­ni­sierte reli­giöse Vor­träge, Gesprä­che und begeis­ternde und ermu­ti­gende Lit­ur­gien wur­den orga­ni­siert.[96]

Im KZ Sach­sen­hau­sen herrschte eine depri­mie­rende Stim­mung. Fre­li­chow­ski  ermu­tigte und half, wo er nur konnte, wie immer mit einem Lächeln und Freude.[97] Er führte wei­ter dis­kret sei­nen apos­to­li­scher Dienst an Kran­ken, Schwa­chen, Älte­ren und Jugend­li­chen fort, sprach Worte des Tros­tes und der Hoff­nung. Er half auch Kame­ra­den in ande­ren Blocks. Sein Eifer als Seel­sor­ger blühte auch hier. Obwohl  jede reli­giöse Betä­ti­gung unter Todes­strafe ver­bo­ten war, stärkte er seine Kame­ra­den durch Gebet, mit dem Sakra­ment der Beichte und der Hei­li­gen Kom­mu­nion. Im Gehei­men lei­tete er Gebete um den Glau­ben der Kame­ra­den zu stär­ken.

In Sach­sen­hau­sen leb­ten die Pries­ter abge­son­dert in einem Qua­ran­tä­nela­ger, dem  soge­nann­tem Klei­nem Lager. Nur zum Kes­sel­t­ra­gen kamen ins sog. Grosse Lager, dabei muss­ten sie schwere Metall­kü­bel mit den Mahl­zei­ten aus der Küche zu den Bara­cken des Klei­nen Lagers tra­gen und anschlie­ßend leer wie­der zurück. Diese Gele­gen­heit nutzte Fre­li­chow­ski geschickt aus, um den gefan­ge­nen Kame­ra­den des Gro­ßen Lagers den Emp­fang des Sakra­men­tes der Beichte zu ermög­li­chen. Da jeder  Kes­sel von zwei Per­so­nen getra­gen wer­den musste, wurde geschickt ein­ge­teilt, dass diese von je einem Pries­ter und einem Häft­ling, der beich­ten wollte, getra­gen wur­den. Auf dem Weg zurück zur Küche mit den lee­ren Kes­seln, konn­ten Pries­tern den mit­tra­gen­den Laien die Beichte spen­den. Und so konn­ten viele Men­schen, die kurz danach auf Trans­porte ins Unbe­kannte gin­gen, auf ihren Tod vor­be­rei­tet wer­den.

Im Herbst 1939 war auch Wiceks älte­rer Bru­der Les­zek ver­haf­tet wor­den, wegen Zuge­hö­rig­keit zu einer Wehr­sport­gruppe. Er war in Byd­goszcz und Torun inhaf­tiert und dort schwer miss­han­delt wor­den. Den Eltern gelang es seine Befrei­ung zu erwir­ken. Les­zek starb jedoch am 11.5.1940, wenige Tage nach sei­ner Ent­las­sung, an den Fol­gen der Miss­hand­lun­gen und an einer Lun­gen­ent­zün­dung.[98] Wicek sel­ber erfuhr diese schreck­li­che Nach­richt durch einen Brief von zuhause, erst Monate spä­ter.[99] Die Fami­lie hatte so von ihren 3 Söh­nen schon zwei ver­lo­ren und Wicek war in Deutsch­land im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gefan­gen.

KZ Dachau, das  Inter­nie­rungs­la­ger für alle Geist­li­chen aus dem gan­zen Reich ein­schließ­lich aller erober­ten Län­der, also nahezu aus ganz Europa.

In Ver­hand­lun­gen der deut­schen Bischofs­kon­fe­renz und des Hei­li­gen Stuhls, ver­tre­ten durch den Nun­tius, mit Ber­lin, war im Jahr 1940 die Ent­schei­dung getrof­fen wor­den alle Geist­li­chen in einem Lager zusam­men­zu­füh­ren. Dort soll­ten sie von Arbeit befreit sein und täg­lich Messe fei­ern dür­fen. Die Umset­zung zog sich aller­dings bis Ende 1940 hin.

Als Fre­li­chow­ski am 14.12.1940 mit einer grö­ße­ren Gruppe pol­ni­sche Pries­ter im KZ Dachau ankam, begann für die Geist­li­chen dort eine beson­dere Zeit. Anfang des Jah­res 1941 wur­den die Geist­li­chen von den ande­ren Häft­lin­gen abge­trennt und beka­men eine Lager­ka­pelle und die Mög­lich­keit Messe zu fei­ern.

Lit­ur­gie: Fre­li­chow­ski berei­tete es auch im Lager große Freude die Lit­ur­gie zu gestal­ten. Treu und gewis­sen­haft erfüllte Wicek sei­nen Dienst. Als Minis­trant oder Zere­mo­niar diente er am Altar. Nur der pol­ni­sche Lager-Kaplan Pra­bucki durfte zele­brie­ren, weil er im ers­ten Welt­krieg als Artil­le­rie­of­fi­zier der deut­schen Armee sich Ver­dienste erwor­ben und Aus­zeich­nun­gen, Ver­dienst­kreuze bekom­men hatte. Für Pra­bucki läuft der­zeit auch ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren, in der Gruppe der 112 pol­ni­schen Mär­ty­rer ist er ent­hal­ten. 

In die­ser Zeit soll­ten die Geist­li­chen keine Zwangs­ar­beit leis­ten und bes­se­res Essen erhal­ten, als die ande­ren Häft­linge. Dies ver­stärkte die Kluft zwi­schen den Geist­li­chen und den nei­di­schen ande­ren Gefan­ge­nen, ganz wie von der Lager­lei­tung beab­sich­tigt. In die­ser Zeit wur­den die Geist­li­chen aber zum Schnee­räu­men und Schlep­pen der Essens­kes­sel gezwun­gen, ver­spot­tet, miss­han­delt und auf viel­fäl­tige Weise gequält.

Schon im Sep­tem­ber 1941 wur­den die „Pri­vi­le­gien“ für die pol­ni­schen Geist­li­chen (ab Früh­ling 1942 für alle Geist­li­chen) abge­schafft. Alle pol­ni­schen Geist­li­chen wur­den vor die Ent­schei­dung gestellt, auf ihre pol­ni­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit zu ver­zich­ten. Dazu konn­ten sie sich in die soge­nannte „Volks­deut­sche Liste“ ein­tra­gen las­sen. Es wurde ihnen dafür die Frei­heit ver­spro­chen, wenigs­tens aber die Pri­vi­le­gien der deut­schen Pries­ter, wie die Mög­lich­keit in der Kapelle Messe zu fei­ern. Wie alle ande­ren pol­ni­schen Pries­ter, sogar die, wel­che wirk­lich deut­scher Abstam­mung gewe­sen waren, ent­schied sich Fre­li­chow­ski dage­gen und erdul­dete wei­ter­hin das grau­same KZ und Wut der Lager­lei­tung. Diese behan­delte die pol­ni­schen Pries­ter nach die­ser Wei­ge­rung wütend mit grau­sa­men Repres­sa­lien[100], so wie ange­droht, „wie gewöhn­li­che Ver­bre­cher“. Fre­li­chow­ski wurde in Dachau von den Wachen phy­sisch und psy­chisch miss­han­delt und ver­spot­tet.[101]

Fre­li­chow­ski bekämpfte Kon­flikte, die zwi­schen ein­zel­nen Par­teien unter den pol­ni­schen Pries­tern ent­stan­den waren.[102] Ein Kon­flikt­punkt war die Gestal­tung des Abends. Tod­müde lagen die Geist­li­chen auf den Stroh­sä­cken, froh wie­der einen Tag über­lebt zu haben. Einige woll­ten noch reden, andere beten und schla­fen. Fre­li­chow­ski setzte sich dafür ein nach dem Abend­ge­bet das Still­schwei­gen (in Klös­tern wird nachts geschwie­gen) zu hal­ten. Er konnte nicht alle über­zeu­gen.

Einige Kame­ra­den ver­spot­te­ten ihn und sei­nen Seel­sor­ge­ei­fer. Er ertrug Sti­che­leien und Hän­se­leien mit Würde und inne­rem Frie­den. Nicht alle ver­stan­den ihn. Er wurde als „komi­scher Hei­li­ger“ aus­ge­lacht. Aber auch diese Spöt­ter wein­ten bei sei­nem Tod.

Ab Herbst 1941 war den pol­ni­schen geist­li­chen das Betre­ten der Lager­ka­pelle nicht mehr gestat­tet, nur noch deut­sche Geist­li­che durf­ten dort beten und Messe fei­ern, erst gegen Ende des Krie­ges wurde die­ses Ver­bot gelo­ckert und alle Natio­nen durf­ten in die Kapelle kom­men. Für pol­ni­sche Geist­li­che zog schon der Besitz eines Mess­bu­ches, Rosen­kranz oder einer Medaille schwerste Stra­fen nach sich. Seel­sorge war grund­sätz­lich bei Lebens­ge­fahr ver­bo­ten.

Seel­sor­ger:

Fre­li­chow­ski war auch im Lager mit gan­zem Her­zen Seel­sor­ger. Er ließ sich von den stren­gen Ver­bo­ten nicht ent­mu­ti­gen oder gar abhal­ten. Er begann heim­lich wie­der seine inten­si­ven pas­to­ra­len Akti­vi­tä­ten.[103] Schon zu Beginn der Gefan­gen­schaft ver­stand er seine Beru­fung als Pries­ter neu, er wollte jetzt für die Mit­ge­fan­ge­nen da zu sein. Trotz extre­mer Lebens­be­din­gun­gen im Lager führte er sei­nen seel­sorg­li­chen Dienst des­halb wei­ter. Er gönnte sich keine Pause. Er war über­all und half wo er konnte. Stän­dig war er unter­wegs, in den Erho­lungs­pau­sen, abends, nachts. Trotz stren­ger Ver­bote schlich er sich auf andere Blocks um Kame­ra­den zu hel­fen. Dies ent­sprach sei­ner eige­nen Vor­stel­lung vom Pries­ter­sein. Er half allen die Hoff­nung nicht zu ver­lie­ren. Er hörte so oft wie mög­lich Beichte und zele­brierte heim­lich im Block der pol­ni­schen Pries­ter, aber auch auf den Blocks pol­ni­scher Laien die hl. Messe. Beson­ders auch für Jugend­li­che war er ein geist­li­cher Leh­rer.[104] Über­le­bende Kame­ra­den berich­te­ten, dass es genügte ihn zu tref­fen, ihm ein­fach in seine Augen zu bli­cken, um im KZ Kraft zum Über­le­ben zu fin­den. Andere Häft­linge hat­ten mehr­heit­lich leere und trost­lose Augen voll Ver­zweif­lung, Tod, Schmerz und Resi­gna­tion, in Wiceks Augen war Sinn und Frie­den. Ein Kame­rad berich­tet, Fre­li­chow­ski war die ein­zige Stütze, an der man sich fest­hal­ten und auf­rich­ten konnte. Hun­derte, tau­sende Men­schen haben ihm das Leben zu ver­dan­ken.

Im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau schrieb Wicek ein Gedicht, mit dem Titel „Ich bin froh, o Herr!”[105] Das zeigt, auch in der schein­bar gott­lo­sen Hölle konnte er seine Freude und sei­nen Glau­ben bewah­ren und darin ande­ren ein Vor­bild sein. Auch Men­schen mit Glau­bens­zwei­feln konn­ten sich sei­ner Liebe und Zuwen­dung sicher sein. Er küm­merte sich auch um Men­schen, die sich weit weg von Gott fühl­ten, half ihnen wie­der einen neuen Zugang zum Glau­ben zu fin­den.

Er betete viel mit den Kame­ra­den, sowohl Geist­li­chen als auch Laien. Vor allem abends sprach er in der Schlaf­stube das Abend­ge­bet. Es wird berich­tet, dass seine Worte den ande­ren Geist­li­chen viel Trost gaben. Oft waren Ver­zweif­lung und Selbst­mord­ge­dan­ken danach ver­schwun­den. Viele Gefan­gene spiel­ten mit dem Gedan­ken voll Ver­zweif­lung in den elek­tri­schen Zaun zu lau­fen, um ihr Leben und damit den Lei­dens­weg zu been­den.

„Es genügt ihm ein­mal in die Augen zu schauen und die Todes­ge­dan­ken waren dahin.“ „In sei­nen Augen konn­ten die Kame­ra­den Ruhe, Freude und Got­tes Gegen­wart sehen.“ Kar­di­nal Adam Kozlo­wiecki, eben­falls im KZ Dachau inter­niert, erin­nerte sich: „Fre­li­chow­ski war immer gelas­sen. In sei­ner Ruhe spür­ten wir: hier ist Gott gegen­wär­tig, der gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Diese Beob­ach­tung ist noch erstaun­li­cher, da Kozlo­wiecki mit Fre­li­chow­ski sel­ber im Lager nie gespro­chen hat, er gehörte nicht zu des­sen Freun­des­kreis.  

Fre­li­chow­ski schien den Kame­ra­den wie eine Säule im Feld, an der man sich stüt­zen konnte. Er wollte so viele Leben wie nur mög­lich ret­ten. Dabei war er aber immer nur der Initia­tor sei­ner Aktio­nen, andere stan­den spä­ter an der Spitze sei­ner Werke, er trat sel­ber zurück in den Hin­ter­grund.

Spi­ri­tua­li­tät: Woher hatte die­ser Mann so viel Kraft? Fre­li­chow­ski lebte aus der Kraft der Eucha­ris­tie, daher ver­ständ­lich auch, dass er alles ris­kierte um die hl. Messe zu fei­ern und die hl. Kom­mu­nion den Kame­ra­den zu spen­den.

In ihm war ein sehr gro­ßes Ver­trauen in Got­tes gute Vor­se­hung. Sei­nen Wil­len wollte er erfül­len, danach wollte er stre­ben. In der ers­ten Zeit der Gefan­gen­schaft bat er die Fami­lie alles nur Mög­li­che für seine Frei­las­sung zu unter­neh­men. Schließ­lich konnte er sogar seine Haft als Got­tes Wil­len akzep­tie­ren und wollte keine Bemü­hun­gen um Frei­las­sung mehr. Er ermun­terte auch andere zu Ver­trauen und zum Glau­ben an die gött­li­che Vor­se­hung.

Eine wei­tere Basis sei­ner Spi­ri­tua­li­tät war die Liebe zur Got­tes­mut­ter Maria. Schon als Schü­ler war er Mit­glied der Maria­ni­schen Kon­gre­ga­tion gewor­den. Zusam­men mit dem Pfad­fin­der­sein prägte ihn die inten­sive Bezie­hung zu Maria, die er dort gelernt hatte. Er besuchte im Lager Dachau auch Vor­träge von P. Ken­te­nich, dem Grün­der der Schön­statt­be­we­gung. Auch er war maria­nisch geprägt, und Fre­li­chow­ski hörte ihm gerne über die drei­mal wun­der­bare Mut­ter spre­chen.

Gebet: Im Pries­ter­block betete Wicek täg­lich den Kame­ra­den vor und lehrte sie, dass beten nicht bedeu­tet aus­wen­dig gelernte Gebete auf zu sagen, son­dern eine echte Bezie­hung zu Gott zu füh­ren. Oft kniete er kon­zen­triert unter den Gefan­ge­nen und betete. Seine inten­sive Bezie­hung zu Gott wurde zum Vor­bild und Zeug­nis, die Men­schen folg­ten sei­nem anste­cken­den Bei­spiel.[106] Gemein­same Gebete waren im Lager, außer­halb der Kapelle, streng ver­bo­ten, des­halb konn­ten die Gefan­ge­nen nur  leise beten. Fre­li­chow­ski ver­stand das Gebe­tes als Kraft­quelle um aus dem Teu­fels­kreis des Has­ses und des Bösen aus­zu­stei­gen und das lehrte er auch seine Freunde und Schü­ler. Auch Gebet für Ver­stor­bene Kame­ra­den und Kranke war ihm wich­tig.

Kranke: Schon recht früh ver­schaffte er sich Zugang zum Kran­ken­re­vier, durch Ver­mitt­lung eines pol­ni­schen Arz­tes, der ihm erlaubte einen TBC-Kranken zu besu­chen.[107] Dort konnte er heim­lich Kranke seel­sorg­lich betreuen. Sein Enga­ge­ment zum heim­li­chen Beichte hören, Spen­den der Hl. Kom­mu­nion, Besuch der Kran­ken und deren Beglei­tung im Ster­ben war sehr groß und bewun­derns­wert. Viele hat Fre­li­chow­ski auf den Tod vor­be­rei­tet.

Auch kon­kret wollte Fre­li­chow­ski hel­fen. Er stahl sich ins Revier, um erkrank­ten Kame­ra­den hel­fen zu kön­nen, wusch Kranke und gab Hun­gern­den zu essen.[108]

Zur Zwangs­ar­beit war Wicek zuerst, wie alle Geist­li­chen, in der Plan­tage ein­ge­teilt. Ab 1942 könnte er ein weni­ger anstren­gen­des Kom­mando mit einer Arbeit unter Dach fin­den, dort musste er etwas in Papier­tü­ten ver­pa­cken. Nach sei­ner Erkran­kung mit Auf­ent­halt im Revier konnte er in die­ses Kom­mando zurück­keh­ren. (Den Scho­nungs­schein aus dem Revier, der ihn ähn­lich wie eine Krank­schrei­bung noch einige Zeit vor schwe­rer kör­per­li­cher Arbeit schüt­zen sollte, gab er an einen ande­ren Geist­li­chen wei­ter, der so nicht mehr zur Arbeit in die Plan­tage aus­rü­cken musste. Fre­li­chow­ski hatte ihm damit das Leben geret­tet.) Gegen Kriegs­ende war sein Arbeits­platz im Luft­schutz­kel­ler beim prä­pa­rie­ren von Anzün­der­koh­len. 

Jede Arbeits­stelle nutzte Fre­li­chow­ski um dort mit den Kame­ra­den über den Glau­ben zu spre­chen, sie auf­zu­bauen und zu trös­ten.

Wie in den bis­he­ri­gen Lagern scheute er auch in Dachau kein Risiko um seine Kame­ra­den auf­zu­rich­ten und ihren Glau­ben zu stär­ken. Als Pries­ter tat er alles, um die Sakra­mente spen­den zu kön­nen.

Fre­li­chow­ski war die Eucha­ris­tie beson­ders wich­tig. Aus die­ser Quelle schöpfte er seine schein­bar uner­schöpf­li­chen Kräfte, des­halb wollte er mög­lichst vie­len Kame­ra­den die Teil­nahme an heim­li­chen Hl. Mes­sen ermög­li­chen und die Kom­mu­nion aus­tei­len, beson­ders Kran­ken und Ster­ben­den. Dafür ging er jedes Risiko ein. Er orga­ni­sierte gemein­same Gebete, hei­lige Mes­sen, teilte täg­lich Kom­mu­nion aus (die Par­ti­kel waren so klein wie ein Wei­zen­korn, um für mög­lichst viele zu rei­chen) und half ein geist­li­ches Leben zu füh­ren. Schon 1 Monat vor Eröff­nung der Kapelle hatte er sich das Aller­hei­ligste besor­gen kön­nen, um es Ster­ben­den im Lager zu rei­chen.[109]

Schon früh war es ihm gelun­gen ille­gal in die Kapelle auf Block 26 zu gelan­gen, dies war ab Sep­tem­ber 1941 nur noch deut­schen Geist­li­chen erlaubt und wurde aus Angst auch streng kon­trol­liert. Offen­sicht­lich hatte er auch hier bei den deut­schen Geist­li­chen Freunde, die ihm heim­lich hal­fen. So hatte er auch die Mög­lich­keit an Hos­tien zu gelan­gen um diese an ster­bende pol­ni­sche Pries­ter­ka­me­ra­den zu ver­tei­len. Er konnte aber auch andere pol­ni­sche Pries­ter zur Messe in die Kapelle hin­ein­schmug­geln.

Um noch mehr Kame­ra­den die Teil­nahme an der Eucha­ris­tie zu ermög­li­chen orga­ni­sierte er und fei­erte auch sel­ber heim­lich die Hl. Messe auf den pol­ni­schen Wohn­blocks der Pries­ter und sogar auf den Wohn­blocks pol­ni­scher Laien. Wenn er keine Hos­tien und Wein orga­ni­sie­ren konnte, waren es „tro­ckene“ Mes­sen, nur beste­hend aus den Meß­tex­ten und Gebe­ten um sich geist­lich mit dem Herrn zu ver­ei­nen. Oft waren seine Bemü­hun­gen beim Orga­ni­sie­ren aber auch erfolg­reich. Hos­tien und Wein hatte er sich ver­steckt und getarnt in Pake­ten von zuhause schi­cken las­sen[110] oder von den deut­schen Geist­li­chen bekom­men. Teil­weise ver­wen­dete er auch Brot­krü­mel als Hos­tien.[111]

Hin­ter dem Ofen ver­steckt oder auf den Blocks der pol­ni­schen Laien zwi­schen den Bet­ten ver­steckt, sit­zend oder lie­gend, fei­erte er heim­lich die hei­lige Messe. Er hatte dabei andere pol­ni­sche Pries­ter mit­ge­bracht, um ihren Glau­ben und ihre Beru­fung zu stär­ken durch das Erleb­nis der heim­li­chen Mes­sen und die Erfah­rung des gro­ßen geist­li­chen Hun­gers der Kame­ra­den. So konnte er ande­ren Pries­ter zei­gen wie sehr Pries­ter gebraucht wur­den, wenn auch unter Lebens­ge­fahr. Nach dem Got­tes­dienst wagte er sogar das Aller­hei­ligs­tes in einem Schrank auf­zu­be­wah­ren.[112]

Er gewann Hel­fer für ver­tei­len der Eucha­ris­tie, der unend­li­che Liebe Christi.[113] Beim Aus­tei­len der Kom­mu­nion waren seine Beicht­kin­der und befreun­dete Semi­na­ris­ten behilf­lich.

Beichte: Fre­li­chow­ski stand sei­nen Kame­ra­den heim­lich sehr oft zur Ver­fü­gung um ihnen das Sakra­ment der Beichte zu spen­den. Er ging zu Kran­ken, traf Kame­ra­den auf der Lager­strasse oder in ihren Wohn­blocks. Heim­lich hörte er sogar auf dem Weg zur Arbeit Beichte.[114]

Um auch mit den fran­zö­si­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen spre­chen, ihnen hel­fen und Beichte hören zu kön­nen, bat er die Mut­ter in der Hei­mat ihm eine fran­zö­si­sche Gram­ma­tik zu schi­cken. Er wollte sogar noch im Lager sein Fran­zö­sisch ver­bes­sern.  Außer Pol­nisch und Latein sprach Fre­li­chow­ski auch Deutsch und Fran­zö­sisch.

Okto­ber 1941: Ein Trans­port kam aus der Erz­diö­zese Poznan an mit einer Gruppe älte­ren Pries­tern. Ängst­lich, depres­siv, ein­ge­schüch­tert, mit wenig Selbst­ver­trauen hat­ten sie Pro­bleme sich im Lager zurecht zu fin­den. Fre­li­chow­ski ging in ihren Block, kniete sich abends mit ihnen auf den Boden und betete. So gestärkt konn­ten sie die Angst vor dem Lager über­win­den. Er gab auch prak­ti­sche Tips über das Lager­le­ben und unter­stütze diese Män­ner auch nach Kräf­ten kon­kret, z. B. beim „Bet­ten­bau“.[115]

Das Jahr 1942 war das Jahr des Hun­gers für die Pries­ter im KZ Dachau. Viele Geist­li­che ver­fie­len kör­per­lich und see­lisch rasch, in der Lager­spra­che nannte man diese Häft­linge „Musel­män­ner“. Fre­li­chow­ski kam nie in die­ses gefähr­li­che Sta­dium, obwohl auch er sehr abma­gerte und schließ­lich nur noch 57 kg wog. Nur noch aus Haut und Kno­chen beste­hend, hatte er trotz­dem die Kraft von sei­nem weni­gen Essen noch an Kame­ra­den abzu­ge­ben, die noch mehr hun­ger­ten als er. Hun­gernde hat­ten sehr gegen die Ver­su­chung zu kämp­fen, ande­ren Kame­ra­den Brot zu steh­len. Dies kam sogar unter den Geist­li­chen vor. Brot­dieb­stahl wurde sofort mit dem Tode bestraft, oft schon vor einer offi­zi­el­len Mel­dung durch Lynch­jus­tiz von Kame­ra­den. Wir Sat­ten unse­rer Tage soll­ten uns jeder Ver­ur­tei­lung ent­hal­ten, wenn wir sol­che Berichte hören. Kei­ner von uns kann nach­voll­zie­hen, wie es sich anfühlt zu ver­hun­gern.

Aus der Zeit im KZ Dachau wird fol­gende Bege­ben­heit berich­tet: Es hatte sich ein Brot­dieb­stahl ereig­net (in Block 28 Stube 4, bei den älte­ren pol­ni­schen Pries­tern). Der Stu­benäl­teste for­derte den Dieb auf sich zu mel­den. Als das nicht geschah (weil es das Todes­ur­teil des­je­ni­gen gewe­sen wäre), drohte der Älteste der gan­zen Stube Straf­ex­er­zie­ren an, bis der Dieb sich mel­den würde. Diese „Gym­nas­tik­übun­gen“ hät­ten für viele der älte­ren pol­ni­schen Geist­li­chen aber eben­falls den Tod bedeu­tet. Um das zu ver­hin­dern, mel­dete Fre­li­chow­ski, der zufäl­lig als Besu­cher anwe­send war, sich an Stelle des Schul­di­gen. Der Stu­benäl­teste glaubte ihm jedoch nicht. Jedem ande­ren hätte er diese Tat geglaubt, aber nicht Wicek. Aber tief beein­druckt von die­sem Mut und die­ser Selbst­lo­sig­keit erließ er allen das Straf­ex­er­zie­ren. Fre­li­chow­ski hatte wie­der viele Leben sei­ner Kame­ra­den geret­tet. Auch bei ande­ren Gele­gen­hei­ten nahm er die Schuld ande­rer auf sich und wurde an ihrer statt zur Strafe geschla­gen.

Revier: Im Früh­ling 1942 wurde Fre­li­chow­ski sel­ber krank. Vom  März bis Juli 1942 war er im Kran­ken­re­vier, wo er vor­her heim­lich Kame­ra­den gehol­fen hatte. Es war wie ein Wun­der, dass er dort auf­ge­nom­men wurde, als pol­ni­scher Pries­ter. Ihnen war 1942 der Zugang zum Revier ver­wehrt. Sicher hal­fen Wicek seine guten Bezie­hun­gen zum Pfle­ge­per­so­nal im Revier, die ihm bis­her den Besuch bei Kran­ken ermög­licht hat­ten. So war Fre­li­chow­ski vor den Grau­sam­kei­ten des Jah­res 1942 bewahrt, das viele Geist­li­che nicht über­leb­ten. Beson­ders grau­sam waren die Schi­ka­nen der Kar­wo­che 1942 für die pol­ni­schen Geist­li­chen, die viele sehr  schwächte, das Leben kos­tete. Aber sogar diese Zeit sei­ner Krank­heit im Revier nützte er um ande­ren Kran­ken dort zu hel­fen

Fre­li­chow­ski musste sich einer Ope­ra­tion unter­zie­hen, eine Eiter­ge­schwulst wurde aus sei­ner Brust her­aus­ope­riert. Da die Wunde nur sehr lang­sam ver­heilte, musste er lange auf der Kran­ken­sta­tion blei­ben und war dadurch geschützt. Nor­ma­ler­weise bedeu­tete ein Auf­ent­halt im Revier, der län­ger als 4 Wochen dau­erte, einen Ein­trag auf die Liste eines Inva­li­den­trans­por­tes und den siche­ren Tod. Wie ein Wun­der konn­ten ihn die Kame­ra­den davor bewah­ren. 

Schließ­lich wurde Wicek wie­der gesund und konnte noch einige Zeit im Revier als Stu­ben­dienst blei­ben. Auch das war zu die­ser Zeit für pol­ni­sche Pries­ter eigent­lich völ­lig unmög­lich. Er konnte sich dort nun auch offi­zi­ell frei bewe­gen und seel­sorg­lich arbei­ten. Er half allen Kran­ken, unab­hän­gig von Natio­na­li­tät, Glaube, als Pfle­ger und Seel­sor­ger. Aber auch für die ande­ren Pfle­ger, junge Gefan­gene war er in beson­de­rer Weise da.

Sel­ber war Fre­li­chow­ski oft krank und wie­der­holt als Pati­ent im Revier. Es war wie ein zwei­tes Zuhause für Ihn. Unter den Kran­ken erfüllte er seine haupt­säch­li­che Mis­sion. Er stand Ster­ben­den bei. Alle lieb­ten ihn im Revier, Pati­en­ten und Pfle­ger. Wenn Fre­li­chow­ski wie­der ent­las­sen wurde, ver­miss­ten ihn die Freunde im Revier sehr. Des­halb besuchte er sie und die Kran­ken dort täg­lich. Ein­tritt ver­schaffte er sich heim­lich durch die Pforte der Toten­kam­mer, wo ein Freund ihn ein­ließ. Von dort gelangte er durch die Ver­bin­dungs­gänge in alle Berei­che des Reviers und konnte dort als Apos­tel der Kran­ken wir­ken.

Jugend­seel­sor­ger: Wie vor der Gefan­gen­nahme küm­merte sich Wicek auch im Lager beson­ders um Jugend­li­che. Im Lager waren Jugend­li­che beson­ders gefähr­det und in der Unschuld ihrer Jugend bedroht und beson­de­rer Per­ver­sion aus­ge­lie­fert. Einige waren so trau­ma­ti­siert, dass sie nie­man­dem mehr ver­trauen konn­ten. Auch pro­mi­nente Mit­häft­linge nutz­ten ihren Hun­ger und ihre Schutz­lo­sig­keit scham­los aus. Es gab nie­mand, der ihnen Auto­ri­tät und Halt gege­ben hätte kön­nen, nur auf Wicek hör­ten sie. Die ande­ren Erwach­se­nen ver­ach­te­ten sie. Fre­li­chow­ski gelang es mit klei­nen Ges­ten ihr Ver­trauen zu gewin­nen und er wurde ihnen zum ech­ten Freund. So konnte er sie ermu­ti­gen und wurde ihr geist­li­cher Füh­rer. Er war immer hei­ter, so dass er andere nach­hal­tig auf­mun­terte. Er war ein lie­ber Freund für junge Men­schen im Revier. Schützte sie und unter­stützte sie im schwie­ri­gen Lager­le­ben. Wicek war locker und lus­tig, er unter­hielt sich mit ihnen auch ganz natür­lich und fröh­lich über All­täg­li­ches, so dass sie nicht abwehr­ten, als er das Gespräch auf geist­li­che Dinge und die Seele lenkte. “Viele von ihnen erin­ner­ten sich noch nach Jah­ren, dass er ein wah­rer Freund für sie war. Er konnte ihnen mit gro­ßer Begeis­te­rung über Gott und Reli­gion erzäh­len.“[116]  Viele die­ser Jugend­li­chen arbei­te­ten im Revier. Sie ver­schaff­ten ihm Ein­lass in alle Berei­che des Reviers, sogar auf die Qua­ran­tä­ne­sta­tio­nen konnte er so gelan­gen um die Sakra­mente Beichte und Kom­mu­nion zu spen­den.

Er traf sich mit den Jugend­li­chen heim­lich in der Patho­lo­gie die sie für ihn heim­lich öff­ne­ten, und sie hör­ten ihm zu.[117] Aber auch bei Spa­zier­gän­gen auf der Lager­strasse oder hin­ter den letz­ten Bara­cken, Nr. 30,  hör­ten sie auf sei­nen Rat. Dort orga­ni­sierte Fre­li­chow­ski für die Jugend­li­chen auch Mathe­ma­tik­un­ter­richt durch einen Mit­bru­der. Dafür erbat er sich von zuhause die Mathe­ma­tik­lehr­bü­cher sei­ner Schwes­ter. Inter­es­sant ist, dass er mehr­mals beharr­lich in sei­nen Brie­fen um diese Mathe­ma­tik­lehr­bü­cher bat, bis er sie end­lich in einem Paket erhielt, wofür er in einem ande­ren Brief dankte.

Kon­krete Hilfe: Fre­li­chow­ski war nicht nur um das See­len­heil sei­ner Kame­ra­den besorgt. Er erkannte in bedürf­ti­gen Mit­ge­fan­ge­nen den lei­den­den Chris­tus. Ihm zu die­nen war er jeder­zeit bereit. In der größ­ten Hun­gers­zeit zögerte er nicht Mit­häft­lin­gen sein weni­ges Brot zu schen­ken und sel­ber zu hun­gern.

Er half auch bei kon­kre­ten Nöten, wo er nur konnte. Er half mit Lebens­mit­teln und Medi­ka­men­ten. Vie­les wusste er zu besor­gen. Er konnte sogar eine neue Brille orga­ni­sie­ren. Er half auch prak­tisch.

Je schwie­ri­ger die Situa­tion war, desto akti­ver war Wicek. Er half wie­der­holt Kame­ra­den in gefähr­li­chen Situa­tio­nen und ret­tete sie.

Ihm half ab Herbst 1942 die Mög­lich­keit Pakete von zuhause emp­fan­gen zu kön­nen. Wie bei den deut­schen beka­men auch viele pol­ni­sche Geist­li­che zahl­rei­che Pakete, von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, Freun­den und ihren Hei­mat­pfar­reien, des­we­gen ver­brei­te­ten die SS-Wachen  Gerüchte, dass bei den „bösen“ Geist­li­chen Lebens­mit­tel ver­dar­ben, wäh­rend nebenan Kame­ra­den ver­hun­ger­ten. Sie fan­den aber in ihren Spin­den keine Lebens­mit­tel­vor­räte. Alles war ver­schenkt wor­den.

In sei­nen Brie­fen an die Fami­lie daheim bat Fre­li­chow­ski um Pakete mit Medi­ka­men­ten, Lebens­mit­teln, Gebrauchs­ge­gen­stän­den… Genau zählte er das Not­wen­dige auf, aber die emp­fan­ge­nen Geschenke waren alle für seine Kame­ra­den bestimmt.

Er bat die Fami­lie sogar Geld an deut­sche Mit­ge­fan­gene zu schi­cken. Dafür über­mit­telte er ihnen Namen, Geburts­da­ten und Blo­ck­adres­sen von Kame­ra­den. Da das unter Todes­strafe ver­bo­ten war, ver­wen­dete er unter­schied­li­che Chif­fren, die seine Mut­ter zu ent­zif­fern wusste. Durch seine Post gelang­ten viele Namen Mit­ge­fan­ge­ner und Ver­stor­be­ner aus dem Lager. Die Mut­ter bat er Rei­sen zu unter­neh­men um alle Bot­schaf­ten den betrof­fe­nen Ange­hö­ri­gen aus­zu­rich­ten. Auf seine Fami­lie konnte Wicek sich ver­las­sen, er ver­traute sehr auf ihre Hilfe. Nach Gott war seine Fami­lie die wich­tigste Kraft­quelle für ihn.

Um die Hilfe bes­ser orga­ni­sie­ren zu kön­nen, wurde auf Wiceks Initia­tive hin auf Block 28, dem Block der pol­ni­schen Geist­li­chen, eine Cari­tas­or­ga­ni­sa­tion gegrün­det. Die­ses Werk war sein „Lieb­lings­kind“, die Lei­tung jedoch lag immer in den Hän­den eines ande­ren Pries­ters. So eine Orga­ni­sa­tion unter den Häft­lin­gen, auch zur gegen­sei­ti­gen Hilfe, war streng ver­bo­ten. Den Vor­sitz führ­ten 4 Pries­ter, aus jeder Stube des Blo­ckes 28 einer. Sie tra­fen sich wöchent­lich auf der Stube Fre­li­chow­skis zur Arbeits­be­spre­chung. Dabei wur­den bewusst keine Schrift­stü­cke oder schrift­li­chen Noti­zen gemacht, um keine Spu­ren zu hin­ter­las­sen. Es wur­den die Namen Bedürf­ti­ger aus den pol­ni­schen Blocks 16 und 18 gesam­melt. Wer bekam keine Pakete von zuhause. Auch rus­si­schen und ita­lie­ni­schen Kame­ra­den wurde gehol­fen, die keine Pakete erhiel­ten. Er konnte dafür viele Hel­fer moti­vie­ren, beson­ders Jugend­li­che begeis­terte er. Nie­mand wusste, wie er all das tun konnte. Inhalt der Pakete, Lebens­mit­tel und Medi­ka­mente wur­den geteilt, ver­teilt an Kame­ra­den, die keine Pakete beka­men. So ret­tete er Leben; und Glau­ben an die Mensch­lich­keit und Glau­ben an Chris­tus und die Kraft des Evan­ge­li­ums. Auch eigene Pakete ver­schenkte er völ­lig.[118]Das für die pol­ni­schen Pries­ter bestimmte Lager­es­sen ver­schenk­ten sie eben­falls, da sie vom Inhalt ihrer Pakete leben konn­ten. So wur­den ganze Kes­sel mit Suppe und große Men­gen Brot an andere Blö­cke und an das Kran­ken­re­vier ver­schenkt. Dies geschah übri­gens genauso im Block der deut­schen Pries­ter, Nr. 26. 

Ver­hält­nis zu Kame­ra­den: Wicek hatte im Lager viele sehr gute Freunde, die bereit waren ihm zu hel­fen und zu unter­stüt­zen. Viele ris­kier­ten dafür sehr viel.

Fre­li­chow­skis Auto­ri­tät wurde von allen aner­kannt. Laien und Geist­li­che folg­ten sei­ner Füh­rung.[119] Wie ein Bischof wurde er geach­tet, obwohl er viel jün­ger war als die meis­ten ande­ren Geist­li­chen. Er hatte sel­ber nicht ein­mal 3 Jahre Erfah­run­gen als Pries­ter in Frei­heit, doch führte er viele erfah­re­nere Geist­li­che. Er wurde als geis­ti­ger Lei­ter der Pries­ter und Laien aner­kannt. Er tat alles um die Hoff­nung der Mit­häft­linge zu näh­ren, die Mit­häft­linge erkann­ten in ihm einen Pries­ter, der sei­ner Beru­fung treu geblie­ben war, das gab Hoff­nung.[120] Aber nicht nur bei den Geist­li­chen war sein Ein­fluss groß. Mit den schlimms­ten Mör­dern konnte er spre­chen, er wusste mit ihnen umzu­ge­hen.

Fre­li­chow­ski war als geist­li­che Füh­rungs­ge­stalt im Lager tätig. Er war dabei der „Ide­en­ge­ber“, gab den Anstoß und orga­ni­sierte, zog sich danach aber zurück und über­nahm sel­ber nie den Vor­stand einer Orga­ni­sa­tion. Ihm war es sehr wich­tig demü­tig zu blei­ben und sel­ber nicht mit Mit­tel­punkt zu ste­hen. Schon im Pries­ter­se­mi­nar hatte er sich dafür ent­schie­den demü­tig und im Hin­ter­grund zu blei­ben. Im KZ Dachau grün­dete Fre­li­chow­ski 3 Orga­ni­sa­tio­nen: die pol­ni­sche Cari­tas, das pol­ni­sche Pries­ter­se­mi­nar und die Legion Christi.

Legion Christi, auch hei­li­ger Bund oder Ver­schwö­rung genannt grün­dete sich 1943 heim­lich aus einer Gruppe von jun­gen Pries­tern und Semi­na­ris­ten aus dem Kreis Fre­li­chow­skis Schü­ler. „Fre­li­chow­ski traf sich auch mit den Semi­na­ris­ten um ihnen die Kraft ein­zu­flö­ßen, damit sie in ihrer Beru­fung aus­har­ren. Gemein­sam mit ihnen hat er den Plan der sog. Legion Christi erar­bei­tet.“[121]

Zu den Zie­len die­ser Gruppe gehörte die Arbeit an sich sel­ber, um sogar in der schwie­ri­gen Situa­tion des Lagers gute und hei­lige Pries­ter sein zu kön­nen. Dies sahen sie als Vor­be­rei­tung auf das pries­ter­li­che Leben und das seel­sorg­li­che Enga­ge­ment nach dem Krieg.

1944 gab sich die Gruppe Sta­tu­ten. Darin leg­ten sie fest, was sie am leben­di­gen Vor­bild Fre­li­chow­ski able­sen konn­ten. Er war ihr Vor­bild, ihn bewun­der­ten diese jun­gen Geist­li­chen. Fre­li­chow­ski wollte hei­lige Pries­ter her­an­bil­den, sie soll­ten die christ­li­che Idee in die Gesell­schaft tra­gen und das Reich Got­tes durch die Medien ver­brei­ten.

Diese Sta­tu­ten waren geprägt von der beson­de­ren Situa­tion der Geist­li­chen im Lager. Wie befürch­tet zer­streute sich die Gruppe nach der Befrei­ung im April 1945. Der Ziel der Gruppe, die Cha­rak­ter­schu­lung der Semi­na­ris­ten und jun­gen Pries­ter im Lager war erfüllt wor­den und prägte die Män­ner ein Leben lang.

Bischof Majd­an­ski, damals ein jun­ger Geist­li­cher in die­ser Gruppe, erzählt: „Eine Gruppe jun­ger Leute schließt  einen „hei­li­gen Bund“, eine geis­tige Gemein­schaft all jener, die dazu gehö­ren wol­len. Der Kern die­ser Gemein­schaft ist eine Gruppe von Jesuiten-Klerikern, beson­ders Kazi­mierz Chudy und Julian Pla­we­cki. Die Seele des Gan­zen ist Pater Win­centy Fre­li­chow­ski, der von Pater Bole­s­law Burian, dem spä­te­ren Spi­ri­tual des pol­ni­schen Pries­ter­se­mi­nars in Paris, unter­stützt wird. Der „hei­lige Bund” hat vor allem zwei Prin­zi­pien: 1. aus Liebe zu Gott jeden Augen­blick und alles, was geschieht und was man sel­ber tut, so inten­siv wie nur mög­lich zu leben, 2. sich jeden Abend um 21 Uhr geis­tig mit der gan­zen Gemein­schaft zum Gebet vor der Got­tes­mut­ter zu ver­ei­nen.“[122]

Abends um 21.00 Uhr ist in Polen ein beson­de­rer Zeit­punkt. Zum  „Appell von Tschen­sto­chau“ tref­fen sich alle Katho­li­ken Polens geis­tig vor dem Gna­den­bild in Tschen­sto­chau zum Gebet bei der Mut­ter der Nation. Um 21.00 Uhr wird in die­sem Wall­fahrts­ort das letzte Gebet der Pil­ger gefei­ert. Daran betei­lig­ten sich auch die Mit­glie­der der Legion Christi im KZ Dachau.

„In die­ser „Maschine des Todes“ waren die Pries­ter zum Opfer des Lebens geru­fen, treu zu sein bis zum Tod. P. Ste­fan Fre­li­chow­ski hat zusam­men mit P. Bole­s­law Burian eine Art von Gemein­schaft gegrün­det, deren Mit­glie­der sich zur Auf­gabe mach­ten, alle Demü­ti­gun­gen und Lei­den im Lager auf eine dem Geist des Evan­ge­li­ums ent­spre­chende Weise zu ertra­gen, und alles jeden Abend um 21 Uhr Maria zu über­ge­ben. …“[123]

Am 05.03.1944 weih­ten sich die Mit­glie­der der Gruppe dem hei­ligs­ten Her­zen Jesu.

Fre­li­chow­ski grün­dete auch ein gehei­mes pol­ni­sches Pries­ter­se­mi­nar auf Block 28. Um die Beru­fung der anwe­sen­den pol­ni­schen Semi­na­ris­ten zu stär­ken, und dafür zu sor­gen, dass die Beru­fung im Lager nicht ver­lo­ren ging, die jun­gen Män­ner soll­ten auch die Jahre in der Lager­haft nicht unge­nützt zu ver­lie­ren. Unter den gefan­ge­nen Pries­tern befan­den sich zahl­rei­che Pro­fes­so­ren aus Pries­ter­se­mi­na­ren, diese unter­rich­te­ten 53 Stu­den­ten Theo­lo­gie und spä­ter gab es auch einen Phi­lo­so­phie­kurs für 17 Stu­den­ten. Zu den Unter­richts­stun­den in die­sem Pries­ter­se­mi­nar tra­fen sich die Teil­neh­mer täg­lich nach dem Abend­ap­pell. Fre­li­chow­ski orga­ni­sierte des­halb im KZ geheime Zusam­men­künfte,[124] Vor­träge, reli­giöse Dis­kus­sio­nen, Got­tes­dienste und gemein­sa­mes Gebet.

Ende 1944 brach im KZ Dachau Fleck­ty­phus aus. Es war kaum Hilfe für die Kran­ken von Sei­ten der Lager­lei­tung zu erwar­ten, sie sperr­ten die Kran­ken in abge­rie­gelte Quarantäne-Baracken, mit Sta­chel­draht umge­ben, um dort völ­lig auf sich allein gestellt und unver­sorgt ster­ben zu las­sen. Nie­mand durfte dort­hin gehen und ihnen hel­fen und nie­mand wollte das, wegen der hohen Anste­ckungs­ge­fahr bestand Lebens­ge­fahr. Anfang 1945 star­ben täg­lich weit über 100 Häft­linge, 3000/ Monat, allein imFe­bruar 1945 star­ben laut Lager­kar­tei 3977 und in März 3668 Häft­linge. Ver­mut­lich ist die wirk­li­che Zahl der Opfer noch höher.„Die kran­ken Men­schen wur­den in Bara­cken­räume hin­ein­ge­wor­fen und waren von der Welt iso­liert. Sie star­ben auf dem nack­ten völ­lig durch­ge­fro­re­nen Beton­fuß­bo­den ohne jede Hilfe. In sol­chen Räu­men herrschte eine wahre Hölle, auch weil die Kran­kenauch unter Darm­ruhr lit­ten, und ihre Not­durft an Ort und Stelle ver­rich­te­ten.“[125]

Wie schon zuvor, ging Fre­li­chow­ski trotz des Ver­bo­tes und der Anste­ckungs­ge­fahr ab Okto­ber 1944 vier Monate lang allein und heim­lich in die Qua­ran­tä­neblocks. Auch der Block 30 war von Geist­li­chen geräumt und mit Typhus­kran­ken belegt wor­den. Diese Män­ner lagen nackt und schmut­zig dort auf den Bret­tern. Es herrsch­ten unvor­stell­bare hygie­ni­sche Ver­hält­nisse. Keine Kran­ken­pfle­ger ver­sorg­ten sie, nicht mal die Lei­chen wur­den her­aus­ge­tra­gen. Fre­li­chow­ski kroch trotz Wachen mit Maschinen-Gewehren über oder unter dem Sta­chel­draht zu den Blocks und klet­terte durchs Fens­ter.[126] Er gab Ster­ben­den, die völ­lig sich selbst über­las­sen waren, Brot, zu trin­ken, wusch Kot ab, hörte die Beichte der Ster­ben­den und reichte ihnen die Eucha­ris­tie. Er ver­teilte Medi­ka­mente. Seine Worte beru­hig­ten die Kran­ken aller Natio­na­li­tä­ten.[127] Ster­bende aller Natio­nen woll­ten beich­ten. Alle Kran­ken woll­ten einen katho­li­schen Pries­ter spre­chen, sogar die evan­ge­li­schen Kame­ra­den. Er gab allen Ster­ben­den die hei­lige Kom­mu­nion, Kame­ra­den aus allen Natio­nen und Kon­fes­sio­nen.[128]

Nie­mand wusste von die­ser gehei­men Tätig­keit als Sama­ri­ter, nur einige der engs­ten Freunde ahn­ten etwas. Wohl wun­der­ten sich die ande­ren Pries­ter, weil er spät in der Nacht erst auf sei­nen Block zurück­kehrte und dann seine Klei­dung nach Läu­sen absuchte, die den Typhus über­tra­gen, um die gesun­den Kame­ra­den und sich selbst vor Anste­ckung zu bewah­ren.

Die Lager­lei­tung hatte sei­nen Dienst in der Zwi­schen­zeit still­schwei­gend akzep­tiert und Fre­li­chow­ski den Auf­trag erteilt die Toten der Qua­ran­tä­neblocks zu zäh­len. So kam er schon halb­of­fi­zi­ell zu den Ster­ben­den und brachte Sta­tis­ti­ken mit.

Die­ses Enga­ge­ment über­stieg schließ­lich seine Kräfte. Des­halb bat er befreun­dete Pries­ter um Mit­hilfe. Er ließ ihnen alle Frei­heit ihre Ent­schei­dung sel­ber zu tref­fen, denn alle wuss­ten, dass die Befrei­ung bei Kriegs­ende nahe war und kei­ner wollte jetzt noch an Typhus ster­ben. Aber der Ein­fluss des geist­li­chen Füh­rers Fre­li­chow­ski war so groß, dass einige der jün­ge­ren Pries­ter sei­nem Bei­spiel folg­ten und in die Typhus­ba­ra­cken gin­gen. P. Zenon Albert Urban­ski OCarm und  Wla­dyslaw Swo­boda aus Poznan, waren unter ihnen.

Ende Januar 1945 begann Fre­li­chow­ski drei pol­ni­sche Pries­ter in die Arbeit auf den Typhus­blocks ein­zeln ein­zu­füh­ren, nach­dem sie sich mit sei­ner Hilfe die Erlaub­nis dazu bei Lager­lei­tung besorgt hatten.Ihre Bitte wurde zunächst abge­lehnt, am nächs­ten Tag erhiel­ten sie jedoch die Geneh­mi­gung für die Besu­che bei den Typhus­kran­ken. Der über­große Gestank von Lei­chen und Kot ver­schlug ihnen den Atem, sie konn­ten sich zuerst nur Über­win­den in einer Ecke zu sit­zen und Beichte zu hören. Wer noch gehen konnte kam zu ihnen. Fre­li­chow­ski kroch in die­ser Zeit auf die Bet­ten zu den Ster­ben­den. „Er legte sich neben einem Ster­ben­den, hielt seine Hand, trös­tete ihn und nahm Beichte ab. Er wid­mete sich ganz den ster­ben­den Mit­häft­lin­gen. Er wusste, dass der Krieg schon bald zu Ende ist, dass er sein Leben ris­kiert, dass er viel­leicht seine Nächs­ten nicht mehr sehen würde. Jedoch das Fle­hen der Lei­den­den um sein Bei­sein in ihrer Ago­nie war für ihn wich­ti­ger.“[129]

Schließ­lich trat die Lager­lei­tung offi­zi­ell an die Pries­ter­ge­mein­schaft heran und bat um Frei­wil­lige zur Pflege der Typhus­kran­ken. In der Kapelle des Pries­ter­blocks 26 rief der Lager­ka­plan Schel­ling zu frei­wil­li­gen Mel­dun­gen auf. Mit Fre­li­chow­ski mel­de­ten sich 32[130] ande­ren Pries­ter frei­wil­lig zur Pflege der Kran­ken, sogar für die Pflege rus­si­scher Gefan­ge­ner, eigent­lich Erz­feinde Polens, waren pol­ni­sche Pries­ter bereit.

Fre­li­chow­ski konnte dies­mal aber sel­ber nicht mehr mit zu den Typhus­kran­ken gehen. Als die Aktion am 14.02.1945 anlief lag er sel­ber, bereits seit 3 Tagen, im Revier. Er hatte alles ihm Mög­li­che getan, um zu hel­fen, jetzt muss­ten andere sein Werk fort­set­zen.

Freunde hat­ten ihn vor der gro­ßen Anste­ckungs­ge­fahr gewarnt, er jedoch hatte sein eige­nes Leben nicht geschont. Am 11.02.1945 brach Fre­li­chow­ski auf sei­nem Wohn­block bewusst­los zusam­men. Freunde tru­gen ihn aufs Revier. Dort, wo er so vie­len gehol­fen hatte, lag er nun sel­ber schwer krank. Die Pfle­ger unter­nah­men alles ihnen nur Mög­li­che, um sein Leben zu ret­ten. Im Fie­ber­wahn ent­wischte er jedoch sei­nen Pfle­gern und lief fie­bernd und nackt auf die kalte Lager­strasse. Wollte er auch jetzt noch ster­ben­den Kame­ra­den hel­fen? Wie­der­ge­fun­den wurde er zurück gebracht und zu sei­ner Sicher­heit ans Bett gefes­selt. Doch die­ser Aus­flug hatte Fol­gen: Wicek bekam eine Lun­gen­ent­zün­dung, zusätz­lich zur Typhuser­kran­kung. Jedes Bemü­hen ihn gesund zu pfle­gen, war nun ver­geb­lich.[131] Bis auf die Kno­chen abge­ma­gert konnte sein Kör­per nicht mehr die nötige Kraft auf­brin­gen um die Lun­gen­ent­zün­dung zu über­ste­hen. Seine letz­ten Lebens­tage waren Momente der Qual. Mehr­mals täg­lich besuch­ten ihn Kame­ra­den, viele von ihnen waren zur glei­chen Zeit auch als Typhus­kran­ken im Revier. Er aber erkannte nie­mand mehr und fühlte sich in Fiber­wahn allein und von allen ver­las­sen. Dazu kamen die gro­ßen Schmer­zen.

„Die Krank­heit des Pries­ters Fre­li­chow­ski war sehr kurz, aber schwer… Er starb in der Nacht vom 22. zum 23. Februar 1945, ein klei­nes Kreuz­chen in den Hän­den hal­tend “[132]Er starb in vol­lem Bewusst­sein und konnte sogar noch aus­spre­chen, dass er sei­nen Tod als Got­tes Wil­len anneh­men konnte. Seine letz­ten Worte im Ster­ben waren: „Jesus, Maria, ret­tet mich.“

Fre­li­chow­ski starb für seine Kame­ra­den völ­lig uner­war­tet, als letz­ter besuchte ihn Sta­nis­law Benka, sein Freund aus der Toten­kam­mer, am Abend des 22. Februar 1945. Er merkte nicht, dass Wicek sich kurz vor sei­nem Able­ben befand. Beru­higt ver­ließ er ihn an die­sem Abend und war des­halb sehr über­rascht, als die Pfle­ger Wiceks Leib am nächs­ten Mor­gen in die Toten­kam­mer brachten.Nur 32 Jahre war Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski alt gewor­den, die 6 letz­ten Jahre, oder 64 Monate, hatte er in Gefan­gen­schaft ver­bracht. Er starb im Kran­ken­re­vier des KZ Dachau auf Block 7, Stube 2. Dort lag er in der unters­ten Etage eines 3-stöckigen Bet­tes, irgendwo dicht beim Fens­ter.

Er opferte sein Pries­ter­le­ben um Frie­den in die Her­zen, der in der in Ein­sam­keit Ster­ben­den zu brin­gen, die sich dank sei­nes auf­op­fe­rungs­vol­len Diens­tes mit Gott ver­söhnt haben. Auch er hatte von der Frei­heit geträumt, aber die Mis­sion sei­nes Lebens war schon erfüllt.

Papst Johan­nes Paul II wür­digte ihn mit den Wor­ten: „Er teilte die­sen Frie­den mit ande­ren, denn seine Seele schöpfte die Kraft aus dem Frie­den Christi.“[133]

In die­sen letz­ten Tagen des Krie­ges herrschte Chaos im KZ Dachau. Nie­mand wusste mehr ob seine Freunde noch leb­ten, wer krank war und wer noch gesund. Die Kräfte reich­ten oft nur noch für die Sorge um das eigene Leben und für den ein­zel­nen Tag. Trotz­dem erschüt­terte der Tod Fre­li­chow­skis viele Kame­ra­den. So geschah etwas noch nie Dage­we­se­nes:

Sein Freund, der Medi­zin­stu­dent Sta­nis­law Benka, hatte von Fre­li­chow­ski viel Hilfe emp­fan­gen. (Als Benka krank im Revier lag, hatte Fre­li­chow­ski ihn seel­sorg­lich beglei­tet. Da Benka in der Toten­kam­mer arbei­tete, konnte er Fre­li­chow­ski und die Jugend­li­chen zu den gehei­men Tref­fen dort die Türe öff­nen). Durch Ver­mitt­lung der deut­schen Geist­li­chen gelang es ihm von der Lager­lei­tung die Erlaub­nis für die Auf­bah­rung des Ver­stor­be­nen zu erhal­ten.

Dies war ein beson­de­res Ereig­nis im KZ Dachau. Einen Tag lang wurde der Leich­nam von Sta­nis­law Benka vor­be­rei­tet. Abends, nach dem Appell, kamen dann ca. 100 Kame­ra­den in den klei­nen Raum, um sich zu bedan­ken und zu ver­ab­schie­den. Der Leich­nam Fre­li­chow­skis lag in einem offe­nen Sarg in einem Meer von wei­ßen Blu­men gebet­tet. Obwohl es im Februar viel zu kalt für Blu­men war, hat­ten die Kame­ra­den sie Blüte für Blüte unter gro­ßer Gefahr heim­lich aus den Gewächs­häu­sern­der Plan­tage ins Lager geschmug­gelt. Blu­men lagen dabei. Dies war eine Mani­fes­ta­tion des Glau­bens und ein Zei­chen der Liebe und Ver­eh­rung für den Ver­stor­be­nen.

Ein Augen­zeuge erin­nert sich: „Schwei­gend und… im Gebet bewegte sich der Zug der Gefan­ge­nen in der Lei­chen­halle. Junge wie Alte, Polen wie Aus­län­der zogen am Leich­nam vor­bei. Alle kann­ten ihn. In die­sem Augen­blick wur­den viele innige Gebete für ihn an den Schöp­fer gerich­tet, unzäh­lige Trä­nen roll­ten über die Gesich­ter. Ein gelieb­ter und hei­lig­mä­ßi­ger Pries­ter war von ihnen gegan­gen. Es war ein Mensch gestor­ben, der sein Leben auf dem Altar der Liebe und Barm­her­zig­keit dem Nächs­ten gegen­über geop­fert hatte.” [134]

Alle wuss­ten: hier ist ein Hei­li­ger gestor­ben. Des­halb wurde alles nur Mög­li­che getan um Reli­quien und Spu­ren zu sichern. Der Medi­zin­stu­dent Sta­nis­law Bienka, (die­ser lebte bei Wiceks Selig­spre­chung noch und brachte beim Got­tes­dienst ein Reli­quiar zum Papst [135]) , fand zufäl­lig Kalk in der Kran­ken­ba­ra­cke und nahm dem Toten eine Toten­maske ab. Bienka trennte auch heim­lich zwei Fin­ger der rech­ten Hand ab, um Reli­quien zu sichern. Einen der Fin­ger ver­steckte er im Gips der Toten­maske, der andere  wurde mit einer Kalk­schicht bedeckt, so dass er aus­sah „wie ein Stück Kreide“[136]. So ist Fre­li­chow­sky der ein­zige im KZ Dachau ermor­dete Selige, von dem es Reli­quien gibt.

Vor der Bestat­tung fer­tigte ein Mit­häft­ling, (der Semi­na­rist, Wla­dyslaw Sar­nik aus Wlo­cla­wek, er hatte malen gelernt),eine Zeich­nung des Gesich­tes des Ver­stor­be­nen und eine Zeich­nung der Toten­maske. Dazu muss man wis­sen, dass die Gesich­ter der Typhus­to­ten alle ver­zerrt waren.[137]

Am Abend des Ster­be­ta­ges bete­ten Pries­ter für ihn und ent­schlos­sen sich ihre Erin­ne­run­gen auf­zu­schrei­ben. Dazu gin­gen sie nachts auf die dunkle Toi­lette, dem ein­zi­gen ruhi­gen Ort. Die Samm­lung war mit Zeich­nun­gen und ein­ge­kleb­ten Bil­dern ergänzt, in rotes Leder gebun­den. Sie wurde zusam­men mit der Toten­maske auf der Plan­tage ver­gra­ben und spä­ter nur mit Mühe wie­der­ge­fun­den. Diese Gegen­stände brachte der über­le­bende Mit­ge­fan­gene und spä­tere Bischof Bern­hard Czap­lin­ski nach dem Krieg nach Polen und über­gab sie der Mut­ter.[138]

Heute wer­den die Reli­quie in der Mari­en­kir­che in Torun auf­be­wahrt.[139]

Der in der Toten­maske ein­ge­gipste Fin­ger befin­det sich noch dort. Vom zwei­ten Fin­ger, der in einem Kalk­stück ver­bor­gen war, wur­den einige kleine Teile abge­schnit­ten und in Reli­qui­a­ren ver­brei­tet. Ca. 13 sol­cher Reli­quiare exis­tie­ren und kön­nen heute die Ver­eh­rung des Seli­gen bezeu­gen. Auch ein Denk­mal wür­digt den Seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski. Im Gar­ten des Pries­ter­se­mi­nars in Torun ist es auf­ge­stellt. Die Figur Wiceks trägt einen Ster­ben­den, der Chris­tus sym­bo­li­siert. Eine kleine Kopie die­ses Denk­mals befin­det sich in dem Gedenkraum der Gedenk­stätte des KZ Dachau.

Die sterb­li­chen Über­reste Fre­li­chow­skis wur­den nach der Über­zeu­gung sei­ner noch leben­den Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen im Kre­ma­to­rium des KZ Dachau ver­brannt. Dies soll heim­lich orga­ni­siert wor­den sein um eine wür­de­volle Bestat­tung sicher zu stel­len. In die­sem Fall wäre das Grab des Seli­gen auf dem Gebiet des Kre­ma­to­ri­ums in der Gedenk­stätte des KZ Dachau.

Es beste­hen jedoch Zwei­fel an die­ser Ein­schät­zung. Nach ande­ren Aus­sa­gen war das Kre­ma­to­rium Ende Februar 1945 aus Brenn­stoff­man­gel nicht mehr in Betrieb. In die­sem Fall wäre keine Feu­er­be­stat­tung mög­lich gewe­sen und Fre­li­chow­ski wäre in einem Mas­sen­grab auf dem Fried­hof auf dem Lei­ten­berg in Dachau, Etzen­hau­sen bestat­tet wor­den.

Wo fin­den wir Fre­li­chow­skis Spu­ren im KZ Dachau? In der ers­ten Zeit wohnte Fre­li­chow­ski in Bara­cke Nr. 28[140], Stube 4. Als am 31.10.1941 ein Trans­port älte­rer pol­ni­scher Geist­li­cher im Lager ankam, wur­den diese in seine Stube in Block 28 ein­quar­tiert und Fre­li­chow­ski auf Block 30, Stube 4 ver­legt. Spä­ter besuchte er täg­lich seine alte Stube im Block 28 um den alten Pries­tern zu hel­fen. Sie waren zu schwach und konn­ten jede Hilfe brau­chen, z.B. beim „Bet­ten­bau“. Alle diese älte­ren Pries­ter wur­den  schließ­lich als arbeits­un­fä­hig aus­sor­tiert, auf einem Inva­li­den­trans­port ermor­det.

In Block 30 wurde Fre­li­chow­ski der geist­li­che Vater der 1. Stube, wohin er nach kur­zer Zeit aus der 4. Stube ver­legt wor­den war. Nach sei­ner Kran­ken­zeit im Revier März bis Juli 1942 wurde er ab Herbst 1942 in Block 28, Stube 1 ver­legt und auch dort zum geist­li­chen Vater der Pries­ter­ka­me­ra­den. Hier im Block 28, Stube 1 grün­dete er die Cari­tas­or­ga­ni­sa­tion unter den pol­ni­schen Geist­li­chen und die Legion Christi (s.o.). Hier brach er schließ­lich im Februar 1945 bewusst­los zusam­men und wurde schwer­krank ins Revier gebracht. Block 7, Stube 2 war seine letzte Adresse, dort starb er.

Über­all auf dem Gelände war er unter­wegs um sei­nen Kame­ra­den zu begeg­nen und zu hel­fen. Beson­ders oft war er auch in den pol­ni­schen Wohn­blocks 16 und 18, wo er heim­lich Hl. Mes­sen fei­erte und Freunde besuchte. In den ers­ten unge­ra­den Blocks des Reviers und in den letz­ten Mona­ten auch in den Qua­ran­tä­neblocks 21, 23, 25, 27, 29 und 30, half er kran­ken Kame­ra­den und diente Ihnen als Seel­sor­ger.

Einige Schü­ler aus dem Bund „Legion Christi“ über­leb­ten das KZ Dachau und führ­ten Fre­li­chow­skis Ideale wei­ter, sie wur­den beseelt von sei­nen Visio­nen des Pries­ter­tums, beson­ders gute Pries­ter. Drei katho­li­sche Bischöfe: Majd­an­ski, Jez und Czap­lin­ski, ent­stam­men sei­nem Schü­ler­kreis. Als Czap­lin­ski 1948 zum Bischof geweiht wurde, sagte er, an sei­ner Stelle sollte jetzt eigent­lich Fre­li­chow­ski ste­hen. Ein ande­rer enger Schü­ler war Pater Marian Zelazek, damals Semi­na­rist der Stey­ler Mis­sio­nare. Er ging nach dem Krieg nach Indien und ver­wirk­lichte Fre­li­chow­skis Ideale in sei­ner Arbeit mit Aus­sät­zi­gen. Für sie grün­dete er Schu­len und Werk­stät­ten. Sogar für den Frie­dens­no­bel­preis wurde P. Marian Zelazek nomi­niert. Obwohl erst 2006 ver­stor­ben, wurde schon ein Selig­spre­chungs­pro­zess in Indien für P. Marian Zelazek ein­ge­lei­tet.

Fre­li­chow­skis Selig­spre­chungs­pro­zess wurde 1964 ein­ge­lei­tet, seine Ver­eh­rung ver­brei­tete sich in Polen. Jähr­lich fan­den Got­tes­dienste mit Gebet um seine Selig­spre­chung statt. Sogar Stra­ßen wur­den nach ihm benannt.[141]

Im Februar 1995 konnte sein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren auf diö­ze­sa­ner Ebene abge­schlos­sen wer­den. Noch wäh­rend des Ver­fah­rens wurde auf seine Für­spra­che Joanna Grod­zi­cka durch ein Wun­der geheilt. Sie trat in den Kar­mel ein.

Die Selig­spre­chung wurde am 07.06.1999 in Torun von Papst Johan­nes Paul II gefei­ert, einige Tage vor der Selig­spre­chung der 108 pol­ni­schen Mär­ty­rer, Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Fre­li­chow­skis Schwes­ter Mar­c­j­anna Jacz­kow­ska durfte, als letzte Über­le­bende der Fami­lie, dem Papst den Reli­qui­en­schrein ihres Bru­ders über­rei­chen. Papst Johan­nes Paul nannte ihn „Zeuge einer gro­ßen Sache“.[142]

Wei­ter for­derte der Papst die Kir­che von Torun auf, sein Geden­ken zu wah­ren, um an die gro­ßen Werke Got­tes zu erin­nern, die Gott im kur­zen Leben die­ses Pries­ters voll­zo­gen hat.[143]

Aus der Pre­digt von Papst Johan­nes Paul II: „Die­ser Tor­u­ner Pries­ter, der den seel­sor­ge­ri­schen Dienst nur knapp 8 Jahre lang getan hat, gab ein gut les­ba­res Zeug­nis sei­ner Hin­gabe an Gott und Men­schen. Mit Gott im Her­zen, ging er seit den ers­ten Jah­ren sei­nes Pries­ter­le­bens, mit dem Reich­tum sei­nes Pries­ter­charis­mas, über­all dort hin, wo die Gnade der Erlö­sung benö­tigt wurde. Er lernte die Geheim­nisse der mensch­li­chen Seele ken­nen und passte seel­sor­ge­ri­sche Metho­den an Bedürf­nisse eines jeden Men­schen an, dem er begeg­nete. Diese Fer­tig­keit erlernte er wäh­rend des Pfad­fin­der­diens­tes – Schule der Sen­si­bi­li­sie­rung auf Bedürf­nisse der Ande­ren und ent­wi­ckelte sie stän­dig im Sinne des Gleich­nis­ses vom guten Hir­ten…. 

Das soge­nannte Fort VII, Stutt­hof, Grenz­dorf, Oranienburg-Sachsenhausen und schließ­lich Dachau – das sind die Sta­tio­nen sei­nes Kreuz­we­ges, auf denen er unver­än­dert blieb: uner­schro­cken bei der Erfül­lung sei­nes seel­sor­ge­ri­schen Diens­tes. Er ging vor allem zu Men­schen, die ihn am meis­ten brauch­ten – zu den mas­sen­weise an Typhus ster­ben­den, des­sen Opfer er selbst schließ­lich wurde. Er hat sein Pries­ter­le­ben Gott und den Men­schen gewid­met, indem er den Kriegs­op­fern Frie­den ver­kün­dete. …  Wir neh­men mit gro­ßer Dank­bar­keit das Lebens­zei­chen des seli­gen Pries­ters Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski an, eines Hel­den unse­rer Zeit, Pries­ter und Frie­dens­men­schen, als einen Appell an unsere Gene­ra­tion.“[144]

Zum Schluss sei­ner Homi­lie sagte der Hei­lige Vater: „Ich wende mich an die gesamte Fami­lie der pol­ni­schen Pfad­fin­der mit der der neue Selige zutiefst ver­bun­den war. Er soll für Euch zum Patron wer­den, ein Leh­rer des Edel­mu­tes, Für­spre­cher des Frie­dens und der Ver­söh­nung.“[145]

 

Seit dem ver­brei­tet sich seine Ver­eh­rung auf wei­tere Teile der Welt. In die­sen Tagen (April 2014)  pil­gern seine Reli­quien um die Welt: Eng­land, Frank­reich, USA, Kanada, Aus­tra­lien. In Afrika (Sam­bia) war schon früh eine Fre­li­chow­ski­ka­pelle  geweiht wor­den, diese wird jetzt durch eine grö­ßere Fre­li­chow­ski­kir­che ersetzt.

Am 23.03.2008 konn­ten ent­spre­chend die­ser Auf­for­de­rung des Paps­tes, deut­sche und pol­ni­sche Pfad­fin­der eine gemein­same Gedenk­feier bege­hen.[146]

Anläss­lich des 100. Geburts­ta­ges des Seli­gen fand am 06.-12.08.2013 in Toruń ein inter­na­tio­na­les Pfad­fin­der­tref­fen mit dem Titel “Wicek 2013″ statt.[147]

Auch zum 100. Geburts­tag des Patrons der Pfad­fin­der fand am 14.-15.12.2013 in Dachau und Mün­chen eine Wall­fahrt pol­ni­scher Pfad­fin­der statt.[148] (auch wir berich­te­ten dar­über)

 Zitate aus Brie­fen aus dem KZ Dachau in deut­scher Spra­che!:

 Brief vom 28.11.1943:  „Teure Eltern es ist gerade der erste Advents­sonn­tag… Die tiefe Hoff­nung auf Frie­den durch­schwebt (sic) alle Her­zen. Ich kann nicht mehr schrei­ben, aber ich bin davon über­zeugt. Jedes Opfer hat sei­nen Sinn. Die­sen Sinn kennt Gott am bes­ten. Es sind Zei­ten, in denen die Schick­sale ein­zel­ner Men­schen dem Schick­sal gan­zer Völ­ker und grö­ße­rer Ideen unter­ge­ord­net wer­den müs­sen. Und trotz­dem hat auch das Schick­sal jedes ein­zel­nen Men­schen Wert und Sinn. Aber nur in Got­tes Hän­den. Er ist unser und aller Vater. Und er ist die Liebe. … Und die Liebe möchte als Abbild des Vaters in allen Her­zen sein. Denn trotz allen Krie­gen, Ver­wirr­nis­sen, Lei­den und Bösen, nur die Liebe wird sie­gen. Und alles ver­geht, nur die Liebe bleibt. Sie ist das kost­barste, was alle Men­schen unter sich bin­den kann.… Was nutzt es Hass oder Gleich­gül­tig­keit für Men­schen zu emp­fin­den? Wer liebt, der hat auch Ver­trauen, in Men­schen und in Gott. Weih­nach­ten ist das Fest der Fami­li­en­liebe und der Liebe, die Gott den Men­schen als Sich selbst schenkt. (sic)

 22.01.1944 (an sei­nem 31. Geburts­tag) :  „Teure Eltern es sind jetzt wirk­lich schwere Schick­sals­stun­den. Aber die Lage ist kei­nes­wegs hoff­nungs­los. Wir kön­nen nur durch Opfer des täg­li­chen Lebens und Gebete hel­fen, damit die Sonne leuch­ten möge. Aber leuch­ten wird sie dann bestimmt. Glaube und Kraft ist und wird in uns sein… Der Krieg nähert sich sei­nem Ende, das ja. Aber wel­che schwe­ren Stun­den kön­nen noch sein! Ver­trauen auf Gott und in seine Gnade möge Euch und allen Kraft geben! Auf Wie­der­se­hen meine innig gelieb­ten Eltern und Geschwis­ter und Ihr alle. Ste­fan“

 22.10.1944:  „Man muss wirk­lich Mut haben um rich­tig zu leben in sol­chen Zei­ten. Und es freut mich, dass Du sol­chen Mut hast und ich bin über­zeugt, dass Du es wei­ter fin­den wirst. Keine Bigot­te­rie, aber ein­fa­che Zuver­sicht in Got­tes Vor­se­hung. Die Quel­len des ewi­gen Lebens kennst Du doch. Mehr brau­che ich nicht zu schrei­ben. Wenn Du es wirk­lich tust, genügt es auch für die noch schwe­re­ren und unsi­che­re­ren Zei­ten, wel­che vor uns allen ste­hen und wel­che wir erwar­ten müs­sen durch alle, in allen Krei­sen. Also liebe Stasia hab nur Mut, des­senQuelle kennst Du. Und immer, aber auch immer denen zu hel­fen, die es noch schlim­mer haben, denen aus Dei­ner nächs­ten Umge­bung. Nur hel­fen wol­len, nur trös­ten wol­len, und um sich wach zu schauen und die Gele­gen­heit zur guten Tat steht schon vor uns. Jeder hat in sich selbst ein grö­ße­ren Schatz, als nur im Essen und Trin­ken oder sich zu Beklei­den, um das Ziel des Stre­bens der Tages­mühe zu sehen. Des­we­gen wün­sche ich Dir, dass Deine Tage wert­volle seien, dass sie Dir und den ande­ren das gütige und dank­bare Lachen brin­gen mögen. Und so wie das Has­sen, das Grol­len, das Brum­men die­je­nige, die auf sie sto­ßen, zu Trä­gern und Anste­cker der glei­chen Krank­heit  machen, so aber auch das Gute, das sich Gebende, das brü­der­lich und mit­lei­dig Lie­bende.Nur das kann die Tage auch jedes beschei­de­nen Men­schen erhel­len und mit Sonne erfül­len. Nicht nur das Emp­fan­gen, son­dern  noch mehr das Geben. Und nur das gibt einem, der nach dem Ver­lust eines innig gelieb­ten Men­schen wie zer­stört ist – Leben wie­der immer auf Neue, sei­nen Inhalt, sei­nen Wert und end­lich sein Glück. … Dann braucht Ihr nicht täg­lich die Gele­gen­heit zur beglü­cken­den guten Tat suchen. Dann, nach einem ent­schei­den­den Beschluss ob Du schon willst oder nicht, ruft jeder Tag zur Erfül­lung sei­nen, Dich beglü­cken­den Pflich­ten.

…Mit Grü­ßen von gan­zem Her­zen für Dich, für die lie­ben Eltern, … sende ich Dir diese paar brü­der­li­chen Worte zum bal­digs­ten Wie­der­se­hen. Euer Ste­fan 

 

Gebet:   All­mäch­ti­ger und barm­her­zi­ger Gott, Du gibst uns Hir­ten nach Dei­nem Her­zen, indem Du sie zur selbst­lo­sen Liebe nach dem Vor­bild Jesu Christi, des Guten Hir­ten befä­higst.

Von die­ser Liebe erfüllt, starb der Pries­ter Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski, der an Christi Lei­den Anteil hatte,den Mär­ty­rer­tod im Dienst an den Mit­men­schen, die das Über­maß an Leid, Schmerz und Ver­las­sen­heit erlit­ten hat­ten.

Im fins­te­ren Tal fürch­tete er das Böse nicht, son­dern besiegte das Böse mit dem Guten.

Gewähre mir, Herr, auf Für­spra­che des seli­gen Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski die Gnade …, um die ich bitte.

Bewirke in Dei­ner Güte, dass der heroi­sche Zeuge der Hir­ten­liebe bald zur

Ehre der Hei­li­gen erho­ben werde, der Du lebst und herrschst in Ewig­keit. Amen.

 

Über jedes erhörte Gebet auf die Für­spra­che des sel. Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­ski

infor­mie­ren Sie bitte: Thor­neer Diö­ze­san­ku­rie, Ul. Łazi­enna 18,

PL.- 87-100 Torun, Tel. 0-56/6223530; Fax: 0-56/ 6210902.


[1 Zadura, Robert Zadura, Der selige Pries­ter Ste­fan Win­centy Fre­li­chow­sky, Torun 2009,  S. 28

 [2] Bericht der jün­ge­ren Schwes­ter Fle­li­chow­skis, Mar­c­j­anna, www.brewiarz.pl

 [3] Zadura, S. 26

 [4] Zadura, S. 19f

[5] Zadura, S. 27

 [6] Zadura,  S. 36

 [7] Holz­ap­fel Hel­mut, Pfad­fin­der zu Gott, Bau­nach 1988, S. 12

 [8] Zadura, S. 12

 [9] Holz­ap­fer, S. 14

 [10] Schwes­ter s.o.

 [11] Zadura, S. 45

 [12] Zadura, S. 43

 [13] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [14] Zadura, S. 12

 [15] Zadura, S. 12

 [16] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [17] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [18] Holzapfe,l S. 16

 [19] Holz­ap­fel, S. 19f

 [20] Zadura, S. 12

 [21] Andere Über­set­zung nach pl.wikiquote.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowsky; beide zusam­men in die­sem Zitat ver­ar­bei­tet

 [22] Holz­ap­fel, S. 17

 [23]Holz­ap­fel, S. 17

[24] Zadura, S. 31

 [25] Holz­ap­fel, S. 21

 [26] Holz­ap­fel, S. 21

 [27] P. Joseph Augus­tine SJ, Kon­fe­renz Natio­nal­kon­gress der Beru­fun­gen, Jasna Gora, Mai 2000

[28] Holz­ap­fel, S. 21

 [29] Zadura, S. 50

 [30] Schwes­ter s.o.

 [31] Zadura, S. 13

[32] Zadura, S. 51

[33] Zadura, S. 65

 [34]P. Augus­tin, a.a.O.

 [35] http://de.zhr.pl/index.php?id=4

 [36] www.pfadfinder-treffpunkt.de

[37] http://de.zhr.pl/index.php?id=4

 [38] Zadura, S. 63

 [39] Holz­ap­fel, S. 23

 [40] http://pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [41] Zadura, S.13

 [42] Zadura, S. 62

[43] Holz­ap­fel, S. 23

 [44]Holz­ap­fel, S. 23

 [45] Pl.wikiquote.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowsky

 [46] Zadura, S. 13

[47] Zadura, S. 12

 [48] P. Augus­tine, a.a.O.

 [49] P. Augus­tine, a.a.O.

[50]  P. Augus­tine, a.a.O.

[51] Zadura, S. 13

[52] Zadura, S. 67

 [53] Zadura, S. 14

[54] Zadura, S. 13

 [55] Zadura, S. 13

 [56] Zadura, S. 13

 [57] Zadura, S. 13

 [58] Zadura, S. 80

 [59] www.igw-resch-verlag.at

 [60] www.igw-resch-verlag.at

 [61] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [62] Zadura, S. 87

 [63]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[64]Zadura, S. 89

[65] Poln. Inter­net­seite: sciaga.pl

 [66] Zadura, S. 89

 [67] Holzapfe,l S. 25

 [68] Zadura, S. 92

 [69] Wiki­pe­dia

 [70] P. Augus­tine, a.a.O

[71] hwww.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [72] Zadura, S. 13f

[73] Inter­net: www.wnmptorun.diecezja.toun.pl

 [74] www.niedziela.pl

 [75] Zadura, S. 91

 [76] Inter­view mit sei­ner Schwes­ter s.o.

 [77] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [78]Wiki­pe­dia

[79]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [80]Inter­view mit der Schwes­ter www.kath.net/detail.php?id=7576

 [81] Zadura, S. 97

 [82] Zadura S. 102

[83] Resch, www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [84] Zadura . S. 103

 [85]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[86] Zadura, S. 106

 [87] pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [88] Zadura, S. 107f

[89] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [90] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [91] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[92] Zadura

 [93] Zadura, S. 111

 [94]Zadura, S. 114

 [95] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [96] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [97]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [98] Zadura, S. 33

 [99] Schwes­ter

[100] http://theblackcordelias.wordpress.com/2009/02/23/blessed-wincenty-stefan-frelichowski-february-23/

[101] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [102] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [103] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [104]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[105]Zadura, S. 13

[106] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [107]www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [108] Zadura, S. 114

 [109] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [110] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [111] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [112] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [113] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [114] Zadura,  S. 121

[115] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[116] Zadura, S. 119

[117]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[118]www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [119] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [120] Zadura, S. 14

 [121] Zadura, S. 122

 [122] Majd­an­ski, Kazi­mierz, Ihr wer­det meine Zeu­gen sein… Meine Zeit im KZS. 113

[123] Majd­an­ski, a.a.O.

[124] Zadura, S. 14

 [125] Zadura, S.125

 [126] www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

[127] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

[129] Zadura S. 126

 [131] www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [132] Zadura, S. 126

 [133] Zadura, S.14

 [134] http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/index.html?http://www.igw-resch-verlag.at/seligeheilige/band4/nowowiejski.html

 [135] Zadura. S 139

 [136] www.sciaga.pl

 [137] Rost, Nico, Goe­the in Dachau,  S. 257

 [138]Zadura,.S. 130

 [139] Zadura, S. 143

 [140] Zadura,  S. 117,  www.katolik.pl/bl–ks–wincenty-frelichowski,497,416,cz.html

 [141] Zadura s 12

 [142] Zadura

 [143] Zadura, S. 12

 [144] Zadura, S. 14

 [145] Zadura, S. 13

 [146] Scout-o-wiki.de

 [147] http://pl.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wincenty_Frelichowski

 [148] Monachium.msz.gov.pl

 

 


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